Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#16 von Lola , 05.02.2013 19:49

..das Gelände der BRENOR an der Kreinsloger ist für Veranstaltungen in Blumenthal völlig ausreichend und für jeden erreichbar. Was spricht gegen das Gelände für Veranstaltungen? Es ist ja wohl nicht nur für Gewerbeveranstaltungen gedacht, oder?

Es besteht absolut keine Veranlassung die Bahrsplate für ein Volksfest dafür ins Auge zu fassen. Selbst wenn man die historische Vergangenheit dieses Geländes mal außen vor läßt, sollten die leeren Kassen schon die Vernunft walten lassen, denn durch ein Fest mit vielen Besuchern werden Wiesen und Anpflanzungen stark in Mitleidenschaft gezogen und die Wiederherstellung belastet den Etat unnötig.

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Abstimmung im September 2012

#17 von Reinhard , 07.02.2013 12:51

Das BLV hat gestern durch seinen Bericht zum aktuellen Stand der Diskussion über ein Anschlussfest auf der Bahrsplate ein Geheimnis gelüftet, das bisher nur die Teilnehmer der Beiratssitzung vom September letzten Jahres kannten. Nicht einmal das sonst in vielen Fragen so detaillierte Protokoll gab darüber Aufschluss. So wird darin zwar berichtet, dass ein weibliches Beiratsmitglieder kurz bevor ein anderer Antrag gestellt wurde, die Sitzung verlassen hat und nach der Beschlussfassung wieder zurückgekehrt ist.

Diese Präzision fehlt dann jedoch leider bei der Abstimmung zum Fest auf der Bahrsplate und auch der Artikel im BLV klärt uns nicht auf, wieso von den an der Sitzung teilnehmenden 14 Mitgliedern nur 10 an dieser jetzt so wichtigen Abstimmung teilgenommen haben.

Aber auch so kann ein weiteres Rätseln zu überraschenden Ergebnissen führen.

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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#18 von Lola , 08.02.2013 09:35

Die Norddeutsche v. 8.2.2013 - Seite 2
Positive Nachrichten aus Blumenthal
Kaufleute wollen am Image des Stadtteils arbeiten

Engagement ist immer gut, jedoch wenn man Aussagen liest wie "Was hilft eine wunderschöne Gegend, wenn sich die Menschen hier nicht mehr sicher fühlen", dann werde ich nachdenklich, zumal ich gestern auf einer Veranstaltung der Bürgerinitiative Tanklager-Farge war und dort Infos gehört habe, die mir Schauer über den Rücken jagten. Bei solchen Infos bekommt jede noch so schöne Gegend einen häßlichen Grauschleier.

Vielleicht sollten Vertreter der Politik oder Bürgervertreter viel mehr das Ohr an der Bevölkerung haben, dann fallen auch keine Aussagen die man durchaus als ignorant einstufen kann.
Könnte es sein das Vertreter der Politik sich immer weiter von den Bürgern entfernt?

Im letzten Absatz heißt es dann...
Zitat
...bricht aus dem Ortsamtsleiter doch noch der Ärger über diejenigen heraus, die das Jedermann-Fest auf der Bahrsplate torpediert hätten. Nowack:" Das waren alles Leute von außen, kein Blumenthaler".

Also ich wohne hier in Bremen -Blumenthal und finde den Ort für eine solche Feier unpassend und das Datum ist auch keine Feier wert.
Eine Gedenkfeier könnte ich mir allerdings schon vorstellen, so als Denkanstoss in Anlehnung an unsere Geschichte.

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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#19 von Reinhard , 09.02.2013 11:57

Schluss mit der Fettnäpfchen-Politik!

Bekanntlich haben im September letzten Jahres acht von siebzehn Blumenthaler Beiratsmitgliedern einen Beschluss gefasst, den zumindest sie damals für genial hielten. Sie wollten die Bürger mit einem sogenannten Jedermanns-Fest erfreuen und dafür das Land Bremen zur Kasse bitten.

