Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

BWK-Geschichte und virtuelles BWK-Museum

#1 von Reinhard , 17.08.2015 11:56

Neues vom “virtuellen” Museum

Auch nach dem Ende der BWK geht die Produktion von Textilfasern und damit ihre spannende Entwicklungsgechichte weiter. Das kann ein Thema für ein virtuelles BWK-Museum sein, das sich als Anlaufstelle für Informationen über den globalen Woll- und Textilfasermarkt versteht und damit das vor allem lokal interessierende Denkmal für Blumenthals ehemaliges Großunternehmen ergänzt.

Ein neuer Blogbeitrag unter dem Titel “Die Wolle im Wettbewerb mit anderen Textilfasern: Preise, Eigenschaften und Entwicklungen“ führt die begonnene Serie über "Das Schaf, eines der ältesten Haus- und Nutztiere", "Schafe als Wirtschaftsfaktor: Vom Schäfer zum Wollproduzenten" und "Die Wollpreise: Auktionen, Preiszyklen und ein Pufferbestand fort"

Unter den aktuellen Daten dürfte der Anteil der Schafwolle besonders interessieren. Sie ist inzwischen weltweit auf einen Anteil von nur noch 1,3 % (2013) der weltweiten Textilfaserproduktion abgesunken.
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RE: BWK-Geschichte und virtuelles BWK-Museum

#2 von Reinhard , 11.10.2015 10:32

Die BWK neu gesehen

Als ich im Februar 2013 an die Möglichkeit dachte, einmal die Geschichte der Bremer Woll-Kämmerei anhand vorliegender Quellen genauer zu recherchieren, stand dabei eine Ausgangsfrage ganz im Vordergund. Mich interessierten die Gründe für den Untergang dieses großen Unternehmens, das Blumenthal zu einer Kreisstadt gemacht und das eine gewichtige Rolle im internationalen Wollhandel gespielt hat.

Auf die Frage nach dem "Warum" konnte man zumindest auf zwei unterschiedlichen Wegen eine Antwort suchen. Zunächst drängt es sich auf, die BWK als Teil der deutschen Textilindustrie zu sehen, für die man in ganz Deustchland und Europa einen Niedergang, ja, in vielen Fällen einen Tod nach häufig langen Zeiten von Alterschwäche beobachten kann. Die BWK erscheint dann kein Einzelfall zu sein, sondern wegen ihrer ehemaligen Größe und Bedeutung nur ein besonders augenfälliges Beispiel.

Man kann jedoch auch versuchen, die Entscheidundungen des Managements im Einzelnen zu rekonstruieren und nach Weichenstellungen Ausschau zu halten, die ein Unternehmen in eine Schieflage gebracht haben und damit zumindest eine Mitverantwortung für den Untergang tragen.

Wenn man den Dingen auf den Grund gehen will, also nicht von vorherein nur liebgewordene alte Firmenlegenden übernehmen möchte, ist der zweite Ansatz sicherlich reizvoller. Er führt direkt zu den Einzelheiten der Firmengeschichte mit allen ihren Details und kann daher auch durch neue Einblicke Überraschungen bieten. Es handelt sich schließlich um eine besondere Form von Detektivgeschichte, in der anhand noch bekannter Indizien die Entwicklung und vor allem das Siechtum der BWK seit dem Einstieg des australischen Finanzinvestors Futuis/ Elders im Jahr 2000 und der Liquidation der Gesellschaft am 10.8.2010 vefolgt wird, nachdem die Produktion im Werk bereits am 31.8.2009 eingestellt worden war.

So sah meine Informationssituation ganz am Anfang aus. Aber wie auch bei einer Reihe anderer Aspekte führte die nähere Beschäftigung mit der BWK-Geschichte zu veänderten und teilweise ganz neuen Blickrichtungen mit überraschenden Schlussfolggerungen. Die Recherchen waren daher ein ständiger Lernprozess.

Einen ganz entscheidender Hinweis für eine veränderte Bewertung des Schicksals der BWK gab die Rede des Vorstandsvorsitzenden auf der Hauptversammlung am 25. Juni 1997. Dort konfrontierte er die Wettbewerbsposition seiner Blumenthaler Aktiengesellschaft mit den vier größten Wettbewerbern. Das war eine wichtige Anregung, das Schicksal der BWK einmal nicht mit dem anderer deutscher Textil- und Bekleidungsfirmen zu vergleichen, sondern mit den tatsächlichen Wettbewerbern, also mit den anderen großen Wollkämmereien.

