Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Foren Suche

Ergebnisse in der Bildersuche

Weitere 47 Bilder gefunden. Alle anzeigen

  • SalafistentreffenDatum29.07.2016 14:03
    Thema von Reinhard im Forum Stadt Bremen

    Bremen: eine Salafistenhochburg?


    Nachdem das Flüchtlingsproblem inzwischen sachlicher gesehen wird, ist deutlich geworden, dass man sowohl bei den zugewanderten Flüchtlingen und als auch unter der Wohnbevölkerung mit Migrationshintergrund, die Schwierigkeiten mit der politischen Verfassung unseres Staates hat, deutliche Unterschiede sehen muss. Ein spezielles Problem stellen dabei die Salafisten dar, d.h. die Muslims, die einen Islam praktizieren wollen, wie er wahrscheinlich kurz nach dem Tod des Propheten im heutigen Saudi-Arabien gelebt wurde.

    Und auch diese relativ kleine Gruppe von Salafisten ist kein einheitlicher fundamentalistischer Block. Vielmehr bestehen zallreiche Gruppen und Kleingruppen, die sich gegenseitig mit Gewalt bedrohen, was nicht immer nur ein Ausdruck einer blumenreichen orientalischen Sprache ist.

    Die bekannteste Salafisten-Formation ist dabei gegenwärtig der Islamische Staat, der die Anweisungen der heiligen Bücher des Islams, also der Korans und der Sunna, aus der Zeit der vom Propheten geführten Kämpfe gegen "ungläubige" Stämme in die Gegenwart überträgt. Danach gelten die Bombenangriffe gegen die Bevölkerung im Gebiet des Islamischen Staates als Rechtfertigung für eigene Terrormaßnahmen.

    Von dieser menschenverachtenden Position setzen sich andere salafistische Prediger mit ihren Anhängern ab, die vor einiger Zeit noch vom Staatsschutz als Hassprediger verfolgt wurden, da sie Kämpfer für den islamischen Staat angeworben haben sollen.

    Auch diese Auseinandersetzung verblieb nicht im verbalen Bereich, denn bekannte "friedliche" Prediger wie u.a. Pierre Vogel wurden Anfang dieses Jahres auf eine Todesliste des IS gesetzt.

    Jetzt soll Anfang September eine großen Gegenaktion erfolgen, da die Gruppe um den Prediger Pierre Vogel für die erste Septemberwoche eine Open Air Veranstaltung gegen den Islamischen Staat, oder den "Idiotischen Staat", wie Herr Vogel das Kürzel IS interpretiert, in Bremen plant.

    Die Auswahl des Veranstaltungsortes dieser Vorträge oder Predigten gegen den "Al-Baghdadi-Fanclub" - so eine weitere sprachliche Spitze gegen den IS - wurde bisher nicht konkret erläutert. Ausschlaggebend scheinen vor allem zwei Argumente gewesen zu sein: in Bremen leben relativ viele eigene Anhänger und die Organisation scheint hier vergleichsweise einfach zu sein. Das sind offenbar die Erfahrungen mit der öffentlichen Predigt Anfang Juni 2014.

    Die Details zum Zeitpunkt und zum Veranstaltungsort werden vermutlich erst kurzfristig bekannt gegeben, um dem IS keine Gegenreaktion zu erleichtern. Aber auch so muss Bremen vermutlich mit einer schwierigen juristischen und politischen Herausforderung rechnen.

  • Thema von Reinhard im Forum Islamisierung

    Islamisierung: Salafistische Wohngebiete


    Gegenwärtig ändert sich die subkulturelle Struktur Deutschlands durch drei Entwicklungstendenzen im Bereich der muslimischen Bevölkerung. Hier haben wir einerseits die verstärkte Zuwanderung aus islamischen Ländern wie Syrien, dem Irak, dem Iran, Afghanistan, Pakistan usw., die vor allem als Frage der Integration von Flüchtlingen problematisiert wird

    Daneben erfolgt, worauf in Deutschland vor allem Thilo Sarrazin aufmerksam gemacht hat, ein überdurchschnittlicher "natürlicher" Zuwachs an Muslimen, da islamische Frauen in Deutschland mehr Kinder bekommen als die hier lebenden Frauen in Deutschland insgesamt und vor allem die aus höheren Bildungsschichten und damit vermutlich auch Bevölkerungsgruppen kommen, die stärker aufgeklärte und wissenschaftlich begründete und weniger orthodoxe religiöse Positionen vertreten.

    Durch diese beiden Effekte allein wird der Anteil der Muslims an der deutschen Bevölkerung, der gegenwärtig bei etwa 5 % liegt, zumindest statistisch in den nächsten Jahren deutlich wachsen.

    Das ist eine Aussage, die nur wenig über mögliche Integrationshindernissse aussagt, denn für unsere grundgesetzliche Ordnung spielt es keine Rolle, ob jemand an einen einzigen Gott oder eine komplizierte Dreieinigkeit glaubt, ein Kopftuch trägt oder sich vegan bzw. nur ohne Schweinefleisch und Alkohol ernährt. Das ändert sich jedoch, wenn die Angehörigen einer Religionsgemeinschaft ihren Mitbürgern ein Verhalten vorschreiben wollen, dass im Konflikt zu den Menschenrechten und der demokratischen Organisation des Staates steht.

    Die politische Islamisierung der Muslims

    Damit ist die dritte aktuelle Tendenz unter den Muslims angesprochen, die in nicht.psamihen Städtn lebn. Wähend hir di meisten Muslims, auch wenn sie regelmäßig eine Moschee besuchen, ihe Religion mit den zahlreichen gebetsvrshiften und Verhaltensvorchrifen kaum ratzieeren, besteht daneben eine islamistische "Erweckungsbewegung", wie sie auch die christlichen Kirchen in früheren Zeiten gekannt haben.

    Im Islam wird dabei vor allem der Versuch unternommen, den von der Mehrheitsgesellschaft unterstützten Etablierung eines aufgeklärten Euro-Islams ein Religionsverständnis gegenüber zu stellen, das dem in der Zeit des Propheten und während der ersten folgenden Generationen, d.h. dem der Salafi, entspricht.

    Ohne dabei auf die komplizierten Details einzugehen, wie sie etwa der Berliner Imam Ferid Heider, der sich damit ausführlich in einem bei youtube aufrufbaren Vortrag beschäftigt und dabei auch auf die engen Beziehungen zwischen einem dieser Vertreter eine Islams, der die Bedeutung von Koran, Sunna und dem Tauhīd genanten strenen Eingottglaben betont, Salafi und dem saudischen Herrscherhaus eingeht, durch das in einer ganz besonderen Form der Verbindng nicht von Thron und Altar, sondern von Thron und Mihrāb das heute einflussreiche Königreich Saudi-Arabien überhaupt erst entstehen konnte.



    In Deutschland haben unter den zahlreichen Formen des Salafismus vor allem eine extrem politische Richtung, wie sie etwa vom Islamischen Staat mit seinem Kalifen als Begründung für seinen Terror herangezogen wird und für den u.a. der Berliner Rapper Denis Cuspert gekämpft hat, und eine Orientierung Bedeuntg, dieeneritige Lebesnfürhrng in den Mittelpunktsellt. Dabei steht die Frage im Denis Cuspert, wie ein Mensch nach den Vorgaben von Koran, Sunna und Hadithe der Hölle entgehen und in den Himmel gelangen kann.

    Zu dieser Gruppe zählt der besonders einflussreiche Prediger Pierre Vogel, der sich zwar nicht zum Salafismus rechnet, den er für eine Erfindung des Verfassungschutz und der Medien hält, um den Islam und praktizierendede Muslems zu diskreditieren, sich aber als einen Salaf sieht. Deren Sichtweise erklärt er auch unter seinem arabischen Namen Abu Hamza in einem zehn minütigen youtube-Video.




    Der Konvertit Pierre Vogel,der evangelisch getauft und eine katholische Bekenntnisschule in der Nähe von Köln besucht hat, wechselte später als sussichtsreichr Halbschwergewichtsboxer zur Zeit von Franziska van Almsick an das Berliner Sportinternat im Sportforum Hohenschönhausen. Nach dem Sprechen der Schahāda, dem islamischen Glaubensbekenntnis, im Jahr 2001 gab er den Boxsport auf und lernte Arabisch, um anschließend in Mekka zu studieren.


    Salafismus als ungewöhnliche Jugendreligion

    Inzwischen ist Pierre Vogel vor allem in der Daʿwa tätig, wie im Islam die Missionierung bezeichnet wird. Dabei kann er von seinem Gedächtnis, das ihm lange beeindruckende Rezitationen aus den wichtigsten islamischen Schriften erlaubt, seine Eloquenz auch auf Arabisch und seinen rhetorischen Fahigkeiten profitieren, auch wenn man als Nicht-Muslim seine Kenntnisse der islamischen Theologie kaum beurteilen kann.

    Aber das dürfte seinem wichtigsten Adressatenkreis nicht anders ergehen; denn Piere Vogel wendet sich vor allem an die Söhne zugewanderter muslimischer Familien, die besser Deutsch können als die Sprache ihrer Eltern und daher in Moscheen, wo auf Türkisch oder Arabisch gepredigt wird, bereits von der Sprache her kein optimale Verbindung zur Umma, also der Gemeinschaft aller gläubigen Muslims, finden.

    Damit unterscheiden sich die Werte und Normen, die in den Predigten vertreten werden, sehr deutlich von denen anderer Jugendlicher. Das gilt nicht nur für die aktuelle Erlebniskultur der Gleichaltrigen, in der fast alles erlaubt ist, was gerade "in" und "cool" ist, weil es zu einem hohen Ansehen in der eigenen Clique führt, sondern auch von speziellen Weltanschauungen und Religionen Jugendlicher und junger Erwachsener. Zu nennen sind hier etwa die Studentenbewegung der 1960-er Jahre, die im sozialen Bereich gegen die christliche Sexualmoral mit ihrem Gebot der Jungfräulichkeit und ihrem Verbot der Antibabypille aufbegehrt hat. Und auch später haben Jugendsekten zwar die Einhaltung strenger Regeln und Hierarchien gefordert, aber dabei stärker auf Esoterik gesetzt, als auf die lögische Ableitung von detaillierten Verhaltensvorschriften aus einer Offenbarung, die auf geheimnisvoll wundersame Weise zur Erde gelangt sein soll.

    Der Erfolg dieser Mission, die nicht nur aus geborenen Muslims praktiezierende machen soll, sondern auch als Teil der Veranstaltungen das Sprechen der Schahada durch mehrere nichtmuslimische Teilnehmer umfasst, lässt sich nur schwer bestimmen. Einige Hinweise können die Aufrufe der Einzelvideos bei youtube liefern, die mit der Facebookseite von Piere Vogel verlinkt sind. Die Zahl der Abrufe hängt dabei naturgemäß von dem Alter der Beiträge ab. Jedoch nicht nur. Besonders häufig werden Talkshowauftritte und eher politisch ausgerichtete Predigten angeklickt, wobei üblicherweise der vom Verfassungschutz und zahlreichen Medien als "Hassprediger" etikettierte Pierre Vogel von diesem Negativbild erheblich profitieren kann, wofür er sich in der Regel auch bedankt. Dadurch erhält er nicht nur Aufmerksamkeit vor allem bei einem jüngeren Publikum, das dem deutschen Staat kritisch gegenübersteht. Seine Reden, in denen er auf die Steine, die ihm viele Städte in den Weg legen wollten und erst durch Gerichtsentscheidungen beiseite gerollt wurden, werden so auch gern im Internet verfolgt. Es kommt eben gut an, wenn offensichtlich nicht eine islamische Gruppe gegen die deutsche Rechtsordnung verstoßen hat, sondern es vielmehr entgegen den Artikeln des Grundgesetzes zur Meinungsfreiheit und zur Demonstrationsfreiheit von Teilen des deutschen Staates versucht wurde. Hier kommt Pierre Vogel häufig auf etwa 200.000 Aufrufe.

    Noch interessanter scheinen allgemeine Fragen zum Islam zu sein, denn das Video auf die Frage "Warum essen die Muslime kein Schweinefleisch ?" wurde in acht Jahren über 420.000-mal angeklickt.

    Zahlreiche Internetuser wollen sich auch über die von de Scharia vorgesehenen Strafen informieren. Beispiele sind Videos über "Handabhacken bei Diebstahl" und die Frage "Sind Steinigungen zeitgemäß?". Hier schwankt die Häufigkeit der Aufrufe zwischen 30.000 und über 100.000.

    Auf größeres Interesse stoßen auch Videos, in denen der deutsche Konvertit Antworten auf Fragen gibt, die sich vermutlich viele neu bekehrte Gläubige tatsächlich stellen. So erreichen Predigten zu den Themen "Macho-Muslim & deutsche Freundin" oder "Darf man eine Frau ohne Kopftuch heiraten?" innerhalb von ein, zwei Jahren über 50.000 Aufrufe.

    Auf viel Aufmerksamkeit stoßen Videos zu einigen Moralthemen, die vor allem auch vom gewählten Sprachstil her besonders angesprochene Altersgruppe betreffen. Hierzu gehören beispielsweise die Jungfräulichkeit vor der Ehe und ganz generell Zina ("Unzucht"), womit vor allem vor- und außereheliche Sexualität, Selbstbefriedigung, Empfängnisverhütung, Prostitution, Pornofilme u.ä. gemeint sind. Diese Videos verzeichnen Aufrufzahlen zwischen 40.000 und 60.000.

    Ähnlich häufig gesucht werden Antworten auf Fragen zu Verhaltensweisen, die vermutlich vielen Zuschauerinnen und Zuschauern auf den Nägeln brennen, da sie unter den nicht praktizierenden Muslims und anderen Gleichaltrigen selbstverständlich sind. Zu nennen sind hier das Verbot von Make-up, vom Besuch von Solarien, von Diskos oder das Hören von Musik.

    Relativ schnell und häufig werden auch die Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen wie zu den Terroranschlägen in Paris und Brüssel aufgerufen. So kam das Video zu den Pariser Anschlägen in fünf Monaten auf über 180.000 Aufrufe. Dabei muss es sich nicht um wichtige politische Nachrichten halten. Auch ein Video zur Meldung, der Vater Pierre Vogels sei Mitglied bei den Hells Angels erreichte in vier Monaten auf knapp 40.000 Aufrufe.

    Nicht ganz so häufig wollen offenbar die Vogel-Follower wissen, wie sie "die Gebetswaschung im Islam (Al Wudu)" verrichten müssen; denn die Antwort wurde in drei Jahen bisher nur 1.702-mal angefordert..

    Vermutlich ist die Zahl der Likes für die Facebookseite ein guter Indikator für die Beliebtheit und Reichweite des Predigers Pierre Vogel. Diese Seite gefällt über 156.200 Personen.

    Diese Zahlen weichen insgesamt sehr deutlich von denen des Verfassungsschutzes ab, der allerdings auch eine andere begriffliche Abgrenzung verwenden dürfte. Danach lebten 2014 rund6.300 Salafisten in Deutschland, zu denen die Verfassungsschützer auch die Fans von Pierre Vogel rechnen dürften.

    Auch wenn die absoluten Zahlen sehr weit auseinanderliegen, gibt es dennoch Gemeinsamkeiten; denn sowohl nach der Selbsteinschätzung der deutschen Salafisten als auch der des Verfassungsschutzs findet ein rasches Wachstum der Anhängerzahl statt. So ist nach den Angaben des Verfassungsschutzberichtes 2014 die Anhängerschaft zwischen 2013 und 2014 um knapp 30 % jährlich gestiegen. (S. 90) Sie ist damit "die dynamischste islamistische Bewegung in Deutschland", und das innerhalb der am schnellsten wachsende Religion der Erde, wie Piere Vogel in seinen Predigten immer wieder betont.

    Von der Missionierung zur Bildung islamisierer Wohnviertel

    Wenn man, wie Pierre Vogel durch seine Form der Street Dawa, gemeinsame Pilgerfahrten in die heiligen Stätten des Islams in Mekka und Medina, Islam-Kurse sowie ganz und gar nicht zuletzt ein sehr umfangreiches Angebot an Videos im Internet sehr erfolgreich ist, stellt sich eine große Herausforderung. Falls er seine Anhänger nicht an konkurrierende Prediger oder einfach andere Gruppen von Gleichaltrigen verlieren will, in denen anders als bei den Salafisten alles erlaubt ist, was Spaß macht, muss er eine feste Organistionsform anstreben. Das gilt für den Islam in besonderer Weise, da bei ihm den gemeinsam praktizierten Ritualen eine große Bedeutung zukommt, weil die Anhänger auf diese Weise ihr Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und so leichter den Versuchungen des Schaitans widerstehen und den Geboten und Verboten Gottes, wie sie im Koran und in der Sunna niedergeschrieben sind, folgen können.

    Das hat in der letzten Zeit auch Pierre Vogel erkannt und daraus eine Empfehlung an seine Anhänger abgeleitet, auch wenn man sie nicht in den sonst immer gern und ausführlich rezitierten religiösen Vorschriften findet.

    So ruft er seine Anhänger dazu auf, möglichst in dieselben Wohngebiete zu ziehen und dort eine spezielle islamische Infrastruktur aufzubauen. Dabei stehen für ihn islamische Kindergärten und Schulen ganz oben auf der Prioritätenliste, damit keinem islamischen Kind am Aschermittwoch ein Aschenkreuz auf die Stirn gemalt wird, ohne dass die Eltern das verhindern konnten.

    Dieser Plan für eine islamische Zukunft geht jedoch noch weiter. Da für Kindergärten und Schulen Erzieher und Lehrer benötigt werden, empfiehlt Pierre Vogel ganz unabhängig davon, wie der Islam eine Berufstätigkeit von Frauen sieht, jungen Muslima, entsprechende Ausbildungen zu wählen.





    Integration und islamische Wohngebiete

    Auf diese Weise kann es den Salafisten vermutlich gelingen, dass ihre Kinder nicht von den Ungläubigen verführt werden und sich auch eine anfangs flüchtige Internetbekehrung verfestigt.

    Eine ganz andere Frage ist es jedoch, ob man auf diese Weise Staatsbürgerinnen und Staatsbürger für einen demokratischen Staat sozialisieren kann. Die notwendige Erfahrung, dass es neben der eigenen Meinung und dem eigenen Glauben auch gleichberechtigt andere Sichtweisen gibt, wird sich in einer salafistischen Parallelkultur nur schwer vermitteln lassen.

  • 1. April 2016: Rücktritt des OALDatum01.04.2016 00:23
    Thema von Reinhard im Forum Blumenthal: allgemein

    OAL zurückgetreten

    Blumenthal verwaist. Peter Nowack: „Ich schmeiße hin!“

    Als die Medien für den 31. März zu einer sehr wichtigen Pressekonferenz ins Blumenthaler Rathaus eingeladen wurden, witzelten einige Kollegen über das Datum. Die wollen wohl verhindern, dass das Ergebnis den Lesern als Aprilscherz erscheint.

    Aber was dann der Blumenthaler Ortsamtsleiter der Öffentlichkeit mitzuteilen hatte, würde jeder Leser dennoch für einen Aprilscherz halten, wenn es nicht am Tag vorher passiert wäre und nur erst heute berichtet werden kann.

    Blumenthals weit über den Stadtteil bekannter Ortsamtsleiter kündigte das an, was niemand von ihm erwartet hätte. Er erklärte seinen Rücktritt.

    Die generösen Rücktrittsgründe

    Dafür hatte er auch eine Begründung parat, die so ganz seinem zurückhaltenden Wesen entspricht. Er will das Amt des Stadtteilmanagers bereits jetzt frei machen, damit für seinen Nachfolger überhaupt noch etwas zu tun bleibt. Daher fügte er dieser Aussage die Formel an, die inzwischen zum Standard sozialdemokratischer Bürgermeister gehört, als er resümierte: „Und das ist gut so!“

    Damit verwies Peter Nowack auf die Erfolgsbilanz seiner Jahre, die zweifellos lang ist, vielleicht so lang, dass sie nicht einmal in ein einziges Posting im Internet passt.

