Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Transparenz sieht anders aus!

#61 von Reinhard , 19.01.2014 11:29

Transparenz sieht anders aus!


Bekanntlich hat die Umweltbehörde immer sehr pikiert reagiert, wenn man ihr mangelnde Transparenz oder gar Verharmlosung angekreidet hat.

Offenbar geht es dabei allerdings vor allem um Image in der Öffentlichkeit und weniger um das tatsächliche Verhalten dieser von einem grünen Senator geführten Behörde, der sich gern als unschuldiger Sündenbock beim Tanklager-Skandal in Farge sieht.

Wenn man die Antwort der Umweltbehörde auf einen Blumenthaler Bürgerantrag liest, kommen jedoch Zweifel an dieser Selbsteinschätzung auf; denn wieder einmal erfolgt eine Antwort, die zu weiterem Misstrauen gegenüber der Kontroll- und vor allem Öffentlichkeitsarbeit der senatorischen Behörde führen muss.

So konnte angeblich der 7. Sachstandsbericht, der offiziell bereits bis zum Jahresende angekündigt war, bisher nicht veröffentlicht werden, da die Bundeswehr die „Endfassung“ erst im Januar 2014 „einreichen“ wird.

Weitere Erklärungen hält die Umweltbehörde offenbar für überflüssig. Es gibt daher auch keinen entsprechenden Hinweis auf der Tanklager-Seite im Internet oder gar ein Mahnschreiben an die Bundeswehr, die die Verzögerung bereits am 13.1.2 2013 mitgeteilt hat.

Wird in diesem Fall schon wenig für eine transparente Information der Öffentlichkeit getan, sieht es bei den ebenfalls von der Tanklager-Bürgeritiitive gewüschten fünf früheren Sachstandberichten noch deutlich schlechter aus. Her wird eine Veröffentlichung mit einer wirklich lesenswerten Begrüdung verweigert. Darin heißt es: „Die einzelnen Sachstandsberichte bauen aufeinander auf und beinhalten immer auch den Sachstand der vorherigen Berichte. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird insofern immer nur der neueste hier vorliegende Sachstandsbericht im BUISY veröffentlicht.“

Offenbar unterschätzt hier die Umweltbehörde ganz eindeutig die intellektuellen Fähigkeiten der Leser, wenn sie ihnen offenbar nicht zutraut, die Zahlen von 1 bis 5 bzw. 6 in die richtige Reihenfolge zu bringen, denn eine Listung mit dem 1., dem 2. usw. Sachstandsbericht ist durchaus für Menschen, die dem Kindergartenalter entwachsen sind, übersichtlich.

Vielmehr besteht bei dem von der Umweltbehörde bevorzugten Verfahren die Gefahr, dass ein Leser nicht verfolgen kann, wie die jüngeren Berichte auf den älteren aufbauen.

Oder ist das vielleicht sogar der wahre Grund für die Weigerung? Auf alle Fälle können vorliegende, aber bisher unveröffentlichte Berichte, deren Publikation verweigert wird, und ein „Endbericht“, der lange auf sich warten lässt, nur zu mehr Misstrauen führen.

Das gilt vor allem für die ersten Sachstandsberichte, deren digitaler Zugang von der Bürgerinitiative so vehement gewünscht wird. Eine Ablehnung der Veröffentlichung mit einer fadenscheinigen Begründung kann man hier nur als Affront gegenüber den betroffenen Bürgern sehen.

Will der grüne Senator wirklich weiteres Misstrauen gegenüber seiner Behörde und einen Konfrontationskurs gegen die Bürgerinitiative?

Etwas mehr Transparenz könnte man sehr leicht durch die Veröffentlichung von fünf Sachstandsberichten erreichen, wenn man es nur wollen will.

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Herrschaftswissen

#62 von Reinhard , 25.01.2014 11:04

Herrschaftswissen

In der jüngsten Bürgerschaftsdebatte zur Schließung des Tanklagers Farge konnte der Umweltsenator als letzter Redner einige Zahlen zur Kontamination vortragen, die offenbar aus vorläufigen Unterlagen stammen und für die Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich sind. Damit ist es ihm gelungen, dass als letzter Eindruck neben dem einstimmigen Beschluss eine zweite Botschaft mit dieser Sitzung verbunden wird: die Sanierung macht tatsächlich gute Fortschritten, während man sich auf die Aussagen der Bürgerinitiativen weniger verlassen sollte.

Auf diese Weise nutzt der Senator ganz offensichtlich sein Herrschaftswissen, das ihm durch sein Amt zur Verfügung steht, um durch frühe Informationen einen ersten Eindruck zu erzeugen, der bekanntermaßen nicht der unwichtigste ist.

Und von dieser Möglichkeit macht er Senator sehr geschickt Gebrauch, in dem er zwei Punkte herausgreift, ohne dass der Zuhörer etwas über die für die Messergebnisse so wichtigen Rahmenbedingungen erfahren. Vielmehr stellt er nur plakativ heraus, dass innerhalb eines Jahres die Mächtigkeit des „Ölschwamms“ am Verladebahnhof II deutlich von 2 m auf 1 m gesunken ist und und auch generell die Kontaminationswerte anderer Messstellen gefallen sind.

Dieser Umgang mit der Öffentlichkeit sieht nach einer Bürgerbeteiligung aus, die nur dann erfolgt, wenn sie den Grünen bequem ist, wie der CDU-Abgeordete in der Bürgerschaftssitzung meinte. Eine transparete und damit glaubwürdige Politik würde hingegen von einem Gleichstand bei den Informationen ausgehen, sodass die Messdaten und ihre Interpretation sachgerecht geprüft und hinterfragt werden können. Auf dieses für ihn nicht so sichere Terrain will sich der Senator jedoch offensichtlich nicht begeben.

