Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

RE: RE:Gewässerschutz...Trinkwasserschutz

#16 von Lola , 07.05.2016 00:16

https://de.wikipedia.org/wiki/Brom

Zitat
Brom [bʁoːm] (griech. βρῶμος brômos ‚Gestank‘) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Br und der Ordnungszahl 35. Im Periodensystem steht es in der 7. Hauptgruppe, bzw. der 17. IUPAC-Gruppe und gehört damit zusammen mit Fluor, Chlor, Iod, Astat und Ununseptium zu den Halogenen. Elementares Brom liegt unter Normbedingungen (Temperatur = 0 °C und Druck = 1 atm) in Form des zweiatomigen Moleküls Br2 in flüssiger Form vor. Brom und Quecksilber sind die einzigen natürlichen Elemente, die unter Normbedingungen flüssig sind.

In der Natur kommt Brom nicht elementar, sondern nur in verschiedenen Verbindungen vor. Die wichtigsten Verbindungen sind die Bromide, in denen Brom in Form des Anions Br− auftritt. Die bekanntesten Bromide sind Natriumbromid und Kaliumbromid. Bromide sind ein Bestandteil des Meerwassers und besitzen einige biologische Funktionen.

Brom wurde 1826 durch den französischen Chemiker Antoine-Jérôme Balard aus Meeresalgen der Salzwiesen bei Montpellier gewonnen und von diesem als bisher unbekannter Stoff erkannt.

Bereits zwei Jahre vor Balard stellte der deutsche Chemiker Justus von Liebig 1824 unbewusst elementares Brom her. Er hatte den Auftrag, die Salzsolen von Salzhausen[14] zu analysieren, da die Stadt ein Kurbad plante.[15] Bei der Untersuchung dieser Sole fand Liebig eine neue Substanz, die er als Iodchlorid deutete. 13 Jahre später gab er zu, dass ihn seine nachlässige Analyse um die Entdeckung eines neuen Elements gebracht habe. Liebig schrieb dazu: „Ich kenne einen Chemiker, der, als er in Kreuznach war, die Mutterlaugen der Saline untersuchte.“ Im weiteren beschrieb er dann sein Missgeschick und schloss mit den Worten: „Seit dieser Zeit hat er keine Theorien mehr aufgestellt, wenn sie nicht durch unzweifelhafte Experimente unterstützt und bestätigt wurden; und ich kann vermelden, dass er daran nicht schlecht getan hat.“[16][17]

Eine industrielle Produktion erfolgte ab 1860. Aufgrund seines stechenden Geruchs schlug Joseph Louis Gay-Lussac den Namen „Brom“ (griech. für «Bocksgestank der Tiere»[18]) vor.
Vorkommen

Brom kommt in Form von Bromiden, den Salzen der Bromwasserstoffsäure, vor. Mengenmäßig finden sich die größten Vorkommen als gelöste Bromide im Meerwasser. Auch Vorkommen natürlicher Salzlagerstätten (Stein- und Kalisalze) enthalten geringe Anteile an Kaliumbromid und Kaliumbromat. Brom kann auch in der Atmosphäre in der Form von molekularem Brom und Bromoxid vorkommen und kann die atmosphärische Ozonchemie maßgeblich beeinflussen und dabei über weite Distanzen transportiert werden. Während des polaren Frühlings zerstören regelmäßig größere Konzentrationen (>10ppt) BrO fast das gesamte troposphärische Ozon. Diese Ereignisse sind mittels der DOAS Methode auch von Satelliten zu beobachten. In tropischen Regionen mit hoher Bioaktivität wurden starke Emissionen halogenierter Kohlenwasserstoffe beobachtet, die letztendlich durch Photolyse zur Bildung von BrO und zur Ozonzerstörung beitragen können.

Brom ist für Tiere in Spuren essenziell. Bromid fungiert als Cofaktor bei einer Stoffwechsel-Reaktion, die notwendig zum Aufbau der Kollagen-IV-Matrix im Bindegewebe ist.[19]
Gewinnung und Darstellung
Zeitliche Entwicklung der weltweiten Bromgewinnung

Die industrielle Herstellung elementaren Broms erfolgt durch Oxidation von Bromidlösungen mit Chlor.

\mathrm{2 \ KBr \ + \ Cl_2 \longrightarrow Br_2 \ + \ 2 \ KCl}
Durch Oxidation von Kaliumbromid durch Chlor entstehen Brom und Kaliumchlorid

Als Bromidquelle nutzt man überwiegend Sole und stark salzhaltiges Wasser aus großer Tiefe sowie Salzseen, vereinzelt auch Meerwasser.[20] Eine Gewinnung aus den Restlaugen der Kaligewinnung ist nicht mehr wirtschaftlich. Seit 1961 hat sich die jährlich gewonnene Menge an Brom von rund 100.000 Tonnen auf über eine halbe Million Tonnen mehr als verfünffacht. Die größten Brom-Produzenten sind die Vereinigten Staaten, China, Israel, sowie Jordanien.[21]

Im Labor kann Brom durch Umsetzung von Natriumbromid mit Schwefelsäure und Braunstein in der Hitze dargestellt werden. Das Brom wird dabei durch Destillation abgetrennt.

\mathrm{2 \ NaBr \ + \ MnO_2 \ + \ 2 \ H_2SO_4 \ \xrightarrow{\Delta T}}
\mathrm{ Br_2 \ + \ MnSO_4 \ + \ Na_2SO_4 \ + \ 2 \ H_2O}
Aus Natriumbromid, Mangan(IV)-oxid und Schwefelsäure entstehen Brom, Mangan(II)-sulfat, Natriumsulfat und Wasser.

Eigenschaften
Flüssiges Brom mit Dampf in Ampulle
Physikalische Eigenschaften

Die Dichte von Brom beträgt 3,12 g/cm3. Die schwere rotbraune Flüssigkeit bildet chlorähnlich riechende Dämpfe, die giftiger sind als Chlor. Festes Brom ist dunkel, bei weiterer Abkühlung hellt es auf. In Wasser ist es mäßig, in organischen Lösungsmitteln wie Alkoholen, Kohlenstoffdisulfid oder Tetrachlorkohlenstoff sehr gut löslich. In Wasser gelöstes Brom reagiert langsam unter Zwischenbildung von Hypobromiger Säure (HBrO) und Sauerstoffabgabe zu Bromwasserstoff (HBr). Die kinetisch gehemmte Reaktion wird durch (Sonnen-)Licht beschleunigt, Bromwasser wird daher in braunen, wenig lichtdurchlässigen Flaschen aufbewahrt.
Chemische Eigenschaften

Brom verhält sich chemisch wie das leichtere Chlor, reagiert aber im gasförmigen Zustand weniger energisch. Feuchtigkeit erhöht die Reaktivität des Broms stark. Mit Wasserstoff reagiert es im Gegensatz zum Chlor erst bei höheren Temperaturen unter Bildung von Bromwasserstoff (farbloses Gas).

\mathrm{Br_2 + H_2 \longrightarrow 2\ HBr}

Mit vielen Metallen (z. B. Aluminium) reagiert es exotherm unter Bildung des jeweiligen Bromids. Feuchtem Brom widerstehen nur Tantal und Platin.[22]


Chemisches Polieren von Galliumarsenid (als Lösung in Methanol)
mehrfach bromierte Biphenyle bzw. Diphenylether als Flammschutzmittel in Verbundwerkstoffen wie FR-4, wie sie bei Leiterplatten eingesetzt werden. Im Jahr 2000 wurden 38 % des Broms für die Herstellung von bromierten Flammschutzmitteln verwendet.[23]
Methylbromid als Schädlingsbekämpfungsmittel
Desinfektionsmittel (milder als Chlor)
in Form von Bromiden, beispielsweise Kaliumbromid, als Arzneimittel (Narkose-, Beruhigungs- und Schlafmittel; Behandlung therapieresistenter Epilepsien mit generalisiert tonisch-klonischen Anfällen, früher sehr beliebt – heute obsolet). 1928 wurde eins von fünf Rezepten in den USA für bromhaltige Medikamente ausgestellt.[24]
Fotoindustrie (Silberbromid als Bestandteil der lichtempfindlichen Suspension)
Alkalihypobromite als Bleichmittel
im Labor als Indikator (ungesättigte Kohlenstoffverbindungen entfärben Bromwasser, d. h. Addition von Brom)
Bromate als Oxidationsmittel
Bromhaltiger Kautschuk zur Herstellung „luftdichter“ Reifen
Tränengas, z. B. in Form von Monobromaceton
in Mitteln zum Schutz gegen das Nervengas Soman bei US-Soldaten im Irak-Krieg
Früher in Form von Alkylbromiden als Scavenger zum Entfernen des Bleis aus Zylindern bei der Nutzung von verbleitem Benzin

Nachweis

Bromidionen können qualitativ mit Hilfe von Chlorwasser und Hexan nachgewiesen werden.