    Bekanntermaßen hat der scheidenden OAL in Internetdiskussionen mehrfach seine Kontrahenten aufgefordert, einmal Blumenthal vor seinem Amtsantritt und in der Gegenwart zu vergleichen, um zu erkennen, wofür sich der OAL „den A... aufgerissen hat“, wie es Herr Nowack immer gern klar und deutlich formuliert. Darauf kamen bisher keine Antworten, sodass man annehmen muss, dass die Kritiker von den Leistungen völlig überwältigt sind oder die Zusammenstellung noch nicht abgeschlossen haben.

    Das wird fraglos jedem, der sich sachlich und ohne intellektuelle Vorurteile mit der bisherigen Arbeit von Peter Nowack beschäftigt hat, ähnlich ergehen, wenn er auch zumindest einige Bereiche nennen kann, in denen der OAL ein neues Blumenthal nach seine Vorstellungen geschaffen hat oder zumindest realisieren wollte.

    Besonders kreativ waren dabei seine Versuche, das nötige Geld für die Stadtteilentwicklung einzuwerben. Unvergessen ist hier seine brillante Idee, es durch eine Anschlusssause auf der Bahrsplate zu versuchen, wie seine grüne Kritikerin aus Vegesack, die inzwischen zur Fraktionschefin der kleineren Bremer Regierungspartei aufgestiegen ist, die Veranstaltung genannt hat. Hier sollte Bremen für die vorgesehenen Freuden der Blumenthalerinnen und Blumenthaler über ihr Glück, jetzt Bremer sein zu dürfen, einen Ausbau der Infrastruktur auf der Bahrsplate zu finanzieren.

    Aber Bremen erkannte weder in diesem Fall noch bei einem vorgeschlagenen Deal zur Sanierung des alten Blumenthaler Ortszentrum die einmaligen Chancen. Im zweiten Fall wollte der OAL Flüchtlinge in Blumenthal gegen Zahlungen an Immobilieneigentümer unterbringen, deren Gewerberäume vor allem an der Mühlenstraße leerstehen. Bremen war auch hier damals offenbar noch nicht so weit, um die Vorteile dieses Modells zu erkennen, wie es jetzt in recht ähnlicher Form die EU mit der Türkei umsetzt.

    Der Kampf gegen die auswärtigen Kritiker

    In der Pressekonferenz wies Herr Nowack auch auf denkbare Gerüchte hin, die vermutlich wieder über das Internet verbreitet würden. Danach hat sein Rücktritt nichts, aber auch gar nichts mit unqualifizierten Behauptungen eines "Ortsfremden" zu tun, der räumlich 150 km von Blumenthal entfernt und von seinem Kenntnisstand her in einer Fantasiewelt lebt. Alle diese Versuche, aus niederen Beweggründen das sehr gute Image Blumenthals in den Dreck zu ziehen, habe er als erfahrener OAL immer durch seine fachlich kompetente und daher anerkennenswerte Arbeit entkräften können.

    Die widerlichen Angriffe auf sein Blumenthal haben nach seinen Worten zunächst mit einem Wust von Internetseiten von „Bürgern in Bremen-Nord“ über Blumenthal und Bremen-Nord sowie Videos eines BillyGoat305 bei youtube über leerstehende Gewerberäume und verfallende Fabrikgebäude begonnen, für die angeblich ein Heinrich Meier aus 477 Si Ayuthaya Road, Phayathai in Bangkok 10400 (Thailand) verantwortlich ist.

    Danach sei es ihm dann gelungen, auch einen erneuten Versuch durch ein Blog und ein Forum durch nur wenige falsche Behauptungen in die Schranken zu weisen. Dabei seien ihm seine Erfahrungen bei der Gewerkschaft sehr zu Hilfe gekommen, wo er gelernt habe, Kritiker zu diskreditieren und damit für die Masse unglaubhaft zu machen. Und darauf komme es ja an: das Volk müsse immer glauben, dass seine Obrigkeit, auch wenn sie nicht von Gott, sondern von einer Partei eingesetzt sei, alles in Griff habe. Das gelinge immer dann besonders gut, wenn man nach dem Motto des antiken Roms das Volk durch Brot und Spiele bei Laune halten könne. Das habe er daher immer im Auge gehabt und nicht nur als Politiker durch seine gekonnte Ankündigungspolitik für Unterhaltung gesorgt, sondern auch einige ganz reale Erlebnisse realisiert wie mit dem Bolzplatz auf der Bahrsplate.

    Peter Nowacks Leidenschaften im Dienste Bremens

    Besonders gern schien der bereits Mitte des Jahres ausscheidende Ortsamtsleiter, der durch seine praktische Interpretation erst die Position des OAL mit Leben gefüllt hat, wo zuvor nur schwammige Wörter in trockenen Paragraphen des Ortsbeirätegesetzes standen, über seine weitere Karriere zu sprechen. An einen Ruhestand hat er jedenfalls offenbar nicht einmal gedacht, auch wenn inzwischen jeder, der so mit Arbeit überschüttet wird wie Peter Nowack, heute über Burnout und ein Sabbatjahr spricht.

    Bei Peter Nowack sind anscheinend zwei mehr oder weniger feste Beratertätigkeiten in der Planung, die nicht an die engen Vorschriften des Beamtenrechts mit seinen dürftigen Bezügen gekoppelt sind und daher Honorare erlauben, die der tatsächliche Leistung entsprechen.

    Dazu zählt eine Arbeit für Werder Bremen, wo nach den Andeutungen eine Beratung in speziellen Aufgabenbereichen angedacht ist. Empfohlen hat sich Peter Nowack dabei nicht nur durch seine Blumenthaler Generalistentätigkeit, sondern speziell durch das Eintreten für eine Koppelung eines Kaufs von Kevin de Bruyne über einen Ticketzuschlag, womit man sogar bei einem Verkauf, wie es Wolfsburg getan hat, mit einem Einstiegspreis von 22 Mio. nach anderthalb Jahren beim Verkauf 52 Mio. € hätte verdienen können, wenn der Verein diese Idee eines treuen, sachkundigen Fans umgesetzt hätte. Einen ähnlich ausgezeichneten Fußballverstand bewies der Blumenthaler OAL mit seinem "Meisterstück" auf der Bahrsplate, wo der dortige Werder-Bolzplatz so attraktiv gestaltet war, dass er durch eine Videoanlage gesichert werden musste.

    Hier ist offenbar daran gedacht, diese Fähigkeiten weiter zu nutzen, aber auch auf andere Kompetenzen zurückzugreifen. Das gilt etwa für die Motivation der Fans, deren Leidenschaft nach einem neuen Modell eine Teilkomponente bei der Verteilung der Fernsehgelder sein soll. Hier ist natürlich ein Politiker gefordert, der schon eine fast unübersehbar große Zahl von Freiwilligen für eine virtuell, aber real nicht existente Bürgerstiftung Blumenthal begeistert hat, und aus Blumenthal derart aktive Wählerschaft melden kann, die trotz eines ermüdenden Politikergeplänkels immer noch nicht die niedrigste Wahlbeteiligung unter den Bremer Stadtteilen aufweist.

    Weniger auskunftsfreudig war Herr Nowack hingegen bei seinem zweiten zukünftigen Standbein. Dabei geht es allgemein gesprochen um eine politische Beratung des Bremer Staatsschutz-Kommissariats der Kripo (K6) oder des Landesamtes für Verfassungsschutz. Seine Aufgabe wird es dabei sein, die aktuell so zentralen Begriffe wie "geistiger Brandstifter", "Hetzer" und "Rassisten" politisch korrekt zu klären. Dabei kann ihm sein Arbeit während der letzten anderthalb Jahre in Blumenthal und Schwanewede, wie Peter Nowack sehr überzeugend versicherte, sehr helfen, da er hier eine Reihe von Erfolgen verzeichnen konnte, was die politische Lage in Blumenthal nicht unwesentlich verändert hat.

    Die zurückbleibende mediale Leere

    Vermutlich wird der Öffentlichkeit und der Presse die gekonnte Verbindung von Politik von Unterhaltung demnächst fehlen, wie unter den Journalistenkollegen zu hören war, die gerade darum von ihren Kollegen in anderen Stadtteilen bisher beneidet wurden, die nur einen trockenen Verwaltungsfachmann als Ortsamtsleiter vorweisen konnten.

    Aber wie kann es nach einer derart einschneidenden Nachricht anders sein! Es kamen gleich Gerüchte auf. So meinte jemand, Herr Nowack wolle durch seinen jetzigen Rücktritt verhindern, dass der nächste Leiter des Ortsamtes direkt vom Volk gewählt wird, wie es Herr Balz in einer Petition angeregt hat.

    Falls es für diesen Vorschlag einmal eine Mehrheit in Bremen geben sollte, muss man schließlich damit rechnen, dass kein Parteipolitiker aus dem Bremer Politfilz an die Spitze kommt, sondern eher eine unabhängige Fachfrau die Wahl gewinnt, die Erfahrungen in einer kommunalen Verwaltung besitzt und dazu vermutlich auch noch Fachkompetenzen in dem einen oder anderen Sachgebiet vorweisen kann. Das hat sich jedenfalls bei den Bürgermeisterwahlen außerhalb Bremens gezeigt.

    Aber wahrscheinlich wird allen Blumenthalerinnen und Blumenthalern zunächst einmal das fehlen, was Peter Nowacks Freunde nicht wollten, wenn sie ihm immer wieder zu seinem Geburtstag gewünscht haben: nicht in jedes Fettnäpfchen zu treten.

  • Thema von Reinhard im Forum Blumenthal: allgemein

    Blumenthal, im März 2016




    Blumenthal braucht Brückenbauer, keine Spalter! (1)


    Liebe Blumenthalerin, lieber Blumenthaler,
    liebe Freundin, lieber Freund Blumenthals,

    unser Stadtteil und seine Menschen haben sich in den letzten Monaten verändert. Es scheint ein Riss durch unseren Ort zu gehen, sodass sogar Gespräche mit Nachbarn und Bekannten nicht mehr so freundlich und unbefangen geführt werden wie früher. Stattdessen muss man immer mehr den Eindruck haben, dass zunächst jeder einem von zwei Lagern zugeordnet wird, um dann mit den entsprechenden Vorurteilen versehen in einem von zwei politischen Kästchen zu landen. Darüber sind wir entsetzt und besorgt.

    Unsere Betroffenheit

    Noch bedrohlicher sind jedoch die Straftaten, die mit diesem Lagerkampf in Verbindung stehen: die Zerstörung von Wahlplakaten, wachsende Angst vor Kriminalität und der Brandanschlag am Kreinsloger. Und alles das ist Teil einer aufgepeitschten Flüchtlingsdiskussion in ganz Deutschland.

    Unsere gemeinsame Verantwortung

    Diese Spaltung wollen wir nicht sehenden Auges hinnehmen, da wir sie für unerträglich und gefährlich halten. Daher wenden wir uns mit diesem Aufruf an alle, die sich von dieser Entwicklung ebenfalls betroffen fühlen. Die politische Diskussion muss wieder sachlicher werden und die Kontrahenten müssen sich als Mitbürger und nicht als Agitationsroboter verhalten.

    Das beginnt bei der Sprache, die vor allem im Internet kaum noch dem Austausch von Meinungen und Argumenten dient, sondern als Mittel missbraucht wird, um Andersdenkende zu beleidigen und herabzuwürdigen. Unsere Mitbürger sind keine "rassistische Scheiße" und jugendlichen Flüchtlingen kann man in Deutschland nicht ohne ordentliche Gerichtsverhandlung "gleich mit´nem Beil die Hand abhacken".

    Inzwischen hat sich dieser Krieg mit Worten zu einem virtuellen Vernichtungsfeldzug gesteigert, in dem Diskussionspartner aus Internetforen ausgeschlossen werden, auch wenn sie deren veröffentlichte Regeln nicht verletzt haben. Hier werden in der aufgeheizten Atmosphäre teilweise persönliche Animositäten digital gerächt, was an einen archaischen Tötungszauber mit Voodoo-Puppen erinnert.

    Selbstverständlich sollten in dieser gefährlichen Situation alle Beteiligten und Betroffenen ihr bisheriges Verhalten kritisch überdenken. Allerdings sehen wir auch einen wichtigen Unterschied. Wenn jemand unter einem Pseudonym andere in einem Internetforum beleidigt oder für Flüchtlinge eine menschenunwürdige Behandlung fordert, was dann üblicherweise von den zuständigen Administratoren rasch gelöscht wird, lässt sich das nicht mit ähnlichen Aussagen eines Meinungsmachers auf eine Stufe stellen.

    Nach der Lebenserfahrung des Sprichwortes "Der Fisch stinkt vom Kopf her" tragen der Beirat und das Ortsamt eine besondere Verantwortung für unseren Stadtteil. Wir erwarten daher, dass unsere politischen Entscheidungsträger die Spaltung in Blumenthal nicht verstärken, sondern durch ihr Verhalten "moderierend", also mäßigend und vermittelnd wirken, wie es das Bremer Ortsbeirätegesetz vorschreibt. Das dürfte kaum möglich sein, wenn auf ihren Webseiten Andersdenkende als "Müll" bezeichnet werden und "eliminiert" werden sollen, da man ihnen ohne jeden Nachweis abspricht, für "Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit" einzutreten.

    Wenn man einmal versucht, unter die teilweise sehr dicke Schicht von Beleidigungen und Vorurteilen zu blicken, kann man einen psychischen Unterschied zwischen den Anhängern der beiden Lager erkennen. Die einen stellen ihr spontanes Mitgefühl, ihr Herz, in den Vordergrund, während die anderen stärker auf notwendige sachliche Erwägungen setzen, also den Verstand. Dabei wird im Kampfgetümmel häufig übersehen, dass wir für eine nachhaltig gute Entscheidung beides brauchen, eben eine mit Herz und Verstand.

    Die wahrscheinlichen Gefahren

    Das zeigt sich besonders deutlich, wenn wir an die in der nächsten Zeit anstehenden Fragen der Integration der Flüchtlinge vor Ort denken. Mögliche lokale Maßnahmn hängen zwar von den Rahmenbedingungen ab, über die der Bund und das Land Bremen entscheiden. Aber es ist absehbar, dass eine Integration von Flüchtlingen aus anderen Kulturen, die auf Dauer oder zumindest für längere Zeit in Blumenthal leben werden, in dem gegenwärtigen aufgeladenen Klima kaum gelingen kann.

    Hier ist zumindest ein Mindestmaß an gegenseitigem Zuhören und an Kompromissen erforderlich. Das beginnt bei einer Verteilung der Flüchtlinge innerhalb des Stadtteils und reicht bis zur Lösung von Konflikten, die aller Erfahrung nach zwischen den Kindern erwartet werden müssen. Auch wird es fast zwangsläufig eine Konkurrenz um preiswerte Wohnungen und Arbeitsplätze mit relativ niedrigen Qualifikationsanforderungen geben. Schwierig kann es auch werden, wenn die unverheirateten jungen Flüchtlinge eine deutsche Freundin suchen. Alle diese absehbaren Probleme erfordern dann viele kühle Köpfe, die ausgleichend wirken, und keine bereits vorher aufgeladene Stimmung.

    Die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung auf diese Integrationsphase sollte gerade im Ortsteil Blumenthal bekannt sein, da es hier immer noch nicht gelungen ist, die Flüchtlinge aus den Libanon- und den Jugoslawienkriegen zu einem akzeptierten Teil unserer Gesellschaft zu machen. Obwohl die Zuwanderung bereits Jahrzehnte zurückliegt, müssen hier weiterhin spezielle Fördermittel eingesetzt werden, um einen sozialen Brennpunkt zu entschärfen und dem alten Zentrum Blumenthals eine bessere Entwickungsperspektive zu eröffnen.

    Ein Brückenbau zwischen den Lagern wäre damit auch ein Beitrag für ein Blumenthal, das wieder an frühere Zeiten anknüpfen kann. Das gilt nicht zuletzt für die finanzielle Seite; denn Steuergelder sind zweifellos besser investiert, wenn man sie für mehr Bildung und ein attraktives Ortsbild verwendet als für die Finanzierung von Polizeieinsätzen oder die Beseitigung von Sachbeschädigungen.


    (1) Anmerkung: Wer diesen Ausruf unterstützen möchte, kann ihn gern über Facebook oder seine Homepage teilen.

  • Straftaten gegen Asylunterkünfte


    Die politische Auseinandersetzungen in der Flüchtlingsfrage werden in Deutschland nicht immer als faire demokratische Diskussionen geführt, in denen mit spontanen Gefühlen und Sachargumenten um eine gute Lösung gekämpft wird.

    Die aufgeheizte Atmosphäre führt vielmehr dazu, dass die Grenzen der Legalität überschritten werden und es zu Straftaten gegen Asylunterkünfte kommt. Besonders augenfällig und damit von einem großen emotionalem und letzlich auch politischen Gewicht sind dabei Brandanschläge auf Unterkünfte, die teilweise noch gebaut werden oder sogar bereits bewohnt sind, sodass mit Verletzten und Toten gerechet werden muss.

    Dabei stehen immer die Bilder aus Rostock-Lichtenhagen als Mahnung im Hintergrund, wo zwischen dem 22. und 26. August 1992 Mitbewohner dieser Plattenbausiedlung, aber auch angereiste NPD-Anhänge gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZASt) und ein Wohnheim für ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiter noch aus der DDR-Zeit demonstrierten. Dabei eskalierte die Proteststimmung, sodass man von einem pogromartigen Verhalten einer großen Menschenmasse sprechen kann; denn damals applaudierten und behinderten bis zu 3.000 Zuschauer den Einsatz von Polizei und Feuerwehr behinderten.

    Zu einer besonders bedrohlichen Entwicklung kam es, als nach der Schließung der ZASt das angrenzende Wohnheim, in dem sich noch über 100 Vietnamesen und ein Fernsehteam des ZDF aufhielten, mit Molotowcocktails in Brand gesteckt wurde.

    Als sich sich die Polizei zeitweise völlig zurückzog, waren die Vietnamesen und das ZDF-Team im brennenden Haus schutzlos sich selbst überlassen. Durch diese Kapitulation der Polizei und damit des Staates vor der Gewalt aufgestachelter und erregter Bürger gerieten die eingeschlossen Menschen in eine lebensgefährlichen Lage, und die Verteidger der deutschen Rechtsordnung mussten sich mit einer schmerzhaften Niederlage abfinden.

    Über diese Vorgänge informiert sehr anschaulich ein youtube-Video, das der NDR erstmals am 13.8. 2012 als Dokumentation ausstrahlte.



    Damals waren während der Jugoslawienkriege, die nicht zuletzt wegen dr Politik der ethnischen Säuberungen zu einem Zustrom von Flüchtigen, vor allem aus der Minderheit der dort ohnehin diskriminierten Roma, nach Deutschland führten, die Ausschreitungen in Rostock kein Einzelfall.

    Eine vergleichbare Aktion gegen Wohnheime von Vertragsarbeiten und Flüchtlingen erfolgte in Hoyerswerda, wo es der Massse sogar gelang, dass alle Ausländer diese ehemaliger Braunkohlen-Stadt der DDR aufrgrund einer Entscheidung des Landratsamtes in bereitgestellten Bussen verlassen mussten, um die Situation zu entschärfen.

    Diese Vorfälle fasst ein youtube-Video unter dem Titel "Das Hoyerswerda Syndrom" zusammen.



    Am Anfang dieser ausländerfeindlichen Gewaltaktionn standen Brandanschläge in Mölln und Solingen, die sich gegen türkische Familien richteten. Weiterhin unaufgeklärt bleibt eine vermutliche Brandstiftung in Lübeck, durch die zehn Menschen starben.

    Von dieser Stimmung gegen Ausländer und Flüchtlinge profiterten die Republikaner (REP), die bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg 1992 10,9 % und 1996 9,1 % erzielen konnten.

    Zwei Jahrzehnte sozialer Wandel

    Diese Ereignisse vor etwa zwei Jahrzehnten scheinen teilweie einigen Vorgängen zu ähneln, die sich vor allem seit dem Anwachsen des aktuellen Flüchtlingszuzugs seit dem Sommer 2015 zu ähneln. Aber es gibt auch Unterschiede, denn seit Anfang der 1990-er Jahre hat sich einiges in Deutschland geändert.