Vielmehr nutzt er seinen Wissensvorsprung , um mit diesem durch das Amt erworbenen Herrschaftswissen die Weichen für die weitere Diskussion zu stellen.

Sein zentraler Angriffspunkt ist dabei eine Modellrechnung der Bürgerinitiative, die erstmals versucht hat, die Menge der Kohlenwasserstoffe, die sich im Boden und Grundwasser befinden, zahlenmäßig zu bestimmen. Das sollte eigentlich eine Aufgabe des Gutachters sein, da diese Größe sowohl Hinweise auf die Entstehung der Kontamination als auch auf die Sanierungschancen geben kann. Derartige Zahlen wurden jedoch bisher nicht veröffentlicht.

Wegen der wenigen zur Verfügung stehenden Daten musste die Bürgerinitiative mit Daten des Gutachters bzw. der Umweltbehörde rechnen. Das Ergebnis ist damit nicht von vornherein „absurd“, sondern vielmehr eine mathematisch zwangsläufige Folge dieser Eingabe. Das Resultat kann dabei zwangsläufig nur so realistisch sein, wie es die Ausgangswerte sind. In den anderen Fällen können die Ergebnisse nur darüber informieren, mit welchen Mengen bei unterschiedlich großen und mächtigen Kontaminationsfahnen zu rechnen ist.

Im konkreten Fall haben Ingenieure der Bürgerinitiative nach Angaben der Umweltbehörde, die offenbar noch sehr interpretationsbedürftig waren, eine Modellrechnung erstellt, die auf dem 7. Anwohnertreffen am 3.9. 2013 erstmals zu Diskussion gestellt wurde.

Dabei handelt es sich um eine Schätzung, die von vorgegebenen Annahmen ausgeht und damit in ihrem Ergebnis von diesen Bedingungen abhängig ist. Eine Schätzung der tatsächlichen Situation würde daher realistische Ausgangsdaten voraussetzen, die vom Gutachter bzw. der Umweltbehörde zur Verfügung gestellten werden müssten.

In diesem Fall wurden von der Umweltbehörde bisher keine präzisen Daten veröffentlicht, die eine Bestimmung der Menge der ausgetretenen Kohlenwasserstoffe ermöglichen. Auch fehlt weiterhin eine eigene veröffentlichte Berechnung diese Menge durch den Gutachter, obwohl sie die Grundlage jedes Sanierungsplans ist, der von den Blumenthaler Bürgern bereit seit über einem Jahr eingefordert wird.

Trotz dieser schlechten Datenlage hat die Bürgerinitiative eine Modellrechnung durchgeführt. Dabei ist sie zu Ergebnissen gelangt, die jetzt vom Umweltsenator als „absurd“ und „astronomisch“ bezeichnet werden.

Auch wenn diese Ergebnisse nicht der Realität entsprechen sollten, muss man sich fragen, warum diese Berechnung überhaupt erfolgt ist. Hätte die Umweltbehörde wirklich die Öffentlichkeit transparent und umfassend informiert, hätte es zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört, das Ausmaß der Kontamination und damit vor allem auch die Menge der ausgetretenen Schadstoffmenge möglichst korrekt darzustellen. Aussagen zu dieser Thematik fehlen jedoch und können frühestens mit dem Sanierungsplan erwartet werden.

Für eine möglicherweise entstandene Verunsicherung trägt daher nicht die Bürgerinitiative die Verantwortung, sondern die Umweltbehörde. Sie hat schließlich so unpräzise Angaben veröffentlicht, die, wenn man sie in einer Modellrechnung verwendet, sehr rasch zu dem Ergebnis führen, das jetzt von der Umweltbehörde so kritisiert wird.

Mit mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung hätten sich viele der Missverständnisse vermeiden lassen, die immer dann entstehen, wenn sich eine Behörde hinter ihrem Herrschaftswissen einigelt.

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Nur eine Beruhigungspille?

#63 von Reinhard , 27.01.2014 10:45

Nur eine Beruhigungspille?

In einem Kommentar der Norddeutschen wird der Beschluss der Bürgerschaft zur Schließung des Tanklagers Farge als eine Beruhigungspille gesehen, der den Bürgern zeigen soll, dass sich die Bremer Politiker um sie kümmern.

Als Begründung wird auf die Rechte des Eigentümers verwiesen. Das trifft sicherlich zu, wenn man sich ausschließlich über die Rechte eines Eigentümers informiert. Allerdings haben diese Rechte auch ihre Grenzen.

Das hat der Landkreis Osterholz im Frühjahr letzten Jahres dem Bund sehr nachdrücklich vor Augen geführt. Ein Eigentümer muss sich an das Bundesbaugesetz halten und kann daher keine Anlagen im Außenbereich sich selbst überlassen, wenn z.B. ein Betreiber pleite geht. Hier kann ein Kreis, wie es das niedersächsische Osterholz gegenüber dem Eigentümer Bund bzw. Bundeswehr sehr eindrucksvoll bewiesen hat, durchaus etwas ausrichten. Immerhin konnte so ein Wiederverkauf an einen neuen Betreiber der Anlage und damit eine Weiterbetrieb als Tanklager verhindert werden.