Vielleicht hatten sie bei ihrer Entscheidung die bekannte Herrschaftsmaxime des alten Roms im Hinterkopf, wo die Herrschenden nach dem Motto "Brot und Spiele" für gute Stimmung sorgen und ihre eigenen Geschäfte unbehelligt von öffentlicher Kritik abwickeln wollten. Schließlich sollen sogar noch Zuckerbrote folgen, zumindest wenn man einer bitteren Satire in der taz Glauben schenken darf.

Als Anlass für diese Sause auf Kosten anderer sollte ein Jahrestag dienen, an dem Hitler, nachdem er einige Woche zuvor mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg begonnen hatte, per Unterschrift Blumenthal zu einem Teil Bremens gemacht hat. Auch ein Veranstaltungsort war schnell gefunden, den man bei dieser Gelegenheit noch infrastrukturell aufzurüsten hoffte: die Bahrsplate, wo Hitlers Schergen einst viele Menschen bis zum Tode gequält und gefoltert hatten.

Politisch mag man diese Eingemeindung durchaus unterschiedlich beurteilen. Andere Regionen fahren zumindest ganz gut damit, wenn sie ein eher kritisches Verhältnis zum Zentrum einnehmen. Man denke etwa an die Briten in Europa, die Katalanen in Spanien und nicht zuletzt die Bayern in Deutschland. Aber das können natürlich Gedankenspiele sein, die man in „Provinzstädtchen“ wie München, Barcelona oder London betreibt, wo man auch wie etwa in Barcelona kaum einen Menschen findet, der die Welt durch eine Fanbrille von Real Madrid betrachtet. Die Situation dort ist also nicht mit der von Blumenthal vergleichbar.

Hier an der Nordspitze Bremens hat man schließlich ganz andere Probleme, auch wenn sie nicht nur aus den Umweltbelastungen und sozialen Brennpunkten resultieren, die das heutige Stadtteilmanagment von seinen Vorgängern weitgehend geerbt hat.

Da man durch den September-Beschluss das Image Blumenthals weiter gefährdet hat, fordern die dafür Verantwortlichen jetzt „Stadtteilsolidarität“ ein und sind auf eine weitere Idee gekommen, die sie vermutlich erneut für genial halten, um aus der Sackgasse wieder herauszukommen. Sie wollen, ganz wie ihre großen Vorbilder am Bremer Marktplatz und in der Bundeshauptstadt, eine Arbeitsgruppe aus Experten einsetzen, in der „Historiker, auch Verbände, die Friedensschule, Kulturschaffende“ einbezogen werden sollen, um ein „unbedingt erforderliches Nutzungskonzept“ zu entwickeln. Dabei ging man sogar bis zur vermutlich als Drohung gemeinten Ankündigung, notfalls die „Bahrsplate umzäunen und sperren zu lassen.“

Bei solchen Ankündigungen kann es leicht passieren, dass das Blumenthaler Stadtteilmanagement in ein weiteres Fettnäpfchen tritt, wenn demnächst die Medien über diese Arbeitsgruppe berichten. Ihre Thematik ist schließlich völlig fragwürdig, denn mit welcher Legitimation soll ein Wissenschaftler, der sich in dieser Funktion ausschließlich damit beschäftigt, wie etwas ist, anderen vorschreiben, wie etwas sein soll.

Das ist zweifellos besonders fraglich, wenn von einem Hofwissenschaftler eine Aussage wie: „Auf jedem Flecken in Deutschland und Europa hat während der NS-Zeit das Unrecht geherrscht“ zitiert wird. Weiß dieser Experte möglicherweise nicht, dass es auch in dieser Zeit in Europa demokratische Staaten wie die Schweiz, Schweden und nicht zuletzt Großbritannien gegeben hat. Auch kann man sich zumindest sehr drüber streiten, ob man die Wohnungen von deutschen Nazi-Gegnern mit den KZs auf eine Stufe stellen kann.

Beim Ergebnis kommt es bekanntlich immer darauf an, wen man in eine Arbeitsgruppe einlädt, wobei merkwürdigerweise an Ethikfachleute offensichtlich nicht gedacht wurde, obwohl bei solchen Fragen etwa in Talkshows Theologen nie fehlen.

