Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

RE: Krebsregister

#16 von Reinhard , 24.02.2013 09:19

Hallo hatschi und liebe interessierte Leser,

vielen Dank auf den Hinweis über die Anfänge des Bremer BIPS.

Sehr beachtenswert finde ich den von Prof. Greiner aufgezeigten Zusammenhang zwischen Fluglärm, Stress und Krebs, den er in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau folgendermaßen dargestellt hat: „Stress wirkt auch auf einen Bestandteil des Immunsystem, die natürlichen Killerzellen. Diese besondere Form der weißen Blutkörperchen hat die Aufgabe, Eiweiß, das es als fremd erkennt, anzugreifen und zu vernichten. Das können Bakterien oder Viren sein, aber auch gerade neu entstehende Krebszellen. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Stress zu einem Rückgang der Anzahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen führen kann.“

Die vermutlich angesprochene Studie „Risikofaktor nächtlicher Fluglärm“ kann man beim Umweltbundesamt abrufen.

Gruß
Reinhard

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RE: Krebsfälle

#17 von Lola , 09.03.2013 07:05

..gestern war ich über den Tod einer unmittelbaren Nachbarin sehr erschüttert.
..einen Tag vorher verstarb eine andere Nachbarin, die im Bereich Cranzerstr./B74 wohnte.
..am WE erhielt ich die Info von einer Nachbarin, dass ihr Onkel im Sterben liegt, der 8 Jahre ebenfalls in diesem Bereich gewohnt hat und danach in Blumenthal.
..nehme ich auch die bereits verstorbenen Personen aus unserer kleinen Straße dazu, ja.. was soll man noch weiter dazu sagen...meine Nachbarin von gegenüber hat gekämpft und sie hätte gerne noch gelebt!

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RE: zU WENIG äRZTE FÜR ZU VIELE kREBSPATIENTEN

#18 von Lola , 11.03.2013 09:19

. ...so lautet die Überschrift eines Berichtes in der heutigen Ausgabe v. Weser Kurier.

Für 2020 rechnet man in Bremen mit 13.000 Kranken.

Vielleicht sollte man mal die Ursachen der Krebserkrankungen erforschen und z.B. uralt Kohlekraftwerke abschalten.
Ein monströses Tanklager aus der Nazizeit, das mittlerweile das Grundwasser einiger Stadtteile verseucht hat, leer fahren und zurückbauen und das verseuchte Erdreich reinigenund das Grundwasser sowieso.
Dafür sorgen, dass die Menschen in den betreffenden Wohngebieten sich kostenlos auf die Giftstoffe untersuchen lassen können.
Vor allem mal Listen auslegen, was im Tanklager alles gelagert wurde/wird.

Giftmüllverbrennungen direkt am Wohngebiet.

Alle diese Dinge gehören auf den Prüfstand und da hilft es auch nicht einfach höhere Schornsteine zu bauen, denn irgendwo kommt alles wieder runter.

Die Verantwortlichen sollten endlich mal mit Naturwissenschaftlern und Medizinern zusammenarbeiten.

Ein verantwortungsvoller Arzt würde einem Patienten mit einem Beinbruch als Behandlung doch keine Schmerztabletten verabreichen, der operiert oder legt einen Gipsverband an.

Solange das Geld regiert und Arbeitsplätze sichern Vorrang haben, solange werden Menschen weiter an Krebs und anderen Erkrankungen zu leiden haben.

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Langweiler mit pikantem Aufmacher

#19 von Reinhard , 15.05.2013 14:30

Langweiler mit pikantem Aufmacher

Wie wir heute aus der Presse erfahren konnten, liegt inzwischen eine Auswertung des Bremer Krebsregisters für den Bereich des Tanklagers Farge vor. Danach sind die Wissenschaftler genau zu den Ergebnissen gekommen, die mit großer Sicherheit allein aufgrund ihrer Forschungsmethode zu erwarten waren: es gibt ein aus dem Zufall erklärbares erhöhtes Risiko bei Hautkrebs, das generell vor allem auf eine hohe UV-Strahlung während der Kindheit und Jugend zurückgeführt wird. Das spricht bei den gefundenen kleinräumigen Unterschieden in der Tat für einen Zufallseffekt.

