Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Ausweitung des betroffenen Wohngebietes

#1 von Reinhard , 22.03.2013 12:16

Für die vielfach kritisierte „Vertuschungsstrategie“ bzw. restriktive Informationspolitik der Umweltbehörde scheint es einen realen Hintergrund zu geben, wie ein Brief der Umweltbehörde zu bestätigen scheint, der demnächst bei Anwohnern des Tanklagers verteilt werden soll. Darin heißt es:

"Die im Jahr 2011 durchgeführten Grundwasseruntersuchungen haben ergeben, dass das Grundwasser im Bereich des Verladebahnhofs I durch Mineralöl-Kohlenwasserstoffe insbesondere BTEX (leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe) verunreinigt ist. Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse war nicht auszuschließen, dass die Grundwasserkontamination mit dem südwestlich ausgerichteten Grundwasserabstrom sich auch in Bereiche außerhalb der Liegenschaft ausdehnt. Darauf hin wurden weitergehende eingrenzende Untersuchungen in 2012 veranlasst.

Dabei hat sich herausgestellt, dass sich die Fahne bis an die Bahn und wahrscheinlich auch darüber hinaus ausdehnt sowie Bereiche an den Straßen „Am Depot“ und „Am Schützenplatz“ betroffen sein können. Daher informiere ich Sie heute über die Verunreinigung.

In diesem Bereich werden weitergehende Untersuchungen zur Eingrenzung und Überwachung der Schadstofffahne sowie zur Beurteilung der Sanierungsmöglichkeiten veranlasst.
Falls sich aufgrund weitergehender Untersuchungen ein veränderter Informationsbereich oder Änderungen dieser Empfehlungen ergeben sollten, werde ich Sie darüber informieren.“


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Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#2 von Reinhard , 22.03.2013 18:03

Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

Am 5. Februar hat die Umweltbehörde in ihrer Antwort auf einen Bürgerantrag vom 12.12. geschrieben:

„Die regelmäßig durchzuführenden Untersuchungen in der Grundwasserabstromfahne finden in einem halbjährlichen Rhythmus statt. Die bis jetzt vorliegenden Erkenntnisse geben keinen Anlass zu vermuten, dass sich die Schadstofffahne noch wesentlich weiter ausdehnt, da sie sich in einem Gleichgewicht befindet. Umsomehr da seit 2010 die Sanierung am Verladebahnhof II zu einer Reduzierung der Quelle beiträgt. Insofern erscheint es wenig sinnvoll, die aktuelle Schadenslage monatlich darzustellen.“

Jetzt schreibt derselbe Mitarbeiter in einem Brief vom 21. März 2013 an die Anwohner der Straßen „Am Depot“, „Witteborg“, „Betonstraße“ und „Am Schützenplatz“:

„Im Jahr 2012 habe ich Grundwasseruntersuchungen im Bereich des Tanklagers Farge -Verladebahnhof I- durchführen lassen. Diese Untersuchungen haben ergeben, dass das Grundwasser auch in Teilbereichen der oben genannten Straßen durch Mineralöl-Kohlenwasserstoffe insbesondere durch BTEX (leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe) und untergeordnet durch MTBE (Methyltertiär-Butylether) verunreinigt ist.

Die offenen Fragen, die sich hier aufdrängen, aber in dem Brief nicht beantwortet werden, lauten: Hat die Umweltbehörde im Februar ihre letzte Fehleinschätzung abgegeben oder folgen noch weitere?

Und: Sind die Sanierungsmaßnahmen überhaupt effektiv, wenn die erwartete positive Wirkung nicht eintritt, sondern vielmehr eine Ausbreitung der Schadstofffahne erfolgte?

Und: Weiß die Umweltbehörde überhaupt, von wo die Kontaminierungen ausgehen, wenn jetzt der Verladebahnhof I zu einer Ausbreitung der Schadstofffahne geführt haben soll?

