Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Bürgerstiftung Blumental und ihr Förderverein

#1 von Reinhard , 28.03.2013 14:55

Totes Stiftungsgeld oder soziale Zukunftsinvestition?

Das langjährige Integrationsproblem

In der letzten Sitzung des Sozialauschusses, über die der Weser-Kurier und das BLV ausführlich berichtet haben, ist deutlich geworden, dass im Bereich der George-Albrecht-Straße dringend etwas unternommen werden muss. Hier kann man nicht wie bisher in einem Arbeitskreis Blumenthal, der bereits vor zehn Jahren gegründet wurde, weiterhin nur über die Probleme und über die Bewohnern diskutieren. Es muss etwas getan werden. Das haben auch die Mitglieder des Arbeitskreises gesehen, die bereits Mitte Januar die Probleme aus ihrer Sicht beschrieben und einen ganzen Katalog von Maßnahmen entwickelt und vorgeschlagen haben. Dabei geht es um Projekte, die von den Verwaltungen Bremens in Angriff genommen werden müssen.

Die angestrebte Integration unterschiedlicher sozialer und ethnischer Gruppen ist jedoch nicht nur ein Problem zwischen dem Staat und einzelnen Gruppen von Bürgern. Integration bedeutet letztlich ein Wir-Gefühl, das alle Menschen einschließen muss, die in einem Quartier oder einem Orts- oder Stadtteil leben. Diese Einstellung setzt voraus, dass man bestehende Grenzen, die einzelne Gruppen trennen, abbaut, indem man sich gegenseitig kennenlernt und nicht selten bestehende Vorurteile abbaut.

Die Integration ist also nicht einer Sache der Politik und Verwaltung, sondern aller Menschen in Blumenthal.

Chance für die Bürgerstiftung und ihren Förderverein

Es werden jedoch nicht auschließlich die Bürger selbst gebraucht. In diesem Fall können sie auch etwas einsetzen, was bisher nur ein Schattendasein geführt hat, und das nicht zuletzt, weil man seine Möglichkeiten bisher in der Praxis nicht erleben konnte.

Diese nützliche Hilfe stammt aus der Zeit, als man mit dem Dienstbeginn eines neuen Ortsamtsleiters Mitte 2010 in einer Aufbruchsstimmung lebte, nachdem sich sein Vorgänger weitgehend damit begnügt haben soll, „den Niedergang eines einst prosperierenden Stadtteils zu verwalten“. In diesem euphorischen Klima wurde am 23. August 2010 der „Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal e.V.“ gegründet.

Folgt man den Meldungen auf der Vereins-Webseite und späteren Zeitungsberichten, die vor allem aus dem Gründungsjahr stammen, dürfte es Mitte dieses Jahres nach den alten Zusagen und weiteren Stiftungen ein Vermögen von ca. 70.000 € geben (50.000 € von GDF Suez, 10.000 € von der Sparda-Bank-Stiftung und 10.000 € von einem Blumenthaler Privatmann), das noch auf die Gründung der eigentlichen Stiftung wartet.

Ziel des Fördervereins ist es, „soziale, kulturelle und bildungspolitisch wertvolle Initiativen zu entwickeln, zu fördern und Initiativen und Vereine im Stadtteil mit entsprechenden Projekten zu unterstützen.“ Dabei soll „unter Beachtung sozialer und demokratischer Grundwerte das freie Miteinander der Menschen im Stadtteil“ besonders beachtet werden.

Nach der Gründung gab es dann noch weitere Informationen über die Suche nach einem Logo, die Einwerbung von Mitteln und die Finanzierung von Segways, aber auch ein geringes Interesse der Bürger, die offenbar nicht die Notwendigkeit sahen, dass „benachteiligte Jugendliche an den "weißen Sport" herangeführt“ werden sollen. Auch mögen sie darüber grübeln, ob Segways für Polizeibeamte, denen die Süddeutsche Zeitung einen „hohem Suchtfaktor“ zugesprochen hat, da sie zum „Rollen“ verführen, eine soziale, eine kulturelle oder eine bildungspolitische Initiative sind.

In der Aufbruchstimmung wurde sogar erwartet, dass Schülerinnen und Schüler beim Entwurf des Logos, an dem sich
„wesentliche Bildungsinhalte zum Thema “Design” und “Grafik” an einem realistischen Beispiel erlernen", "etwas Bleibendes schaffen“ könnten.

Anscheinend hat die Bürgerstiftung bisher nicht einmal dieses Logo als „Bleibendes“ erreicht. Aber vielleicht sollte sie auch vor allem bleibende neue Erfahrungen in Blumenthal schaffen. Das könnte beispielsweise geschehen, wenn man die Stiftung aus ihrem offensichtlich Schlaf rütteln und sie für die Probleme aktivieren könnte, die in Blumenthal besonders drängen.

Integrative Projekte anderer Bürgerstiftungen

Andere Kreise und Städte sind mit ihren Bürgerstiftungen früher gestartet und können inzwischen bereits über ihre Aktivitäten berichten und auch Erfolge vorweisen.

So hatte die Herbert-Quandt-Stiftung einen Ideenwettbewerb „Brücken bauen zwischen sozialen Milieus“ ausgeschrieben, dessen Gewinner vor einem Jahr ausgezeichnet wurden. Da dieses Thema mit der Problemlage an der George-Albrecht-Starße fast identisch ist, kann man aus den Projekten anderer Bürgerstiftungen, die ihre Beiträge vorgestellt haben, zahlreiche Anregungen gewinnen. So soll „Zuversicht“ durch ein Projekt „Dialog bringt Beschäftigung“ der Bürgerstiftung Schaumburg gefördert werden, das eine Kommunikationsplattform für Arbeitssuchende und Unternehmer etablieren und damit Langzeitarbeitslose und Arbeitgeber in der Region miteinander ins Gespräch bringen will. Im Kreis Schaumburg hat man auch die Vermittlung von Lesepaten für Kindergärten und Grundschulen gestartet, während in Halle ein Projekt gefördert wird, in dem sozial benachteiligte Kinder andere Stadtteile und Milieus kennenlernen.