Und auch eine weitere Aussage ist aus den bisherigen Auswertungen der Krebsregister nur zu geläufig: „Jedoch werden auch durch die Bündelung weiterer Diagnosejahre keine kausalen Schlüsse möglich sein“ Das ist ebenfalls richtig. Noch „richtiger“ wird es jedoch, wenn man darauf hinweist, das aus statischen Zusammenhängen nie auf einen kausalen Zusammenhang geschlossen werden kann. Ein gutes Beispiel ist hierfür die hohe Korrelation zwischen dem Rückgang der Zahl der Störche und der gesunkenen Geburtenrate. Auch hier sind bekanntlich nicht die fehlenden Störche der Grund dafür, dass bei den Menschen weniger Babys „ankommen“. Mit anderen Worten: Dieser Hinweis ist überflüssig. Oder soll er nur weitere Fragen zur Methodik verhindern?

Die lassen sich bisher anscheinend nur von einem bevorzugten Kreis stellen, zu dem vor allem die Presse zählt. Die Medien wurden jedenfalls vorab informiert, wobei man sich fragen kann, ob man ihnen die gesamte Studie zugemutet hat oder nur eine aufbereitete Pressemeldung. Will etwa die Verwaltung, die zumindest über die Veröffentlichung der Studie bestimmen kann, auf diese Weise schon einmal vorab die Weichen für die Interpretation von Erkrankungsdaten stellen?

Das wäre dann ein pikanter Aufmacher für eine Studie, die genau zu dem Ergebnis gelangt ist, das aufgrund ihrer Methodik praktisch nur möglich war und zwar unabhängig von tatsächlichen Zusammenhängen, wie bereits in einem Beiratsantrag erläutert wurde.

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RE: Langweiler mit pikantem Aufmacher

#20 von Reinhard , 16.05.2013 16:52

Falls man in der Tanklager-Krebsstudie versucht hat, bei den Zahlen die Spreu vom Weizen zu trennen, kann man auf Ergebnisse stoßen, die gar nicht langweilig, sondern eher bedrohlich sind. Das gilt vor allem dann, wenn man überlegt, zu welchen Resultaten die Autorinnen gelangt wären, wenn sie nicht ihre Daten vor der Auswertung kräftig verwässert hätten.

Da eine alternative Interpretation der Zahlen einige Tabellen erfordert, stehen die detaillierten Anmerkungen zu der Tanklager-Krebsstudie im Blog.

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Ist das Krebsregister zuverlässig?

#21 von Klueverbaum , 16.05.2013 21:54

Ich meine mich zu erinnern, dass man als Patient zustimmen muss, wenn die eigenen Datan an das Krebsregister übermittelt werden sollen. Kann darüber aber jetzt nichts finden. Aber wenn das so ist, dann gibt es doch eine Dunkelziffer?

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RE: Ist das Krebsregister zuverlässig?

#22 von Reinhard , 16.05.2013 22:05

Zum Meldeverfahren kann man Näheres auf der Seite des des Krebsregisters finden: http://www.krebsregister.bremen.de/melde.php.

Üblicherweise unterstellt man, dass die Fehler im Datenmaterial zufällig sind. Diese Daten dürften trotzdem zuverlässiger sein als die der Kriminaliltätsstatistik, die trotzdem für politische Entscheidungen herangezogen wird.

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Mit heißer Nadel handgestrickt

#23 von Reinhard , 22.05.2013 13:12

Mit heißer Nadel handgestrickt

Wissenschaftliche Gutachten haben in der Regel einige unangenehme Eigenschaften. Sie sind lang, benötigen ein mühsames Vorspiel, um zum eigentlichen Thema zu gelangen, schrecken durch ein Fachvokabular ab und kommen häufig zu Ergebnissen, die mit derart vielen Einschränkungen versehen sind, dass sie sich kaum kurz zusammenfassen lassen.

Daher werden viele dankbar sein, wenn neben einer wissenschaftlichen Studie gleich noch eine Zusammenfassung angeboten wird. Das verspricht rasche Information, ohne dass man viel Zeit aufwenden muss, um am Ende vielleicht doch nicht klüger zu sein als vor dem Lesemarathon.

Ein solches attraktives Angebot hat das Ortsamt Blumenthal mit der Veröffentlichung der Krebsstudie zum Tanklager verbunden. Bei einem genaueren Lesen fallen dabei einige Merkwürdigkeiten auf, die nach dem Autor dieser Zusammenfassung und seinen Motivationen suchen lassen.