Für einen Eigentümer ist ein derartiges Tanklager, das er nicht einmal völlig stilllegen kann, wenn er seine Rechtsposition behalten will, vor allem eine teure Angelegenheit. Statt eine Pacht oder einen Verkaufspreis zu erhalten, muss er weiterhin Geld hineinstecken, das praktisch keinen Nutzen bringt. Das wird sicherlich demnächst auch der Bundesrechnungshof entsprechend ankreiden. Bund und Bundeswehr müssen daher aus finanziellen Interessen an einer Lösung für diese Immobilie suchen, die ihr Image aktuell beeinträchtigt und noch dazu jährlich viel Geld kostet.

Um eine andere Nutzung der Fläche zu erreichen, ist der Eigentümer jedoch auf die Bauleitplanung von Bremen und Schwanewede angewiesen. Er muss sich also über kurz oder lang mit deren Verwaltungen zusammensetzen, um für die auf beiden Seiten als Steuerzahler beteiligten Bürger eine akzeptable Lösung zu finden. Dadurch ist der Bund auf die Bremer Planung angewiesen, wenn er nicht auf einem teuer sanierten und zurückgebauten Heideareal sitzenbleiben will, das nicht einmal ein Bruchteil der aufzubringenden Kosten wert ist.

Bremen kann so durchaus mehr als nur Beruhigungspillen an seine Bürger verteilen. Es muss nur wissen, was es will, und seine zahlreichen Chancen als Gesetzgeber und Kontrollbehörde clever nutzen.

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Informationsleckage?

#64 von Reinhard , 28.01.2014 11:03

Informationsleckage?

In den kurzen Statements, die die Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen während der Behandlung des Stilllegungsantrages für das Tanklager Farge abgegeben haben, gab es auch zwei Aussagen, die nicht unbedingt zu erwarten waren, wenn man die bisherige Diskussion um das Tanklager verfolgt hat.

Obwohl nach der offiziellen Version der Umweltbehörde die Entstehung der Kontamination weiterhin ungeklärt ist, machte Frau Dr. Schaefer eine abweichende Bemerkung. Nach ihren Worten müssen die giftigen Kohlenwasserstoffe in den letzten dreißig Jahren „in großem Umfang“ in das Erdreich und das Grundwasser gelangt sein.

Auch aus dem folgenden Beitrag des SPD-Abgeordneten muss der Zuhörer auf Kontaminationen schließen, die nicht im Dickicht der letzten Kriegsereignisse eingetreten sind, sondern eine nachweisbare spätere Entstehung haben. Warum wurde sonst an die Bundeswehr appelliert, den Schleier des militärischen Geheimnisses von den Ursachen der Leckage zu nehmen, da es dabei keineswegs um eine Frage der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland geht. Für den SPD-Umweltsprecher muss daher alles auf den Tisch.

Allerdings wurden keine Quellen für diese Angaben genannt. Aber sind es deswegen nur Gerüchte, wenn zwei führende Politiker der Regierungsparteien diese Aussagen machen? Oder besitzen die Redner Hinweise aus einem Informationsleck, das es gar nicht geben darf?

Vielleicht kann also doch ein „Vertuschungszusammenhang“, den die Bremer Behörden so entschieden zurückweisen, das Verhalten der Ämter erklären, die in den letzten dreißig Jahren Kontrollaufgaben beim Tanklager Farge durchführen mussten.


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Eine (fast) unendliche Sanierungsgeschichte

#65 von Reinhard , 15.02.2014 12:04

Eine (fast) unendliche Sanierungsgeschichte

Gegenüber seinen Ankündigungen u.a. in der Umweltdeputation deutlich verspätet hat der Umweltsenator inzwischen den 7. Sachstandbericht zur Sanierung des Grundwassers im Bereich Verladebahnhof 2 (Zeitraum: April 2013 -August 2013) veröffentlicht.

Darin sind die Kontaminationsdaten von fünf neuen Messterminen aufgeführt, von denen jedoch wegen der Störung einer Pumpe die Messergebnisse aus dem Mai 2013 praktisch nicht verwendbar sind. Es lassen sich also bestenfalls die Daten von vier Terminen für eine weitere Auswertung verwenden und mit denen des Vorjahres vergleichen. Dabei zeigt sch dann, dass die fehlende Pumpe statistisch kein gravierendes Problem darstellt, da es im Vorjahr ohnehin keine Messung im Mai und damit keine Vergleichsdaten gab.

Sanierungserfolg ja oder nein?


Nachdem die extrem hohe Kontamination festgestellt und das Tanklager stillgelegt ist, interessieren jetzt vor allem die Sanierungsfortschritte. Zu diesem Zweck verdienen die neuen Messdaten vor allem an der extrem kontaminierten Messstelle GWMS 02/08 (S.7) sowie die Menge der geförderten Leichtphasen (S. 10) besondere Aufmerksamkeit.

Im Jahr 2013 wurden 4,9 t Leichtphasen entnommen. Das ist etwas mehr als im Vorjahr (4,7 t), jedoch deutlich weniger als im Jahr 2011 (8,0 t). Diese Menge zeigt, dass der immer wieder erklärte „Sanierungserfolg“ zumindest nicht so groß war, dass nur noch geringe Mengen an Leichtphasen gefördert werden können. Aus der Menge kann nicht einmal auf zukünftig stetig sinkende Mengen geschlossen werden, sodass man sich eigentlich nur fragen kann, woher diese kaum übersehbaren Mengen Leichtphasen stammen. Bestenfalls lässt sich vermuten, dass sie sich in einer Mulde sammeln und dann hier abschöpfen lassen. Dafür werden allerdings im Sachstandbericht keine Beweise geliefert, da die Messung der Phasenmächtigkeit (S. 10f.) nur bruchstückhaft ist.

