Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Nur Blumenthaler erwünscht!

#31 von Reinhard , 21.03.2013 11:49

Nur Blumenthaler erwünscht!

Wenn wir zum ersten Mal von der „innovativen Verwaltung“ Blumenthals in der Imagebroschüre lesen, fragen wir uns vermutlich, was damit eigentlich konkret gemeint ist.

Hinweise lassen sich aus dem Protokoll der Beiratssitzung vom 11. Februar gewinnen, wenn wir dort den Bericht zur Behandlung des Tagesordnungspunktes 7 sorgfältig lesen, in dem es um das umstrittene Jubiläumsfest auf der Bahrsplate geht.

Zu dieser Erörterung gab es von der Seite der innovativen Verwaltung zunächst eine hilfreiche Geste; denn der Beschluss aus dem letzten Jahr wurde als einführende Gedächtnisstütze zusammengefasst. Diese Aufgabe für einen Antrag, der aus nur genau 170 Wörtern besteht, mussten nicht einmal die Antragsteller übernehmen, sondern wurde ihnen wohlmeinend abgenommen.

Diese Hilfsbereitschaft ging jedoch noch weiter, denn ihnen stand die innovative Verwaltung auch bei der Interpretation und einer gewissen Glättung zur Seite.

So könnte es ja zu weiteren Missverständnissen führen, wenn man erwähnt hätte, dass der Antrag „allen Unkenrufen zum Trotz“ gestellt wurde. Da könnten möglicherweise unsolidarische Menschen auf den Gedanken kommen, die Kritik habe die „naiven“ Antragsteller gar nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen, sondern sie hätten diese Diskussion womöglich sogar erwartet und in Kauf genommen.

Aber das muss ja nun wirklich nicht sein! Also kann man sich diesen überflüssigen Hinweis doch wirklich sparen.

Nach der unsachlichen Kritik sogar durch viele Parteifreunde sollte man sich verständlicherweise auch fragen, ob man bei einem so schönen Jedermann-Fest wirklich jedem begegnen will. Auch wenn 2014 für „die Menschen in Blumenthal und Bremen ein Grund zum Feiern“ ist, wie es im Antrag heißt, sollte man das vielleicht nach dem Verhalten einiger Nicht-Blumenthaler anders sehen. Ist es da nicht besser, wenn nur die Gutwilligen gemeinsam feiern? Sonst müsste man vermutlich noch bei Bratwurst und Bier auf der Bahrsplate über die Nazi-Zeit diskutieren. Und wer will das schon?

Folglich ist es doch fast logisch, wenn es jetzt in der Zusammenfassung heißt: „Die Feiern sollten von, mit und für BlumenthalerInnen sein

Auch kann es leicht zu Missverständnissen führen, wenn man „einen Etat von 250.000 € zur Verfügung“ gestellt haben möchte, „um die Veranstaltungen durch eine professionelle Eventagentur planen und durchführen zu lassen.“

Das können diese infamen Kritiker dann so interpretieren, dass man in Blumenthal ein Fest in Saus und Braus ohne eigene Arbeit feiern will, das dem Steuerzahler in Rechnung gestellt wird bzw. seinen Kindern und Enkeln, wenn dadurch die Schuldenlast Bremens weiter ansteigt.

Sogar die akribischen Buchhalter vom Rechnungshof könnten, wenn sie diese Antragstellung lesen, auf den Gedanken verfallen, nachher prüfen zu wollen, ob das Geld auch tatsächlich ausschließlich für den beantragten Zweck ausgegeben wurde.

Und dabei wurden doch schon so viele andere wichtige kleine Projekte gefunden, die sich so leicht finanzieren ließen.

Ist es da nicht viel besser, wenn diese ganze leidige Finanzierungsfrage in der Zusammenfassung fehlt?

****

Leider gibt es zu diesem Posting keine „Zusammenfassung“, da in einem Forum jeder selbst denken darf und soll. Daher bekommt er auch nicht auf einem silbernen Tablett serviert, was „innovative“ Verwaltung bedeutet.

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Legendenbildung

#32 von Reinhard , 22.03.2013 12:00

Legendenbildung

In den Medien werden wir immer wieder davor gewarnt, dass Informationen, die wir einmal ins Internet gestellt haben, nie wieder „vergessen“ werden. Wenn wir uns die Sache genauer anschauen, gilt das nur unter einer Einschränkung. Es trifft nur zu, wenn wir keinen Einfluss auf die betreffenden Webseiten oder Server besitzen.

Die Herren im Internet können hingegen Berichte löschen, verstecken oder auch ändern, wenn sie es wünschen oder wenn es ihnen denn opportun erscheint. So lässt sich der Verlauf einer politischen Diskussion durchaus in der Wahrnehmung von Lesern „korrigieren“, die erst später auf diesen Vorgang aufmerksam werden.