Speziell auf die Situation der Sinti und Roma ist das Projekt „Wir schaffen es – gemeinsam“ der Bürgerstiftung Lilienthal abgestellt, das Kinder aus Zuwandererfamilien in ihren Bildungsanstrengungen unterstützt. Dabei werden Eltern, für die Bildung keine Selbstverständlichkeit ist, in die Nachhilfe für ihre Kinder einbezogen werden. Die Initiatoren halten es dabei für besonders wichtig, „wenn vertrauensvolle Signale an Menschen gesendet“ werden, „die aufgrund von sprachlichen
und kulturellen Barrieren tendenziell verunsichert sind.“

Werbung für die Stiftung und Integration für Blumenthal

Um die Situation der Kinder im Brennpunkt George-Albrecht-Straße zu verstehen, dürfte es hilfreich sein, wenn man versucht, die Welt im Quartier und seinem näheren Umfeld einmal mit den Augen eines dort lebenden Kindes zu sehen. Wie wird es seine „Wir-Gruppe“ der ghettoisierten Bevölkerung und die Gruppe der „Anderen“ wahrnehmen? Welche Bedeutung werden die Kinder Polizisten geben, die auf für sie unerreichbaren coolen Segways durch die Nachbarschaft rollen? Und welche Wirkung kann es haben, wenn ihnen einige von den „Anderen“ etwas vorlesen, ihnen bei Hausaufgaben helfen oder ihnen die nähere Umgebung zeigen.

Andere Bürgerstiftungen haben vorrangig auf zwischenmenschliche Begegnungen und weniger auf Technik und Kontrolle gesetzt. Dabei dürften die Kosten sogar relativ gering sein, da vor allem Freiwillige motiviert und unterstützt werden müssen. Das kann auch für einen Einstieg durch ein Integrationsprojektes der Blumenthaler Bürger und ihrer Stiftung bzw. ihrem Stiftungsförderverein gelten, wenn ein multikulturelles Straßen- oder Quartiersfest veranstaltet wird. Dann könnte man bei einem Musik- und Kleinkunstprogramm und bei einem Angebot an internationalen Spezialitäten für den Magen ins Gespräch kommen, sich kennenlernen und dabei Verständnis für den jeweils anderen entwickeln.

Die Stiftung bzw. ihr Förderverein müsste nur entsprechend seinem Satzungszweck initiativ werden, damit die Bewohner ein entsprechendes Begegnungsfest für sich und die Nachbarn sowie alle anderen Interessierten organisieren.

Warum will man also weiter warten, während sich die Integrationsprobleme verfestigen und die Mühlen der Bürokratie vor sich hin arbeiten, bis geklärt ist, ob nun die Voraussetzungen für ein Mini-WiN-Gebiet oder ein ReBuZ erfüllt sind?

Integration ist schließlich keine Frage behördlicher Vorschriften und Genehmigungen, sondern etwas, das zwischen den Menschen verschiedener Gruppen erfolgt, wenn sie sich und ihre Probleme gegenseitig kennenlernen.

Vor diesem Problemhintergrund kann eine Bürgerstiftung in der heutigen Niedrigzins-Phase sicherlich mehr mit ihrem Kapitalstock anfangen, wenn sie soziokulturelle Projekte anstößt und damit auf ihre eigene Wichtigkeit aufmerksam macht, als wenn sie „nur“ neue Stifter ehrt und ihr Kapital praktisch unverzinst dem Wertverfall durch die Inflation aussetzt.

Dabei sollte man nicht vergessen: Man kann aus politischer Überzeugung oder politischer Klugheit für eine soziale Integration eintreten. Wenn man die Chancen bei den Kindern und Jugendlichen jedoch nicht ergreift, werden sich die Folgen dieses Versagens auch mit künstlicher DNA und dem Einsatz von Segways nicht beseitigen lassen.


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RE: Bürgerstiftung

#2 von Reinhard , 05.05.2013 10:15

Erfreulicherweise sehen auch Beiratsmitglieder die Chancen der Bürgerstiftung, wenn in einem Antrag der Grünen vorgeschlagen wird, Mittel für soziale Projekte im Bereich der George-Albrecht-Straße einzusetzen.

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Profilierungsvorschlag

#3 von Reinhard , 19.10.2013 13:21

Profilierungsvorschlag

In diesem Thread und auch an anderer Stelle des Forums gab es mehrfach Kritik an der Blumenthaler Bürgerstiftung. Dabei ging es um die generelle Problematik einer Stiftung während einer Niedrigzinsphase und die Vergabekriterien für die Mittel. Auch wurde nach möglichen „Gegenleistungen“ für hohe Spenden gefragt.

Das könnte man jetzt wieder machen, denn es ist weiterhin nicht immer eindeutig klar, warum ein Projekt aus Globalmitteln des Stadtteils, also aus Steuermitteln, oder aus Geldern der Bürgerstiftung bzw. des Fördervereins finanziert wird. Das dürfte vor allem ein Nachteil sein, wenn man neue Spenden einwerben will und sich die Spender fragen, was sie damit unterstützen. Ob sie damit also dem Land Bremen unter die Arme greifen oder Hilfsaktionen auf den Weg bringen, die für Blumenthal wichtig sind, aber auf die sonst wegen einer fehlenden anderen Finanzierungsmöglichkeit ganz verzichtet werden müsste.

Man kann allerdings auch das Positive sehen. Das ist in diesem Fall die Veranstaltung „Rock die Burg“, die der Bürgerstiftung 3.000 € an zusätzlichen Mitteln eingebracht hat.

Und nicht nur das. Der Blumenthaler Ortsamtsleiter hatte mit diesem Erfolg nicht gerechnet und hat eine Wette verloren. Er muss daher, wie das BLV berichtet, die nächste Beiratsitzung am 11.11. mit Narrenkappe und Pappnase leiten.