Zum nasschemischen Nachweis der Bromidionen kann man sich auch wie bei den anderen Nachweisreaktionen für Halogenide die Schwerlöslichkeit des Silbersalzes von Bromid zu Nutze machen. Das Gleiche gilt für die volumetrische Bestimmung der Halogenide durch Titration.

Zur Spurenbestimmung und Speziierung von Bromid und Bromat wird die Ionenchromatografie eingesetzt. In der Polarografie ergibt Bromat eine kathodische Stufe bei −1,78 V (gegen SCE, in 0,1 mol/l KCl), wobei es zum Bromid reduziert wird. Mittels Differenzpulspolarografie können auch Bromatspuren erfasst werden.
Sicherheitshinweise

Elementares Brom ist sehr giftig und stark ätzend, Hautkontakt führt zu schwer heilenden Verätzungen. Inhalierte Bromdämpfe führen zu Atemnot, Lungenentzündung und Lungenödem. Auch auf Wasserorganismen wirkt Brom giftig.

Im Labor wird beim Arbeiten mit Brom meist eine dreiprozentige Natriumthiosulfatlösung bereitgestellt, da sie verschüttetes Brom oder Bromwasserstoff sehr gut binden kann. Hierbei bilden sich Natriumbromid, elementarer Schwefel und Schwefelsäure. Durch die entstehende Säure kann weiteres Thiosulfat zu Schwefel und Schwefeldioxid zerfallen:

\mathrm{Br_2\ +\ Na_2S_2O_3\ +\ H_2O \longrightarrow 2\ NaBr\ +\ S \downarrow\ +\ H_2SO_4}

\mathrm{S_2O_3^{2-}\ +\ 2\ H^+ \longrightarrow H_2O\ +\ S \downarrow\ +\ SO_2 \uparrow}

Die Aufbewahrung von Brom erfolgt in Behältern aus Glas, Blei, Monel, Nickel oder Teflon.[4]
Verbindungen
Spongiadioxin A, eine natürliche Organobromverbindung

→ Kategorie: Bromverbindung

Brom bildet Verbindungen in verschiedenen Oxidationsstufen von −1 bis +7. Die stabilste und häufigste Oxidationsstufe ist dabei −1, die höheren werden nur in Verbindungen mit den elektronegativeren Elementen Sauerstoff, Fluor und Chlor gebildet. Dabei sind die ungeraden Oxidationsstufen +1, +3, +5 und +7 stabiler als die geraden.
Bromwasserstoff und Bromide

Anorganische Verbindungen, in denen das Brom in der Oxidationsstufe −1 und damit als Anion vorliegt, werden Bromide genannt. Diese leiten sich von der gasförmigen Wasserstoffverbindung Bromwasserstoff (HBr) ab. Diese ist eine starke Säure und gibt in wässrigen Lösungen leicht das Proton ab. Bromide sind in der Regel gut wasserlöslich, Ausnahmen sind Silberbromid, Quecksilber(I)-bromid und Blei(II)-bromid.

Besonders bekannt sind die Bromide der Alkalimetalle, vor allem das Natriumbromid. Auch Kaliumbromid wird in großen Mengen, vor allem als Dünger und zur Gewinnung anderer Kaliumverbindungen, verwendet.

Bleibromid wurde früher in großen Mengen bei der Verbrennung von verbleitem Kraftstoff freigesetzt (wenn dem Benzin Dibrom-Ethan zugesetzt war um das Blei flüchtig zu machen, siehe Tetraethylblei#Die Verbrennung im Motor).
Bromoxide

Es ist eine größere Anzahl Verbindungen von Brom und Sauerstoff bekannt. Diese sind nach den allgemeinen Formeln BrOx (x = 1–4) und Br2Ox (x = 1–7) aufgebaut. Zwei der Bromoxide, Dibromtrioxid (Br2O3) und Dibrompentaoxid (Br2O5) lassen sich als Feststoff isolieren.[25]
Bromsauerstoffsäuren

Neben den Bromoxiden bilden Brom und Sauerstoff auch mehrere Säuren, bei denen ein Bromatom von einem bis vier Sauerstoffatomen umgeben ist. Dies sind die Hypobromige Säure, die Bromige Säure, die Bromsäure und die Perbromsäure. Sie sind als Reinstoff instabil und nur in wässriger Lösung oder in Form ihrer Salze bekannt.
Interhalogenverbindungen

Brom bildet vorwiegend mit Fluor, zum Teil auch mit den anderen Halogenen eine Reihe von Interhalogenverbindungen. Bromfluoride wie Bromfluorid und Bromtrifluorid wirken stark oxidierend und fluoriend. Während Brom in den Fluor-Brom- und Chlor-Brom-Verbindungen als elektropositiveres Element in Oxidationsstufen +1 im Bromchlorid bis +5 im Brompentafluorid vorliegt, ist es in Verbindungen mit Iod der elektronegativere Bestandteil. Mit diesem Element sind die Verbindungen Iodbromid und Iodtribromid bekannt.
Organische Bromverbindungen

Eine Vielzahl von organischen Bromverbindungen (auch Organobromverbindungen) wird synthetisch hergestellt. Wichtig sind die Bromalkane, die Bromalkene sowie die Bromaromaten. Eingesetzt werden sie unter anderem als Lösungsmittel, Kältemittel, Hydrauliköle, Pflanzenschutzmittel, Flammschutzmittel oder Arzneistoffe.

Zu den Organobromverbindungen gehören auch die polybromierten Dibenzodioxine und Dibenzofurane.
Weblinks
Wiktionary: Brom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Brom – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise

Harry H. Binder: Lexikon der chemischen Elemente. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-7776-0736-3.
Die Werte für die Eigenschaften (Infobox) sind, wenn nicht anders angegeben, aus www.webelements.com (Brom) entnommen.
Angegeben ist der von der IUPAC empfohlene Standardwert, da die Isotopenzusammensetzung dieses Elements örtlich schwanken kann, ergibt sich für das mittlere Atomgewicht der in Klammern angegebene Massenbereich. IUPAC, Standard Atomic Weights Revised 2013.
Eintrag zu Brom in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 4. Januar 2010.
Weast, Robert C. (ed. in chief): CRC Handbook of Chemistry and Physics. CRC (Chemical Rubber Publishing Company), Boca Raton 1990. Seiten E-129 bis E-145. ISBN 0-8493-0470-9. Werte dort sind auf g/mol bezogen und in cgs-Einheiten angegeben. Der hier angegebene Wert ist der daraus berechnete maßeinheitslose SI-Wert.
Yiming Zhang, Julian R. G. Evans, Shoufeng Yang: Corrected Values for Boiling Points and Enthalpies of Vaporization of Elements in Handbooks. In: Journal of Chemical & Engineering Data. 56, 2011, S. 328–337 (doi:10.1021/je1011086).
Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 7726-95-6 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA.
Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 7726-95-6 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA.
SUVA: Grenzwerte am Arbeitsplatz 2015 – MAK-Werte, BAT-Werte, Grenzwerte für physikalische Einwirkungen, abgerufen am 2. November 2015.
Gigiena i Sanitariya. (English translation HYSAAV.), 1970, Vol. 35 (11), S. 11.
Eintrag zu Brom in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM).
W. B. Deichmann: Toxicology of Drugs and Chemicals, Academic Press, Inc., New York, 1969, S. 645.
Sehenswürdigkeiten in Bad Salzhausen.
W. H. Brock: Justus von Liebig: eine Biografie des großen Wissenschaftlers und Europäers., Vieweg Verlag, Braunschweig 1999.
J. Liebig: Über Laurent's Theorie der organischen Verbindungen., 1838, S. 554.
T. K. Langebner: Justus von Liebig und das »Handbuch der Chemie«, II (Memento vom 2. Dezember 2008 im Internet Archive), in ÖAZ aktuell, Hauptartikel 17/2001.
Wilhelm Gemoll, Karl Vretska: „Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch“, Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, 9. Auflage, ISBN 3-209-00108-1.
McCall, A. Scott et al.: Bromine Is an Essential Trace Element for Assembly of Collagen IV Scaffolds in Tissue Development and Architecture, Cell, 157(6), 1380–1392; doi:10.1016/j.cell.2014.05.009.
Stephen M. Jasinski: 2006 Minerals Yearbook. United States Geological Survey, November 2007, abgerufen am 17. September 2011 (PDF; 56 kB, englisch).
Mineral Commodity Summaries 2011. United States Geological Survey, 24. Januar 2011, abgerufen am 17. September 2011 (PDF; 27 kB, englisch).
A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 440.
Linda S. Birnbaum, Daniele F. Staskal: Brominated Flame Retardants: Cause for Concern?, Environ Health Perspect, 2004, 112, S. 9–17. doi:10.1289/ehp.6559. PMC 1241790 (freier Volltext)
Hans Bangen: Geschichte der medikamentösen Therapie der Schizophrenie, Berlin 1992, ISBN 3-927408-82-4, S. 22.