Im Internet kann sich daher später ein Sachverhalt genauso darstellen wie ein Streit zwischen einem Menschen, der vieles schnell vergisst, und einem Zeitgenossen, der ein phänomenales Gedächtnis für alles das hat, was man anderen Menschen vielleicht einmal anlasten kann.

Die Darstellung der Diskussion um eine geplante Anschlussfeier auf der Bahrsplate erinnert zumindest teilweise an dieses Muster einer Legendenbildung. Wir finden unschuldig Leidende, denen die böse Welt in ihrer Verblendung übel mitgespielt hat, und dürfen hoffen, dass am Ende die „wirkliche“ Wahrheit doch noch siegen wird.

So beginnt das Protokoll der Beiratssitzung vom 11.2 die Diskussion um die Feier damit, dass „sowohl OAL Nowack als auch Herr Schupp und Herr Geis .. öffentlich attackiert wurden“, was auf Missverständnisse zurückzuführen gewesen sein soll, die sich angeblich durch ein persönliches Gespräch hätten aus der Welt schaffen lassen.

Der aufmerksame Leser muss sich dabei fragen, wo die angeblichen Missverständnisse liegen sollen. Wie in der Zusammenfassung erneut bestätigt wird und wie es ohnehin jeder im ursprünglichen Antrag nachlesen kann, war „im Juli ein Jedermann-Fest auf der Bahrsplate“ vorgesehen. Unterschiede gab es hingegen in der Beurteilung. So hat Herr Brandt in einem Kommentar im Weser-Kurier die Meinung vertreten, dass dieses Vorhaben politisch instinktlos und die heutige Situation nicht mit der zur Zeit der 50-Jahr-Feier vergleichbar sei, weil die „Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit auf einem anderen Stand als vor 25 Jahren“ ist.

Auf diese Meinungsäußerung eines Journalisten, wie sie ein wichtiger Bestandteil einer jeder lebendigen Demokratie ist, hat die „innovative“ Verwaltung dann anders reagiert, als es jetzt nach dem vorliegenden Protokoll im Beirat dargestellt wird.

Leider können sich die Vergesslichen unter uns vielleicht nicht mehr daran erinnern und eine mögliche Gedächtnisstütze auf der Seite des Ortsamtes lässt sich nur noch schwer finden. Aber die Realität war nicht so, wie sie jetzt im Internet erscheint, sondern wie sie ursprünglich war.

Damals wurde die offizielle Seite des Ortsamtes dazu benutzt, um zu behaupten, „Beiratspolitiker von SPD und CDU und der Ortsamtsleiter“ müssten „schwere Vorwürfe“ „ertragen, nur weil ein einzelner Journalist einen Skandal beschreibt, den es nicht gibt und den es niemals geben wird.“ Anschließend wurde „diese Konstruktion von Herrn Brandt“ als „böswillig“ bezeichnet, da er „einen harmlosen Plan derart“ verunglimpft habe.

Nach dem aktuellen Protokoll wurde in „einer Pressekonferenz reüssiert, was eigentlich passiert sei.“ Man mag sich zwar fragen, was der Begriff „reüssiert“ heißen soll, eindeutig ist jedoch, dass angeblich eine Klarstellung der Vorgänge erfolgt ist.

Die Presse hat das allerdings anders erlebt. Oder war sie vielleicht sogar zu einer anderen Pressekonferenz? So berichtete der Weser-Kurier von „fast schon zynisch klingenden“ Aussagen, Bürgerschaftsabgeordneten, die „ihr Fett wegbekamen“ und „Spitzen gegen“ einen unmittelbar betroffenen Ortsverein, dessen Vorsitzende „in der Versenkung verschwunden sei.“

Auch wurde eine ganz besondere Form der Entschuldigung beim Bremer Bürgermeister erwähnt, und zwar dafür, „dass man verlangt, „Dinge zu verhindern, die gar nicht geplant sind.“

Dieser Eindruck spricht eher für ein Tribunal als für eine Klarstellung, zumal die Fakten in Form des Beiratsbeschlusses bekannt waren und sind.

Nur die eigentliche Selbstverständlichkeit, dass in einer Demokratie unterschiedliche Bewertungen auch öffentlich ausgesprochen werden dürfen, scheint das große Missverständnis zu sein.

Da passt es gut ins Bild, wenn das Protokoll zum Abschluss der Beiratsdebatte vermerkt: „OAL Nowack würdigt den Mut des Beirats, sich mit der entstandenen Kritik auseinander zu setzen.“

Wie darf man diesen Satz wohl interpretieren?

Eine Diskussion, in der unterschiedliche Meinungen vertreten werden und auch manchmal klare Worte fallen, ist der typische Alltag der Politiker in einer Demokratie. Dazu dürfte kein besonderer Mut erforderlich sein.

