Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Historisches

#1 von Reinhard , 26.01.2013 13:54

In dem Beitrag Radio Bremens zu den geplanten Feierlichkeiten auf der Bahrsplate wurde der Rönnebecker Heimatkundler, Schriftsteller und Maler Ulf Fiedler zur Eingliederung Blumenthals nach Bremen befragt. Herr Fiedler, der 1930 geboren ist, hat den Anschluss, wie die Eingemeindung Blumenthals im Antrag der SPD bezeichnet wird, als Neunjähriger miterlebt. Von damaligen Jubelfeierlichkeiten weiß er nichts zu berichten, der „Anschluss Blumenthals“ wurde anscheinend zumindest nicht so erlebt wie der Österreichs, der bekanntlich von einer riesigen Menschenmenge auf dem Wiener Heldenplatz, bejubelt wurde, als sie dort ihren Führer sehen wollte.

Für Herrn Fiedler ist die Eingliederung, wie sie damals offiziell hieß, nicht durch eine spontane Akklamation der Volksgenossen legitimiert, sondern durch die Geschichte. Er hält sie daher aus historischen Gründen nicht für einen Willkürakt der Nazis.

Ist diese Argumentation jedoch wirklich stichhaltig oder dient sie eher einer nachträglichen Begründung eines Verwaltungsaktes?

Geht man nach den nackten historischen Fakten hat der Bremer Rat 1436 für 1400 Rheinische Gulden die Burg Blomendal mit der Vogtei und dem Gericht Blomendal, die danach zu einem Verwaltungsamt wurde und als Ruhesitz der Bremer Bürgermeister diente, von den Rittern von Borch gekauft. Damit war Blumenthal gut 200 Jahre ein von Bremen samt menschlichem Inventar gekaufter Grundbesitz.

Nachdem Bremen dann einen Krieg verloren hatte, kam Blumenthal als Teil des neuen Herzogtum Bremens für 60 Jahre unter die Oberhoheit von Schweden und Dänemark, um anschließend 1715 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg wieder verkauft zu werden. Der Käufer firmierte später in Kurfürstentum Hannover um. Diese Zugehörigkeit wurde nach einer siebenjährigen französischen Herrschaft über die Mairie Blumenthal im Kanton Vegesack des Départements Bouches du Weser auf dem Wiener Kongress bestätigt. Nach dem von Hannover verlorenen Krieg von 1866 erhielt schließlich Preußen die Herrschaft über das ehemalige Königreich Hannover, das nach 1945 im Bundesland Niedersachsen seinen räumlichen Nachfolger fand.

Grob gerechnet gehörte also Blumenthal zunächst gut 200 Jahre zu Bremen und kam 1715 zu Hannover, dessen weitere Geschichte es miterlebte. Alles in allem waren das bis 1939 auch ca. 200 Jahre, in denen aus einem kleinen Burgbereich an der Unterweser eine blühende Industrie- und Kreisstadt wurde.

Ohne einen verklärenden Bremischen Blick, möglicherweise durch eine Fanbrille von Werder entstanden, kann also nicht einmal von einer geschichtlichen Begründung gesprochen werden.

Aber das sollte ohnehin in einer Demokratie, die aus der Missachtung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker gelernt hat, kein wesentliches Argument sein. Hier kommt es auf die Beteiligung der Einwohner innerhalb eines demokratischen Prozesses an. Den hat es nicht gegeben. Die Eingemeindung war und ist das Ergebnis eines willkürlichen Verwaltungsaktes, den das verfassungswidrige Ermächtigungsgesetz ermöglicht hat.

Bedauerlicherweise scheint nicht jeder in Blumenthal diesen als sogar „Vertrag“ bezeichneten Verwaltungsakt als undemokratisch wahrzunehmen, wenn von einem „dreihundertjährigen Eigentum Bremens“ gesprochen wird, das man nicht an „Preußen zurückgeben“ könne.

