Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Blumenthaler Zwei-Klassen-Bürgerrecht

#31 von Reinhard , 18.09.2015 16:47

Blumenthaler Zwei-Klassen-Bürgerrecht

Wie in "normalen" Leben kann man auch in der Politik das Verhalten einzelner Mitbürger unterschiedich beurteilen. Das gilt auch für eine praktische Umsetzung des lateinischen
Gebots, dass man "über die Toten (nichts außer) nur Gutes" sagen soll.

Wie das in ähnlichen Fällen gilt, kann man auch hier über die richtige Übersetzung streiten. So müsste die Verhaltensvorschrift nach einer interpretativen Übersetzung eher lauten: "a) Wenn man über einen Toten nichts Gutes zu berichten weiß, sollte man schweigen, oder: b) Man darf Verstorbene auch kritisieren, aber auf eine faire Weise (da sie sich nicht mehr verteidigen können)".

Dem Magazin der Süddeutschen Zeitung war diese Frage der Totenehrung vor einigen Jahren sogar eine lngre Errtegung unter dem Titel "Die Gewissensfrage" wert. Im Ergebnis soll man danach vermeiden, Trauernde zu kränken und sie nicht zu schmähen. Aber das sind moralische Regeln, die auch für Lebende gelten düften. Jedoch sollte aufgrund dieser Diskussion niemand automatisch gezwungen sein, "die Wahrheit zu verdrehen", zumal sich Tote nicht wehren können.

Solidarische Totenehrung

Diese sehr fallbezogene Empfehlung scheint sich der Blumenthaler OAL nicht zu eigen zu machen, wenn er zwei verstorbene Beiratssprecher der SPD in einen kritikfreien Himmel entrücken will, wobei er sogar Entscheidungen anspricht, die man sicherlich auch anders fällen kann, als es die beiden Toten gemacht. Aber das soll hier nicht das Thema sein, zumal nicht belegt ist, mit welchen Worten die ehemaligen Beiratssprecher "in den Schmutz gezgen" wurden. Offenbar sollen mögliche Tatsachen keine Bedeutung haben, sondern ausschließlich ein Sakrileg, das in den Augen des führenden Blumenthaler SPD-Politikers erfolgte.

Im konkreten Fall glaubte der OAL nach einer Sitzung Ende August "immer noch völlig fertig" eine Bürgerin bei Facebook, also in der Öffentlichkeit, kritisieren zu müssen, wobei er von zahlreichen SPD-Mitgliedern fast ohne Relativierung unterstützt wurde.

Die gespaltenen Rechte Blumenthaler Bürger

Danach wird einer "Person" das Recht zur Kritik an zwei verstorbenen Blumenthaler SPD-Politikern abgesprochen, wenn sie "seit Jahrzehnten von staatlichen Transferleistungen lebt, nichts zum Wohlergehen dieser Gesellschaft beigetragen hat und von der ich persönlich noch nie ein gutes Wort über diesen Stadtteil oder seine Menschen gehört habe."

Nach dem Urteil des höchsten Bremer Beamten in Blumenthal, der diese Funktion gern mit der eines Mentors der lokalen SPD verknüpft, darf also ein Bürger nur seine legitimen demokratischen Rechte wahrnehmen und seine politische Meinung vertreten, wenn er gleich mehrere Bedingungen erfüllt: Er darf

- a) nicht von Transferleistungen leben, wobei vermutlich Renten, Arbeitslosengeld oder Streikgeld nicht gemeint sind, muss

- b) etwas zum "Wohlergehen de Gesellschaft beigetragen haben, wobei ähnlich wie bei einem früheren Regime in Deutschland nicht klar ist, ob damit nicht ein "gesundes Volksempfinden" entscheiden soll, das die Mächtigen wie der OAL rechtsgültig interpretieren, und von dem

c) Herr Nowack sozusagen als beglaubigender Notar gehört haben muss, dass er von ihr ein gutes Wort über Blumenthal und seine Menschen gehört hat.

Danach machen sich also die Sozialdemokraten, die in dieser Frage ihrem Leitwolf folgen, für ein Zwei-Klassen-Bürgerrecht stark, das frühere Generationen sozialdemokratischer Mitglieder sicherlich heftig bekämpft hätten, als es im Bremen noch ein Achtklassenwahlrecht gab.

Rechter Stammtischsozialismus?