Anders ist es vielleicht, wenn man sich ins politische Abseits begibt und nicht den Mut hat, eine falsch eingeschätzte politische Reaktion zu akzeptieren, einen klaren Schlussstrich ohne verklärende Legendenbildung zu ziehen und einen neuen Anlauf für ein Stadtteilfest zu unternehmen, das Blumenthal und Bremen nicht spaltet, sondern integriert.


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Geschichtsbewusstsein

#33 von Reinhard , 26.03.2013 16:57

Geschichtsbewusstsein

Das Protokoll der Beiratssitzung vom 11. Februar 2012 lässt eine Reihe interessanter Einblicke in die Blumenthaler Politik zu, die Außenstehenden rätselhaft erscheinen, ja, teilweise an Berichte aus einer fremden und fernen Welt erinnern.

So wird von einer Presseerklärung der CDU berichtet, die „herausgegeben“, „jedoch nicht veröffentlicht wurde“. Da kann man lange darüber grübeln, wie so ein Vorgang faktisch ablaufen kann. Hat etwa die Presse die Erklärung nicht angenommen oder wurde sie nicht veröffentlicht? Dann hätte man sie wenigstens auf der Webseite des Stadtbezirksverbandes oder des Ortsverbandes Farge-Rekum erwartet.

So wurde die Presseerklärung in einer Beiratssitzung „verlesen“ und im Protokoll nicht zusammengefasst in indirekter Rede wiedergegeben, sondern wortwörtlich eingeschoben. Hier hat man ihr also anscheinend den Platz eingeräumt, den ihr keine Zeitung geben wollte.

In der Erklärung selbst, die sich auf die Diskussion von Feierlichkeiten auf der Bahrsplate bezieht, wird die Forderung des gesundheitspolitischen Sprechers der CDU, also eines Parteifreundes, nicht erwähnt, der eine Entschuldigung der Bahrsplate-Anhänger bei den Angehörigen von Betroffenen für angebracht gehalten hat, die in der NS-Zeit auf dem geplanten Festgelände gelitten haben. Vielmehr wird Frau Dr. Schaefer von den Grünen, bei der das Protokoll „Schäfer“ schreibt, und Herrn Mühle von der SPD vorgeworfen, keinen „sachlichen Dialog“ mit dem Beirat Blumenthal gesucht zu haben.

Auch kann diese von der Presse anscheinend gemiedene Presseerklärung den alten SPD-Antrag besonders kenntnisreich interpretieren. Danach soll es „zu allererst um die Einwerbung der notwendigen Geldmittel“ gegangen sein.“

Kann man die etwa in Bremen ohne inhaltliche Begründung erhalten? Das werden sich vermutlich viele fragen, die deswegen noch nicht mit einflussreichen Beiratsmitgliedern Rücksprache genommen haben und so zu einem sachlich richtigen Urteil gekommen sind.

Inhaltlich ist das zweifellos eine überraschende Argumentation bei einer Partei, die sonst auf ihrer Webseite die Tage von Rot-Grün in Bremen zählt und für finanzielle Solidität eintritt.

Aber wie in jeder guten Geschichte, kommt auch in diesem Fall der wichtigste Teil erst zum Schluss. Hier ist es sogar ein Postskriptum, ein Anhängsel also, das nicht zur Presseerklärung zu gehören scheint. In der heutigen Zeit virtueller Textkorrekturen wird es, wie man lesen kann, „hauptsächlich dafür verwendet, um Dinge anzuhängen, die nichts direkt mit dem eigentlichen Thema zu tun haben.“

Das könnte auch hier gelten, wenn noch ein merkwürdiger Vergleich zum Geschichtsbewusstsein des Ortsamtsleiters und des Chefredakteurs der Norddeutschen versucht wird, dessen Name hier ebenso wie der von Frau Dr. Schaefer im Protokoll falsch geschrieben wird. Aber die Hintergründe dieser Lapsus oder gehäuften Schreibfehler überlassen wir lieber den Freudianern.

Politisch erheblich interessanter ist ein Hinweis darauf, dass ein SPD-Abgeordneter die letzte freie Rede vor der vollständigen Machtergreifung der Nazis im Berliner Reichstag gehalten hat. Daraus wird nun aber nicht abgeleitet, dass es einem demokratischen Staat und seinen Gemeinden nicht gut zu Gesicht steht, wenn sie später Entscheidungen dieses Unrechtsregimes feierlich begehen. Ganz und gar nicht.

Weil ein SPD-Mitglied 1933 diese mutige Rede gehalten hat, wird im Blumenthaler Beirat jetzt anscheinend rhetorisch gefragt: „Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage wem es an Geschichtskenntnissen und nötigen Geschichtsbewusstsein fehlt.“ (Wörtliches Zitat von S. 10 ohne Änderungen bei Grammatik und Interpunktion!)