Wenn man an alle die vielfältigen Probleme denkt, die die Sitzungen eines solchen Gremiums aufwerfen und über lange Zeit die Medien mit Nachrichten versorgen werden, dürfte es ohnehin besser sein, rechtzeitig einen deutlichen Schnitt zu ziehen.

Feste kann man bekanntlich auch ohne belastete Anlässe feiern, ja, man kann sie sogar nutzen, um das Image eines Ortes zu erhöhen und seine Probleme offensiv anzugehen. Man muss nur dazu bereit sein und die Initiative hierzu ergreifen.

Viele Städte und Stadtteile feiern ihre Frühjahrs-, Sommer- oder Herbstfeste oder -märkte, die einen mehr oder weniger historisch überlieferten Anfang besitzen. Dabei ist es wichtig, dass sie jährlich stattfinden, da sich so eine positive Tradition mit entsprechendem Image herausbilden kann wie etwa beim Bremer Freimarkt oder beim Hamburger Dom.

Warum beginnt Blumenthal nicht mit einer solchen Tradition? Das wäre eine Neuanfang, den man sogar im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Stadtteils konzipieren kann. Dabei könnte man sich etwa für einen eher historischen Bezug wie ein Kämmerer-Fest entscheiden.

Man könnte allerdings auch mutiger sein und an eine bessere Zukunft für den Stadtteil mit seinen Integrationsproblemen an der George-Albrecht-Straße und in der Lüssumer Heide denken. Ein neuer Anfang ließe sich in einem entsprechen Namen zum Ausdruck bringen wie: Buntes Blumenthal oder Blumenthaler Vielfalt. Dazu könnte man möglicherweise die Kultur wenig integrierter Minderheiten, die man bisher vor allem im Internet findet, in ein solches Jedermann-Fest integrieren.

Und auch bei der Lokalität könnte man offener an die Sache herangehen. Warum macht man nicht einen Jahrmarkt mit Fahrgeschäften auf dem BRENOR-Gelände, Kulturelles auf der Burg Blomendal und ein multikulturelles Straßenfest mit kleinen Musikbühnen und internationaler Küche zwischen Blumenthal-Center und George-Albrecht-Straße?

Man sieht: es gibt viele Möglichkeiten außerhalb einer Fixierung auf eine Anschlusssause auf der Bahrsplate, die man mit Zähnen und Klauen verteidigen will.

Da kann man hoffen, dass die Blumenthaler Beiräte am Montag nicht engstirnig in Fraktionen denken, sondern einen mutigen Schritt nach vorn gehen und auch für Anträge stimmen, die nicht aus ihren eigenen Reihen stammen, sondern von unabhängigen Kollegen und engagierten Bürgern.


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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#20 von Reinhard , 11.02.2013 09:34

Blumenthaler Kastanien-Koalition?

Unsere politische Farbenlehre kennt eine Reihe von Kombinationen. So finden wir neben den beiden großen Lagern aus rot-grün und schwarz-gelb auch die Farben Jamaikas und nicht zu vergessen auch rot-rot und immer wieder als etwas ominöse Zukunftsperspektive schwarz-grün.

Möglicherweise müssen wir heute Abend diese Farbpalette erweitern; denn es könnte in einer Abstimmung zu einer Kastanien-Koalition kommen.

Nachdem in der Urlaubszeit des letzten Spätsommers acht Blumenthaler Beiratsmitglieder durch einen „naiven“ Ausrutscher, wie sich ein Akteur später entschuldigte, für eine Festeorgie im kommenden Jahr gestimmt hat, stellte sich inzwischen eine gewisse Katerstimmung ein. Nicht mehr jeder kann noch verstehen, warum die Unterschrift eines Diktators groß gefeiert werden muss, und das gerade dort, wo seine Schergen gefoltert und gemordet haben.

