Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

"Opfer der Gesinnungsjustiz"

#1 von Lola , 06.08.2016 08:02

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen...id,1430789.html

Zitat
Opfer der Gesinnungsjustiz
60 Jahre KPD-Verbot: Zeitzeugen erinnern sich

Jürgen Theiner 06.08.2016 0 Kommentare

Das Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) jährt sich in diesen Tagen zum sechzigsten Mal. Der Gröpelinger Willi Gerns erlebte den Tag hinter Gittern.

Rädelsführerschaft in einer verfassungsfeindlichen Organisation und Geheimbündelei: Die strafrechtlichen Vorwürfe, mit denen sich Willi Gerns konfrontiert sah, wogen schwer. Und sie hatten Folgen für den heute 85-jährigen Gröpelinger. Gerns musste für zwei Jahre hinter Gitter. 1955 war das, in jener halbautoritären Ära der frühen Bundesrepublik, als die Angst vor den „Roten“ zur Paranoia wurde und die kommunistischen Organisationen zunächst schleichend kriminalisiert und dann Zug um Zug ausgeschaltet wurden – mit dem Höhepunkt des Verbots der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), das sich in diesen Tagen zum sechzigsten Mal jährt.

Der Beitrag informiert weiter...
"Kampf im Verborgenen

Als führender FDJ-Funktionär operierte Gerns fortan im Verborgenen, doch das ging nicht auf Dauer gut. 1955 wurde er verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis nach Wolfenbüttel gebracht. Wenige Monate später kam es zum Prozess vor dem Landgericht Lüneburg, die Anklage vertrat der spätere Generalbundesanwalt Siegfried Buback.

„Die Prozessführung durch den Vorsitzenden war unglaublich“, ereifert sich Gerns noch sechs Jahrzehnte später. „Das war ein ehemaliger NS-Kriegsgerichtsrat. Der hatte im Elsass an Todesurteilen gegen französische Resistance-Kämpfer mitgewirkt.“ Ein Kommunistenfresser erster Güte also, der da über Gerns zu Gericht saß – und ihm auch ständig ins Wort fiel, wenn er sich zu den Tatvorwürfen äußerte, wie sich der 85-Jährige erinnert.

Der Schuldspruch war schnell gefällt: Zwei Jahre Gefängnis, „die ich auch bis zum letzten Tag abgesessen habe“, so Gerns. Das Verbot der KPD im August 1956 erlebte er mithin hinter Gittern. Es war nicht der letzte politische Prozess, mit dem Willi Gerns überzogen wurde.

Der Artikel endet wie folgt:

Um die Jahrtausendwende, als in Berlin eine rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder amtierte, hielt Heinrich Hannover den Zeitpunkt für gekommen, eine Rehabilitierung der Opfer der antikommunistischen Gesinnungsjustiz in die Wege zu leiten. In einem Brief wandte er sich in diesem Sinne an Schröder, der vor seiner politischen Karriere selbst Anwalt war und den Hannover gut zu kennen glaubte.

„Von Schröder habe ich allerdings keine Antwort bekommen“, bedauert Hannover. „Stattdessen schrieb mir ein Ministerialrat, dass in Westdeutschland immer alles rechtsstaatlich zugegangen sei. Dem habe ich dann zurückgeschrieben, er möge seinem Chef ausrichten, dass er sich schämen soll.“
Zitat Ende


Lola  
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zuletzt bearbeitet 06.08.2016 | Top

RE: "Opfer der Gesinnungsjustiz"

#2 von Lola , 06.08.2016 09:41

http://rurufi.ibk.me/
Zitat:
"Willkommen auf der Homepage vom Stasiopfer und Autor Jürgen Brand"



https://www.facebook.com/groups/31014177...19775638215890/
Auf Facebook wurde am 3.8.2016 mit diesem Einganspost eine Diskussion eröffnet:

Kürzlich hat ein Buchautor- Jürgen Brand- über seine Hafterlebnisse in der "DDR" eine Leseprobe hier eingestellt, die wir auch diskutiert haben. In der Zwischenzeit habe ich Band 1 und 2 bekommen und bis auf ein paar Seiten vom Band 2 gelesen. Sein einziges "Verbrechen" war, dass er ein Andersdenkender war und das DDR-System für sich abgelehnt hat. Er hat Ausreiseanträge über Ausreiseanträge gestellt, wurde von Denunzianten bespitzelt von denen er es nie für möglich gehalten hätte. Hat lange Haftstrafen ertragen müssen und während der Haftstrafen noch Einzelarrest, Essensentzug zwar nicht total, aber die Häftlinge wurden nie satt. Er hat sogar Hilfsgesuche an Rundfunkanstalten geschickt, u.a auch an

Radio Bremen v. 10. Mai 1978.

