Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Einbruchsstatistik

#1 von Klueverbaum , 14.02.2013 13:36

Man versteht es nicht.

Mehr Einbrüche in Blumenthal titelte die Zeitung vorgestern. Und heute sieht der Blumenthaler Ortsamtsleiter eine Trendwende zum Guten?

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RE: Einbruchsstatistik

#2 von Lola , 14.02.2013 14:24

...das sind sicherlich Wunschträume und da kann ich ihn gut verstehen.

Vielleicht sollte er doch noch mal Kontakt mit den Statistikern oder den entsprechenden Polizeidienststellen aufnehmen und klären wer denn nun recht hat.

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RE: Einbruchsstatistik

#3 von Lola , 16.02.2013 09:41

Weser Kurer v. 16.2.2013 - Seite 1 - weiter auf Seite 10

Auf Seite 2 ein interessanter Kommentar mit der Überschrift: Gute Strategie
..im letzen Absatz heißt es:
Zitat
"Gleichzeitig sind die Grenzen der Polizeiarbeit deutlich geworden. Wenn klar ist, dass ein Dutzung Jugendliche in Blumenthal für den größten Teil der dortigen Wohnungseinbrüche verantwortlich ist, dann ist es Zeit, dass sich nicht nur Polizei und Justiz intensiv mit ihnen befassen, sondern auch die Sozialbehörden."
Zitat Ende

Wenn ich gleichzeitig lese, dass im niedersächsischen Umland die Einbruchsdelikte nach oben gegangen sind, bedeutet es nicht, dass es hier nur noch geläuterte Täter gibt, sondern möglicherweise haben sich einige vielleicht nur ein anderes Revier gesucht.

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RE: Einbruchsstatistik

#4 von Klueverbaum , 09.03.2013 20:36

Nun hat es den Getränkemarkt an der Weserstrandstraße erwischt, Freitag abend kurz vor Geschäftsschluss. Seit der Netto-Markt daneben leer steht, ist es dort ziemlich unbelebt.


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zuletzt bearbeitet 09.03.2013 | Top

Erfolgsbilanz?

#5 von Reinhard , 13.03.2013 10:12

Erfolgsbilanz?

Die hohe Kriminalitätsrate in Bremen ist nicht nur ein soziales Problem, das in Städterankings immer wieder zu einer Abwertung führt. Einer unsicheren Stadt fehlt eben ein Element, das für die Lebensqualität wichtig ist. Das wird jeder Betroffen bestätigen, der das Opfer von Straftaten wie Raub, Körperverletzung oder Einbruch wurde.

In Blumenthal ist die Kriminalitätsrate sogar noch zusätzlich ein ganz besonderes Politikum, da sich hier die innovative Verwaltung durch eine energische Kriminalitätsbekämpfung zumindest verbal profiliert, wobei sie auch die Kritik durch Medien wie die taz in Kauf nimmt. Motto ist dabei, wie das BLV berichtet, dass die Polizei so ermitteln muss, „dass die Justiz gar nicht mehr anders könne, als eine Strafe gegen die Täter zu verhängen“.

Eine solche Vorgabe macht sogar die Darstellung einer Statistik spannend, wenn man aus ihr etwas über den Erfolg dieser Strategie ablesen kann. Das kann auch für die Krimimalitässtatisk Blumenthals gelten, über die das BLV unter der Überschrift
In Blumenthal ist es „relativ sicher“. PI-Leiter Kevin Hamann stellte Kriminalitätsbelastung vor und verblüffte damit manchen“ berichtet.

Dieser Überraschungseffekt wird sogar noch größer, wenn man die genannten Zahlen einmal nachrechnet. So fällt auf, dass bei keinem der aufgeführten Einzeldelikte Körperverletzung, räuberische Erpressung, Wohnungsdiebstahl, Einbruch sowie Mord und Vergewaltigung die Fallzahl gesunken ist. Der Anstieg liegt sogar bei 18 % bis 50%, sodass man kaum von Erhebungsungenauigkeiten oder -fehlern sprechen kann.

Trotzdem soll nach dieser Statistik die Zahl aller gemeldeten Straftaten um knapp 3 % gesunken sein. Liegt das etwa daran, dass die Blumenthaler Bagatelldelikte wie Fahrrad- oder Ladendiebstahl nicht mehr bei der Polizei zur Anzeige bringen? Oder auch Beleidigungen, weil sie sich inzwischen an einen rüden Ton sogar durch die Beiratssitzungen gewöhnt haben?

