Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Integration: Politischer Begriff und kommunales Ziel

#1 von Reinhard , 06.03.2016 13:58

Integration: Politischer Begriff und kommunales Ziel

Das Wort Integration besitzt in verschiedenen Zusammenhängen eine unterschiedliche Bedeutung. In der Flüchtlingsdiskussion wird es von den Politikern und Medien fast einmütig als Ziel eine erfolgreichen Politik angestrebt. Dabei steht es für die Fähigkeit der Zuwanderer, sich auf Deutsch erfolgreich verständigen zu können, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu besitzen und nicht in einer Sammelunterkunft zu leben.

Umstritten ist hingegen die Frage, ob ein integrierter Zuwanderer auch die Normen und Werte einer deutschen Leitkultur teilen muss, was nicht zuletzt an einer Bestimmung der als notwendig erachteten Teile scheitert.

Dabei gehört zur Integration fraglos ein Teilen der Werte des Grundgesetzes mit seinen garantierten Menschenrechten. Schwieriger wird es jedoch, auch Merkmale festzulegen, die für ein typisches Deutschsein stehen, aus einem Zuwanderer also einen Deutschen machen, der nicht nur hier lebt, sondern sich auch von den Angehörigen einer anderen Nationalität unterscheidet.
Neben den harten statistischen Kriteren verdient für das Verhalten der Zuwanderer vor allem die psychische und soziale Selbsteinschätzung eine zentrale Rolle, die sich in einem herausgebildeten Wir-Gefühl mit der aufnehmenden Bevölkerung zeigt, denn ein integrierter Zuwanderer muss sich zumindest neben seiner ehemaligen Nationalität auch als Deutscher fühlen und seine neuen Landsleute nicht als „Scheißdeutsche“ bezeichnen, wie es der ehemaliger Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky, in seinem Buch „Die andere Gesellschaft“ vor allem von Jugendlichen berichtet.

Assimilation, Integration und Segregation

Für eine aufnehmende Kultur steht häufig die vollständige Assimilation der Zuwandernden am Ende eines Integrationsprozesses. Daür gibt es auch gute Beispiele in Blumenthal. So wurden die in olnicen spehenden Teilen euens angeworbenen Arbeskrfte der BWK, die, wie es der Roman Maddo Clüver von Tami Oelfken bchreibt, als Fremde wahrgenommen, innerhalb kurzer Zeit trotz konfessioneller Unteschide Ehepartner in ihrr neuen Heimat fanden und Blumenthaler wurden, ohne dass es außerhalb der katholischen Kirche nennenswerte Versuche gegeben hat, eine polnische Identität zu bewahren.

Ähnlich verlief die Integraion der Flüchtling und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. In diesem Fall errang deren politische Interessenvertretung, der Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) Anfang der 1950-er Jahre noch einen signifikanten Stimmenteil in Blumenthal, der dann rasch verschwand.

Das ist jedoch keineswegs immer der Fall, wie vor allem einige Untersuchungn aus den USA über die Entwickung verschiedener Einwanderergruppen in Großstädten wie Chicago zeigen.

Speziell im Hinblick auf eine schulische Integration veranschaulicht eine wikipedia-Dastellung das Verhältnis zwischen einer aufnehmenden Bevölkerung, die durch rote Punkte dargestellt wird, und verschiedene Zuwandererguppen. Dabei werden teilwese abweichende Begriffe verwendet. Das gllt etwa für die Inklusion, die der Assimilation entspricht.




Dabei konnten Sozialwissenschaftler vor allem von der sogenannten Chicago School der University of Chicago relativ einheitliche Verläufe dieser Prozesse feststellen, und zwar ganz unabhängig von der im Einzelfall betroffenen Ethnie. Dabei schenkte man der Verteilung der Kriminalität auf die verschiedenen Sozialräume einer Stadt große Beachtung, we das folgende youtube-Video zu diesem sozialen Poblem herausstellt.




