Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Spicarium in Vegesack

#1 von Klueverbaum , 24.03.2013 23:55

Das Spicarium im alten Hafenspeicher wurde am 19. März 2011 in Vegesack am Hafen eröffnet. Im Erdgeschoß befindet sich eine Ausstellung mit den Themen Geschichte Hafen Vegesack, Handel, Heringsfischerei, Weserkorrektur zwischen Bremen und Bremerhaven und Lange-Werft und das Leben in Vegesack um 1848. Es gibt zahlreiche Exponate, das Ganze ist medientechnisch sehr gut ausgestattet und aufgebaut.

So laufen z. B. in alten Fässern Filme u.a. zur Heringsfischerei, zum Walfang und zur Steuerradfabrik, ein großer Wandbildschirm zeigt den Weserverlauf zwischen Bremen und Bremerhaven, dort können einzelne Häfen gezielt angesteuert werden und man bekommt eine Fülle von Informationen und Bildern zum jeweiligen Ziel. In einer alten Seefahrerkiste kann man sich die Historie ansehen, vieles ist interaktiv, die Besucher müssen selber aktiv werden, Bildschirme berühren, Startknöpfe drücken, sie müssen ermuntert werden, ihre Hände mal in dunkle Löcher zu stecken und Waren zu ertasten, Gewürze am Duft zu erkennen etc. Weiterhin stehen Fässer mit Geschichten zum Leben im alten Vegesack bereit, dort nimmt man Hörer und startet auf einen Knopfdruck die Erzählung. Altes Handwerkszeug der Werften kann angefasst werden, ebenso die Materialien, aus denen früher und heute Schiffe gebaut wurden. In einem Wasserbecken kann ausprobiert werden, welche Materialien mehr oder weniger gut schwimmen.

Diverse Kinderstationen sind in die Ausstellung integriert, so dass Kinder mit Hilfe eines sogenannten Logbuchs einen Parcours ablaufen können mit kleinen Aufgaben. Die gesamte Ausstellung ist barrierefrei, zum Obergeschoß fährt ein Fahrstuhl, selbstverständlich sind auch Behindertentoilette und Wickeltisch vorhanden, so dass auch einem längeren Aufenthalt mit Kleinkindern nichts im Wege steht.

Im Obergeschoß ist das Thema marine Bionik, dort gibt es Stationen zum Antrieb von Schiffen wie der Flettner-Rotor oder die Auswirkungen verschiedenen Schiffspropeller oder auch von Solarantrieb auf die Geschwindigkeit, es wird gezeigt wie sich Erkenntnisse aus dem Tierreich auf den Bau, Antrieb und die Außenhaut von Schiffen anwenden lassen. Es gibt diverse Schiffsmodelle von den benachbarten Werften, von denen man in ausziehbaren Schubladen dann Baupläne, Inneneinrichtungen und auch Materialien derselben finden kann. Kinder (und Erwachsene) können an einem Terminal Flaschenpost finden oder selber verschicken, der Bildschirm mit der Marinetraffic-Seite zeigt den Schiffsverkehr vor dem Haus auf der Weser an oder auch den aktuellen Standort der bei Lürssen oder A&R gebauten Luxusyachten. Auf Glasbildschirmen sind viele Informationen abrufbar.

Das Spicarium wurde ursprünglich als selbsterklärende Ausstellung konzipiert. Es sollte - theoretisch - von nur einer Person bedient werden können inklusive Kartenverkauf und Aufsicht, über Bildschirme kann man die Ausstellung überwachen. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es doch sehr erklärungsintensiv ist. Gerade ältere Besucher würden nie auf die Idee kommen, Schubladen aufzuziehen, an Kurbeln zu drehen oder überhaupt irgend etwas anzufassen. Dies galt in der Erziehung früher als no go, ein Kind, was an fremde Schränke ging, war schlecht erzogen. Daher würde es ohne Erklärungen passieren, dass Besucher mal eben durchlaufen, sich Tafeln durchlesen und Exponate ansehen und dann wieder rausgehen, ohne auch nur die Hälfte des Angebotes wahrgenommen zu haben. Das hat die Ausstellungsleitung erkannt und arbeitet nun mit mehr Personal als eigentlich geplant, wenn auch immer noch nicht genug.

Das Spicarium schreibt derzeit rote Zahlen, was aber durchaus normal ist. Auch bei einem Wirtschaftsbetrieb geht man davon aus, dass frühestens nach drei Jahren schwarze Zahlen zu erwarten sind. Dadurch, dass sich der tatsächliche Betrieb doch stark von der wirtschaftlichen Planung entfernt hat (die veranschlagten Besucherzahlen können nicht im entferntesten erreicht werden, es ist wesentlich mehr Personal erforderlich als geplant), wird die Phase beim Spicarium nun natürlich länger dauern, wobei zu berücksichtigen ist, dass Museen und Ausstellungen keine Wirtschaftsbetriebe sind und sich nur in den seltensten Fällen komplett selber tragen können.

Vom Konzept her passt das Spicarium sehr gut nach Vegesack und in die Maritime Meile. Es gibt in Bremen-Nord kein vergleichbares kulturelles Angebot. Die Heimatmuseen im Schloß Schönebeck und Haus Blomendal werden ehrenamtlich betrieben, sind nur selten geöffnet und haben teilweise andere Schwerpunkte und andere Ausstellungsobjekte.

Das Spicarium ist an sechs Tagen in der Woche von 10 – 17 Uhr geöffnet, dazu kommen noch Abendöffnungen, wenn Veranstaltungen stattfinden. Im Spicarium kann man außerhalb der Öffnungszeiten auch private Feiern etc. durchführen, aber selbstverständlich muß dann auch Personal des Spicariums dabei sein. Dieser Betrieb wird derzeit mit drei hauptamtlichen Kräften sowie mehreren Aushilfen aufrecht erhalten. Man kann sich leicht vorstellen, wenn ein oder sogar zwei Kräfte durch eine Führung gebunden sind, dass dann die letzte Kraft nur noch die Kasse bedienen kann und es gerade in Urlaubszeiten oder im Krankheitsfall zu großen Engpässen kommen kann sowie die Aufsichtsmöglichkeit nicht mehr in allen Bereichen gegeben ist.
Ansicht von Senator Güthner zu Bremen-Nord und auch zum Spicarium


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RE: Spicarium in Vegesack

#2 von Klueverbaum , 25.03.2013 00:13

So ganz verstehe ich die Verwaltung des Spicariums nicht. Es ist im Besitz der "Besitzgesellschaft Science-Center", die zum Wirtschaftsressort gehört. Der Träger ist aber das Kulturbüro Bremen-Nord. Dieses Kulturbüro will nun nicht mehr Träger sein, der Besitzer bleibt aber.

Wozu braucht ein Besitzer noch einen Trägerverein??? Reicht da nicht ein GEschäftsführer? Der Zeitung war am Wochenende zu entnehmen, daß sich im Hintergrund zwecks Ablösung des Trägervereins nun ein Kreis von Bürgern gebildet hat, der durch Bildung eines neuen Trägervereins das Spicarium übernehmen will. Finanziell engagieren will er sich aber nicht.

Das Geld fürs Spicarium soll also weiterhin von der Stadt kommen, der zukünftige Kreis will aber bestimmen was dort gemacht wird? Nur ein Förderverein, der Spenden einsammelt, will diese Gruppe nicht sein.
Trägervereine scheinen ja inzwischen die Norm zu sein, es gibt sie fürs Freibad, fürs Kito, fürs Bürgerhaus, fürs Schulschiff, für Privatschulen - irgendwie kann wohl niemand mehr ohne auskommen.


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RE: Spicarium in Vegesack

#3 von Klueverbaum , 27.03.2013 11:01

"Wir lassen das Spicarium über die Klinge springen" oder wie sonst sind die Aussagen der Vertreterin des Wirtschaftssenators zu verstehen?

Seit wann arbeiten Museen und dergleichen kostendeckend? Wie ist das mit Übersee-Museum, Focke-Museum, Kunsthalle, Universum, Klimahaus, Auswanderermuseum etc., wieviel Zuschüsse bekommen die? Aber die einzige vergleichbare Ausstellung in Bremen-Nord soll sich selber tragen?

Fragen über Fragen, aber vermutlich liegt es am STandort - Bremen-Nord wird von Bremen nicht wirklich gewollt.

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RE: Spicarium in Vegesack

#4 von Lola , 27.03.2013 14:38

http://www.spicarium-bremen.de/espresso/

Zitat
650 Jahre Hanse in Bremen

Das SPICARIUM zeigt eine Sonderausstellung des Vereins
„Hansekogge Roland von Bremen e.V.“

Am Freitag, den 15. Februar 2013 wird die Sonderausstellung um 11 Uhr im SPICARIUM eröffnet und ist dort bis zum 17. April 2013 zu sehen.
Zitat Ende

Wäre vielleicht ein Erlebnis in den Osterferien das SPIRARIUM zu besuchen :-)

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Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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