Auch bei den aktuellen Messdaten wirken sich wiederum die Einflüsse der Witterung und der entnommenenen Leichtphasen aus. Um eine durchschnittliche Tendenz zu erhalten, müssen daher bei der Mittelwertbildung erneut Ausreißer ausgeschlossen werden. Unter dieser Bedingung hat sich die Kontamination an der Grundwassermessstelle 02/08 kaum geändert; denn hier steht einem Durchschnittswert von 25.225 BTEX in μg/l für die Messungen im Vorjahr, wenn man den Ausreißerwert vom Juli 2012 nicht berücksichtigt, ein Durchschnitt von 26.037 BTEX in μg/l für die vier Messungen im Jahr 2013 gegenüber. Auch hier spricht also kaum etwa für einen Sanierungserfolg.

Der vom Umweltsenator in der Bürgerschaftssitzung verbreitete Optimismus kann also nicht auf diesen objektiven Messdaten beruhen.

Hat sich der 7. Sachstandsbericht vielleicht deshalb in der jetzt veröffentlichten Endfassung möglichst aller entsprechenden Gesamteinschätzungen enthalten?

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Praktischer Vorschlag zur Versachlichung

#66 von Reinhard , 25.02.2014 11:46

Praktischer Vorschlag zur Versachlichung

Vor einigen Wochen hat der Bremer Umweltsenator Dr. Lohse ein Forum empfohlen, in dem die unterschiedlichen Postionen zum Tanklager Farge von allen Interessierten diskutiert werden können.

Seitdem wurde dieser Vorschlag weder von seiner Umweltbehörde noch von der Bürgerinitiative aufgegriffen. Dabei könnte dieses Internetangebot, wenn es entsprechend genutzt wird, gerade zum jetzigen Zeitpunkt wieder für weniger Polemik und mehr sachliche Information sorgen. So steht eine weitere Diskussion der Auswertungen des Krebsregisters und des kürzlich veröffentlichten 7. Sachstandsberichts an. Wie die Bemerkungen des Umweltsenators vor der Bürgerschaft und die Einladung zur kommenden Anwohnerversammlung am Dienstag erwarten lassen, werden in der nächsten Zeit nicht nur Messergebnisse und ihre sachliche Interpretation die politische Arena in Blumenthal prägen, sondern auch viele fast schon persönliche Vorwürfe.

In solchen Fälle kann die Diskussion in einem Internetforum für eine Versachlichung sorgen, da hier jeder Leser die Positionen immer deutlich vor Augen haben kann und die Mitleser auf verfehlte Postings hinweisen werden.

Es wäre daher durchaus wünschenswert, wenn man die Sicht der Umweltbehörde und der Bürgerinitiative in dieser Form in einem Forum lesen könnte. Dabei sollte man anhand der vorliegenden Gutachten, deren Zahlen sich ohnehin nicht überprüfen lassen, sodass man sie als Fakten anerkennen muss, die Begründungen für die abweichende Interpretation erfahren: also die These von den guten Sanierungsfortschritten auf der einen und die von einer beängstigend langen Sanierungszeit und einem bedrohlichen weiteren Ausbreiten der Kontaminationen auf der anderen Seite.

Vermutlich dürfte es allein aufgrund von Prestigefragen sinnvoll sein, wenn weder die Umweltbehörde noch die Bürgerinitiative das ursprünglich von Herrn Dr. Lohse vorgeschlagene Forum administrieren. Das müsste eine unabhängige Einrichtung übernehmen.

Falls es von den beiden Kontrahenten gewünscht wird, kann das durchaus als ausgewiesener Teilbereich in diesem Forum erfolgen. Die Unabhängigkeit dürfte sich schließlich in der Vergangenheit gezeigt haben, da sowohl die Umweltbehörde als auch die Bürgerinitiative hier immer mehr oder wenig kritisch, aber auch sachlich korrekt behandelt worden sind. Eine entsprechende Mail an den Administrator genügt und das spezielle Diskussionsforum kann unverzüglich starten.

Aber selbstverständlich sollte es auch andere Möglichkeit geben. Denkbar wäre etwa ein Angebot des BUND, da hier sowohl Kontakte zum Umweltsenator also auch zur Bürgerinitiative bestehen.

Wenn man also an einer Versachlichung der Diskussion und damit an einer umfassenden Information nicht zuletzt der betroffenen Bürger interessiert ist, sollte man die Möglichkeit eines speziellen Internetforums nicht nur in den Raum stellen, sondern sie auch tatsächlich nutzen.


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Weiterhin offene Fragen

#67 von Reinhard , 08.04.2014 19:10

Weiterhin offene Fragen

In einem aktuellen BlogartikelBlumenthal endlich wieder ohne Tanklager! Anhaltende Folgen und Zukunftsperspektiven“ werden u.a. einige Aspekte des Tanklagerskandals, angesprochen, die die durch die Informationspolitik einiger Bremer Behörden mit der Aura von Geheimnissen umgeben sind. Dazu zählen vermutlich aufgrund der unveröffentlichten älteren Sachstandsberichte der „abrupte Kontaminierungssprung im Sommer 2010“ und das "MTBE-Mysterium".

Ungeklärt bleibt auch die "Rönnebeck-Anomalie", die Ähnlichkeiten mit dem Leukämiecluster Elbmarsch aufweist, da die Autoren des Krebsregisters in ihrer letzten Ergänzung zur ihrer Krebstudie über Farge und Rönnebeck diesen benachbarten Ortsteil von Farge völlig übergangen haben.