Und: Hätte man die Sanierungsmaßnahmen nicht auch verstärkt am Verladebahnhof I durchführen müssen, um die Belastung der Bewohner in vier weiteren Straßen zu verhindern?


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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#3 von Herr K. aus F. ( Gast ) , 23.03.2013 09:35

Mafia ähnliche Strategien der Vertuschung, Verharmlosung und Desinformation aller Bremer Verantwortlichen am Umwelt-Skandal Tanklager Farge.

Seit Jahren ist den Behörden bekannt, das sich die Schadstoffe auch in Richtung Kraftwerk Farge ausdehnen.
Das Kraftwerk Farge förderte seit über 80 Jahren Trinkwasser aus eigenen Brunnen. Dieses Trinwasser diente der innerbetrieblichen Versorgung, als auch der Trinkwasser-Versorgung der Werkswohnungen und einiger Privathaushalte im Bereich Verflehter Weg und Farger Strasse.
Vor einigen Jahren wurden die Brunnen wegen einer Schadstoffbelastung aufgegeben und die Versorgung erfolgt heute über das städtische Trinkwassernetz.
Diese Schadstoffbelastung im Bereich Farge-West muss auch bis zum Umweltsenator vorgedrungen sein, weil ein Zusammenhang mit dem Tanklager Farge anzunehmen ist.
Die Bürger erkennen eine Mafia ähnliche Strategie der Vertuschung, Verharmlosung und Desinformation aller Bremer Verantwortlichen am Umwelt-Skandal Tanklager Farge.
Im gleichen Zusammenhang ist eine Initiative von Jutta Riegert ( SPD ) interessant.
Jutta Riegert und Anwohner der Strasse „Am Depot“ haben festgestellt, das der Wasserstand des Löschteiches stetig und bedrohlich sinke und eine Öffentlichkeit hergestellt, die auch eine Informatinsveranstaltung vor Ort beinhaltete, an der Mitglieder des Beirates und OAL Nowack anwesend waren.
Nach anfänglichen Medienberichten versank das Thema, warscheinlich „gelenkt“ im Sande des o.g. Löschteiches, es war für die Bremer Behörde und für die Politik ein unangenehmes und unerwünschtes Thema?
Die Bürger in Farge glauben, das der sinkende Wasserstand im Grundwasser gespeisten Löschteich seinen Grund hat, die Bürger vermuten, das belastetes Grundwasser im Tanklager Farge abgesenkt und über die vorhandene Pipeline in die Weser gepumpt wird.

Herr K. aus F.

RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#4 von Lola , 28.03.2013 08:30

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,533374.html

Zum Tanklager-Farge gab es in der heutigen Ausgabe im Hauptteil vom Weser Kurier eine

"Neue Wasserwarnung"
sowie im Teil "Die Norddeutsche". Es sind wieder zusätzliche Straßen aufgeführt, die zum kontaminierten Gebiet zählen in denen man unter anderem Benzol im Grundwasser gefunden hat.

Die Verseuchung des Grundwassers, ausgehend vom Tanklager Farge, ist nicht nur ein Problem der Region in Bremen-Nord, sondern es bestrifft ganz Bremen.

Bremen bekommt 20% des Trinkwassers aus den Brunnen von Blumenthal .......!!!!

Jeder Bürger sollte sich Hintergrundinformationen über die Zukunft des Tanklagers beschaffen. Das Internet ist voll von Protesten der Bürger in Farge und Rönnebeck.