A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 487–488.

Einklappen
Periodensystem der Elemente
H He
Li Be B C N O F Ne
Na Mg Al Si P S Cl Ar
K Ca Sc Ti V Cr Mn Fe Co Ni Cu Zn Ga Ge As Se Br Kr
Rb Sr Y Zr Nb Mo Tc Ru Rh Pd Ag Cd In Sn Sb Te I Xe
Cs Ba La Ce Pr Nd Pm Sm Eu Gd Tb Dy Ho Er Tm Yb Lu Hf Ta W Re Os Ir Pt Au Hg Tl Pb Bi Po At Rn
Fr Ra Ac Th Pa U Np Pu Am Cm Bk Cf Es Fm Md No Lr Rf Db Sg Bh Hs Mt Ds Rg Cn Uut Fl Uup Lv Uus Uuo
Alkalimetalle Erdalkalimetalle Lanthanoide Actinoide Übergangsmetalle Metalle Halbmetalle Nichtmetalle Halogene Edelgase unbekannt
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4146635-4 | LCCN: sh85017053 | NDL: 00572452
Kategorien:

Ätzender StoffGiftiger StoffUmweltgefährlicher StoffHalogenPeriode-4-ElementChemisches ElementNichtmetall


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zuletzt bearbeitet 07.05.2016 | Top

RE: RE:Gewässerschutz...Trinkwasserschutz

#17 von Lola , 07.05.2016 00:36

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ma...markt10128.html

Zitat

Stand: 01.02.2016 17:15 Uhr - Lesezeit: ca.2 Min.
Bohrschlamm im Wasserschutzgebiet entdeckt
von Alexa Höber
Schlamm fließt aus einem Rohr
Das Landesbergamt hat Bohrschlamm in einem Wasserschutzgebiet nachgewiesen.

Nach Recherchen von Markt ist der Boden in Niedersachsen an vielen Stellen stark mit Bohrschlamm verunreinigt. Kontaminierten Schlamm aus der Öl- und Gasindustrie hat die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesbergamt, jetzt auch in einem Wasserschutzgebiet nachgewiesen. Hunderte Gruben mit Bohrschlamm kann es laut Landesbergamt in Niedersachsen geben.
Zitat Ende

Ein Video kann man nach diesem Text mit o.a. Link aufrufen.

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RE: RE:Gewässerschutz...Trinkwasserschutz

#18 von Lola , 07.05.2016 00:51

https://de.wikipedia.org/wiki/Fluor

Zitat
Fluor [ˈfluːoːɐ̯] ist ein chemisches Element mit dem Symbol F und der Ordnungszahl 9. Im Periodensystem steht es in der 7. Hauptgruppe und gehört damit zur 17. IUPAC-Gruppe, den Halogenen, von denen es das leichteste ist. Es liegt unter Normalbedingungen in Form des zweiatomigen Moleküls F2 gasförmig vor, ist das reaktivste aller Elemente[13] und sehr giftig. Bereits in geringen Konzentrationen kann sein durchdringender Geruch bemerkt werden. Fluor ist farblos und erscheint stark verdichtet blassgelb. Es ist das elektronegativste aller Elemente und hat in Verbindungen mit anderen Elementen – mit wenigen Ausnahmen – stets die Oxidationsstufe −1. Es reagiert mit allen Elementen mit Ausnahme der Edelgase Helium und Neon.

Der Name des Elementes leitet sich von lat. fluores ab. Dieser Begriff bezeichnete das wichtigste natürlich vorkommende Mineral Fluorit (Flussspat), das in der Metallurgie als Flussmittel zur Herabsetzung des Schmelzpunktes von Erzen verwendet wird (im Originalkontext: lapides igni liquescentes (fluores)).

Elementares Fluor ist sehr giftig und stark ätzend. Seine Salze (Fluoride und diverse Fluorokomplexsalze wie Natriummonofluorphosphat) sind in höherer Konzentration ebenfalls sehr giftig, werden in Spuren aber zur Prophylaxe von Zahnkaries verabreicht. Sie werden deswegen teilweise dem Trinkwasser oder Speisesalz zugesetzt (Fluoridierung).

Das erste beschriebene Fluorsalz war das natürlich vorkommende Calciumfluorid (Flussspat). Es wurde 1530 von Georgius Agricola beschrieben und 1556 von ihm als Hilfsmittel zum Schmelzen von Erzen erwähnt.[14] Es macht Erzschmelzen und Schlacken dünnflüssiger, lässt sie fließen (Flussmittel).

Carl Wilhelm Scheele beschäftigte sich erstmals eingehender mit Flussspat und seinen Eigenschaften. Er erforschte die Reaktionen bei Einwirkung von Flusssäure auf Glas unter Bildung von Siliziumtetrafluorid und Fluorkieselsäure. Eine weitere Eigenschaft, die er an Flussspat entdeckte, war die Fluoreszenz, die nach dem Mineral benannt ist.[14]

1811 wurde von André-Marie Ampère in einem Brief an Humphry Davy erstmals der Gedanke geäußert, dass das Radikal der Flusssäure (Fluor) ein eigenständiges Element ist. Danach versuchten viele Chemiker dieses zu isolieren. Aufgrund der Schwierigkeiten, die durch die Reaktivität und Giftigkeit entstanden, dauerte es bis zum 28. Juni 1886, als es Henri Moissan erstmals gelang, elementares Fluor herzustellen und zu charakterisieren. Er erhielt es durch Elektrolyse einer Lösung von Kaliumhydrogendifluorid in flüssigem Fluorwasserstoff bei tiefen Temperaturen in einer speziell entwickelten Apparatur (teilweise aus Flussspat). Für diese Leistung bekam Moissan den Nobelpreis für Chemie im Jahr 1906 verliehen.[15]

Aufschwung nahm die Fluorherstellung im Zweiten Weltkrieg, einerseits durch die Entwicklung der Atomwaffen in den USA (Manhattan-Projekt), da die Isotopenanreicherung von 235Uran über gasförmiges Uranhexafluorid (UF6) erfolgt, das mit Hilfe von elementarem Fluor hergestellt wird.[16][17] Andererseits betrieb damals die I.G. Farben in Gottow eine Fluorelektrolyse-Zelle, deren Produkt angeblich nur zur Herstellung eines neuen Brandmittels (Chlortrifluorid) für Brandbomben dienen sollte.[18] Ob es in Deutschland damals möglich gewesen wäre, mit Hilfe dieser Fluorproduktion 235Uran anzureichern, wird kontrovers diskutiert.[19][20]

In der Erdkruste ist Fluor mit 525 ppm ein relativ häufiges Element.[21] Es kommt aufgrund seiner Reaktivität in der Natur nicht elementar sondern gebunden als Fluorid in Form einiger Minerale vor. Eine Ausnahme bildet Stinkspat (eine uranhaltige Fluorit-Varietät) u. a. aus Wölsendorf, in dem geringe Mengen Fluor durch Radiolyse entstehen, was bei mechanischen Bearbeitungen einen starken Geruch durch freigesetztes Fluor verursacht.[22] Meerwasser enthält wenig gelöste Fluoride, da diese nur eine sehr geringe Löslichkeit in Wasser haben. Die häufigsten Fluorminerale sind der Fluorit CaF2 und der Fluorapatit Ca5(PO4)3F. Der größte Teil des Fluorits ist in Fluorapatit gebunden, jedoch enthält dieser nur einen geringen Massenanteil Fluor von 3,5 %. Daher wird Fluorapatit nicht wegen seines Fluorgehaltes, sondern vor allem als Phosphatquelle abgebaut. Die Hauptquelle für die Gewinnung von Fluor und Fluorverbindungen ist der Fluorit. Größere Fluoritvorkommen existieren in Mexiko, China, Südafrika, Spanien und Russland. Auch in Deutschland, etwa bei Wölsendorf in der Oberpfalz findet sich Fluorit.