    In viele Positionen sind heute Inhaber gelangt, die in einer anderen Zeit sozialisiert wurden als ihre Vorgänger und eine veränderte Welt erlebt haben, die in Europa, aber auch sonst auf der Welt kaum noch Grenzen kennt. Es ist eine kosmopolitisch ausgerichtete Schicht entstanden und in wichtige Ämter in der Politik und in den Medien gekommen, die teilweise im Ausland studiert, gelebt und gearbetie hat, mit Menschen im Ausland befreundet ist und deren Kinder gar nicht so selten mit Partnern verheiratet sind, die keine Deutsche sind und auch nicht in Deutschland leben.

    Dieser Wandel in Richtung Weltgesellschaft zeigt sich jedoch nicht nur in den realen Kontakten. Auch die führenden Politiker traten damals nicht für ein Willkommenskultur ein, sondern bekundeten vielmehr deutliche Vorbehalte gegenüber Migranten. Das gilt sowohl für den ehemaligen SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt, der eine Zuwanderung als "eine fehlerhafte Entwicklung" bezeichnet hat, "für die die Politik verantwortlich ist", als auch seinen christdemokratischen Nachfolger Helmut Kohl, der die Zahl der in Deutschland lebenden Türken auf die Hälfte reduzieren wollte.

    Die entsprechende Zitate würden heute vermutlich in den Medien als fremdenfeindlich und rassistsch gebrandmarkt und in einem engen Bezug zur Alternative für Deutschland verortet werden.

    Das lässt sich zumindest aufgrund der aktuellen Schlagzeilen vermuten, die es zu einem Tatbestand gibt, für den vor zwei Jahrzehnten noch die technischen und juristischen Voraussetzungen fehlten. Postings mit angeblich volksverhetzenden Inhalten sind heute ein wichtiger Teil der politischen Auseinandersetzung geworden, die damit einen ganz anderen Charakter besitzt als die zu Beginn der 1990-er Jahre. Man kann sich jetzt auch als "geistiger Brandstifter" im Internet betätigen oder dort auch nur "gefunden" werden, ohne dass es überhaupt zu tatsächlichen Brandanschlägen kommt.

    Anschlagzahlen und Täterverhalten in Blumenthaler SPD-Sicht

    Für diese spezielle Problematik von Delikten, über deren Häufigkeit gegenwärtig diskutiert und gestritten wird, hat der Blumenthaler Beirat in seiner Sitzung am 12.10.2015 ein sehr lehrreiches Beispiel geliefert. Dort wurde nach dem genehmigten Protokoll gleich viermal von 500 Brandanschlägen berichtet, die nach den Worten der Fraktionsvorsitzenden der Grünen und der SPD in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 in Deutschland verübt worden sein sollen.

    Dazu schreibt die Protokollantin: "Herr Pfeiff meint, die 500 Brandanschläge seien seinen Informationen nach in der Mehrheit von Facebook-Mitläufern begangen worden, die sich jung und unerfahren auf diese Seiten rumtreiben würden und sich anstacheln und aufheizen lassen würden."

    Da keine Quelle zu diesen Aussagen über die Anzahl und den Hntergrund der Taten gemacht werden, liegt es nahe, dem Wissen der Spitzenpolitiker, die sich mit diesen Behauptungen offenbar als besonders kenntnisreich profilieren wollen, einmal nachzugehen, zumal der Inhalt einfach zu gut zu der gewünschten Verwendung passt: einige Nutzer einer Facebookseite als gefährliche "geistige Brandstifter" an den Pranger zu stellen.

    Glücklicherweise muss in der heutigen Internetgesellschaft kein Bürgern nur resignierend Grummeln, wenn man ihm eine Behauptung dieser Art ohne jeden Quellenbelg zumutet. Er kann das Stichwort "Flüchtlinge" bei einer Suchmaschie eingeben, mit der Zahl "500" kombinieren und erhält in Sekundenschnelle die Auskunft, die offenbar kein Beiratsmitglied intressiert hat; denn eine entsprechende Nachfrage wurde nicht protokolliert.

    In diesem Fall wird der interessierte Nutzer auf zwei Artikel in der Hamburger Wochenzeit "Die Zeit" verwiesen.


    Delikte gegen Asylunterkünfte nach der Analyse durch ein Zeit-Rechercheteam

    Damit enden dann allerdings auch bereits die Gemeinsamkeiten zwischen dem Inhalt der Berichterstattung in einer Zeitung, die sicherlich nicht die Position der "geistigen Brandstifter" vertritt.

    Und diese Abweichung gilt gleich in zwei nicht gerade unwichtigen Punkten. So erfährt ein Leser in der "Zeit" zum einen, dass sich die Zahl "über 500" auf "Angriffe gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte" auch auf "Körperverletzung, Pöbeleien, Brandstiftung, ausländerfeindliche Demonstrationen" gehandelt hat", wobei auch, wie es im Text heißt, neben "Schmiererein, Sachbechädgung etc" auch "Demos und Kundgebungen" gezählt wurden, die sich fast ausschließlich auf Sachsen konzentrieren. Dabei scheint es sich größtenteils um die Pegida-Veranstaltungen in Dresden zu handeln, deren Zuordnng sicherlich kaum unter dem Terminus "Straftat" erfolgen kann, da sie beispielsweise der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf als "sächsische Innovation" in der Nähe der Bürgerrechtsbewegung vor der Wende sieht.

    Um detaillierte Informationen über die "Angriffe" zu erhalten, hat die "Zeit" anschließend ein eigenes "15-köpfiges Rechercheteam" von ZEIT ONLINE und gebildet, das "222 gewalttätigen Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte in diesem Jahr nachgegangen" ist. Dabei haben ZEIT ONLINE und ZEIT aus der Statistik des Bundeskriminalamts, die 747 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte auflistet, alle kleineren Delikte wie Schmierereien, Propagandadelikte und Pöbeleien aussortiert und die schweren Fälle dann einzeln geprüft.

    Nach dieser sorgfältigen Prüfung der Einzelfälle kam es bis Ende September in Deutschland 2015 zu 57 Brandanschlägen, von denen nach den Daten des Zeit-Rechercheteams 76,1 % nicht aufgeklärt wurden, sodass sie Autoren weder über die Sozialstruktur der Täter noch ihre Motive eine Aussage machen konnten.

    Aus den 500 Brandanschlägen wurden so 57 und von einer Anstiftng durch geistige Brandstifter ist nichts bekannt und kann auch logischerweise anhand der vorhandenen Daten nchts ausgesagt werden, da nur ein Viertel der Taten überhaupt aufgeklärt wurde.

    Das sind Ergebnisse, die vermutlich die im Beirat durchgesetzten Schlussfolgerungen in ein neues Licht rücken, was aber offenbar von den Verbreitern des Gerüchts über die 500 Brandanschläge nicht gewollt wurde. Hier scheint der ideologische Tunnelblick die Wahrheit ersetzt zu haben.

    Deliktdaten unter Vorbehalt


    Dieses Beispiel und die Arbeit der Hamburger Rechercheure machen auf wichtge Schwietigkeiten aufmerksam, die bei der Verwendung von Informationen über Delikte auftreten, die mit der Flüchtlingsfrage verbunden sind. Einerseits werden sie nicht so wertfrei verwendet wie etwa Statisiken über Krebserkrankungen und anderersts wird die Definition und Abgrenzung der verschiedenen Delikte leicht durch politische Absichten manipuliert, wie das Beisiel von Demonstrationen zeigt. Da gibt es zweifellos Unterschiede zwischen pogromartigen Massenansammlungen und einem friedlichen Spaziergang durch eine abendliche Innenstadt, an deren Anfang ud Ende Reden stehen, auch wenn es Parteipolitiker gibt die gern beide Ereignisse als rechtsradikalen oder rassistischen Angriff auf Flüchtlinge definieren würden.

    Unter diesen Vorbehalten muss man die Zählungen sehen, die man etwa bei wikipedia findet und die sich auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes stützen. Während in dieser Statistik selbst nicht auf mögliche Motive von Tätern eingegangen wird, deren Tatbeteiligung noch gar nicht ermittelt wurde, kommt es teilweise zu "Auswertungen", in denen etwa "neonazisitschen Aufmärsche vor Unterküften" als Beispiel für eine Straftat genannt werden.

    Um zu relativ objektiven Aussagen zu gelangen, muss man sich daher auf die nackten Zahlen beschränken, die zumindest für zeitliche Vergleiche geeignet sind. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Delikte, die wegen einer Verbindung zu einer Flüchtingstunterkunft zusammengefasst werden, immer diese Einrichtungen voraussetzen. Sie sind also ohne Flüchtlinge und ohne deren Unterkünfte rein logisch gar nicht möglich, sodass erst eine wachsende Zahl von Flüchtingen die logisch notwendigen Bedingungen für eine höhere Zahl von Delikten schafft, was allerdings nicht bedeuten soll und kann, dass Flüchtlingsunterkünfte kriminogene Orte wie dunkle Fußgängerunterführungen sind.

    Nach den Zahlen des BKA, die man auch bei wikipedia findet, hat seit 2011 die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte stark zugenommen. So kam es

    2011 zu 18,
    2012 zu 23 und
    2013 zu 69 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte.

    Im Jahr 2014 registrierte das BKA dann 199 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte, also mehr als das Doppelte verglichen mit dem Vorjahr.

    2015, als über eine Million Flüchtlinge in Deutschland untergebracht werden musste, hat sich die Anzahl der Angriffe schließlich im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfacht. Dabei fielen unter die beim BKA gezählten 924 Straftaten 76 vollendete und 11 versuchte Brandstiftungen.

    Besonders sorgfältig muss man alle Versuche prüfen, in denen die Daten des BKA, die auf den Emittlungen von Offizialdelikten der Staatsanwaltschaften und den Anzeigen von Bürgern beruhen und möglichst objektv definiert sind, einem politisch definierten Täterkreis wie einem "rechten Spektrum" zugeordnet, wodurch man Vermutungen über Anzeigen und Ermittlungen mit Gerichtsurteilen verwechselt.

    Diese Vobehalte gelten auch für die Versuche, allein aufgrund der Anzeige eine Tat bereits als "politisch motivierte Kriminalität (PMK)" zu definieren oder neue Tatbestände und Oberbegriffe in die Krimialstatistik einzuführen. Damit wollen oder sollen offenbar die Statistiker und Kriminalisten auf die Wünsche aus dem politischen Raum reagieren, die nichts mit einem Brandanschlag anfangen können, der von einem technischen Defekt ausgelöst wurde, oder ein Kinderstreich, eine unpolitische Mutprobe oder gar ein Versuch von Tätern ist, politisch anders ausgerichtete Mitmenschen in Verruf zu bringen und die Flüchtlingsdebatte in eine gewünschte Richtung zu lenken.

  • Integration: Konflikte an SchulenDatum09.03.2016 13:56

    Tägliches Mobbing durch arabisch-islamische Klassenkameraden


    Die Erfahrung eines voll integrierten Türken bestätigt genau die Kritik an den politischen Parteien, bei denen jegliche Empathie für das eigene Volk fehlt und die es zulassen, dass die deutschen Kinder in Schulklassen zu einer Minderheit werden und Opfer von täglichem Mobbing durch die arabisch-islamischen Klassenkameraden werden.

    Hier hat die Integration total versagt und es hat sich eine "Deutschfeindlichkeit" an den Schulen etabliert.

    Dieses Thema wurde von Panorama im Jahr 2010 aufgegriffen und die Journalistin hat selbst einen Migrationshintergrund, sodass man hier nicht einmal "rechtes Gedankengut" unterstellen konnte, was jeder Kritiker seit vielen Jahren zu hören bekam.






    Ehrliches Bemühen der politischen Parteien zur Integration von Zuwanderer sieht anders aus.

  • Islamische ParteienDatum09.03.2016 08:17
    Thema von Reinhard im Forum Islamisierung

    Islamische Parteien in Deutschland

    Seit 2010 besteht mit BIG (Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit) eine erste von Muslimen gegründete Partei in Deutschland. Von ihrem Programm her streben die Gründer keine Islamisierung an, sondern wollen sich insbesondere für die Interessen von Muslimen und deren gesellschaftliche Integration in Deutschland einsetzen. Kritische Beobachter sehen in dieser Gründung einen Ableger der türkischen Regierungspartei AKP von Recep Tayyip Erdoğan .

    Ein Kurzporträt der Partei von Radio Berlin-Brandenburg (RBB) aus dem Wahlkampf 2011, in dem sehr viel Wert auf ein wenig islamisches Bild in der Öffentlichkeit geachtet wird, findet man bei youtube:



    In der Wahl erzielte die junge Partei 0,5 % der Zweitstimmen, das ist nicht gerade viel in einer Stadt mit etwa 180.000 türkischen und türkischstämmigen Bürgern, die eine der größten türkischen Gemeinden außerhalb der Türkei ist. Auch sind hier nach allerdings nicht ganz aktuellen Angaben 7,2% der Bevölkerung dem Islam zuzurechnen. Die ganz überwältigende Mehrheit scheint also wieder die SPD und die Grünen gewählt zu haben, auch wenn dieses Wählersegment als konservativ gilt.

    Programmatische Forderungen von BIG sind die Stärkung von „Chancengerechtigkeit“ vor allem im Bildungsbereich sowie die Integration von Muslimen. Daher fordert man eine verbesserte sprachlichen Förderung von Kindern und eine stärkere Eigenverantwortung der Hochschulen.

    In der Integrationspolitik verfolgt die Partei eine spezielle Zielsetzung, womit sie ganz der türkischen Regierungspolitik folgt. Man spricht sich für die „Beibehaltung der kulturellen Identität“ der Migranten aus. Sie sollen also keineswegs zu Deutschen werden, wie das etwa bei den Kinder und Enkeln der angeworbenen polnischen Arbeiter bei der BWK eingetreten ist.

    Auch dem möglichen Konflikt zwischen einer göttlichen und einer menschlichen Rechtsordnung weicht man nicht aus, auch wenn BIG bestreitet, eine islamische Partei zu sein. Man will jedoch die Prinzipien des Islams nach dem Koran und der Sunna vertreten, obwohl das kein Teil des Parteiprogramm ist.

    Trotzdem zeigen sich die islamischen Einflüsse recht deutlich in einzelnen Programmzielen. Einerseits vertritt man die ganz weltlichen Interessen seiner potenziellen Wähler, wenn man ein Recht auf doppelte Staatsangehörigkeit, erleichterte Familienzusammenführung und ein kommunales Ausländerwahlrecht fordert.

    Klare Bezüge zum Koran weisen hingegen die Forderungen nach einem zinsfreien Wirtschaftssystem und einer freiwillige Entscheidung der Betroffenen über die Teilnahme am koedukativen schulischen Schwimm- und Sportunterricht auf.

    In einzelnen Kampagnen wurde diese Orienteirung noch deutlicher, als BIG auf einem Flugblatt mit den Titel „Alle Kinder schützen! BIG-Partei gegen Schulfach Schwul“ gegen Homosexualität polemisierte und diese sxuelle Orientierung als „Minderheitensexualität“ bezeichnete, vor der die Kinder bewahrt werden müssten. Einzelen Kandidaten uden noch deutlich, wenn sie politisch völlig inkorrekt Berliner Kinder vor „der Unmoral“ schützen oder verhindern wollten, dass Schülern künftig Homosexualität „schmackhaft“ gemacht werde.

    Kritische Kommentatoren im Internet halten BIG daher für die Fassade einer radikalen Islampartei.

    Auch in der Berliner Wahlwerbung von 2011 dokumentiert sich weniger die Integration von Wählern, die deutsche Staatsbürger mit türkischen Wurzeln sind, als die Forderung der doppelten Staatszugehörigkeit.

  • Kosten von Flüchtlingen pro JahrDatum06.03.2016 16:18
    Thema von Reinhard im Forum Kosten

    Kosten von Flüchtlingen pro Jahr

    Die rechtliche Grundlage für den Aufenthalt von Flüchtlingen ist das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG), das 1993 im Zuge der Jugoslawienkriege und der dadurch ausgelösten Flüchtlingströme nach Deutschland in Kraft getreten ist und das früher geltende Bundesozialhilfegesetz abgelöst hat.

    Nach einem Artikel im "Spiegel" vom 1. März 2016, der durch einige Einzelstudien ergänzt wird, lässt sich die aktuelle Kostensituation folgendermaßen darstellen:

    Die gesetzlich vorgeschrieben Ausgaben für den Lebensunterhalt

    Die Ausgaben für Asylbewerber und Geduldete während der ersten 15 Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland sind nach dem Asylbewerberleistungsgesetz eine feste Größe. So erhalten alleinstehende Erwachsene, die in einer Sammelunterkunft leben, 145 € Taschengeld im Monat für den persönlichen Bedarf. Leben sie außerhalb einer Sammelunterkunft, erhöht sich dieser Betrag, da sie für Mahlzeiten usw selbst sorgen müssen, auf 364 €. Zusätzlich kommt der Staat noch für einige weitere Kosten wie Arztbesuche auf.

    Im Jahr 2014 ergaben diese Teilbeträge nach dem AsylbLG Bruttokosten von insgesamt 670 € im Monat oder 8040 € im Jahr für jeden Flüchtling.

    Nach den Berechnungen des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der Uni Köln entfielen davon 450 € auf Grundleistungen, 127 € auf Gesundheitskosten, 92 € auf besondere und sonstige Leistungen und 2 € auf Arbeitsgelegenheiten.

    Diese Beträg ändern sich nach einer Anerkennung als Asylberechtigte, denn ab diesem zeitpunkt bestehen Ansprüche auf Leistungen in Höhe von Hartz IV.Mit kleinen Unterschieden im Detail gilt das auch für die übrigen Asylbewerber nach einem Aufenthalt von 15 Monaten.

    Im Jahr 2013 gab der Staat für Hartz-IV-Empfänger pro Kopf 553 € im Monat oder 6.636 € im Jahr aus. Die im Vergleich zum Asylbewerberleistungsgesetz niedrigeren Kosten führen die FiFo-Forscher darauf zurück, dass Hartz-IV-Empfänger krankenversichert sind. Für diesen Schutz zahlt der Bund jedoch weit gerungere Beiträge für sie ein, als sie den Krankenkassen Kosten verursachen. Es liegt also eine verdeckte Subventionierug durch die übrige Versichertengemeinschaft vor. Zudem dürften die hohen Ausgaben für die Sammelunterkünfte whrend der ersten Monate zu dieser Differenz beitragen.

    Insgesamt schätzte der Sachverständigenrat der Bundesregierung die staatlichen Bruttoausgaben für "Sozial- und Integrationsleistungen" im Jahr 2016 auf 9,0 bis 14,3 Milliarden €, wobei das große Intervall vor allem auf die ungewisse Zahl der Ankommenden zurückzuführen ist. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) geht hingegen von 18,3 Milliarden € Bruttokosten im Jahr 2016 aus. In dieser Rechnung werden die durchschnittlichen Kosten für den Lebensunterhalt pro Kopf mit 1.000 € angesetzt, liegn also über dem hier nach dem AsylbLG berechneten Wert.

    Aufwendungen für die Arbeitsmarktintegration

    Lassen sich die Kosten für den Lebensunterhalt nach dem AsylbLG noch relativ leicht ermitteln, gilt das nicht mehr für die Aufwendungen bei den unterschiedlichen Integrationsmaßnahmen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) geht von Gesamtausgaben von fünf Milliarden € im Jahr 2016 für Sprach- und Integrationskurse aus, die aber nicht ausschließlich potenziellen Arbeitskräften unter den Flüchtlingen angeboten werden.
    Sobald ihr Asylantrag anerkannt wurde, können Flüchtlinge wie alle anderen Hartz-IV-Empfänger auch durch die Bundesagentur für Arbeit beruflich weitergebildet werden. Im Jahr 2013 kosteten diese sogenannten Eingliederungsmaßnahmen pro geförderter Person laut dem Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstitut (FiFo) der Uni Köln 7.862 Euro. Eine Berechung von durchschnittlichen Kosten pro Flüchtling hängt bei den Maßnahmen damit von der Zahl und dem Anteil der beteiligten Flüchtlinge ab.


    Zusätzliche Bildungsausgaben für die Flüchlingskinder

    Nach den Daten für die 2015 angekommenen Flüchtlinge, die bereits einen Asylantrag stellen konnten, it etwa en Drittel der Zuwanderer jünger als 18 Jhre. Dementsprechend hoch wird auch der Anteil an Flüchtlingen sein, die eine Schule oder einen Kindergarten besuchen.