Hat seine Situation in einem kurzen Brief geschildert, denn er hatte nur einen Wunsch und der hieß "Freiheit". Er bat den Sender um Hilfe und ob man sein Hilfegesuch an eine zuständige Stelle weiterleiten würde. Er bat auch um Antwort, die aber nie eingetroffen ist.

Nachdem ich nun die Vorgehensweise gegen Herrn Balz und andere Andersdenkende hier miterleben durfte, ist es m.M. nach kein Wunder, dass er von Radio Bremen nichts gehört hat. Könnte es sogar sein, dass beide "Staaten" einen regen Datenaustausch hatten? In einem anderen Buch das ich z.Zt. lese, war ich sehr verwundert, dass auch viele Politiker, auch Bundespolitiker, aus der Kommunistischen Parteienszene kommen, die irgendwann in "angesagte Parteien" eingetreten sind, denn offenbar konnten sie nur so eine sichere politische Karriere anstreben?

Die andere Seite wird "kapitalistisch erzogen" und alles auf Konsum und vermeintliche Freiheit ausgerichtet, egal in welchen Lebenslagen. Die Entfremdung von Familie sowie familiärer Zusammenhalt wurde sozusagen gefördert. Zum Glück hat es nicht bei allen Menschen funktioniert, sonst wären wir schon am Ende.

Quelle: "Hafterlebnisse eines DDR-Bürgers" - Jürgen Brand - ISBN 978-3-7375-0481-2 Band 1
ISBN 978-3-7375-0482-9 Band 2



Der Autor hat auch das Thema „Zwangsadoption in der DDR” erwähnt und das noch heute verzweifelte Mütter nach ihren Kindern suchen.

http://www.personen-suche-ddr.de/
Zitat
"Ideologisch motivierte Zwangsadoptionen gehören zu den dunkelsten Kapiteln der SED-Herrschaft und sind nach wie vor ein “dunkles” Thema in unserer heutigen Gesellschaft. Das Thema „Zwangsadoption in der DDR” erregt nach wie vor die Gemüter.

Noch immer sind viele Betroffene im Unklaren über ihr Schicksal. Zwangsadoptionen waren nicht immer politisch bedingt. Sie geschahen oft unter dem Deckmantel des asozialen §249 des DDR-StGB. Es gab jedoch auch Willkürakte durch Jugendämter und von Eltern, die noch die elterliche Sorge über schwangere Jugendliche hatten.

Die Resonanz auf mein Internetangebot zeigt, wie aktuell das Problem noch heute ist und das die Zeit gereift ist, wo sich viele betroffene Menschen zu Wort melden. Online-Suchanfrage nach allen Menschen, die in der ehemaligen DDR zwangsadoptiert wurden "
Zitat Ende

https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangsadoption
Zitat
Zwangsadoptionen sind Mittel des staatlichen Eingriffs in das Familienleben. Aus verschiedenen politischen Gründen agiert der Staatsapparat mit der Herausnahme von Kindern aus den Herkunftsfamilien und der Fremdplatzierung in Pflegefamilien.

Der Gedanke einer Umerziehung der betroffenen Kinder - sei es aus rassisch-kulturellen oder politischen Motiven - spielt bei der Zwangsadoption eine Rolle. Bei der Durchführung von Zwangsadoptionen handelt es sich um den Missbrauch von staatlicher Gewalt gegenüber dem Bürger. Kennzeichnend für Zwangsadoptionen sind der gezielte Einsatz seelischer Grausamkeiten und psychischer Gewalt gegenüber betroffenen Kindern und Eltern mit der Trennung der bestehenden familiären Bindungen und der anschließenden Ungewissheit über das Schicksal der Familienangehörigen. Bei den rassisch/kulturell motivierten Zwangsadoptionen tritt bei den Kindern zusätzlich zur elterlichen Entfremdung das beabsichtigte Phänomen der kulturellen Entfremdung bei Sprache, Sitten, Glauben und Geschichtsinterpretation auf.

Zwangsadoptionen sind bekannt aus der Zeit des Nationalsozialismus, aus der Geschichte der DDR, aus der Schweiz, aus Australien, Argentinien (siehe Desaparecidos), Kanada und den USA.

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