Ein weiteres natürlich vorkommendes Fluormineral ist Kryolith Na3AlF6. Die ursprünglich bedeutenden Kryolithvorkommen bei Ivigtut auf Grönland sind ausgebeutet. Das in der Aluminiumproduktion benötigte Kryolith wird heute chemisch hergestellt.

Fluor kommt daneben auch in einigen seltenen Mineralen als Bestandteil vor. Beispiele sind der Schmuckstein Topas Al2SiO4(OH, F)2, Sellait MgF2 und Bastnäsit (La,Ce)(CO3)F. Eine Übersicht gibt die Kategorie:Fluormineral.

Einige wenige Organismen können fluororganische Verbindungen herstellen. Der südafrikanische Busch Gifblaar und weitere Pflanzenarten der Gattung Dichapetalum können Fluoressigsäure synthetisieren und in ihren Blättern speichern. Dies dient zur Abwehr von Fressfeinden, für die Fluoressigsäure tödlich wirkt. Die Giftwirkung wird durch Unterbrechung des Citratzyklus ausgelöst.[23]

Eine weitere Quelle für Flusssäure ist die Phosphatgewinnung, bei der Flusssäure als Abfallprodukt bei der Verarbeitung von Fluorapatit entsteht.

Nur ein kleiner Teil der produzierten Flusssäure wird zu elementarem Fluor weiterverarbeitet. Der größte Teil wird direkt zu anderen fluorierten Verbindungen verarbeitet. Wenn dies nicht möglich ist, wird elementares Fluor benötigt.

Da Fluor eines der stärksten Oxidationsmittel ist, kann es auf chemischem Weg nur sehr umständlich und nicht wirtschaftlich gewonnen werden. Stattdessen wird ein elektrochemisches Verfahren eingesetzt. Die Bruttoreaktion verläuft gemäß:

Das Verfahren wird nach Henri Moissan benannt. Dabei wird kein reiner Fluorwasserstoff zur Elektrolyse verwendet, sondern eine Mischung von Kaliumfluorid und Fluorwasserstoff im Verhältnis von 1:1 bis 1:2,2.[24] Der Hauptgrund für die Verwendung dieser Mischung liegt darin, dass die Leitfähigkeit der Schmelze im Vergleich zu reinem Fluorwasserstoff, der wie reines Wasser Strom nur sehr wenig leitet, stark erhöht ist. Für die Elektrolyse ist es wichtig, dass die Schmelze komplett wasserfrei ist, da sonst während der Elektrolyse Sauerstoff anstatt Fluor entstehen würde.

Technisch wird das sogenannte Mitteltemperatur-Verfahren mit Temperaturen von 70 bis 130 °C und einer Kaliumfluorid-Fluorwasserstoff-Mischung von 1:2 angewendet. Bei höheren Fluorwasserstoffgehalten würde ein größerer Dampfdruck entstehen, so dass bei tiefen Temperaturen und aufwändiger Kühlung gearbeitet werden müsste. Bei niedrigeren Gehalten (etwa 1:1) sind die Schmelztemperaturen höher (1:1-Verhältnis: 225 °C), was den Umgang erheblich erschwert und die Korrosion fördert. Die Elektrolyse findet mit Graphit-Elektroden in Zellen aus Stahl oder Monel statt, die zusätzliche Eisenbleche zur Trennung von Anoden- und Kathodenraum enthalten, um eine Durchmischung der entstehenden Gase zu verhindern. An die Elektroden wird eine Spannung von etwa 8–12 Volt angelegt. Der bei der Elektrolyse verbrauchte Fluorwasserstoff wird kontinuierlich ersetzt.

Das Rohfluor, das die Elektrolysezelle verlässt, ist mit Fluorwasserstoff verunreinigt, enthält aber auch Sauerstoff, Tetrafluormethan (CF4) und andere Perfluorcarbone, die durch Reaktion von Fluor und dem Elektrodenmaterial entstehen. Diese Verunreinigungen können durch Ausfrieren und Adsorption von Fluorwasserstoff an Natriumfluorid entfernt werden.

Im Labor kann Fluor durch Zersetzung von Mangantetrafluorid (MnF4) dargestellt werden. Hierzu wird zunächst K2MnF6 mit SbF5 versetzt, wobei das instabile blauviolette MnF4 freigesetzt wird. Dieses Mangantetrafluorid zerfällt bei Temperaturen über 150 °C in F2 und MnF3.[25]

Physikalische Eigenschaften

Fluor ist bei Raumtemperatur ein blassgelbes, stechend riechendes Gas. Die Farbe ist von der Schichtdicke abhängig, unterhalb von einem Meter Dicke erscheint das Gas farblos, erst darüber ist es gelb. Unterhalb von −188 °C ist Fluor flüssig und von „kanariengelber“ Farbe.[26] Der Schmelzpunkt des Fluor liegt bei −219,52 °C[27] Von festem Fluor sind zwei Modifikationen bekannt. Zwischen −227,6 °C und dem Schmelzpunkt liegt Fluor in einer kubischen Kristallstruktur mit Gitterparameter a = 667 pm vor (β-Fluor).[28] Unterhalb von −227,6 °C ist die monokline α-Modifikation mit den Gitterparametern a = 550 pm, b = 328 pm, c = 728 pm und β = 102,17° stabil.[29] Fluor ist mit einer Dichte von 1,6959 kg/m³ bei 0 °C und 1013 hPa[5] schwerer als Luft. Der kritische Punkt liegt bei einem Druck von 52,2 bar und einer Temperatur von 144,2 K (−129 °C).[30]

Moleküleigenschaften
Molekülorbital-Schema von Fluor

Fluor liegt im elementarem Zustand wie die anderen Halogene in Form zweiatomiger Moleküle vor. Die Bindungslänge im Fluormolekül ist mit 144 pm kürzer als die Einfachbindungen in anderen Elementen (beispielsweise Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung: 154 pm). Trotz dieser kurzen Bindung ist die Dissoziationsenergie der Fluor-Fluor-Bindung im Vergleich zu anderen Bindungen mit 158 kJ/mol gering und entspricht etwa der des Iodmoleküls mit einer Bindungslänge von 266 pm. Die Gründe für die geringe Dissoziationsenergie liegen vor allem darin, dass sich die freien Elektronenpaare der Fluoratome stark nähern und es zu Abstoßungen kommt. Diese schwache Bindung bewirkt die hohe Reaktivität des Fluors.

Durch die Molekülorbitaltheorie lässt sich die Bindung im Fluormolekül ebenfalls erklären. Dabei werden die s- und p-Atomorbitale der einzelnen Atome zu bindenden und antibindenden Molekülorbitalen zusammengesetzt. Die 1s- und 2s-Orbitale der Fluoratome werden jeweils zu σs und σs*- bindenden und antibindenden Molekülorbitalen. Da diese Orbitale vollständig mit Elektronen gefüllt sind, tragen sie nichts zur Bindung bei. Aus den 2p-Orbitalen werden insgesamt sechs Molekülorbitale mit unterschiedlicher Energie. Dies sind die bindenden σp-, πy- und πz-, sowie die entsprechenden antibindenden σp*-, πy*- und πz*-Molekülorbitale. Die π-Orbitale besitzen dabei gleiche Energie. Werden Elektronen in die Molekülorbitale verteilt, kommt es dazu, dass sowohl sämtliche bindenden als auch die antibindenden π*-Orbitale vollständig besetzt sind. Dadurch ergibt sich eine Bindungsordnung von (6–4)/2 = 1 und ein diamagnetisches Verhalten, das auch beobachtet wird.
Chemische Eigenschaften

Fluor gehört zu den stärksten bei Raumtemperatur beständigen Oxidationsmitteln. Es ist das elektronegativste Element und reagiert mit allen Elementen außer Helium und Neon. Die Reaktionen verlaufen meist heftig. So reagiert Fluor im Gegensatz zu allen anderen Halogenen ohne Lichtaktivierung selbst als Feststoff bei −200 °C explosiv mit Wasserstoff unter Bildung von Fluorwasserstoff. Fluor ist das einzige Element, das mit den Edelgasen Krypton, Xenon und Radon direkt reagiert. So bildet sich bei 400 °C aus Xenon und Fluor Xenon(II)-fluorid.

