Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Ultimative Problemlösung?

#1 von Reinhard , 02.05.2013 10:49

Ein moralisches Angebot

Die BimA, die das Tanklager Farge verkaufen will, hat sich bisher mit Informationen über einen Käufer sehr zurückgehalten. Das kann überraschen, weil die BimA-Filale in Oldenburg durch Anzeigen Angebote bis zu 15.2. 2013 gesucht hat und der bestehende Vertrag mit dem jetzigen Betreiber Tanquid am 31.5. 2013 ausläuft. So wurde allen Tanquid-Mitarbeiters zu diesem Zeitpunkt gekündigt.

Da Immobiliengeschäfte immer ihre Zeit brauchen, bis sie tatsächlich rechtskräftig und in der Realität umgesetzt werden können, scheint ein reibungsloser Übergang an einen neuen Betreiber kaum noch möglich zu sein.

Es sieht daher fast so aus, als ob die seriösen Anbieter in Oldenburg nicht gerade Schlange gestanden haben. Das konnte vielleicht auch gar nicht anders erwartet werden, da sich dieses alte Lager, das für den „totalen“ Krieg, aber nicht für eine betriebswirtschaftlich optimale Speicherung von Mineralölprodukten gebaut wurde, vermutlich kaum im Wettbewerb mit anderen Lagern rentabel betreiben lässt.

Hinzu kommen ddie ursächlich immer noch ungeklärten Bodenkontaminationen, wobei auch unterirdische Leckagen nicht ausgeschlossen werden können. Auch macht eine aktive Bürgerinitiative auf die Probleme aufmerksam, sodass sich mit dem Betrieb der Anlage kein umweltfreundliches Unternehmensimage gewinnen lässt.

Nicht ausgeschlossen ist es daher, dass die BimA keinen seriösen Käufer gefunden hat und gern eine Ersatzlösung für das Tanklager Farge realisieren würde.

Vielleicht ist daher sogar ein ganz spezieller Deal möglich, der der BimA einen Käufer beschert und den Anwohnern des Tanklagers ihre größten Zukunftssorgen nimmt. Wie wäre es, wenn Bremen dem Bund das Areal für den üblichen symbolischen Euro abkaufen und den Verkäufer an möglichen späteren Verkaufsgewinnen beteiligen würde? Auf diese Weise ließe sich nach heute geltendem Recht eine zukünftige Nutzung konzipieren und realisieren, an der im Rahmen der Bebauungsplanung den Anliegen der Anwohner und dem Umweltschutz Rechnung getragen werden muss.

Wie könnte es nach dem „Kauf“ weitergehen? Da sich die Kontaminationen nicht durch einen Federstrich auf dem Papier beheben lassen, müsste zunächst eine transparente Bestandsaufnahme aller Belastungen auf dem gesamten Areal erfolgen, damit sich die Gefährdungssituation erkennen und damit die Verwertbarkeit des Areals für neue Nutzungen abschätzen lässt.

Parallel wäre zu klären, ob und wenn ja, welche Art von Rückbau der Anlagen erforderlich ist, damit sich das Gelände zumindest in den nicht kontaminierten Bereichen gefahrlos betreten, befahren und gegebenenfalls auch baulich nutzen lässt. Neben der notwendigen Sicherheit wäre dabei auch an die Klärung ökonomischer Einzelfragen zu denken. So müsste beispielsweise berechnet werden, ob es günstiger ist, das Eisen der Tanks aus dem Boden zu holen und zu verwerten, oder ob dabei die Kosten so hoch sind, dass man es preiswerter in 20 m Tiefe und mehr lässt. Voraussetzung dabei wäre allerdings, dass sich die Hohlräume sichern lassen und später keine großen Erdeinbrüche befürchtet werden müssen.

Wenn eine Bestandaufnahme aller Kontaminationen und ein Bewertung möglicher Rückbaumaßnahmen vorliegen, könnte ein Bebauungsplan erstellt werden, in dem für ungefährdete Teile des Tanklager-Areals bereits neue Nutzungen vorgestellt werden. Denkbar wäre etwa an bessere Straßenverbindungen zum Schulzentrum „In den Sandwehen“, Windräder, an gastronomische Angebote oder ein Tagungshotel am Rande eines neuen Naturschutzgebietes oder auch an kleinere neue Wohngebiete zu denken, die bereits bestehende arrondieren.

Aber das sind Zukunftsfragen, die vor allem von der Klärung der Kontaminationssituation abhängen. Ganz wichtig ist jedoch, dass sie im Rahmen einer Bürgerbeteiligung und einer Umweltprüfung erfolgen, sodass nicht wieder ein Wasserschutzgebiet und die Grundstücke, ja vielleicht auch das Leben von Anwohnern bedroht sind.

Falls bei späteren Grundstücksverkäufen Bremen mehr als den gezahlten symbolischen Euro einnahmen sollte, könnte man den Verkäufer an den Gewinnen beteiligen. Aber das sind Detailfragen, die auch davon abhängen, wer die Bestandsaufnahme der Kontaminationen und die Rückbaubewertungen bezahlt.