Das dürfte sicherlich Bilder liefern, die sich die Presse und das Fernsehen nicht entgehen lassen werden. Man kann und muss also mit einem entsprechenden Imagetransfer für die innovative Verwaltung und wie bei ähnlichen Gelgenheiten auch für Blumenthal rechnen.

Allerdings muss es nicht unbedingt klischeehaft „narrisch“ werden, wenn sich ein Politiker eine Narrenkappe aufsetzt, wie etwa ein Parteigenosse in Brandenburg bewiesen hat.





Noch einprägsamer und politisch bedeutsamer wäre es allerdings, wenn es nicht nur eine Maskerade bliebe, sondern das Outfit mit anderen Traditionen verbunden wird. Das könnte beispielsweise die Rolle eines Hofnarren sein, der früher seine Narrenfreiheit dazu nutzen konnte, der Obrigkeit einmal den Spiegel vorzuhalten. Auch eine Verbindung mit dem Starkbieranstich auf dem Münchner Nockerherberg wäre denkbar, wo aus diesem Anlass ein „Derblecken“ der Bayerischen Staatsregierung üblich ist.

Unter der Narrenkappe ihres Vorsitzenden könnte so der Förderverein der Bürgerstiftung und damit auch die Blumenthaler Bürgerstiftung ein ganz besonderes Profil im Bremer Politikbetrieb gewinnen, wenn sie die zufällige Kostümierung mit Narrenkappe und Pappnase dazu nutzt, auch den Herrschenden in Bremen einmal den Spiegel vor de Augen zu halten.

Und darin könnte man sicherlich eine ganze Menge sehen, gerade wenn man es im Bremer Norden macht. Ein „Narr“, der einmal nicht die Zwänge seines Amtes zu beachten hat,

- könnte auf einen Marktplatz hinweisen, dessen Leere weder durch Besucher einer Eisdiele, eines Cafés oder Biergartens und schon gar nicht parkende Autos gestört werden,

- einen Ort benennen, in dem EU-Mittel offenbar nicht wie direkte deutsche Steuermittel verwendet werden, sondern auch schon einmal eher experimentell für Kümmerer, die keine Kümmerer sein wollen und Immobilien vermitteln sollen, für die bisher kein Eigentümer oder Makler eine Verwendung gefunden hat,

- auf einen sozialer Brennpunkt aufmerksam machen, vor dessen Problematik teure Gutachten seit einem Jahrzehnt warnen, die zuständigen Stellen sich jedoch darüber streiten, ob eine Ausweisung als Mini-WiN-Gebiet möglich ist oder nicht,

- ein geplantes Industriegebiet anführen, in dem es eine unbedingt notwendige Kaje an der Weser geben soll, die aber gar nicht im Plan vorgesehen ist,

- ein kontaminierendes Tanklager ansprechen, das aber nicht in ein Naherholungsgebiet konvertiert werden kann, weil das Land Bremen keine Einrichtung besitzt, die Tanklager betreiben kann, und

- ein Filetgrundstück zwischen Park und Weser erwähnen, das für die Ansiedlung weiterer emittierender Betriebe benutzt werden soll, obwohl dort bereits seit über sieben Jahren von Anwohnern gegen alte Umweltbelastungen geklagt wird.

Was wäre das für ein neues Blumenthal-Bild: eine Bürgerstiftung, die wenigstens einmal im Jahr Dinge anspricht, die die Bremer Politik sonst lieber verdrängt!

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Sponsorenlust

#4 von Reinhard , 24.07.2014 09:48

Sponsorenlust

Nach der Eröffnung des Bolzplatzes auf der Bahrsplate steht ein weiteres sportliches Highlight an, an dem der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal beteiligt ist. Allerdings fungiert er dabei nicht als Träger, sondern nur also Sponsor.

Bei dem kommenden Ereignis handelt es sich um Bremens 1. Bobby Car Rennen, das am 6.9.2014 in Vegesack stattfinden soll. Dabei ist nicht ausschließlich an eine Veranstaltung für Kinder zu denken; denn das Event soll um 21 Uhr mit der „Wahl zur Miss Bobby Car“ ausklingen.

Initiator dieses geplanten Events ist keine soziale Einrichtung wie beispielsweise die Organisatoren der Spielstraße im Blumenthaler Zentrum. Vielmehr handelt es sich um die TNT eventz Werner Pelle Gluschke GbR, deren Facebook-Seite als Erläuterung der Aktivitäten mit dem ergänzenden Stichwort „Nachtcub“ hilft.

Zu den wenigen Sponsoren dieser Veranstaltung zählt neben einem Vegesacker Autohaus und dem Wesercafe, das mit einer anderen PR-Agentur verbunden ist, die einen Auftrag des Blumenthaler Beirats erhalten hat, die Bürgerstiftung Blumenthal.

Das ist schon eine Überraschung, auch wenn es sicherlich bei dem Rennen wie auch bei vielen anderen Dingen auf der Welt etwas zu unterstützen gibt. Nur scheint der Vorstand der Stiftung seine eigenen Satzung nicht beachtet zu haben. Dort heißt es jedenfalls sehr eindeutig in „§ 2 zum Zweck des Vereins: „Anliegen des Vereins ist es, im Stadtteil Blumenthal die soziale, kulturelle und bildungspolitische Tätigkeit zu unterstützen und anzuregen.

Wer also weltweit Gutes tun möchte, sollte es daher nicht über diese Stiftung versuchen oder zumindest deren Satzung ändern. Das sollte auch für eine sicherlich willkommene Entwicklungshilfe für Vegesack gelten.

Oder glauben die Mitglieder des Fördervereins, dass man die Stiftung populärer machen kann, wenn die eingesammelten Mittel offenbar nach Gutdünken verteilt werden.



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RE: Sponsorenlust

#5 von Lola2 , 25.07.2014 09:21

Im July 2014 hatte ich eine Broschüre im Briefkasten od, als Beilage zur Tageszeitung, das kann ich nicht genau sagen.