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Vorausschauend

#68 von Reinhard , 16.04.2014 11:34

Vorausschauend

Nur eine kleine Randbemerkung: Wenn man sich über den Gutachter, der für die veröffentlichten Sachstandsberichte zum Tanklager Farge verantwortlich ist, bei seinem Arbeitgeber näher erkundigen möchte, findet man auf der Webseite der HPC AG nicht nur seinen Vornamen.

Dort wird der Diplom-Geologe Oliver Böcker bei der Niederlassung Bremen nicht etwa unter der Leistung „Umweltberatung“ geführt, sondern beim „Flächenrecycling“. Und auch dort hat man ihn nicht unter „Altlasten“ eingeordnet, wie man es aufgrund seiner bisherigen Leistungen erwarten müsste. Vielmehr steht sein Foto samt HPC-Anschrift unter „Rückbau“.

Offenbar wusste „man“ also schon, als er den Auftrag für die Sachstandsberichte erhielt, worauf diese Arbeit hinauslaufen wird.

Zum Rückbau heißt es übrigens bei HPC unter die Überschrift „Ein neuer Anfang“: „Von Menschenhand errichtet - von Menschenhand vernichtet. Manches wird überflüssig mit der Zeit, mitunter gefährlich.“

Auch das ist sicherlich eine richtige Prognose.

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Welche Geheimnisse verbirgt die Umweltbehörde?

#69 von Reinhard , 22.04.2014 16:44

Welche Geheimnisse verbirgt die Umweltbehörde?

Warum weigert sich die Umweltbehörde so beharrlich, die Sachstandsberichte 1 bis 5 zum Tanklager Farge zu veröffentlichen?

Diese allgemeine Frage, die jedem kommt, der die wenig überzeugende Begründung des Senator vom 14. Januar dieses Jahres liest, hat sich offenbar auch eine Blumenthaler Bürgerin gestellt.

Aufgrund einer Reihe von Ungereimtheiten in den veröffentlichten Messdaten, die teilweise extreme Werte annehmen oder sogar nachträglich korrigiert wurden, möchte sie jetzt zu drei Themenbereiche konkrete Antworten, die möglicherweise in den unveröffentlichten Sachstandsberichten zu finden und für die Geheimniskrämerei verantwortlich sind.

Es geht also nicht um einen Clinch über eine generelle Veröffentlichung, sondern um die Aufklärung von teilweise bedrohlich aussehenden Messergebnissen, die sich ohne die fehlenden Erläuterungen nicht verstehen lassen. Die in dem Bürgerantrag gewünschten Antworten können also die Diskussion versachlichen und über die tatsächlichen Vorgänge bei der Boden- und Grundwasserkontamination im Bereich des Tanklagers Farge genauer aufklären.

Nach den bisherigen Erfahrungen mit der Behandlung von Bürgeranträgen wird man abwarten müssen, ob in diesem Fall die Bremer Behörden auf Transparenz und Information setzen oder es bevorzugen, ihre Geheimnisse für sich zu behalten und damit für Misstrauen zu sorgen.

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Messergebnisse der besonderen Art

#70 von Reinhard , 23.04.2014 16:30

Messergebnisse der besonderen Art

Jeder, der auf einige Messergebnisse für die Sanierungsbrunnen am Verladebahnhof II einen genaueren Blick wirft, wird von den Werten und ihrer Behandlungen in den Sachstandsberichten überrascht sein.

Sie sind einfach ohne eine Erläuterung nicht nachvollziehbar, ja, man kann nicht einmal vermuten, wie einige dieser Werte überhaupt entstanden sein können und was zu ihrer gutachterlichen Behandlung geführt haben mag.

Das gilt umso mehr, wenn man die Messungen von Kontaminationen, die sich im Bereich von μg bewegen, mit denen vergleicht, in denen es um menschliche Maße geht. So erscheinen die Messdaten in einem ganz anderen Licht, wenn wir sie auf die Körpergröße und das Körpergewicht übertragen. Auch wenn hier gern aus Gründen der sozialen Wünschbarkeit gern einmal etwas geschummelt wird, bleiben die Werte immer im Rahmen, da man sonst leicht als Lügner oder gar als Spinner dasteht.

Geht man einmal von einer gemessenen Körpergröße von 1,80 m aus, so müsste, folgt man den Messungen am Sanierungsbrunnen GWMS 2-08, dieser ganz normal große Mensch innerhalb einer Woche um das gut 29_fache auf mehr als riesenhafte 53,7 m gewachsen sein. Das würde zumindest aus den Daten folgen, die auf einer wenig übersichtlichen und teilweise schlecht lesbaren Karte zu finden sind, die der Öffentlichkeit erstmals im Dezember 2012 von der Umweltbehörde präsentiert wurde. Später hat man diesen Wert wie auch einer Reihe anderer Zahlen abgeändert. Im Ergebnis führte jedoch auch diese Revision, wie man sie im 6. Sachstandsbericht findet, nicht zu einer Zurückführung auf ein menschliches Maß. Im gewählten Bild muss sich der Riese allerdings jetzt mit gut 28 m begnügen.

Ob wohl irgendjemand diese Messungen seiner Körpergröße einem guten Freund oder Facebook anvertrauen würde? Und was wäre die Reaktion?

Aber bei der Bestimmung von Giftkontaminationen scheint niemand an diesen kaum plausiblen Werte groß Anstoß zu nehmen und eine Erklärung zu fordern.

Die Messwerte wurden jedoch nicht nur teilweise korrigiert. Die erste Messung vom 20.10.2009, die normalerweise der Ausgangspunkt der gesamten chronologischen Messreihe wäre, wurde nicht in den Text des 7. Sachstandsberichts aufgenommen, sondern findet sich nur noch versteckt im Anhang. Das erinnert an einen Gang zur Waage, den man gern vergessen möchte, weil gerade an den Vortagen Weihnachten oder ein anderer Anlass war, bei dem ein gutes, reichhaltiges Essen einfach dazugehört.