Durch dieses „Kaufangebot“ kann es viele Gewinner geben: Der Bund erhält einen „fairen“ Gegenwert für sein belastetes Grundstück, Bremen ist ein „ehrlicher“ Makler für seine Bürger, der praktisch kein eigenes Geld einsetzen muss, und die Anwohner können über die weitere Nutzung des Gebietes mitbestimmen und sind vor zukünftigen Gefahren durch ein Tanklager oder eine vergleichbare Einrichtung sicher.

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RE: Ultimative Problemlösung?

#2 von Reinhard , 09.05.2013 11:45

Anscheinend sieht der Bund einen Preis bisher nicht bei dem symbolischen 1 €, sondern bei 160.000 €, wobei hier allerdings nicht ganz klar ist, ob damit das gesamte Areal oder nur der Teil in Bremen gemeint ist. Für eine Fläche von 3,2 Mio. qm ist das allerdings nicht unbedingt ein Mondpreis. Allerdings dürfte es neben der Summe vor allem darauf ankommen, wer die notwendige Bestandsaufnahme der vorhandenen Belastungen und möglicherweise notwendige Rückbaumaßnahmen bezahlt.

Die zuständigen Stellen in Bremen scheinen bisher kein Interesse gezeigt zu haben. Jetzt will hier ein Antrag der Linken, der im Blumenthaler Beirat gestellt wurde, mehr Licht in diese Sache bringen. So wird der Wirtschaftssenator danach gefragt, ob ein Kaufangebot zu dem genannten Preis besteht bzw. bestand und vor allem, „warum .. sich die Stadt Bremen gegen einen Ankauf entschieden (hat) oder .. in dieser Angelegenheit noch keine Entscheidung gefallen“ ist.

Wenn man bedenkt, dass durch einen Kauf die Anwohner des Tanklagers erheblich sicherer in die Zukunft sehen könnten und Bremen noch dazu über ein vermutlich teilweise unbelastetes Wald- und Heideareal verfügen würde, stellt sich hier die Frage nach dem offensichtlichen Desinteresse. Zumindest Gespräche und Verhandlungen hätte man im Interesse der betroffenen Bremer Bürgerinnen und Bürger erwarten können.

Es kann sich daher leicht ein böser Verdacht aufdrängen. Wie auf der Anwohnerversammlung am Montag deutlich geworden ist, sind die Bremer Behörden ihren Kontrollaufgaben nicht immer gerecht geworden, was vermutlich die „Gummiwand“ erklärt, auf die die Tanklager-Bürgerinitiative immer wieder stößt, wenn sie Unterlagen einsehen will, was jedem Bürger nach dem Umweltinformationsgesetz zusteht.

Hier scheint es ein Bedürfnis zu geben, den „Schwarzen Peter“ möglichst anderen senatorischen Behörden zuzuschieben und sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Bisher stand der grüne Umweltsenator, in dessen Ressort die Belastungen des Grundwassers fallen, im Mittelpunkt der Kritik durch die Medien und die Betroffenen, während der Gesundheitssenator, dem die Gewerbeaufsicht untersteht und der damit für die Betriebsgenehmigung des Tanklagers politisch verantwortlich ist, nicht einmal zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde.

Ein Kauf des Grundstücks durch Bremen würde hingegen das kritische Interesse der Öffentlichkeit vor allem auf den Wirtschaftssenator und die Finanzsenatorin lenken, die sich „das nicht antun will“, wie sie auf der Brenor erklärt haben soll.

Kann es daher möglicherweise sein, dass Bremen sich nicht um die berechtigten Sorgen der Anwohner des Tanklagers kümmert und keine nachhaltige Lösung für das Tanklagerareal anstrebt, nur weil sich dann Senatorinnen oder Senatoren engagieren müssten, die dadurch vielleicht mehr Arbeit und mehr Kritik auf sich lenken würden?

Aber so individualistisch wird im rotgrünen Senat sicherlich niemand denken oder gar handeln!

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Gemeinsame politische Verantwortung

#3 von Reinhard , 11.05.2013 09:19

Gemeinsame politische Verantwortung

Es dürfte außer Frage stehen, dass der jetzige Umweltsenator den Tanklagerskandal Farge bestenfalls suboptimal gemanagt hat und dabei nicht den Transparenzanforderungen gerecht geworden ist, die nicht nur die Öffentlichkeit und die Wähler gerade an einen grünen Umweltsenator stellen, sondern auch die führende Bremer grüne Umweltpolitikerin Dr. Schaefer, wie sie auf der Anwohnerversammlung am letzten Montag in Farge mehr oder weniger deutlich eingeräumt hat.

Gleichwohl dürfte damit nur für engstirnige Parteipolitiker ein gesuchter Sündenbock gefunden sein; denn ein Senator ist auf seine leitenden Beamten angewiesen und die Ursachen des Tanklagerskandals liegen, soweit sie bisher geklärt sind, eindeutig vor 2011, also dem Jahr, in dem Herr Dr. Lohse sein jetziges Amt angetreten hat.