Auch viele andere Stoffe reagieren lebhaft mit Fluor, darunter viele Wasserstoffverbindungen wie beispielsweise Wasser, Ammoniak, Monosilan, Propan oder organische Lösungsmittel. Mit Wasser reagiert Fluor bei verschiedenen Bedingungen unterschiedlich. Werden geringe Mengen Fluor in kaltes Wasser geleitet, bilden sich Wasserstoffperoxid und Flusssäure.[31]

\mathrm{F_2 + 2\ H_2O \longrightarrow H_2O_2 + 2\ HF}

Bei der Reaktion eines Fluor-Überschusses mit geringen Wassermengen, Eis oder Hydroxiden entsteht dagegen als Hauptprodukte Sauerstoff und Sauerstoffdifluorid.[31]

Mit festen Materialien reagiert Fluor dagegen wegen der kleineren Angriffsfläche langsamer und kontrollierter. Bei vielen Metallen führt die Reaktion mit elementarem Fluor zur Bildung einer Passivierungsschicht auf der Metalloberfläche, die das Metall vor dem weiteren Angriff des Gases schützt. Da die Schicht bei hohen Temperaturen oder Fluordrücken nicht dicht ist, kann es dabei zu einer Weiterreaktion von Fluor und Metall kommen, die zur Aufschmelzung des Materials führt. Da beim Aufschmelzen ständig frisches Metall freigelegt wird, das dann wieder zur Reaktion mit Fluor bereitsteht, kann es letztlich sogar zu einem unkontrollierten Reaktionsverlauf kommen (so genanntes Fluorfeuer).

Auch Kunststoffe reagieren bei Raumtemperatur zumeist sehr kontrolliert mit elementarem Fluor. Wie bei den Metallen, führt auch beim Kunststoff die Reaktion mit Fluor zur Bildung einer fluorierten Oberflächenschicht.

Glas ist bei Raumtemperatur gegen Fluorwasserstoff-freies Fluor inert. Bei höherer Temperatur wird jedoch eine mehr oder weniger schnelle Reaktion beobachtet. Verantwortlich hierfür sind Fluoratome, die durch die thermische Dissoziation des molekularen Fluors gebildet werden und dadurch besonders reaktionsfreudig sind. Produkt der Reaktion ist gasförmiges Siliciumtetrafluorid. Spuren von Fluorwasserstoff führen dagegen auch ohne Erhitzen zu einer schnellen Reaktion.
Isotope

Fluor ist eines von 22 Reinelementen. Natürlich vorkommendes Fluor besteht zu 100 % aus dem Isotop 19F. Daneben sind weitere 16 künstliche Isotope von 14F bis 31F sowie das Isomer 18mF bekannt.[32] Außer dem Isotop 18F, das eine Halbwertszeit von 109,77 Minuten besitzt, zerfallen alle anderen künstlichen Isotope innerhalb von Zeptosekunden (10−21s) bis etwas über einer Minute.

18F wird in der Krebsdiagnostik in Form von Fluordesoxyglucose, Fluorethylcholin, Fluorethyltyrosin bzw. 18F-Fluorid als Radionuklid in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) eingesetzt.

Siehe auch: Liste der Fluor-Isotope
Verwendung

Aufgrund der hohen Reaktivität und des schwierigen Umgangs mit Fluor kann elementares Fluor nur eingeschränkt verwendet werden. Es wird überwiegend zu fluorierten Verbindungen weiterverarbeitet, die auf andere Weise nicht hergestellt werden können. Der größte Teil des produzierten Fluors wird für die Herstellung von Uranhexafluorid benötigt, was infolge seiner Leichtflüchtigkeit die Anreicherung von 235U mit Gaszentrifugen oder durch das Gasdiffusionsverfahren ermöglicht. Dieses Isotop ist für die Kernspaltung wichtig. Ein zweites wichtiges Produkt, das nur mit Hilfe von elementarem Fluor hergestellt werden kann, ist Schwefelhexafluorid. Dieses dient als gasförmiger Isolator beispielsweise in Hochspannungsschaltern und gasisolierten Rohrleitern.

Fluor dient zudem zur Oberflächenfluorierung von Kunststoffen. Dies wird unter anderem bei Kraftstofftanks in Automobilen eingesetzt, wobei sich eine fluorierte Barriereschicht ausbildet, die unter anderem eine niedrigere Benzindurchlässigkeit bewirkt. Diese Anwendung der Fluorierung steht in Konkurrenz zur Koextrusionstechnologien und dem Metalltank. Eine zweite Wirkung der Fluorierung ist, dass die Oberflächenenergie vieler Kunststoffe erhöht werden kann. Dies findet vor allem Anwendungen wo Farben, Lacke oder Klebstoffe auf ansonsten hydrophobe Kunststoffoberflächen (Polyolefine) aufgebracht werden sollen. Die Vorteile der Fluorierung von Kunststoffoberflächen liegen in der Behandelbarkeit von Körpern mit ausgeprägten 3D Strukturen und Hohlräumen. Zudem lassen sich Kleinteile als Schüttgut behandeln und der Effekt bleibt über eine lange Zeit erhalten. Die Fluorierung wird eingesetzt, wenn weiter verbreitete und kostengünstigere Methoden, wie z. B. die Beflammung nicht einsetzbar sind. Weiter mögliche Effekte die durch Fluorierung von Kunststoffoberflächen erreicht werden können sind: verbesserte Faser-Matrix-Haftung, verringerte Reibung und verbesserte Selektivitäten in der Membrantechnik.[33]

Werden Fluor und Graphit zusammen erhitzt, entsteht Graphitfluorid, das als Trockenschmiermittel und Elektrodenmaterial eingesetzt werden kann.
Nachweis

Für Fluoridionen existieren mehrere Nachweise. Bei der sogenannten Kriechprobe wird in einem Reagenzglas aus Glas eine fluoridhaltige Substanz mit konzentrierter Schwefelsäure versetzt.

\mathrm{2 \ F^- + H_2SO_4 \longrightarrow SO_4^{2-} + 2 \ HF}
Fluorid-Ionen reagieren mit Schwefelsäure zu Sulfat-Ionen und Fluorwasserstoff.

Es steigen Fluorwasserstoffdämpfe auf, die das Glas anätzen. Gleichzeitig ist die Schwefelsäure aufgrund der Veränderung der Oberfläche nicht mehr in der Lage, das Glas zu benetzen.[34]
Wassertropfenprobe

Eine zweite Nachweismöglichkeit ist die sogenannte Wassertropfenprobe. Dabei wird die fluoridhaltige Substanz mit Kieselsäure und Schwefelsäure zusammengebracht. Es entsteht gasförmiges Siliciumtetrafluorid. Über das Gefäß mit der Probe wird ein Wassertropfen gehalten. Durch Reaktion von Siliciumtetrafluorid mit dem Wasser bildet sich Siliciumdioxid, das als charakteristischer weißer Rand um den Tropfen kristallisiert.[34]

\mathrm{4 \ F^- + 2 \ H_2SO_4 + SiO_2 \longrightarrow SiF_4 \uparrow + 2 \ SO_4^{2-} + 2 \ H_2O}
Bildung des Siliciumtetrafluorids.

\mathrm{SiF_4 + 2 \ H_2O \longrightarrow SiO_2 \downarrow + 4 \ HF}
Reaktion im Wassertropfen

Siehe auch: Nachweise für Fluorid

In der modernen Analytik, insbesondere für organische Fluorverbindungen spielt die NMR-Spektroskopie eine große Rolle. Fluor besitzt den Vorteil, zu 100 % aus einem Isotop (Reinelement) zu bestehen, das durch NMR-Spektroskopie nachweisbar ist.
Biologische Bedeutung

Es ist umstritten, ob Fluor ein für den menschlichen Organismus essentielles Spurenelement ist.[35] Im Körper sind etwa 5 g Fluoride (bei 70 kg Körpergewicht) enthalten.[36] Es ist sehr ungleichmäßig verteilt, der weitaus größte Teil ist in den Knochen und Zähnen enthalten.