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RE: Erfolgsbilanz?

#6 von Reinhard , 14.03.2013 09:47

Ein ähnlicher Abstumpfungseffekt könnte auch beim Mobbing eingetreten sein, wenn in einer Pressekonferenz des Ortsamtes gegen eine namentlich genannte Genossin der eigenen Partei „Spitzen geschickt“ wurden, weil sie in einer Sachfrage eine andere Position vertreten hat, die allerdings auf der Linie des Bremer Bürgermeisters lag.

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Die seltsame Kunst der Interpretation

#7 von Reinhard , 15.03.2013 11:00

Die seltsame Kunst der Interpretation

Mit Statistiken soll man bekanntlich ganz besonders gut lügen können, wenn man sie selbst erstellt. Das dürfte nicht zuletzt für die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gelten, wie jeder erfahren kann, der einmal ein Delikt anzeigen wollte. In vielen Fällen wird die Anzeige mit der Polizei praktisch „ausgehandelt“, was dann als Anzeigeverhalten interpretiert wird.

Man kann die Zahlen später dennoch mehr oder weniger falsch interpretieren. Relativ verlässlich dürften noch Vergleiche zwischen der Entwicklung in Blumenthal und der in Bremen sein, über die anscheinend der Blumenthaler Beirat nicht informiert wurde. Vielleicht nicht ganz ohne Grund; denn in Blumenthal ist die Zahl der insgesamt gemeldeten Straftaten weniger stark gesunken ( -2,6% gegenüber –6,7% im Land Bremen ), während die Zahl der Delikte, die in der Öffentlichkeit für das Sicherheitsgefühl besonders entscheidend sind, deutlich stärker angestiegen sind. So ist nach dem Bericht im BLV über die Angaben im Beirat die Zahl der Wohnungsdiebstähle in Blumenthal um 50,8% gestiegen, während es im Land „nur“ 5,6% waren. Ein ähnliches Bild findet man bei räuberischer Erpressung (+ 18,4 % gegenüber 12,0 % im Land) und bei Körperverletzungen (+ 28,6 % gegenüber 2,2 %).

Da darf man wirklich die Lage nicht „reinweg über Zahlen erschließen“, wenn man Blumenthal als „relativ sicheren Stadtteil“ bezeichnen will. Aufmerksame Beobachter dürfte diese überaus deutliche Tendenz jedenfalls aufschrecken.

Böswillige Zeitgenossen mögen sogar die Frage stellen, für wen Blumenthal offensichtlich ein "sicheres" und attraktives Pflaster ist.

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RE: Die seltsame Kunst der Interpretation

#8 von fight4yrights , 15.03.2013 12:07

Zitat
Böswillige Zeitgenossen mögen sogar die Frage stellen, für wen Blumenthal offensichtlich ein "sicheres" und attraktives Pflaster ist.



Na, für die, die "pragmatische Eigentumsbildner" zu Immobilien verhelfen wollen, mit Blick ins Grüne.
Oder dem, dem Kritik an der Hochglanzbroschüre "am Arsch vorbeigeht" - mit Blick auf die Grünen im Beirat.
Oder dem, der sachkundige Bürger als "Klugscheißer" (sc)hasst.

Blumenthal ist lebens- und liebenswert. Blumenthal hat Probleme, weil man seit Jahrzehnten sich lieber selber lobt, als "Problemzonen" in konstruktiver Diskussion und parteiunabhängig anzugehen. Da ist es doch wesentlich einfacher, die Opposition als "Lügnerin" (Fr. Krüger-Schurr, sie sagen die Unwahrheit) zu bezeichnen oder der Abgeordneten Der Linken (Fr. Krohne) das Mikrophon zu entreißen.
Oder als krönendes Beispiel:
An einen Rentner: Herr xxx, sie zahlen doch keine Steuern mehr, also interessiert ihre Meinung hier auch nicht.


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Lügen, verdammte Lügen und Statistiken

#9 von Reinhard , 24.03.2013 14:43

Lügen, verdammte Lügen und Statistiken

Über Statistiken wird viel gelästert. Nicht selten von denen, die sie nicht verstehen oder denen sie nicht gefallen.