Die vermutlichen Ursachen sind hingegen in den vielen Jahren zu suchen, in denen sich keine Umweltbehörde um die Kontaminationen gekümmert hat, die erstmals gegen Kriegsende 1945 eingetreten sein sollen. Gleichzeit scheint in diesen Jahren die Gewerbeaufsicht recht lasch gearbeitet zu haben. So hat das Gewerbeamt bis heute keine Betriebsgenehmigung für das Tanklager vorlegen können, obwohl sie dazu nach dem Umweltinformationsgesetz, worauf sogar einer ihrer leitenden Beamten selbst verwiesen hat, jederzeit verpflichtet ist. Auch wurde, was auf der Anwohnerversammlung an zahlreichen Beispielen veranschaulicht wurde, wenig kenntnisreich geprüft. Das gilt etwa für die Pegelstände und damit die Erfassung der Treibstoffmengen, sodass es keine zuverlässigen Aussagen über Leckagen gibt. Auch hat man offensichtlich nicht darauf geachtet, dass im Tanklager eine Sicherheitstechnik verwendet wird, die dem heutigen Entwicklungsstand entspricht.

Diese Sorglosigkeit ist ebenfalls keine neue Entwicklung, da auch aus früheren Jahren keine genaueren Prüfberichte vorgelegt werden konnten.

Es macht also Sinn, einen Blick auf die Senatoren zu werfen, die für diese wenig überzeugenden Kontrollleistungen politisch verantwortlich sind:

Umweltsenatorinnen und -senatoren waren:

1971–1975 Albert Müller(SPD)
1975–1984 Herbert Brückner (SPD)
1984–1991 Eva-Maria Lemke (SPD)
1991-1995 Ralf Fücks (B'90/Grüne)
1995 Helga Trüpel (B'90/Grüne)
1995–2003 Christine Wischer (SPD)
2003–2005 Jens Eckhoff (CDU)
2005–2007 Ronald-Mike Neumeyer (CDU)
2007–2011 Reinhard Loske (B'90/Grüne)
2011-? Joachim Lohse (B'90/Grüne)

Die für die Gewerbeaufsicht zuständigen Gesundheitssenatorinnen und –senatoren, bei denen die mehrfach sehr kurze Amtszeit eine sorgfältige Einarbeitung kaum zugelassen haben dürfte, waren:

1951-1958 Johannes Degener (CDU)
1958–1959 Karl Krammig (CDU)
1959–1968 Karl Weßling (SPD)
1968–1971 Karl-Heinz Jantzen (SPD)
1971–1975 Albert Müller (SPD)
1975-1987 Herbert Brückner (SPD)
1987–1988 Henning Scherf (SPD)
1988–1991 Vera Rüdiger (SPD)
1991 Claus Grobecker (SPD)
1991–1992 Sabine Uhl (SPD)
1992-1994 Irmgard Gaertner (SPD)
1993 Sabine Uhl (SPD)
1994-1995 Irmgard Gaertner (SPD)
1995–1999 Christine Wischer (SPD)
1999–2002 Hilde Adolf (SPD)
2002-2003 Christine Wischer (SPD)
2003–2006 Karin Röpke (SPD)
2006 Willi Lemke (SPD)
2006–2011 Ingelore Rosenkötter (SPD)
2011–2012 Renate Jürgens-Pieper (SPD)
2012– ? Hermann Schulte-Sasse (parteilos)

Wenn man die Aufstellung überfliegt, wird deutlich, dass die drei großen Parteien Bremens an der Tanklager-Kontrolle in den letzten Jahrzehnten beteiligt waren und daher eine politische Mitverantwortung zu tragen haben.

Sollte das nicht Grund genug sein, um das Tanklager-Areal zu einem angemessenen Preis zu übernehmen? Dann könnte Bremen die Anwohner transparent über die Sanierungsfortschritte informieren und entsprechend der heutigen Gesetzgebung ein Nutzungskonzept entwickeln, das der Entwicklung Blumenthals dient und neue Gefährdungen für die Anwohner, das Trinkwasser und die Umwelt verhindert.

Müsste nicht eine „Politik in Verantwortung für nachfolgende Generationen“, wie sie in der Präambel des aktuellen Koalitionsvertrages versprochen wird, am konkreten Beispiel des Tanklagers diesen Weg gehen, um weitere Kontaminationen durch ein veraltetes Tanklager, das unter dem Diktat der Profitmaximierung betrieben wird, zu verhindern?

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Und sie bewegt sich doch

#4 von Reinhard , 17.05.2013 10:41

Und sie bewegt sich doch

Lange Zeit gab sich die SPD in Blumenthal in der Frage des Tanklagers sehr konservativ. Man wollte den alten Zustand bewahren, auch wenn er nicht unbedingt so gut war, wie die Messdaten des Umweltamtes zeigten.