Fluorid kann vor Zahnkaries schützen und den Zahnschmelz härten. Durch den Einbau von Fluorid- anstatt von Hydroxid-Ionen in den Hydroxylapatit der Zähne entsteht Fluorapatit. Letzterer ist schwerer in Wasser löslich und damit stabiler gegenüber dem Speichel. Fluorid wirkt durch die geringe Löslichkeit des Fluorapatits remineralisierend, indem der durch Säuren aufgelöste Apatit in Anwesenheit von Fluorid wieder ausgefällt wird. Außerdem wirkt Fluorid hemmend auf bestimmte Enzyme und bewirkt eine Unterbrechung der Glykolyse in kariesverursachenden Bakterien, was deren Wachstum hemmt.[37]

Die Aufnahme von Fluorid auf natürlichen Wegen erfolgt in der Regel mit dem Trinkwasser oder der Nahrung. Nehmen Kinder während der Zahnentwicklung zu viel Fluorid auf, kann sich eine Dentalfluorose bilden. Diese bewirkt punktförmige bis fleckig-braune Verfärbungen (mottled teeth oder mottled enamel) auf der Zahnoberfläche, zudem ist der Zahn fragiler und weniger widerstandsfähig. Die maximal empfohlenen Höchstmengen an Fluorid, die ein Mensch täglich zu sich nehmen sollte, betragen für Säuglinge bis sechs Monate 0,7 mg, von 7–17 Monaten 0,9 mg bei Kindern bis drei Jahren 1,3 mg. Kinder von vier bis acht Jahren sollten nicht mehr als 2,2 mg Fluorid pro Tag aufnehmen. Wenn danach die Zahnentwicklung abgeschlossen ist, verträgt der Mensch höhere Dosen bis zu 10 mg Fluorid pro Tag.[38]

In Deutschland ist die Trinkwasserfluoridierung nicht zulässig, in der Schweiz wurde sie bis 2003 in Basel durchgeführt. Bis zum Jahr 2000 durfte darum in Basel auch kein fluoridhaltiges Salz verkauft werden.[39]

Da Fluorid ähnlich Selen in größeren Mengen toxisch wirkt, existiert nur ein kleiner Bereich, in dem Fluorid im Körper vorkommen darf, ohne toxisch zu wirken.
Toxikologie

Fluor und viele Fluorverbindungen sind für den Menschen und andere Lebewesen sehr giftig, die letale Dosis (LC50, eine Stunde) liegt bei elementarem Fluor bei 150–185 ppm.[5] Eine akute Fluorvergiftung äußert sich je nachdem, über welchen Weg das Fluor in den Körper gelangt ist, mit unterschiedlichen Beschwerden. Elementares Fluor wirkt auf Lunge, Haut und besonders auf die Augen stark verbrennend und verätzend. Schon bei einem fünfminütigen Kontakt mit 25 ppm Fluor kommt es zu einer erheblichen Reizung der Augen. Gleichzeitig entsteht durch Reaktion mit Wasser der ebenfalls giftige Fluorwasserstoff.[5] Eine gastrointestinal entstandene akute Fluorvergiftung führt zu Schleimhautverätzungen, Übelkeit, anfänglich schleimigem, später blutigem Erbrechen, unstillbarem Durst, heftigen Leibschmerzen und blutigem Durchfall. Teilweise versterben Betroffene. Eine durch die Atemluft entstandene akute Fluorvergiftung führt zu Tränenfluss, Niesen, Husten, Atemnot, Lungenödem und Tod unter Krämpfen. Eine über die Haut entstandene Fluorvergiftung hat tiefgreifende Nekrosen und schlecht heilende Ulzera zur Folge.

Als schwach dissoziiertes Molekül wird Fluorwasserstoff leicht durch die Haut aufgenommen. Es kommt zu schmerzhaften Entzündungen, später zu hartnäckigen, schlecht abheilenden Geschwüren.[40] Außerdem bildet HF starke Wasserstoffbrückenbindungen aus und ist so in der Lage, die Tertiärstruktur von Proteinen zu verändern.[41] Mit Aluminium-Ionen bildet Fluorid Fluoridoaluminat-Komplexe, die eine Phosphat-analoge Struktur haben und so zur Deregulierung von G-Proteinen beitragen.[42] Resultat ist ein Eingriff in die rezeptorgekoppelte Signalübertragung und – via signalabhängige Phosphorylierung /Dephosphorylierung – in die Aktivität vieler Enzyme. Bekanntestes Beispiel für eine Enzym-Hemmung durch Fluorid ist Enolase, ein Enzym der Glykolysekette.

Die hochtoxischen Fluoracetate und Fluoracetamid werden nach der Resorption zu Fluorcitrat metabolisiert. Diese Verbindung führt zur Blockade des für den Citratzyklus wichtigen Enzyms Aconitase. Dies bewirkt eine Anreicherung von Citrat im Blut, was wiederum die Körperzellen von der Energiezufuhr abschneidet.[43] Perfluorierte Alkane, die als Blutersatzstoffe in der Erprobung sind, und die handelsüblichen Fluorcarbone, wie PTFE (Teflon), PVDF oder PFA gelten als ungiftig.

Das schwerlösliche Calciumfluorid, das sich bei der Reaktion mit Calcium – etwa in den Knochen – bildet, wurde früher für inert und daher harmlos gehalten. Zumindest die Stäube von Calciumfluorid haben sich jedoch sowohl im Tierversuch, als auch beim Menschen, als toxisch erwiesen.[44][45][46][47][48] Ob in vivo bei akuter Fluoridvergiftung tatsächlich schwerlösliches Calciumfluorid gebildet wird, wie so oft vermutet, konnte im Rahmen gezielter Untersuchungen nicht bewiesen werden.[49]

Die Aufnahme von mehr als 20 mg Fluorid pro Tag führt zu einer chronischen Fluorvergiftung, die auch Fluorose genannt wird. Symptome sind Husten, Auswurf, Atemnot, eine Dentalfluorose mit Veränderung von Struktur und Farbe des Zahnschmelzes, eine Fluorosteopathie und teilweise eine Fluorokachexie. Die Fluorosteopathie führt durch Vermehrung des Knochengewebes zu Elastizitätsverlust und erhöhten Knochenbrüchigkeit (Osteosklerose) bis hin zum völligen Versteifen von Gelenken oder gar der Wirbelsäule.[40] Da gleichzeitig mit Hilfe hoher Fluoriddosen das Knochenwachstum stimuliert werden kann, verwendet man Fluoride zur Behandlung verschiedener Formen der Osteoporose.[40] Daneben gibt es Vermutungen, dass die Anwendung auch niedrig konzentrierter Fluorsalze und -verbindungen Krebs verursachen sowie das Nervensystem und weitere Organe dauerhaft schädigen können.[50][51] Die Internationale Agentur für Krebsforschung war in ihrer Bewertung 1982 jedoch noch zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine Anzeichen einer krebserzeugenden Wirkung von anorganischen Fluoriden gibt, die zur Fluoridierung des Trinkwassers eingesetzt werden bzw. wurden.[52]

Schäden, die durch die Arbeit mit Fluoriden entstehen, wie Skelettfluorose, Lungenschäden, Reizung des Magen-Darm-Trakts oder Verätzungen sind als Berufskrankheiten anerkannt. Im Berufskrankheiten-System sind sie unter Bk Nr. 13 08 erfasst.[53]
Sicherheitshinweise

Auf Grund seiner hohen Reaktivität muss Fluor in speziellen Behältnissen aufbewahrt werden. Die Werkstoffe müssen dabei so beschaffen sein, dass sie durch den Kontakt mit Fluor eine Passivierungsschicht ausbilden und so eine Weiterreaktion verhindern. Beispiele für geeignete Werkstoffe sind Stahl oder die Nickel-Kupfer-Legierung Monel. Nicht geeignet sind beispielsweise Glas, das durch entstandenen Fluorwasserstoff angegriffen wird, oder Aluminium. Brennbare Stoffe wie Fett dürfen ebenfalls nicht in Kontakt mit Fluor kommen, da sie unter heftiger Reaktion verbrennen.[5]

