Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Blumenthaler Wolltage

#1 von Reinhard , 12.04.2013 15:41

Blumenthaler Wolltage

Die Kontroverse um die vorgeschlagenen großen Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 75. Jahrestags der Eingemeindung Blumenthals nach Bremen hat zur Suche nach Alternativen geführt.

Dazu gab es im Beirat erste Anträge und die Bildung eines Arbeitsgruppe, die sich – inhaltlich nicht ganz eindeutig geklärt – weiterhin mit der Frage beschäftigen soll, ob es ethisch angemessen ist, auf der Bahrsplate, einem ehemaligen KZ-Gelände, eine „Anschlusssause“ mit Bier und Bratwürsten zu feiern, mit der der 75. Jahrestag der Hitlerunterschrift begangen werden soll, durch die Blumenthal seine kommunale Selbständigkeit verloren hat.

Jährliches Stadteilfest

Das ist ein Streit, der bisher das Image Blumenthals in der Öffentlichkeit keineswegs verbessert hat. Zudem wurde durch diesen Vorschlag, vor allem seine unsensible Vertretung ein Riss durch die Bürgerschaft gezogen.

Stadtfeste bieten jedoch auch ganz andere Möglichkeiten: Sie können die positiven Seiten einer Stadt herausstellen und die Beziehung zwischen den Einwohnern und ihrer Stadt verstärken, weil sie erleben können, warum sie gern an einem allseits geachteten Wohnort leben.

Das ist vor allem dort besonders wichtig, wo die Integration großer Teile der Einwohner und ihre Beteiligung am kommunalen Leben durchaus entwicklungsbedürftig sind. Das gilt nicht zuletzt für Blumenthal, über das vor allem in Verbindung mit Ausländerkriminalität in den Medien berichtet wird und die Wahlbeteiligung deutlich unter dem Bremer Durchschnitt liegt. Hier könnte ein Stadtfest das Wir-Gefühl stärken und das Image bei den Bürgern, aber auch den Menschen in der näheren und weiteren Umgebung verbessern.

Dazu wäre allerdings ein Anlass notwendig, der nicht so strittig ist wie eine Eingemeindung während der Zeit der Nazi-Diktatur, sondern ein Leistung, auf die ein Ort und seine Bewohner wirklich stolz sein können.

Wollkämmerei

Der 130. Jahrestag der Gründung der Bremer Wollkämmerei in Blumenthal, der in diesem Jahr mit einem Tag der offenen Tür begangen wird, macht auf einen möglichen Anlass aufmerksam. Die BWK hat Blumenthal über Jahrzehnte geprägt, ja, den Stadtteil in seiner heutigen Größe erst entstehen lassen.

Zudem spielte die Kämmerei in der Geschichte der Industrialisierung und damit der Entwicklung unserer heutigen Gesellschaft eine wichtige Rolle. So sind mit der Historie dieses Unternehmens einige Themen verbunden, die unser heutiges Leben mitbestimmen: die internationale Verflechtung durch den Welthandel, der Wandel des Arbeitsmarktes infolge von Rationalisierung, Automation und Globalisierung sowie schließlich nicht zuletzt die soziale Integration von Zuwanderern.

Erinnerungen an diese Geschichte mit entsprechenden Führungen über das ehemalige Betriebsgelände und Ausstellungen bzw. Vorträge, die z.B. durch den Museumsverein veranstaltet werden, können einen Grundstock für ein Stadtfest bieten.

Schaf – Wolle – Kämmerei

Aber dieses Gerüst muss deswegen nicht schon ein ganzes Stadtfest ausmachen. Die Kämmerei, in der Rohwolle zu Kammzügen verarbeitet wurde, ist schließlich nur ein Glied in einer Kette, die vom Schaf bis hin zur Wolle und Mode führt. Durch diese Verbindungen lassen sich schnell emotionale und kommerzielle Bezüge für ein Fest und für einen Markt finden.

Das Schaf als eines der ältesten Haustiere gehört in der Regel zu den ersten Teilen ihrer Umwelt, die Kleinkinder benennen und stimmlich nachahmen können. Es hat damit einen hohen Wiedererkennungswert, wie z.B. die Skulpturen belegen, die mehrere Wollkämmereien als Wegweise benutzt haben.

Lebende Schafe können so nicht nur als Streichelzoo dienen, sondern auch Kenntnisse über die Schafzucht etwa in Australien und im heutigen Deutschland vermitteln. Dabei müssen auch Hinweise auf unterschiedliche Schafrassen, etwa Merinos, Heidschnucken oder das Ostfriesische Milchschaf, nicht fehlen.

Wie es Teil eines jeden Volksfestes ist, sollte man die Produkte auch gleich konsumieren können. Das bietet sich beim Schaf sogar als multikulturelles Event an, da die Milch und das Fleisch in verschiedenen Ländern unterschiedlich verarbeitet und zubereitet werden.