So betätigten sich noch in der Beiratssitzung im März führende Vertreter der stärksten Partei als Tanklager-Lobbyisten; denn der Ortsamtsleiter erklärte, „dass die Aufrechterhaltung des Betriebs eine bessere Lösung für Bremen sei als eine Stilllegung.“ Bei dieser Grundeinstellung musste es nicht überraschen, wenn ein besorgtes SPD-Mitglied nicht über einen Antrag der Fraktion, sondern als Bürger mehr Aufklärung durchsetzen wollte.

Durch die Ausbreitung der zweiten Kontaminantionsfahne in weitere Wohngebiete und das Anwachsen der Tanklager-Bürgerintiwtive wurden die Stimmen der Befürworter dann leiser.

Manche klangen sogar aggressiv gegenüber einer notwendigen weiteren Aufklärung, wenn offen betont wurde: "Ich bin dagegen, dass in jeder Beiratssitzung neue Fragen auftauchen"

Kann man darin inzwischen vielleicht schon ein letztes frustriertes Rückzugsgefecht sehen? Zumindest gibt es inzwischen auch in der Öffentlichkeit andere Stimmen.

So hat der Beiratssprecher Verständnis für die Kritik an seiner Partei eingeräumt und die Lösung der Tanklager-Frage als „das wichtigste und vordringlichste Thema" des gesamten Bremer Nordens bezeichnet.

Das weist zumindest auf eine Diskussion hinter der Fassade hin. Offen ist nur, ob es sich dabei um Meinungsverschiedenheiten oder ein generelles Umdenken handelt.

Bei anstehenden konkreten Entscheidungen wird man es erkennen können.

Wird sich die Blumenthaler SPD für eine nachhaltige Bremer Lösung der künftigen Nutzung des Tanklager-Areals stark machen, indem Bremen die Immobilie erwirbt und durch einen Bebauungsplan neu nutzen lässt?

Wird sich die Blumenthaler SPD für eine umfassende Gesundheitsuntersuchung einsetzen, nachdem eine Vorstudie durch das Bremer Krebsregister sehr wahrscheinliche gesundheitliche Schäden durch die Grundwasserkontamination ausgewiesen hat?


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Kein Mut zur Verantwortung?

#5 von Reinhard , 02.06.2013 11:10

Kein Mut zur Verantwortung?

Nach einer Tischvorlage zur Sitzung der Wirtschaftsdeputation am 29. Mai soll der Wirtschaftssenator drei Gründe genannt haben, die aus seiner Sicht gegen einen Ankauf des Tanklagerareals durch das Land Bremen sprechen.

Dabei wird zunächst als Hinderungsgrund auf die Gemeinde Schwanewede im benachbarten Landkreis Osterholz verwiesen, auf deren Gebiet sich ebenfalls Teile des Tanklagers befinden. Über einen denkbaren Kontakt wird jedoch nicht berichtet, denn man könnte sich immerhin vorstellen, dass die Interessen der Anwohner in Farge, Rönnebeck und Schwanewede gleichgerichtet sind und damit auch die Ziele der Politiker, die von ihnen gewählt wurden. Aber anscheinend besteht hier ein neuer Eiserner Vorhang, auch wenn nur Parteigenossen zum Hörer greifen müssten.

Als zweiter Grund wird angegeben, dass Bremen über keinen eigenen Forstbetrieb verfügt. Das ist zweifellos ein pfiffiges innovatives Argument, da bisher das Tanklager noch nie als ein vom Bund betriebener Forstbetrieb gesehen wurde. Für einen kurzen Zeitraum ließe sich für dieses brennende Problem sicherlich eine Lösung finden, vielleicht sogar gemeinsam mit Schwanewede bzw. dem Landkreis Osterholz; denn Niedersachsen verfügt durchaus über eine Forstverwaltung. Nur scheint auch hier kein Telefonkontakt über die sonst kaum auffallende Landesgrenze möglich zu sein.

Nach diesen zwei bereits überzeugenden Argumenten werden dann mit dem dritten alle Überlegungen von Ankaufbefürwortern restlos ad absurdum geführt. Ihnen wird vor Augen geführt, dass Bremen „nicht über eine lnstitution verfügt, die die Bewirtschaftung des Tanklagers und Waldes wahrnehmen könnte.“

Das dürfte jeder Leser mit großem Erstaunen zur Kenntnis nehmen; denn die Bewirtschaft des Waldes war ja schon als zweites Argument abgehandelt worden und von einer Weiterführung des Tanklagers als Landesbetrieb war nie die Rede.

Bei diesen wenig fantasievollen Gegenargumenten liegt es nahe, dass der Wirtschaftsenator gar nicht erst den Versuch unternommen hat, sie mit Argumenten für einen Kauf des Tanklagerareals abzuwägen. So liest man nichts von der Möglichkeit einer Umnutzung durch einen Bebauungsplan oder einer Beseitigung der berechtigten Sorgen der Anwohner.

Aber das würde wohl auch Kontakte nicht nur über den Eisernen Vorhang der Landesgrenzen, sondern auch der Ressorts voraussetzen. Oder geht es einfach nur um einen Arbeitsaufwand, den die Damen und Herren in den senatorischen Verwaltungen vermeiden wollen?