Man muss sich zudem fragen, wie jemand aus einer moralischen Empfehlung eine Attacke auf den Gleichheitsgrundsatz unserer Verfassung ableiten kann.

Nur scheint sich die Frage zu erübrigen, wenn man in den Kommentaren etwas von "Sozialschmarotzern" lesen kann, die "den ganzen Tag" auf Kosten anderer leben. Auch wird der Bürgerin eine Körperverletzung angedroht, für die es vom Blumenthaler OAL ein "Gefällt mir" gab ("..schade das ich nicht dabei war. Eine schallende Ohrfeige hätte es gegeben.")

Ist das nicht ein Vokabular, das in Deutschland ganz böse Erinnerungen wachruft und das man eher bei den angeblichen Rassisten vermutet? Aber dem ist nicht so und weder der Begriff noch das Posting wurden bisher gelöscht. Vielleicht ein Fall von Volksverhetzung?


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Vergessene oder oberlehrerhaft bewertete Ehrenamtliche?

#32 von Reinhard , 07.02.2016 19:24

Vergessene oder oberlehrerhaft bewertete Ehrenamtliche?

Als TOP 9d soll auf der Beiratssitzung morgen der Antrag „Danke an Ehrenamtliche“ behandelt und beschlossen werden.

Ein solcher Dank, den die Beiratsmitglieder für sich oder im Namen der von ihnen repräsentierten Wähler aussprechen, ist zweifellos angebracht, da unsere Gesellschaft in vielen Bereichen ohne dieses Engagements nicht funktionieren würde und ein weniger freundliches und hilfsbereites Gesicht hätte. Schließlich können die Steuerzahler nicht für jede wünschenswerte Leistung zahlen, zumal wenn sie nicht nur Professionalität, sondern vor allem individuelle Leistungen erfordern, die viel Motivation erfordern und die man meist nicht mit Geld kaufen kann.

Fragen zum aktuellen Hintergrund

Es macht daher wenig Sinn, wenn man bei diesem Antrag fragt, warum er gerade jetzt gestellt wird, da Ehrenamtliche nicht nur in Willkommensinitiativen für Flüchtling mitarbeiten, die gegenwärtig im Fokus stehen, da hier offenbar der erste Schwung nachlässt und daher eine öffentliche Anerkennung für neue Impulse sorgen soll.

Auch ist die Abgrenzung nicht immer einfach, wen man zu den Ehrenamtlichen zählen will. Sind es nur Menschen, die an der Stelle des Staates Leistungen für ihre Mitbürger übernehmen wie das etwa für eine Betreuung von Hausaufgaben gilt? Oder zählen hierzu auch Arbeiten, die jemand erbringt, um eine Organistion zu stärken, der er selbst angehört und deren Ziele er unterstützt.

Das würde etwa für die im Antrag konkret genannten Küster von Kirchengemeinden oder von Parteimitgliedern gelten, die Wahlbroschüren verteilen oder Referate auf Parteiversammlungen halten, obwohl sie keine bezahlten Funktionäre sind.

Es ist daher nicht ganz einfach, den Begriff der Ehrenamtlichen eindeutig zu definieren und abzugrenzen, was zumindest dann nicht ganz unproblematisch ist, wenn man seinen Dank aussprechen will. Ist dann vielleicht jeder gemeint, der sich angesprochen fühlt?

Aber das ist eigentlich nur eine eher formale Frage am Rande. Mehr politisches Gewicht haben zwei andere Gesichtspunkte.

Ein Antrag mit politischem Geschmäckle

Zum einen zählt der Antrag, wie ihn die Fraktion der Linken eingebracht hat, eine Reihe von Beispielen auf, die offenbar nicht ganz zufällig ausgewählt wurden. Beschränkt man sich auf den politiknahen Bereich, werden die Willkommensintiative und die Initiative Alt Blumenthal genannt. Diese beiden jungen Blumenthaler Zusammnschlüsse haben eine Gemeinsamkeit: sie stehen der jetzigen Beiratssprecherin und ihrem Stellvertreter sehr nahe, die sogar über die Arbeit in den Medien exklusiv berichten. Der Dank des Beirats wäre in diesem Fall also nicht zuletzt auch ein Dank an seine jetzigen Spitzen.