Zu diesen merkwürdigen Messergebnissen und ihrer Behandlung bietet die Umweltbehörde keine Erklärungen an. Möglicherweise ließen sie sich in den fünf Sachstandsberichten finden, deren Veröffentlichung der Umweltsenator verweigert.

Die Folge einer solchen restriktiven Informationspolitik sind in der Regel Vermutungen, die mehr oder weniger richtig sein können. Bei vereidigten Sachverständigen wird man sicherlich nicht an Messfehler denken, was bei der unplausiblen Größenordnung auch schlechterdings unmöglich sein dürfte.

So bleibt die Hypothese, dass die Giftstoffkonzentration am 4. August 2010 tatsächlich 594.990 bzw. korrigiert 331.790 μg BTEX pro l Grundwasser betragen hat.

Da fragt sich dann, ob das durch extreme Messbedingungen entstanden sein kann oder nur durch eine akute Leckage seit der vorangegangen Messung, die nur ein Woche zuvor erfolgte. Diese Vermutung ist zumindest nicht völlig von der Hand zu weisen, da eine zweite Messung innerhalb so kurzer Zeit außerhalb der Regel stattfand und daher einen besonderen Anlass erforderte. Auch finden sich bei den anschließenden Messungen erhöhte BTEX-Konzentrationen an anderen Messstellen.

Bei dieser teilweise fragwürdigen Messgeschichte ist es notwendig, dass die Umweltbehörde diese Sachverhalte aufklärt, damit es überhaupt möglich wird, die Qualität der Messdaten, mit deren Hilfe der Umweltsenator den Sanierungserfolg beurteilt wird, überhaupt objektiv zu bewerten.

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RE: Presseerklärungv. 24.4.2014

#71 von Lola , 24.04.2014 13:50

http://landesportal.bremen.de/landesport...tseite/40762331

Zitat

Freie Hansestadt Bremen - Pressemitteilungen
Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Grundwassersanierung in Farge wird noch rund 20 Jahre andauern

24.04.2014

Bund hat "Masterplan" vorgelegt

Auf Anforderung des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr hat die Bundeswehr am 18. März 2014 den "Masterplan" zur Kontaminationsbearbeitung im Tanklager Bremen-Farge vorgelegt. Nur wenige Tage später, am 25. März, hat die Bundeswehr schließlich ihre Absicht zur endgültigen Stilllegung des Tanklagers im Einvernehmen mit den zuständigen Landes- und Kommunalbehörden mitgeteilt.
"Wir sind damit einen großen Schritt weitergekommen", sagt Umweltsenator Joachim Lohse, der heute (24.04.2014) einen Bericht zum Tanklager in der Deputation vorlegt. Dennoch bleibt für die kommenden Jahrzehnte viel zu tun, um die Grundwasserverunreinigungen auch endgültig zu beseitigen. "Der Bund steht zu seiner Verantwortung und die Sanierung ist gesichert. Aber die Beseitigung solcher großflächiger Verunreinigungen braucht leider viel Zeit." Der stärkste Rückgang der Belastung liegt in den Anfangsjahren, die Beseitigung wird jedoch insgesamt bis etwa 2036 andauern. Danach muss das Grundwasser noch zehn weitere Jahre überwacht werden.

Der vorgelegte Masterplan stellt die bisherige Arbeit seit 2006 dar - sowie die aktuelle und die aus fachlicher Sicht mittel- bis langfristig planbare Gesamtstrategie zur Kontaminationsbearbeitung auf der Liegenschaft. Er enthält die Vorplanung auf Basis des aktuellen Wissenstandes zu den Flächen der Verladebahnhöfe I und II, dem Hafenbereich und weiteren kontaminationsverdächtigen Flächen im Bereich des Tanklagers.

Die Verantwortung für die Sanierung der Altlasten auf dem Gelände des Tanklagers liegt aufgrund der Regelungen des Bundesbodenschutzgesetzes auch künftig vollständig beim Bund. Der Bund hat sich mit dem Masterplan zu seinen Pflichten bekannt, Bremen wird den Bund auch weiterhin dabei begleiten. Dabei wird auch künftig ein transparentes Vorgehen sichergestellt sein: Alle Sanierungsmaßnahmen sollen durch regelmäßige Sachstandsberichte dokumentiert werden.

Mit der Aufgabe des Tanklagers entstehen aber auch neue Chancen für Erholungsnutzung, Waldwirtschaft und Naturschutz auf dem Gelände. Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr wird hierzu in enger Abstimmung mit den Beiräten in Bremen-Nord und dem Landkreis Osterholz-Scharmbeck konzeptionelle Überlegungen beginnen. In dem in Aufstellung befindlichen neuen Landschaftsprogramm für Bremen sowie im Flächennutzungsplan sind mit Maßnahmen des Naturschutzes und einer neuen Wegeverbindung bereits erste Meilensteine gesetzt.

Zu den aktuellen Pressemitteilungen des Senats

Zitat Ende

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Masterplan ohne Rechenmeister

#72 von Reinhard , 24.04.2014 22:00

Masterplan ohne Rechenmeister

Inzwischen lässt sich der auch als Masterplan bezeichnete „Projektübersichtsplan zur Kontaminationsbearbeitung im Tanklager Bremen-Farge“ im Internet aufrufen, allerdings über die Seite der Umweltdeputation und (noch) nicht die des Tanklagers.