Allerdings fällt es nicht allen Menschen leicht, ihre Fehlritte offen einzugestehen. So wollen sich einige Beteiligte eine Brücke bauen. Sie möchten ihren Beschluss nicht einfach möglichst geräuschlos zu den Akten legen, sondern sich durch einen Arbeitskreis Absolution erteilen lassen.

Das dürfte nicht schwer fallen, da sie die hochkarätige Besetzung dieses Gremiums selbst in der Hand haben. Inzwischen hat sich sogar bereits ein Mitglied empfohlen, das per Zeitung erklärt hat, man könne überall in Deutschland, ja, sogar in ganz Europa, an jedem Ort ohne Skrupel eine Sause feiern, weil die Nazis überall regiert hätten. Danach könnte man also aus den Gedenkstätten Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Neuengamme oder Sachsenhausen Freizeitparks mit Fahrgeschäften und Würstchenbuden machen.

Das sehen nicht alle Parteifreunde so und der Bürgermeister und Kultursenator hat bereits deutlich gemahnt, sodass eine Förderung der Festivitäten mit 250.000 € Steuergeldern aus dem klammen Bremer Finanzsäckchen frühestens am Sankt Nimmerleinstag zu erwarten ist. Daher fordert das Blumenthaler Stadtteilmanagement jetzt „Stadtteilsolidarität“.

Ein großes Wort. Nur wo ist die Solidarität gegenüber den benachteiligten Bürgern, für die dieses Geld nicht ausgegeben werden kann, und vor allem gegenüber den Angehörigen der Opfer des Nazi-Regimes?

Und wo bleibt die Verantwortung gegenüber den Blumenthalern, deren Heimat in dieses bräunliche Licht gerückt wird?

Jetzt haben es die Beiratsmitglieder in der Hand, diesen Folgen eines spätsommerlichen Ausrutschers ein Ende zu bereiten. Die Alternative wäre eine Arbeitsgruppe, deren Diskussionen die belasteten Anschlussfeierlichkeiten auf der Bahrsplate noch monatelang als Nachrichtenthema in den Medien köcheln lassen.

Da dürfte die Entscheidung nicht schwer fallen, zumindest dann nicht, wenn sich am Ende eine rotbraune Kastanienkoalition abzeichnet, also Herr Humpe seine Stimme abgibt und vielleicht der eine oder andere Vertreter der Mehrheitsfraktion ihm folgen will. Oder sollte die Kastanie sogar auch ein paar schwarze Stellen bekommen?

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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#21 von Reinhard , 13.02.2013 10:14

Rückzug ohne großen Gesichtsverlust

In seiner heutigen Ausgabe schildert das BLV, wie der Beirat zu seinem Mehrheitsbeschluss am Montag gekommen ist. Danach hatten sich die beiden Mehrheitsfraktionen, die für den umstrittenen Beschluss aus dem letzten September verantwortlich waren, im Koordinierungsausschuss darauf geeinigt, zunächst den Antrag des fraktionslosen Beiratsmitglieds zur Abstimmung zu stellen, um ihn unterstützen zu können.

Danach wird jetzt eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die jedoch nicht, wie es von den Planern einer Anschlussfete auf der Bahrsplate als Entgegenkommen gegenüber ihren Kritikern ursprünglich gedacht war, über die Form der Jubiläumsfeierlichkeiten beraten soll. Jetzt wird es nach dem Willen der Mehrheit zwar auch eine Arbeitsgruppe geben, jedoch mit einer ganz anderen Zielsetzung.

Ihr Auftrag ist einerseits die Beantwortung der Frage, „ob im Jahr 2014 der 75. Jahrestag des Anschlusses Blumenthals an die Hansestadt Bremen während der NSDAP-Herrschaft gefeiert werden soll“. Andererseits sollen aber auch „Alternativen“, womit andere Stadtteilfeste gemeint sein können, und die „grundsätzliche Nutzung der Bahrsplate für Feiern“ behandelt werden.

Das sieht also durchaus nach der Korrektur einer Fehlentscheidung aus, auch wenn dabei sehr auf die Gesichtswahrung der Verantwortlichen geachtet wurde. Immerhin ist damit der Weg für eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit frei.