Die Arbeit wäre sogar noch mit einer besonderen Belastung verbunden; denn, wie zusätzlich ergänzt wird, „würde Bremen mit dem Eigentum auch Verantwortung für die Sanierung von Altlasten und die Sicherheit der Anlage übernehmen.“

Wohlgemerkt: es geht nicht um die Kosten, sondern ausschließlich um die Verantwortung, die hier Bremen nicht für die Gesundheit und Sicherheit seine Bürger übernehmen will.

Aber es ist sicherlich eine Zumutung, wenn man das von senatorischen Politikern und Behörden erwarten will! Reicht es denn nicht, wenn ihre Berichte in der Deputation „zur Kenntnis“ genommen werden?


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Bürger und Steuerzahler durch „Fieslinge“ vertreten?

#6 von Reinhard , 08.11.2013 16:14

Bürger und Steuerzahler durch „Fieslinge“ vertreten?

Nicht zuletzt durch eine mediengerechte Darstellung des Farger Tanklagerskandals hat sich eine starke Personalisierung der Auseinadersetzung ergeben, in der es neben den Guten auch eine Reihe von mehr oder weniger üblen Schurken geben muss. Das ist teilweise sogar so weit gegangen, dass über die ganz finsteren Gesellen nur gesprochen werden konnte, während der Gute einem Moderator immer hilfreich zur Seite stehen durfte.

Eine solche Darstellungsweise auch in weniger populären Medien muss nicht überraschen, da sich offenbar nur so, wie die Fernsehsender tagtäglich vorexerzieren, hohe Einschaltquoten erreichen lassen, was mit nüchternen Sachberichten nie und nimmer gelingt.

In einer derartigen Inszenierung eines Umweltskandals steht üblicherweise der gute Bürger, der mutig und entschlossen für die Umwelt und die Gesundheit seiner Mitmenschen kämpft, als Sympathieträger und Identifikationsperson für die Zuschauer oder auch Zuhörer ganz im Vordergrund, während seine profitgierigen Gegner, die anscheinend bereit sind, über Leichen zu gehen, nichts als Fieslinge sind, mit denen niemand etwa gemein haben will.

So muss offenbar heute ein Umweltskandals aussehen, da er uns in dieser Form in den Medien präsentiert wird.

In der Realität ist die Sache jedoch meist nicht nur komplizierte, sondern wie im Fall des Tanklagers Farge sogar grundlegend anders. „Gegner“ ist in diesem Fall kein profitgeiles Unternehmen; denn diese Rolle kann seit Mai nicht einmal die TanQuid spielen. Beteiligte sind vielmehr die Bundesrepublik Deutschland, das Land Bremen und die Gemeinde Schwanewede, die mit dem Tanklager eine ungewollte Erbschaft aus der Nazizeit übernehmen mussten.

Wenn man es also etwas grundsätzlicher sieht, handelt es sich ausschließlich um Organisationen, die die Interessen der deutschen Bürger und Steuerzahler vertreten sollen und müssen. Zumindest im Prinzip sollte es daher eine große Ähnlichkeit der Interessen geben, da letzthin die Kosten immer von den Steuerzahlern getragen werden müssen.

Bei allen Entscheidungen sollte man daher nicht zuletzt daran denken, dass die Anwohner des Tanklagers zwar ein Recht auf Sicherheit haben, die Bürger und Steuerzahler insgesamt jedoch auch eine möglichst kostengünstige Lösung erwarten können.

Es sollte daher nicht vergessen werden, dass die verschiedenen staatlichen Institutionen in diesem Sinne an einem Strang ziehen sollten und dabei auch eine Unterstützung der Bürger erwarten dürfen.

Daher ist es an der Zeit, eine gemeinsame sichere und kostengünstige Lösung der Tanklagerproblematik vom Eigentümer Bund und den betroffenen Gemeinden einzufordern.

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Politische Kostenkalkulationen

#7 von Reinhard , 10.11.2013 10:18

Politische Kostenkalkulationen

Die Kalkulationen, auf deren Grundlage in Deutschland über den Bau öffentlicher Gebäude und Einrichtungen entscheiden wird, sind bekanntlich häufig selbst schon eine Nachricht, hinter der das Interesse an dem eigentlichen Projekt fast zweitrangig wird. Die Reihe dieser Berechnungen, die weiter unter dem lagen, was aktuell „verbaut“ wird, aber vorher angeblich nicht erwartet wurde, reichen von Stuttgart21, die Hamburger Elbphilharmonie, die Lüneburger Leuphana-Uni bis zum Berliner BER-Flughafen. In allen diesen Fällen wurde offenbar sehr zurückhaltend kalkuliert, um für das Vorhaben überhaupt eine notwendige Mehrheit in dem jeweiligen Entscheidungsgremium zu erhalten. Die Initiatoren dürften dabei immer an ihre großen Vorbilder wie den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. und den bayerischen Märchenkönig Ludwig II. gedacht haben; denn die haben sich in Versailles und Neuschwanstein mit große Touristenmagneten verewigt, während von ihren zweifelhaften Finanzkünsten heute kaum noch jemand spricht.