Diese Prüfung brachte dann ein durchaus überschendes Ergebnis. Die damas genannten Wettbewerber waren im vorigen Jahr keineswegs wie der früher einmal größte Wollkämmereibetrieb der Welt vom Mrkt verschwunden, sondern bestanden weiter, auch wenn sie sich teilweise kräftig verändert hatten. Und bei der Recherche gab es sogar noch zusätzliche Informationen über den Kammzugmarkt. Es betanden nicht nur die vier Wettbewerber von 1997 weiter, sondern es waren auch außerhalb Chinas neue Wollkämmereien entstanden. Damit ließ sich die Liquidation in Blumenthal nicht mehr wie eine Form wirtschaftlicher Naturkatastrophe einschätzen. Sie war vielmehr auch das Produkt menschlicher Entscheidungen.

Der Weg zu dieser Erkenntnis war jedoch relatv lang, da die hier besonders herausgestellte Rede nicht auf einem Präsentierteller angboten wurde. So war anfangs meine Datenage eher dürftig und der Versuch einer Aufarbeitung de BWK-Geschichte erfordete viel Optimismus im Hinblick auf die Suche nach Informationsquellen.

Zunchst gab es außer den Buchveröffentlichungen des Unternehmens und der umstrittenen Publikation über die "Kämmeristen" nur die noch vorhandenen Internetquellen aus der Lebenszeit der AG. Das waren letzte Finanzübersichten auf Aktienportalen, zeitlich kurze Charts der letzten Handelsjahre, Berichten von den letzten Hauptversammlungen in Bremen und die wenigen noch intakten Teile der alten Webseite der Bremer Wollkämmerei mit einem sehr kurzen historischen Überblick. Details wie etwa Gschäftsberichte oder Präsentationen auf Hauptversammlungen waren hingegen nicht mehr direkt abrufbar. Hier konnte nur der wikipeda-Artikel einige grobe Fakten liefern.

Meine Geschichte der BWK entwickelte sich daher vor allem als eine Suche nach Quellen, deren Zugänglichkeit am Anfang unbekannt war, was sogar teiweise für ihre Existenz überhaupt galt.

Der Zufall und der Förderverein Kämmereimuseum unter der Leitung von Herrn Gorn haben viele Hoffnungen dann real gemacht. Ganz entscheidende Hilfe kam aus Blumenthal, wo eine Reihe von Geschäftsberichten bereits gesammelt war, die digital zugänglich gemacht wurden. Ohne jede Lücke lagen sogar die 62 Ausgaben der Werkszeitung "Sir Charles" vor, die zwischen Ende 1986 und Mai 2005 erschienen sind.

Hinzu kam jedoch noch der auch aus Krims bekannte Kommissar Zufall. Auf diese Weise ließen sich dank glücklicher Umstände Informationen finden, die erst eine verbesserte Sicht auf viele Details erlaubte, aber auch längerfristige Tendenzen in der BWK-Geschichte erkennen ließen.

Dazu haben einige größere und kleinere Entdeckungen beigetragen. Das begann mit einem Archiv für Wirtschaftsartikel und Auszüge aus Geschäftsberichten während des Zeitraums 1911 - 1944. Hier ließen sich auch diverse Artikel der Wirtschaftspresse abrufen, darunter eine Schilderung der Jubiläumsfeier im Jahr 1934, die ein eindrucksvolles Beispiel für die Organisatin und Sprache einer derartigen Veranstaltung in der Frühphase der NS-Zeit gibt.

Waren damit grundlegende Informationen für den Zeitraum der beiden Weltkriege und der Zwischenkriegszeit greifbar, fehlten weiterhin Quellen für die Gründungsjahre im Kaiserreich und die Jahre des Neustarts der BWK nach dem zweiten Weltkieg.