Fluor brennt zwar selbst nicht, wirkt aber brandfördernd. Brände bei Anwesenheit von Fluor können nicht mit Löschmitteln gelöscht werden, es muss zunächst der weitere Zutritt von Fluor verhindert werden.[5]
Verbindungen

Als elektronegativstes aller Elemente kommt Fluor in Verbindungen fast ausschließlich in der Oxidationsstufe −I vor. Es sind von allen Elementen außer Helium und Neon Fluorverbindungen bekannt.
Fluorwasserstoff

Fluorwasserstoff ist ein stark ätzendes, giftiges Gas. Die wässrige Lösung des Fluorwasserstoffs wird Flusssäure genannt. Während wasserfreier, flüssiger Fluorwasserstoff zu den stärksten Säuren, den so genannten Supersäuren zählt, ist Flusssäure nur mittelstark. Fluorwasserstoff ist eine der wenigen Substanzen, die direkt mit Glas reagieren. Dementsprechend ist die Verwendung als Ätzlösung in der Glasindustrie eine Anwendung von Flusssäure. Darüber hinaus ist Fluorwasserstoff das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Fluor und vielen anderen Fluorverbindungen.
Fluoride
Calciumfluorid

Fluoride sind die Salze des Fluorwasserstoffs. Sie sind die wichtigsten und verbreitetsten Fluorsalze. In der Natur kommt vor allem das schwerlösliche Calciumfluorid CaF2 in Form des Minerals Fluorit vor. Technisch spielen auch andere Fluoride eine Rolle. Beispiele sind das unter Verwendung erwähnte Uranhexafluorid oder Natriumfluorid, das unter anderem als Holzschutzmittel verwendet wird und früher als Rattengift und Insektizid patentiert und vermarktet wurde.[54]

Ein in der organischen Chemie häufig verwendetes Fluorid ist das Tetrabutylammoniumfluorid (TBAF). Da TBAF in organischen Lösungsmitteln löslich ist und das Fluoridion nicht durch Kationen beeinflusst wird (sogenanntes „nacktes Fluorid“) wird es als Fluoridquelle in organischen Reaktionen benutzt. Eine weitere wichtige Reaktion des Tetrabutylammoniumfluorids ist die Abspaltung von Silylethern, die als Schutzgruppe für Alkohole verwendet werden.[55]
Organische Fluorverbindungen

Es existiert eine Reihe von organischen Fluorverbindungen. Eine der bekanntesten fluorhaltigen Stoffgruppen sind die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Die niedermolekularen FCKW mit einem oder zwei Kohlenstoffatomen sind gasförmige Stoffe und dienten früher als Kältemittel in Kühlschränken und Treibgas für Spraydosen. Da diese Stoffe den Ozonabbau verstärken und somit die Ozonschicht schädigen, ist ihre Herstellung und Verwendung mit dem Montreal-Protokoll stark eingeschränkt worden. Dagegen sind Fluorkohlenwasserstoffe für die Ozonschicht ungefährlich. Eine weitere umweltschädliche Auswirkung fluorhaltiger organischer Verbindungen ist ihre Absorptionsfähigkeit für Infrarotstrahlung. Daher wirken sie als Treibhausgase.[56]

Eine aus dem Alltag bekannte organische Fluorverbindung ist Polytetrafluorethen (PTFE), die unter dem Handelsnamen Teflon® als Beschichtung von Bratpfannen verwendet wird. Perfluorierte Tenside, die unter anderem bei der Herstellung von PTFE verwendet werden, und andere perfluorierte Verbindungen verfügen über eine äußerst stabile Kohlenstoff-Fluor-Bindung. Diese Bindung verleiht den Stoffen eine hohe chemische und thermische Beständigkeit, was aber auch dazu führt, dass die Substanzen in der Umwelt persistent sind und kaum abgebaut werden.[57]

Siehe auch Kategorie:Organofluorverbindung
Weitere Fluorverbindungen

Mit den anderen Halogenen bildet Fluor eine Reihe von Interhalogenverbindungen. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist Chlortrifluorid, ein giftiges Gas, das vor allem als Fluorierungsmittel eingesetzt wird.

Fluor ist elektronegativer als Sauerstoff, weshalb die Verbindungen zwischen Fluor und Sauerstoff nicht wie die anderen Halogen-Sauerstoffverbindungen als Halogenoxide, sondern als Sauerstofffluoride bezeichnet werden.

Im Gegensatz zu den schwereren Halogenen existiert nur eine Fluorsauerstoffsäure, die Hypofluorige Säure HOF. Der Grund hierfür liegt darin, dass Fluor keine Drei-Elektronen-vier-Zentren-Bindungen ausbildet.

Fluor bildet auch mit den Edelgasen Krypton, Xenon, und Argon einige Verbindungen wie Xenon(II)-fluorid. Kryptondifluorid, die einzige bekannte Kryptonverbindung, ist das stärkste bekannte Oxidationsmittel. Weitere Edelgasverbindungen des Fluor enthalten oft auch noch Atome anderer Elemente, wie beispielsweise das Argonhydrogenfluorid (HArF), die einzige bekannte Argonverbindung.

Lola  
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"Zu viel Nitrat im Wasser"

#19 von Lola , 09.05.2016 07:46

http://www.weser-kurier.de/region_artike...id,1372616.html
Zitat
Niedersachsen besonders betroffen
Zu viel Nitrat im Wasser
Silke Looden 09.05.2016 0 Kommentare

Die Europäische Kommission verklagt Deutschland wegen der zu hohen Belastung des Wassers mit Nitrat. Der Verstoß gegen die europäische Nitratrichtlinie kann hohe Strafzahlungen nach sich ziehen.

Niedersachsen ist als Agrarland besonders betroffen. Jedes Jahr werden hier 60 Millionen Tonnen Dünger auf die Felder verteilt, darunter 323 000 Tonnen Nitrat. Nährstoffe, die von den Pflanzen nicht aufgenommen werden, sickern über den Boden ins Wasser. Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) fordert den Bund auf, endlich die seit zweieinhalb Jahren diskutierte Novelle der Düngeverordnung umzusetzen. Meyer: „Unser Wasser leidet.“

Deutschland tut nicht genug gegen die Verunreinigung der Gewässer mit Nitrat. „Das nationale Aktionsprogramm reicht nicht aus“, begründet die Kommission ihre Klage und stützt sich dabei auf die von Deutschland vorgelegten Zahlen. Nitrat ist für das Wachstum von Pflanzen wichtig. Zu viel Nitrat allerdings führt zur Überdüngung der Gewässer und begünstig das Wachstum von Algen, die ihrerseits anderes Leben ersticken.
Zitat Ende

Wenn ich das richtig verstehe, dann geht man gegen die einzelnen Landwirte vor, oder will dagegen vorgehen, oder?
Natürlich muss hier zusammen mit der Landwirtschaft nach Lösungen gesucht werden, aber muss man nicht auch von der Massentierhaltung wegkommen?
Was sollen die Landwirte mit der Gülle denn machen?
Jeder einzelne Verbraucher muss sein Konsumverhalten ändern, dann gibt es wieder Qualität statt Quantität.

Allerdings ist es zwingend erforderlich, dass die Lobbyistenpolitik zu Gunsten der Konzerne endlich aufhören muss.