    Wenn man mit dem Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut (FiFo) der Uni Köln beziffert die Pro-Kopf-Ausgaben pro Schüler im Jahr 2013 auf 5.534 Euro beziffert, ist mit rund 1,07 Milliarden € pro Jahr für die schulische Bildung von Flüchtlingen zu rechnen. Hinzu kommen 6.864 € pro Kindergartenkind. Ingesamt kommt das FiFo kommt be desen Leitungen der Kindfgätn auf auf jährliche Gesamtkosten von 0,78 Milliarden €, wenn alle Flüchtlingskinder in einen Kindergarten gehen würden.

    Die zusätzlich erforderlichen Wohnungsbaumittel

    Während die Kosten für die Erst- und Sammelunterkünfte sowie die Wohnkosten für Flüchtlinge sind bereits im Abschnitt "Lebensunterhalt" erfasst sind, entsteht durch den Zuzug von Flüchtlingen in den Ballungszentren ein Engpass auf einem ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt. Dabei gehen Experten davon aus, dass statt bislang 300.000 Wohnungen nun bis zu 400.000 Wohnungen im Jahr neu gebaut werden müssen. Deswegen hat der Bund die Förderung für Sozialwohnungen berets für die Jahre 2016 bis 2019 aufstockt. Diese Ausgaben können allerdings nicht vollständig den Flüchtlingskosten zugerechnet werden, da die Förderung auch der alteingesessenen Bevölkerung zugute kommt.


    Die Verwaltungsausgaben

    Auch die zusätzlichen Kosten, die in Ämtern und Behörden durch die Betreuung von Flüchtlingen entsteht, lässt sich kaum konkret beziffern. Im Jahr 2013 entfielen laut dem Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstitut (FiFo) der Uni Köln auf jeden Einwohner Deutschlands 2.214 € an Kosten durch den Bereich der Öffentlichen Verwaltung, woriin allerdings werden hier pro Kopf auch 732 € für "Staatsschuldentransaktionen" enthalten sind.
    Nimmt man an, dass die Verwaltung von Flüchtlingen aufgrund der Sprachhindernisse und des höheren Betreuungsbedarfs deutlich teurer ist als die eines deutschen Durchschnittsbürgers, sehen die Journalisten des Spiegel-Artkels "eine Größenordnung von 2.000 bis 3.000 € pro Kopf als realistisch" an.

    Ergänzende Informationsquellen

    Neben dem Übersichtsartikel im "Spiegel" und der Studie des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Uni Köln, auf die sich diese Darstellung weitgehend stützt, lassen sich weitere Informationsquellen heranziehen. Dazu gehören ein Beitrag des Bayerischen Rundfunks sowie Artikel im Magazin "Focus" und in der überregionalen Zeit.

    Auch größere Regionalzeitungen wie der Berliner Tagesspiegel unter dem Titel "Der Preis der Menschlichkeit" oder die Augsburger Allgemeine behandeln die Kostenfrage.

    Eine gute Zusammenfassung der wichtigsten Zahlen findet man in einem Video des Hessischen Rundfunks, das sich über youtube aufrufen lässt:


  • Integration: Politischer Begriff und kommunales Ziel

    Das Wort Integration besitzt in verschiedenen Zusammenhängen eine unterschiedliche Bedeutung. In der Flüchtlingsdiskussion wird es von den Politikern und Medien fast einmütig als Ziel eine erfolgreichen Politik angestrebt. Dabei steht es für die Fähigkeit der Zuwanderer, sich auf Deutsch erfolgreich verständigen zu können, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu besitzen und nicht in einer Sammelunterkunft zu leben.

    Umstritten ist hingegen die Frage, ob ein integrierter Zuwanderer auch die Normen und Werte einer deutschen Leitkultur teilen muss, was nicht zuletzt an einer Bestimmung der als notwendig erachteten Teile scheitert.

    Dabei gehört zur Integration fraglos ein Teilen der Werte des Grundgesetzes mit seinen garantierten Menschenrechten. Schwieriger wird es jedoch, auch Merkmale festzulegen, die für ein typisches Deutschsein stehen, aus einem Zuwanderer also einen Deutschen machen, der nicht nur hier lebt, sondern sich auch von den Angehörigen einer anderen Nationalität unterscheidet.
    Neben den harten statistischen Kriteren verdient für das Verhalten der Zuwanderer vor allem die psychische und soziale Selbsteinschätzung eine zentrale Rolle, die sich in einem herausgebildeten Wir-Gefühl mit der aufnehmenden Bevölkerung zeigt, denn ein integrierter Zuwanderer muss sich zumindest neben seiner ehemaligen Nationalität auch als Deutscher fühlen und seine neuen Landsleute nicht als „Scheißdeutsche“ bezeichnen, wie es der ehemaliger Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, in seinem Buch „Die andere Gesellschaft“ vor allem von Jugendlichen berichtet.

    Assimilation, Integration und Segregation

    Für eine aufnehmende Kultur steht häufig die vollständige Assimilation der Zuwandernden am Ende eines Integrationsprozesses. Daür gibt es auch gute Beispiele in Blumenthal. So wurden die in olnicen spehenden Teilen euens angeworbenen Arbeskrfte der BWK, die, wie es der Roman Maddo Clüver von Tami Oelfken bchreibt, als Fremde wahrgenommen, innerhalb kurzer Zeit trotz konfessioneller Unteschide Ehepartner in ihrr neuen Heimat fanden und Blumenthaler wurden, ohne dass es außerhalb der katholischen Kirche nennenswerte Versuche gegeben hat, eine polnische Identität zu bewahren.

    Ähnlich verlief die Integraion der Flüchtling und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. In diesem Fall errang deren politische Interessenvertretung, der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) Anfang der 1950-er Jahre noch einen signifikanten Stimmenteil in Blumenthal, der dann rasch verschwand.

    Das ist jedoch keineswegs immer der Fall, wie vor allem einige Untersuchungn aus den USA über die Entwickung verschiedener Einwanderergruppen in Großstädten wie Chicago zeigen.

    Speziell im Hinblick auf eine schulische Integration veranschaulicht eine wikipedia-Dastellung das Verhältnis zwischen einer aufnehmenden Bevölkerung, die durch rote Punkte dargestellt wird, und verschiedene Zuwandererguppen. Dabei werden teilwese abweichende Begriffe verwendet. Das gllt etwa für die Inklusion, die der Assimilation entspricht.




    Dabei konnten Sozialwissenschaftler vor allem von der sogenannten Chicago School der University of Chicago relativ einheitliche Verläufe dieser Prozesse feststellen, und zwar ganz unabhängig von der im Einzelfall betroffenen Ethnie. Dabei schenkte man der Verteilung der Kriminalität auf die verschiedenen Sozialräume einer Stadt große Beachtung, we das folgende youtube-Video zu diesem sozialen Poblem herausstellt.




    Der relativ komplexe wechselseitige Integrationsprozess von Menschen mit einem Migrationshintergrund lässt sich generell durch Phasen von Annäherung, gegenseitiger Auseinandersetzung, Kommunikation, dem Finden von Gemeinsamkeiten, aber auch dem Feststellen von Unterschieden sowie der Übernahme gemeinschaftlicher Verantwortung zwischen Zugewanderten und der anwesenden Mehrheitsbevölkerung beschreiben.

    Im Gegensatz zur Assimilation verlangt die Integration wegen des gegenseitigen Kennenlernens und zahlreichen wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägten Änderungen in beiden beteiligten Gruppen keine Aufgabe der eigenen kulturellen Identität. Ein gutes Beispiel kann die Übernahme von Elemente der afro-amerikanischen Musik durch die weiße Mehrheit in den USA sein.

    Eine Integration ist immer an eine entsprechende Bereitschaft sowohl bei der Mehrheitsbevlkerung als auch den Zuwanderergruppen geknüpft. So setzt sie etwa in der aktuellen Flüchtlingssituation den Erwerb von zahlreichen Kenntnissen und Fähigkeiten voraus, aber auch den Willen, Teil der neuen Kultur zu werden. Unabdingbare zentrale Voraussetzung ist dabei Erlernen der neuen Sprache. Aber parallel dazu ist auch eine Kommunikationsbereitschaft aller Familienangehörigen gegenüber der Aufnahmegesellschaft notwendig.

    Da hat es die Mehrheitsgesellschaft leichter, deren Mitglieder vielleicht aus Höflichkeitsgründen ein paar sprachliche Wendung der Zuwanderer lernen, vor allem jedoch zur die Aufnahme der Zuwanderer generell bereit sein sollten und ihnen zunächst bei den zwangsläufig auftretenden Integrationsschwierigkeiten mit Nachsicht begegnen müssen.

    Nur so werden sich die langwierigen Schwierigkeiten vermeiden lassen, die entstehen, wenn eine Zuwanderergruppe dauerhaft bleibt, aber nur schlecht integriert ist, wie das in Blumenthal für die Roma an der George-Albrecht-Straße gilt.

  • Islamisierung: ein ÜberblickDatum04.03.2016 16:02
    Thema von Reinhard im Forum Islamisierung

    Islamisierung

    Mit Islamisierung bezeichnet man einen Bedeutungszuwachs der Moslems in einer Gesellschaft. Dazu können verschiedene Faktoren wie

    a) eine Zuwanderung aus islamischen Staaten,

    b) eine eine hohe Zahl von Konvertiten,

    c) ein höherer Anteil streng religiös ausgerichteter Moslems unter den Kindern islamischer Eltern und ganz sicherlich zuletzt und daher unwichtig

    d) eine höhere Geburtenrate muslimischer Familien gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen.

    Die unterschiedlichen Geburtenraten von Frauen in Deutschland nach ihrem Migrationsstatus

    Dabei zeigt sich, dass die Geburtenrate von Frauen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich ist. Im Jahr 2008 hatten Frauen der Jahrgänge 1959–1973 ohne Migrationserfahrung im Schnitt 1,44 Kinder, diejenigen mit Migrationserfahrung hingegen 1,95. Noch deutlichere Unterschiede bestehen im Vergleich zu den Frauen mit türkischer Staatsangehörigkeit, die im Durchschnitt mit 2,60 Kindern fast die doppelte Fruchtbarkeit wie deutsche ohne Migratonshintergrund besitzen.

    Dafür sind allerdings nicht nur die regionale Herkunft oder die Religionzugehörigkeit entscheidend, sondern auch die unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen, wie sie verschiedene Altersgruppen gemacht haben. So hatten deutsche Frauen ohne Migrationshintergrund der Jahrgänge 1974–1992 mit 0,33 die wenigsten und die türkischen Frauen der Jahrgänge 1933–1958, also die Mütter früherer Zeiten, mit 3,59 Kindern die meisten Nachkommen.

    In Schätzungen für die weitere Entwicklung kann man daher eine weitere Angleichung dieser starken Differenz nicht ausschließen. Allerdings muss man sehen, dass das generative Verhalten innerhalb weniger Generationen die Bevölkerungsstruktur erheblich verschieben kann, wenn bei einer Gruppe die Zahl der Sterbefälle größer als die der Geburten ist. Das zeigt sich dann relativ schnell in den Kindergärten und Schulen, wo bereits heute in einigen Stadtteilen muslimische Kinder die Mehrheit stellen.

    Vor allem wegen der weltweit hohen Fertilitätsraten muslimischer Frauen wird bereits von einem "demographischen Dschihad" oder einem "Geburten-Dschihad" gesprochen.


    Die Geschichte der politischen Islamisierungsdiskussion in Europa

    Als politisches Problem wurde eine Islamisierung zunächst vor allem durch den niederländischen Soziologen Pim Fortuyn thematisiert, der mit seiner Liste „Lijst Pim Fortuyn" im Jahr 20o2 vor einem großen Wahlsieg stand, bevor er aus politischen Motiven ermordet wurde. Später hat die 2006 gegründete „Partij voor de Vrijheid“ unter Geert Wilders diesen zentralen Progammpunkt übernommen.

    Für Wilders ist die islamistische Gewalt, wie sie sich in Terroranschlägen zeigt, nicht die Folge eines Missbrauchs der Religion, sondern leitet sich unmittelbar aus den im Koran enthaltenen göttlichen Geboten ab. Für ihn lässt sich der Koran daher nicht mit den heiligen Schriften anderer Religionen vergleichen, sondern eher mit einem politischen Kriegsaufruf wie Adolf Hitlers "Mein Kampf".

    Aufgrund dieser Einschätzung müsste für Wilders der Koran verboten werden, weil er „Muslime in verschiedenen Suren dazu aufruft, Juden, Christen, Andersgläubige und Nichtgläubige zu unterdrücken, zu verfolgen oder zu ermorden, Frauen zu schlagen und zu vergewaltigen und mit Gewalt einen weltweiten islamischen Staat zu errichten“.

    Herr Wilders hat seine Position man in einer Rede auf Deutsch dargestellt, die er am 27. März 2015 auf Einladung der österreichischen FPÖ in der Wiener Hofburg zum Thema "Europas Bedrohung durch die Islamisierung" gehalten hat.



    In Deutschland gab der 2010 erschienene Buchbestseller "Deutschland schafft sich ab" von Theo Sarrazin den Anstoß zu einer breiten Debatte über eine mögliche Islamisierung und ihre Folgen. Dabei stießen seine Thesen auf ein breites Interesse, denn die Studie gilt mit über 1,5 Mio. Exemplaren (Stand Januar 2012) als das meistverkaufte Sachbuch seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland.

    Zentrale Thesen des Autors beziehen sich dabei auf eine „Eroberung durch Fertilität“ sowie eine unterdurchschnitliche Bildungs- und Aufstiegsmotivation bei einem größeren Anteil der islamischen bzw. türkischen Migranten.

    So sind nach seinen Auswertungen von Daten der amtlichen Statistik muslimische Migranten unterdurchschnittlich in den Arbeitsmarkt integriert und überdurchschnittlich von Sozialtransfers abhängig, weisen also relativ hohe Quoten für Arbeitslose und Hartz IV-Bezieher aus.

    Gründe für diese schlechte Anpassung an die Normen der deutschen Gesellschaft sieht der Berliner Wirtschafts- und Sozialstatistiker darin, dass sich diese Migrantengruppe nicht hinreichend um die Bildungsbeteiligung ihrer Kinder kümmert, eine hohe Geburtenrate aufweist und eine Tendenz zur Bildung von Parallelgesellschaften zeigt.

    Diese harten statistischen Fakten wurden jedoch bisher nach dem Urteil Theo Sarrazins weder von der Wissenschaft noch der Politik ausreichend beachtet, was zu Fehlentwicklungen führt. Für ihn haben so Integrationsbeauftragte und Islamforscher, Soziologen und Politologen sowie naive Politiker diese Probleme totgeschwiegen. Daher wird nicht gesehen oder verdrängt, dass die „islamische Immigration“ durch „fordernde, den Sozialstaat in Anspruch nehmende, kriminelle, andersartige, frauenfeindliche Einstellungen … mit fließenden Übergängen zum Terrorismus“ geprägt ist.

    Eine zusammenfassende Darstellung der Position findet man in einem Vortrag von Thilo Sarrazin mit dem Titel "Die neue Völkerwanderung", den er auf Einladung der FPÖ am 6.10.2015 im Vienna Twin Tower gehalten hat.



    Der Kampf gegen eine Islamisierung als Organisationsziel: Pegida

    Spätestens seit dem 20. Oktober 2014 ist eine Islamisierung auch in Deutschland nicht mehr nur ein Diskussionsthema unter Wissenschaftlern, Journalisten und an Stammtischen; denn am Abend dieses Tages fand erstmals in Dresden ein Abendspaziergang von Pegida statt, wobei dieses Akronym für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" steht. Zentrale Themen für die Veranstalter sind dabei vorrangig die deutsche Asylpolitik (Skandierter Ruf: "Ausweisen!) und eine allgemeine Kritik am politischen System ("Wir sind das Volk!", "Lügenpresse!", "Volksverräter!") und seit Mitte 2015 speziell an der Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin ("Merkel muss weg!")

    Abweichend von dem Eindruck, den viele Massenmedien vermitteln, verlangt Pegida in einem Positionspapier die "Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten", weil man darin eine "Menschenpflicht" sieht.

    Im namengebenden Kampf gegen eine Islamisierung ist man "FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!" und "GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw".

    Inzwischen wurden Mitte Januar 2015 die Ergebnisse einer esten empirischen Erhebung über die Sozialstruktur und die Motive der Demonstrationsteilnehmer erhoben, ausgwertet und in der Süddeutschen Zeitung unter der Überschrift "
    Männlich, gebildet, parteilos" veröffentlicht. Danach sind von vier "Spaziergängern" drei konfessionslos, sodass von einer Ablehnung des Islams aus einer religiösen Konkurrenzsituation heraus keine Rede sein kann. Wenn der Islam als Problem wahrgenommen wird, dann geht es dabei nicht um seine Vorstellungen von "Himmel" und "Hölle" in einer anderen Welt, sondern um seine ganz irdischen Vorschriften über das Zusammenleben der Menschen.

    Nach diesen Daten, die sich auf etwa 400 Interviews stützen, bieten die Pegida-Demonstranten ohnehin ein anderes Bild als es viele Massenmedien verbreiten; denn er durchschnittliche "Spaziergänger" stammt aus der Mittelschicht, ist gut ausgebildet und berufstätig, verdient etwas mehr als der durchschnittliche Sachse. Er ist ein Mann, gehört keiner Religion und keiner Partei an - und ist Sachse".

    Bei den Motiven für die Demonstrationen steht nach den Daten der Forschergruppe des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung (ZVD) der TU Dresden eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Politik an erster Stelle, während nur ein Viertel der Befragten vorrangig gegen eine "Islamisierung des Abendlandes" auf die Straße geht. Die Kundgebung bietet daher für die Mehrheit der Teilnehmer in erster Linie eine Möglichkeit, "tief empfundene, bisher nicht öffentlich artikulierte Ressentiments gegenüber der politischen und meinungsbildenden Elite zum Ausdruck zu bringen".

    Einen Eindruck von einer Pegida-Veranstaltung mit ihren Reden, die auch von ausländischen Gästen gehalten werden, einer Pegida-Hymne und dem abendlichen Spaziergang durch Dresden, vermittelt ein youtube-Video vom ersten Geburtstag am 19.10.2015, das bisher über 290.000 Aufrufe im Internet hatte.



    Die Dawa fundamentalistischer Moslems in Deutschland

    Blickt man auf die Konrahenten von Pegida, konzentriert sich die mediale Aufmerksamkeit in Deutschland vor allem auf die Aktivitäten von Pierre Vogel, und Ibrahim Abou-Nagie, und einge weitere deutschssprachige und rhetorisch begabte Moslems, die häufig als salafistisch Hassprediger bezeichnet werden, da man ihnen eine Werbung für den Islamischen Staat vorwirft. Das hat allerdings bisher noch kein deutsches Gericht durch ein entsprechendes Urteil nachgewiesen.

    Bei ihrer Werbung um neue Anhänger bzw. Gläubige gehen die beiden Prediger unterschiedliche Wege. Ibrahim Abu-Nagie verteilt mit seinem Lies!-Projekt in den Fußängerzonen vieler deutscher und inzwischen sogar europäischer Städte kostenlose Exemplare des Korans in inzwischen 11 Sprachen. Damit werden vorwiegend Nicht-Muslims angesprochen, die an den hell gestalteten Verteiltischen nicht nur ein Koran-Exemplar mitnehmen, sondern meist auch ein kürzeres oder längeres Gespräch mit den meist jungen Moslems auf der anderen Seite der Tische führen.

    Unter diesen Verteilern sollen sich auch einige wenige befunden haben, die später in Syrien und im Irak für den Islamischen Staat gekämpft haben, was die Ermittlungen der deutschen Sicherheitsorgane auslöste.

    Um Informationen über den Islam zu erhalten, muss man jedoch nicht unbedingt nach einem dieser Tische des Lies!-Projektes Ausschau halten; denn diese deutsche Übersetzung des Korans, also der angeblich abschließende göttlichen Herabsendung an seine Geschöpfe, kann man auch im Internet downladen, wo auch die Webseite "Die wahre Relgion" von Ibrahim Abou-Nagi ausführlich über die Welt des Islam berichtet.