Auch hier ließen sich im Laufe der Zeit Archive und Bücher finden, die wichtige Lücken schließen konnten. So haben dabei das Archiv des Weser-Kuriers für die Jahre nach 1945 geholfen und das des Hamburger Abendblattes in dem es auch einige Meldungen zur BWK gibt, sich jedoch vor allem die Jahresschlusskurse der BWK-Aktie abrufen lassen.

Ein weiterer wichtiger "Indizienfund" war die Rekonstruktion der frühen Webseite der BWK über ein entsprechendes Internetarchiv, auf der ich auch die angeführte HV-Rede sowie aktuellere Geschäfts- und Umweltberichte finden lassen.

Von ganz besonderer Beutung für eine längerfistige Analyse der BWK haben sich schießlich die Hinweise auf einige Bche herausgestellt, die sich ohne den Einsatz einer Suchmaschine kaum finden lassen. Das gilt für eine Dissertation von Marlene Ellerkamp, die das Thema "Industriearbeit, Krankheit und Geschlecht" behandelt und eine Aufstellung der Mitarbeiterzahlen der BWK in deren Anfangsjahren enthält, sowie verschiedene Bücher zum Wollmarkt, die nicht zuletzt auch Aufstellungen über die historischen Preise von Rohwolle enthalten.

Die Zahlen über die Arbeitsplätze, den Wollpreis und die Börsenkurse, für die der Kämmereiverein sogar einen Bremer Aktienführer aus dem Jahr 1920 "mit Dividenden und Jahresendkursen" besitzt, und eine Vielzahl betriebswirtschaftlicher Einzeldaten aus der Presse haben eine veränderte Sicht auf die BWK emöglicht. Dabei konnten das alte Geschäftsmodell besonders herausgestellt werden, das gut einhundert Jahre lang ein wesentlicher Erfolgsgarant war, sowie die konsequente und erfolgreiche Rationalisierungsprozesse in den 1960-er, 1970-er und 1980-er Jahren. Fortune und Analysefähigkeit scheinen dann dem BWK-Management nicht mehr treu geblieben zu sein, als es innerhalb kurzer Zeit das Eigenkaptial des Unternehmens im australischen Geelong und durch das zu lange Festhalten an einer großen Kämmerei an der Unterweser vebrannt hat, obwohl die Größenvorteile wenig ins Gewcht fallen, wenn die Schiffe mit Merionowolle fast ausschließlich zwischen Australien und den Standorten der Wollspinnereinen und Nähereien in China und seinen Nachbarländern verkehren.

Das ist ein zentrales Ergebnis der jetzt vorliegenden Recherche; spannend sind jedoch auch die Zusammenhänge zwischen den volatilen Wollpreisen und dem Geschäft der BWK, das durch ständig neue Antworten die Herausforderungen durch die saisonalen Schwankungen, die kurzen, teilweise aber auch sehr langen Zyklen des Wollmarktes sowie die wechselhafte Konjunkt Schwankungen meistern musste.

Ohnehin hatte die BWK keineswegs nur Entcheidungen zutreffen, für die man sie zumindest mitverantwortlich machen kann. Die Zeit war schließlich durch zwei Weltkriege, zwei Währungsreformen, die Weltwirtschaftskrise und zwei Ölpreisschocks und andere Rezessionen sowie nicht zuletzt zwei oder drei Wollkrisen geprägt.

Damit war und ist die Geschichte de BWK immer auch eine Erinnerung an den eigenen Geschichtsunterricht während der Schulzeit und - je nach dem eigenen Lebensalter - eine mehr oder weniger lange Vergegenwärtigung selbst miterlebter wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen.

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BWK-Geschichte im Blog

#3 von Reinhard , 11.10.2015 10:46

BWK-Geschichte im Blog


Über die Details der BWK-Geschichte, auf die sich das letzte Posting bezieht, informieren folgende Teilaufsätze:


0. Die Bremer Woll-Kämmerei (BWK). Gründung, Aufstieg und Siechtum eines weltumspannenden Wollkonzerns (Überblick 1883 - 2008 )


1. Die BWK im Kaiserreich: Gute Dividenden, aber wenig publizierte Informationen (1883-1913)


2. Vom Ersten Weltkrieg zur Weimarer Republik: Die BWK im Kampf gegen Kriegsfolgen, Inflation, volatile Preise, Devisenmangel und volatile Preise (1914-32)