Andere Initiativen von Ehrenamtlichen, die dieses besonders enge Verhältnis zur Beiratsspitze nicht besitzen, werden hingegen nicht einmal im Antrag erwähnt. Dabei ist u. a. an den Förderverein Kämmereimuseum zu denken, der sich für die Bewahrung und Entwicklung des industriellen Erbes an der Historischen Achse einsetzt, die Tanklager-Bürgerinitiative, die für mehr Aufklärung und eine schnelle Sanierung des Kontaminationsskandals in Farge und Rönnebeck sorgt, und auch die Facebookgruppen zur Rekumer Sr. 12, durch die erste eine öffentliche Diskussion von teilweise geheimen und fragwürdgen Verwaltungsmaßnahmen in Gang gesetzt wurde, nachdem das Ortamt und viele Beiratsmitglieder lieber schweigen wollten.

Initiativen, die nicht unter den Fittichen der Blumenthaler Politelite stehen, sondern abweichende Anliegen und Positionen vertreten, werden also in diesen Fällen nicht erwähnt. Ist das nun etwa nur ein Vergessen, das man entschuldigen kann, oder steckt mehr dahinter?

Unterstützung statt Dank

Um hier keine Missverständnisse entstehen zu lassen, hat der Beirat zum anderen eine gute Möglichkeit, die mehr als ein paar nette Worte bedeutet. Er darf sich dann allerdings nicht nur darauf beschränken, Ehrenamtlichen seinen Dank aussprechen. Er muss sie vielmehr durch klare Beschlüsse unterstützen und kann dabei sogar gleichzeitig seine eigene politische Durchsetzungsfähigkeit stärken.

Bekannntlich hat der Beirat sich sowohl für die Umsetzung der Skulptur „Sir Charles“ an den Eingang des BWK-Geländes als auch für eine erweiterte Krebsuntersuchung sowie eine Einbindung des Bundes beschlossen.

Alle diese Beratsbeschlüsse hat die Verwaltung bisher missachtet. Dabei wird in Verbindung mit der Skulptur sogar gemunkelt, der Grund für diese bürokratische Arbeitsverweigerung sei ein höherer Zeitaufwand beim Mähen des Rasens.

Das würde bedeuten, dass in Bremen eine absurde minimale Arbeitsverkürzung wichtiger ist als ein Beschluss gewählter Bürgervertreter und die Ästhetik eines vernachlässigten Raumes.

Ein Beirat mit Sonntagsreden oder mit politischer Substanz?

Damit sollte jedes Beiratsmitglied gefordert sein, das seine Aufgabe nicht nur im Durchwinken von angeblich alternativlosen Vorlagen besteht. Oder will es sich der Blumenthaler Beirat weiterhin bieten lassen, wenn ihm die Verwaltung mit kuriosen Vorwänden auf der Nase herumtanzt?

Morgen wäre es an der Zeit, nicht nur allgemein und pauschal den Ehrenamtlichen zu danken, sondern sich unmissverständlich hinter die Anträge von Ehrenamtlichen zu stellen, denen die Beiratsmitglieder früher bereits zugestimmt haben.

Das kann nur heißen:

- eine unmissverständliche Wiederholung des Umsetzungsbeschlusses für die Skulptur „Sir Charles“,

- eine unmissverständilche Wiederholung des Beschlusses über eine notwendige Ergänzungsuntersuchung zur alten Krebsstudie, wie das im angrenzenden Niedersachsen für Politiker, Beamte und Ärzte selbstverständlich ist, und

-eine unmissverständliche Wiederholung der Forderung, dass sich der Bund als Eigentümer des Tanklagers Farge mit den Anwohnern oder ihren Vertretern an eine Tisch setzt und seine Pläne offenlegt.


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RE: Vergessene oder oberlehrerhaft bewertete Ehrenamtliche?

#33 von Klueverbaum , 10.02.2016 01:32

Der Antrag der Linken ist vermutlich ein Gegenantrag zum Antrag der SPD, die Menschen zu ehrenamtlicher Arbeit auffordern will - Antrag 9a. Wie ist denn abgestimmt worden?

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Und wieder eine Nowackiade

#34 von Reinhard , 20.04.2016 19:36

Und wieder eine Nowackiade


Bekannt sind bisher Köpenickiaden. Allerdings findet man sie nicht in der Politik und als besondere Spielform der Demokratie, wie es hier die Einordnung erwarten lässt. Eine Nowackiade ist daher keine Köpenickade.