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RE: Historisches

#2 von Lola , 31.01.2013 15:48

http://213.71.18.104/wissen/geschichte/n...sion-print.html
Zitat
"Am nächsten Morgen waren sie tot"

Jean-Marie Vanden Eynde war einer der Häftlinge. Er erinnert sich: "Bei denen, die wirklich am Rande des Todes standen, gab es zwei Gruppen: Die einen waren wirklich krank, kamen ins Krankenrevier. Da gab es die anderen, die sich aufgegeben hatten. Sie standen sonntags immer auf dem Hof herum, bewegten sich nicht und starrten vor sich hin. Die im Krankenrevier waren wie wir auch abgemagert, körperlich geschwächt. Die anderen wollten nicht mehr durchhalten, spürten keine Lebenskraft mehr. Am nächsten Morgen waren sie tot. Das kommt, wenn man nicht mehr leben will. Das passierte immer sonntags." 123 Todesopfer sind namentlich bekannt. Sie starben an Hunger, Krankheiten, Vernachlässigung oder Misshandlung.
Zitat Ende

Auch hier in Blumenthal leben noch Menschen die bis heute die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten nicht vergessen haben.

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RE: Historisches

#3 von Lola , 02.02.2013 07:04

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,490340.html
Zitat
Bremen und seine reichen Kaufleute hatten schon vor 1939 handfeste Interessen nördlich der Lesum- 02.02.2013
Landnahme
Von Ulf Fiedler

Im nächsten Jahr gehört Blumenthal seit 75 Jahren zu Bremen. Wie berichtet, möchten Blumenthaler um den Ortsamtsleiter Peter Nowack aus diesem Grund eine Feier auf dem Gelände der Gedenkstätte Bahrsplate machen. Das hagelt scharfe Kritik. Für DIE NORDDEUTSCHE ist das Anlass, einen Blick in die Geschichte zu werfen und zu schauen, wie Bremen sich schon vorher in der Region breit machte.
Zitat Ende

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RE: Historisches

#4 von Lola , 13.03.2013 08:06

http://www.rathaus.bremen.de/sixcms/deta...men54.c.6723.de

Ich glaube es gibt kaum einen Bremer, dem der Name von Wilhelm Kaisen nicht bekannt ist.
Er war nicht nur der 1.Bürgermeister nach dem Krieg in Bremen, sondern er war schon viel früher ein Mitglied der Bürgerschaft.

Einige Stationen aus seinem Leben, die ich dem o.a. Link entnommen habe:
1914
Besuch der SPD-Parteischule in Berlin. Lehrerin: Rosa Luxemburg, Franz Mehring
1919
Übersiedlung nach Bremen, Eintritt in die Redaktion des „Bremer Volksblatts“

1920
Wahl in die Bremische Bürgerschaft

1933
„Schutzhaft“

1944
Verhöre durch die Gestapo

1945
Berufung zum Bürgermeister und Präsidenten des Senats

http://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Luxemburg
Zitat
... gegen Militarismus und Krieg wirkte weit über ihre Zeit und die Grenzen Deutschlands hinaus...
Zitat Ende

http://spurensuche-bremen.de/tag/schutzhaft/
Hier kommt auch ein Zeitzeuge in einem Videoausschnitt zu Wort...

http://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagsbrandverordnung
Zitat
Die verfassungsmäßig zweifelhafte Verordnung ebnete den Weg von der Weimarer Republik zur totalitären Diktatur.
Zitat Ende
http://spurensuche-bremen.de/die-neusten-spuren/
..ein Zeitzeuge berichtet..

...und vor diesem geschichtlichen Hintergrund muss in Bremen-Blumenthal noch abgestimmt werden, ob es eine 75-Jahr-Feier geben soll oder nicht.

Was hätte Bürgermeister Kaisen dazu gesagt?