3. Die Bremer Woll-Kämmerei während der NS-Zeit. Zwölf Jahre aus der Sicht der Geschäftsberichte und der Wirtschaftspresse (1933-45)


4. Währungsreform und Wirtschaftswunder: Die BWK in der Nachkriegszeit (1948-67)


5. Mit Rationalisierungen gegen steigende Kosten: Die BWK in den 1970_er und 1980_er Jahren (1968-1992)


6. Die BWK in der globalisierten Wollwirtschaft: Vom Blumenthaler Stammwerk zur BWK-Gruppe (1993 – 2000)


7. Schwarzer oder weißer Ritter? Die Elders-Jahre der BWK (2001 - 2010)


8. Lieb und teuer: der Kämmereistandort Blumenthal. Kritische Fakten und die Sicht der Werkszeitung „Sir Charles“. Ein Rückblick


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Das Ende eines intensiven Blumenthaler Bürgerengagements?

#4 von Reinhard , 25.10.2015 11:12

Das Ende eines intensiven Blumenthaler Bürgerengagements?


Noch in guter Erinnerung dürften vielen Blumenhalerinnen und Blumenthalen die beiden Ausstellungen des Fördervereins Kämmereimuseum über die „Die Bremer Woll-Kämmerei in der Nationalsozzialsmus" und die "Frauen auf der BWK" sein. Dasselbe gilt auch für die sehr gut besuchten Führungen über die Historische Achse, die am Tag des offenen Denkmals im September einen Einblick in die Vergangenheit der BWK gaben, die als Großunternehmen Blumenthal und sogar teilweise bis heute das Denken seiner Einwohner prägt.

Das waren Ereiisse, die ein sehr postives Licht auf Blumenthal und den Einsatz seiner Bürger für ein zeitgeschichtlich interessierten Stadtteil geworfen haben, wie es ihn frühr einmal gegeben hat. Dabei darf man nicht vergessen, dass man diese Angebote nicht nutzen konnte, weil Politiker und Verwaltungsbeamte dafür größere Steuermittel zur Verfügung gestellt hätten. Ohne den Verein und seinen besonders aktiven Vorsitzenden hätte es diesen Versuch, das frühere kulturelle Leben in Blumenthal wiederzubeleben nicht gegeben.

Wie die Teilnehmerzahlen und die Presseberichte belegen, hat es sich keineswegs um Hobbyveranstaltungen für eine kleine Schar von Freizeithistorikern gehandelt, die sich mit der BWK ein sehr spezielles Objekt ausgesucht haben.

Das haben vor der Wahl im Mai auch einige bekannte Lokalpolitiker gesehen und sich für ein Kulturzentrum für Blumenthal mit einem BWK-Museum ausgesprochen.

Aber das war vor der Wahl!

Jetzt ist offenbar eine neue Situation entstanden, die auch einen sehr engagierten ud geduldigen Menschen wie Herrn Gorn zu einer Aufgabe seiner Arbeit für ein BWK-Museum und damt für ein aufgewertetes Blumenthal zwingen kann.

So musste man am 23. Oktober in der Beilage "Wr vor Ort" der Norddeutschen am Ende eines Artikel von Doris Friedrichs unter dem Titel "Ein Museum bleibt das Ziel" folgenden Satz lesen:

Wenn sich da in den nächsten zwei Jahren nichts tut, will Gorn seine Exponate dem Focke-Museum übergeben.

Der Gegensatz zwischen der Überschrift und der Aussage über ein Ende der Bemühungen weist sehr deutlich auf die Ursache hin, die zu einem Abbruch des bisher so arbeitsintensiven Einsatzes für ein Kämmereimuseum führen kann. Niemand gibt schließlich sein Kind in fremde Hände, wo es keine individuelle Betreuung erwarten kann. Das belegt zuumindest das Schicksal der bisher mit Ausnahme eines Bildes im Depot verschwundenen Exponte der BWK.

Der Grund für den Rückzug wird nicht ein nachlassender Einsatz des Vereinsvorsitzenden und der Vereinsmitglieder sein, sondern die destruktive Haltung einiger Bremer Behörden.