Von Köpenickiaden und Nowackiaden

Als Köpenickiade bezeichnet man in der Literatur eine Form der Hochstapelei, bei der durch Amtsanmaßung Gehorsam erschlichen wird.

Die Historie dieses Stoffs beginnt mit einem wahren Begebenheit, als sich am 16. Oktober 1906 in Cöpenick bei Berlin der arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt als Hauptmann ausgab und mit einem Trupp uniformgläubiger Soldaten das Rathaus besetzte, den Bürgermeister verhaftete und sich die Stadtkasse übergeben ließ.

Daraus gestaltete Carl Zuckmayer seine Komödie "Der Hauptmann von Köpenick", die später als Vorlage für gleichnamige Filme diente.

Das durchgehende Muster dieser ersten Köpenickiaden ist dabei die andressierte Autorität, die im damaligen Preußen Uniformträger generell genossen haben sollen. Eine Uniform war das von jedermann verinnerlichte, automatische ‚Strammstehen‘ vor Uniformträgern, das man vermutlich mit dem Speichelfluss von Hunden vergleichen kann, wenn sie in einem Pawlowschen Experiment gereizt werden.

Köpenickiaden als Videos bei youtube

Da diese angezogene Uniformautorität mit der andressierten unterwürfigen Reaktion der Gedienten und Ungedienten schon einige Jahrzehnte zurückliegt, können einige Videosequenzen, wie man bei youtube findet, dieses Verhaltensmuster von Respekt und Gehorsam veranschaulichen.

Eine Einführung auch in die historischen Hintergründe und die künstlerischen Aufarbeitungen in verschiedenen Epochen der deutschen Geschichte bieten Sequenzen aus einer Verfilmung mit Harald Juhnke von 1997, die im Rahmen einer ZDF-Aspekte-Sendung vorgestellte wurden:



In einem anderen Filmausschnitt wird die Bedeutung der Uniform bereits bei ihrem Kauf besonders herausgestellt, die einerseits das Selbstbewusstsein erheblich steigert und die man andererseits man auch dann tragen kann, wenn man Bürgermeister von Köpenick werden sollte:



Dieser Film von 1956[/URL(1956)]1956, in dem Heinz Rühmann den Hautmann von Köpenick gespielt hat, wurde besonders bekannt:



Mit dieser preußischen Epoche lässt sich das heutige Blumenthal selbstverständlich nicht vergleichen. Das trifft sicherlich noch mehr auf seinen Ortsamtsleiter zu, der bekanntlich bereits aufgrund seiner Ausbildung ein höheres Sozialprestige besitzt als der arbeitslose Schuster, der den Berliner Stadtteil bekannt gemacht hat.

Eine Nowckiade, deren Bezeichnung sich vom Blumenthaler Stadtteilmanager ableitet, ist daher ein ganz anderer Typ von Erzählung, die uns jedoch sehr anschaulich machen kann, wie man in der aktuellen politischen Situation Blumenthals Macht gewinnen und ausüben kann, ohne dafür durch eine Direktwahl zum Bürgermeister legitimiert zu sein.

Dabei hilft heute auch keine Uniform, vor der die Bürger schon einmal per se stramm stehen, weil sie es von klein auf gelernt haben. Statt solcher stofflichen und metallischen Insignien in Form von Litzen und Orden.

Doch damit genug des allgemeinen Erläuterung. Eine Nowackiade ist schließlich nichts abgehoben Theoretisches, das irgendwelche Intellektuelle in der Wissenschaft oder in der Literatur verordnen können. Sie ist vielmehr so praktisch wie das alltäglich Leben in Blumenthals und daher ganz nahe bei den Menschen, die hier leben. Obwohl das eine vielleicht nicht ganz passende Ausdrucksweise ist, weil in diesen Worten ein Wahlslogan einer Partei verborgen ist, die sich zwar als Mehrheitsbeschaffer eignet, aber sonst nicht immer vor dem allgegenwärtigen Blick eines geübten Rassistenjägers bestehen kann.