    Einen typischen Stand des 2011 gestarteten Lies!-Projektes, das als Koranverteilungskampagne eine möglichst große Verbreitung des Islam zum Ziel hat, kann man im folgenden youtube-Video kennenlernen.



    Die Missionsarbeit von Pierre Vogel lässt sich exemplarisch am Beispiel seiner Veranstaltung in Bremen veranschaulichen. Dort untersagte die Stadt Bremen eine angemeldete Kundgebung mit Pierre Vogel und Sven Lau, vor allem als Organisator einer Scharia-Polizei in Wuppertal bekannt geworden ist, vor dem Bremer Hauptbahnhof, weil die salafistische Ideologie „elementar der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ widerspreche und „den Weg für Gewalt und Terrorismus“ ebne.

    Doch sowohl das Verwaltungs- als auch das Oberverwaltungsgericht Bremen entschieden, dass sogar verfassungsfeindliche Äußerungen hinzunehmen seien, solange sie nicht strafbar seien. Da die Stadt keine strafbaren Äußerungen vorlegen konnte, wurde das Verbot gerichtlich aufgehoben.

    Einen Eindruck von der Veranstaltung, die ein Beispiel für die Predigten und die Argumentation von Pierre Vogel ist, der wie hier häufig mit einer Besprechung des Gerichtsurteils an aktuelle Ereignisse anknüpft, sowie ihre Analyse in einem anschließenden Gespräch zwischen dem ehemaligen Bürgerschaftsabgeordneten und Geschichtslehrer Martin Korol und einem Moslem vermittelt ein Video der Bremer Bürger in Wut (BiW). Obwohl diese politische Gruppierung nicht zu den größten Islamfreunden zählen dürft, wählte man den sehr sachlich formulierte Titel "BIW TV: Wanderprediger Pierre Vogel am 01.06.2014 in Bremen", da man keinen Hassprediger sah und erlebte.



    Über die aktuelle Predigertätigkeit von Pierre Vogel informiert seine Facebookseite.

    Das menschliche Grundgesetz und das göttlich offenbarte Gesetz

    Ein großes Problem, vor dem die Gläubigen der abrahamitischen Religionen stehen, ist das Gewicht, das die offenbarten Ge- und Verbote eines allmächtigen Schöpfergottes gegenüber menschlichen Entscheidungen besitzen, wie sie für eine Demokratie zentral sind. Dieser Konflikt wird in der in allen drei Religionen beliebten Erzählung von Isaaks Opferung deutlich, in der Abraham sich zwischen der natürlichen menschlichen Vaterliebe und dem Verlangen seines Gottes entscheiden muss, der von ihm die Opferung seines Sohnes Isaak verlangt.

    Aus dieser Parabel haben die Theologen eine zentrale Handungsmaxime für die Gläubigen abgeleitet, die auch heute noch von praktischer Bedeutung ist, wenn man an diesen Gott Abrahams glaubt und die Erzählung für eine göttliche Offenbarung hält.

    "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen." heißt es in der Apostelgeschichte 5,29 des Neuen Testaments. Umgestzt auf das Alltagsleben eines Gläubigen bedeutet das eine Relativierung von Gesetzen, die als Mehrheitsentscheidungen von gewählten Abgeordneten verabschiedet wurden und vom Staat mit seinem Gewaltmonopol durchgesetzt werden können. Hier soll der Gläubige in Konfliktfällen nach dem göttlichen Gebot, also im Fall des Islams, nach der Scharia handeln.

    Diese Sichtweise teilen die Anhänger eines fundamentalistisch ausgelegten Korans mit einigen kleineren christlichen Sekten wie den Zeugen Jehovas, die eine Beteiligung an politischen Wahlen kritisch sehen, und im Hinblick auf die Durchsetzung christlicher Normen vor allem bei Gesetzen zur Abtreibung, Homoehe und Sterbehilfe, also die Errichtung eines Gottesstaat nach biblischen Regeln, einige fundamentalistische Parteien in den Niederlanden wie die ChristenUnie (CU) und Staatkundig Gereformeerde Partij (SGP), die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) in der Schweiz und die Partei Bibeltreuer Christen (PBG) in Deutschland.

    Gerade die fundamentalistischen Prediger in Deutschland müssen sich mit der Frage, wie sie zum Grundgesetz stehen, sehr eingehend auseinandersetzen. Gerade die kritische Öffentlichkeit und nicht nur der Verfassungsschutz interessieren sich für die Antwort, die leicht zu einem Verbot der Veranstaltungen und damit zum Scheitern des gesamten Projektes einer Dawa in Deutschland führen kann.

    Wie die folgenden youtube-Videos zeigen, wägen die Prediger daher ihre Worte sehr sorgfältig ab, da sie einerseits dem Koran folgen wollen, der eine demokratisch verfasste Gesellschaft nicht kannte, und andererseits selbst von den Freiheiten profitieren, die ihnen das Grundgeetz in einer pluralistschen Gesellschaft garantiert und die auch von fast allen geschätzt werden, die sich ein Exemplar des Korans schenken lassen oder einer Predigt folgen.

    Prinzipiell wird daher zunächst die Bedeuung des Grundgesetzes gegenüber dem Koran relativiert. So sieht Ibrahim Abou-Nagie den Koran "als das Grundgesetz":



    Pierre Vogel stellt sich in einer seiner Predigten in Hamburg stärker der realen Konfliktlage. Zwar ist auch für ihn der Koran wichtiger als alles andere auf der Welt, weil er als das wahre Wort Gottes einen Wegweiser zum Paradies anbietet. Entscheidungen und Gesetze in einer Demokratie, also der Herrschaft des Volkes und damit von Menschen, hängen hingegen von den "Gelüsten" der Menschen ab, die nicht ohne Fehler sind. Das gilt nicht zuletzt gerade für die Mehrheit, weil sie zwar leicht die Menschen vom Weg Allahs abbringen aber kein göttliches Verbot aufheben kann. Nach seinem Verständnis soll die Scharia als Alternative zu den Gesetzen einer Demokratie ohnehin die Menschen nicht unglücklich machen, sondern nützlich sein. Sie wären damit auch im Interesse der Wähler, die offenbar nur der Teufel an dieser Erkenntnis fernhält.





    Das ewige Höllenschicksal der Ungläubigen ("Kuffar")

    Für beide hier angeführten fundamentalistischen Prediger beginnt ihre Missionsttigkeiit mit einer Aussage des Korans über die Nicht-Muslims,da sie ihre Mitmenschen vor einem ewigen Aufenthalt in der Hölle bewahren wollen. Dabei bezeh sie sich auf mehrere Suren des Korans, in der in einer literarischen Sprache allen Juden und Christen von Allah angekündigt wird, dass sie ganz unabhängg von ihrem sonstigen Verhalten nach ihrem Tod einen ewigen Aufenthalt in der Hölle zu erwarten haben.

    Der Koran klärt so alle auf, die "eine andere Religion als den Islam begehren" (Sure 3 Vers 85) oder als "Ungläubige verflucht" sind, dass sie "im Jenseits ... verloren sein werden" bzw. "die Flamme für sie bereitet ist" (Sure 33, Vers 64).

    Dieses unentrinnbare Schicksal im Jenseits wird jedoch noch zusatzlich mit einer ganz irdischen Vorschrift für das Sozialverhalten verknüpft; denn jeder Moslem muss sogar seine engsten eigenen Verwandten wie seinen Vater und seine Brüder, meiden, wenn sie "den Unglauben dem Glauben vorziehen". Nach Sure 9, Vers 23 darf zudem kein gläubiger Moslem einen Ungläubigen zum "Freund nehmen", weil er ein "Ungerechter" ist.

    Wenn diese Vorschrift befolgt wird, führt sie zwangsläufig zur Entstehung einer fundamentalsitisch ausgerichteten Parallelgesellschaft, die sich bewusst von engen Konakten zur "ungläubigen" Mehrheitsgellschaft trennt, zumal sie sich aufgrund den Aussagen des Korans für klüger hält, weil sie nicht falschen Freuden und Götzen nachjagd, die sie nur einem ewigen Höllenfeuer näherbringt.

    Wegen der fehlenden Kontakte werden sich zwangsläufig beide Gruppen misstrauen und verständnislos gegenüberstehen. Und das beginnt bereits in jungen Jahren bei den Kindern. Da das Belohnungsschema von Himmel und Hölle auch für Moslems gilt, die sich nicht an die göttlichen Regeln halten, zu denen auch der Gehorsam der Kinder zählt, sollen in einer islamischen Erziehung bereits Kinder durch das Schreckensbild der Hölle von einem Fehlverhalten abgehalten werden. Mit diesem "Wissen" von einer Hölle, der kein Nichtgläubiger entkommen kann, besuchen sie dann die Kindergärten und Schulen, wo sie mit diesen Kenntnissen leicht die nichtmuslimischen Kinder in Angst und Schrecken versetzen können.

    Hinzu kommt als weiterer Trennungsfaktor das Verbot einer Feundschaft sogar zwischen Kindern, die gern zusammen sind und gemeinsam etwas unternehmen möchten.

    Das sind die tief greifende soziale Folgen einer für Nicht-Moslems in der heutigen Zeit nicht mehr bedeutungsvollen Frage, auch wenn sich in früheren Jahrhunderten auch Christen darüber heftig gestritten haben. Aber das gilt eben nicht mehr für die Atheisten und Kuschelchristen, wie die fundamentalistischen Moslems ihre Gegenspieler in de Mehrheitsgesellschaft nennen.

    Das Alleinstellungsmerkmal des Islams ist der Ein-Gott-Glaube, wie er schon in der Formel der Schahada "‚Es gibt keinen Gott außer Gott (Lā ilāha illā ʾllāh(u) لا إله إلا الله )" ausgesprochen wird, wenn jemand Moslem werden will.

    Folgt man einem
    Kommentar zur theologische Begründung sind die Trinitätslehre und die Heiligenverehrung die verurteilten Verfälschungen des Christentums. Wer also als Mensch den Empfehlungen von Jesus, aber nicht der kirchlichen Dogmatik folgt, hätte damit nach einer exakten Interpretation des Korans, die keine Rücksicht auf die Eigeninteressen einer Religonsgemeinschaft nimmt, eine gute Chance, im Jenseits nicht zu den Höllenbewohnern zu gehören.

    Aber das kann natürlich nicht im Interesse islamischer Prediger liegen. So ist es für Ibrahim Abu Nagie sehr verständlich, dass Ungläubige die Hölle verdient haben, weil sie wie unartige Kinder nicht der letzten Anweisung Allahs gefolgt sind.



    und Pierre Vogel predigt in seinem ganz persönlichen Stil dazu und mit einer ganz praktischen Empfehlung:




    Die Scharia als göttliche Gebrauchsanweisung für den Menschen


    Im islamischen Gottesbild wird Allah, wie es bereits in Sure 1 Vers 1 heraugesellt wird, als "gnädig" und "barmherzig" charakterisiert. Damit können Verbote, die in der heutigen Gesellschaft als wenig zeitgemäß erscheinen, also ewa zur vorehelichen Sexualität, zum Genuss von Alkohol und Schweinefleisch sowie zum Besuch zahlreicher Unterhaltungsangebote, nicht als reine gehrsamroben intrpreiert werden. Sie können nur ausgesprochen sein, weil ihr Befolgen den Menschen vel Leid ersparen kann. Die Scharia soll daher dem Gläubigen nicht als eine Last erscheinen, die er im Hinblick auf sein jenseitiges Schicksal tragen muss, sondern als eine Anleitung, um bereits im Dieseits glücklicher zu leben.

    Nach der Meinung islamischer Fundmentalisten hat daher der Hersteller oder Schöpfer des Menschen mit der Scharia eine letzte Gebrauchsanweisung geschickt, nachdem die alten Fassungen der Juden und Christen "verfälscht" wurden. Wer sich an sie hält, kann damit einen fach- und sachgerechte pychische und soziale Organisation erwarten, da er auf das immense Wissen des Produzenten zurückgreifen kann.



    Wie es der Prediger Sven Lau in dem youtube-Video mit dem Titel "Kann man die Sharia lieben, aber sich gleichzeitig an das Grundgesetz halten?" versucht hat, lässt sich ein möglicher prinzipieller Konflikt zwischen einer göttlichen und einer menschlichen Rechtsordnung nicht ausschließlich auf einer abstrakten theoretischen Ebene diskutieren. Entscheidend sind die Auswirkungen in ganz konkreten Lebenssituationen. Aus der nicht unbedingt objektiven Sicht des Fundamentalisten soll es praktisch keine gravierenden Gegensätze für den "normalen" Moslem geben, da keine irdischen Gesetze in Deutschland in Kraft sind, die den Alkoholkonsum, voreheliche Sexualerfahrungen usw. vorschreiben und kein Gebot des Korans, das Polygamie, körperliche Gewalt gegen Ehefrauen usw. verlangt. Erst wenn ein islamischer Herrscher Diebstahl und Ehebruch mit abschreckenden körperlichen Strafen sanktionieren müsste, könnte es einen deutlichen Konflikt geben.




    Allerdings kann man in der heutigen Zeit bereits einen sozialen Wandel diagnostizieren, der in die Richtung einer Islamisierung geht, auch wenn es dafür auf der Seite der Moslems eigentlich gar keinen religiösen Zwang gibt.

    a) Anpassung an zwingende Vorschriften des Korans

    Auch wenn es keine Gesetze gibt, die Vorschrifren des Korans verbieten, wenn man einmal um die Steitigkeiten wegen der weiblichenn Bekleidung absieht, kann das Befolgen im Alltagsleben zu Schwierigkeiten führen. Das gilt etwa für das Fasten im Ramadan, die vorgeschriebenen täglichen Gebete, die islamischen Feiertage und das Schweinefleischverbot. Hier sucht man in der Regeln nach Kompromissen, die es den Moslems erlauben, gegen keine religiöse Forderung zu verstoße, auch wenn damit Änderungen der Arbeitswelt verbunden sind.

    Ein in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommener Konflkt tritt beim Angebot von Miitagessen etwa in Kindgärten und Schulen auf, wenn aus Kostengründen die Zahl der angebotenen Gerichten beschränkt ist. Hier wird offenbar immer mehr auf das auch bei Bioköstlern, Vegetariern und Veganern nicht besonders beliebte Schweinefleich auf den Speiseplänen gestrichen.Auch wenn damit nicht jeder einen Verlust an wichtign sozialen Werten verbindet, erfolgt auf diese Weise eine Änderung der traditionellen Mahlzeiten in vielen deutschen Regionen, in denen Schweinsbraten, Schweinshaxe, Schäufele und Schweinefleisch als Bratwurst oder Schnitzel ein wesentlicher Teil der regionalen Küche waren und noch sind.

    b) Deutsche Gerichtsentscheidungen nach der Scharia

    Auch in detsche Gerichstentscheidungen fließen Teile der Scharia ein, wenn beispielsweise ein Muslim im Ausland polygam geheiratet hat und diese Ehe auch im zumindest rechtlich monogamen Deutschland gültig. Grndlae ist. Dies ist dafür ein Gruundsatz, nach dem seit dem Jahr 1900 bei privaten Rechtsbeziehungen, also vor allem bei Verträgen sowie Familien- und Erbrechtsfragen, ausländisches Recht angewandt werden darf.

    Weiterhin kann der Einfluss der Religion für das Verhalten von Tätern bei einer Strafzumessung berücksichtigt werden.

    c) Scharia als Rechtsordung in islamischen Parallelgesellschaften


    Teilweise wird auch in Deutschland von dem Einsatz islamischer Friedensrichter als Ersatz für Vertreter der deutschen Rechtsordnung berichtet, was in Großbritannien bereits verbreitet ist. In diesen Fällen sprechen islamischen Scharia-Gerichte nach der Scharia recht, also den islamischen Gesetzen in einem demokratischen Land mit einem eigenen Rechtsystem.

    Allerdings lassen sich einige religiöse Vorschriften, die in der Scharia enthalten sind, auch in Deutschland umsetzen, wie zum Beispiel das Schächten, also das Ausbluten von Tieren bei der Schlachtung, wobei allerdings das deutsche Gesetz eine Betäubung vorschreibt.

    Deutschland bleibt damit zwar ein aufgrund seiner jetzigen Mehrheit der Nicht-Moslems eine christlich und säkular geprägte Demokratie. Aber es gibt auch erkennbare Tendenzen für eine beginnende Islamisierung, auch wenn dafür bisher vor allem freundliche Gesten gegenüber einer Minderheit veranwortlich sind.

  • Das Informationsproblem

    Aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrungen und psychischen Dispositionen scheinen Menschen sehr unterschiedlich auf Fremde zu reagieren. Die einen sehen in ihnen die Möglichkeit zu neuen Erlebnissen und damit eine Bereicherung ihres Lebens, während andere ein Eindringen in ihren nahen Wohnbereich zunächst einmal skeptisch betrachten. Das ist ein Verhaltensmuster, das man bereits bei kleinen Kindern beobachten kann, die entweder auf unbekannte Menschen zugehen oder ihnen eher auszuweichen versuchen. Allerdings kann diese Einstellung, wie man sie von Extravertierten und Introvertierten kennt, in verschiedenen menschlichen Kulturen unterschiedlich ausgeprägt sein, wenn man etwa die USA als extravertiert und Russland als eher introvertiert beschreibt.

    Diese ersten Eindrücke und Einstellungen führen häufig zu Vorurteilen, die sach- und fachgerechten Entscheidungen im Wege stehen Das gilt sowohl für eine „Willkommenskultur“ mit Begrüßungsklaschern auf Bahnhöfen als auch die Verbreitung eigener Ängste und Sorgen, die nicht ganz selten durch die Schilderung von krassen Einzelfällen untermauert werden sollen.

    Das sind alles durchaus normale menschliche Emotionen, die man nicht verschweigen oder gar verteufeln sollte. Wichtig ist vielmehr, wie man mit ihnen umgeht und wie man trotz dieser Voreinstellungen, die nicht ohne Einfluss auf unser Denken bleiben, zu einer fundierten objektiven Sicht der Flüchtlingsproblematik gelangen kann.


    Eine Ergänzung zu Google und Facebook

    Anders als in früehren Gesellschaften müssen wir uns heute nicht auf die unüberprüfbaren Meinungen von Dorfältesten oder Orakeln verlasen. Die statistischen Ämtern des Bundes, der Länder sowie der Städte und vieler Behörden und Organisationen wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) oder Pro Asyl erheben und veröffentlichen zahlreichen Daten über die Flüchtlinge, die sie teilweise zu interpetierbaren Darstellungen aufbereiten. Auf diese Weise lassen sich Prognosen oder Projektionen erstellen, die soziale Struktur der Flüchtlingspopulation bestimmen oder auch ein Vergleich zwischen unterschiedlichen Flüchtlingsgruppen durchführen. So kann man beispielsweise die Verteilung der Flüchtlinge auf Stadtteil berechnen, in denen mehr oder weniger Empfänger von Transferleistungen, also von Hartz IV, leben, oder die Qualifikationen von Flüchtlingen ermitteln, die aus verschiedenen Herkunftsländern stammen.

    Um im Bedarfsfall diese Informationen zu erhalten, bietet das Internet eine Reihe von Möglichkeiten an, die auch gern genutzt werden. Das beginnt bei der Eingabe von Stichwörtern bei einer Suchmaschine wie Google, die dann häufig in sozialen Netzwerken wie Facebook diskutiert werden.

    Dabei stellt sich relativ schnell heraus, dass dieser Weg, für den gerade in Blumenthal und dem übrigen Bremer Norden mehrere Facebookgruppen mit intensiven Diskussionen zwischen ihren Mitgliedern bestehen, auch Defizite besitzt.

    Das Problem ist in beiden Fälle ein vom Nutzer gewünschter Zugriff auf einen ganz speziellen Teil die vorhandene Datenflut, die aufgrund ihrer Größe kein menschliches Gehirn verarbeiten kann. Es sind daher Auswahlkriterien erforderlich, denen die Suchalgorithmen etwa von Google nur sehr bedingt entsprechen, denn die Nutzer suchen fast ausschließlich Informationen, die bestimmte qualitative Eigenschaften besitzen, während es eher nebensächlich ist, ob eine Webseite besonders häufig angeklickt wurde oder der Btreiber mit die günstigen Platzierung gutes Geld verdient hat.