Da ist ein logischer Zusammenhang nicht zu sehen. Oder will man etwa folgern, dass aufgrund der Rede von Herrn Wels alle Mitglieder der SPD „Geschichtskenntnisse und nötiges Geschichtsbewusstsein“ besitzen?

Das erinnert in dieser vorösterlichen Zeit an den Opfertod von Jesus Christus, durch den angeblich alle Menschen von ihren Sünden erlöst worden sein sollen.

Allerdings sieht nicht einmal die Bremer SPD einen mystischen Zusammenhang zwischen der denkwürdigen Rede von Herrn Wels und dem Geschichtsbewusstsein aller heutigen SPD-Mitglieder, wenn man an den Fall des MdBB Martin Korol denkt.


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RE: Geschichtsbewusstsein

#34 von Reinhard , 30.03.2013 15:44

Nach dem Protokoll der Beiratssitzung vom Februar erfahren wir nicht nur etwas darüber, wer nach der Meinung einiger Beiratsmitglieder Geschichtskenntnisse und Geschichtsbewusstsein besitzen soll und vor allem, wer darüber angeblich nicht verfügt, sondern sogar noch einiges mehr.

In diesem offiziellen Bericht findet sich zwar nicht wie in der Presse das Wort „Affentheater“, aber die Aussage bleibt dieselbe. „Die Aufregung“ wird nicht „verstanden“, da es beim 50jähigen Jubiläum „keine Probleme gegeben“ haben soll.

Anscheinend können sich also Geschichtskenntnisse und damit auch das Geschichtsbewusstsein innerhalb von 25 Jahren nicht verändern.

Daher dürfte ein zeitgeschichtlicher Rückblick auf die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit Blumenthals sehr nützlich sein, d.h. vor allem auf die Zeit seit der Vorbereitung der 50-Jahr-Feier.

Aufarbeitung der NS-Geschichte in Blumenthal

Damals in den 1980er Jahren wurde in Blumenthal heftig über die Veröffentlichung „Die Kämmeristen“ von Volkmar Leohold gestritten, da das in jenen Jahren noch aktive BWK-Management glaubte, wegen der Schilderung der NS-Zeit in dieser Publikation ihre Kammzüge kaum noch im Ausland verkaufen zu können. Mit dieser Einschätzung stimmten auch Mitarbeiter der Wollkämmerei überein, ja, man beauftragte sogar einen Wirtschaftshistoriker mit einer Gegenpublikation, die in Blumenthal gedruckt und verlegt wurde, um das „Zerrbild“ zu berichtigen.

In dieser Zeit wollte sich also nicht jeder der Vergangenheit stellen, genauso wenig wie gleich nach Kriegsende. Das wird etwa am Beispiel des Bunkers Valentin deutlich, für dessen Bau ca. 12.000 Zwangsarbeitskräfte geholt wurden. Damals hatte die „Mehrheit der Bevölkerung vor Ort… ein großes Interesse daran, die Überreste des Bunkers unsichtbar zu machen. Da eine Sprengung des Bunkers unmöglich erschien, sprach sich die Ortsversammlung in Farge dafür aus, den Bunker durch Einspülung verschwinden zu lassen.“

NS-Zeit in Blumenthal

Viele wollten auf diese Weise ihre besonderen Erfahrungen aus der NS-Zeit verdrängen und vergessen; denn anders als etwa in Auschwitz fand in Farge „das Massensterben unmittelbar vor den Augen der einheimischen Bevölkerung statt. Der entstehende U-Boot-Bunker lag praktisch mitten im Ort. Die Bevölkerung konnte die Baustelle aus der Entfernung gut beobachten. Kolonnen von KZ-Häftlingen und zivilen Zwangsarbeiter marschierten bzw. fuhren täglich durch den Ort. Der Bäcker lieferte das Brot direkt ins Außenlager und der örtliche Kohlenhändler übernahm des öfteren den Transport der Leichen. Im benachbarten Lager Blumenthal, dessen Häftlinge z.T. auch beim Bau des Bunkers eingesetzt waren, gab es einen Auflauf von Schaulustigen bei Hinrichtungen im Lager.“ Zudem bemerkt ein Historiker zur Öffentlichkeit der Verbrechen: „Allgemein scheint das Geheimhaltungsbedürfnis sowohl der Marine wie der SS in Farge sehr gering gewesen zu sein.“

So kann es nicht überraschen, dass „im Bremer Volksmund“ bald von einem „Männervernichtungslager“ gesprochen und kritische Gesprächspartner in ganz Bremen mit „Sei ruhig, sonst kommst du nach Farge“ zur Vorsicht gemahnt wurden.