Eventankündigung mit einem hohen medialen Aufmerksamkeitswert

Eine echte Nowackiade steckt immer voller Überraschungen. So haben bisher die Blumenthalerinnen und Blumenthaler ihren Ortsamtsleiter zwar als begeisterten lokalen Fußballfan und Werder-Anhänger kennengelernt, aber nicht als engagierten Kulturförderer. Das beweisen nicht nur die inzwischen ungepflegten Skulpturen, mit den in früheren Zeiten Blumenthal verschönert wurde, sondern auch ganz exemplarisch der Vorschlag eines öffentlichen Bücherschranks. Der stieß auf so heftigen Widerstand, als der OAL sich geweigert haben soll, etwas Derartiges auch nur in der Nähe des Ortsamtes aufzustellen, dass die Beiratsmitglieder offenbar der Mut verließ und ihr Engagement auch für die Kulturinteressierten, die mit abstrakter Kunst wenig anfangen können, sich rasch dem Nullpunkt näherte.

Aber das war gestern, denn aktuell muss eine gefährliche politische Klippe umschifft werden. Es hat sich eine Stimmung entwickelt, die sich für eine stärkeres kulturelles Leben in Blumenthal einsetzt und damit nicht zuletzt auch vom Ortsamt entsprechende Beiträge erwartet. Der von den Beiratsmitgliedern gewünschte Kultur-Treff und ein BWK-Museum fallen schließlich nicht vom Himmel, sondern müssen durch Ideen und Freiwillige mit Leben gefüllt werden.

Diese leicht als brisant erscheinende Situation, bei der manche Kritiker den OAL mit dem Rücken zur Wand stehen sehen, ist ein gute Beginn für eine Nowackiade, wie sie Anfang April mit einem Zeitungsinterview begonnen hat.

Dabei schafft ein Machertyp, an den als OAL zwei Ideen herangetragen wurden, begrifflich ein ganz besonderes Kulturkonzept, das er in einer mehrfach verschobenen Sitzung des Kulturausschusses präsentieren kann. Auf diese Weise gelingt es ihm, anders als die Ausschussmitglieder oder Beiratssprecher mit ihren Diskussionen und Beschlüssen tatsächlich etwas vorweisen kann, auch wenn es sich um die angekündigten Absichten anderer handelt.

Dabei hilft ihm auch die neue Fokussierung der Ausschussarbeit. Hatte man ursprünglich diese Sitzung angesetzt, um die missliche Lage des Fördervereins Kämmereimuseum zu diskutieren und dafür nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen, gab es jetzt in den Medien ganz andere Schwerpunkte. Das Ortsamt und der Beirat erscheinen nicht mehr als Institutionen, die offenbar damit überfordert sind, ihre Beschlüsse gegenüber der Bremer Verwaltung durchzusetzen.

Doch wenn man näher hinschaut, wird man hier hinter eine Überschrift wie "Großes Theater in Blumenthal" einige Fragezeichen setzen müssen.


Die Bündelung von Maßnahmen nach dem Herrschaftsprinzip römischer Kaiser: Brot und Spiele


Während die konkreten Inhalte eher im Hintergrund stehen, da derartige Details nicht die Stärken eines Machers sind, vor allem wenn er sich bisher nicht gerade als ein ausgesprochener Kulturexperte exponiert hat, kommt es auf etwas ganz Wesentliches an. Ein Event muss keinerlei Bezug zur weiteren Entwicklung eines Orts- oder Stadtteils haben, wenn die die "1. Blumenthaler Kulturwoche" angekündigt wird. Er muss sich vielmehr als Unterhaltungsangebot einprägen, bei dem man etwas erleben konnte und mit dem man einen Initiator verbindet, der auch in Zukunft Ähnliches auf die Beine stellen kann. In machen Kulturen spricht man daher auch von einem Geltungskonsum, durch den gesellschaftlicher Reichtum verprasst wird, den man auch für längerfristige Investitionen und damit für eine bessere zukünftige Entwicklung eines Stadtteils einsetzen kann. Dafür eignet sich natürlich kaum etwas besser als ein Fest, da man Bolzplätze und DiscGolf-Anlagen zumindest im Prinzip längere Zeit nutzen kann, auch wenn es dafür an dem von einem Macher festgesetzten Standort kaum ein Interesse gibt.

Die satirisch verwendete Herrschaftsempfehlung „Brot und Zirkusspiele“ bezieht sich auf Politiker im alten Rom, die auf diese Weise die Wähler bestochen haben, um sie in einer besonderen Spielart von Populismus zu einer gewünschten Stimmabgabe bei Wahlen verleiten zu lassen. Der Ausdruck bezeichnet daher auch heute die Strategie politischer Machthaber, das Volk mit Wahlgeschenken und eindrucksvoll inszenierten Großereignissen von wirtschaftlichen oder politischen Problemen abzulenken.