Wer in dem Plan harte Fakten zum Umfang der Kontamination und der erwartbaren jährlichen Sanierungsleistung erwartet, wird bitter enttäuscht. Ein Abschluss der Sanierungsarbeiten „soll“ in zwanzig Jahren erfolgen, ohne dass es dafür eine Berechnungsgrundlage gibt. Hier hat man offenbar weniger Mathematiker als Public Relations-Experten mit der Planerstellung beschäftigt, die einen Zeitraum gewählt haben, der halbwegs plausibel ist und sich noch politisch verkaufen lässt.

Von praktischer Bedeutung sind daher eher Aussagen zur näheren Zukunft. So ist z.B. im Bereich des Verladebahnhofs II in diesem Jahr die „Erweiterungsplanung der vorhandenen Sanierungsanlage“ vorgesehen und anschließend sollen dann bis 2016 die Maßnahmenplanung und Ausführungsplanung sowie erste Vorversuche für die anschließend vorgesehene In-Situ Sanierung folgen.

Vielleicht wäre es angesichts dieses nicht gerade atemberaubenden Tempos angebracht, zunächst mit einer Planung für eine Planungsbeschleunigung zu beginnen.

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RE: "Tanklager:Sanierung dauert bis 2036"

#73 von Lola , 25.04.2014 07:57

https://m.weser-kurier.de/articles/83517...is-2036-saniert

Der Beitrag aus o.a. Link endet wie folgt:

Regressforderungen aussichtslos?

Aus der Antwort der Umweltbehörde lässt sich herauslesen: Beim Bund ist für Farger Hausbesitzer nichts zu holen. Nach Auskunft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben seien „keine vergleichbaren Fälle bekannt, in denen ein Wertverlust von Grundstücken aufgrund der Nähe zu problematischen öffentlichen Immobilien durch Entschädigungszahlung kompensiert worden wäre“.

Nach Ansicht der Umweltbehörde ist aber ohnehin nicht belegbar, dass die Grundwasserverseuchung im Raum Farge den Wiederverkaufswert von Häusern pauschal gedrückt hat. Angesichts der geringen Zahl von Kaufverträgen aus jüngerer Zeit ließen sich keine „belastbaren Aussagen“ machen. Das sieht der Blumenthaler Immobilienmakler und Sachverständige Rolf Dettmers jedoch anders. Er spricht von einem „ganz klaren Preisverfall“ in Wohnlagen wie dem Schützenplatz oder entlang der Betonstraße. Dort seien Häuser – wenn überhaupt – nur noch zu niedrigen Preisen an Zugezogene zu verkaufen, „denen das Thema Grundwasserbelastung nichts ausmacht“, so Dettmers.
Zitat Ende

Auch wenn die BIMA keine vergleichbaren Fälle kennt, dann ist einmal immer das 1.Mal, oder?

Die entsprechende Bürgeranfrage, hinsichtlich der Immobilienpreise, wurde bereits im Dezember 2012 in einem Bürgerantrag gestellt.

Wenn die Pflicht der Bundeswehr für Schäden aufzukommen am Zaun des Tanklagers endet, dann sind die fehlenden Gutachten für die Bürger umso wichtiger, weil dann die Betreiber des Tanklagers in die Pflicht genommen werden können und hier sind die Bremer Politiker als Bürgervertreter meiner Meinung nach, in der Pflicht für eine lückenlose Aufklärung zu sorgen. Ob die Bürger dann Schadensersatzansprüche gerichtlich durchsetzten wollen, das bleibt dann jedem Bürger selbst überlassen.


Jedes Umweltvergehen, sei es ein undichter Heizungstank oder sonst etwas, wird vom Gesetzgeber verfolgt und der Schadensverursacher wird in die Haftung genommen, genauso hat es auch im umgekehrten Fall zu sein.

Die Bremer Politiker werden doch wohl den Menschen helfen, die sie als ihre Vertreter gewählt haben, oder?

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Dokument, aber kein Gutachten

#74 von Reinhard , 25.04.2014 09:28

Dokument, aber kein Gutachten

Inzwischen lässt sich der „Projektübersichtsplan zur Kontaminationsbearbeitung im Tanklager Bremen-Farge“ auch auf der Tanklager-Seite der Umweltbehörde abrufen. Dabei fehlt in der hier ausschließlich benutzten Version der Oberfinanzdirektion Niedersachsen, die als „Leitstelle des Bundes für Boden- und Gewässerschutz" fungiert, noch der Begriff des „Masterplans“.

Auch muss man hier auf die Erläuterungen der Bremer Umweltbehörde verzichten, wie sie der Umweltdeputation vorgetragen wurden.

Diesen Projektübersichtsplan mit seinen Erläuterungen findet man unter der Rubrik „Dokumente der Verwaltung“ und nicht wie die Sachstandsberichte unter den „Gutachten“. Das dürfte auch dem Inhalt deutlich besser entsprechen (vgl. Posting 72).

Allerdings will die Umweltbehörde durch die Ergänzung des Begriffs „Masterplan“ offenbar zumindest eine sprachlich Höherstufung der von Immobilien Bremen in eine Übersicht gebrachten Zeitvorstellungen versuchen.

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Beigemischt oder getrennt kontaminiert?

#75 von Reinhard , 26.04.2014 14:14

Beigemischt oder getrennt kontaminiert?

Manche Leserinnen und Leser werden sich noch erinnern. Mitte November 2012 hatte die Redaktion von Panorama eine für de Bremer Umweltbehörde unangenehme Interviewkulisse aufgebaut, da es offenbar Hinweise auf einen mangelhaften Informationsstand bei den Mitarbeitern des Umweltsenators gegeben hatte.