Manche Eltern sollen sogar ihre Kinder damals dazu „gedrillt“ haben, "Steine auf die Gefangenen zu werfen.“

Aufarbeitung durch Enkel und Initiativen der Friedensschule

Das alles erklärt die lange Geschichtsverdrängung, die erst von der Enkelgeneration aufgearbeitet wurde. So erschien 1986 eine Darstellung von Bremen im 3. Reich und SchülerInnen und StudentInnen haben sich intensiv mit dem NS-Willkürregime in ihrer Heimat beschäftigt, wobei eine regional-geschichtliche Arbeit von vier Schülern einer Sekundarstufe II in Bremen-Blumenthal zum Schülerwettbewerb des Bundespräsidenten 1983 den Anfang gemacht hat. Weiterhin zählen Untersuchungen über den Bunker Valtentin (1989) und das Marinetanklagers Farge (1992) sowie eine Magisterarbeit von 2004 über „Die Häftlingskolonnen im Ort: “Och, das war doch so gang und gäbe” zu diesen Aufarbeitungen durch Nachgeborene.

Erst einige Jahre später entstanden dann die ersten öffentlichen Gedenkstätten in Blumenthal:

Seit 1985 erinnert die durch Work-Camps der Friedensschule Marzabotto und des Antifaschistischen Arbeitskreises des Gustav-Heinemann-Bürgerhauses mit Jugendlichen aus Deutschland, Italien, Ungarn und der damaligen Tschechoslowakei entstandene „Gedenkstätte Rosen für die Opfer“ an die Menschen, die auf der Bahrsplate „in der Zeit des Faschismus“ gestorben sind. Die Einweihung erfolgte u.a. durch den Vater des heutigen Bremer Bürgermeisters.

Seit 2009 entstand das von der Friedensschule initiierte Denkmal „Häftlingswege“ an der ehemaligen Straße „Zum Müllerloch“ mit Pflastersteinen der ehemaligen Häftlingsstraße zwischen der Bahrsplate und der Bremer Wollkämmerei.

Am 4.11.12009 wurde der von Schülern des OSZ Alwin-Lonke-Straße geschaffene „Stein der Hoffnung“ bei der „Gedenkstätte Rosen für die Opfer“ vom Bremer Senatspräsidenten und Bürgermeister Böhrnsen eingeweiht.


Neue Geschichtseinblicke auch für die Kinder der NS-Generation?

Zusammenfassend kann man also feststellen: „In der Region Bremen hat der NS-Terror zweifellos in Farge seinen sichtbarsten Ausdruck gefunden“.

Das ist eine historisch belegte Tatsache. Aus ihr müssen die Menschen, die heute hier leben, ihre Bewertungen und Schlüsse ziehen.

Da wird nicht jeder, der diese Geschichtskenntnisse besitzt, unbedarft glauben, dass gerade im Stadtteil Blumenthal mit seinen Ortsteilen Farge und Rekum der Ort ist, wo man den Verlust der Eigenständigkeit durch eine Unterschrift Hitlers feierlich begehen muss, der gerade zuvor den zweiten Weltkrieg mit seinen menschenverachtenden Grausamkeiten begonnen hatte.

Oder muss man hier sogar weiterhin von Geschichtsverdrängung sprechen, obwohl jetzt anders als beim 50sten Anschlussjubiläum niemand den inzwischen veröffentlichten Studien und eingeweihten Gedenkstätten ausweichen kann?

Aber das ist nicht nur eine Frage der Geschichtskenntnis, sondern vor allem die eines humanen und demokratischen Geschichtsbewusstseins.

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RE: Geschichtsbewusstsein

#35 von Lola , 17.04.2013 20:35

Ausgabe "Die Norddeutsche" v. 15.4.2013 - Seite 1

Zum Bericht:
Vorschlag über 75-Jahr-Feier
Die Arbeitsgruppe "Bahrsplate" hat sich zum ersten Mal am 16.4.2013 getroffen.
Es soll über die Zukunft der Bahrsplate diskutiert werden und es soll "in Beschlussvorschläge münden".

Hintergrund zur Gründung des Arbeitskreises war die 75-Jahr-Feier auf der Bahrsplate.

Man darf gespannt sein was der Arbeitskreis erarbeitet hat und ob alle Beteiligten Kommunalpolitiker die die im Beirat abstimmen dürfen und vor allem die Verwaltung ist angesprochen, ihre Hausaufgaben gemacht haben und parteipolitische Spiele außen vorbleiben, denn hier gilt es dem arg gebeutelten Blumenthal für die Zukunft ein "ehrliches Gesicht" zu verpassen.

Die ganze Bahrsplate verstehe ich als Mahnmal und nicht nur das Stückchen wo die Anpflanzungen sind und die Skulptur steht. Das ganze Areal der Bahrsplate sollte noch viele, viele Jahre als Mahnmal erhalten bleiben, denn wenn es klein und unscheinbar ist, geht es ganz sicher unter und gerät in Vergessenheit.
Ein Mahnmal muss von Politik und Verwaltung gleichermaßen wahrgenommen werden und sollte auch als "Finger in die Wunde legen" gesehen werden, bis auch der letzte verstanden hat was die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten angerichtet hat.