Damit wird aber gleichzeitig auch eine abgestumpfte Gesellschaft kritisiert, deren Interesse über elementare Bedürfnisse und „niedere Gelüste“ nicht hinausgeht.

Während im Römischen Reich, wie die Ruinen der nötigen Gebäude von Amphitheatern und Rennbahnen noch heute bezeugen, die besonders teuren Spiele eine herausragende Stellung besaßen, soll in Blumenthal auch ein ganz gewöhnliches "Essen" nicht vergessen werden, und das in einem ganz wörtlichen Sinne und ohne jede künstlerische Verschnörkelung. So verbirgt sich hinter dem "Kultur-Konzept" "ein gemeinsames Essen mit vielen Menschen auf dem Marktplatz". Dabei soll diese "Brotverteilung" nicht nur subventioniert werden. Man konnte bereits erklären, dass das öffentliche gemeinsame Essen "kostenfrei" für die Teilnehmer sein kann.

Da werden sich also die Blumenthaler später, wenn über den Finanzausgleich zwischen den Bundesländern verhandelt wird, den südlichen Bundesländern nicht wie die Griechen den anderen EU-Staaten vorwerfen können, die Kredite seien allein an die Banken geflossen.

Damit wird vermutlich erstmals in Deutschland keine Kopfsteuer erhoben, sondern eine fixe Subvention an jeden Magen serviert. Kann man mehr soziale Gerechtigkeit realisieren, als im Rahmen dieses Blumenthaler Kulturkommunismus, in der jeder Gaumen das erhält, was er mag und zwar ganz unabhängig von allen eignen Leistungen? Wer wird es sich da nicht gefallen lassen, dass alles im Rahmen eines so schmackhaften "Kultur-Konzepts" erfolgt?

Eine Bündelung von zwei Bündeln, die vom TheaterBremen als "Auswärtsspiel" und der WiN-Quartiersmanagerin vorgeschlagen wurden, soll diese Gaumenkultur ergänzen. Die auf einem fremden Spielplatz auftretenden Künstler haben dabei "Diskurs-Programme, Lesungen, Ausstellungen und Video-Installationen" "“angedacht" und "planen" "außerdem ...Führungen durch die Mühlenstraße und Kapitän-Dallmann-Straße inklusive etwa 45-minütiger Theater-Produktionen.

Fast ebenso viel Kultur sieht, wie zumindest schon die Bezeichnung zu verraten scheint, das Blumenthaler Quartierprojekt „Kulturstraße" vor, bei dem auf einem Parkplatz "eine Art urbanes Gärtnern von Jugendlichen und ihren Familien sowie von Anwohnern" "vorgesehen ist, aber auch weitere Ideen "wie zum Beispiel die Ausrichtung eines Fußballspiels" entwickelt werden können.

Beifall als politische Legitimation

Wenn eine "gute" Regierung derart überzeugende Konzepte vorschlägt, die hoffentlich nicht alle Teilnehmer durch ein Übermaß an Kultur erschlagen werden, dürften sich viele fragen, wozu überhaupt Wahlen und lange, ermüdende Ausschuss- und Beiratssitzungen nötig sind. Reicht nicht ein sozialdemokratischer Stadtteilmanager, der weiß, was für das Volk gut ist und alles tut, damit es das auch bekommt?

Das sieht auch der Held einer Nowickade so. Befragt nach den Erwartungen an die Sitzung
wünschte er sich: "Dass der Beirat sagt: Hurra, das wollen wir!".

Damit wird Blumenthal durch dieses "Kulturkonzept", das vorwiegend aus einem Stadtteil- und Straßenfest besteht, an externe Unterhaltungsanbieter Globalmittel in Höhe von mindestens 5.000 € zahlen müssen, die für die Vereine und Initiativen aus dem Stadtteil nicht mehr zur Verfügung stehen. Das kurzfristige Entertainment, wird also in Blumenthal konsumiert, während es die Anbieter in anderen Stadtteilen fördert. Von einer mühevolleren Stärkung der Selbstorganisation der kulturell interessierten Szene in Blumenthal kann also keine Rede sein. Das Modell hat man sicher eher beim Sozialismus im 21. Jahrhundert in Venezuela abgeschaut, wo man über lange Jahre hinweg dank der Öleinnahmen Konsumgüter aus dem Ausland importiert und subventioniert an die eigene Bevölkerung bzw. die Klientel der Herrschenden abgegeben hat. Der Ausfall dieser Geldquelle macht jetzt deutlich, auf welchen wackeligen Beinen ein ähnlich arbeitendes "Kunst-Konzepts" nach dem Motto "Brot und Spiele" tatsächlich steht.