Und das sollte nicht folgenlos bleiben; denn die Panorama-Leute ließen damals Proben aus Gartenbrunnen in der Nähe des Tanklagers Farge untersuchen. Dabei wurden Kontaminationen von bis zu 1.770 Mikrogramm MTBE pro Liter Grundwasser ermittelt. Das war ein besorgniserregend hoher Wert, den die Umweltbehörde bis dahin nicht veröffentlicht hatte.

Später erklärte die Umweltbehörde, dass ihr eine Belastung mit MTBE durchaus bekannt sei. So waren entsprechend dem 7. Sachstandsbericht etwa am Förderbrunnen GWMS 02 - 08 am 20.07.2010 152,00 Mikrogramm MTBE/l gemessen worden. Anschließend gingen die Werte dann bis Ende 2012 deutlich zurück. Ähnlich sah es an den anderen Sanierungsbrunnen aus. (S.9)

Deutlich höhere Werte von bis zu 1.600 Mikrogramm/l wurden seit Mai 2011 dann jedoch an den Messstellen GWMS 02-10 und GWMS 03-10 außerhalb des Tanklagers gefunden.(S. 15)

Die Panorama-Interviews in der Umweltbehörde

So stellen sich die Ergebnisse der Kontaminationsmessungen aus heutiger Sicht für das Jahresende 2012 dar, als Panorama in der Umweltbehörde seine Interviews führte und leitende Beamte der Umweltbehörde wenig gut aussehen ließ. Die Journalisten wollten damals die These des Bremer Umweltsenators widerlegen, nach der die Kontaminationen im Tanklager am Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden sind, also wirklich ganz „alte“ Altlasten darstellten, mit denen man schon lange Zeit gelebt hatte. Die Fernsehjournalisten setzten bei der üblichen Verwendung von MTBE an, das fast ausschließlich seit den 1980-er jhren als Bleiersatz dem Benzin beigemengt wird. Für sie war daher die gemessene MTBE-Kontamination ein Beweis dafür, dass es auch in den 1980_er Jahren oder später eine Leckage gegeben haben musste.

Gestützt auf dieses Hintergrundwissen ließ man dann führende Mitarbeiter der Umweltbehörde in die aufgebaute „Falle“ laufen, da sie offenbar die MTBE-Messergebnisse des eigenen Amtes nicht kannten. So wurde brav wiederholt: „Wir gehen davon aus, dass die Stoffe seinerzeit im Krieg in den Boden gekommen sind. Weil seinerzeit bei Bombenalarm die vollen Kesselwagen entleert worden sind, um die Explosionsgefahr bei Treffern zu reduzieren.“

Und ein Referatsleiter bat die Journalisten: „Uns würde es sehr interessieren, dieses Ergebnis mal zu sehen. Können wir das kriegen?“

Die Panorama-Sendung vermittelte so zwei Eindrücke: eine enge Vermischung von BTXE und MTBE belegte eine Leckage nach 1980 und die Umweltbehörde wusste wenig und tat kaum etwas für eine notwendige Information der betroffenen Anwohner.

Die MTBE-Kontamination

MTBE ist jedoch nicht nur ein Indikator für den Zeitpunkt einer möglichen Leckage im Tanklager. Seine Kontamination hat ihre eigene Geschichte, die spezielle Fragen aufwirft.

Am Verladebahnhof II hatte man im Juni 2012, wie der Blumenthaler Beirat im Dezember 2012 informiert wurde, „nur“ eine Konzentration von 76 Mikrogramm/ l gemessen, während es „außerhalb der Liegenschaft“ 922 Mikrogramm/ l waren. Auch dieser Wert lag allerdings noch unten den vom Panorama-Team im Brunnenwasser in der Straße „Am Rottpohl“ zwischen der Neurönnebecker Straße und der Samlandstraße gefundenen 1.770 Mikrogramm/ l.

Das Kontaminationszentrum außerhalb des Tanklagers

Die höchste MTBE-Konzentration wurde bisher mit 2.200 zwischen 07.01.- 29.01.2013 an der Messstelle GWMS 13 - 12 ermittelt, die man neu in der Nähe des Gartens eingerichtet hatte, aus dem das Brunnenwasser der Panorama-Messung stammt.

Im Jahr 2012, für das keine Messergebnisse veröffentlicht wurden, ist offenbar ein deutlicher Anstieg erfolgt, denn an einigen alten Messstellen haben sich die Werte bis zur Messung im Jahr 2013 praktisch verdoppelt (GWMS 9-09 (flach) und GWMS 02-10 ). Zudem wurde an der neu eingerichteten Messstelle gleich der aktuelle Höchstwert ermittelt.

Damit lässt sich die Kontamination von MTBE nicht wie die einer Beimengung zum BTEX darstellen. Vielmehr haben beide Kontaminationen unterschiedliche räumliche Zentren (Sanierungsbrunnen GWMS 02-08 am Verladebahnhof II bzw. Am Rottpohl) und zeitliche Schwerpunkte. (4.8.2010 bzw. 7.1.- 29.1.2013)

Besonders erklärungsbedürftig ist dabei die Tatsache, dass die stärkste MTBE-Konzentration bisher außerhalb des Tanklagers gemessen wurde. Hier wäre zu klären, ob hierfür eine Leckage außerhalb des Tanklagers verantwortlich ist oder ob die Belastungen von einem Schwerpunkt innerhalb des Tanklagers ausgehen, der noch nicht entdeckt wurde?

Reinhard  
Reinhard
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Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?
Worüber der Tanklager-Eigentümer nicht informiert

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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