Neben dieser üblichen Form einer politischen Kalkulation schient es noch eine zweite zu geben. Man kann auch extrem hohe Kostenschätzungen in die Diskussion einbringen, um dadurch ein bestimmtes Projekt zu verhindern. Das könnte beim Tanklager Farge der Fall sein, wenn man die bisherigen Hinweise auf die möglichen Kosten eines Rückbaus betrachtet.

Hier sollten die „Kosten für eine Wiederherstellung des Geländes, um es zugänglich zu machen“ „nach heutigen Schätzungen ca. 1,2 Mrd. €“ betragen. Diese Aussage hat zumindest der Blumenthaler Beiratssprecher in einer Sitzung am 8.10.2012 gemacht, also zu einem Zeitpunkt, als der Beirat trotz aller bereits bekannten Kontaminationen eine Nutzung „als Reservelager“ anregte.

Als später TanQuid den Tanklagerbetrieb möglicht wegen der damit verbundenen Arbeitsplätze fortführen sollte, sank die Kostenschätzung auf eine halbe Milliarde €.

Andere Schätzungen der Rückbaukosten, mit denen nicht der Wunsch auf einen Weiterbetrieb des Tanklagers verbunden war, gingen später von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag aus.

Angesichts dieser Bandbreite, die teilweise politisch begründet zu sein scheint, ist eine sachliche Kalkulation dringend erforderlich, da sich nur auf dieser Grundalge eine vernünftige Entscheidung über die Art und den Umfang des Rückbaus treffen lässt. Wenn sie von den Entscheidungsträgern im Bund und in Bremen verhindert wird, muss man vermuten, dass es den Behörden nicht nur um eine sachliche Lösung der Tanklagerproblematik geht.

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Harte Marktdaten

#8 von Reinhard , 11.11.2013 10:22

Harte Marktdaten

Auch wenn es gegenwärtig wegen der teilweise widersprüchlichen Aussagen des Tanklager-Eigentümers, also der Bundesimmobilienverwaltung, und einigen senatorischen Stellen noch Irritationen gibt, kann man dadurch die Fakten nicht beiseiteschaffen. Auch der Bund wird akzeptieren müssen, dass er keinen Käufer finden kann, der das Tanklager betreiben will, wenn er die Rückbauauflage erfüllen muss. Es ist also über kurz oder lang damit zu rechnen, dass die Forderung eines aktuellen Antrags der Bremer Grünen zur gemeinsamen politischen Aufgabe für Bremen, dem Bund und Schwanewede wird: „Tanklager Farge stilllegen und umweltverträgliche Nutzung ermöglichen!

Es geht damit, wenn man die drei Beteiligten betrachtet, um eine Lösung des Skandals, durch die einerseits die betroffenen Anwohner des Tanklager wieder Sicherheit erhalten, andererseits aber auch die finanziell stark beteiligten Steuerzahler eine akzeptable Kostenregelung erreichen.

Das dürfte gar nicht so einfach sein, wenn man einen Blick auf die wichtigsten Kalkulationsgrößen wirft. Das Tanklager-Areal besitzt, wenn es nach einem Rückbau wieder zu einer Wald- und Heidefläche geworden ist, die es in den 1930-er schon einmal war, nur einen begrenzten Marktwert. Entsprechende Flächen kosten sogar in der Nähe zur Bundeshauptstadt nur ca. 2 € pro qm. Für die 300 Hektar des Tanklagers wären es also 6 Mio. €.

Auch wenn man diesen Betrag noch auf 3 € je qm erhöhen würde, läge er deutlich unter den geschätzten Rückbaukosten. So muss man damit rechnen, dass der Rückbau das 10- bis 100-fache des Wertes kosten kann, den man schließlich als Marktwert der Immobilie erhalten wird.

Das ist eine Relation, die weder ein möglicher Investor noch der betroffene Steuerzahler für akzeptabel und vernünftig halten wird. Man wird sich also weitere Gedanken machen müssen. Dabei gibt es prinzipiell zwei Lösungswege: der Boden nach dem Rückbau muss wertvoller werden oder der Rückbau billiger.


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Der Bremer Senat wird gefordert

#9 von Reinhard , 11.11.2013 13:30

Der Bremer Senat wird gefordert

Nachdem der Wirtschaftssenator im Mai noch ein Interesse am Tanklagerareal kategorisch abgelehnt hatte, weil er weder Wälder noch Tanklager verwalten oder betreiben könne, wird in dem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag von Grünen und SPD auch Bremen in die Pflicht genommen. So sollen „in Gesprächen mit den Umlandgemeinden ein gemeinsames Vorgehen und Nutzungsvorschläge für eine umweltfreundliche Nachnutzung (z.B. als mit Wasser betriebene Wärmespeicher) erarbeitet" werden.

Dazu wird es hier selbstverständlich keine negative Anmerkung geben, zumal „mit Wasser betriebene Wärmespeicher“ zunächst einmal eine Lernphase erfordern.