Und damit schließt sich die Erzählstruktur einer typischen Nowackiade. Was mit großen Worten und Hoffnungen begann und sich als ganz gewöhnliches Kochen mit allerdings subventioniertem Wasser herausstellen wird, endet leicht mit Enttäuschungen und der Trauer über vernachlässigte bessere Möglichkeiten.


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zuletzt bearbeitet 22.04.2016 | Top

"Die Idee des Anarchismus"

#35 von Lola3 , 15.01.2017 13:04

https://josefmuehlbauer.com/die-idee-des-anarchismus/
"
Veröffentlicht von Josef Muehlbauer am 14.1.2017
,
aktualisiert am 15.1.2017 mit der konstruktiven Hilfe von Martin W.
------

Der Begriff "Anarchie" war für mich eher negativ behaftet, aber das hat mich nicht abgehalten den Beitrag aus o.a. Link mit großem Interesse zu lesen.

Hier ein kurzes Zitat aus o.a. Link und den kompletten Beitrag kann jeder selbst lesen:


"Die Idee des Anarchismus
anarchie
Illustration aus der französischen Ausgabe von „Der Anarchismus“ von Kropotkin, 1913

In diesem Beitrag wird der Begriff Anarchismus zunächst mal definiert. Anschließend zeige ich die historische Entwicklung dieser Idee. Die Fragen ob wir in einer anarchistischen Gesellschaft gelebt haben, noch leben oder vielleicht sogar leben sollten, werden im Verlauf beantwortet.

„Warum mir aber Anarchie gar so gut gefällt?"

Zitat Ende

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"Freihandel oder Demokratie?"

#36 von Lola3 , 18.01.2017 16:48

https://josefmuehlbauer.com/freihandel-oder-demokratie/

Veröffentlicht von Josef Muehlbauer am 18.1.2017

Zitat aus o.a.Link

"Ein weiteres kontrovers diskutiertes Thema in Europa ist das Freihandelsabkommen zwischen der EU und der USA (bzw. Kanada). Was bedeutet TTIP und CETA für die/den europäische(n) BürgerIn? 2012 begrüßte die neokonservative US-Politikerin Hillary Clinton das TTIP Abkommen – also das „Transatlantische Freihandelsabkommen“ und bezeichnete es als „wirtschaftliche NATO„. Da jedoch die NATO eine US-dominierte Organisation ist, wie es die Fakten zeigen, fragen sich Millionen von protestierenden BürgerInnen in Europa, ob mit TTIP die Demokratie eingeschränkt sein wird, oder ob die EU vom Verhandlungspartner USA dominiert wird.

Zitat Ende

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RE: "Freihandel oder Demokratie?"

#37 von Lola3 , 18.01.2017 17:01

https://josefmuehlbauer.com/nachkriegs-welt/

Veröffentlicht von Josef Muehlbauer

(ex Link: https://josefmuehlbauer.com/freihandel-oder-demokratie/

Zitat

"Nachkriegs-Welt: Verdeckte Kriegsführung

Empirisch belegbar werde ich zeigen, dass die Umsetzung all dieser Strategien: „Stay-Behind-Netz“; Verdeckte Kriegsführung; Inszenierter Terror; Überwachung und Spionage (seid 1948 BRUSA / UKUS; PRISM; ECHELON); Unterstützung von ehm. NS-Militärs und (faschistische) Diktatoren…, eine Haupttätigkeit der CIA, somit auch des Pentagons war (und noch immer ist). Da die Nato hautpsächlich von dem Pentagon gesteuert wird und in ihrer Entstehungsphase Nazi-Agenten und ranghohe Militärs des Dritten Reiches aufgenommen hat, ist dieses Thema auch für Europa von großer Bedeutung.
Zitat Ende

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Das Kulturcafe Nunatak will mit Veranstaltungen das Miteinander stärken"
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Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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