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RE: Geschichtsbewusstsein

#36 von Lola , 18.04.2013 07:57

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...rid,549707.html

Zitat
Arbeitsgruppe: 75-Jahr-Feier findet nicht auf dem ehemaligen KZ-Gelände statt / Stattdessen Themenwoche - 18.04.2013
Bahrsplate bleibt ein Ort der Ruhe
Von Volker Kölling

Auf der Bahrsplate in Blumenthal wird es im Jahr 2014 kein großes Volksfest geben. Um die KZ-Gedenkstätte soll außerdem eine 50 Meter weite Schutzzone gezogen werden, in der Regeln wie in der Nachbarschaft von Friedhöfen gelten sollen. Den Anschluss Blumenthals an Bremen vor 75 Jahren will der Ortsteil jetzt stattdessen am liebsten mit den anderen Nordbremer Ortsteilen in einer gemeinsamen Themenwoche aufarbeiten – gerne in Vegesack. Das sind drei Ergebnisse aus der vom Beirat eingesetzten Arbeitsgruppe "Zukunft der Bahrsplate" von Dienstagabend.
Zitat Ende

...es ist kein Friedhof!
...es ist ein Mahnmal- ein Ort gegen das Vergessen - und das bedeutet vor allem sich der Geschichte zu stellen!
...ein Ort zum Wachrütteln - z.B. gegen Ausgrenzung von Menschen.. ist dieser Punkt nicht in der
heutigen Zeit auch aktuell?
...sollte man nicht von dem Gedanken einen Zaun zu ziehen Abstand nehmen, oder was soll eine 50m Schutzzone
bedeuten?
...Schützen? Vor wen? wovor? Im Gegenteil, es sollte frei zugänglich für jeden Menschen sein.
....wer braucht denn Zäune und Mauern bzw. eine Schutzzone?


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zuletzt bearbeitet 18.04.2013 | Top

Politische Amnesie oder was?

#37 von Reinhard , 17.06.2013 11:19

Politische Amnesie oder was?

Inzwischen werden sich viele nicht mehr an die merkwürdige Diskussion erinnern, die in Blumenthal Anfang des Jahres geführt wurde, als einige Politiker unbedingt den 75. Jahrestags des Anschlusses Blumenthals an Bremen u.a. durch eine „Anschlusssause“ auf dem ehemaligen KZ-Gelände Bahrsplate angemessen feiern wollten.

Dieses Thema, das damals das Image Blumenthals so negativ beeinflusst hat, soll hier nicht wieder aufgewärmt werden. Es geht vielmehr um eine kleine Geschichte am Rande, die etwas über politische Glaubwürdigkeit aussagt.

Dieser Hinweis hat zudem sogar einen aktuellen Anlass, da das offizielle Protokoll der in diesem Zusammenhang wichtigen Blumenthaler Beiratssitzung vom April erst seit ein paar Tagen veröffentlicht ist. Vorher konnte man sich nur auf der Seite der Blumenthaler Linken informieren, die allerdings in dieser Frage wahrscheinlich nicht ganz neutral ist.

Hintergrund des Jubiläumspläne waren angebliche Festivitäten anlässlich des 50. Jubiläums, was in unserem Dezimalsystem allemal ein herausgehobeneres Datum ist als das 75. Zwar wurden über dieses Ereignis nicht in Einzelheiten berichtet, aber es schien nach den Andeutungen etwas ganz Großes gewesen zu sein. Das konnte man nicht zuletzt aus der Kritik eines Beiratsmitglieds an der diesjährigen Diskussion schließen, die er als „Affentheater“ bezeichnete, da das „50jährige Jubiläum auch gefeiert worden sei.“

In der Aprilsitzung des Beirats wollte sich die Vertreterin der Linken über diese historische Veranstaltung näher informieren, denn sie hatte trotz intensiven Suchens niemanden gefunden, der sich an eine große Feier damals erinnern konnte. Deshalb erkundigte sie sich unter dem Tagesordnungspunkt „Wünsche und Anregungen aus dem Beirat“ um Einzelheiten zu den damaligen Feierlichkeiten und dem Veranstaltungsort.

Das direkt angesprochene Beiratsmitglied, dem das jetzige „Affentheater“ unverständlich war, erklärte, er werde später auf die Frage antworten.

Als diese angekündigte Information auf sich warten ließ, sprang eine Bürgerin in die Bresche und meinte, sie können sich als damalige Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt an eine Veranstaltung mit einem Film als Auftakt erinnern.

Das 50er Jubiläum scheint also keine prägenden Eindrücke hinterlassen zu haben. Aber wie wird die damalige Realität ausgesehen haben? Bisher scheint nicht einmal die Presse in ihren Archiven auf entsprechende Artikel gestoßen zu sein, über die ein aktueller Bericht lohnt.