Die Bürgerinitiative kann man durch eine Mitgliedschaft unterstützen und die Kontaktdaten findet man hier Gründung und Kontakt

..etwas Lektüre über Benzol, Kerosin Nato-Treibstoff F34/JP-8 ..
Kerosin: JETAI, F34 und F44

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#5 von Lola , 02.04.2013 08:20

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,536709.html
Zitat
In den betroffenen Straße rings um das Tanklager nehmen die Sorgen der Anwohner ständig zu / Bürger erheben Vorwürfe - 02.04.2013
Angst vor dem Grundwasser
Von Christina Denker

Farge·Rönnebeck. Die "grüne Insel", so hat Jutta Riegert ihr Zuhause immer genannt, ist zur Bedrohung geworden. Das Grundstück der Familie ist das letzte in der Straße Am Depot an der Grenze zur Farger Heide. Auch in diesem Bereich soll jetzt nach der jüngsten Empfehlung des Umweltsenators auf die Nutzung von Grundwasser verzichtet werden. Folge der Verseuchung, die vom Tanklager ausgeht.
Zitat Ende

https://tweetintermezzo.wordpress.com/20...in-bremen-nord/
-unter Überschrift:Bekannte Altlasten in Bremen-Nord:

folgt eine Auflistung der damals in 2006 offensichtlich bekannten Altlasten in Bremen-Nord.
Die Claus-von-Lübken-Straße ist auch mit aufgeführt.
Sollte ein Gewerbebetrieb das Grundstück kaufen, hat e s dann die Pappnase auf und muss auf eigene kosten diese Altlasten entsorgen? Birgt es noch mehr Gefahren für das Grundwasser und somit für die Menschen?

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#6 von Lola , 02.04.2013 09:31

http://www.umwelt.bremen.de/sixcms/media...zoom=auto,0,365

Hier ist nochmal etwas vom Umweltamt Bremen: Thema Altlasten

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#7 von Reinhard , 02.04.2013 15:33

Die Senatoren kommen und gehen, aber die Umweltbelastungen und die zuständigen Beamten bleiben. Herr Ronald-Mike Neumeyer (CDU), der u.a. mit Frau Heinken und den Herren Leferink und Wessel für diese Broschüre über „Altlastenbedingte Grundwasserverunreinigungen im Land Bremen“ verantwortlich zeichnet, war vom 22. Februar 2006 bis zum 28. Juni 2007 Umweltsenator.

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#8 von Reinhard , 02.04.2013 16:43

In dieser Broschüre wird u.a. ein Hinweis auf das Bremische Gesetz zum Schutz des Bodens (BremBodSchG) gegeben, durch das vor allem die Arbeit der Senators für Umwelt, Bau und Verkehr als oberste Bodenschutz- und Altlastenbehörde geregelt ist.

Beim Lesen dieses Gesetzes kann man sogar einige Überraschungen erleben, wenn man das bisherige sehr zurückhaltende Informationsverhalten der Umweltbehörde im Falle des Tanklagers Farge betrachtet.

Danach sind die meisten von den Anwohnern vorgebrachten Wünsche über weitere Daten zur Kontaminationssituation und zu den geplanten Maßnahmen Teil des Bodeninformationssystems, das entsprechend § 10 von der Umweltbehörde aufgebaut und laufend fortgeschrieben wird.

Erfasst werden danach folgende Merkmale:

1. Standortangaben, insbesondere Kennzeichnung, Lage, Größe, Geländezustand, Geologie, Gewässersituation und Umfeld,

2. Nutzungs- und Eigentumsangaben, insbesondere Namen von ehemaligen und gegenwärtigen Nutzungsberechtigten und Eigentümern, Anschriften, Zeiträume, Nutzungsarten,

3. bei Altablagerungen: Ablagerungsverhältnisse, insbesondere Aufbau, Volumen, Abfallarten,

4. bei Altstandorten: Produktionsgeschichte, insbesondere Verfahren, Stoffe, Produkte und Anlagen,

5. Gefährdungsabschätzung, insbesondere Festlegung der Handlungspriorität und Untersuchungen,

6. geplante Maßnahmen, insbesondere zur Dekontamination, Sicherung oder Überwachung,

7. ausgeführte Maßnahmen, insbesondere deren Sanierungserfolg oder Überwachungsergebnisse sowie verbliebene Rest-Kontaminationen und Nutzungsbeschränkungen,

8. sonstige für die Ermittlung und Abwehr von Gefahren und die Festlegung der Ordnungspflichtigen bedeutsame Sachverhalte und Rechtsverhältnisse.“

Auch wenn dieses Gesetz nicht gerade neue Wege bei der Information der Öffentlichkeit geht, sieht es unter § 12 „Information der betroffenen Öffentlichkeit“ vor, dass falls die „zu informierenden Betroffenen nicht in vollem Umfang bekannt“ sind, die Unterlagen „einen Monat zur Einsichtnahme auszulegen“ sind.

Eine fehlerhafte Berichterstattung wird nach diesem Bremischen Gesetz sanktioniert; denn wer „Auskünfte nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erteilt oder Unterlagen nicht vorlegt,“ hat bis zu 10.000 € für diese Ordnungswidrigkeit zu zahlen.

Oder sollte diese Vorschrift etwa nur für Bürger gelten, die der Behörde Informationen in Form eines Konvoluts ungeordneter Akten anbieten, wie es die Gewerbeaufsicht bei der Betriebsgenehmigung des Tanklagers gegenüber den Bürgern versucht?

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#9 von Lola , 03.04.2013 09:08

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,537678.html

Zitat
Grundwasser-Debatte in Farge - 03.04.2013
Anwohner fordern Transparenz
Von Christina Denker
Zitat Ende

Die Forderung der Anwohner nach Transparenz, zieht sich wie ein roter Faden durch die Grundwasser-Debatte, nachdem dieses Umweltdesaster bekannt geworden ist.

Von den Verantwortlichen traut sich nicht einmal jemand die Bevölkerung über die Zukunft des Tanklagers zu informieren.
Wird es weiterhin als Tanklager genutzt?
Wer ist der Betreiber?
Oder findet eine Änderung des Betreibers nur innerhalb eines Konglomerats statt?

Haben sich inzwischen Rechtsanwälte aus dem Umweltamt mit der Betriebsgenehmigung befasst, ob der Betreiber tatsächlich einen Rechtsanspruch auf eine Beriebsgenehmigung hat?

http://www.ortsamt-blumenthal.bremen.de/...Trinkwasser.pdf
Das Ortsamt Blumenthal hat zwei Leserbriefe aus dem BLV v.5.11.2012 auf ihrer Seite zum Thema eingestellt::

" Kein Recht auf sauberes Grundwasser "

Die Politik kann sicher mehr Moral als Juristerei gebrauchen, wenn es um die Gesundheit der Bevölkerung geht.

Die Bürger sind zwar gutmütig, aber ganz sicher nicht dumm!

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#10 von Lola , 03.04.2013 15:01

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,537675.html

..in dem Artikel aus o.a.Link wird erwähnt
Zitat
" So solle das Kraftwerk Farge seit 2003 kein Grundwasser aus Oberflächennähe mehr nutzen, weil dort Kontaminierungen nachgewiesen worden seien. Verantwortlich wird der Bereich des Verladebahnhofs 1 gemacht, der mittlerweile stillgelegt wurde. "Bis heute wussten die Leute nichts von ihrem Unglück. Dabei ist der Schaden schon viel länger bekannt"
Zitat Ende

Diese Information deckt sich mit dem Beitrag aus Posting Nr.3 von Herrn K.ausF. aus diesem Thread

Zitat
Seit Jahren ist den Behörden bekannt, das sich die Schadstoffe auch in Richtung Kraftwerk Farge ausdehnen.
Das Kraftwerk Farge förderte seit über 80 Jahren Trinkwasser aus eigenen Brunnen. Dieses Trinwasser diente der innerbetrieblichen Versorgung, als auch der Trinkwasser-Versorgung der Werkswohnungen und einiger Privathaushalte im Bereich Verflehter Weg und Farger Strasse.
Vor einigen Jahren wurden die Brunnen wegen einer Schadstoffbelastung aufgegeben und die Versorgung erfolgt heute über das städtische Trinkwassernetz.
Diese Schadstoffbelastung im Bereich Farge-West muss auch bis zum Umweltsenator vorgedrungen sein, weil ein Zusammenhang mit dem Tanklager Farge anzunehmen ist.
Zitat Ende

Hier stellt sich die Frage, wer hat die Prüfung des Brunnens vom Kraftwerk Farge veranlasst, sodass das Kraftwerk auf das Wasser des hauseigenen Brunnens verzichtet hat und Abnehmer über das städtische Trinkwassernetz wurde. Herr K.ausF. schreibt auch, dass den Behörden seit Jahren bekannt ist, das sich die Schadstoffe in Richtung Kraftwerk Farge ausdehnen.

In welchen Zeitabständen wurde das Brunnenwasser vom Kraftwerk untersucht?
Welche Schadstoffe hat man dort gefunden oder nach welchen Schadstoffen hat man gesucht?
Wußte man nach welchen Schadstoffen gesucht werden mußte?

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#11 von Lola , 05.04.2013 18:24

zu meinem Post Nr. 5 - in diesem Thread:

..habe heute mit einem Nachbarn gesprochen und der hat sich erinnert, dass es in der Claus-von-Lübken-Straße eine Mülldeponie gegeben hat und man hat dort sogar ganz offiziell Sperrmüll angenommen. Es handelt sich um das Areal, das derzeit zum Verkauf angeboten wird.

Das nur nochmal als Ergänzung zu den bisherigen Zeitzeugen.

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#12 von Reinhard , 06.04.2013 15:05

Zeitlich parallel zum 3. Anwohnertreffen der Tanklager-Bürgerinitiative wird sich der Blumenthaler Beirat mit einem Dringlichkeitsantrag der CDU beschäftigen. Darin wird eine Sondersitzung des Ausschusses "Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Umwelt" im Mai 2013 gefordert, in der der Umweltsenator u.a. über die neuen Messergebnisse und Sanierungspläne zum Tanklager Farge und weitere kontaminierte Flächen in Blumenthal informieren soll.

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RE: Ist Vertrauen naiv und Misstrauen angebrachter?

#13 von Lola , 07.04.2013 08:09

http://www.weser-kurier.de/bremen/vermis...rid,540839.html

Zitat
Jutta Riegert und ihre Nachbarn sind skeptisch: "Wenn ich unser Haus noch verkauft kriegen würde, würde ich heute noch meine Koffer packen."
Zitat Ende

...sagt dieser Satz nicht eigentlich alles über die Situation in dem Gebiet mit dem verseuchten Grundwasser und Erdreich aus?

...wie war das doch noch? ... Immobilien als Altersabsicherung! .... Wirklich?

Es heißt in dem Artikel aus o.a. Link, zur Veröffentlichung der Ergebnisse aus den Gutachten ,

" Der Bund dem das Gelände gehört, untersagt ihr (der Behörde) die Veröffentlichung, denn das Lager soll zeitnah verkauft werden".

Weiter heißt es, ....."wir sind angeraten, den Bürgern die Daten nicht zur Verfügung zu stellen".....



http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/!...EkeLdt-QDDPuoC/

Zitat
Auftrag der Bundeswehr
Die Bundeswehr schützt Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger,
Zitat Ende

...Wirklich?.....

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Auch ein stillgelegtes Tanklager kontaminiert noch

#14 von Reinhard , 16.06.2013 11:51

Auch ein stillgelegtes Tanklager kontaminiert noch

In einem Anschreiben, das bereits das Datum vom 11. Juni trägt, aber bisher weder vom Blumenthaler Ortsamt veröffentlicht noch den betroffenen Anwohnern zugestellt wurde, warnt die Umweltbehörde erneut Anwohner vor der Verwendung des Grundwassers in der Nähe des Tanklagers Farge. Das ist bereits die zweite Warnung dieser Art in diesem Jahr, sodass die Sorgen der Anwohner weiter wachsen dürften.

In diesem Fall handelt es sich praktisch um die Wiederholung alter Warnungen, allerdings mit einer ungewohnten Präzisierung; denn jetzt werden die Anwohner Straßenzüge Am Rottpohl 9 – 19, Neurönnebecker Str. 6 - 14 und 11 - 23 sowie Samlandstraße 24 konkret angesprochen.

Auslöser dieser erstaunlichen exakten Abgrenzung ist eine „2011 neu erstellte Grundwassermessstelle in der Straße Am Rottpohl“, wo jetzt anscheinend „eine erhöhte Belastung mit MTBE festgestellt“ wurde.

Wie es bei den „Informationen“ der Umweltbehörde die Regel ist, fehlen auch jetzt wieder konkrete Messdaten, zumal auch die von der Bürgerschaft geforderten Unterlagen zu den Kontaminationen immer noch nicht ins Netz gestellt worden sind.

So lassen sich auch keine Antworten zu den offenen Frage geben, die diese Mitteilung aufwirft:

1. Wie kommt es, dass sich die MTBE-Belastung an der Grundwassermessstelle Am Rottpohl seit 2011 anscheinend deutlich erhöht hat?

2. Wieso hatten die angeblich erfolgreichen Sanierungsmaßnahmen im Bereich des Verladebahnhofs II, die bereits seit 2010 erfolgen, keine Auswirkungen auf die Belastung im angegeben Gebiet?

3. Warum bauen sich die Kontaminationen nicht auf natürliche Weise langsam ab, sondern verstärken sich noch teilweise, obwohl die Ursachen angeblich bereits Jahrzehnte zurückliegen sollen?

Bei diesen offenen Fragen und der spartanischen Informationspolitik der Umweltbehörde, die praktisch nur aus Warnhinweisen besteht, kann man nur hoffen, dass die Staatsanwaltschaft mehr Licht in dieses undurchsichtige Geflecht von nicht wahrgenommenen Verantwortlichkeiten beim Eigentümer, bei den Betreibern und bei den Bremer Kontrollbehörden bringt.


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zuletzt bearbeitet 17.06.2013 | Top

Das MTBE-Mysterium

#15 von Reinhard , 19.06.2013 13:42

Das MTBE-Mysterium

Bekanntlich hat der Nachweis von MTBE zu der aktuellen Diskussion um das Tanklager geführt, da die Panorama-Redaktion mit diesem Befund die von der Umweltbehörde geliebte Mär von einer einmaligen Grundwasserbelastung im Zuge von lange zurückliegenden Kriegsereignissen aufgeben musste.

Da MTBE in Deutschland erst seit der Einführung von bleifreiem Benzin Mitte der 1980er Jahre dem Kraftstoff beigefügt wird, grenzte der Umweltsenator noch in der Deputationssitzung vom 6.12.2012 die Kontamination auf den Zeitraum zwischen 1984 und 1987 ein, denn nach der Aussage des Referatsleiters Bodenschutz der Umweltbehörde erfolgte ab diesem Zeitpunkt „in Farge kein Umschlag von Kraftstoffen mehr“, „weil eine dann erforderliche Gaspendelanlage nicht vorhanden sei.“ Daher erklärte damals der Senator, weil die Anlagen überwacht werden sei es sicher, „dass es sich um Schäden aus der Vergangenheit handele, zum einen aus den Kriegs- oder Nachkriegsjahren und zum Anderen aus der Zeit zwischen 1984 und 1987. Neue Leckagen seien nicht festgestellt worden.“

Auf ihrer neuen Webseite scheint die Umweltbehörde diese Terminierung noch weiter in die Vergangenheit rücken zu wollen, wenn es heißt: „Es gibt allerdings Hinweise, dass MTBE bereits weit vor der allgemeinen Markteinführung in Deutschland z.B. bestimmten militärisch genutzten Kraftstoffen beigemischt worden war. Der Zeitpunkt des Schadenseintritts kann rückblickend nicht präzise bestimmt werden.“

Jetzt scheinen die Messdaten die Erklärung des Umweltsenators nicht gerade zu bestätigen; denn an der Grundwassermessstelle GWMS 13 - 12 wurden zwischen dem 7.1. und 29.1. 2013 eine Konzentration von 2.200 μg MTBE/l gefunden. Das ist in Relation zu der Geringfügigkeitsschwelle von 15,0 μg/l nicht eben wenig und hat immerhin dazu geführt, dass ein knappes halbes Jahr nach diesen Messungen eine Warnung an betroffene Anwohner verschickt wurde.

Bei der Messung ist nicht nur die absolute Höhe zu beachten, sondern auch das damit verbundene Erreichen eines neuen Maximalwertes bei den MTBE-Messungen außerhalb des Tanklagers. Der bisherige Höchstwert lag hier bei „nur“ 922 μg/l (Info der Umweltbehörde vom 10.12.2012 (Stand der Daten: Juni 2012 ) bzw. 1.600 μg/l (Info der Umweltbehörde vom 6.12).

Dabei ist diese Messung zwar relativ extrem, sie steht aber für eine steigende Tendenz auch an anderen Messpunkten. So stieg die MTBE-Konzentration an der bisher besonders belasteten Messstelle 02 –10 stieg in 25 m Tiefe weiter an. Dort hatte sie am 20.5. 2011 bei 779 μg/l gelegen, dann am 28.11. 2011 bei 922 μg/l und erreicht jetzt in diesem Jahr zwischen dem 7.1. und 29. 1. immerhin 1.800 μg/l.

Von einer Entwarnung bei der Kontamination mit MTBE kann also keine Rede sein. Auch der Versuch, die Entstehung der MTBE-Leckage möglichst weit in die Vergangenheit zu verschieben, dürfte damit gescheitert sein.

Hier stellt sich vielmehr die Frage, ob die offensichtlich verfolgte Verharmlosungsstrategie nicht Gefahren für die Anwohner heraufbeschwört, wenn die Umweltbehörde selbst daran glaubt.

So hat es an der stark verseuchten GWMS 02 –10 im ganzen Jahr 2012 keine weiteren Messungen gegeben, obwohl dort die Belastung im Jahresverlauf 2011 deutlich angestiegen war. An der jetzigen GWMS mit dem neuen Maximalwert wurde sogar erstmals im Januar 2013 gemessen.

Eine sorgfältige Kontrolle von Belastungen durch entsprechende Messungen ist jedoch nur die eine Seite, die andere ist das Aufspüren und Beseitigen der Ursachen. Dazu findet man jedoch nichts unter den Informationen der Umweltbehörde zur Altlast „Tanklager Farge“.

Allerdings werden sicherlich nur wenige bei diesen Messergebnissen einer Aussage Glauben schenken, dass es seit den 1980er Jahren oder früher keine Leckagen gegeben haben soll.

Kann man auch hier nur eine Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft erhoffen, während es die Bremer Behörden bei ihren sporadischen Messungen und Anwohnerwarnungen bewenden lassen?

Können sie einfach nicht über ihren Schatten springen und müssen sie stereotyp weiter erklären „Der Senat sieht kein öffentliches Interesse an einem Erwerb des Tanklagers“ und „Nach Angaben des Gewerbeaufsichtsamtes entfaltet eine BImSchG-Genehmigung einen starken Bestandsschutz. Sie zu entziehen erfordert erhebliche Bedenken gegen den Betreiber und die Technik der Anlage. Alle erforderlichen Prüfungen sind mit gutem Ergebnis absolviert worden und es bestehen keine Zweifel an der Qualifikation und Zuverlässigkeit des Betreibers“ ?


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zuletzt bearbeitet 19.06.2013 | Top

   

"Bürger bereiten Rechtsstreit vor"
Vorkaufsrecht der Stadt Bremen?

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