Eine Broschüre von GDF Suez - Motto: " by People to people"

Kraftwerk & Umzu.
Die Broschüre richtet sich an die Nachbarinnen und Nachbarn des Kraftwerks Farge und der Betreiber stellt sich vor und berichtet über die Revision/Wartungsarbeiten im Kraftwerk, sowie ein Bericht zu der Partnerschaft Bürgerstiftung Blumenthal.

Es ist nun einmal üblich, dass alle technischen Einrichtungen in Deutschland auf den neuesten Stand gebracht werden müssen. Ein Industriebetrieb darf gegenüber den Bürgern keine Sonderstellung einnehmen. Es ist also nicht als Entgegenkommen für die Bürger zu sehen, wenn der Betrieb auf den neuesten techn. Stand gebracht werden muss, denn die Bürger haben ebenso viele Auflagen und wenn diese nicht erfüllt werden, dann hagelt es Bußgeldbescheide.

Zur Bürgerstiftung Blumenthal informiert die Broschüre wie folgt:

Zitat
Als Betreiberin des Kraftwerks Farge hat GDF Suez die Fortsetzung mit dem Förderverein "Bürgerstiftung Blumenthal" beschlossen. Der Förderverein setzt sich seit August 2010 für den gleichnamigen Stadtteil ein und initiiert bildungspolitische, soziale und kulturelle Projekte.

Laut Kooperationsvertrag unterstützt GDF SUEZ die Stadtteilarbeit für weitere zwei Jahre. Dazu erhält der Verein jährlich von dem Unternehmen eine Fördersumme in Höhe von 15.000 Euro. Als Projekte für 2014 sind bereits geplant: die Jugendfeuerwehr in Farge, der Spielraum Bahrsplate, ein Energieprojekt des TSV Farge-Rekum, die Unterstützung eines internationalen Jugendcamps in der Gedenkstätte "U-Boot-Bunker Valentin" in Farge und die Blumenthaler Bildungsbrücke.
Der Förderverein "Bürgerstiftung Blumenthal" hat es sich zur Aufgabe gemacht eine gleichnahmige Stiftung zu gründen. Insgesamt benötigt der Verein 50.000 Euro, um sie aus der Taufe heben zu können. Vor zwei Jahren hatte GDF SUEZ bereits mit einer Spende für den Kapitalstock der Stiftung den Grundstein gelegt. Bis zum Jahr 2020 will der Verein insgesamt 500.000 Euro sammeln.
Mit den Zinsen sollen gemeinnützige Projekte im Stadtteil Blumenthal unterstützt werden.
Zitat Ende

Diese Vorstellung hat der Konzern GDF SUEZ, wie die Spenden verwendet werden sollen.
Es gibt also klare Vorgaben an die sich der Förderverein halten muss.

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Sehr ambitioniert

#6 von Reinhard , 25.07.2014 11:04

"Sehr ambitioniert"


dürften Manager das Ziel von 500.000 € Sammelergebnis nennen, wenn in den vier Jahren seit der Gründung des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal nicht einmal 50.000 € zusammengekommen sind, um eine Stiftung überhaupt gründen zu können.

Da muss man mit einem gewaltigen Sprung bei den Sponsoren rechnen, wenn es jetzt pro Jahr fast 100.000 € werden sollen!

Soll das der Imagegewinn durch den Bolzplatz bewirken? Oder handelt es sich um einen Blütentraum aus dem diesjährigen Frühjahr, als mit dem internationalen Versorgungskonzern verhandelt wurde, der in großen Zahlen denkt.

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Wo ist das Geld?

#7 von Reinhard , 03.08.2014 09:30

Wo ist das Geld?

Die angekündigte halbe Million an Stiftungsvermögen lenken einen genaueren Blick auf den aktuellen Stand. Dabei ist es nicht immer leicht, zwischen dem Förderverein und der Stiftung zu unterscheiden, da zum Beispiel der Vorsitzende des Fördervereins wenig tut, um die beiden Identitäten sauber von einander zu trennen. So schreibt er auf einer Facebook-Seite, die mit „Bürgerstiftung Blumenthal“ überschrieben ist, wo es am 23. August letzten Jahres Geburtstagsglückwünsche für die Bürgerstiftung“ gab, und nennt als Verantwortliche für die Videoüberwachung am Bolzplatz auf der Bahrsplate die „Bürgerstiftung Blumenthal“.

Das sind alles sehr merkwürdige Lebenszeichen von einem, der bisher gar nicht gegründet bzw. geboren wurde.

Trotz dieses Spiels mit der Identität einer Ungeborenen lassen ich aus den Pressemeldungen einige harte Aussagen zu Stiftungsabsichten herausfiltern, die nur eine zukünftige Bürgerstiftung Blumenthal betreffen können

So hat das BLV berichtet, dass in den Jahren 2012 und 2013 25.000 € vom Kraftwerk Farge bzw. GDF Suez als Stifterkapital zur Verfügung gestellt wurden. Dabei ist allerdings nicht ganz klar, ob die 25.000 € sich auf ein Jahr oder den gesamten Zeitraum 2012-2013 beziehen. Zusätzlich sollen 10.000 € von der Sparda-Bank-Stiftung kommen, ohne dass eine eindeutige Zuordnung zum späteren Stiftungsvermögen oder zu den laufenden Aktivitäten des Fördervereins erkennbar ist. Wie dem auch sei. Bisher wurde noch nicht über eine Verwendung dieser Summe berichtet.

Sehr präzise ist hingegen ein Stiftungsvertrag eines Blumenthaler Bürgers über 9.999 €, den er während des „Festivals der Vereine“ unterschrieben hat, wie man in der Presse sehen konnte.

Danach waren Ende 2013 vermutlich 45.000 € Stiftungsvermögen von drei Stiftern zugesagt, die sich durch einen Teil der Spende des Kraftwerks an den Förderverein hätten erhöhen lassen, wenn etwa der Förderverein als Stifter bei der Stiftung eingestiegen wäre. Diese Gelder hätten also ausgereicht, um die untere Schwelle für ein Stiftungsvermögen zu überspringen, ohne dass man sich um weitere Akquisitionen hätte bemühen müssen.