Der relativ komplexe wechselseitige Integrationsprozess von Menschen mit einem Migrationshintergrund lässt sich generell durch Phasen von Annäherung, gegenseitiger Auseinandersetzung, Kommunikation, dem Finden von Gemeinsamkeiten, aber auch dem Feststellen von Unterschieden sowie der Übernahme gemeinschaftlicher Verantwortung zwischen Zugewanderten und der anwesenden Mehrheitsbevölkerung beschreiben.

Im Gegensatz zur Assimilation verlangt die Integration wegen des gegenseitigen Kennenlernens und zahlreichen wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägten Änderungen in beiden beteiligten Gruppen keine Aufgabe der eigenen kulturellen Identität. Ein gutes Beispiel kann die Übernahme von Elemente der afro-amerikanischen Musik durch die weiße Mehrheit in den USA sein.

Eine Integration ist immer an eine entsprechende Bereitschaft sowohl bei der Mehrheitsbevlkerung als auch den Zuwanderergruppen geknüpft. So setzt sie etwa in der aktuellen Flüchtlingssituation den Erwerb von zahlreichen Kenntnissen und Fähigkeiten voraus, aber auch den Willen, Teil der neuen Kultur zu werden. Unabdingbare zentrale Voraussetzung ist dabei Erlernen der neuen Sprache. Aber parallel dazu ist auch eine Kommunikationsbereitschaft aller Familienangehörigen gegenüber der Aufnahmegesellschaft notwendig.

Da hat es die Mehrheitsgesellschaft leichter, deren Mitglieder vielleicht aus Höflichkeitsgründen ein paar sprachliche Wendung der Zuwanderer lernen, vor allem jedoch zur die Aufnahme der Zuwanderer generell bereit sein sollten und ihnen zunächst bei den zwangsläufig auftretenden Integrationsschwierigkeiten mit Nachsicht begegnen müssen.

Nur so werden sich die langwierigen Schwierigkeiten vermeiden lassen, die entstehen, wenn eine Zuwanderergruppe dauerhaft bleibt, aber nur schlecht integriert ist, wie das in Blumenthal für die Roma an der George-Albrecht-Straße gilt.


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zuletzt bearbeitet 07.03.2016 | Top

Sozialer Abstieg von Wohnquartieren durch Invasion und Sukzession

#2 von Reinhard , 07.03.2016 10:54

Sozialer Abstieg von Wohnquartieren durch Invasion und Sukzession

Die Integration von Zuwandernden lässt sich nicht ausschließlich als Aufgabe der nationalen Politik betrachten. Sie besitzt vielmehr eine ganz wichtige räumliche Dimension, da der Wohnstandort der Migranten deren Kontakte zur aufnehmenden Bevölkerung als Nachbarn und gemeinsame Teilnahme an Veranstaltungen in Kindergärten, Schulen, Vereinen usw. ganz real prägen. Daher haben sich die Forscher in Chicago sehr intensiv mit diesen Prozessen beschäftigt, die sich in einem gut beobachtbaren Wandel von Stadtquartieren auswirken, wobei ein Austausch der Bevölkerung in sogenannten Invasions-Sukzessions-Zyklen erfolgt. Dabei begint eine Minderheit sich in einem Wohnquartier niederzulassen (Invasion), was eine Abwanderung der alten Wohnbevölkerung auslöst, wodurch nach und nach die Minderheit zur Mehrheit wird (Sukzession).

Inzwischen konnte man beobachten, dass diese Prozesse nicht nur ablaufen wenn eine statusniedrigere eine statushöhere Bevölkerungsgruppe verdrängt, sondern auch ein formal ganz ähnlicher Vorgang bei umgekehrten Statusverhältnssen erfolgt. Das trifft für die Gentrifizierung zu, die man in Bremen im Viertel beobachten konnte.