So erheben die Zeilen einen Alleinvertretungsanspruch, denn der Autor bezeichnet sie nicht gerade bescheiden als „die“ Zusammenfassung, während es logischerweise nur seine eigene ist. Gegen eine Autorenschaft der beiden Wissenschaftler, die die Studie erarbeitet haben, spricht der Hinweis auf eine „Benzolexploration“, während im Text selbst der Begriff „Exposition“ verwendet wird. Dabei muss man sich fragen, was in diesem Zusammenhang mit einer Exploration gemeint sein soll. Es müsste vom Begriff her die diagnostische Erhebung des Kranken und seiner Krankheit sein, wovon allerdings an keiner Stelle der Studie die Rede sein kann.

Offensichtlich hat der Autor der Zusammenfassung also den Text des Gutachtens nicht sorgfältig gelesen. Vielleicht hätte er auch sonst festgestellt, dass das Bremer Krebsregister mit dieser Studie erstmals versucht hat, möglichen Zusammenhängen zwischen Grundwasserkontaminationen und Krebserkrankungen nachzugehen. Es kann also nicht von einem „AKTUALISIERTEN UTACHTEN“ gesprochen werden.

Die Zusammenfassung wurde also nicht nur nach einer sehr raschen Lektüre geschrieben, sondern auch mit einer hastigen Eingabe ins Internet gestellt, wie der Tippfehler beim Wort „Gutachten“ in der Überschrift verrät.

Wollte der Autor vor allem schneller sein als andere, um so eine Form von Deutungshoheit zur Krebsstudie zu gewinnen?

Auch wenn man sich nicht mit der fragwürdigen Methodik der Untersuchung auseinandersetzen will, wäre es in einer Zusammenfassung zweifellos korrekt gewesen, wenn sich der Autor auf die Kernaussagen zu Benzol-affinen Krebserkrankungen konzentriert hätte und dabei an die Aussagen der Bremer Krebsforscher gehalten hätte. Die schreiben in ihrer Zusammenfassung, die es durchaus gibt: „Auf Grund der beobachteten Inzidenzerhöhung im Zeitverlauf für die Gruppe III (Leukämie-und Lymphom-Erkrankungen) und der nachgewiesenen Schadstoffbelastung im Grundwasser ist eine weitere Beobachtung der Entwicklung dieser Krebsinzidenzen aber geboten“.

Hier wird sowohl in der Zusammenfassung und als auch im Fazit auf eine Erhöhung der Inzidenz für Leukämien und Lymphome hingewiesen.

Diese Aussage und die gebotene weitere Beobachtung werden in „der“ Zusammenfassung nicht erwähnt. Sie vermittelt daher keine korrektes Bild der Studie, sondern erfolgte mit einer eindeutigen Tendenz.

Wenn man nach dem Urheber sucht, findet man in einem inoffiziellen Protokoll der Beiratssitzung vom Mai einen möglichen Ansatzpunkt. Danach hat sie der Blumenthaler Ortsamtsleiter, der sich im März für eine Weiterführung des Tanklagers eingesetzt hatte, erstmals öffentlich vorgetragen.

Vielleicht wäre es aufschlussreich, wenn sich Blumenthaler Fraktionen oder Bürger einmal bei ihm nach dem Verfasser und seinen möglichen Motiven für gerade diese Form einer Zusammenfassung erkundigen würden.

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RE: Mit heißer Nadel handgestrickt

#24 von Lola , 22.05.2013 14:39

Tja, so wie es aussieht, werden vielleicht weiterhin kritische Fragen zum Tanklager gestellt werden,

es sei denn, der "White Knight" tritt aus dem Dunstkreis und rettet die Bevölkerung.

Das wäre doch eine schöne Geschichte und wer würde da noch Fragen stellen.....

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RE: Mit heißer Nadel handgestrickt

#25 von Reinhard , 30.05.2013 11:48

Zumindest die Grünen und die Linken wollen sich mit der Zusammenfassung und dem Text der Krebsstudie zum Bereich des Tanklagers Farge nicht zufriedengeben; denn sie haben zu diesem Thema Anträge an den Blumenthaler Beirat gestellt.

Dabei fordern die Grünen auf der Sondersitzung „Tanklager Farge“ die Teilnahme einer/eines ReferentIn der Gesundheitsbehörde, weil die „Einstellung“ der Analyse im Internet viele Fragen offen lässt und für „Nichtmediziner“ nicht verständlich“ ist."

Die Anfrage und der Antrag der Linken beziehen sich hingegen auf eine Reihe von Einzelfragen. Dabei geht es vor allem um die Abgrenzung des Untersuchungsgebiets und eine Differenzierung der Ergebnisse zwischen den Einwohnern, die auf kontaminierten Grundstücken leben, und denen in den übrigen Teilen von Farge und Rönnebeck.