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Althergebrachte Nutzungsmöglichkeiten

#10 von Reinhard , 13.11.2013 10:49

Althergebrachte Nutzungsmöglichkeiten

Bei einer zukünftigen sicheren Nutzung des Tanklager-Areals muss man nicht unbedingt ausschließlich innovative Ideen aufgreifen. Man kann auch gleichzeitig eher herkömmliche Verwendungen prüfen, die die Tanks nutzen, wodurch sich die hohen Rückbaukosten reduzieren lassen. In diesem Fall ließen sich vermutlich sogar große Teile der bestehenden Schieneninfrastruktur sinnvoll nutzen.

So berichtet ein Experte, der bereits in seinem Leben „zweimal steinalte Erdtanks“ verwertet hat, von seinen Erfahrungen. Diese Tanks waren allerdings mit 200.000 Litern Fassungsvermögen erheblich kleiner als die Anlage in Farge. Aber es stellten sich dort einem Rückbau erhebliche Hindernisse in den Weg, da sich aufgrund der Adhäsion die Tanks nicht vom umgebenden Erdreich trennen ließen. Daher hat man sie an der Seite der geplanten Bebauung "bergmännisch" freigelegt und anschl. mit einer Schleifhexe in Segmenten demontiert. Dabei verblieb die abgewandte Seite „mit Genehmigung der Behörden im Erdreich, wobei der Hohlraum verfüllt werden musste“. Auch wollte man „späteren Archäologen“ so eine kleine Freude und Aufgabe hinterlassen, wie eher mit einem Augenzwinkern erzählt wurde.

Anstatt den Schrott mühsam und kostenaufwendig freizulegen und in transportfähige Teile zu zerlegen, macht der Experte daher einen anderen regional bezogenen Vorschlag. Danach könnte man die Klöpperböden an der Stirnseite abtrennen und die Tanks als Lagerräume verwenden. Die wären beispielsweise für das Farger Kraftwerk geeignet, das dort für „viele Jahre“ seine Asche deponieren könnte. Damit würde die Stabilität der jetzigen unterirdischen Hohlräume auf Dauer gesichert und das Gesamtareal könnte – sieht man von den Flächen über den Tanks ab – ohne spezielle Einschränkungen aufgrund seiner Tanklagervergangenheit bebaut werden. Sogar die Bahngleise zwischen dem Kraftwerk und dem Tanklager ließen sich für einen nachhaltigen Zweck nutzen.

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RE: Althergebrachte Nutzungsmöglichkeiten

#11 von Klueverbaum , 13.11.2013 21:48

Zitat von Reinhard im Beitrag #10


Die wären beispielsweise für das Farger Kraftwerk geeignet, das dort für „viele Jahre“ seine Asche deponieren könnte.



Oh oh oh.... was soll man denn von diesem Vorschlag halten? Es gab doch schon mal Sturmläufe gegen die Asche, die ja auch mit ungesunden Stoffen belastet ist und in Farge vor Jahren schon mal als radioaktiv bezeichnet wurde.

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RE: Althergebrachte Nutzungsmöglichkeiten

#12 von Lola , 14.11.2013 09:21

.. wir wissen inzwischen, dass der Konzern GDFSuez kostensparend handelt, auch wenn die Menschen entlang der Bahntrasse mit Problemen zu kämpfen haben.
Möglicherweise interessiert man sich ja für diesen Vorschlag.

Was mich allerdings interessiert, wo entsorgt man die Asche vom Kraftwerk bis heute?


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RE: Althergebrachte Nutzungsmöglichkeiten

#13 von Reinhard , 14.11.2013 17:36

Nach der Standortbroschüre wird die anfallende Flugasche in der Bauindustrie verwertet. Sie ist also kein Abfall, sondern ein Rohstoff. Unter Kostengesichtspunkten wären daher andere Stoffe von ähnlicher Konsistenz noch interessanter, denn für die Asche müsste man zahlen, während es für „richtige“ Abfälle, die sich nicht anders verwerten lassen, Entsorgungsgebühren gibt.

Aber das ist immer auch eine Frage der Sicherheit, worauf Klueverbaum hingewiesen hat.

Gesucht sind also ungiftige Abfälle, die sich bisher nicht als Wertstoffe an anderer Stelle einsetzen lassen.

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Werbeprospekte immer kritisch prüfen!

#14 von Reinhard , 23.06.2015 17:01

Werbeprospekte immer kritisch prüfen!

Durch einen Bericht von Radio Bremen in „buten un binnen“ wurde die Öffentlichkeit zumindest in Blumenthal wieder auf eine Projektidee der Witt AG aufmerksam, um die es in den letzten Monaten sehr still geworde war. Dabei hatte Frau Dr. Schaefer, die grüne Umweltpolitikerin aus Vegesack, diese Vorüberlegung bereits durch ein Interview beim BLV bekannt gemacht.