Da werden die Protagonisten einer bräunlich angehauchten Anschlusssause erstmals Argumente bringen müssen, wenn gleichzeitig bessere Alternativen für Stadtteilfeste zur Wahl stehen.


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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#22 von Reinhard , 22.02.2013 09:36

Die Webseiten öffentlicher Verwaltungen funktionieren üblicherweise wie Uhren. Sie zeigen Fakten an wie eine Uhr die Zeit, und zwar im Winter wie im Sommer, in guten und in schlechten Zeiten, einfach ohne jede Emotion.

Nur beim Ortsamt Blumenthal scheint die Informationsuhr jetzt ins Stottern gekommen zu sein, denn dort findet man immer noch nicht die in der letzten Sitzung am 11. Februar verabschiedeten Anträge. So kann man sich an dieser offiziellen Stelle immer noch nicht versichern, ob tatsächlich der Antrag von Herrn Klingenberg über ein Stadtteilfest ohne jegliche Modifikation eine Mehrheit erzielt hat.

Den Wortlaut kann man allerdings immer noch unter den „Aktuellen Anträgen“ abrufen. Dort heißt es in der Begründung: „Der 75. Jahrestag der Vierten Verordnung über den Neuaufbau des Reiches zum 1. November1939, d.h. der Anschluss Blumenthals an die Hansestadt Bremen während der NSDAP-Herrschaft, ist für viele Menschen kein Grund zum feiern“.

Ist diese Argumentation etwa der Grund für den Stillstand der „Uhr“, denn ein paar Tage vor der Sitzung war noch „inoffiziell“ aus dem Ortsamt bei Facebook zu einem BVL-Artikel gepostet worden, dass der „Einzige“, „der die Kompetenz für dieses Thema hat“, nichts Negatives an einer Jubiläumsfeier auf der Bahrsplate finden konnte.

In solchen Situationen kann man viel von einem guten Fußballcoach lernen, wie ihn Werder besitzt: Man muss Niederlagen akzeptieren, aus ihnen lernen und seine Mannschaft wieder motivieren. Das sollte auch für die Betreiber der Webseite des Ortsamtes gelten, die auf einen Kommentar im Weser-Kurier so rasch antworten konnten und dazu gleich einen SPD-Politiker aus der Blumenthaler SPD-Fraktion bei der Hand hatten.

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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#23 von Lola , 22.02.2013 14:14

Ich würde Dir ja so gern ein "gut analysiert" geben :-)

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Blumenthaler Managementlogik

#24 von Reinhard , 02.03.2013 16:20

Blumenthaler Managementlogik

Nachdem es recht lange gedauert hat, bis die beschlossenen Anträge der letzten Beiratssitzung abgerufen werden können,
muss man jetzt einen neuen verwaltungstechnischen Begriff eines modernen Stadtteilmanagement lernen. Dabei geht es um das Verb „aufgehen“, für das es 27 Synonyme gibt. So kann bekanntlich ein Hefekuchen aufgehen, eine Knospe aufgehen, ein Samenkorn aufgehen, die Sonne aufgehen oder auch eine Rechenaufgabe aufgehen.

Gerade diese fehlende Exaktheit dürfte der entscheidende Vorzug dieses Begriffs sein, da so niemand weiß, was konkret gemeint ist. Das ist auch in diesem Fall dringend erforderlich, da auf der Webseite des Blumenthaler Ortsamts der Antrag von Herrn Klingenberg, der „die Entwicklung eines Konzeptes zu einem regelmäßigen Stadtteilfest“ vorsieht und den „ Beiratsbeschluss zum Antrag vom 10.09.2012 “2014 / 75 Jahre Blumenthal” wird außer Kraft“ setzen will, in „dem Beschluss zur Bildung einer Arbeitsgruppe zur Planung der 75-Jahr-Feier“ aufgeht. Diesen Beschluss, der von seinem Namen her dem ursprünglichen Antrag weitgehend zu widersprechen scheint, kann man jedoch nicht finden.