Auch wenn das Tanklager am 31. Mai zumindest vorerst stillgelegt wird, können diese Fragen und die Reaktionen der Gesundheitsbehörde ein Ausgangspunkt für eine gezielte Gesundheitsuntersuchung vor allem auch der Kinder sein, deren mögliche zukünftige Erkrankungen zunächst erst latent sind, sodass in diesen Fällen eine Auswertung von Krebsregisterdaten nichts aussagt.

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RE: Mit heißer Nadel handgestrickt

#26 von Lola , 01.06.2013 07:42

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,583696.html

Zitat
- 01.06.2013
Tanklager: Linke will genaue Krebsanalyse
Von Mes

Farge. In der nächsten Blumenthaler Beiratssitzung am 10. Juni stellt Anke Krohne, Fraktionssprecherin der Linken, eine Anfrage zur Krebs-Häufigkeit in der Region um das Tanklager Farge.
Die Linke bezieht sich auf einen Bericht des Senators für Umwelt, in dem behauptet werde, dass nach Angaben des Gesundheitsamtes bisher im Bereich der Trinkwasserbrunnen, die Grundwasser aus tieferen Lagen fördern, keine Erhöhung der Stoffe BTEX und MTBE nachgewiesen wurde. Weiterhin würden die Untersuchungsergebnisse mit Gebieten "ähnlicher Sozialstruktur" verglichen. Krohne hat aber offenbar zweifel daran, dass sich die Krebszahlen in Farge vor dem Hintergrund verschiedener Lebensbedingungen mit anderen Quartieren vergleichen lassen.

Aus diesem Grund möchte die Linke wissen: Wann und wie oft wurden Untersuchungen des Trinkwassers auf die relevanten und krebserregenden Stoffe mit welchen Ergebnissen durchgeführt? Wie ist die "Region um das Tanklager" genau definiert? Wieso wurden Gebiete mit ähnlicher Sozialstruktur zum Vergleich herangezogen und nicht Gebiete mit ähnlicher Umweltverseuchung, möglicherweise auch außerhalb Bremens?
Zitat Ende

Es werden mit Sicherheit noch viele Fragen in vielen Beiratsitzungen gestellt werden müssen.

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RE: Mit heißer Nadel handgestrickt

#27 von Reinhard , 13.06.2013 08:21

Die zahlreichen Fragen, die die Methode und damit auch die Ergebnisse der Studie „Kleinräumigen Analyse zur Krebsinzidenz in der Region um das Tanklager Farge" des Bremer Krebsregisters aufgeworfen haben, können jetzt direkt an die beiden Autorinnen gestellt werden. Sie sind zu einer außerordentlichen öffentlichen Sitzung des Blumenthaler Beirats am Mittwoch, dem 19. Juni, um 19 Uhr Beiratssitzung in den Gemeindesaal der Paul-Gerhard-Gemeinde eingeladen.

Im Anschluss an den Vortrag der Krebsforscherinnen sollen die Anfrage und der Antrag der Linken zu dieser Studie behandelt werden.

Dann wird sich zeigen, ob die Blumenthaler Politiker für mehr Gewissheit plädieren und sich nicht mit fragwürdigen Insignifikanzen zufrieden geben wollen. Einen Weg kann bereits die Krebsstudie selbst zeigen, wo festgestellt wird, dass die „individuelle Exposition .. zu den möglichen Risikofaktoren“ entscheidend ist. (S. 15). Daher müsste „für die Ermittlung der Expositionsdauer … die genaue Wohndauer in dem Gefährdungsgebiet berücksichtigt werden.“ (Ebenda).

Falls also jemand die Absicht haben sollte, das Tanklager weiter zu betreiben, sollte er zunächst eine entsprechende Untersuchung, die bei der Expositionsdauer ansetzt, durchführen lassen, da er sich sonst leicht den Vorwurf gefallen lassen muss, grob fahrlässig zusätzliche Krebserkrankungen in Kauf genommen zu haben.

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Hält der Beirat weiter Kurs?

#28 von Reinhard , 17.06.2013 18:58

Hält der Beirat weiter Kurs?