    Im Prinzip benötigt ein Nutzer einen kurzen Überblick über eine Thematik oder eine wissenschafliche Studie zu einer wichtig erscheinenden Teilfrage,wobei eine komprimierte Ergebniszusammenfassung nicht fehlen sollte. Das erfordert in der Regel Bewertungen und Einschätzungen wie bei einem Test von Haushaltsgeräten oder Autos. Man möchte eine Auswahl möglichst weniger, dafür aber „guter“ Beiträge, die vor dem kritischen Auge und Verstand anderer User Bestand hatten.

    Das können Suchmaschinen jedoch nicht leisten, da sie möglichst viele Artikel ausweisen wollen und dabei zudem noch für Geld in der Kasse des Betreibers sorgen müssen, sodass nicht unbedingt die Artikel zuerst genannt werden, die als Antwort auf einen konkreten Informationswunsch besonder gut passen. Man muss in daher durch eine menschliche Urteilsbildung die Spreu vom Weizen trennen.

    Ein ganz anderes Problem bei einer Informationssuche behindert die Verwertung von Burteilungen, die bereits andere User geschrieben haben, wenn sie sich in den Weiten des Internets oder auch der Länge einer Facebookseite nur rein theoretisch finden lassen. So muss man etwa in Diskussionsgruppen bei Facebook sogar häufig sehr lange und nicht selten vergeblich suchen, wenn man sich an die Kommentare erinnert, weil ältere Threads nach unten wandern, wo sie keine Suchmasche erfasst.

    Der Nutzen für die User

    Das ist weitestgehend ein technische Problem, da anders als in diesem Forum bei Facebook eine Gliederung eines Themenfeldes durch Begriffe nicht vorgesehen ist. Ein soziales Netzwerk hat eben eine andere Funktion. Es geht nicht um das schnelle Auffinden von einschlägigen Informationen, sondern um die Selbstdarstellung mit Fotos und kurzen Bemerkungen oder Interaktionen, indem man Emoticons vergibt oder Posts anderer User teilt.

    Dieser Versuch, wichtige Informationen zu einem Thema zu bewerten und zu ordnen, verlangt die Mitarbeit verschiedener User mit abweichenden Interessen, da sich so ein großes Feld besonders gut abdecken und untergliedern lässt.

    Unter der herausgestellten Zielsetzung einer problemorientierten bewerteten Information ist damit nicht der Umfang von Kommentaren zu Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Studien usw. gemeint. Es kommt vielmehr auf die Auswahl und eine korrekte Bewertung weniger Einzelbeiträge an. So darf es auch nicht wie bei manchen wissenschaftlichen Arbeiten darum gehen, ein möglichst langes Literaturverzeichnis zu erstellen, bei dem man sich fragen muss, ob jemand die aufgeführten Quellen überhaupt in einer angemessene Zeit gelesen haben kann Hier sollen und müssen sich die Beiträge auf einen möglichen Bedarf orientieren. Das dürften Hinweise auf möglichst aktuelle, gut lesbare Artikel und Studien sein, für die der User, der über sie postet, eine sehr kurze Inhaltsangabe macht und beurteilt, ob und für wen die Lektüre sinnvoll sein dürfte.


    Die Ordnung in der Informationsflut

    Damit sollte deutlich geworden sein, dass eine problemgerichtete Untergliederung des Wortfeldes „Flüchtling“ von ganz entscheidender Bedeutung für das Gelingen dieses Versuchs ist.

    Für den Einstieg kann dabei eine leicht theoretich gelenkte Bestimmug verwendbar ein, wie sie hier weiter unten vorgeschlagen wird. Aber das kann und soll nur ein Ausgangspunkt sein. Da sich das Interesse in der Flüchtlingsfrage weiterhin ständig ändern dürfe, muss diese erste Vorgabe aufgrund des Wandels in der Realität ständig geändert werden, denn nur so kann dieses problemorietierte Informationsarchv die angestrebten Leistungen für seine Nutzer erbringen. Damit das gelingt, müssen schnell möglichst alle wichtigen Teilbegriffe abgedeckt werden.

    Als Administrator möchte ich daher alle Leser bitten, die auf einen interessanten Beitrag gestoßen sind, einen entsprechenden Hinweis hier einzusellen. Von der kleinen Mühe, die das macht, kann jeder profitieren, wenn er selbst eine Antwort sucht und dann auf das gesamte Archiv zurückgreifen kann. Es gilt also: Kleine Mühe für den Einzelnen, großer Nutzen für (fast) alle! .


    Topthema: Flüchtlinge

    1) Hintergründe: Fluchtursachen, Entwicklung des Flüchtlingsstroms, Prognosen, deutsche Willkommenskultur

    2) Aktuelle deutsche Regelungen: Registrierungsverfahren, Aufenthaltsphasen, Altersbestimmung, räumliche Verteilung in Städten

    3) Finanzkalkulationen: Kostenschätzungen, Volkswirtschaftliche Modellrechnungen

    4) Polarisierungspolitik: Sprachprogrammierung, AfD-Ausgrenzung

    5) Psychosoziale Folgewirkungen: Kriminalität, Verdrängung der alten Wohnbevölkerung, Gettoisierung, Bildung von Parallelgesellschaften, Islamisierung

    6) Integration: Evaluation alter Maßnahmen, neue Modelle, Flüchtlingsstädte

  • Thematischer Überblick


    Bei der Aufnahme von Flüchtlingen kommt dem Alter eine größere Bedeutung zu, da minderjährige unbegleitete Flüchtlinge unter einem besonderen gesetzlichen Schutz stehen. Ihr Aufenthalt ist nach dem Jugendhilferecht geregelt, das die Einschaltung eines Vormunds vorsieht, einen Anspruch auf eine Schulbildung begründet und häufig mit einer Heimunterbringung verbunden ist. Diese Verwaltungsmaßnahme wird als Inobhutnahme bezeichnet.

    Wegen der für die Betroffenen besseren Lebenssituation geben jüngere alleinstehene Flüchtlinge oft ein zu nierdriges Alter an, sodass sie als Minderjährige gelten. Die meisten jungen Flüchtlinge kommen daher, wie etwa die Hamburger Behörden erklären, ohne Papiere in der Hansestadt an und behaupten, "noch keine 18 Jahre alt zu sein".

    Wegen der intensiveren Betreuung, für die häufig ein Sozialpädgoge pro Flüchtling eingesetzt wird, müssen die Kommunen für diese Klientengruppe zusätzlich zu den üblichen Unterbringungs- und Untehaltskosten zahlen.

    Sie kosten daher den Staat ein Mehrfaches eines Erwachsenen. Daher versuchen die Behörden häufig, die Selbstauskünfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen anzuzweifeln. Um den dadurch entstehenden Konflikt zu klären, werden verschiedene Methoden einer Altersbestimmung eingesetzt, die für zahlreiche Fachleuten umstritten sind und nur teilweise von den Gerichten anerkannt werden.

    Das Alter und die Kosten

    Nach relativ verlässlichen Auskünften dürfte jeder Asylbewerber im Jahr direkte Kosten von 13.000 € bis 14.000 € verursachen. Darin sind die Kosten für aufwändige medizinische Behandlungen oder langwierige Sprachkurse für Asylanten, die eine "Bleibeperspektive“ besitzen, noch nicht eingerechnet.

    Deutlich höher fällt der Finanzbedarf und damit die Belastung der Steuerzahler bei der Unterbringung, Verpflegung und Betreuung sogenannter unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, in der Behördensprache umF abgkürzt, aus, da zumindest zusätzlich das Gehalt eines betreuenden Sozialpädgen anfällt. Dadurch steigen die monatlichen Kosten auf ca. 5.000 € monatlich, also etwa 60.000 € jährlich.

    Medizinische Methoden der Altersbestimmung

    Speziell für eine Altersermittlung von Flüchtlingen wurden bisher keine wissenschaftlich gesicherten Methoden entwickelt. Vielmehr greift man auf medizinische Diagnoseansätze zurück, mit denen Zusammenhänge zwischen dem numerischen Alter und der Entwicklung des Körpers während der Pubertät erfasst werden, um auf dieser Grundlage Wachstumsprobleme diagnotisieren zu können.

    Mit Hilfe dieses bekannten Zusammenhangs lässt sich dann feststellen, ob sich ein Jugendlicher seinem Alter entwickelt hat oder Abweichungen eine Therapie erfordern.

    Allerdings kann man diese Schlussfolgerungen auch umkehren und von der körperlichen Entwicklung auf ein durchschnittliches Alter schließen. Das kann aufgrund der üblichen Entwicklungsschwankungen und vielfältigen Einflüsse auf das Wachstum eines einzelnen Jugendlichen jedoch immer nur ein Durchschnittswert sein.

    Die Methoden im Einzelnen

    Für ihre Gutachten setzen die beauftragten Mediziner, die in der Regel als Forensiker arbeiten, eine Reihe verschiedener Verfahren ein, um möglichst exakt von äußeren Merkmalen auf das tatsächliche Lebensalter zu schließen, die nach dem Gesetz ein so entscheidendes Abgrenzungsmerkmal für die Betreuung als minderjähriger Flüchtling ist.
    .
    Eingesetzte Methoden sind dabei:

    - eine körperliche Untersuchung, die sich vor allem auf die Entwicklung der externen primären und sekundären Geschlechtsorgane bezieht, wobei auf die sogenannten Tanner-Stadien zurückgegriffen wird.

    - die Bestimmung des „Knochenalters“ oder der Skelettreife mit Röntgenaufnahmen der Hand oder Kniegelenks, sowie

    - die Ermittlung des „Zahnalters“ mit Hilfe eines Orthopantomogramms, wobei es sich um eine „Panorama-Aufnahme“ des Gebisses handelt.

    Während bei Bestimmungen des tatsächlichen Alters von Pferden fast ausschließlich die Zähne analysiert werden, sind beim Menchen neben körperlichen Untersuchungen zwei Methoden der Skelettalterbestimmung besonders beliebt, und zwar die Methoden nach Greulich und Pyle und die Methode nach Tanner und Whitehouse.

    Die Hamburger Methode

    Bisher gibt es in Deutschland kein einheitliches und von der Rechtsprechung anerkanntes Verfahren der Altersfeststellung, da alle benutzten Methoden " Vor- und Nachteile haben". Als Ausweg wird eine Kombination von Verfahen eingesetzt, um die Fehlerbereiche einzugrenzen. Praktisch ist dabei das sogeannten Hamburger Methode von Bedeutug, da ihre Ergebnisse häufig von den Gerichten anerkannt wurden.

    Bei diesem kominierten Diagnoseverfahren werden neben den allgemeinen körperlichen Reifezeichen in der Regel auch zahnärztliche Untersuchungen vorgenommen. Falls dabei kein chronologisches Alter eingegrenzt werden kann, können in Hamburg zusätzlich radiologische Handwurzeluntersuchungen angeordnet werden.

    Damit orientieet sich dieses Modell an den Vorgaben des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (EASO) aus dem Jahr 2013 orientiert, die eine Kombination aus medizinischen und nicht-medizinischen Methoden vorsehen und das Kindeswohl in den Vordergrund stellen.

    Praktisch geht man in Hamburg so vor, dass sich Flüchtlinge, die angeben, minderjährig zu sein, einer Untersuchung zur Altersschätzung stellen müssen. Die beginnt mit einem Gespräch des angeblichen Minderjhrigen mit Mitarbeitern des Landesbetriebs für Erziehung und Beratung (LEB). Haben die Sozialarbeiter dadurch Zweifel an der Minderjährigkeit, übergeben sie den Klienten an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dort begutachten Ärzte den Flüchtling körperlich, wobei diese Untersuchung die umstrittene Genitaluntersuchung einschließt. Danach röntgt man den Kiefer geröntgt und in unklaren Fällen auch die Handknochen. Auf dieer Grundlagen wid im Gutachten ein geschätztes Mindestalter diagnostiziert, das bei der späteren LEB-Entscheidung ein erhebliches Gewicht besitzt.


    Hinweise für einen Literaturüberblick


    Einen kurzen Überblick über die eingeetzen Methoden und die Praxis deer Altersschtzung in andeen EU-Ldern bigt der Artikel einer BAMF-Mitarbeiterin.

    Die medizinische Perspektive behandelt unter dem Titel „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Strittiges Alter – strittige Altersdiagnostik“ das deutsche Ärzteblatt im Jahr 2014.

    Die Altersschätzung ist jedoch nicht nur eine Themtik, die in Fachartikeln behandelt wird. Man findet sie auch in Publikumszeitschriften wie dem Spiegel und in der Zeit, die ein Streitgespräch zwischen einen Befürworter und Gegner der Genitalunterschung abgedruckt hat.

  • Kulturzentrum im SortiergebäudeDatum05.02.2016 18:05
    Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Atonales statt Rohwolle

    Sprach beim Bremer Musikfest 1995 für das Konzert des Orchesters aus Sydney in der BWK-Lagerhalle der gemeinsame Bezug um 5. Kontinent, galt diese simple regionale Verbindung nicht für die folgenden Veranstaltungen, die in den kommenden Jahren auf dem Werksgelände der BWK erfolgen sollten. Für die Wahl eines ungewöhnlichen Konzertsaals in einem großen Industriebetrieb mussten jetzt Argumente sprechen, die sich aus die präsentierten Musik ableiten ließen. So benötigten die Macher des Musikfestes im Jahr 1996 offenbar einen Raum, der nicht unbedingt den Wohlfühlinteressen eines klassischen Konzertbesuchers entsprach. Vielmehr sollte bereits das räumliche Ambiente einen Kontrapunkt zu vielen üblichen Erwartungen setzen.

    Dieselbe Vorliebe für Gegensätze galt in diesem Fall bei der Auswahl der Musikstücke, die vom Ensemble Modern gespielt wurden. So standen gleichzeitig "Mixtur" von Karlheinz Stockhausen aus dem Jahr 1964, d.h. ein Stück, in dem der Komponist teilweise die klassischen Orchesterinstrumente durch elektronische Klänge ersetzte, und Beethovens 5.Sinfonie auf dem Programm, also eines der berühmtesten und populärsten Stücke der klassischen Musik, das auch unter der Bezeichnung "Schicksalssinfonie" bekannt ist und dessen erste Aufzeichnungen bis in das Jahr 1800 zurückreichen.

    Um seinem Publikum einen Brückenschlag für diese extrem heterogene Zusammenstellung des Konzerts anzubieten, musste sich der Dirigent Peter Eötvös zunächst in einer Ansprache "redlich mühen", seine Begeisterung für Stockhausen und seine Verehrung für Beethoven zu vermitteln. Neben diesen subjektiven Emotionen fand er dabei eine Gemeinsamkeit in der Rolle der beiden Kompositionen als "Revoluzzer, als Eisbrecher für ein kommendes, grundsätzlich Neues." Allerdings scheint das trotz des großen Engagements nicht vollkommen gelungen zu sein, wie die Kunstrezension im Weser-Kurier trotz aller üblichen Höflichkeiten erkennen lässt. (Weser-Kurier vom 12.9.1996)

    Ein Komponist mit Vorgeschichte

    Ein Grund für die skeptische Haltung können Anekdoten und Geschichten gewesen sein, die über den Komponisten kursierten. So wurde sogar von einem handfesten Skandal im November 1969 berichtet, als in der Bonner Beethovenhalle sämtliche Werke Stockhausen aufgeführt wurden, wozu der Künstler als musikalische Verbindung ein Instrumentalglissando geschrieben hatte, das er "Fresco" nannte und das seine Uraufführung in der seinerzeitigen Bundeshauptstadt erlebte.

    Damals soll es zu es einer kleinen Revolution der Musiker gekommen sein, die sich aufgrund ihres Musikverständnisses weigerten, die neuen Töne in der von Karlheinz Stockhausen vorgegebenen Anordnung einem Publikum zu präsentieren. Sie hinterfragten damals Anweisungen wie „Glissandos nicht schneller als eine Oktave pro Minute“ und informierten sich sogar telefonisch bei ihrer Gewerkschaft, ob sie als Teil des Orchesters unter Bedingungen, die für sie nicht mit ihrem Berufsverständnis als Orchestermusiker im Einklang standen, tatsächlich zum Spielen verpflichtet seien. Ihren Protest gegen ihre "Zwangsarbeit" machten die Musiker sogar während der Uraufführung deutlich, als das Publikum auf einem Schild „Wir spielen oder wir werden entlassen!“ lesen konnte. Auch sollen während der Aufführung bei einigen Notenpulten plötzlich Karten mit dem Text „Stockhausen-Zoo. Bitte nicht füttern!“ zum Vorschein gekommen sein.

    Einige Musiker drückten ihr Missfallen gegenüber Stockhausens Musik und damit ihrer eigenen künstlerischen Arbeit sogar durch eine sichtbare Arbeitsverweigerung aus, als sie vorzeitig das Konzert verließen, obwohl der Komponist eine Präsentation seines Tonarrangements von vier bis fünf Stunden angesetzt hatte.

    Aber es gab nicht nur diesen ganz besonderen arbeitsrechtlichen Konflikt zwischen dem Komponisten als Chef und den Musikern als den notwendigen Produzenten der Töne. Auch unter den Musikliebhabern bildeten sich Parteien. So protestierten die Stockhausen-Fans gegen das Verhalten der Musiker, während sich Stockhausen-Gegner nach einem Bericht im Nachrichtenmagazin Spiegel auf Turnmatten, die vom Bundesgrenzschutz ausgeliehen waren, Petting übten, Skat spielten und das Orchester hänselten: "Eine herrliche Pinkelmusik, die ihr da spielen müßt!".

    Schließlich endetet die Uraufführung als Debakel, da es Unbekannten gelungen war, die Lichter an den Pulten auszuschalten, so dass die Musiker im Dunkeln saßen. Die Aufführung endete daher nach 260 Minuten, weil die Orchestermusiker ihre Mitwirkung mehr der weniger freiwillig eingestellt hatten.

    Die musikalische Mixtur in der Fliegerhalle

    In Blumenthal konnte man so durch die Kombination von Stockhausen und Beethoven ein "ungewöhnliches Konzert in einer ungewöhnlichen Umgebung" erleben, wie es Ulf Fiedler beschrieb (Norddeutsche vom 12.9.1996), oder als einen "Mix aus Beethoven und Ringmodulatoren", wie es Stephan Cartier als Titel für seine Schilderung wählte. (Weser-Kurier vom 12.9.1996)

    Damit sich Konzertbesucher auf die anschließende Klassik um- und einstellen konnten, folgte auf Stockhausens „Mixtur“ nach einer „angemessenen Pause“, worauf Ulf Fiedler besonders hinweist, Beethovens Schicksalssinfonie, also eine so bekannte Komposition, dass man sie nicht weiter erläutern muss.

    Das Blumenthaler Publikum

    Für die Veranstalter des Musikfestes Bremen wird das Konzert des Dirigenten Peter Eötvös kein großer Erfolg gewesen sein, was allerdings kaum eine Überraschung war. Das dürfe zumindest für die finanzielle Seite zutreffen, wenn nur die Hälfte aller Plätze verkauft werden konnte.

    Zwar gilt für Goethe nach der viel ziterten Erfahrung des Theaterdirektors im Faust "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; Und jeder geht zufrieden aus dem Haus." wirklich nicht in jedem Fall zu gelten, vor allem dann nicht, wenn zwei so unterschiedliche Vorstellungen von Musik zusammengebracht werden. Experimentalmusik und Klassik haben eben ein unterschiedliches Publikum, das nicht unbedingt neugierig auf andere Klangangebote ist, sondern vor allem seine eigenen Vorlieben ohne Störungen erleben und genießen will. Das trifft zweifellos zumindest auf den Stockhausen-Teil zu, da in diesem Fall, wie in der BWK-Mitarbeiterzeitung Sir Charles erläutert wurde, "traditionelle Hörgewohnheiten über Bord geworfen werden" mussten (Sir Charles 30, S.2)

    Aber das sprach nicht gegen die Wahl des umfunktionierten Konzertsaals in der BWK, wodurch das vom Dirigenten vertretene Konzept der Gegensätze und Kontraste von der Musik in ihren Präsentationsraum erweitert wurde. Für den Konzertfreund Fiedler hätte diese Wahl auch den Komponisten gefallen, der die "Erfassung des Konzertraums in das Geschehen der Musik thematisiert" hat. Hier sprach daher sogar trotz der unbesetzten Plätze vermutlich wegen seiner eigenen Erwartungen von einem "zahlreichen Publikum".