Um diesen Problemen auf den Grund zu gehen, kann es vielleicht einmal ganz sinnvoll sein, die vorzeitige Beurteilung der möglichen Kritik an einer Statistik zu lesen, die selbst erst später veröffentlicht wurde.

Bei einem derartigen Vorhaben mögen manche Leser erstaunt fragen, ob es denn überhaupt so eine vorauseilende „Entkräftung“ der Kritik an einer nicht einmal publizierten Statistik geben kann.

Solche Skeptiker kann man allerdings leicht beruhigen; denn die innovative Verwaltung in Blumenthal hat diese vermutlich sehr sorgfältige Interpretation unter dem Titel: "Starker Rückgang bei Einbruchskriminalität auch in Blumenthal.Ortsamt bewertet Polizeiarbeit positiv.“ ins Netz gestellt.

Da Statistiken nicht nur als Datenfriedhöfe produziert werden, sondern häufig als Grundlage für die Bewertung von Maßnahmen dienen, haben sie eine wichtige politische Bedeutung. Man stelle sich nur einmal einen Politiker A. vor, der z. B. ein in Bremen besonders gravierendes Problem wie die Kriminalität mit einem veränderten Konzept in den Griff bekommen will. In diesem Fall wird jeder auf die Kriminalitätsstatistik schauen, um dort eine Veränderung zu finden; denn jeder neutrale Beobachter würde aus konstanten Zahlen oder gar einem überdurchschnittlichen weiteren Anstieg auf ein Scheitern des Konzepts schließen.

Das Problem Kriminalität kann für den Politiker A. daher leicht zu einem persönlichen Problem werden, da man an seiner Kompetenz zumindest in diesem Beeich zweifeln wird.

Für solche unangenehmen Situationen gibt es inzwischen eine richtige Beratungsliteratur. Danach muss man die Statistik nicht so nehmen wie sie ist, sondern man kann sie wenigsten schönen, auch wenn es sogar Bücher mit einem so hässlichen Titel wie „So lügt man mit Statistik?“ gibt.

Ein ganz besonderer Weg ist es, diese elenden nackten Zahlen einer Statistik einfach Zahlen sein zu lassen und sich stattdessen mit „genauer Betrachtung“ zu beschäftigen. Wozu Zahlen etwa in Vergleichen mit anderen Jahren oder Bremen insgesamt auswerten, wenn es auch Gespräche mit Beamten gibt. Falls man dann „den Kolleginnen und Kollegen des Reviers und des Einsatzdienstes Erhebliches abverlangt“ und „zusätzliche Nachtdienste, vermehrte Streifen zu Fuß und mit dem Fahrrad trotz schlechtem Wetter und Kälte auch in der Dunkelheit“ durchsetzt, kann man ja eigentlich nur „viele Erfolge erzielen“. Das gilt natürlich besonders dann, wenn man „in der Zusammenarbeit mit der Justiz“ "Haftbefehle erlässt“ und „einige Intensivtäter“ „weggesperrt“ hat.

Da wird wohl jeder Leser, der auch nur einigermaßen logisch denken kann, zustimmen müssen: ohne Täter kann es auch keine Taten geben.

Was sollen bei einer solchen Sachlage noch Zahlen? Reicht es denn nicht, wenn man sagen kann: „Wenn wir im Dezember nur eine Handvoll Einbrüche hatten, müssen wir dies auch positiv bewerten und uns bei den Polizisten für die gute Arbeit bedanken, statt sie mit statistischen Fehlinterpretationen zu demotivieren!“

Der Stolz beruht dabei auf einer Entwicklung der Einbruchsdelikte, über die es heißt: „Das letzte Quartal 2012 hat unsere Statistik praktisch gerettet, weil wir nur knapp die Hälfte der Einbrüche hatten wie in den Quartalen zuvor.“

Wie sieht jedoch diese Statistik in der herkömmlichen Form aus? Die Zahl der gemeldeten Wohnungsdiebstähle ist in Blumenthal von 199 im Jahr 2011 auf 300 im letzten Jahr, also um gut 50% gestiegen, während es in Bremen insgesamt nur einen Zuwachs von knapp 6 % gab. Nicht einmal von dem "auch" in der Überschrift lässt also die reale Statistik etwas erkennen.