Das ist jedoch nicht geschehen und es hat auch keine Nachricht über die Hintergründe gegeben. Ohnehin werden mögliche Stifter seit dem „Festival der Vereine“ nur noch sehr, sehr selten angesprochen. Die Bezeichnung „Bürgerstiftung Blumenthal" wird stattdessen immer häufiger als „Abkürzung“ für den bestehenden Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal verwendet. Soll auf diese Weise etwa die ursprünglich geplante Bürgerstiftung in Vergessenheit geraten?

Damit stellen ich jedoch einige wichtige Fragen:

- Wird keine Stiftung gegründet, weil dann die Stifter über den Vorstand entscheiden würden?

- Haben potenzielle Stifter ihr Angebot zurückgezogen, weil sie die Arbeit des Fördervereins nicht überzeugt hat?

- Wurden Teile der anvisierten Stiftungsmittel auf den Bau des Bolzplatzes auf der Bahrsplate übertragen?

- Wo ist das in Stiftungsverträgen zugesagte Geld?

- Ist es auf ein Konto des Fördervereins geflossen oder haben die potenziellen Stifter die Zahlungen mit einem Termin für die Gründung der Bürgerstiftung Blumenthal verbunden?

Man kann gespannt sein, ob die Mitglieder des Vereins, der Beirat und die Öffentlichkeit Antworten auf diese Fragen bekommen.

Oder wird der Vereinsvorstand behaupten, mit den Stiftern und Sponsoren sei Vertraulichkeit vereinbart zu haben? Das wäre allerdings bedenklich bei einem Förderverein, der den Begriff „Bürger“ im Namen führt. Es scheint allerdings nicht unmöglich zu sein, da kein Vereinsprotokoll darüber informiert, wann der Vorstand beispielsweise über den Abschluss eines Kooperationsvertrages mit GDF Suez abgestimmt hat.


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zuletzt bearbeitet 03.08.2014 | Top

Modell oder Karikatur einer Bürgerstiftung?

#8 von Reinhard , 05.08.2014 16:18

Modell oder Karikatur einer Bürgerstiftung?

Dieser Frage geht ein Blogartikel nach, der sich mit der bald vierjährigen Geschichte des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal beschäftigt und dabei ihre aktuellen Trägerprojekte, den Bolzplatz und die Bildungsbrücke, nicht auslässt.

Den Kern bildet dabei ein Vergleich mit Kriterien, die eine Bürgerstiftung erfüllen muss, wenn sie ein allgemein anerkanntes Gütesiegel erhalten will.

Diese Gegenüberstellung fällt für den Blumenthaler Förderverein recht ernüchternd aus, sodass sich der Beitrag nicht unbedingt als Geschenk zum Geburtstag des Fördervereins am 23. August eignet. Man könnte ihn von seiner Funktion her vielleicht mit einem Spiegel vergleichen.

Als Ergebnis mit den Maßstäben für ein Gütesiegel muss man feststellen, dass die Organisations- und Arbeitsweise des Fördervereins nicht gerade ein Vorbild für eine außerhalb von Blumenthal als „gut“ angesehene Bürgerstiftung abgeben. Man bekäme vielmehr eine Bürgerstiftung á la Blumenthal, deren teilweise sehr unterhaltsamen Details man ebenfalls im Artikel finden kann.

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2 x Graffiti

#9 von Reinhard , 09.08.2014 17:15

2 x Graffiti

Manchmal kann das zufällige Zusammentreffen von ähnlichen Ereignissen wichtige Besonderheiten herausstellen. Das gilt gegenwärtig für zwei Graffiti-Projekte, die im Bremer Norden Fortschritte machen und zeigen, dass derartige Projekte nicht alle gleich sein müssen, auch wenn an deren Finanzierung Politiker derselben Partei an herausragender Stelle beteiligt sind.

Im einen Fall wird ein Bunker von Jugendlichen kreativ gestaltet, während im zweiten Fall Markus Genesius, eine „Graffiti-Koryphäe“ mit “überregionaler Ausstrahlungskraft“, die Fassade eines leerstehendes Wohngebäudes als „Street-Art-Projekt“ nutzt. Das geschieht im Rahmen einer Zwischenutzung der ZwischenZeitZentrale (ZZZ), sodass die Kunstrichtung hier einen für sie nicht untypischen Zeithorizont besitzt.



Vermutlich ist es nicht schwer, die beiden Kunstprojekte den Stadtteilen Vegesack und Blumenthal zuzuordnen, auch wenn man nicht unbedingt erwartet, dass Blumenthal durch ein Graffiti-Bild von Markus Genesius in Lüssum an überregionalem Image gewinnen kann.

Bei dem Vergleich sollte man jedoch nicht übersehen, dass nur die Reinigung der Bunkerfassade in Vegesack aus Global- und damit Steuermitteln bezahlt wird. An der Fassade in Lüssum beteiligt sich hingegen der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal mit 4.000 €, also etwa einem knappen Drittel seiner gesamten durchschnittlichen Förderausgaben.

In diesem Fall veranschaulicht das Graffiti-Bild sehr eindrucksvoll die Auslegung der Satzung des Fördervereins. Für den Vereinsvorsitzenden passt das Projekt „genau zur Satzung“, in der die Förderung von Jugendhilfe, Kunst, Kultur und die Förderung internationaler Gesinnung sowie der Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des
Völkerverständigungsgedankens vorgesehen sind.

Dieser Passus ist dort tatsächlich zu finden und öffnet damit den Blickwinkel weit über die Grenzen Blumenthals, das hier als Teil der Weltgesellschaft erscheint.

Das sind sicherlich hohe Ambitionen für einen lokalen Förderverein. Man kann allerdings die Satzung noch genauer lesen und dann feststellen, dass der vom Vorsitzenden zitierte Satz sich an einen ganz anderen mit erheblich mehr lokaler Bodenhaftung anschließt: "Anliegen des Vereins ist es, im Stadtteil Blumenthal die soziale, kulturelle und bildungspolitische Tätigkeit zu unterstützen und anzuregen. Wichtig sind dem Verein solche Maßnahmen, die unter Beachtung sozialer und demokratischer Grundwerte das freie Miteinander der Menschen im Stadtteil zum Ziel haben.“

Wenn man diesen zentralen Teil der Satzung liest, wird man vermutlich daran zweifeln, ob das ambitionierte Lüssumer Graffiti-Projekt mit angeblich überregionaler Ausstrahlungskraft in der weltweit aktiven Graffiti-Szene wirklich so gut zum Förderverein passt. Entspricht nicht möglicherweise ein Projekt wie das in Vegesack eher den erklärten Zielen des Fördervereins?

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Endlich Klarheit?

#10 von Reinhard , 12.08.2014 08:56

Endlich Klarheit?

Seit Ende letzten Jahres scheint vieles in Blumenthal nicht mehr ohne zu gehen. Beim Bolzplatz auf der Bahrsplate, bei der Bildungsbrücke, beim Quartierstreffpunkt des WiN-Gebietes „Altes Zentrum Blumenthal“, beim Sommerfest des DOKU, beim Graffiti-Bild auf der zwischengenutzten Fassade in Lüssum, ja, sogar bei einem Bobby Car Rennen im benachbarten Stadtteil Vegesack tauchen ein Förderverein Bürgerstiftung oder diese Bürgerstiftung selbst als Träger, Sponsor oder beides auf.

In der virtuellen Welt der Pseudonyme und Avatare findet man gleichzeitig Webseiten einer Bürgerstiftung Blumenthal (www.buergerstiftung-blumenthal.de), die auch über eine Facebook-Seite verfügt (www.facebook.com/burgerstiftung.blumenthal?fref=ts ). Auch berichtete die Presse mehrfach von einem designierten Vorsitzenden der Bürgerstiftung Blumenthal.

Wie in einem aktuellen Blogartikel nach einigen Recherchen festgestellt wurde, soll diese Stiftung jedoch real noch gar nicht gegründet worden sein. Zumindest liegt darüber keinerlei gesicherte Information vor. Die Bürgerstiftung wäre daher rechtlich gesehen nicht anders zu behandeln wie ein Avatar, also eine Internetfiktion, oder eine Märchengestalt wie ein Goldesel oder ein Tischlein-deck-dich.

In diesem Wirrwarr will jetzt die Linke durch eine entsprechende Anfrage im Beirat für Klarheit sorgen.

Erste Reaktion

Wie am Bolzplatz auf der Bahrsplate festzustellen ist, hat es inzwischen eine erste „Antwort“ auf die undurchsichtigen Verhältnisse gegeben. Dort findet die Staatsanwaltschaft jetzt, wenn sie der Anzeige wegen einer möglicherweise unerlaubten Videoüberwachung nachgeht, einen Hinweis auf den Förderverein. Vor einigen Tagen hätte sie hingegen auf dem Schild zur Videoüberwachung noch „Bürgerstiftung Blumenthal“ lesen können.

Was hätten die Staatsanwälte nur vermutet, wenn dort eine nicht existierende Organisation als Verantwortliche genannt gewesen wäre?

Hätten sie etwa an eine Absicht geglaubt, die dahinter stehen könnte und entsprechende Schlussfolgerungen gezogen?

Dieser Austausch der Bezeichnungen auf der Bahrplate ist damit ein erster Hinweis auf eine bisher nur virtuelle Existenz der Bürgerstiftung. Auf die Beantwortung der Fragen der Linken und die vollständige Klarheit in diesem Namenswirrwarr muss man hingegen noch bis frühestens zum 15. September, dem Tag der nächstens Beiratssitzung, warten.

Ein zweite ungeklärte Verbindung: Beirat und Förderverein

Aber auch dann ist nicht sicher, ob es eine inhaltliche Antwort geben wird; denn der Förderverein ist formal gesehen kein Teil der Öffentlichen Verwaltung und die Bürgerstiftung bisher vermutlich nur ein Avatar, über den man real nichts sagen kann, wenn man von einigen Absichtserklärungen absieht.

Werden sich daher Ortsamtsleiter und Beirat möglicherweise für nicht zuständig erklären?

Allerdings wäre das eine Rechtsposition, die deutlich von dem bisherigen engen Verhältnis zwischen Beirat und Förderverein abweicht. Ursprünglich wurden bekanntlich der Ortsamtsleiter samt Koordinierungsausschuss des Beirats zum Vorstand des Fördervereins „gemacht“ und noch Mitte Oktober 2013 wurde eine Spende an den „1. Vorsitzenden des Bürgerstiftung Blumenthal e. V“ in einer Beiratssitzung übergeben, wie es im Protokoll heißt, das der Ortsamtsleiter und Vorsitzende des Fördervereins unterschrieben hat.


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zuletzt bearbeitet 12.08.2014 | Top

Umsatz und Nutzen

#11 von Reinhard , 15.08.2014 09:09

Umsatz und Nutzen

Trotz der Kritik an der umstrittenen Videoüberwachung und den nicht völlig geklärten Eigentumsverhältnissen für den Bolzplatz auf der Bahrsplate ist der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal stolz auf das, was er in diesem Jahr bisher schon geleistet hat.

Das kann man sogar in handfesten Zahlen ausdrücken. Während noch nach einer Auskunft des Vereinsvorsitzenden auf einer Mitgliederversammlung mit Förderausgaben von ca. 14.000 € in diesem Jahr zu rechnen war, dürften es inzwischen bereits 140.000 € geworden sein.

Das ist eine phänomenale Steigerung, die nicht nur die alte Prognose völlig über den Haufen wirft, sondern Außenstehende sehr neugierig macht.

Wie konnte der Blumenthaler Förderverein diese Explosion an Förderausgaben erzielen, während andere Bürgerstiftungen über die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt klagen und sich bei ihren finanziellen Zuwendungen einschränken müssen?

Auch wenn der Förderverein weiterhin nur sporadisch einzelne Zahlen veröffentlicht, lassen sich durch eine kontinuierliche Beobachtung die Hintergründe zumindest in groben Umrissen erkennen.

Das ist in diesem Fall zudem gar nicht so besonders schwer, da die Ausgaben des Fördervereins von einer Einzelmaßnahme geprägt sind. Sein „Meisterstück“, der Bau des Bolzplatzes auf der Bahrsplate, der nach letzten Angaben mit allem Drum und Dran 112.000 € gekostet haben soll, steht für genau 80 % der Ausgaben.

An zweiter Stelle folgt die Bildungsbrücke, wobei es für deren finanzielle Ausgaben in diesem Jahr offenbar nur Schätzwerte gibt. Die dürften bei gut 20.000 € liegen.

Damit machen diese beiden Projekte allein über 95 % der gesamten Fördersumme aus.

In beiden Fällen ist der Förderverein nicht der Initiator, sondern der Träger der Maßnahme, obwohl in anderen Stadtteilen Bremens diese Aufgabe üblicherweise von Institutionen ausgeübt wird, die den Maßnahmen fachlich näher stehen.

Der Förderverein Bürgerstiftung hat also in diesem Jahr nicht vorrangig Spenden eingesammelt, sondern sich den vorhanden Sponsoren wie Werder Bremen, Nike und der Kindergeldstiftung als juristischer Träger zur Verfügung gestellt und anschließend bei der Bildungsbrücke die konkreten Aufgaben an spezielle Gremien delegiert.

Anders als die Satzung vorsieht, hat sich damit die Funktion des Fördervereins innerhalb kurzer Zeit deutlich geändert. Er kümmert sich nicht um die Gründung einer Bürgerstiftung, wie es zunächst noch 2012 beim Festival der Vereine angekündigt wurde, aber er motiviert auch nicht vorrangig Sponsoren und initiiert neue Projekte in Blumenthal. Vielmehr übernimmt er vor allem die Trägerfunktion für fremde Projekte. Er ist damit von seiner finanziellen Bilanz her gesehen zu einem Trägerverein geworden. Seine Leistung, sein Nutzen, lässt sich daher nicht nach seinen „Umsatzzahlen“ bewerten, denn schließlich wird auch niemand die Höhe der verteilten Globalmittel als Maßstab für eine erfolgreiche Beiratspolitik ansehen.

Eine Beurteiung des Wandels zum Trägerverein dürfte davon abhängen, wie man die Leistungen des Vereins in diesem Bereich einschätzt. Deshalb gilt es zu fragen, welche Leistungen er als Träger erbracht hat.

Im Fall der Bildungsbrücke dürfte es vor allem die freiwillige Mitarbeit der Ehefrau des Vereinsvorsitzenden sein. Den besonderen Nutzen beim Bolzplatzprojekt, für das ein Konzept von Werder Bremen besteht, muss man vor allem in den drei Entscheidungen suchen, die speziell für Blumenthal getroffen wurden. Es sind des:

- die Auswahl des Standortes, an dem es weder Strom noch Wasser gibt,

- die Auswahl des Bodenbelags, wobei die Wahl auf die teuerste Version fiel, und

- die Sicherung der Investition durch eine teure Videoanlage, für die allerdings offenbar nicht die gesetzlich vorgesehenen Regeln beachtet wurden.

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RE: Umsatz und Nutzen

#12 von fight4yrights , 16.08.2014 09:35

Vielleicht ergibt ja der heutige Artikel in der "Norddeutschen" Hinweise auf die Machenschaften von Stiftung und Verein.
LG



xxxxxxxxxxxxxxxx

(Der angesprochene Artikel lässt sich hier im Internet aufrufen.

(Der Adminstrator))


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zuletzt bearbeitet 16.08.2014 | Top

Bald Eintritt für den Bolzplatz?

#13 von Reinhard , 16.08.2014 21:47

Bald Eintritt für den Bolzplatz?

Blumenthaler Stiftungsexperten haben eine pfiffige Idee. Sie wollen den Bolzplatz auf der Bahrsplate in eine Bürgerstiftung einbringen, damit ein für Bürgerstiftungen notwendiger Vermögensstock erreicht wird. Das ist bekanntlich die Voraussetzung, an der bisher die bereits seit vier Jahren angekündigte Gründung einer Bürgerstiftung Blumenthal gescheitert sein soll.

Dabei geht es bei einer Stiftung jedoch prinzipiell weniger um die Höhe des Vermögens, sondern um die Erträge, die mit diesem Vermögen erzielt werden und die dadurch die Arbeit der Stiftung ermöglichen. Daher kümmern sich in Bürgerstiftungen in der Regel Anlageexperten um diese Aufgabe, die gegenwärtig stolz sind, wenn sie auf eine gut vermietete Geschäftsimmobilie zurückgreifen können und nicht nur auf Tages- oder Termingeldanlagen angewiesen sind.

Grundgedanke einer Stiftung ist es dabei, dass ein Vermögen, das ein Stifter hinterlässt, erhalten bleibt, also weder als Erbschaft versteuert werden muss noch durch einen jährlichen Verbrauch, der über die Erträge hinausgeht, an Substanz verliert.

Für diesen Zweck ist der Bolzplatz auf der Bahrsplate daher völlig ungeeignet. Auch wenn die Aufbauten Eigentum des Fördervereins sein sollten, bringt der Platz keine jährlichen Erträge. Vielmehr verursacht er Kosten für Versicherungen, Instandhaltung, anwaltliche Beratung und möglicherweise auch Gerichtskosten, wenn etwa der Verein seinem Vorsitzenden einen Schaden anlasten sollte, der durch eine fahrlässige Missachtung der Rechtslage bei der Installation einer Videoanlage entstanden sein könnte.

Auf jeden Fall dürfte daher der Ertragswert des Bolzplatzes im negativen Bereich liegen. Jede Stiftung wird daher ein solches „Geschenk“ ablehnen, es sei denn, man würde es in ein kostenpflichtiges Angebot umwandeln. Nur ist dann zu fragen, ob man die ursprünglichen Stifter bei Werder Bremen, Nike und der Sparda-Bank-Stiftung sowie das Land Bremen dafür gewinnen kann.

Da diese Regelung kaum realistisch ist, werden der Förderverein und die Initiatoren der Bürgerstiftung das nachholen müssen, was sie seit vier Jahren versäumt haben: die Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter und zahlreicher kleinerer Stifter, die mit ihrer Zeit und ihrem Geld nachhaltig etwas für Blumenthal tun wollen, wobei sie bei der Auswahl der Projekte auch mitbestimmen können. Es müsste eben eine Bürgerstiftung sein, die diesen Namen auch verdient.

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RE: Bald Eintritt für den Bolzplatz?

#14 von Lola2 , 17.08.2014 00:56

..Bürgerstiftungen sind eine seriöse Angelegenheit

und im "Hauruck-Verfahren" lassen sie sich nicht ins Leben rufen.

Was ist denn eigentlich aus den Segways geworden?
Ist die Polizei in Blumenthal glücklich mit den Geräten worden?
Wurden diese Geräte von dem "Stiftungskapital" angeschafft oder hatte man schon solch hohe Erträge erwirtschaftet, weil das Grundkapital gewinnbringend auf dem Kapitalmarkt angelegt wurde?

Man braucht schon Kenntnisse für die Gründung einer Stiftung und vor allem Gespür und Wissen, dass das Kapital nicht in risikoreiche Anlagen investiert wird.

Alles in allem keine leichte Aufgabe, vor allem der Kapitalmarkt nicht....https://www.google.de/?gfe_rd=cr&ei=2d_v...+oder+baumstamm

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Förderverein oder Stiftung – wirklich „völlig unerheblich“?

#15 von Reinhard , 19.08.2014 17:30

Förderverein oder Stiftung – wirklich „völlig unerheblich“?

Als 2012 bei einem „Festival der Vereine“ die Überlegungen zur Bürgerstiftung erstmals der Blumenthaler Öffentlichkeit im Freibad vorgestellt wurden, betonten die Redner noch die Unterschiede zwischen einer Bürgerstiftung und einem Förderverein Bürgerstiftung. Und die scheint es zu geben, wenn man einmal über das Internet die Beliebtheit der beiden Konzepte ermittelt.

Dort stößt man auf 259 Bürgerstiftungen, die das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen tragen, aber nur eine Handvoll Orte mit einem Förderverein so in Kelkheim, Neu-Ulm, Villingen-Schwenningen und eben in Blumenthal. Dabei bestehen beide Organisationen außerhalb von Blumenthal parallel, sodass sogar von Konflikten berichtet wird.

Falls sich die Mehrheit nicht völlig irrt, bietet nach diesen Zahlen eine Bürgerstiftung durchaus Vorteile gegenüber einem Förderverein.

Das lässt sich auch problemlos nachweisen, weil eine Stiftung alle Möglichkeiten besitzt wie ein Förderverein, was jedoch nicht umgekehrt gilt. So kann sich auch eine Bürgerstiftung um ehrenamtliche Mitarbeiter und Spenden bemühen. Viele Bürgerstiftungen im Bremer Umland sind dafür überzeugende Beispiele.

Der Vorteil einer Stiftung liegt neben der Möglichkeit, die eigenen Arbeit durch ein Gütesiegel prüfen und würdigen zu lassen, in den steuerlichen Möglichkeiten von Stiftungen. Hier sind Spenden steuerlich absetzbar und für Erbschaften zugunsten einer Stiftung wird keine Erbschaftssteuer erhoben. Für nicht ganz Arme, die keine Angehörige haben, denen sie ihr Erbe anvertrauen wollen, sind daher Bürgerstiftungen ein attraktives Angebot, wenn sie auch nach ihrem Tod über lange Zeit etwas Gutes für ihre Stadt bzw. ihren Stadtteil tun wollen Das setzt dann allerdings voraus, dass sie viel Vertrauen in die Bürgerstiftung haben, wozu das Gütesiegel beitragen kann.

Das sind die steuerrechtlichen Unterschiede. Daneben gibt es noch einen organisatorische. Wie man auf der Webseite der nicht real existierenden Bürgerstiftung lesen kann, haben Stiftungen keine Mitglieder. Mit anderen Worten lassen sie sich nicht wie der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal regieren, da das Stimmrecht an eine Stiftung gebunden ist. Deren Mindesthöhe, die meist bei ca. 1000 € liegt, wird in der Satzung festgelegt. Bei den Entscheidungen hat dann jeder Stifter unabhängig von der Höhe seiner Stiftung eine Stimme.

Wie man rasch erkennen kann, würde diese Regelung zu einer Änderung der Blumenthaler Situation führen.

In einer Stiftung, die sich um das Gütesiegel bewerben und den gesetzlichen Vorgaben genügen will, hätte GDF Suez mit seiner bisher zugesicherten Stiftung in Höhe von 25.000 € eine Stimme in einer Stiftungsvollversammlung. Das dürfte in der Regel nicht zu einem Vetorecht bei der Förderausgaben führen wie das jetzt gegenüber dem Förderverein der Fall ist. Ein Vorschlag von GDF Suez wäre also nicht praktisch gleich Gesetz für eine Stiftung, während das beim Förderverein bereits mehrfach der Fall war.

Auch wäre keineswegs gewährleistet, dass die Stifter auf ihre Mitwirkungsrechte verzichten und alle Entscheidungen einem Ortsamtsleiter und einigen Beiratspolitikern überlassen. Wer einige tausend Euro stiftet, dürfte sich auch darum kümmern wollen, was mit seinem Geld geschieht.

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Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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