    Die Zuhörer in Blumenthal haben jedenfalls wie der bekannte Blumenthaler Autor Ulf Fiedler "dem Neuen durch (ihren) Beifall Respekt und Anerkennung" erwiesen. Enthusiasmus und damit eine deutliche Empfehlung für weitere Konzerte an diesem Standort außerhalb der zentral gelegenen Musiktempel folgten allerdings erst auf den Beethoven-Teil: "Das Finale als Triumpfmarsch verströmte Helligkeit und sieghafte Freude. Ein ungetrübter Hörgenuß, dem lang anhaltender Beifall und mehrere Herausrufe folgten." (s.o)

    Das Programm zum Nacherleben

    Wer gern mit seinen eigenen Ohren erleben möchte, warum es damals bei einem Stockhausen-Konzert einen Skandal geben konnte und das Blumenthaler Publikum neue Hörgewohnheiten benötigte, kann das mithife eines youtube-Videos des Stückes "Mixtur" von Karlheinz Stockhausen machen und sich so über den zentralen musikalischen Aspekt des Konzerts vom Ensemble Modern in Fliegerhalle informieren.



    Auf diesem neuen Weg kann er auch nach einer Pause, deren angemessene Länge er selbst bestimmen darf, den Kontrast zu Beethovens Schicksalssinfonie hören:

  • Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Bremer Beamter oder “König von Blumenthal“?

    Auf den ersten Blick sieht es wie eine Antwort oder sogar ein Gegenangriff auf das Verhalten des Blumenthaler Ortsamtsleiters und „seines“ Beirats aus.

    Herr Balz, der durch eine Mehrheitsentscheidung des Beirats seine Mitgliedschaft in allen Ausschüssen seines Stadtteils verloren hat, in die er zunächst als Mitglied der Bürger in Wut gewählt wurde, hat eine Petition an die Bremer Bürgerschaft auf den Weg gebracht, die man bis zum 11.3.2016 mitzeichnen kann.

    Angestrebt wird auf diesem Weg ein verändertes Wahlverfahren für die Ortsamtsleiter, die bisher von den Beiratsmitgliedern gewählt werden und der Rechts- und Fachaufsicht der Senatskanzlei unterstehen. Das sieht die Petition in ihrem Kernsatz vor: „Der Bremer Senat möge beschließen, dass zukünftig alle in Bremen eingesetzten Ortsamtsleiter im Rahmen der Wahlperiode zur Bürgerschaftswahl (4 Jahre) mittels Kandidatenliste durch die Bevölkerung gewählt werden.

    Auch wenn wegen der Mehrheitsverhältnisse kaum eine praktische Umsetzung dieser Petition zu erwarten ist, lenkt de Vorschlag die Aufmerksamkeit auf die Position der Ortsämter im Rahmen der Bremer Stadtpolitik und die Bürgerbeteiligung, die nicht zuletzt von den Stadtteilen erwartet wird.

    Bürgermeisterwahlen nach eigenen Gesetzen

    Auch wenn es Ortsämter nur in Bremen, Hamburg, Dresden und Rostock gibt, lässt sich teilweise abschätzen, wie sich eine Umstellung des Wahlverfahrens auswirken würde. Entsprechende Hinwiese liefern Bundesländer wie NRW, wo seit 1994 Bürgermeister direkt gewählt werden, und Baden-Württemberg, wo dieses Wahlverfahren eine sehr lange Tradition besitzt und daher auch längerfristig beurteilt werden kann.

    Dabei hat sich gezeigt, dass es nicht nur um eine formale Änderung des Verfahrens geht, das zur Besetzung einer Position führt. Vielmehr ändern sich durch die Direktwahl die Chancen der Kandidaten, und vor allem wertet sie das politische Gewicht des direkt Gewählten erheblich auf. Der Politologe Prof. Wehling stellt diesen Aspekt besonders heraus, wenn er folgert: „Die unmittelbare Wahl verleiht dem Bürgermeister über die Kompetenzausstattung hinaus zusätzliches Gewicht, macht ihn zum Gesalbten des Volkes, läßt ihn zum Wahlkönig auf Zeit werden.“

    Im Hinblick auf die Blumenthaler Situation kann man also folgern, dass auf diese Weise aus einem Bremer Beamten ein König von Blumenthal werden kann, wie es ihn zumindest früher in der Meinung zahlreicher Blumenthalerinnen und Blumentaler schon einmal gegeben hat.

    Aber wer kann mit einer solchen politischen Krönung zum Wahlkönig rechnen?

    Nach den Erfahrungen aus anderen Bundesländern ist es nicht zwangsläufig jemand, der bereits in einer anderen Wahl besonders populär war und beispielsweise viele Personenstimmen für sich gewonnen hat. Da urteilen die Wähler üblicherweise viel sachlicher, indem sie sich Gedanken machen, ob ein Kandidat auch für das Amt tatsächlich geeignet ist.

    So ziehen die Wählerinnen und Wähler in der Regel Kandidaten von außerhalb vor, weil sie nicht wollen, dass der neue Bürgermeister schon bei Amtsantritt seine Freunde und Feinde in der Gemeinde hat. Man muss sich daher fragen,warum Herr Balz in seiner Petition diesen Vorteil, den ein durchschnittlicher Wahlberechtigter sieht, ausschließen will, wenn jeder Kandidat seinen "Wohnsitz im jeweiligen Stadtteil haben soll". Gerade in Städten und Stadtteilen, die sich gern von ihrer Umwelt abgrenzen und alles möglichst beim Alten lassen wollen, dürfte frischer Wind von außen fast notwendig sein, wenn es vorangehen soll.

    Neben diesem politischen Kalkül achten Wähler auf die fachliche Qualifikation der Kandidaten für das jeweilige Amt. So haben sich in Baden-Württemberg klare Anforderungsprofile herausgebildet, wenn "rund 90% der etwa 1.030 hauptamtlichen Bürgermeister des Landes .. gelernte Verwaltungsfachleute" sind.

    Nicht zuletzt zeigen sich Unterschiede bei der Nähe zu einer politischen Partei zeigen sich Unterschiede. Zwar können selbstverständlich auch die Bürgermeister in Baden-Württemberg Parteimitglieder sein; jedoch ist es erforderlich, die Parteibindung nicht allzu sehr zu betonen, sondern immer wieder darauf hinzuweisen, "daß man Bürgermeister aller Bürgerinnen und Bürger sein will". Daher kann es nicht überraschen, wenn die Hälfte der Bürgermeister in Baden-Württemberg parteilos ist.

    Das sieht für Prof. Witt in den Bundesländern anders aus, die früher nicht direkt von den wahlberechtigten Einwohnern, sondern vom Rat gewählte Bürgermeister hatten; denn hier waren es in der Regel "Parteifunktionäre, die in Amt und Würden kamen. So wurden in Nordrhein-Westfalen beispielsweise vielfach Lehrer als Bürgermeister gewählt, da diese sich in den Räten jeweils zu Fraktionsvorsitzenden, häufig der SPD, „hochgedient“ hatten und dann auch vom Rat in das Bürgermeisteramt gewählt worden sind.

    Mit anderen Worten achten also weniger die Fraktionen in Wahlgremien auf Sachverstand und eine gewisse Überparteilichkeit und Unabhängigkeit als ein Durchschnittswähler. Wer also diese Merkmale auch in der Politik schätzt, kann nicht einfach über das Verfahren einer Direktwahl als Alternative zur Parteiendemokratie hinweggehen.

    Eine gute Chance gerade für Bremen?

    Die Petition wirft damit eine Reihe von Fragen auf, die gut überlegt werden müssen. Falls die Bremer Politik auf diese Weise stärker personalisiert würde, müsste man mit neuen politischen Machtverhältnissen rechnen. Das ist zumindest nach Erfahrungen in anderen Bundesländern zu erwarten, wo traditionelle Erbhöfe der Parteien wie SPD-Städte im Ruhrgebiet oder CDU-Gemeinden im Münsterland oder am Niederrhein

    Eine neue politische Ordnung, die sich auf ein System starker Stadtteilbürgermeister stützt, wirft fast zwangsläufig eine weitere Frage auf. Wer in der Personalisierung Vorteile sieht, wird dabei vor der Position des Landeschefs nicht haltmachen, der bisher indirekt von der Bürgerschaft gewählt wird.

    Die Petition fordert die Direktwahl zwar nur für die Ortsamtsleiter. In der öffentlichen Diskussion, die auf der Webseite des Petitionsausschusses angeboten wird, kann man jedoch als zusätzliche Anregung für eine weitere Erörterung noch mehr vorschlagen. Das gilt auch für einen ersten direkt gewählten Landesschef.

    Ohnehin dürfte es viel Sinn machen, nicht nur die Petition zu zeichnen oder es zu lassen, sondern im Forum auch Einzelfragen anzusprechen und damit neue Ideen in den verfilzte Bremer Politikbetrieb einzubringen, in dem trotz aller Kritik an den Regierungsparteien ein Machtwechsel durch andere Mehrheitsverhältnisse in der Bürgerschaft unrealistisch erscheint.

    Das werden die Anhänger der bestehenden Gremiendemkratie ähnlich sehen und daher jedes Risiko einer Machteinbue vemiden wollen. Da scheint es nur ein Gegenmittel zu geben: die Entwicklung eines kohärenten Verfahrens für die Direktwahl von Ortsamtsleitern bzw. Stadtteilbürgermeistern, denen vom Gesetz her klare Kompetenzen eingeräumt werden. Eine Durchsetzung kann anschließend in Bremen über den Weg des Volksbegehrens erfolgen.

  • Bremer FlüchtlingspolitikDatum31.01.2016 17:41
    Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Zwischen Integration und Protest

    Mitte Januar meldeten sich über Facebook drei Ortsvereine aus dem Norden der Ruhrmetropole Essen zu Wort, wobei ihre Ankündigung kritische Leser an Fakes notorischer Flüchtlingsgegner denken ließ. Die Sozialdemokraten aus dem Pott riefen zu einer Protestveranstaltung gegen weitere Flüchtlingsunterkünfte in ihren Wohnvierteln auf, was die deutschen Massenmedien sonst gern mit Aktionen von Neonazis und Pegida-Anhängern in Verbindung bringen. Die Vorstände der lokalen SPD-Organisationen wollten nach diesen Posts unter dem Motto „Genug ist genug - Integration hat Grenzen!" mit einem „Lichtermarsch“ gegen die von der Stadt vorgesehene Verteilung der Flüchtlinge in Essen protestieren.

    Recht schnell und überzeugend stellte sich heraus, dass es sich in diesem Fall um eine ganz reale Absicht der tatsächlichen sozialdemokratischen Basis handelte. Nicht nur die politischen Gegner bei den Grünen und der Linken kritisierten das Vorhaben, sondern auch die SPD-Ministerpräsidentin des Landes NRW. Diese Intervention von oben führte schließlich zur Absage der Protestaktion von unten und brachte die nordrhein-westfälische Regierungspartei wieder auf ihren erwarteten Einheitskurs.

    Auch ohne einen Protestmarsch gegen die Flüchtlingspolitik, für die unmittelbar der Oberbürgermeister und der Sozialdezernent von der CDU verantwortlich sind, haben die Sozialdemokraten aus dem Essener Norden damit nicht nur einen Konflikt mit ihrer Parteiführung ausgelöst, sondern gleichzeitig auf die Situation in einigen Essener Stadtbezirken
    aufmerksam gemacht.

    Das Problem der sozialen Mischung

    Dabei wurde deutlich, dass mit der Verteilung von Flüchtlingen innerhalb einer Stadt sowohl eine Integration erleichtert als auch Proteste der bisherigen Wohnbevölkerung ausgelöst werden können, die sich um die Identität ihrer Wohngebiete Sorgen macht. Es kommt eben immer auf die jeweiligen Anteilswerte an.

    Das lässt sich in Essen sogar recht präzise in Zahlen ausdrücken, da hier ein Beschlussvorschlag „Unterbringung von Flüchtlingen in 2016/2017" vorliegt, dessen Auswirkungen auf die neun Stadtbezirke Essens dargestellt sind.

    Bei der Beurteilung muss man vor einer generellen Spaltung vieler Ruhrgebietsstädte sehen, die von einem Gefälle zwischen einem wohlhabenden Süden und einem Norden gekennzeichnet sind, wo eher sozial benachteiligte Einwohner leben. Das gilt in ganz besonderem Maß für den Stadtbezirk V, in dem die drei hier beheimatet sind. Dieses Gebiet mit Altenessen, Karnap und Vogelheim weist die typischen sozialstatistischen Merkmale sozial benachteiligter Gebiete auf, d.h. eine niedrige Wahlbeteiligung, viele Hartz IV-Bezieher und einen hohen SPD-Anteil.

    Durch den Essener Flüchtlingsplan befürchten die Altessener Sozialdemokraten, dass der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund, der hier „derzeit über 40 Prozent“ liegt weiter dramatisch steigt, wenn „mehr als 70 Prozent der neuen Flüchtlingsunterkünfte im Essener Norden errichtet werden sollen".

    Es wird also eine stärkere Gleichverteilung der Flüchtlinge gefordert und keine weitere räumlich Konzentration von Einwohnern mit einem Migrationshintergrund .

    Ghettobildung am Stadtrand

    Wie ein sachlicher Blick auf die Zahlen belegt, die der Sozialdezernent vorgelegt hat, ist die Kritik durchaus berechtigt. Zwar springt bei den Daten zunächst ein vorgesehener Anstieg im bürgerlich geprägten Stadtbezirk IX auf 5 % ins Auge, jedoch ist das keineswegs ein Indiz für eine angestrebte ausgewogenere Verteilung. Die genauere Analyse bestätigt vielmehr eine Konzentration der Flüchtlinge auf die Stadtbezirke V und VI, wo beinahe zwei Drittel mehr Flüchtlinge untergebracht werden sollen als im Essener Durchschnitt. Hier besteht also eine deutliche Tendenz zu einer weiteren sozialen Belastung, die von der Stadt durch die Flüchtlingspolitik bewirkt wird.

    Sogar die anscheinende Kompensation durch einen eine verstärkte Unterbringung von Flüchtlingen im Essener Süden bedeutet bei einer näheren Betrachtung nicht gerade einen Abbau der bestehenden sozialräumlichen Spaltung Essens. Hier sollen 800 Flüchtlinge allein in Fischlaken untergebracht werden, d.h. in einem überwiegend ländlich geprägter Stadtteil mit Waldflächen, landwirtschaftlichen Betrieben aber auch dichteren Wohnvierteln.

    Wenn in dieser Ortsteil am Stadtrand zwischen dem Baldeneysee und einem Golfplatz mit gut 4.000 Einwohnern 800 Flüchtlinge aufnimmt, würden man einen Flüchtlingsanteil von 20 % erreichen. Aber es geht nicht vorrangig um Durchschnitte; denn praktisch soll eine große isoliert liegende und weitgehend abgeschottete Flüchtlingssiedlung entstehen. Von der Standortwahl drängt sich dahr die Vermutung auf, dass die Flüchtlinge weniger integriert als aus dem Blickfeld verschwinden sollen. Kritiker sprechen bei dieser suburbanen Ghettobildung von „Containern im Nirgendwo“, sodass trotz der höheren Flüchtlingszahlen im Ruhrtal weiterhin keine „Asylsuchende an den noblen Villen vorbeilaufen“ werden.

    Von der Sache her gab es für den Vorstoß der SPD-Ortsvereine aus dem Norden Essen Unterstützung durch die Lokalpresse, wo es in einem Kommentar heißt: "Eigentlich könnte die SPD stolz sein auf Basispolitiker, die auf Grundlage guter Ortskenntnisse ihren eigenen Kopf haben und damit republikweit nicht wenige Bürger beeindruckten."

    Aber es geht nicht nur um Eindrücke, sondern um eine Verteilung, die für soziale Kontakte und damit eine Integration günstig ist, aber nicht aufgrund einer Massierung auf Ablehnung stößt und im Endeffekt zu Banlieues nach französischem Muster führt, die üblicherweise mit Perspektivlosigkeit, Vandalismus und Kriminalität in Verbindung gebracht werden .

  • Kulturzentrum im SortiergebäudeDatum29.01.2016 13:30
    Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Australien in Blumenthal

    Die Verbindung zwischen der Bremer Woll-Kämmerei und dem Musikfest, die im Jahr 2000 einen Höhepunkt, aber auch bereits wegen der wirtschaftlichen Situation der BWK ihr Ende erlebte, hat 1995 begonnen.

    Damals suchte der Leiter des Bremer Musikfestes nach einem australischen Ambiente in Bremen, um damit einen Bezug für ein Konzert des Sydney Symphony Orchestra und den Besuch der Gattinnen des australischen Premierministers Keating und des australischen Botschafters in Deutschland herzustellen.

    Da drängte sich ein suchender und prüfender Blick auf die BWK zwangsläufig auf, da hier große Teile der australischen Rohwolle bereits seit Jahrzehnten gewaschen und gekämmt wurden. Auch hatte man zwei Jahre zuvor mit der Wollkämmerei in Geelong einen zweiten großen Standort neben Blumenthal auf dem fünften Kontinent in Betrieb genommen.

    Wie der Pressesprecher anschließend die Öffentlichkeit informierte, war der Vorstand von dieser Idee „hellauf begeistert“ und entschloss sich, "trotz „schwieriger Wirtschaftslage“ seinen Sponsorenvertrag für das Musikfest zu leisten und eine Lagerhalle zur Verfügung zu stellen.“ (Norddeutsche vom 31.8.1995)

    Die Aufführungen in ungewöhnlichen Räumen waren, wie es in einem kurzen historischen Abriss des Musikfestes heißt, zum Konzertsaal umfunktionierte Produktionshallen mit "ganz eigener progressiver Atmosphäre" und zudem in der Nähe zu den Sponsoren des Musikfestes Bremen. So konnte man die Musik nicht nur im Konzerthaus Glocke, dem St. Petri Dom, der Unser Lieben Frauen Kirche oder dem Rathaus erleben. Vielmehr waren "Vladimir Ashkenazy zwischen Kaffeesäcken, Sir John Eliot Gardiner in einer Schiffswerft, Anne Sofie von Otter in einem Fruchtterminal, Paquito D’Rivera in einem ehemaligen Schwimmbad, STOMP in einer ehemaligen Werfthalle oder Jessye Norman in einem Flugzeughangar zu sehen und zu hören.

    Für die Blumenthaler Verbindung von Musik und australischer Schafwolle wählte man die "Fliegerhalle", die der BWK als Lager für Rohwolle diente. Allerdings stellte die neue Nutzung ganz besondere Anforderungen an die Halle, die sich von denen einer Wolllagerung unterscheiden. Das galt etwa für die großen Maueröffnungen an der Stirnseite der Halle, was die Luftzirkulation und damit
    der Wolllagerung zugutekam, nicht jedoch einem konzentrieren Musikgenuss von Besuchern. Es mussten daher Tore installiert und - entsprechend den feuerpolizeilichen Auflagen - Notausgänge gebaut werden. Dieser Hallenumbau, der die Voraussetzungen für eine weitere Verwendung als Konzertsaal in den folgenden Jahren schuf, soll insgesamt knapp 20.000 DM gekostet haben.

    Es waren jedoch nicht nur bauliche Veränderungen erforderlich, um aus einer Lagerhalle für Rohwolle einen Konzertsaal zu machen. So musste das Jugendorchester Bremer-Nord an mehreren Tage Probesequenzen spielen, um Mikrofone und Kameras auszurichten und einzupegeln.