Ist das der Versuch, einen Antrag gleichzeitig anzunehmen und abzulehnen und vor allem nach einer politischen „Instinktlosigkeit“ oder „Naivität“ sein Gesicht zu wahren?

Oder wird dadurch sogar der Wille einer Mehrheit geändert?

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RE: Blumenthaler Managementlogik

#25 von Reinhard , 02.03.2013 18:18

Wer schreibt, der bleibt

Was macht das Ortsamt jetzt aus dem „aufgegangenen“ Antrag von Herrn Klingenberg?

Es geht nicht mehr um ein „regelmäßiges Stadtteilfest“, sondern es soll nach der jetzt veröffentlichten Tagesordnung am 11. März 2013 eine „Arbeitsgruppe Bahrsplate“ zusammengesetzt werden.

Wie werden die gewählten Vertreter der Blumenthaler auf diesen veränderten Wortlaut ihres Beschlusses reagieren?

Wird man akzeptieren, dass die Entscheidungen nicht von den gewählten Beiräten, sondern einer „innovativen“ Verwaltung getroffen werden, wie sie sich selbst bezeichnet?


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RE: Blumenthaler Managementlogik

#26 von Lola , 03.03.2013 09:09

http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie

Zitat
Demokratie (griechisch Δημοκρατία, von δῆμος [dēmos], „Volk“, und κρατία [kratía], „Herrschaft“, vgl. -kratie; wörtlich: Herrschaft des Volkes) ist ein politisches System, bei dem das Volk eine wesentliche mitbestimmende Funktion einnimmt. Typische Merkmale einer Demokratie sind freie Wahlen, das Mehrheitsprinzip, die Respektierung politischer Opposition, Verfassungsmäßigkeit und Schutz der Grundrechte (bzw. nur den Staatsbürgern vorbehaltenen Bürgerrechten).
Zitat Ende

http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie#..._der_Demokratie

Ein wenig Lektüre über die Bedeutung "Demokratie" wäre bei dem behandelten Thema angebracht.

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Quizfrage

#27 von Reinhard , 04.03.2013 07:32

In diesem Zusammenhang fällt mir eine kleine Quizfrage eine:

In einer öffentlichen Sitzung des Blumenthaler Beirats wurde eine politische Diskussion, an der sich u.a. der Bremer Bürgermeister beteiligt hat, als „Affentheater“ bezeichnet.

Wer hat das wann gesagt?

a) Ein Vertreter der KPD 1939
b) Ein Vertreter der NSDAP 1939
c) Ein Vertreter der NPD 2013
d) Ein Vertreter der SPD 2013

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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#28 von Reinhard , 09.03.2013 23:09

Glückselige Verdrängung?

Wenn jetzt Politiker in Blumenthal die Jahre vor 1989 als positive Zeit herausstellen, in der es noch kein „Affentheater“ gab, sollten sie sich einmal an die Diskussion um das Buch „Die Kämmeristen“ erinnern oder sich darüber von Blumenthalern erzählen lassen, die damals an den Veranstaltungen zu der Veröffentlichung von Volkmar Leohold teilgenommen haben.

Als die ersten Manuskripte im April und Mai 1986 kursierten, schienen einige Blumenthaler erstmals zu erfahren, dass die Nazi-Zeit um ihre Heimat keinen Bogen gemacht hatte, sondern sie auch ein Ort war, in dem viele etwas gesehen und nicht wenige mitgemacht hatten. Die empörte „Literaturkritik“ bezog sich auf die durch Dokumente nachgewiesene Behandlung der Zwangsarbeiter in der BWK und eine veröffentlichte Seite aus einem Geschäftsbericht der BWK, auf der der Arbeitskameraden gedacht wurde, die in „höchster Pflichterfüllung“ „ein Beispiel gaben, indem sie „im Kampfe um die Freiheit Großdeutschlands“ 1941 „ihr Leben für Führer und Reich“ ließen.

Erst Jahre später wurde dann die weitere NS-Geschichte Blumenthals und auch der Bahrsplate aufgearbeitet.