War ein großes Jubiläumsfest also nur eine politische Wunschvorstellung, um einen problematischen Antrag durchzubekommen und Geld für eine fragwürdige große Sause im kommenden Jahr zu erhalten?

Die Wahrheit wird man doch nicht zugunsten dieser Zwecke korrigiert haben!

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RE: Politische Amnesie oder was?

#38 von Klueverbaum , 06.02.2014 23:13

Der Ortsamtsleiter hats anscheinend immer noch nicht begriffen.

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,772484.html

Zitat: "Vielleicht hätten wir deutlicher sagen sollen, was wir wollen"

Das war doch klar, 250.000 Euro.
http://www.ortsamt-blumenthal.bremen.de/...hp/13/Protokoll 10.pdf
http://www.ortsamt-blumenthal.bremen.de/...0Jahr-Feier.pdf

Immerhin sind nun ja 100.000 Euro für einen Bolzplatz auf der Bahrsplate genehmigt worden. Dass dort früher ebenfalls ein Bolzplatz war, der platt gemacht wurde weil ihn keiner nutzte, ist nicht wichtig.Die Skaterbahn nebenan wird ebenfalls selten genutzt. Der neue Bolzplatz ist auch nahe an der Gedenkstätte und wie dem dann die erste Sturmflut bekommt, wird zu besichtigen sein.

Aber schuld sind eben immer die anderen.
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artik...e40dfe512031cbf

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RE: Politische Amnesie oder was?

#39 von Klueverbaum , 07.02.2014 04:37

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Prima Idee

#40 von Reinhard , 11.02.2014 10:32

Prima Idee

Nachdem die Planung einer „Anschlusssause“ auf der Bahrsplate offenbar endgültig aufgegeben worden ist, durch die mit Bier, Bratwurst und Rummel der Anschluss Blumenthals an Bremen durch eine Hitlerunterschrift gefeiert werden sollte, kommt jetzt vom Vorsitzenden des Fördervereins Kämmereimuseum eine Idee, die der Erinnerung an die NS-Zeit eher gerecht wird.

Danach planen Herr Gorn und die Vereinsmitglieder, wie der Weser-Kurier berichtet hat, eine Ausstellung unter dem Arbeitstitel „Die BWK unterm Hakenkreuz“. Dabei soll am Beispiel der Bremer Woll-Kämmerei die NS-Zeit aufgearbeitet werden. Als Grundlage kann der Förderverein Kämmerreimuseum auf seinen großen Bestand an Fotos aus der damaligen Zeit zurückgreifen, die von einer eigenen Fotogruppe des Werks gemacht wurden.

Auf diese Weise soll am Beispiel der größten Wollkämmerei der Welt gezeigt werden, wie in der NS-Zeit das Arbeitsleben tatsächlich ausgesehen hat. Dazu stehen dem Verein auch Berichte in der Werkszeitung Sir Charles zur Verfügung, in denen über die Fremdarbeiter in der BWK berichtet wurde, sowie Filme aus jener Zeit, die u.a. einen Betriebsausflug nach Goslar dokumentarisch schildern.

Die Umsetzung dieser Idee kann also nach der ersten Zeit des Verdrängens und Vergessens mit einem gehörigen zeitlichen Abstand ein objektives Bild der NS-Zeit zeichnen, das gerade der jüngeren Generation, die nur noch von ihren Großeltern Erzählungen aus dem damaligen Arbeitsalltag in der BWK hören konnte, viele neue Eindrücke verspricht.

Da einzelne Fotos zwar mehr sagen können als 1000 Worte, wenn man sie zum Sprechen bringt, könnte es sich empfehlen, einen Wirtschaftshistoriker für eine Eröffnungsrede zu gewinnen. Da käme es dann darauf an, die Bilder einzuordnen und die Situation in der BWK mit der in anderen Unternehmen wie etwa den IG Farben zu vergleichen, die am Tanklager Farge beteiligt war.

Auf alle Fälle kündigt der Förderverein wieder eine informative Ausstellung an, die in diesem Fall sicherlich aufgrund ihrer Thematik, die bisher gern umgangen wurde, viel Interesse erwarten lässt. Diese Idee ist damit ein mutiger Vorschlag. Auch dadurch sollte die Ausstellung für ein besseres Image Blumenthals nach den unschönen Diskussionen im vorigen Jahr sorgen.

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RE: Prima Idee

#41 von Klueverbaum , 12.02.2014 00:09

Ja, das ist eine gute Idee. Bleibt abzuwarten, ob wirklich Geschichte aufgearbeitet wird. Angeblich soll die BWK ihre Zwangsarbeiter nicht entschädigt haben bzw. so lange gewartet haben, bis kaum noch welche lebten. Wäre ja mal interessant ob man dazu dann was sagt.