Am Mittwoch steht die Tanklager-Studie auf der Tagesordnung einer außerordentlichen Beiratssitzung in Blumenthal. Damit unterstreichen die Beiratsmitglieder die Bedeutung, die sie auch schon bisher einer Untersuchung möglicher gesundheitlicher Folgen der Grundwasser- und Bodenkontaminationen durch das Tanklager eingeräumt haben. Dabei gingen die Anträge allerdings vor allem von besorgten Bürgern aus, die jedoch durch eine Beiratsmehrheit unterstützt wurden.

So wurde bereits in der Sitzung am 10 Dezember ein Bürgerantrag mit folgender Frage beschlossen: „Wurde empirisch geprüft, ob durch die Bodenverunreinigung ein erhöhtes Krankheitsrisiko z.B. bei Umwelterkrankungen wie MCS oder bei Krebs besteht? Wenn ja, was wird für die Unterstützung der Kranken unternommen?“

In seiner Anwort erklärte hierzu das Gesundheitsamt, man habe „vorsorglich .. das Bremer Krebsregister gebeten, zur Frage nach möglichen gehäuften Krebserkrankungen im Stadtteil Stellung zu nehmen.“

Wegen dieser unvollständigen Beantwortung stimmte der Blumenthaler Koordinierungsausschuss einer anschließenden Aufforderung an das Gesundheitsamt zu. Darin wurde das Gesundheitsamt aufgefordert, „eine sachgerechte Untersuchung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen der Grundwasserkontamination durch das Tanklager Farge durchzuführen. Dazu sind zumindest die Krebsneuerkrankungen der Mitarbeiter des Tanklagers und der Anwohner des Tanklager über einen sehr langen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten zu erfassen und mit denen in einem problemfreien, sozialstrukturell ähnlichen Gebiet zu vergleichen. Zudem ist eine Gesundheitsuntersuchung der Kinder notwendig, die in den letzten Jahren in der Nähe des Tanklagers aufgewachsen sind. Ein geeigneter organisatorischer Rahmen können Auswertungen von Schuluntersuchungen sowie Untersuchungen in der KiTa Farge-Rekum sein.“

Wie dieser Ablauf zeigt, ist das Gesundheitsamt nicht auf die konkreten Anträge aus Blumenthal eingegangen, sondern hat nur eine Krebsstudie nach dem Muster der alten BWK-Studien vom Krebsregister erbeten. Offensichtlich haben die Autorinnen dort nicht einmal Informationen zu den Entscheidungen des Beirats erhalten, denn in der Studie ist kein entsprechender Hinweis zu finden.

Die Gesundheitsbehörde hat also mit anderen Worten die Beschlüsse einer gewählten Stadtteilvertretung völlig missachtet.

Da das Tanklager inzwischen stillgelegt wurde, mag man dieses Verhalten der senatorischen Behörde, die bisher mit keinem Wort auf eine erforderliche umfassende Gesundheitsuntersuchung eingegangen ist, aus Opportunitätsgründen vielleicht hinnehmen wollen. Dasselbe könnte man zu den Ergebnissen der vorgelegten Teiluntersuchung anmerken.

Dabei sollte jedoch immer bedacht werden: Das Ergebnis der Tanklager-Krebsstudie ist nicht eine akademische Frage, in der man sich in der üblichen Weise über die Anwendung von Forschungsansätzen und Untersuchungs- und Auswertungsmethoden streiten kann.

Es ist auch keine historische Angelegenheit, weil das Tanklager stillgelegt wurde und sich die bereits latenten gesundheitliche n Auswirkungen ohnehin nicht mehr ändern lassen.

Vielmehr bedeutet die Stilllegung noch nicht den Rückbau, sodass eine Weiterverwendung des Areals als Tanklager weiterhin möglich ist. Um dadurch weiterhin drohende gesundheitliche Schäden für die Anwohner abzuwenden, ist eine korrekte Darstellung der Gefahrensituation notwendig.

Eine verfrühte Entwarnung aufgrund einer oberflächlichen Datenauswertung ist daher völlig fehl am Platz. Vielmehr kann es aufgrund der vorliegenden Studie nur eine Schlussfolgerung geben:

Bei einem Tanklagerbetrieb in Farge ist ein erhöhtes Krebsrisiko für die Anwohner nicht mit Sicherheit auszuschließen.

Dabei wird mit dieser Aussage jedoch nur bestenfalls die Spitze eines Eisbergs aller möglichen Erkrankungen angesprochen, sodass vor einer Weiterführung des Tanklagerbetriebs eine umfassende Gesundheitsuntersuchung unbedingt erforderlich ist. Ohne eine entsprechende Studie mit einem entwarnende Ergebnis wäre ein weiterer Tanklagerbetrieb für die Anwohner grob fahrlässig.