Wer daher jetzt die heutige Zeit mit der vor dieser lokalen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit vergleicht, will anscheinend diese Jahre einer kritischen Diskussion auslöschen. Glaubt er etwa in einen Zustand glückseliger Unschuld zurückkehren zu können, wenn er nur kräftig verdrängt und ein Fest am Ort inhumaner Willkür feiert?

Es gibt mit anderen Worten einen großen Unterschied zwischen einer Feier zum 50. und zum 75. Jubiläum der Hitlerunterschrift zum Anschluss an Bremen. Vor der lokalen Aufarbeitung der Nazi-Zeit konnte man sich noch unwissend glauben, jetzt kann man es nicht mehr.

Vielmehr ist man ein Überzeugungstäter, wenn man trotz aller kritischen Einwände weiterhin unbeirrt ein Anschlussfest auf der Bahrsplate feiern will.

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RE: Volksfest auf der Bahrsplate

#29 von Lola , 10.03.2013 07:34

-Dokumente aus braunen Zeiten-

..so lautete die Überschrift eines Berichtes im Weser Kurier v. 5.3.2013
und klärt den Leser auf. "Machtergreifung" taucht in der Akte nicht auf. Die Akte trägt die Bezeichnung "Akte betreffend den Rücktritt des Senats. Übernahme der Befugnisse der obersten Landesbehörde durch den stv.Direktor des Arbeitsamt Bremen Dr.Markert als Reichskommissar":

Wer liest ist klar im Vorteil!
Der Weser Kurier widmete der der Historie 1 ganze Seite und wenn man die Vorkomnisse in Blumenthal in der letzten Zeit beobachtet hat, waren diese Berichte offenbar dringend nötig.
Die Redakteurin Corinna Tonner, hat eine Chronologie zusammengestellt, auf der man die Geschehnisse sehr einfach verfolgen kann.
Ich zitiere den 1.Absatz:
Ein "kompliziertes Gemisch von Legalität, Pseudo-Legalität und Drohung mit Gewalt"- so nennt der Historiker Herbert Schwarzwälder den Machtwechsel an der Weser vor 80 Jahren.
Schwarzwälder ist der Autor des Buches"Die Machtergreifung der NSDAP in Bremen".
Zitat Ende

Vor diesem Hintergrund soll eine Feier geplant werden.
Der demokratisch gewählte Senat ist komplett zurückgetreten oder"zurückgetreten worden"
Der neue Senat, der sich aus NS-Gefolgsleuten zusammensetzte hat demnach den Anschluß Blumenthals an Bremen besiegelt. Mit einer Feier für diesen Akt und dann noch auf der Bahrsplate, erteilt man dem Unrechtsregime aus meiner Sicht, die "Absolution".

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Innovative Demokratie ?

#30 von Reinhard , 11.03.2013 11:00

Innovative Demokratie ?

In einer parlamentarischen Demokratie wird bekanntlich im Rahmen verfassungsmäßiger Regelungen so gehandelt, wie es die gewählten Vertreter beschließen.

Praktische Vorbedingungen sind dabei, wie es etwa im Bremer Beirätegesetz beschrieben wird, klar ausformulierte Anträge, die diskutiert werden können.

Wie hier bereits mehrfach angesprochen wurde, sind solche Debatten, zumal sich daran sogar Bürger beteiligen, die keine Beiratsmitglieder sind, nicht nach dem Geschmack jedes Blumenthaler Politikers.

Das gilt sogar für Vertreter einer Partei, die vor einiger Zeit „mehr Demokratie wagen" wollte, deren Mitglied jetzt aber in der Diskussion um die Anschlussfeierlichkeiten von „Affentheater“ spricht. Dieses Wort führt gerade in diesem Zusammenhang zu besonders unguten Assoziationen, weil Vertreter der Partei, die nicht nur mit dem Anschluss Blumenthals, sondern vor allem mit Massenmorden und Terror verbunden ist, den Reichstag als „Quatschbude“ bezeichnet haben.