Dabei kann sich Bremen bei seiner Verweigerungshaltung nicht auf exorbitante Forderungen des Fördervereins Kämmereimuseum berufen. In aller bescheidenheit und einer ungewöhnlichen hanseatischen Sparsamkeit möchte er für seine Exponate keinen Museumsneubau von einem Stararchitekten, sondern drei Räume in seinem jetzigen Domizil, die die Brandschutzbestimmungen erfüllen.

Das müsste doch machbar sein, wenn man an die Ausgaben für die kostspielige Pflasterung und die ohnehin notwendige Instandhaltung der denkmalgeschützten Gebäude bedenkt

Oder sind etwa Bremen und seine Verteter vor Ort nicht in der Lage, zumindest die Vorteile zu sehen, wenn Bürger durch ihre Tätigkeit die Steuerzahler entlasten und damit Blumenthal aufgewerten.

Das gelingt üblicherweise nicht, wenn man Straßen wie im Bereich des Marktplatzes oder auf dem BWK-Gelände nur neu pflastert, sondern wenn man sie mit Leben erfüllt. Dazu könnte ein vielfach nutzbares Kulturzentrum mit einem BWK-Museum sehr gut beitragen


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Neue "Einblicke" - zusätzliches Wissen

#5 von Reinhard , 16.11.2015 11:51

Neue "Einblicke" - zusätzliches Wissen


dank seiner vielfältigen Aktivitäten, die von Herrn Gorn in der Mitglederinformation "Einblicke" dokumentiert werden, hält der Förderverein Kämmereimuseum die Erinnerung an das industrielle Erbe Blumenthals wach. Wie die jetzt erschienene Ausgabe 8 belegt, leistet der Verein jedoch noch erheblich mehr.

So wurde mit der Ausstellung "Frauen auf der BWK" die Emanziation der Frauen im letzten Jahrhundert als ein zentrales sozial- und wirtschaftspolitisches Thema am Beispiel der Bremer Woll-Kämmerei aufgearbeitet und am Tag des offenen Denkmals konnte nicht nur der bereits vorhandene Fundus an Exponaten gezeigt werden, sondern ließ sich durch Führungen über die Historische Achse der Blick auf die Geschichte der BWK augenfällig unterstützen, indem Herr Gorn in seinen Erläuterungen auf die inzwischen denkmalgeschützten Backsteingebäude als wichtige Merkpunkte zurückgreifen konnte.

Die neue Ausgabe Einblicke 8 hält die Erinnerung an diese beiden Ereignisse in Blumenthal wach. Dabei hilft eine sehr vielfältige Palette von sorgfältig ausgewählten Fotos.

Aber das ist keineswegs alles, was das Infoblatt dem Leser bietet. Hier kommen auch diesmal ehemalige Mitarbeiter zu Wort, die damit ganz persönliche Einblicke in das Leben auf der BWK geben.

In einem ersten Bericht schildert Jürgen Sander, ein ehemaliger Lehrling, der am 1. April 1955 seine berufliche Karriere auf der BWK begann. Dabei wird der Leser nicht nur über den damals üblichen Zeitablauf im Betrieb, sondern auch das sehr modern klingende emanzipatorische Ausbildungskonzept informiert. Offenbar hat das BWK-Management schon sehr früh nach dem Motto "Selbst ist der Mann" wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten für das Leben in einem Single-Haushalt vermitteln wollen. Auch wenn außer Entwicklungen, die im übrigen Deutschland erst zwei oder drei Jahrzehnte später begonnen haben, auch der erst zehn Jahre zurückliegende Krieg das Aubildungskonzept bestimmt haben mag, hielt Jürgen Sanders diesen Teil seiner Ausbildung zum Starkstromelektiker für berichtenswert, wenn er schreibt: "Wir lernten auch wie Toiletten, der Waschraum und die Fenster geputzt werden."

Da die BWK außer mit Schafwolle auch die sehr leicht brennbaren Chemiefasern verarbeitet hat, besaß die Werksfeuerwehr eine wichtige Funktion. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass die Feuerwehrleute bereits zur Weihnachtszeit in einer ganz besonderen Weise über die Lage des Unternehmens in den krtischen Jahren informiert wurden. Dazu dienten weder Bilanzzahlen noch verbale Geschäftsberichte. Vielmehr verteilte ein Vorstandsmitglied Geschenke an die Feuerwehrleute. Dabei schwankte deren Zahl für die sechs Mitarbeiter zwischen "6 bis 7 Flaschen Alkohol" oder nichts, was dann auch keinen Besuch mehr erforderte. Gemeint ist übrigens eine Flaschenmenge pro Kopf der Beschenkten.