Wer wird bei dieser Entwicklung und dem beschriebenen Engagement der Polizeibeamten die Ursache in einer fehlenden Motivation suchen wollen?

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#10 von Reinhard , 08.01.2014 11:53

Offene Fragen

Nach einem Zeitungsbericht ist in Blumenthal die Zahl der Einbrüche im vergangenen Jahr 2013 nach Rekordwerten in 2012, die das Quartier der George-Albrecht-Straße zu einem über die Grenzen Bremens bekannten sozialen Brennpunkt gemacht haben, deutlich gesunken. Gleichzeitig wird für die Zahl der Körperverletzungen ein leichter Anstieg gemeldet.

Da diese Daten von der Sozialbehörde präsentiert wurden, könnte man vermuten, dass Maßnahmen im sozialen Bereich möglicherweise die Änderung bewirkt haben.

Das dürfte jedoch nicht der Fall sein, da deren Projekte noch geplant werden und bisher erst eine Quartiersmanagerin eingestellt wurde, die auf der Suche nach einem Quartierstreffpunkt ist. Aber auch auch ohne einen Beitrag der Sozialbehörde haben sich inzwischen auch mehrere Väter und sicherlich auch Mütter dieses Erfolges gemeldet.

Dazu zählen sowohl die Polizei vor Ort als auch der Stadtteilmanager, der mithilfe der Bürgerstiftung und angemieteter Segways Polizeibeamte fast lautlos durch besonders betroffene Straßen rollen ließ.

Inzwischen sind Auszüge aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für Bremen-Nord und Blumenthal veröffentlicht w0rden. Dabei handelt es sich allerdings nur um Daten für die beiden ersten Halbjahre 2012 und 2013, sodass sich nichts drüber sagen lässt,ob der jetzt benutzte Vergleichszeitraum eher durchschnittliche oder extrem abweichende Kriminalitätswerte aufwies. Die Zahlen für 2011 (vgl. Posting ) deuten das zumindest an. In derartigen Fällen war das Krebsregister bei seinen Auswertungen immer vorsichtiger, wenn es „Zufälle“ durch ein vorgegebenes Signifikanzniveau ausschließen will.

Da solche statistischen „Feinheiten“ in diesem Fall nicht berücksichtigt werden, rücken die Behörden zwei Zahlen in den Vordergrund: in Blumenthal ist die Zahl der gemeldeten Wohnungseinbrüche von 192 (1.Halbjahr 2012) auf 52 (1. Halbjahr 2013) gefallen. Dieser Rückgang um über 70 % liegt damit deutlich über dem im gesamten Stadtbezirk Bremen-Nord.

Damit ist dieser Wert unter den Delikten ein Ausreißer; denn gleichzeitig sind in Blumenthal die Wohnungsdiebstähle und die Diebstähle aus Autos, also zwei Eigentumsdelikte, die den Wohnungseinbrüche sehr ähnlich sind, leicht gestiegen. Dasselbe gilt für Körperverletzungen und Sachbeschädigungen.

Dieses komplexe Bild dürfte daher einige übereilte einfache Erklärungen ausschließen.

Nach dem Bericht zur Quartiersentwicklung „Altes“ Zentrum Blumenthal führt der Senator für Inneres „die positive Entwicklung auf die gezielten polizeilichen Maßnahmen zurück. Die Vollstreckung von Haftbefehlen und die damit einhergehende Verunsicherung des Umfeldes dieser Personen sind vermutlich weitere Gründe für diese positive Entwicklung.“

Diese Argumente lassen sich sicherlich nicht von der Hand weisen; denn Mitglieder einer Gruppe wie der Los Arabs, die sich öffentlich ihrer gewinnträchtigen Einbruchsserien gebrüstet haben, dürften die Zahl der Einbrüche deutlich senken, wenn sie durch Mauern und vergitterte Fenster an ihren angeblich berufsmäßig betriebenen Eigentumsdelikten hindert werden.

Die unterschiedliche Entwicklung etwa bei bei den Wohnungseinbrüche und den Diebstählen aus Autos wirft jedoch weitere Fragen auf, die zu zusätzlichen Erklärungen führen können:

Haben vielleicht die Bürger selbst für einen Schutz vor Einbrechern gesorgt, indem sie ihr Eigentum durch künstliche DNA gekennzeichnet haben, wie es kürzlich sogar im Fernsehen über entsprechende Maßnahmen in Lüssum berichtet wurde?