Anscheinend geht es diesen Beiräten jetzt vor allem um ihren Fauxpas vom letzten September, den manche wie ein verstocktes Kind nicht eingestehen wollen. Aber man sollte auch hier politisch korrekt argumentieren und die Kinder nicht diskreditieren. Es gibt sicherlich auch starr- und/oder eigensinnige Menschen in anderen Altergruppen.

Man kann zweifellos am besten politisch diskutieren, wenn man einen schriftlichen Antrag hat. Was passiert jedoch, wenn es praktisch zwei Anträge gibt, den veröffentlichten Antrag eines Beiratsmitglieds und einen mündlich angesprochenen der innovativen Verwaltung Blumenthals, dessen Inhalt zwar in einigen Medien mit ein oder zwei Sätzen umrissen wurde, der dem Beirat aber nicht als Antrag vorgelegt wurde.

Besonders brisant kann das werden, wenn sich die Anträge widersprechen, ja, man sie sogar als gegenseitige Kritik interpretieren kann. Das legen Aussagen wie „Der 75. Jahrestag der Vierten Verordnung über den Neuaufbau des Reiches zum 1. November1939, d.h. der Anschluss Blumenthals an die Hansestadt Bremen während der NSDAP-Herrschaft, ist für viele Menschen kein Grund zum feiern“ nahe, da die Vertreter des „informellen“ Antrags eine Arbeitsgruppe einsetzen wollen, die die Nutzung der Bahrsplatte für die Feier eben dieser Hitlerunterschrift prinzipiell klären soll.

Man kann diesen informellen Antrag zweifellos weniger freundlich auch als geheim bezeichnen, da er an keiner Stelle in der Öffentlichkeit ausformuliert worden ist. Gerade bei dem angesprochen Thema muss man dann fast zwangsläufig an die Geheimen Reichsachen der Nazi-Zeit denken.

Nach der Veröffentlichung des Ortsamtes ist auf der Sitzung am 11. Februar, für die noch kein Protokoll publiziert wurde, beschlossen worden:

- „Der Beiratsbeschluss zum Antrag vom 10.09.2012 “2014 / 75 Jahre Blumenthal” wird außer Kraft gesetzt“.
- Der Beirat Blumenthal bittet den Umweltsenator die „Erschließung der Bahrsplate durchzuführen.“
- Der Beirat bittet den Kultursenator um einen Etat für „ein (regelmäßiges) Blumenthaler Stadtteilfest
- Das Ortsamt Blumenthal wird gebeten, die Entwicklung eines Konzeptes zu einem regelmäßigen Stadtteilfest koordinierend zu begleiten“

Der angenommene und veröffentlichte Antrag umfasst damit vier klar definierte Teilbeschlüsse, in denen von der Einsetzung einer Arbeitsgruppe, wie vermutlich Geld und Zeit kosten wird, keine Rede ist.

Was wird aus diesem Beschluss der Mehrheit der Beiratsmitglieder jedoch, wenn die innovative Verwaltung nach dieser Vorgabe einen Tagesordnungspunkt der folgenden Beiratssitzung macht?

Dort wird von einem allerdings nicht veröffentlichten Beschluss „zur Bildung einer Arbeitsgruppe zur Planung der 75-Jahr-Feier“ berichtet, woraus dann in der Tagesordnung „7e Zusammensetzung der Arbeitsgruppe „Bahrsplate“ wird.

Wie ist dieser offensichtliche Widerspruch zwischen dem veröffentlichten angenommen Antrag und dieser Festsetzung der Tagesordnung zu erklären?

Ist dafür die „Kreativität“ der innovativen Verwaltung verantwortlich oder gibt es noch einen anderen geheimen Beiratsbeschluss?

Beides würde allerdings andeuten, dass sich die innovative Verwaltung zu einer innovativen Demokratie entwickelt.

Und wie heißt es doch immer so schön in den Sonntagsreden unserer demokratischen Politiker: „Wehret den Anfängen!


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Historisches
Videos zum Anschlussfest

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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