So könnte man neben dem berühmten Roquefort aus Frankreich, Pecorino aus Italien und Feta aus Griechenland auch weniger bekannte Spezialitäten wie Cuajada bzw. Mamia, eine Dickmilch, aus dem Baskenland und Jardum, den Milchschaum anbieten, wie man ihn in Montenegro kennt, wo es als wahres Lebenselixier gilt.

Ähnlich international wäre die Speisekarte mit Gerichten wie Irish Stew, Arabischer Honig und Kheema bis hin zu İskender Kebap und Kuşbaşılı Pidein aus der türkischen Küche.

Noch mehr Aufmerksamkeit verdient in der Heimat der BWK jedoch zweifellos die Wolle und das, was man mit ihr machen kann. Das zeigt neben dem Kunstgewerbe vor allem die Modeindustrie.

So gibt es eine Reihe von Wollproduzenten, die ihre Produkte anbieten, Künstlerinnen und Künstler, die mit Wolle arbeiten, und nicht zuletzt Wollprodukte für den täglichen Gebrauch. Dazu zählen neben technischen Anwendungen vor allem Modeartikel aus Wollstoffen.

Mit diesen vielfältigen Angeboten dürfte sich ein ansprechendes Arrangement für einen Woll- und Modemarkt schaffen lassen.

Blumenthaler Wolltage, an denen an einem Wochenende neben der ehemaligen Kämmerei das Schaf und nicht zuletzt seine Produkte gesehen, gefühlt und gegessen werden können, dürften so nicht nur ein Publikum aus Bremen-Nord und ganz Bremen sowie dem niedersächsischen Umland ansprechen können. Sie sollten gleichzeitig durch die Verbindung zur Wollgeschichte den Blumenthalern eine positive Erfahrung vermitteln: ihr Stadtteil war wichtiger Teil einer Phase der Industriegeschichte, deren Bedeutung sich auch heute noch an den Themenfeldern Schaf, Wolle und Kämmerei nacherleben lässt.

Daneben müssen sich Wolltage natürlich nicht auf den Genuss von Schafmilch und Lammbraten beschränken, sondern können das gesamte Programm eines Stadtfestes bieten: Bier, Wein, Musik und was sonst noch dazu gehört.

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


RE: Blumenthaler Wolltage

#2 von Lola , 12.04.2013 18:10

..eine super Vorschlag!

Ein solches Fest wäre für das Museum und für Blumenthal ein wirklicher Gewinn,
denn wer will sich schon mit einem" Nazi-Streich", wie die Eingliederung Blumenthals identifizieren?

Lola  
Lola
Beiträge: 1.197
Registriert am: 24.01.2013


RE: Blumenthaler Wolltage

#3 von Reinhard , 15.04.2013 09:40

"Blumenthaler Wolltage" lassen sich durchaus unterschiedlich gestalten. So kann man vor allem die Wollkämmerei in den Vordergrund stellen oder einen Kunsthandwerkermarkt, auf dem gezeigt wird, was wie heute aus Rohwolle gestaltet wird.

Blumenthal bietet jedoch noch für einen weiteren Schwerpunkt gute Ansätze. So hat Tami Olefken über die Entwicklung der Kämmerei und ihrer Heimatstadt mit ihrem Roman Maddo Clüwer ein literarisches Denkmal hinterlassen.

Das kann ein Anreiz für weitere künstlerische Versuche in diese Richtung sein, an denen sich vielleicht sogar Schulen beteiligen. Wie wäre es, wenn Theater-AGs oder interessierte Schülerinnen und Schüler ein Stück über die Arbeit in der BWK, das Leben im alten Blumenthal oder auch speziell die Integration der angeworbenen Arbeitskräfte schrieben? Vielleicht könnte man das durch einen kleinen Wettbewerb anregen.

Dabei kann zweifellos der Roman als Anregung dienen, aber natürlich nicht zu sehr. Ein Theaterstück ist zwar keine Doktorarbeit, aber Abkupfern sollte man trotzdem nicht.

Zudem gibt es bekanntlich auch andere Quellen, auf die die Autorinnen und Autoren zurückgreifen können wie die Untersuchungen von Jerchow und Leohold.

Manche Städte waren übrigens mit kleinen historischen Stücken so erfolgreich, dass sie zum festen Bestandteil des Stadtmarketings geworden sind. Das gilt nicht nur für Touristenzentren wie Rothenburg ob der Tauber (Meistertrunk), sondern auch für Hameln (Rattenfänger-Freilichtspiel) und Holzminden (Dr.Eisenbarth-Spiele) im Weserbergland.

Es gibt also viele Gestaltungsmöglichkeiten, die man entwickeln kann.

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


RE: Blumenthal sollte wieder zur Spitze Bremens werden!

#4 von Lola , 28.04.2013 18:36

http://www.blumenthal-zeitung.blogspot.d...ktuelles-2.html

-einfach mal lesen - das Blog wurde aktualisiert!!

Es kann nur noch aufwärts gehen!

Nord ist bekanntlich oben und die Spitze ist immer oben :-)

Lola  
Lola
Beiträge: 1.197
Registriert am: 24.01.2013


   

Erste Ideen

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen