Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Worüber die Umweltbehörde nicht informiert

#1 von Reinhard , 03.04.2013 17:29

Worüber die Umweltbehörde nicht informiert

Wie uns das Umweltamt unter dem Briefkopf des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr belehrt hat, sind die ermittelten Daten „von den eingesetzten Fachgutachtern wie auch von der zuständigen Bodenschutzbehörde zu erörtern und zu bewerten.“

Bisher konnten die interessierte Öffentlichkeit und vor allem die betroffenen Anwohner wenig bzw. nichts über die Ergebnisse dieser Erörterungen und Bewertungen erfahren. Das ist gerade im Fall des Tanklagers Farge besonders bedauerlich, da hier die Kontaminationsfahne relativ ungewöhnlich ist und daher ein interessantes Thema für Diskussionen darstellen kann.

Ungewöhnlich lange Kontaminationsfahne

So wird niemand darüber aufgeklärt, warum sich bereits 2009 eine Kontaminationsfahne von 1.100 m Länge ausgebildet hatte, worüber das Umweltamt im Blumenthaler Beirat im Dezember 2012 berichtete. Diese Länge fällt deutlich aus dem Rahmen, da BTEX-Fahnen im Durchschnitt nur 140 m lang sind, wobei die Größe zwischen „minimal 10 und maximal 400 m“ schwankt. (Stupp/Paus)

Zu relativ ähnlichen Werten kam eine Untersuchung von Teutsch/Grathwohl/Schiedeck, die vor allem US-amerikanische Fälle ausgewertet haben. Dabei fanden sie für BTEX Kontaminationsfahnen von 210 m und für PAK von 280 m Länge.

Neben geologischen und klimatologischen Faktoren begrenzt dabei vor allem ein Abbau durch Mikroben die Ausbreitung.(Stupp/Paus u.a.)

Wenn jetzt in Farge eine außergewöhnlich lange Kontaminationsfahne festgestellt wird, liegt als Erklärung nahe, dass hier dem BTEX noch Stoffe beigemischt sind, die einen mikrobiellen Abbau verhindern, denn für die Wissenschaftler des Instituts für Grundwasserökologie wirken „hohe Gehalte an Begleitkontaminanten“ „limitierend“ auf den natürlichen Abbau der Fahne. (S. 7)

Weiteres Wachstum der Kontaminationsfahne

Nach den Auswertungen der Daten über eine Vielzahl von Mineralölkontaminationen sind die Schadstofffahnen von BTEX rasch
„entweder stabil oder schrumpfend.“ (Wiedemeier u.a.)

Da die vom Tanklager I ausgehende Fahne wächst, wie die aktuellen Warnungen an die Anwohner der Straßen „Am Depot“, „Witteborg“, „Betonstraße“ und „Am Schützenplatz“ belegen, stellen sich hier mehrere Fragen, die eine breitere Diskussion und Klärung verlangen.

Dieses ungewöhnliche Verhalten einer BTEX-Fahne, die aus einer Quelle während der letzten Kriegsereignisse 1945 entstanden sein soll, lässt vor allem zwei Schlüsse zu, die sich auf eine sorgfältige und effiziente Arbeit der Umweltbehörde beziehen.

So sollte man überprüfen, ob hier die bisherigen Sanierungsmaßnahmen tatsächlich geeignet waren, und vor allem ob hier die tatsächliche Kontaminationsquelle tatsächlich seit Kriegsende geschlossen ist, da die Ausweitung der Fahne, die sich in der Regel auf natürliche Weise abbaut, nicht für eine bereits 1945 gestoppte Leckage spricht.

Weitere Kontaminationsfortschritte

Wie aus anderen Fällen von Grundwasserbelastungen bekannt ist, lassen sich durch das angewandte Pump-&-Treat-Verfahren nur anfangs rasche relative Verringerungen der Kontaminierung erreichen. So wurde in diesem Fall etwa für den Verladebahnhof II die Beseitigung von 16 t Schadstoffe gemeldet.

Anschließend sind die Reinigungserfolge jedoch eher gering oder bleiben sogar ganz aus, ohne dass es eine Sanierung unter den Schwellenwert, für den ein Maßnahmeeinsatz erforderlich wird, gelungen ist. Da etwa ab dem 4. Sanierungsjahr die Sanierungskosten relativ zum Erfolg stark ansteigen, werden die Maßnahmen nicht selten sogar eingestellt. (Sachsen, S. 17)

Da am Verladebahnhof II diese Phase bald erreicht sein dürfte, sind für die Beurteilung der Situation aktuelle Daten über den Sanierungsfortschritt erforderlich. Dazu zählen auch die bisher in der Behörde angestellten Überlegungen, zu anderen Sanierungsmethoden zu wechseln, die eine vollständige Beseitigung der Kontaminierung ermöglichen.

Kommunikation mit der Öffentlichkeit und den betroffenen Anwohnern

Vielleicht könnte der Umweltbehörde, wenn ihr die Bewältigung der aktuellen Anfragen noch Zeit lassen sollte, ein Blick in das KORA-Handbuch die Arbeit erleichtern, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde und sich auf den „Kontrollierten natürlichen Rückhalt und Abbau von Schadstoffen bei der Sanierung von kontaminierten Grundwässer und Böden“ bezieht.

Hier findet man nicht nur technische Empfehlungen, sondern kann im Kapitel 9 auch etwas über eine gute Öffentlichkeitsarbeit erfahren.

Dabei ist es besonders wichtig, nicht nur die Anlage 1 zu lesen, wo „10 Möglichkeiten zum Verlust von Vertrauen und Glaubwürdigkeit“ aufgeführt werden und diese anschließend als Grundlage für das Verwaltungshandeln zu verwenden.

Hier heißt es:
"1. Den Betroffenen die Mitwirkung bei Entscheidungen, die sie direkt betreffen, verweigern.
2. Informationen solange zurückhalten bis sie gefordert werden.
3. Die Gefühle der Betroffenen ignorieren.
4. Nicht um die Angelegenheiten der Betroffenen kümmern.
5. Fehler nie zugeben.
6. Wissensdefizite nie zugeben.
7. Den Berufsjargon benutzen.
8. Sich als Bürokrat präsentieren.
9. Die Abstimmung mit anderen Abteilungen und Behörden vermeiden.
10. Die Vertretung der Behörde in Veranstaltungen Mitarbeitern überlassen, die sich dafür nicht eignen." (KORA, S. 148)


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Gutachtenwirrwarr

#2 von Reinhard , 24.04.2013 17:52

Gutachtenwirrwarr

Der Wirrwarr an „Gutachten“, die es angeblich zu Kontaminationen im und am Tanklager Farge gibt, wie der Weser-Kurier unter dem Titel „Schadstoffbelastetes Wasser in Farge. Gift-Flächen schon länger bekannt“ berichtete, hat jetzt die Linke im Blumenthaler Beirat zu konkreten Fragen an den Umweltsenator veranlasst.

Damit greift die Linke diese Thematik wieder verstärkt auf, die sie zunächst parallel zu den Medienberichten in den politischen Gremien in Bremen und Blumenthal bereits Anfang November 2012 ins Rollen gebracht hat.

Konkret geht es jetzt um eine Übersicht über die vorliegenden Untersuchungen, die dem Beirat zur Verfügung gestellt werden sollen, und eine Auflistung der „jemals gelagerten Stoffe“ und „dazugehörigen Additive“. Das erscheint dringend notwendig, da die Umweltbehörde bisher in der Öffentlichkeit immer behauptet hat, erst im Jahre 2006 von den Grundwasserkontaminationen erfahren zu haben. Nach den Informationen des W-K sind hingegen Bodenverunreinigungen bereits seit 1967 bekannt. Das soll in einem Gutachten stehen, das die sparsame Finanzsenatorin im Januar 2010 in Auftrag gegeben hat und von dem bisher in der eigentlich zuständigen Umweltdeputation nichts berichtet wurde.

Anscheinend besteht also ein erhebliches Defizit nicht nur bei der Information der Öffentlichkeit, sondern auch innerhalb der Verwaltungen. Wurden hier etwa Gutachten ausschließlich für den Hausgebrauch einzelner Senatoren erstellt oder gibt es für die unkoordinierte Informationsbeschaffung der Senatoren Gründe?

Von einem Vertrauensverhältnis und einer Kooperation wenigstens zwischen den grünen Senatoren hat man jedenfalls andere Vorstellungen. Und natürlich auch von einem effektiv arbeitenden Senat, der im Interesse der Bürgerinnen und Bürger Bremens arbeitet.

Da es bisher zu dem Zeitungsartikel weder ein Dementi der Finanzsenatorin noch des Bau- und Umweltsenators gibt, scheint es den Gutachtenwirrwarr tatsächlich zu geben.

Vielleicht sind daher die Anträge der Linken sogar eine Chance für die betreffenden Senatoren, dass sie einmal die Gutachtensituation klarstellen und vor allem über die insgesamt ermittelten Tatbestände die Öffentlichkeit informieren.

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Will nur gut’ Ding Weile haben?

#3 von Reinhard , 30.04.2013 14:26

Will nur gut’ Ding Weile haben?

Bisher zeichnen sich die Informationen des Umweltamtes zur Grundwasserkontamination bekanntlich nicht durch übergroße Aktualität aus. So stammen die letzten veröffentlichten Messdaten vom 9. Juli letzten Jahres und die von der Bürgerschaft geforderte Information zum Tanklager Farge im Internet lässt weiter auf sich warten. Zuletzt wurde in der Antwort auf einen Bürgerantrag aus Blumenthal von einer bestehenden „Absicht“ gesprochen, ohne dass es einen Hinweis auf den Termin oder die zu erwartenden Informationen gab.

Es besteht mit anderen Worten ein Informationsloch von 10 Monaten, in dem es allerdings im März den Paukenschlag einer weiteren Warnung an die Anwohner in den Straßen „Am Depot“, „Witteborg“, „Betonstr“ und „Am Schützenplatz“ in Farge gab, da sich auch vom Verladebahnhof I wie bereits zuvor vom Verladebahnhof II die Kontaminationsfahne über die Grenze des Tanklagers hinweg in das anliegende Wohngebiet ausgedehnt hatte.

Daher haben viele Mitglieder der Tanklager-Bürgerinitiative und andere betroffene Anwohner auf aktuelle Informationen vor allem bei einer Begehung des Tanklagers gehofft, an der ein handverlesenes Publikum von Beiräten und BI-Mitgliedern teilnehmen durfte.

Diese Besichtigung des Tanklagers am 16. April verlief für die Teilnehmer jedoch eher enttäuscht, da sie nichts wirklich Neues sehen konnten, was sich nicht auch von außen durch den Maschendraht erspähen lässt. So konnte man sich auf diese abgeriegelte unübersichtliche Wald- und Heidelandschaft konzentrieren, die mit ihren 3,2 qkm siebenmal größer als der Vatikanstaat und mehr vierzehnmal größer als das Gewerbegebiet Farge-Ost ist, nur eben mit Tanks, Rohrleitungen, Pumpstationen, Löschteichen, künstlichen Hügeln, Straßen und Schneisen ganz anders genutzt wird. Botaniker sollen während des interessanten Programms sogar Wasserlobelien entdeckt haben.

Offensichtlich wollten die Gastgeber vor allem mit der beieindruckenden der Größe imponieren. Diese Wahrnehmung ist auch durchaus real, denn vergleicht man die Tanklager-Fläche mit dem Bremer Durchschnitt, würden innerhalb dieser Sperrzone immerhin 5.400 Einwohner leben, denen 3.480 Arbeitsplätze zur Verfügung ständen.

Über Details konnte man hingegen kaum etwas Konkretes erfahren. Das galt etwa für die Effektivität einer „Kläranlage“, die in ihren Ausmaßen an eine „Minitechnikumsanlage“ erinnerte und dafür sorgen soll, dass das Abwasser beim Einlauf in die Weser so sauber „ist“, dass man damit Kaffee kochen könnte. Allerdings durfte man diese Wundermaschine, die von einer Fremdfirma betrieben wird, nur aus der Ferne in Augenschein nehmen, und der Kaffeetest wurde auch von keinem Bremer Senator praktisch vorgeführt.

Etwas mehr konnte kurz darauf ein naturwissenschaftlich interessierter Bürger in Erfahrung bringen, der sich mit ganz konkreten Fragen zur angewandten Sanierungstechnik direkt an den Umweltsenator gewandt hatte. Ihm wurde im Umweltamt einiges über die Messungen der Kontaminationsfahnen berichtet, die von den Verladebahnhöfen ausgehen und in die jeweils angrenzenden Wohngebiete vorgedrungen sind.

Danach bleibt nach den vorhandenen Messwerten, die aus der Zeit vom September 2012 bis zum Januar dieses Jahres stammen, die vom Verladebahnhof I ausgehende Fahne kürzer als die vom Verladebahnhof II, sodass sie zumindest bisher nicht bis zur Weser reicht. Aber das entspricht ja auch der aktuellen Warnung vom März.

Neuere Messwerte von der Schadstofffahne, die vom Verladebahnhof II ausgeht, gab es hingegen nicht zu sehen. Sie sollen noch nicht „gebündelt“ vorliegen, „weil die Probebohrungen noch nicht abgeschlossen sind“. In diesem Bereich hat man deshalb auch noch keine Orte bestimmt, die weiter untersucht werden müssen.

Immerhin wurde etwas zum geplanten Internetangebot bekannt. Es kann frühestens im Juni ins Netz gestellt werden, „weil der wichtigste Mann zunächst Urlaub macht und er anschließend die Ergebnisse auswerten und in eine übersichtliche "Darreichungsform" bringen muss“.

Eine Entwarnung gibt es für die Straße „Am Rottpohl“ und die dortige Wassererfassung, da in den umliegenden Straßen keine Belastungen durch BTEX und MBTE ermittelt wurde.

Anschließend gab es noch Auskünfte zu einigen Detailfragen. Danach werden im Zuge der Sanierung die Parameter BSB 5 (Biologischer Sauerstoffbedarf) und CSB (Chemischer Sauerstoffbedarf) nicht erhoben.

Auch handelt es sich bei der Grundwasserbehandlungsanlage nicht um eine biologische Kläranlage. Vielmehr wird in der Sanierungsanlage das Grundwasser „gestrippt und gefiltert“

Für die Effizienz der Anlage sollen folgende Werte sprechen: Das belastete Grundwasser wies 2012 im Durchschnitt aller fünf Entnahmebrunnen BTEX-Konzentrationen von 8.800 µg/l auf. Die anschließenden Ablaufwerte aus der Grundwasserbehandlungsanlage lagen für alle Werte unter der Nachweisgrenze von 20,0 µg/l.

Auch wenn das Einzelwerte sind, die jeden Techniker zu Recht beeindrucken, fehlen weiterhin Aussagen, die ein realistisches Gesamtbild ermöglichen, zumal sich die unter der Hand kursierenden Zeiten für die Gesamtsanierung rasch um Jahrzehnte verlängern.

Und sogar im konkreten Einzelfall kann man skeptisch und misstrauisch bleiben, denn die Anlage selbst durfte nicht, wie eigentlich im Schreiben an den Umweltsenator gewünscht, betrachtet werden. Anscheinend soll niemand wie beim Phantom der Betriebsgenehmigung zu viel erfahren.

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RE: Will nur gut’ Ding Weile haben?

#4 von Lola , 13.06.2013 05:44

http://www.bauumwelt.bremen.de/sixcms/me...+Farge_Endf.pdf

Bericht der Verwaltung für die Sitzung der
Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Energie am 06.12.2012
Zitat
Die Verwaltung legt dazu den nachfolgenden Bericht
vor:
.
Im Rahmen des Grundwassermonitorings für den Bereich der durch Bodenaustausch sanierten
ehemaligen Kanisterabfüllfläche, der heutigen TKW-Füllstation wurde auch der im seitlichen
Abstrom des Verladebahnhofs II im Jahr 2006 neu errichtete Feuerlöschbrunnen (FLB B 3)
beprobt und eine erhöhte Belastung mit aromatischenKohlenwasserstoffen (BTXE) festgestellt.
Auch die daraufhin in 2006 direkt im Grundwasserabstrom des Verladebahnhofs II errichtete
Grundwassermessstelle GWM 01/06 zeigte eine Belastung mit BTXE.
Daraufhin hat das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Schwanewede (BwDLZ) auf
Veranlassung des SUBV seit 2007 Untersuchungen zurAltlastensituation im Bereich der
Bundeswehrliegenschaft Tanklager Farge in mehrerenSchritten durchgeführt.
Die ersten Untersuchungen in 2008/2009 haben ergeben, dass eine massive
Grundwasserverunreinigung im Bereich des Verladebahnhofs II sich über die
Liegenschaftsgrenze hinaus bis in angrenzende Gebiete der Ortsteile Farge und Rönnebeckerstreckt.
Die Information betroffener Bürgerinnen und Bürgermit der Empfehlung, das Grundwasser
nicht zu nutzen, erfolgte im Mai 2009 (siehe Anlage, Anhang). Die erforderliche Ausdehnung
des Informationsgebiets wurde dafür zunächst auf Grundlage erster Ergebnisse der
Detailuntersuchung abgeschätzt. Anfang 2010 wurde diese Abgrenzung durch Ergebnisse
weitergehender Erkundungsschritte bestätigt.
Zitat Ende

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RE: Will nur gut’ Ding Weile haben?

#5 von Reinhard , 17.06.2013 18:40

Und sie bewegt sich doch..

Ab heute lässt sich die bereits Ende letzten Jahres von der Bürgerschaft beschlossene Informationsseite zur Altlast "Tanklager Farge" abrufen.

Das ist zunächst eine Menge Lektüre..

Allerdings zeigt bereits ein erster Blick auf die "Fragen und Antworten", dass es sich um keine vollständige Auflistung der Anträge der Blumenthaler BürgerInnen und Parteien handelt, sondern um eine Auswahl.

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Verstecktes und Fragwürdiges

#6 von Reinhard , 22.06.2013 15:34

Verstecktes und Fragwürdiges

Ein genauerer Blick auf die Webseite wird im Blog versucht. Dabei wird deutlich, dass das neue Informationsangebot weder den Vorgaben der Bürgerschaft noch den Wünschen verschiedener Bürgeranträge entspricht.

Als besonders schwierig erweist es sich, mit Hilfe der letzten veröffentlichten Messergebnisse ein zuverlässiges Bild vom Stand der Kontamination und Sanierung zu gewinnen. Hier wird von der Umweltbehörde zwar pauschal ein großer Erfolg der Maßnahmen verkündet, ohne dass sich hierfür jedoch in den Einzeldaten eine klare Bestätigung findet. Es bestehen vielmehr weiterhin Schadstoffkonzentrationen, die bis zum 1000-fachen über der Unbedenklichkeitsschwelle liegen und sich teilweise in diesem Jahr sogar noch weiter erhöht haben.

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Hintergründe fehlender Transparenz

#7 von Reinhard , 24.06.2013 10:28

Hintergründe fehlender Transparenz

Als sich seit Ende letzten Jahres nach und nach das Ausmaß des Farger Umweltskandals abzeichnete, musste man vor allem vom Verhalten der grün geführten Umweltbehörde überrascht sein. Warum stellte sich der Umweltsenator nicht an die Spitze der Aufklärungsbemühungen, wie es sonst landauf landab die Grünen in ähnlichen Fällen von Umweltbelastungen versuchen, konnte man sich fragen, sondern versucht eher zu mauern und die Öffentlichkeit und die betroffenen Anwohner bestenfalls mit Informationshäppchen abzuspeisen? Dabei sollte in bester bürokratischere Manier den Einwohner der Eindruck vermittelt werden, die sachkundige Verwaltung unternehme alles Notwendige und die Betroffenen müssten sich nicht weiter um die Kontamination kümmern, sondern sollten sich nur an die Anweisungen und Empfehlungen der Behörden halten.

Wie ein Blick auf die neue Webseite der Umweltbehörde zum Tanklager Farge zeigt, hat sich diese Einstellung immer noch nicht wesentlich geändert. Dabei ist auch zu bedenken, dass mit dieser Webseite einem Beschluss der Bürgerschaft nachgekommen wird. Dabei bleibt es jedoch mehr als fraglich, ob dieses Informationsangebot den Vorgaben der Parlamentarier oder den Wünschen der Bürger entspricht, die sie in mehreren Anträgen im Blumenthaler Beirat und einer Petition ausgedrückt haben.

Transparenz scheint vielmehr weiterhin für die Bremer Umweltbehörde eine Forderung zu sein, die sie nur mit großem Unwillen und in entsprechend kleinen Portiönchen erfüllt.

Aus dem Alltagsleben wissen wir, dass es verschiedene Gründe gibt, warum jemand die Karten nicht offen auf den Tisch legen will. Zum einen kann es der Versuch sein, sich unter den möglichen Verantwortlichen nicht in der Vordergrund drängen zu wollen. Ein gutes Beispiel sind die ärztlichen Kunstfehler, wo gern nach dem sprichwörtlichen Prinzip gehandelt wird, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Das könnte auch beim Tanklager der Fall sein, wo sich die Verantwortlichkeiten des Eigentümers, der verschiedenen Betreiber und der zuständigen Kontrollbehörden nicht leicht klären lassen, zumal die letzte Leckage über dreißig Jahre zurückliegen soll.

Zum anderen gibt es noch einen benachbarten Grund, wenn wir nicht wollen, dass die Einzelheiten eines Fehlers bekannt werden und möglicherweise unser Ansehen als Fachfrau oder –mann erheblich ramponieren können. Nach einem genaueren Blick auf die jetzt veröffentlichten Messdaten lässt sich dieser Grund zumindest nicht ausschließen. Und dafür gibt es nicht nur eine offene kritische Frage an die Vorgehensweise, sondern ein ganzes Bündel von Ungereimtheiten, die das Vertrauen in eine sachkundige Betreuung der Mess- und Sanierungsmaßnahmen nicht gerade stärken. Vielleicht müssen sogar die letzten Gutgläubigen in Blumenthal, die noch immer der Kompetenz der Damen und Herren in leitenden Verwaltungspositionen und politischen Ämtern vertrauen, ihre Haltung ändern.

Es gibt jedenfalls eine Reihe von Fragen, die diesen Glauben erschüttern können, solange sie nicht ausreichend beantwortet werden. Der völlige „Verzicht“ auf Erläuterungen zum Messprogramm kann zumindest ein gesundes Misstrauen nicht verhindern.

1. Warum mussten Anfang dieses Jahres die alten Messergebnisse deutlich, d.h. um teilweise bis zu 50% korrigiert werden?

2. Warum werden die Messungen nicht in festen Zeitabständen durchgeführt, sodass sich trotz der erheblichen Schwankungen wenigstens vergleichbare jährliche Durchschnitte errechnen lassen, die die Wirkungen der Sanierungsmaßnahmen dokumentieren können?

3. Warum wurde nach der ersten besorgniserregenden Messung am 20.10.2009 über ein halbes Jahr bis zur nächsten Messung gewartet?

4. Warum wurden in der Zeit Ende Juli – Anfang August 2010 innerhalb einer Woche zwei Messungen durchgeführt?

5. Warum fielen nach der Messung am 4. August 2010, die an der Grundwassermessstelle GWMS 2 – 08 die horrende Konzentration von 331.790 μg/l ergab, hier die an den anderen Messstellen durchgeführten August- und September-Messungen aus? War das eine Schockstarre oder ein gesundes Misstrauen gegenüber der eigenen Messung, denn im Interesse korrekter Ergebnisse wäre hier zweifellos eine Nachmessung dringend geboten gewesen.

6. Halten die Fachleute, die die Messungen betreuen, einen Anstieg der Konzentration von 21.033 μg/l am 28.7.2010 auf 331.790 μg/l am 4.8.2010, also um das 15-fache, überhaupt für praktisch möglich? Oder betrachten sie diesen Wert eher als Messfehler?

7. Warum haben in den Wohngebieten erste Messungen, wenn man den Veröffentlichungen vertraut, erst Ende 2011 begonnen? Wurden die Größe und die Ausbreitung der Kontamination von den Fachleuten unterschätzt?

8. Warum wurden keine Messdaten über die Messstellen im Wasserschutzgebiet und im Bereich der Verladestation an der Weser veröffentlicht? Wurde hier nicht gemessen oder gibt es andere Gründe?

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Ergänzung der „wichtigen Informationen“ auf der BUISY-Internetseite

#8 von Reinhard , 29.06.2013 16:39

Ergänzung der „wichtigen Informationen“ auf der BUISY-Internetseite

Eine Einordnung der zahlreichen Ereignisse der letzten Monate, die der Zukunft des Tanklagers Farge möglicherweise eine überraschende Wende gegeben haben, versucht ein neuer Blogartikel, der zwangsläufig eine subjektive Bewertung einzelner Ereignisse vornehmen muss. Aber das lässt sich ja hier im Forum „zurechtrücken“.

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[b]Kontrolle ist besser…[/b]

#9 von Reinhard , 01.07.2013 12:23

Kontrolle ist besser…

In seiner aktuellen Ausgabe berichtet der Weser Report von einem Besuch des Umweltsenators im Wasserwerk Blumenthal. Dabei wurde auch die vom Tanklager Farge ausgehende Grundwasserverunreinigung angesprochen. (Ausgabe vom 30.6.2013, S. 4)

Danach sieht die swb AG zum jetzigen Zeitpunkt keine Gefährdung des Trinkwassers, will aber sicherheitshalber
drei eigene Mess-Stellen installieren. Der Umweltsenator, der über die Kontaminationen aus erster Hand unterrichtet sein dürfte, sprach darüber hinaus die „Möglichkeit von Abwehrbrunnen an, die den Zufluss von Schadstoffen in Trinkwasserbrunnen verhindern sollen.“

Weder das Wasserwerk noch der Umweltsenator wollen sich also auf die bisherigen Messungen und Sanierungsmaßnahmen im Tanklager verlassen und auch den schlimmsten Fall nicht auszuschließen.

Diese Haltung des Wasserwerks dürfte nur zu verständlich sein, wenn man die Beschwichtigungspolitik der Umweltbehörde mit ihren „zurückhaltend“ veröffentlichten Messdaten denkt.

Wie aber sieht es beim Umweltsenator aus, dessen Behörde an den Sanierungsmaßnahmen im Tanklager nicht ganz unbeteiligt ist?

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Erste Reaktion auf Kritik?

#10 von Reinhard , 03.07.2013 10:27

Erste Reaktion auf Kritik?

Einige Tage nach dem Start ist die BUISY-Seite zur Altlast Tanklager Farge um drei Gutachten ergänzt worden, die sich jetzt unter einer neuen Rubrik „Gutachten“ abrufen lassen. Dabei handelt es sich um Berichte des Ingenieurunternehmens HPC, die Anfang März 2013 und Ende April 2013 erstellt wurden.

Auf den knapp 600 Seiten Gutachten werden vor allem Messungen seit August 2012 zunächst verbal dargestellt, bevor anschließend in unfangreichen Anhängen mit über 400 Seiten vor allem Mess- und Untersuchungsprotokolle folgen.

Worum geht es im Einzelnen?

Die Orientierende Bodenluftuntersuchungen im Bereich des Tanklagers und im Grundwasserabstrom“ sind offensichtlich die Quelle, die von der Umweltbehörde bereits benutzt wurde, um einen Blumenthaler Bürgerantrag von Anfang März zu beantworten. Hier wurden „keine auffälligen Werte“ ermittelt.

Einen gutachterlichen Text zu den bereits veröffentlichten Karten der Sanierungsbrunnen enthält der „6. Sachstandsbericht zur Sanierung des Grundwassers im Bereich des Verladebahnhofs II (Zeitraum: August 2012 – März 2013,“. Daneben findet man allerdings auch einige zusätzliche Informationen. So sind auf der S. 4 ältere HPC-Berichte aufgeführt. Danach wurde die Sanierung durch den Umweltsenator am 29.3.2010 angeordnet und der erste Bericht am 29.10.2010 vorgelegt.

Zudem erfährt man Näheres über einige Probleme bei den Messungen, die möglicherweise die Ausreißerwerte erklären können. Hier wird von Verschmutzungen, einem Defekt der Messeinrichtung (S. 21) und Auswirkungen der Wasserentnahme auf die Messwerte berichtet.

An keiner Stelle erwähnen die vereidigten Sachverständigen, die das Gutachten unterschrieben haben, einen über 90-prozentigen Sanierungserfolg. Vielmehr sprechen sie von „nach wie vor hohe Werten“ (S. 25) und planen neue Grundwassermessstellen, und zwar an der Kapellenstraße, Friedhof, An der Amtsweide, Hechelstr., Samlandstr. und der Rominter Sr. (S. 22)

Schließlich werden im dritten Gutachten „Erkundung von Kontaminationsverdachtsflächen (Phase IIb) im Bereich Tanklager Bremen-Farge“ die KVF2 (Deichchart) und KVF4 (Verladebahnhof I) sowie gefährdete Grundstücke außerhalb des Tanklagers behandelt. Hier wurde bei den Bohrungen faulig, ölig riechendes Grundwasser gefunden, was zu einer sehr restriktiven Empfehlung geführt hat. Danach ist die Grundwassernutzung „zu untersagen“ für Grundstücke „Am Depot“ und „Am Schützenplatz“ (S. 55). Generell werden weitere Messungen empfohlen, bevor anschließend gehandelt werden soll.

Wenn man die Gutachten liest, kann man also einige weitere Einzelheiten entdecken. Allerdings muss man suchen. Daher ist es dringend geboten, dass eine Bürgerinformation zunächst eine korrekte Zusammenfassung der Messergebnisse anbietet, die durch die Karten und Gutachten als Quellen dann belegt werden.

So kann man den Eindruck gewinnen, dass den Verantwortlichen der Seite eine Informationsüberflutung nicht ganz unwillkommen ist.


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zuletzt bearbeitet 03.07.2013 | Top

Versteckte Zeitbombe

#11 von Reinhard , 04.07.2013 10:13

Versteckte Zeitbombe

Einige wichtige Informationen zum Tanklagerskandal, die man auf der BUISY-Seite zur Altlast Tanklager Farge vermuten und suchen würde, findet man versteckt stattdessen in anderen Zeitungsartikeln. Ein gutes Beispiel ist hierfür der Bericht „Bremens einziges Wasserwerk“ im BLV, der sich mit dem dortigen Besuch des Umweltsenators beschäftigt.

Viele Anwohner des Tanklagers werden sich als Betroffene vor allem für die Ausweitung der Kontaminationsfahne interessieren. Immerhin geht es hier darum, ob und wann ihre Grundstücke möglicherweise bedroht sind.

Mit solchen Prognosen war und ist die Umweltbehörde bekanntlich mehr als zurückhaltend. Nur hat jetzt der Senator selbst eine Ausnahme gemacht, und zwar im Hinblick auf die Trinkwasser-Förderbrunnen.

Bisher soll hier die Distanz zum verseuchten Grundwasser noch einen Kilometer betragen. Diesen Abstand hat der Senator jetzt höchstpersönlich in einen Zeitraum übersetzt. Danach soll die Schadstofffahne „fünf bis acht Jahre mit Sicherheit“ noch entfernt sein.

Das ist eine relativ konkrete Angabe, die gleichzeitig erkennen lässt, dass mit der Stilllegung des Tanklagers die Bedrohung der Gesundheit und auch der Immobilienpreise in einem immer größer werdenden Umkreis noch keineswegs gestoppt ist. Der Umweltsenator scheint das wie ein unabwendbares Naturgesetz hinzunehmen.

Aber wären das nicht Informationen, die auf die Webseite der Umweltbehörde gehören und mit den Betroffenen erörtert werden sollten?

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[b]Neue Spuren[/b]

#12 von Reinhard , 27.07.2013 10:41

Neue Spuren

Das Tanklager befindet sich im Stillstandsbetrieb. Aber damit hat es sein Gefahrenpotenzial für die Gesundheit der Anwohner noch nicht verloren. Daran erinnern seit letztem Donnertag neue Warnschilder, die an mehren Stellen am Rande des Tanklagers aufgestellt wurden. Unter einem großen roten „Warnung!“ können hier die Passanten lesen: „Gemäß Anwohnerwarnung des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr vom 21.3. 2013 ist das Grundwasser in diesem Gebiet verunreinigt. Die Wasserentnahme ist untersagt. Die Nutzung des Wassers kann zu gesundheitlichen Schädigungen führen“. Dabei sind die Wörter „Wasserentnahme ist untersagt“ unterstrichen.

Hier ist vor allem das falsche Zitat zu beachten; denn das Anschreiben an die Bewohner ist mit „Empfehlung: Bitte nutzen Sie kein Grundwasser“ überschrieben. Von einer Untersagung, einem Verbot, ist darin an keine Stelle die Rede. Vielmehr wird im weiteren Text von einer „vorsorglichen Empfehlung“ gesprochen.

Die Umweltbehörde scheint mit diesem Verbotshinweis also eine Empfehlung des HPC-Gutachtens aufzugreifen, das man den Anwohnern allerdings bisher noch nicht direkt mitgeteilt hat, denn auch hierin wird für einzelne Grundstücke ein Verbot der Grundwasserbenutzung gefordert.

Aber die Grundwasserkontamination ist nur ein Teilaspekt, der die erhöhte Krebsinzidenz in Farge und Rönnebeck, wie sie trotz einiger strittiger Signifikanzfragen nach der Sonderauswertung des Krebsregisters vorzuliegen scheint, nicht unmittelbar erklären kann. Hier ist die Frage offen, wie krebserregende Stoffe aus dem Grundwasser in den menschlichen Körper gelangen können, was die Umweltbehörde nach einigen Bodenluftmessungen ausgeschlossen hat.

In den letzten Tagen haben Mitglieder der Tanklager-Bürgerinitiative hierzu jedoch bemerkenswerte Spuren gefunden, die dieses fehlende Glied in der Erklärungskette darstellen können.

Einen Hinweis liefert ein Teich am Rande des Tanklagers, an dem auch eines dieser neuen Warnschilder aufgestellt wurde und gleichzeitig über den „Geschützten Lebensraum Heidetümpel“ informiert wird. Dort stinkt jetzt das Wasser des Uferfiltrats nach Mineralöl. Hier gelangen also wahrscheinlich karzinogene Stoffe in die Atemluft.

Und das ist nicht nur hier der Fall. Ganz Ähnliches wurde an einem 3 Meter hohen Be- bzw. Entlüftungsrohr ermittelt. Hier konnten am Freitag mehrere Mitglieder der Bürgerinititaive mit ihren Nasen feststellen, dass sich die Belastungen durch Kohlenwasserstoffe nicht auf das Grundwasser beschränken, denn an der Öffnung dieses Rohres roch es wie in einer Autowerkstatt, also nach Ölen, Fetten und auch Benzin.

Karzinogene Stoffe sind also, wenn man den menschliches Sinnesorganen vertraut, keineswegs „nur“ auf das Grundwasser „beschränkt“, das man schließlich nicht nutzen muss, wie die Umweltbehörde erklärt. Sie befinden sich auch in der Luft, deren Einatmung sich nicht vermeiden lässt, auch wenn das demnächst vielleicht noch empfohlen oder gar angeordnet wird.


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zuletzt bearbeitet 28.07.2013 | Top

RE: [b]Neue Spuren[/b]

#13 von Lola , 27.07.2013 23:56

https://maps.google.de/maps?hl=de&q=P%C3...ved=0CDMQ8gEwAA

Man kann sich das grüne Entlüftungsrohr auf Google von der Heidstr. 113 und dann rüber zum Pötjerweg 24 ganz deutlich, wie auf einem Foto ansehen.

Die Google-Aufnahme ist von Sept. 2008...


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RE: [b]Neue Spuren[/b]

#14 von Lola , 28.07.2013 07:11

Der Verfasser der u.a. Niederschrift hat mir erlaubt (liegt mir schriftlich vor), seine Zeilen hier ins Forum zu stellen

Ereignisse besonderer Art prägen in Farge den Vormittag des Donnerstags, den 25. Juli 2013:
#
Ein Werkstattwagen der Bremer Schilderfabrik Maharens parkt in der Straße Am Depot neben dem Zaun zum Tanklager. Ein Monteur installiert im Auftrag von Thyssen Krause ein Schild am Eingang zur Farger Heide unterhalb des vorhandenen Schildes mit der Aufforderung, die Natur zu schützen, da dieser Landschaftsteil einen wertvollen Lebensraum darstelle. Unter anderem wird gebeten, den Hundeauslauf zu unterlassen.

Das neu hinzu gekommene Schild weist auf die Anwohnerinformation des Senators Umwelt, Bau und Verkehr vom 21.3.2013 hin, in der vor der Verwendung von Grundwasser gewarnt wird.

Jetzt heißt es: Die Wasserentnahme ist untersagt, die Nutzung des Wassers kann zu Gesundheitsstörungen führen.

Weitere derartige Schilder werden an zwei anderen Eingängen in den Wald angebracht, von der Straße Am Depot, auf der anderen Seite der Heide, kommend von der Heidstraße, sowie am Tümpel und an der Kreuzung im Wald. Letztere zwei benötigen jeweils eine eigene Rohrstange, die fest im Boden verankert sein muss.
Dazu ist in beiden Fällen ein ca. 1m tiefer Erdaushub erforderlich mit einem Durchmesser von ca. 30 cm, der jeweils manuell erfolgt. Es ist auffallend, wie stark dieser sandige Erdaushub mineralölartig riecht.

Am Tümpel ist ein weiteres Phänomen zu beobachten: In einer Tiefe von nur ca. 50 cm findet sich bereits Wasser. Nicht nur der Aushub, sondern auch das Wasser weisen diesen Geruch auf. Egal, ob Uferfiltrat oder Grundwasser, dieses Wasser ist von den Verunreinigungen des Erdbodens kontaminiert. Das Wasser im Tümpel stinkt nämlich nicht nach Mineralöl!

Hier ist es ganz deutlich, dass ins Grundwasser nur gelangt, was vorher vom Erdboden aufgenommen wurde. Diese Tatsache wird stets von den beteiligten Behörden, bis hin zur Bürgerschaft, ignoriert. Keiner der Fachleute hat bisher dazu Stellung bezogen. In keinem Messergebnis wird dies berücksichtigt.

Ich habe Muster des Bodenaushubs und des riechenden Wassers gezogen. Dieser ausgehobene Sand ist fettig, wenn man ihn zwischen den Händen zerreibt, dunkel und nicht rieselfähig. Dagegen ist der Oberflächensand auf der Heide gut rieselfähig, hell und feinkörnig. Er könnte in der Eieruhr eingesetzt werden.

Jetzt darf wohl niemand mehr den Zusammenhang zwischen Erdreich und Grundwasser
ignorieren. Damit wird auch allen deutlich, dass jetzt, nach dem das Tanklager nicht mehr gefüllt ist, die Gefahr noch nicht beendet ist. Zu oft hör ich die Aussage: Vom Tanklager kann jetzt keine Gefahr mehr ausgehen.

Im Erdreich befindet sich noch genug Gefahrenpotential. Ob großräumig feinst verteilt oder als Blase konzentriert, hängt von der Verursachungsart ab. Entweder jahrelang gleichmäßig infolge von Undichtigkeiten oder kurzfristig von enormen Störfällen.

Wer auf die selbstheilende Wirkung der Natur vertraut, muss sich auf 100 Jahre oder noch länger einstellen.
Zitat Ende


Lola  
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RE: [b]Neue Spuren[/b]

#15 von Lola , 28.07.2013 07:18


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Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?
Worüber der Tanklager-Eigentümer nicht informiert

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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