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RE: Prima Idee

#42 von Reinhard , 15.02.2014 10:27

Vielleicht wurde bei der Diskussion dieses Vorschlags noch ein wichtige Aspekt vergessen, der erst nach der Beiratssitzung am Montagabend deutlich geworden ist.

Der Förderverein hat bisher für seine Veranstaltungen, die nicht nur für zahlreiche Besucher schöne und informative Erlebnisse waren, sondern sich auch auf das Image Blumenthals positiv ausgewirkt haben dürften, keinerlei „Planungskosten“ beim Blumenthaler Beirat beantragt. In allen Fällen hat man seine „Lust, hier noch mehr zu machen“, vielmehr als Teil der Vereinsarbeit verstanden.

Das dürfte für den Vorstand und die Mitglieder des Fördervereins eine Selbstverständlichkeit gewesen sein. Seit Montag wissen wird jedoch, dass das in Blumenthal keineswegs so üblich zu sein scheint, wenn hier die Planung eines „Tages der Vereine“ vorab mit 4.000 € bei einer Eventagentur subventioniert werden soll.

Ist etwa der Förderverein Kämmereimuseum die große Ausnahme, während andere Vereine sich ihre Öffentlichkeitsarbeit, zu der sie sich meist durch ihre Satzung verpflichtet haben, aus Steuermitteln finanzieren lassen wollen?

Halten sie und ihre politischen Lobbyisten es für sozial gerecht, wenn Globalmittel für die Planung von Spielen und nicht für die Sozialeinrichtungen ausgegeben werden, deren fehlende finanzielle Förderung sie sonst immer so heftig beklagen?

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Chance für die Beiratsmehrheit

#43 von Reinhard , 19.02.2014 13:40

Chance für die Beiratsmehrheit

Ein Beschluss der Beiratsmehrheit, den 75. Jahrestag des Anschlusses Blumenthals an Bremen durch eine breites Spektrum von Feierlichkeiten zu begehen, hat vor einem Jahr zu Irritationen geführt. Auslöser war vor allem ein vorgesehenes „Jedermann-Fest“ auf der Bahrsplate.

Offenbar hatten die Befürworters dieses Projektes nicht berücksichtigt, dass damals der „Führer“ 1939 ohne jegliche Beteiligung der Einwohner diese Grenzverschiebung durch eine Unterschrift besiegelt hatte. Vor allem ließ jedoch die Wahl der Bahrsplate, also des Geländes eines ehemaligen KZs, als Festplatz für die „Anschlusssause“, kaum eine moralische und politische Sensibilität erkennen. Das gilt vor allem in einem Stadtteil, in dessen Beirat 2009 ein Vertreter der NPD gewählt wurde. Da konnte man außerhalb Blumenthals schon ein wenig skeptisch gegenüber einem möglichen politischen Kalkül in Blumenthal sein und entsprechend reagieren.

Daran kann auch die aktuelle Planung von Beirat und Ortsamt für dieses historische Ereignis nichts ändern, da jetzt nicht einmal eine historische Aufarbeitung des Anschlusses etwa durch eine Diskussionsveranstaltung oder ein wissenschaftliches Symposion vorgesehen ist. Es scheint ehe so, also ob sich die Beiratsmehrheit nach ihrem Fehltritt jetzt in eine Schmollecke zurückgezogen hätte.

Um diesen Eindruck zu korrigieren, bietet sich jetzt der Beiratsmehrheit eine gute Chance. In einem Bürgerantrag wird die symbolische Aberkennung der Ehrenbürgerschaft des NS-Gauleiters Otto Telschow angeregt. Dieser Nationalsozialist seit 1925 machte seit 1933 rasch Karriere, da er durch Reden gegen Juden, Freimaurer und Kommunisten auf sich aufmerksam machte.

Wichtig scheinen ihm in der Volksgemeinschaft, in der Einzelne nichts, das Volks jedoch alles sein sollte, persönliche Ehrungen gewesen zu sein. Dafür sprechen die zahlreichen Ehrenbürgerschaften, die ihm seit 1933 verliehen wurden, und die Gründung des heutigen Bremerhavener Stadtteils Surheide als „Otto-Telschow-Stadt.“

Unabhängig von allen juristischen Fragen dürfte eine Aberkennung der Ehrenbürgerschaft, wenn sie einstimmig erfolgt, nach den Ereignissen im letzten Jahr ein wichtige klärende Botschaft bedeuten. Diese Chance sollte auch der Blumenthaler Beirat sehen und nutzen!

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RE: Chance für die Beiratsmehrheit

#44 von Reinhard , 11.03.2014 08:54

Einstimmig

Wie man bereits im inoffiziellen Protokoll der „Linken“ erfahren kann, haben alle Beiratsmitglieder dem Bürgerantrag "Symbolische Aberkennung der Ehrenbürgerschaft von Otto Telschow" zugestimmt.

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Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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