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RE: Historisches zum 1.September vor 75 Jahren

#5 von Lola2 , 01.09.2014 09:04

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...rid,932253.html

Zitat
, ohne dass dem Land der Krieg erklärt worden war. Der Panzerkreuzer „Schleswig-Holstein“ hatte am frühen Morgen das Feuer eröffnet. Damit lösten die Nationalsozialisten am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg aus, der mindestens 50 Millionen Menschen das Leben kosten sollte. Vorausgegangen war dem deutschen Überfall volksverhetzende Propaganda sondergleichen gegen die polnischen Nachbarn. Was ging in den Bremern in diesen Septembertagen vor? Darüber geben Gestapo-Berichte und Kriegstagebücher aus dem Staatsarchiv Auskunft. Kommentar Seite 2·Thema Seite 4

http://www.finanzen.net/nachricht/aktien...-Jahren-3837495
Zitat
Doch ist eine Sondersitzung ausgerechnet an diesem Montag angebracht; am Anti-Kriegstag; am Tag, an dem sich der Überfall auf Polen zum 75.<TH>Mal jährt? Heute vor fünf Jahren bekannte sich Angela Merkel auf der Westerplatte zur deutschen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg. Ist es damit etwa ein- für allemal getan? Natürlich geht Zeit ins Land, freilich gibt es aktuelle Krisenherde, und selbstverständlich muss nicht die ganze Welt den Atem anhalten. Aber dass der Deutsche Bundestag ohne Not ausgerechnet heute über diese Waffenexporte debattiert, zeugt von wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit der eigenen jüngeren Geschichte.

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...rid,932133.html
Zitat
- 01.09.2014
ÜBERFALL AUF POLEN: WIE VOR 75 JAHREN DER ZWEITE WELTKRIEG BEGANN

Von Silke Hellwig

Am heutigen 1. September jährt sich zum 75. Mal der deutsche Überfall auf Polen.
Mit den Worten „Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen“ schwor Adolf Hitler im Reichstag die Deutschen auf einen angeblichen Verteidigungskampf ein, der keiner war, und der den Zweiten Weltkrieg entzündete.


Das Thema "Ein sehr schwarzes Kapitel in der polnischen Geschichte"....

Eine Frage aus dem geführten Interview:
Zitat
Wissen Sie, inwiefern Bremer Soldaten an dem Überfall beteiligt waren?
Antwort: Bremische Aspekte sind nicht unser Forschungsschwerpunkt, aber ich weiß, dass Bremer Soldaten dabei waren. Dazu zählte auch einer meiner entfernteren Verwandten, der ein Jahr später in Frankreich gefallen ist. Untersucht ist bekanntlich, dass Bremer Polizeibatalione an Judenmorden beteiligt waren, beispielsweise bei Minsk und bei Leningrand.
Zitat Ende

Eine interessante Dokumentation im Weser Kurier, die den 1.September vor 75 Jahren transparent macht.


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zuletzt bearbeitet 01.09.2014 | Top

"Der Erste Weltkrieg"

#6 von Lola2 , 11.10.2015 09:42

http://www.radiobremen.de/wissen/geschic...ltkrieg118.html

" Serie im Nordwestradio
Der Erste Weltkrieg
Expertengespräche und Reportagen "

Mit dem Ersten Weltkrieg begann das, was Historiker heute als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Weltweit starben rund neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten. Durch industrialisierte Massenvernichtungswaffen wurden viele Überlebende grausam verstümmelt. Wir erinnern an den Ausbruch des Krieges vor 100 Jahren.

Als Auslöser des Krieges gilt das Attentat auf den österreicherischen Thronfolger am 28. Juni 1914. In der Folge erklärte Österreich Serbien den Krieg. Russland unterstützte die Serben, das Deutsche Kaiserreich stand seinem Verbündeten Österreich zur Seite und trat in den Krieg ein. Damit war die Katastrophe perfekt.
Zitat Ende






Nachdem Historiker den Beginn des Ersten Weltkrieges heute als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnen findet man sehr viele Links unter dem o.a. die u.a. auch zu dem folgenden
Link führen, der sich mit Erinnerungen von Zeitzeugen aus Bremen beschäftigt.

http://www.radiobremen.de/wissen/geschic...chelers100.html
Der Erste Weltkrieg in Bremen
Erinnerungen von Bremer Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

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"Streit um Partys auf der Bahrsplate"
Volksfest auf der Bahrsplate

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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