Oder haben etwa potenzielle Einbrecher festgestellt, dass sie in anderen Bremer Stadtteilen eine attraktivere Beute finden können als in einem sozial benachteiligten Stadtteil?

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Medial publizierte und tatsächlich erfasste Kriminalität

#11 von Reinhard , 18.03.2015 13:48

Medial publizierte und tatsächlich erfasste Kriminalität

Vor einigen Tagen haben der Bremer Innensenator und der Polizeipräsident auf einer Pressekonferenz die Polizeilich Kriminalstatistik (PKS) 2014 für Bremen und Bremerhaven präsentiert.

Entsprechend dem jeweiligen politischen Lager wurden gerade in der jetzigen Wahlkampfzeit die Daten unterschiedlich interpretiert. Das ist in diesem Fall auch besonders leicht möglich, da die erfassten Straftaten insgesamt gesunken, die Zahl der vor allem stark wahrgenommenen Fälle von Straßenraub und Wohnungseinbrüchen jedoch gestiegen ist.

Wenn man nicht nur die Presseerklärung liest, sondern auch einen Blick in die weiteren statistischen Unterlagen wirft, die zur Pressekonferenz vorgelegt wurden, findet man einige politisch noch brisantere Informationen.

Die Problemgruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge

Nach diesen Auswertungen sind generell männliche Jugendliche und Heranwachsende unter den Tatverdächtigen erheblich überrepräsentiert. Das gilt in besonderem Maße für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (umF), die 10 % aller tatverdächtigen Jugendlichen stellen. Noch höher ist ihr Anteil an der Zahl der erfassten Straftaten; denn dieser Gruppe werden 29 % aller Straftaten zugerechnet. Es handelt sich also bei diesen Jugendlichen in einem erheblichen Maße um Intensivtäter.

Wenn man also die Kriminalität in Bremen senken will, macht es sehr viel Sinn,sich intensiver mit dieser Gruppe zu beschäftigen. Allerdings sollten die Maßnahmen nachweisbar wirksam sein und nicht nur dazu dienen, die Innenbehörde von einem Vorwurf der Untätigkeit zu entlasten.

Die regionale Herkunft der Tatverdächtigen

Mit einigen speziellen Auswertungen wurde inzwischen die Daten für 2012 weiter analysiert. Dabei wurde sowohl eine regionale Aufgliederung der Straftaten für die Bremer Polizeireviere als auch nach dem Alter und der Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen vorgenommen.

Diese detaillierte Analyse lässt erkennen, dass die häufig angenommene höhere Kriminalität von Ausländern in dieser Generalisierung falsch ist. Zwar trifft diese pauschale Aussage zu, wenn man nur auf den Gesamtdurchschnitt fixiert ist. Ein genauerer Blick zeigt jedoch erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Staatsangehörigkeiten, die in der Statistik ausgewiesen werden. Während die Anteilswerte etwa für Portugiesen und Italiener sich kaum von denen der Deutschen unterscheiden, sind Menschen, die die Staatsangehörigkeit einiger afrikanischer Länder oder von Balkanstaaten besitzen, teilweise bis zum 10-fachen überrepräsentiert. In diesem Fall steht also etwa einem Bevölkerungsanteil von 0,13 % ein Anteil an den Tatverdächtigen von 1,18 % gegenüber. (S. 83)

Gründe für dieses Unterschiede, von denen ein Präventionsprogramm ausgehen kann, dürften die unterschiedlichen Lebenssituationen und Sozialisationsgeschichten sein.

Das Blumenthaler PKS-Wunder

In dieser Publikation für 2012 wird auch die zumindest vom Ausmaß her überraschende Kriminalitätsentwicklung in Blumenthal belegt, wo es 2012 im Vergleich zu 2011 zu einem deutlichen Rückgang der Wohnungseinbrüche gekommen ist. (S. 109) Hier wird sehen müssen, wie die kleinräumigen Daten für 20 aussehen, um den sprunghaften Rückgang im Vorjahr erklären zu können.


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zuletzt bearbeitet 23.03.2015 | Top

   

..wie geht es nun weiter für die Bewohner der Richard-Jung-Straße?
"Bremische und Beamten-Baugesellschaft bekommen offenbar schon wieder einen neuen Eigentümer

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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