    Für die geladenen Gäste der Konzertveranstaltung gab der BWK-Chef - es war Herr Georgi, der mit seiner Entscheidung zugunsten eines australischen Kämmereistandortes in Geelong ein ganz besonderes Verhältnis zum Schafwollkontinent auf der Südhalbkugel hatte - zunächst einen Empfang mit den üblichen Begrüßungsreden. Dabei unterhielt der BWK-Vorsitzende seine Gäste mit einer Anekdote, in der die Bedeutung der BWK für die Wollindustrie herausgestellt wurde. Danach konnte Anfang des 20 Jahrhunderts der australischen Premierminister beim Besuch einer Abordnung aus Bremen diesen Herkunftsort nicht lokalisieren. Um seine regionale Vermutung zu überprüfen, fragte er daher: „Bremen - liegt das nicht bei Blumenthal?“

    Insgesamt wurde das Konzert für knapp 2.000 Besucher (Sir Charles, 26, S. 2) zu einem einmaligen Erlebnis, und das nicht zuletzt wegen des besonderen Ambientes, wobei das „grelle Ausleuchten der Bühne die Schatten vertiefte und eine unwirkliche Atmosphäre schuf“. Für das Gesamterlebnis war aber vor allem die Musik verantwortlich. So schrieb damals Ulf Fiedler in der Norddeutschen: „Mozarts Musik überwand mühelos das Sperrige, Monströse der Umgebung und verwandelte mit ihrer magischen Kraft die Lagerhalle in einen Konzertsaal.“ (Norddeutsche vom 4.9.1995)

    Der Pianist und Gastsolist Christian Zacharias war von der Atmosphäre in der Wollhalle sehr beeindruckt, wie die Werkszeitung über diesen 2. September 1995 berichtete: "...zuerst denkt man, das geht doch gar nicht. Und dann klingelt's und es ist unvergesslich. Ich finde solche Orte sollte man entdecken und viel mehr Musik dort machen". (Sir Charles, 26, S. 2)

    Das Ambiente war im September 1995 jedoch nicht alles. Es gab auch Musik, die sich im Internet, wenn auch von anderen Interpreten, weiterhin anhören lässt.

    Gespielt wurden:

    - Enyato III als deutsche Erstaufführung des Komponisten Ross Edwards,

    - das 24. Klavierkonzert c-moll KV 491 von Wolfgang Amadeus Mozart und zum Abschluss



    - die Alpensinfonie von Richard Strauss

  • Kulturzentrum im SortiergebäudeDatum27.01.2016 14:43
    Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Aufstieg und Fall Blumenthals

    Wer heute über das BWK-Gelände geht, wird kaum glauben können, dass es hier wie auch in anderen Teilen Blumenthals vor mehr als einem Jahrzehnt einmal ein reges kulturelles Leben zu finden war. Eine der letzten Veranstaltungen dieser Blütezeit, die eine besondere symbolische Bedeutung besitzt, fand am 8. September 2000 in der Fliegerhalle statt, die damals als Lager für die Rohwolle der Bremer Woll-Kämmerei (BWK) genutzt wurde.

    Dieses Jahr an der Jahrtausendwende bedeutete für die BWK und damit auch für Blumenthal einen ganz besonderen Einschnitt; denn das Unternehmen hatte nach zwei herben Verlustjahren mit Elders einen neuen Großaktionär bekommen, wodurch die Geschäftspolitik nicht nur in Blumenthal und Bremen bestimmt wurde, sondern vor alle auch entsprechend den Interessen des großen Eigentümers und Kapitalgebers im fernen Australien.

    Ein großes kulturelles Finale

    Als Finale der kulturellen Blütezeit Blumenthals wurde die Oper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" gespielt. Diese Aufführung erfolgte im Rahmen des 11. Musikfestes Bremen durch das BBC Philharmonic Orchestra, während bei der Auswahl des Stückes das damalige Weill-Jahr eine Rolle gespielt hat.

    Damit scheint die Oper sogar durch ihren Titel einen Bezug zum Austragungsort zu besitzen, da Blumenthal mit der Gründung der BWK einen raschen Aufstieg zu einer industriell geprägten Kreisstadt erlebte, bevor sich mit dem folgenden Niedergang des Großunternehmens die ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtert haben.

    Reales und fiktives Mahagonny

    Sieht man von dieser Möglichkeit einer speziellen Interpretation des Titels ab, lässt sich das fiktive Mahagonny nicht mit dem realen Blumenthal verglichen, da in dem vom Bremer Kaufmannsgeist geprägten Unternehmen nicht die Moral von Sodom und Gomorra Einzug gehalten hat, wie es der Marxist Bertolt Brecht für seine kapitalistische Modellstadt jenseits des Atlantiks erwartet. Während etwa die Frauen in Mahagonny nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihre Körper verkaufen mussten, wurde in Blumenthal zwischen dem Management und den Arbeitnehmern über Lohnhöhen, Arbeitszeiten und die Rolle des Betriebsrates und der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat gestritten.

    In der Oper, die im intellektuellen Klima der Berliner Roaring Twenties entstanden ist, wird damit wie auch in anderen Stücken Brechts die These dichterisch umgesetzt, nach der im Kapitalismus Moral und Ethik der Profitmaximierung untergeordnet werden. Das gilt dann wie unter einem Brennglas in einer Goldgräberstadt, also einer boomenden Siedlung, die kaum stabile Institutionen aufweist.

    Das Blumenthaler Woll-Ambiente

    Auch wenn die Vorstellung im Jahr 2000 nicht mehr wie noch andere Aufführungen einige Jahre zuvor von de BWK wegen ihrer angespannten Finanzsituation finanziell unterstützt wurde (Sir Charles, 45, S.8), sorgte die Kämmerei für ein ganz besonderes Ambiente, die vermutlich einmalig auf de Welt war. Diesen Unterschied machten die Rohwolleballen aus, die an den Wänden der in der 30 m breiten und 70 m langen freitragende Fliegerhalle 2,5 m hoch aufgestapelt waren, um den "Hall zu dämpfen",wie Patric Leo, der Technische Direktor des Musikfestes, erläuterte. Trotzdem dieses Provisoriums hatte für ihn hat die „spröde alte Halle“ ihren besonderen Reiz. (Norddeutsche vom 7.9.2000)

    Aber nicht nur diese Wollballen, die "gut für die Akustik" waren, erinnerten während der Opernaufführung an den ganz realen Ort der musikalischen Events, denn die Rohwolle schluckte nicht nur Töne, sondern gab auch Geruchsmoleküle an die Umgebung ab. 1.200 Besucher erlebte also eine Oper mit Schafsgeruch. Dazu zählten auch viele Mitarbeiter der BWK und Blumenthaler, die, wie der BWK-Sprecher anmerkte, "die Konzerte" nutzten, "um das gleich vor ihrer Haustür liegende Unternehmen endlich auch einmal aus der Nähe zu sehen."

    Zusammenfassend titelte die Werkszeitung über dieses Kunstereignis mit realen Bezügen damals: "Bravo-Rufe für Brecht's Kapitalismus-Kritik" (Sir Charles, 46, S. 8)

    Mahagonny zum Nacherleben

    An die Aufführung in der Blumenthaler Fliegerhalle erinnern heute nur noch die Erzählungen damaliger Besucher und die vergilbenden Zeitungsartikel in der Norddeutschen und der Werkszeitung Sir Charles. Wen jedoch vor allem die Oper interessiert, kann sie inzwischen in einer anderen Aufführung über youtube im Internet erleben. Das gilt sowohl für den bekannten Alabama Song



    als auch die Oper insgesamt:

  • Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Bremer Machtwechsel durch die Kanzlerin?


    Der massive Anstieg der Flüchtlingszahlen, die seit dem Sommer letzten Jahres über die Balkanroute nach Deutschland, Österreich und Schweden kommen, hat in den betroffenen Ländern zu deutlich veränderten Parteipräferenzen geführt, wie sie in Umfragen zeitnah erhoben werden. Dabei scheint der Zuwachs von Parteien, die eine Zuwanderung möglichst einschränken wollen, zu Grenzschließungen wie in Schweden und der Einführung einer Obergrenze wie in Österreich geführt zu haben.

    Nach den letzten Erhebungen hat sich der Anteil der Schwedendemokraten seit der letzten Wahl im September 2014 von 13% auf 29 % mehr als verdoppelt, während die Sozialdemokraten in diesem Zeitraum 10 Prozentpunkte eingebüßt haben und auf 21 % Wähleranteil zurückgefallen sind. Eine ähnliche Tendenz findet man in Österreich. Dort liegt die FPÖ bei 34 %, während die beiden Wiener Koalitionsparteien auf jeweils 22 % zurückgefallen sind. Das sah bei der letzten Nationalratswahl noch anders aus, denn im September 2013 erhielt de FPÖ knapp 21 % der Stimmen, während die SPÖ mit 27 % und die ÖVP mit 24 % vorn lagen.

    Der Köln-Effekt in Deutschland

    Eine ähnlich dramatische Entwicklung gab es in Deutschland trotz der Zuwanderung von über einer Million Flüchtlingen im letzten Jahr nicht. Die AfD, die hier die Position von Schwedendemokraten bzw. FPÖ einnimmt, konnte ihren Anteil zwar ebenfalls deutlich steigern, jedoch weniger ausgeprägt und in mehreren Schritten. Das gilt vor allem für die Sonntagsfrage zur Bundestagswahl, deren Beantwortung sehr stark von der Bewertung der Politik der Bundeskanzlerin abhängt. Hier erzielte die CDU/ CSU bis zum Jahreswechsel 20115-6 bei 38%-39 % der Stimmen, um anschließend vermutlich als die Übergriffe in Köln und anderen deutschen Städten nach und nach bekannt wurden, um zwei bis drei Prozentpunkte einzubüßen.

    Während die anderen Parteienanteile relativ stabil blieben, wurde die AfD zum Gewinner, und das nach einer dramatischen Entwicklung. So fiel der Anteil im Anschluss an die Anfangserfolge bei der Bundestags- und der Europawahl durch parteiinterne Querelen und im Juli 2015 durch die Abspaltung von Allianz für Fortschritt und Aufbruch ALPHA in den Bereich von 3 % bis 4 % zurück. Das änderte sich dann Ende September als die Partei mit ca. 6 % einen Anteilswert über der wichtigen 5 %-Klausel erreichte. Ab Mitte Januar 2016 wurden schließlich aus den vor Silvester erhobenen 8 % rasch 10 %.

    Unterschiede zwischen Flächenländern und Stadtstaaten

    Deutliche Unterschiede bestehen zwischen den verschiedenen Bundesländern, deren Wählertrends in den drei Regionen, in denen im März gewählt wird, relativ häufig durch neue Umfragen erfasst werden. Dort ist durchgängig der Einzug der AfD in die Landesparlamente zu erwarten, und zwar mit Anteilen von 15 % (Sachsen-Anhalt), 11 % (Baden-Württemberg) und 9 % (Rheinland-Pfalz). Dabei gehen die Gewinne der AfD, die sich seit den letzten Monaten abzeichnen, weitgehend zulasten der SPD, sodass es vermutlich nach den Wahlen keine Mehrheit für eine grün-rote Regierung in Stuttgart bzw. eine rot-grüne Ministerpräsidentin in Mainz geben wird.

    Abweichend von dieser Tendenz haben sich die Parteipräferenzen in Hamburg entwickelt, also einem Stadtstaat, in dem die SPD ihre Hochburgen vor allem in sozial benachteiligten Gebieten besitzt und dort auch beim Olympia-Referendum ihren Rückhalt verloren hat. Zudem war die Hansestadt auch von den Silvesterausschreitungen unmittelbar betroffen. Das blieb nicht ohne Einfluss auf die Wahlpräferenzen, bei denen es hier einen besonders kräftigen Ausschlag gab. Dabei fiel die SPD seit der Bürgerschaftswahl Anfang dieses Jahres um über acht Prozentpunkte zurück, die größtenteils an die AFD und in erheblich kleinerem Ausmaß auch die CDU und die Linke fielen. Dadurch konnte die AfD ihren Anteil auf 13 % mehr als verdoppeln.

    Aktuelle Bremer Wählerprojektion

    Projiziert man diese Hamburger Verhältnisse auf Bremen mit seinen ausgeprägten WiN-Gebieten, würde dort SPD aktuell nur noch jeder vierte Wähler seine Stimme den Sozialdemokraten geben. Die flüchtlingskritischen Gruppierungen AfD, ALPHA, BiW und die bisher nur durch eine Facebookseite aktiven Bremer Bürger des parteilosen Blumenthaler Beiratsmitglieds Fritjof Balz könnten daher inzwischen mit etwa 17 % einen ähnlich hohen Anteilswert wie die Grünen erreichen. Diesem erreichbaren Wahlerfolg dürften allerdings gegenwärtig real ihre gegenseitigen Animositäten entgegenstehen. Aufgrund ihres Abschneidens in anderen Bundesländern sollte es jedoch vermutlich der AfD im Lauf der Zeit gelingen, aus diesem Potenzial auch tatsächliche Parteiwähler zu machen.

    Bei diesem Trendverlauf hätte die rot-grüne Regierungskoalition ihren Stimmenanteil, der 2011 noch über 60 % gelegen hatte, auf 40 % reduziert. Das würde nicht mehr zur Mehrheit in der Bürgerschaft reichen, sodass die Sozialdemokraten gezwungen wären, die Linke oder die FDP zusätzlich als Partner aufzunehmen oder eine Koalition nach Berliner Muster zu bilden. Nicht eine schlechte Regierungsbilanz oder ein zu große Filz hätten dann den bisherigen Senat zu Fall gebracht, sondern die Flüchtlinge oder genauer die rot-grüne Flüchtlingspolitik.

  • Auf dem Weg zum BWK-MuseumDatum23.01.2016 12:29
    Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Schaumwein oder Champagner?

    Wichtige Einblick in die Bremer Industriepolitik erhält man nicht zwangsläufig aus den Reden, die hochrangige Entscheidungsträger halten, wenn erste Spatenstiche erfolgen oder ein aufwändig restaurierter Straßenabschnitt wie die Historische Achse auf dem BWK-Gelände für die Öffentlichkeit freigegeben wird. Manchmal findet man hintergründige Informationen auch in großflächigen Werbeanzeigen, wie sie die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) am letzten Mittwoch im BLV ganzseitig veröffentlicht hat.

    Unter der Überschrift „Gewerbegebiet BWK/ Vulkan“ findet man dort die Anzeigen von Firmen, die sich offenbar angesiedelt haben. Dazu gehören im ehemaligen BWK-Bereich als bereits alte Bekannte der Partyservice und das Lackierzentrum.

    Zusätzlich füllen drei eigene Anzeigen des Wochenblattes die Seite.

    Geworben wird vorrangig mit einer offensichtlichen Fotomontage des Gewerbegebiets, das entgegen dem Eindruck, den reale Passanten dort gewinnen, nicht aus gepflasterten Freiflächen zu bestehen scheint, sondern bis zum letzten Quadratmeter als Lagerfläche für Raumelemente genutzt zu werden, die sich auch bei einer maximalen Vergrößerung nicht unbedingt als Pkws identifizieren lassen.

    Wie dem auch sei! Die biedere Anzeige spricht nicht unbedingt für ein gelungenes Konzept, für sich mit begeisterten Testimonials von Kunden werben lässt.

    Das kann man als einen Beleg für das Scheitern einer Planung ansehen, die hier im Forum und Blog als bedenklicher Nutzungskonflikt und suboptimale Verwendung eines Filetstücks auf dem Immobilienmarkt herausgestellt wurde.

    Lässt sich diese langjährige Entwicklung noch als Fortsetzung der bisherigen Vermarktungspolitik der WFB verstehen, wird es im Hinblick auf andere Hoffnungen in Blumenthal noch erheblich dramatischer. Hier muss man fragen, was die Bremer Wirtschaftsförderer aus der „Perle der Industriekultur“, also vor allen aus den denkmalgeschützten Gebäuden aus den Anfangsjahren der BWK, tatsächlich machen wollen.

    Zunächst wurde das Gewerbegebiet „Vulkan-West“ in „Gewerbegebiet Bremer Wollkämmerei", und zwar mit Charakterisierung "Areal der Möglichkeiten!“ umbenannt, um den unterschiedlichen Charakter beider Flächen herauszustellen. Das zeigt u.a. ein 2011 bei youtube veröffentlichtes Video:




    So sprach man bei dem ehemaligen Werksgeländes der Bremer Woll-Kämmerei von einem „Gewerbegebiet, das mit der historischen Achse .. einen äußerst reizvollen Aufenthaltsort bietet“. Nach den Worten des Wirtschaftssenators vom April letzten Jahres eignete sich „die einzigartige Architektur der Gründerzeit“ „ideal für Künstler, Designer, Ingenieure und Architekten, für Gastronomie oder Veranstaltungen“.

    Von diesen Überlegungen findet man in der aktuellen Anzeige, die aus den benachbarten Flächen der WFB in Blumenthal und Vegesack einen Einheitsbrei macht, nicht ein Wort.

    Haben es die Entscheidungsträger etwa aufgegeben, Kunden zu suchen, die zu dem besonderen Ambiente des alten BWK-Geländes passen? Das würde auch das offensichtliche Desinteresse an einem dortigen Kulturzentrum mit einem BWK-Museum erklären. Wer nur Logistikflächen loswerden will, braucht kein Kulturzentrum in der Nachbarschaft. Ja, es würde sogar vermutlich eher stören.

    Anders wäre es natürlich, wenn man Künstler und andere Kreative ansprechen will. Für sie könnte ein Kulturzentrum ein Orientierungspunkt sein, an dem sich die weitere Vermietung ausrichtet. Der Kultur-Treff könnte dann ein Ankerprojekt für die gesamte zukünftige Entwicklung zumindest entlang der Historischen Achse werden.

    Es macht schließlich einen Unterschied, ob man als Künstler, Architekt oder Kreativwirtschaftler einen Standort im Gewerbegebiet Vulkan-West hat oder aber an der Historischen Achse in der Nachbarschaft des Blumenthaler Kulturzentrums und des BWK-Museums.

  • Foren-Beitrag von Reinhard im Thema

    Engagierte Ärzte


    In manchen Regionen Deutschlands kümmern sich nicht nur die Politiker um die gesundheitlichen Sorgen ihrer Bürger. Im Kreis Rotenburg (Wümme) sind es ebenfalls viele Ärzte, die nicht nur Krebspatienten behandeln wollen, sondern auch die Beseitigung möglicher Krankheitsursachen anstreben.

    Anlass dieser Aktion ist eine überzufällige Häufung von Krebserkrankungen bei älteren Männern im Zeitraum zwischen 2003 und 2012, die möglicherweise mit der Erdgasförderung in dieser Region zusammenhängt.

    Deshalb haben über 200 Mediziner, wie gestern der NDR in seiner Regionalsendung „Hallo Niedersachsen“ informiert hat, einen offenen Brief an die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt geschrieben und sie zu einer Pressekonferenz in das Diakoniekrankenhaus Rotenburg eingeladen.

    Trotz mehrfacher Bitten ist die Ministerin dieser Bitte jedoch nicht gefolgt, und so konnten die Ärzte das Schreiben nicht persönlich übergeben.

    Aber die Politikerin aus dem Hannoveraner Kabinett dürfte bereits vorab über das Anliegen der Mediziner informiert gewesen sein. Danach sehen es die Ärzte, wie es im offenene Brief heißt, „als unsere ärztliche Aufgabe an, präventiv zu beraten.“ Da die Ursache der Häufung der Krebserkrankungen bisher nicht bekannt ist, bitten sie die Ministerin „dringend“, „die Ursachenforschung durch die rasche Bereitstellung ausreichender finanzieller Mittel für die unbedingt notwendigen wissenschaftlichen Untersuchungen sicherzustellen.“

    Diese hypothetische Verbindung von karzinogenen Kohlenwasserstoffen und erhöhten Leukämieerkrankungen lässt an die Situation am Tanklager Farge denken. Nur scheint es dort kaum besorgte Politiker und Ärzte zu geben, obwohl in Bremen-Nord sogar eine Leukämie-Selbsthilfegruppe besteht. Hat man hier vielleicht übersehen, dass die Erkrankungen ganz unabhängig davon ausgelöst werden, ob man sie vertuscht, verdrängt oder bagatellisiert?

    Der Unterschied zwischen dem Verhalten in Rotenburg bzw. Farge/Rönnebeck besteht vielmehr, wie die verantwortungsbewussten Ärzte herausstellen, in der möglichst schnellen Beseitigung der Ursachen, sodass es im niedersächsischen Landkreis Rotenburg keine weiteren vermeidbaren Krebserkrankungen geben soll.

Inhalte des Mitglieds Reinhard
Beiträge: 1139
Geschlecht: männlich
Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen