Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#1 von fight4yrights , 03.03.2013 17:53

Die Produktion von MTBE in Deutschland wird (oder besser wurde) auf etwa 700.000 t/a geschätzt. Inzwischen wird nämlich MTBE durch ETBE (Ethyltertiär-Butylether) ersetzt, das aus der Reaktion von Ethanol (aus Biomasse) mit Isobuten, einer Nebenkomponente bei der Erdölverarbeitung, hergestellt wird. Gründe dafür sind eine Vorgabe der EU zur Befreiung von Benzinzusatzstoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe von der Mineralölsteuer und die EU-Richtlinie 2003/30/EG zur Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor, nach der bis Ende 2010 Kraftstoffe einen Anteil von 5,75 % an Biokraftstoffen enthalten müssen. Da ETBE biologisch erzeugtes Ethanol enthält, im Gegensatz zum Methanol aus fossilen Rohstoffen beim MTBE, haben fast alle deutschen Hersteller ihre Anlagen auf ETBE umgestellt. Für die Umwelt erwächst daraus allerdings kein Vorteil, die Eigenschaften der beiden Stoffe sind zu ähnlich.
Quelle: bauerenvironment.com
Artikel: MTBE ist zu einem Wasserproblem geworden, 10.05.2006

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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#2 von Lola , 04.03.2013 21:33

..im Expose der Verkaufsanzeige vom Tanklager konnten wir lesen, dass die Bundeswehr in ständigem Kontakt mit der Umweltbehörde stand und von daher konnte die Frage des Mitarbeiters v. Umweltsenator auch nicht so recht nachvollzogen werden können, "wonach man denn suchen sollte".
Es dürfte doch ein leichtes sein, auf Grund der Lagerlisten die Stoffe festzustellen, die bisher im Tanklager gelagert wurden.

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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#3 von Lola , 31.03.2013 18:54

http://www.geschichtsspuren.de/forum/tan...rge-t17372.html

Zitat aus dem Beitrag v. 8.1.2013
aus
TECHNICAL REPORT NO. 244-45
OIL STORAGE CONSTRUCTION IN Germany- Septmber 1945-

III, Wifo Oil Storage, Farge (Cont'd)...
.." 17. Air Raids
Near the end of the war, an air raid was made by 202 American
and 12 British bombers. The British bombers were said to have
carried 10 tons bombs. Over 1200 explosions wore counted. Only two
tanks i n one tank group were wrecked ..... and one pump
house and piping damaged. Figure 29, shows the excavation roquired
to repair piping. Only a few hits were registered, but much excavatlon
was required to repair the damage. Alcohol had been stored
only recently i n the tank group which was h i t and TUTOGEN A which
is required for extinguishing alcohol f i r e s was not available on
the premises, The f i r e burned for about eight hours when TUTOGEN A
was obtained, Three 200 l i t e r flasks werc sufficient to extinguish
the f i r e in about five minutes. "

Eine komplette Recherche über die gelagerten Stoffe sind unerläßlich. Ob das jemals gemacht wurde?


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zuletzt bearbeitet 31.03.2013 | Top

RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#4 von Lola , 01.04.2013 08:25

Only a few hits were registered, but much excavatlon(es muss heißen excavation=Ausgrabung) was required to repair the damage. (Es waren nur wenige Treffer registriert, aber viel Aushub war erforderlich um den Schaden zu reparieren)
In den getroffenen Tanks war Alkohol gelagert und weil man kein Tutogen zum Löschen hatte ( man hätte nur einen 200l-Kanister benötigt um den Brand innerhalb von 5 Minuten zu löschen) und so hat das Feuer 8 Stunden gebrannt.
Das zeigt, dass man zu damaligen Zeiten keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat.

Offenbar haben die englischen und amerikanischen Behörden erkannt, dass es sich wahrscheinlich um größere Schäden handelt und erhebliche Ausgrabungen notwendig sind um diese Schäden zu reparieren.
Selbst als Laie kann ich mir vorstellen, auch wenn die übrigen Bombenabwürfe keine direkten Treffer ergeben haben, richten die Druckwellen nicht auch schon erheblich Schäden an?
Wer kann es ausschließen, dass es keine Haarrisse gegeben hat, oder das Dichtungen und Verbindungsstücke von Rohrleitung zu den Tanks schadhaft geworden sind.
Warum hat man 1970 ein neues Rohrleitungssystem gebaut? Weil es an der Zeit war oder weil man Defekte festgestelt hat?
Hat im Zuge der Erneuerung der Rohrleitungen Verunreinigungen des Erdreichs und Grundwasser festgestellt?
Gibt es über diese Arbeiten Dokumentationen?
Inzwischen sind auch mehr als 40 Jahre wieder vergangen.


Wurde jemals von der Bundeswehr bei Übernahme des Tanklagers eine Bestandsaufnahme von eventuellen Schäden an allen Rohrleitungen und an allen Tanks gemacht?
Gibt es Dokumentationen aus denen die Auflistung von Schäden hervorgeht und dass man den Bremer Senat darüber in Kenntnis gesetzt hat?

Wasserschutzgebiet
..wer mag kann dort auch noch lesen.
Der Weser Kurier hatte kürzlich auch eine interessante Dokumentation bezüglich der Bombenabwürfe.
http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,506462.html

Sollte meine Übersetzung fehlerhaft sein, dann bitte ich um Korrektur.

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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#5 von Lola , 28.04.2013 14:02

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,524808.html

Zitat
Karl-Heinz Schönberger erlebt den Angriff auf Farge - 16.03.2013
„Ohrenbetäubendes Geknalle“
Von Christina Denker

Blumenthal. Karl-Heinz Schönberger, Jahrgang 1935, hat seine Kindheit in der Turnerstraße, früher Jahnstraße, verbracht. Seine Erinnerungen werden derzeit von Wulf Böcker vom Denkort Bunker Valentin aufgezeichnet. Schönberger kann sich noch gut an die Bombardierung des U-Boot-Bunkers und des Tanklagers durch die Alliierten erinnern.
Zitat Ende

Der Bericht klärt weiter auf..
Zeitzünder sollen die Detonationen ausgelöst haben. "Und dann hat der Bunker 13 einen Volltreffer abbekommen", weiß er noch genau. Wulf Böcker kann das auch bestätigen: "Der Bunker 13 war der einzige Tankzylinder, der getroffen worden ist", sagt er. Insgesamt, hat der Historiker recherchiert, seien 62 Bomben über dem Tanklager abgeworfen worden. Die Detonationstrichter sind auch auf Luftbildern zu sehen, die im Denkort ...lagern.

Der Zeitzeuge Herr Schönberger berichtet auch von "sogenannten Fasskellern auf dem Gelände des Wifo-Wald
In ihnen sollen Flüssigkeiten und Stoffe gelagert worden sein. Schönberger kann sich vorstellen, dass ausgetretene Treibstoffe und andere Flüssigkeiten in den Bombentrichtern entsorgt worden sind. Sein Vater, der als Angehöriger des Volkssturms das Tanklager bewacht hatte, sprach von "Gelbkreuz", das er dort gesehen haben will, ein chemischer Kampfstoff, der als Senfgas Anwendung fand."
......
Der Historiker Wulf Böcker berichtet von Luftbildern auf denen die Detonationstrichter zu sehen sind. Diese Bilder lagern im Denkort.
http://www.denkort-bunker-valentin.de/
Die nächste Führung wäre heute gewesen um 11.00 und um 13.30 Uhr ansonsten den Link aufrufen zur Anmeldung.

Ich könnte mir vorstellen, dass es interessant wäre zu wissen wo die Bombentrichter sind und einen Vergleich machen zu können, ob diese Bombentrichter im Zusammenhang mit der heutigen Schadstofffahne stehen könnten.

Der Zeitzeuge sprach von "Gelbkreuz", das sein Vater dort gesehen haben will. Dieser chemische Kampfstoff fand als Senfgas Anwendung.
Die IG Farben (mit 18% am Tanklager beteiligt) war Lieferant dieser chemischen Kampfstoffe und nun sind die Chemiker gefragt, bauen sich Stoffe, wie Gelbkreuz im Laufe der Jahrzehnte ab oder verhindern sie gar, dass z.B. andere Stoffe, wie Benzol u.s.w. die den Boden kontaminiert haben, sich überhaupt abbauen können?

Man kann also im Umweltamt nicht sagen, das man nicht weiß wonach man suchen soll.
Im Denkort befinden sich Topografische Karten und Aufzeichnungen über Recherchen von Historikern und bei einer Beteiligung der IG Farben sollte man davon ausgehen können, dass dort Kampfmittel gelagert wurden.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/.../4428986-5.html
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45234195.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/...te/4428986.html
Am 14. Dezember 1933 schließen die IG Farben den sogenannten „Benzinvertrag“ mit der Reichsregierung ab. Das sichert dem Konzern den Absatz von 350.000 Tonnen synthetischem Benzin. Für die IG Farben ist dieser Deal unschätzbar wertvoll und eine üppige Belohnung für die vergleichsweise geringen Parteispenden.

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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#6 von Lola , 16.05.2013 07:04

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,571295.html
Zitat
Keine Blumenthaler Beiratssitzung ohne das Thema Tanklager: Flut von Anträgen und Fragen - 16.05.2013
Senator soll Trinkwasser prüfen
Von Christina Denker

Farge. Keine Sitzung ohne das Thema Tanklager: Insgesamt neun Anträge stellten die Parteien CDU und Linke während der jüngsten Sitzung des Blumenthaler Beirats. Gegen den Willen der SPD (Alex Schupp: "Ich bin dagegen, dass in jeder Beiratssitzung neue Fragen auftauchen") folgten die Christdemokraten einem Antrag von Anke Krohne (Die Linke), das Trinkwasser untersuchen zu lassen.
Die Stadtteilpolitikern fordert vom Bremer Gesundheits- und Umweltsenator, unverzüglich unabhängige und umfassende Untersuchungen des Bremer Trinkwassers aus dem Einzugsgebiet des Blumenthaler Wasserwerks anzuschieben. Dabei sollen nicht die üblichen Parameter geprüft werden, sondern alle jemals im Tanklager eingelagerten Substanzen sowie die dazu gehörigen Additive. Der Antrag wurde mit sieben Ja-Stimmen (Linke und CDU) angenommen.
Zitat Ende

Das die Frage "nach welchen Schadstoffen sollen wir suchen?" überhaupt vom Mitarbeiter des Umweltsenators aufgetaucht ist, konnte ich damals auf der Beiratsitzung nicht verstehen.
Lagerlisten anfordern vom Betreiber, seinen Vorgängern und Gewerbeaufsichtsamt, sofern man dort überhaupt solche Infos vorliegen hat und auch zeigen darf.
Zeitzeugen haben ja auch schon allerlei erzählt, sodass man auch über diese Hinweise verfügt.
Wer also versucht seine Hausaufgaben gut zu machen, der sollte ein wenig kreativ denken und über den Tellerrand schauen und dann wird es auch was.

Wenn in der Vergangenheit die Angelegenheit "Tanklager Farge" mit dem notwendigen "Ernst" und der notwendigen "Sorgfalt" betrachtet worden wäre, ja dann müßten nicht bei jeder Beiratssitzung Fragen zum Tanklager und des Umwelt-Desasters gestellt werden.

Es werden noch viel zu wenig Fragen gestellt!

Wäre es nicht viel freundlicher für eine Bürgerpartei wie die SPD ja sein will, die Sorgen, Gesundheit und die nachfolgenden Generationen zu schützen?

Es gibt auch Substanzen die das Erbgut schädigen und von daher müssen eben diese vielen lästigen Fragen gestellt werden, das ist man Eltern, Kindern und den zukünftigen Generationen schuldig!

Das Motto sollte deshalb für A L L E Politiker heißen: Nicht jammern, sondern Mißstände aufklären!

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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#7 von Lola , 30.05.2013 08:48

Vor einigen Tagen habe ich mich mit einem Dipl.Chemiker und Experten für Kampfmittelräumung über das Gebiet des Tanklagers und möglichen weiteren Altlasten die dort vorhanden sein könnten, ausgetauscht.

Er gab interessante Hinweise, wie z.B.:

Die Zeitzeugenberichte von den tagelangen Bränden nach der Bombadierung sollten, wie alle Zeitzeugenberichte, schriftlich niedergelegt werden. Die Zeitzeugen werden nicht jünger !! Möglicherweise werden zu einem späteren Zeitpunkt diese Berichte noch wichtig sein.

Es sollte die Frage nach der Munitionsbelastung des Tanklagerareals und einer möglichen zukünftigen Nutzung gestellt werden. Sicherlich will niemand auf u.a nicht detonierten Bomben ein Tanklager oder ein anderes Gewerbe betreiben, wenn stets die Gefahr einer Selbstdetonierung gegeben ist. Für den möglichen Luftschadstoffaustrag aus der Altablagerung gilt Ähnliches. Für eine mögliche Munitionsbelastung kann der Kampfmittelräumdienst von Bremen eine Aussage machen. Luftbilder mit Bombentrichtern und Bombenverdachtspunkten und deren Untersuchungsstand sollten der Bürgerinitiative unentgeldlich zur Verfügung gestellt werden.

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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#8 von Lola , 01.11.2013 03:42

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,343340.html

Zitat
Bunker Valentin in Bremen - 06.08.2012 - 1 Kommentar
Wulf Böcker erforscht Tanklager
Von Christina Denker

Bremen-Nord. Es war das größte Treibstofflager zur Zeit des Nationalsozialismus. Es lag in Bremen-Nord und war Bestandteil einer gigantischen Rüstungsindustrie. Das Tanklager gibt es noch immer. Bis heute lagern dort im sogenannten Wifo-Wald in Farge beziehungsweise Lüssum Treibstoffe unter der Erde.
Zitat Ende

..es gibt zu diesem Bericht auch einen Kommentar von "querdenkerschraegschreiber" am 07.08.2012..


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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#9 von Lola , 01.11.2013 04:10

http://www.weser-kurier.de/region/weserm...rid,524809.html

Zitat
Tanklager: Zeitzeugen berichten über die Ereignisse im März 1945 - 16.03.2013
Erinnerung an die Bomben
Von Christina Denker

Bremen-Nord. Noch immer sind die rund 300 Hektar des Tanklagergeländes für die Öffentlichkeit tabu. Zeitzeugen berichten von riesigen Bombenkratern auf dem Areal. Einige machen die Bombenangriffe Ende März 1945 für die Schadstoffaustritte verantwortlich.
.......
.....
Insgesamt sollen 62 Bomben auf das Areal geprasselt sein. Der Bremer Sprengmeister Andreas Rippert kann nicht sagen, ob bisher alle gefunden worden sind. Er war vor etwa vier bis fünf Jahren auf dem Wifo-Gelände und sprengte dort eine Bombe mit Langzeitzünder. Eine zweite Sprengung sei rund 25 Jahre her.
Zitat Ende

Wie kam es dazu, dass man diese Bombe vor vier bis fünf Jahren gefunden hat?
Ebenso die Bombe, die man vor 25 Jahren gefunden hatte. War es Zufall z.B. beim Sichten von alten Luftaufnahmen oder hatte es mit Kontaminationsflächen zu tun?


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RE: Nach welchen Schadstoffen sollte man suchen?

#10 von Lola2 , 29.10.2015 09:01

...diese Frage stellt sich dem Bundesumweltamt offenbar nicht, denn dort weiß man genau nach welchen Schadstoffen bei den Großprojekten in den verschiedenen Bundesländern gesucht werden soll.

Das Tanklager Bremen-Farge konnte ich in dieser Auflistung aber nicht finden.

https://www.umweltbundesamt.de/sites/def...schaliert_0.pdf

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IVG: ..was war vor 20 Jahren? - 1993
Worüber die Umweltbehörde nicht informiert

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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