Doch worum geht es? Die Witt AG vefügt nach ihren Angaben über ein Verfahren, mit dessen Hilfe sich die Kosten für die Umwandlung von Wärme- in Stromenergie senken lassen. Praktich angewendet will man so den an der Küste erzeugten Windstrom, für den im Zeitraum der Erzeugung keine Nachfrage besteht, in den Tanks des Tanklager Farge als erhitztes Wasser speichern, aus dem sich später bei Bedarf begehrter und daher teurer Strom erzeugen lässt.

Ein ideales Werbeprojekt

Bereits diese wenigen Sätze können schon verdeutlichen, dass wir es hier mit einem Projekt zu tun haben, dass kaum jemand ablehnen wird, sondern eigentlich nur auf unterschiedliche Ausprägungen von Zustimmung und Begeisterung stoßen kann. Wer wird sich nicht drüber freuen, wenn man endlich Strom in größerem Ausmaß preiswert speichern kann, sodass die umstrittenen und teuren Trassen teilweise überflüssig werden?
Wem wird es gleichgültig ein, wenn endlich das Handicap der meisten erneuerbaren Energien, also die fehlende Produktion zum Verbrauchszeitpunkt, beseitigt wird. Ja, und welcher Blumenthaler, aber auch Steuerzahler in anderen Teilen Deutschlands, wird es nicht begrüßen, wenn man die riesigen Tanks in farge nicht kostspielig abreißen muss, sondern noch sinnvoll nutzen kann.

Damit ist die Kalkulation angesprochen. Eine Realisierung in Farge hängt von der Nutzung der Tanks ab. Ihre Eignung ist die entscheidende Achillessehne, die zunächst geprüft werden muss. Auch wenn die Verkäufer de Witt AG bereits 100 % -Sicherheit für die Tanklagernutzung in Aussicht stellen, muss man vorsichtig sein. Augenblicklich wollen sie schließlich nur eine Machbarkeitsstudie verkaufen, während sich bei allen anderen Projektdaten anscheinend gegenüber dem letzten Promotionsversuch nicht geändert hat. Das gilt auch im Hinblick auf die hier bereits recht detailliert diskutierten technischen Hintergründe.

Durch Aktionismus in ein Debakel?

Danach kann man nicht unbedingt ein Projekt erwarten, dass sich selbst rechnet. Es muss vermutlich eher auf kleinere oder größere Zuschüsse von der öffentlichen Hand in Bremen, Berlin und Brüssel angewiesen sein. Aber auch das alles ist bekanntlich keine Erfolgsgarantie wie andere Beispiele innovativer Projekte belegen.

Bloßer Aktionismus kann daher rasch zum Debakel führen. Das beweist die intensiv-pädagogische Einrichtung an der Rekumer str. 12, die für den OAL Mitte Oktober eine „Sternstunde" für den Blumenthaler Beirat war, während daraus inzwischen mit seinen eigenen Worten ein „Debakel“ geworden ist.

Allerdings hat sich offenbar kein Politiker und auch keine Partei darüber Gedanken gemacht, wie es zu dieser Fehleinschätzung gekommen ist, die bekanntlich nicht von allen Stimmen in Blumenthal vertreten wurde.

Stattdessen werden gleich neue Pojekte angedacht, die an anderen Orten auf wenig Interesse stoßen sind, so ein Wohnhochhaus am Weserufer oder jetzt eine Warmwasserspeicherung zur Stromrückgewinnung.

Man kann den Eindruck haben, dass derartige Überlegungen von Blumenthal angezogen werden, während der Ausbau der architektonischen Perlenkette auf dm BWK-Gelände weiter auf sich warten lässt. Aber es gibt eben Unterschiede zwischen Projekten, die jetzt beginnen würden, wenn man sie tatsächlich realisieren will, und Absichten, bei denen es zunächst einmal um eine Machbarkeitsstudie geht.


Innovationen immer, aber zuvor sorgfältig prüfen



Sicherlich wäre es, wie der Blumenthaler OAL in seinem Interview mit Radio Bremen zu dieser Thematik erklärt, sehr positiv für Blumenthal, wenn es zu einem erfolgreichen ökologisch unbedenklichen Energieprojekt im Tanklager Farge kommen kann. Nur sind technische Innovationen nicht nur faszinierend, sondern auch risikoreich.

Diese Gefahren späterer Investitionsruinen, wie man sie am Nürburg- und Lausitzring, in Kalkar und in Forst besichtigen kann, sollte man daher möglichst vermeiden.

Dabei kann eine frühzeitig Information beitragen. Es wäre daher an der Zeit, einen Vertreter der Witt AG zu einer Versammlung der Bürgerinitiative oder des Beirats einzuladen.

Vielleicht kann man dann nicht nur die zahlreichen offenen Fragen stellen, sondern auch etwas über die Investoren im Hintergrund erfahren. Spannend könnte auch der Versuch, den Eigentümer, also den Bund, für diesen Informationsaustausch gewinnen.


Reinhard  
Reinhard
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zuletzt bearbeitet 23.06.2015 | Top

   

"Warum sucht die Gemeinde Blumenthal keine Investoren für die Nachnutzung des Tanklager-Farge?
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