Üblicherweise werden in dem Invasions-Sukzessions-Modell der Sozialökologen verschiedene Phasen unterschieden, denn wenn man von den spezifischen Besonderheiten einzelner Stadtviertel abstrahiert, lassen sich durchgängige Gemeinsamkeiten erkennen. Alle diese Modelle unterstreichen die Bedeutung der räumlichen Konzentration einer Immigrantengruppe für den Aufbau einer ethnischen Kolonie und den weiteren Integrations- und Assimilationsprozess. Am Beispiel der amerikanischen Juden und ihrer Integration in die Gesellschaft entwarf Louis Wirth 1928 ein entsprechendes mehrstufiges Modell :

In der Pionierphase werden zunächst für die etablierte Bevölkerung weniger attraktive Wohngegenden durch die Immigranten besiedelt. Gleichzeitig findet eine ökonomische Integration auf der Ebene von gering bewerteten Berufspositionen statt. In dieser Phase werden auch Einrichtungen und Institutionen aufgebaut, die an die Herkunftskultur der Einwanderer anschließen.

Die zweite Phase ist vom sozialen Aufstieg eines Teils der Ghettobewohner gekennzeichnet, die daraufhin in bessere Viertel umziehen und sich oft auch in ihrem Verhalten und ihren Einstellungen der Aufnahmegesellschaft gegenüber öffnen. Für die sich daran anschließenden Entwicklungen ist die Phaseneinteilung nicht einheitlich, aber die beschriebenen Prozesse sind nahezu identisch.

Die freiwerdenden Nischen werden durch neue Immigranten besetzt. Aus der heterogeneren Ghettobevölkerung steigen während einer dritten Phase weiterhin Personen oder Familien auf und siedeln in besser ausgestattete Wohngebiete um. Mit der zunehmenden räumlichen Vermischung von autochthoner und allochthoner Bevölkerung sind auch zunehmend bikulturelle Freundschaftsbeziehungen verbunden und entsprechende Partnerschaften werden eingegangen, die letztlich zu einer Auflösung der Gruppengrenzen führen können.

Mit der schrittweisen Reduzierung der Ghettogesellschaft auf einen Kern von Personen, die ihre Ethnizität stärker betonen, kann es in einer vierten Phase aber auch zu entgegengesetzten Entwicklungen kommen, die sich in der stärkeren Betonung der Herkunftskultur und einem Ausbau der ethnischen Infrastruktur äußern.

Das politische Ziel der Stadte ist es daher, eine Ghettobildung und ein weiteres Absinken enes Gebites als Slum zu vermeiden.

Auf dem gefährlichen Teuelskreis bei der Sozialisation in einem Ghetto, die ein zentrales Problem für das Bildungsystem darstellt, hat durch den Hit "In the Ghetto" von Elvis Presley it musikalichen Methoden sehr eindrucksvoll aufmerksam gemacht:




Aus der Sicht von betroffenen Jugendlichen aus segregierten sozialen Brennpunkten, wie man sie auch in Bremen-Nord etwa in Lüssum findet, drücken sich die Ghettoerfahrungen in einer ganz anderen Musik und in einem ganz anderen Vokabular aus, wenn über den Kampf der "Asozialen" gegen die "Bullen" gerappt wird. Das zeigen zwei Bremer Beispiel bei youtube:



und Baba Saad mit seinem Rap "Thug Life - Meine Stadt "Bremen""





Die Ghettosituation lässt sich jedoch auch als Satire auf einee Bühn brigen, wie Abdelkarim Zemhoute mit "Im Ghetto kennt ihn jeder" beweist:



Um einer Entwicklung in Richtung soziale Segregation sowie Verwahrlosung und Vermüllung rechtzeitig zu verhindern, wurden verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen und auch bereits praktisch erprobt.

Näheres findet man unter "Integration: Erfolgreiche kommunale Konzepte" (folgt demnächst!)

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Toleranz Respekt Integration

#3 von Lola , 08.03.2016 16:24

...Toleranz - Respekt - Integration--irgendwie auch eine Liebeserklärung?

..wurde von einem "voll integrierten Türken" verfasst, der nirgendwo anders leben möchte als in Bremen und er schreibt, dass Integration in ganz kleinem Rahmen stattfindet und sein Beitrag ist eine harsche Kritik an die Politik in Deutschland, von der die Menschen zum "Duckmäusertum" erzogen werden und dass sich bis heute aus falsch verstandener Toleranz kein richtiges Wertegefühl bei den Deutschen einstellen konnte.


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