Neben dieser im Original noch längeren "Weihnachsgeschichte" von Peter Wieczorek haben die Einbicke 8 jedoch noch mehr Wissen über die BWK zu bieten: Berichte über den Standortwechsel für Sir Charles, Historische Aufnahmen und über den Phone Guide für die Historische Achse sind zu finden.

Aber auch damit ist das Informationsangebot noch nicht erschöpft, sodass sich ein Abruf der gesamten Einblicke 8 sehr lohnt.


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"Wenig Hoffnung für ein BWK-Museum"

#6 von Lola , 09.01.2016 20:20

"Detlef Gorn wendet sich an den Beirat"

So lautet die Überschrift eines Beitrages in der Ausgabe "Die Norddeutsche" v. 9.1.2016

Nachdem das Spicarium in Vegesack geschlossen wird, hat der Vorsitzende des Fördervereins Kämmerei-Museum BWK , Detlef Gorn die Befürchtung, dass keine Institution den Wunsch verspürt in Blumenthal ein Museum BWK zu unterstützen.

Herr Gorn hat einen Brief an den Blumenthaler Beirat und an den Ortsamtsleiter geschrieben, um zu erfahren wie ernsthaft die Blumenthaler Politiker hinter diesem Museumsprojekt stehen und ob von dort Unterstützung kommt.

Herr Gorn und sein Team haben eine beispiellose Sammlung von Exponaten eines ehemals großen Weltkonzern zusammengetragen,auch wurden ihm viele Fotos für die Ausstellung ausgehändigt.

Detlef Gorn und sein Team haben erfolgreiche Ausstellungen vorbereitet, die bei der Blumenthaler Bevölkerung großen Anklang gefunden haben, zumal sich viele Menschen noch heute mit der BWK identifizieren können, denn die BWK war ein wichtiger Arbeitgeber in dieser Region.

Für Blumenthal wäre es ein herber kultureller Verlust, wenn Detlef Gorn das Ziel aufgeben müßte, eines Tages das BWK-Museum eröffnen zu können.



#### Leider war kein Link über diesen Artikel abrufbar, der in der Ausgabe der Norddeutschen v. 9.1.2016 veröffentlicht wurde +++

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Inzwischen gibt es einen weiteren Artikel zum aktuellen Planungsstand für ein BWK-Museum, der hier im Internet abgerufen werden kann und von der Antwort des Blumenthaler Ortsamtsleiters auf den Brief des Vorsitzenden des Fördervereins Kämmereimuseum berichtet. Danach wird sich der Beirat im März mit der Thematik beschäftigen.

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RE: "Wenig Hoffnung für ein BWK-Museum"

#7 von Lola , 07.02.2016 22:53

Auf der Sitzung des Fördervereins BWK v. 5.2.2016 wurde einstimmig beschlossen, dass die Zahlungen für die restliche Laufzeit des Vertrages für das Projekt "Phone Guide "in einer Summe bezahlt wird. In drei Jahren ist der Vertrag abgelaufen und danach kann die Wirtschaftsförderung den Vertrag übernehmen um ihn in ihre Marketingstrategie eventuell mit einzubauen, die allerdings bis heute sehr schwer zu erkennen ist.

In das Projekt BWK sind eine Menge EU-Fördergelder geflossen, vor allem einerseits für die Kanalisation und Pflasterung der "Historischen Achse", jedoch andererseits fehlen die Investitionen an den Gebäuden die wenigstens einige attraktiv machen, wie z.B. das ehemalige Sortiergebäude und als weiteres Beispiel den Oldtimerspeicher (früher Kammzuglager). Bei den vorhandenen Oldtimern müßte es mit Hilfe der WFB und Investitionen des Eigentümers gelingen, aus diesem Gebäude eine Attraktion für Oldtimerfreunde in Bremen und Umgebung zu machen. Das würde auch für die notwendige Belebung des Geländes sorgen können und damit Barrieren abbauen, als einer der Ersten ein Atelier oder Büro in einer ausgestorbenen Umgebung zu suchen.

Beschämend ist jedoch, dass dem Förderverein vom Bauamt nicht mehr gestattet wird eine Ausstellung in dem Sortiergebäude auszurichten und auch der Wunsch für ein ständiges Domicil, in einem ansonsten völlig leeren Gebäude , mit der Begründung fehlender Fluchtwege, abgelehnt wurde.

Es ist schon erstaunlich, dass weder der Beirat noch das Ortsamt Interesse zeigt, dass der Förderverein ein Domicil auf der BWK bekommt. Was helfen Beschlüsse eines Stadtteilparlaments wenn diese keine Umsetzung finden.

Dabei kommen einem dann Gedanken, dass es möglicherweise sinnvoller wäre, wenn alle 3 Ortsämter zusammengefasst werden und es zukünftig nur noch ein Ortsamt gibt und zwar mittig, das wäre dann in Vegesack. Das spart erhebliche Verwaltungskosten, die dann anderweitig sinnvoll eingesetzt werden können.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich nicht versäumen zu erwähnen, dass Detlef Gorn und sein Team gute Arbeit geleistet haben. Soviel Bürgerengagement sollte auch von der WFB nicht ignoriert werden, denn für den Erwerb des BWK-Areal mit den Gebäuden, hat Bremen vor einigen Jahren sehr viel Geld bezahlt.
Es handelt sich hier immerhin um Gelder die der Steuerzahler aufgebracht hat.

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"BWK-Ausstellung Noch zwei Tage zu sehen"

#8 von Lola , 23.08.2016 21:56

http://www.weser-kurier.de/region/die-no...id,1442579.html

Zitat

BWK-Ausstellung
Noch zwei Tage zu sehen

Albrecht-Joachim Bahr 23.08.2016 0 Kommentare

Blumenthal. Der Förderverein Kämmereimuseum zeigt noch am Dienstag, 23., und Donnerstag, 25. August, Bilder des Foto-Teams Urban Explorer. Die Ausstellung ist in der ehemaligen Blumenthaler Stadtbibliothek, Landrat-Christians-Straße 109, zu sehen. Öffnungszeiten sind von 14 bis 18 Uhr (Dienstag) und von 14 bis 19 Uhr (Donnerstag). Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung trägt den Titel „Verlassene Räume". Die Fotografen hatten für ihre Arbeit die alten Hallen und Produktionsstätten wochenlang erkundet und festgehalten. Dazu sind Fotografien aus dem Bestand des Staatsarchivs zu sehen, um den Besuchern einen Eindruck der ehemaligen Arbeitsbedingungen zu vermitteln. Die ehemaligen BWK-Mitarbeiter Egbert Baudis und Alfred Mühlberger werden an den Veranstaltungstagen vor Ort sein und Fragen beantworten.
Zitat Ende

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"Tag des Denkmals"

#9 von Lola , 09.09.2016 09:12

Zum "Tag des Denkmals" am 11.September 2016 finden wieder Führungen

durch die Gebäude der ehemaligen BWK statt.

Kontakt: Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal e.V.

Detlef Gorn Tel. 0421 605271 dgorn@t-online.de

Treffpunkt: Haupteingang BWK 11-18 Uhr

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BWK und die Farge-Vegesacker Eisenbahn

#10 von Lola3 , 05.02.2017 10:52

"Flaschenpost aus der Unterwelt"
so lautet die Überschrift eines Beitrages in der Ausgabe DIE WOCHE-Mein Verein.v. 5 Februar 2017. Leider kann ich keinen Link feststellen mit dem man diesen Artikel im Internet aufrufen kann.

Den Artikel findet man auf Seite 5 ...und Lob, Anregungen oder Kritik kann man direkt an den Autor senden( so lautet die Info der Zeitung ulffiedler@yahoo.de

Ein lesenswerter Artikel, wobei mich (im Moment :-) )besonders die Info über die Farge-Vegesacker-Eisenbahn und die BWK interessieren in dem Schreiben von 1884 des Bankier Schildt aus Vegesack.
"Das Schreiben galt der Grundsteinlegung der ersten Vegesacker Privatbank".

Zitat
"Wie bei einer Flaschenpost üblich, dauerte es lange, bis man eher durch Zufall an den Inhalt kam. 1954 rückten Arbeiter mit der Spitzhacke dem Gemäuer an der Reeder-Bischoff-Str./ Jaburgstr. zu Leibe. Sie stießen auf den denkwürdigen Fund".

Weiter informiert dann der Brief unter vielen anderen Begebenheiten aus der Zeit, den Part, der für diesen Thread wichtig ist und da zitiere ich wie folgt, denn es soll authentisch bleiben:

"Nachdem er die Nachwelt über seine persönlichen Verhältnisse informiert hat, beginnt der Briefschreiber über die Zukunft zu philosophieren. Er prognostiziert, dass man in Zukunft gemütlich mit der Bahn fahren wird. Allerdings hat er als Mitglied des Komitees auch Einblick in die Schwierigkeiten. Ungeduldig vermerkt er: "Die schon 1882 projectirte Secundärbahn Farge-Vegesack wird wahrscheinlich bald in Angriff genommen. Capital alles in allem 500 000 M. Wir haben seit 1882 viele Comitesitzungen, aber Uneinigkeit verzögert bis jetzt die Inangriffnahme." Die Verzögerung hätte noch länger gedauert, wenn nicht die Bremer-Woll-Kämmerei mit einem kräftigen Zuschuss den Start der Bahn 1890 möglich gemacht hätte.
Zitat Ende

Ein Weltkonzern wie die BWK mußte natürlich auch im Hinblick auf die Transportmöglichkeiten, zukunftsorientiert investieren.

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"Museum muss Woll-Kämmerei räumen"

#11 von Lola3 , 25.03.2017 07:49

http://www.weser-kurier.de/region/die-no...id,1573073.html

Zitat

Blumenthal
Museum muss Woll-Kämmerei räumen
Sylvia Wörmke 25.03.2017 0 Kommentare

Blumenthal. Der Förderverein Kämmereimuseum muss sofort sein Material aus dem Sortiergebäude 43 auf dem Gelände der früheren Bremer Woll-Kämmerei räumen. Das Dach des historischen Baus ist in einem so schlechten Zustand, dass es durchbrechen könnte. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) hat mit einer schriftlichen Räumungsaufforderung die Mitglieder des Fördervereins „kalt erwischt“ und bei ihnen Stress verursacht.

Dennoch ist der Vorsitzende Detlef Gorn gar nicht so traurig über die Nachricht: „Jetzt ist der Druck da, dass die Stadt das Gebäude sanieren muss.“ Er geht davon aus, „dass sich nun etwas tut“. Das sei höher zu bewerten, als die Unannehmlichkeiten für den Förderverein BWK-Museum.

Mit seiner Einschätzung zu kommenden Aktivitäten liegt er richtig. Juliane Scholz, Sprecherin der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) bestätigt. „Die Sanierung des Gebäudes wird nun konkret vorbereitet.“ Sie wird nach ihren Ausführungen das Dach und die Hülle des Gebäudes betreffen, die Strom- und Wasseranschlüsse, die Treppenhäuser und den Brandschutz. Dazu gehört die Ermittlung der konkreten Kosten, die Abstimmungen mit dem Wirtschaftsressort und den politischen Gremien. Das sei aber auch für dieses Jahr so geplant gewesen.


Als mögliche künftige Mieter stellt sich die WFB junge Unternehmen aus der Kreativwirtschaft vor, Firmen und Existenzgründer aus Branchen wie Werbung, Filmproduktion oder Web-Dienstleistungen. Die konkrete Nutzung sei aber noch nicht festgezurrt. Zunächst solle die Infrastruktur sichergestellt werden. Danach, so die WFB-Vorstellung, sollen Musterräume hergerichtet werden, damit sich mögliche Interessenten, einen Eindruck verschaffen können. „Wir gucken dann, wer in das Gebäude einziehen möchte und richten es bedarfsgerecht her.“ Jetzt ginge es zuerst um den baulichen Rahmen, nicht um die Nutzung.
Zitat Ende

Ein weiteres gutes Zeichen für die Aufbruchstimmung in Blumenthal.
Herr Gorn hat mit seiner Einschätzung richtig gelegen.

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"Das Theater Bremen macht Blumenthal zur Bühne"

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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