Wenn der Blumenthaler Beirat seiner bisherigen Linie in dieser Frage treu bleibt, wird er am Mittwoch ohne parteipolitische Scharmützel für die Sicherheit und die Gesundheit der Bürger in Farge und Rönnebeck votieren müssen.


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zuletzt bearbeitet 21.06.2013 | Top

RE: Krebsregister

#29 von Lola , 21.06.2013 06:35

Tanklager schließt zum Monatsende.... (2)

Zitat aus: http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,598525.html

Im Bericht heißt es weiter:
Zudem zweifelte insbesondere Anke Krohne (Linke) die Auswahlkriterien der Gutachterinnen an. Sie hätten das gesamte Gebiet von Farge und Rönnebeck untersucht, von der sogenannten BTEX-Fahne, dort also wo die großen Grundwasserverunreinigungen auftreten, sei jedoch maximal nur ein Drittel der Farger betroffen. In einer Reanalyse des Diplom-Psychologen Jan Restat heißt es denn auch: Wenn es im betroffenen Gebiet über der BTEX-Fahne tatsächlich eine Häufung an Krebsfällen geben sollte, werde diese wegen des größeren Untersuchungsgebietes verwaschen.

Der Blumenthaler Beirat schloss sich einhellig der Argumentation des Bürgerantrags an, in dem eine umfassende Gesundheitsuntersuchung gefordert wird, die sich nicht ausschließlich auf Krebserkrankungen beschränkt. Wörtlich heißt in dem Papier: " Aufgrund der bisher unzureichenden Informationslage kann es der Beirat im Interesse der Gesundheit der betroffenen Bürger für nicht vertretbar halten, wenn ein weiterer Tanklagerbetrieb erfolgt, ohne dass die berechtigten Sorgen vorher unzweideutig ausgeräumt werden konnten." Kurzum: Das Kommunalparlament lehnt auch eine privatwirtschaftliche Nutzung des Tanklagers zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab.
Zitat Ende

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Vom Saulus zum Paulus?

#30 von Reinhard , 23.06.2013 10:35

Vom Saulus zum Paulus?


Nach der Norddeutschen berichtet heute auch der Weser Report auf S. 4 in seiner Lokalausgabe Nord über die Sondersitzung des Blumenthaler Beirats zur Tanklager-Krebsstudie.

Wie es bei diesen Artikeln allein schon wegen der Lesbarkeit notwendig ist, müssen dabei Schwerpunkte gesetzt werden, die sich naturgemäß bei den einzelnen Journalisten unterscheiden. Spannend kann es dadurch werden, wenn man sich aus mehreren Berichten ein Bild vom Ablauf einer Sitzung verschaffen will.

Das gilt in dieser Fall in einer ganz besonderen Weise. Wie uns der Weser Report informiert, hat der Blumenthaler OAL wieder einmal die gewählten Beiräte zunächst über einen wahren Sachverhalt aufgeklärt. „Das Grundwasser ist verseucht,
ja. Aber dadurch ist das Krebsrisiko nicht erhöht“, zieht Ortsamtsleiter Peter Nowack den Schlussstrich aus den Untersuchungen“, lesen wir hier. Das ist zweifellos eine falsche Aussage über das Ergebnis der Studie, wenn das Wort „signifikant“ fehlt; denn unbestritten zeigen die Daten eine Erhöhung des Krebsrisikos. Fraglich ist hingegen, ob dieser Wert auch rein zufällig aufgetreten sein kann.

Bei dieser Voreinstellung wird man sehr überrascht sein, wenn man es am Schluss des Berichts in der Norddeutschen heißt, nachdem eine der beteiligten Wissenschaftlerinnen erklärt hatte, sie würde kein Wasser aus dem Boden trinken“: „Resümee von Ortsamstleiter Peter Nowack: „Auch das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl.“

Was mag diese veränderte Beurteilung bewirkt haben?

Waren es die sachkundigen kritischen Argumente der Vertretein der Linken?

Oder der Wunsch der Beiräte nach mehr Sicherheit vor einem möglicherweise doch erhöhten Krebsrisiko, wie er in einem einstimmig angenommen Bürgerantrag zu Ausdruck kam?

Oder hat auch der OAL gesehen, dass er im Alltagsleben nicht danach fragt, ob eine Zahl statistisch signifikant ist, sondern das für wahr hält, was gemessen wurde und damit besonders wahrscheinlich ist?

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Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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