Bevor es also Sanktionen gegen die Bauern gibt, die sind nämlich das schwächste Glied in der Kette sollten die Gewässer einschl. der Weser, dringend überprüft werden wer was alles einleitet und den Fluss in eine gefährlich chemische Brühe verwandelt.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-17704635.html
Zitat
30.10.2000
UMWELT Zeitbombe im Fluss
In Bergkamen produziert eine Firma gefährliche Chemikalien, die ins Abwasser gelangen. Die Landesregierung ist machtlos - und hofft auf Hilfe aus Berlin.
Da kämpft die Düsseldorfer Umweltministerin Bärbel Höhn seit drei Jahren gegen das Hormongift Tributylzinn (TBT) - und erfährt erst jetzt, dass die Firma Witco im westfälischen Bergkamen, quasi vor ihrer eigenen Haustür, mehr als drei Viertel des Weltbedarfs der gefährlichen Organozinnverbindung herstellt.
Zwei Lokaljournalisten alarmierten das Höhn-Ministerium, nachdem Greenpeace hohe Konzentrationen der hochgiftigen Chemikalie in der Lippe festgestellt hatte. Über den Fluss gelangt das Abwasser von Witco in den Rhein, TBT-verseuchter Schlamm aus einer Kläranlage bei Lünen landete als Dünger auf Äckern.
Bärbel Höhn spricht von einer "Zeitbombe" in nächster Nähe, denn TBT sei ein "sehr gefährlicher, hormonähnlicher Stoff, der die Fortpflanzungsfähigkeit mindert". Den Verdacht untermauern neueste Untersuchungen an der Universität Bonn. TBT führt nach Angaben des Endokrinologen Dietrich Klingmüller "nicht nur bei Schnecken und Fischen zur Vermännlichung, sondern bringt auch das menschliche Hormonsystem durcheinander".
TBT wird meist in Antifouling-Anstrichen für Schiffsrümpfe benutzt, tauchte aber auch schon mal in Windeln und Textilien auf. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation ist es einer der giftigsten Stoffe, den Menschen in die Umwelt freisetzen. Greenpeace beschuldigt den Hersteller Witco, "Flüsse und Meere systematisch zu vergiften".
Die Zinnverbindung wirkt in unvorstellbar kleinen Mengen; schon der ganz normale Abrieb der Schiffsfarbe lässt Muschelbänke eingehen, in den achtziger Jahren brach die französische Austernfischerei zusammen, weil die Chemikalie Muschelschalen deformierte und die Larven der Muscheln abtötete.
In Japan, wo besonders viele Meerestiere gegessen werden, sind TBT-Anstriche seit Anfang der neunziger Jahre verboten. In Europa dürfen seit 1989 Schiffe, die kürzer sind als 25 Meter, nicht mehr mit TBT präpariert werden. Ein totales Verbot wird ab 2003 angestrebt.
Schon bei einigen milliardstel Gramm TBT in einem Liter Seewasser werden Meeresschnecken unfruchtbar. Ein Vielfaches der Menge, bis zu 30 Mikrogramm, kippt Witco nach eigenen Angaben ins Abwasser. Für Ursula Gerigk, Forschungsleiterin bei Witco, kein Grund zur Aufregung: "Wenn Sie einen Zuckerwürfel in eine Million Liter Wasser werfen, dann haben Sie in etwa die gleiche Relation."
Der Greenpeace-Chemiker Manfred Krautter wirft Witco "eine perverse Verharmlosung" vor. Die zugegebene Abwasservergiftung liege 300 000-mal höher als der vom Umweltbundesamt empfohlene Wert von 0,1 Nanogramm pro Liter.
Das TBT-verseuchte Abwasser, beruhigt Witco, durchlaufe zudem drei Reinigungsstufen in einem Klärwerk des Lippe-Verbandes, bevor es in den Rhein gelangt. Trotzdem, kontert Krautter, habe Greenpeace noch 100 Kilometer weiter hohe TBT-Werte in der Lippe gefunden.
Die Klärung der Abwässer birgt ein zusätzliches Risiko: Der Klärschlamm wurde seit September vergangenen Jahres monatelang auf landwirtschaftlich genutzte Flächen verteilt. So droht das TBT jetzt ins Grundwasser und in die Nahrungskette zu gelangen. Auf den Feldern wurden nach Höhns Angaben bis zu 236 Mikrogramm der gefährlichen Zinnverbindung gemessen.
Rund 400 Mark je Hektar hat der Lippeverband, ein kommunales Wasserwirtschaftsunternehmen, Landwirten bezahlt, um seine Schlämme loszuwerden. Rechtlich ist der Deal nicht zu beanstanden, denn für Klärschlamm fehlen Grenzwerte bei TBT. Allerdings wird TBT-verseuchter Hafenschlick anderswo, etwa in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, als Sondermüll behandelt.
Der Lippeverband hatte seinen Klärschlamm jahrelang verbrannt, die Praxis aber aus Kostengründen geändert - bis Greenpeace Alarm schlug. Inzwischen verzichten die Westfalen darauf, die Felder weiter mit Schlamm zu düngen.
Zitat Ende

Was erzählen wir unseren Kindern?

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Klärschlämme aus Farge

#20 von Lola , 09.05.2016 13:58

Abfallwirtschaftsplan 2007
für das Land Bremen

Zitat
"Das Abwasser wird in zwei großen Kläranlagen ge-
reinigt: in Seehausen ca. 89,1 %, und in Farge ca.
10,9 %. Der ausgefaulte Schlamm aus Farge wird, so-
weit nicht zum Kraftwerk Farge gepumpt, per Last-
kahn nach Seehausen transportiert, wo er zusammen
mit dem dort anfallenden Schlamm entwässert wird.
Betreiber der Kläranlagen waren bis 1998 die Bremer
Entsorgungsbetriebe als Eigenbetrieb der Stadtge-
meinde, nach der Privatisierung ist seit 01. 01. 99 die
hanseWasser Bremen GmbH hierfür zuständig.

Die Summe des Klärschlammaufkommens aus bei-
den Anlagen stieg durch Inbetriebnahme der zusätz-
lichen Reinigungsstufen, aber auch durch den An-
schluss zusätzlicher Wohngebiete innerhalb und au-
ßerhalb Bremens auf ca. 16.500 Mg an und ist seit
2000 wieder rückläufig. 2005 lag das Gesamtauf-
kommen bei 14.000 Mg (2006: 16.500 Mg).
Seit 1972 wurde ein großer Teil des Klärschlamms zur
Klärschlammdeponie Edewechterdamm im Landkreis
Cloppenburg gebracht. Mit Auslaufen der Übergangs-
regelungen der Deponieverordnung wurde die Abla-
gerung zum 31. 05. 05 eingestellt. 1980 wurde auf-
grund der guten und in der Folgezeit ständig verbes-
serten Qualitäten mit der Verwertung in der Landwirt-
schaft begonnen. Die mit langen Transportwegen ver-
bundenen Kosten und ökologischen Probleme führten
dazu, dass seit 1997 Klärschlamm überwiegend nur
an Abnehmer im Umkreis bis ca. 50 km abgegeben
wird, so dass der zu deponierende Anteil wieder auf
über 40% anstieg. Im Stadtgebiet Bremen können nur
vernachlässigbar geringe Anteile abgesetzt werden.
Ende 2005 wurde der Bremer Klärschlamm mit dem
Zertifikat „Qualitätssicherung Landbauliche Abfallver-
wertung“ der VDLUFA und der DWA ausgezeichnet.
Ende der 90er Jahre wurde mit kleineren Mengen die
Möglichkeiten der Mitverbrennung in Kohlekraftwer-
ken und der MVA erfolgreich untersucht. Auch wurden
Teilmengen als Animpfschlamm für neu in Betrieb
genommene Belebungsbecken eingesetzt. Zeitweilig
wurde Klärschlamm auch zur Rekultivierung von Braun-
kohletagebauflächen genutzt. 2001 schließlich wurde
mit der energetischen Verwertung im Kraftwerk Farge
und 2002 bei der Klärschlammverbrennung der HSE
in Hamburg begonnen. 2005 wurden 38,4 % des
Schlamms landwirtschaftlich verwertet, 35,5 % nach
Hamburg verschifft, 13,1 % im Kraftwerk Farge mit-
verbrannt und 12,7 % noch auf der Deponie Ede-
wechterdamm abgelagert. 2006 wurde der Bremer
Klärschlamm vollständig in der Landwirtschaft, für
Rekultivierungszwecke sowie zur Energieerzeugung
verwertet.


6.4.2 Aufkommen und Verbleib
Stadt Bremerhaven
In Bremerhaven sind 99,7 % der Bürgerinnen und
Bürger direkt und 0,3 % über den „Rollenden Kanal“
an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Etwa
21 % des Regenwassers, vor allem aus den zentralen
Stadtgebieten, wird zusammen mit den sonstigen Ab-
wässern über die Mischwasserkanalisation gesam-
melt. Insgesamt fallen ca. 12 Mio. m 3 Abwasser (2005
12.036.00 m 3 ) in Bremerhaven an, zusätzlich etwa
1,7 Mio. m 3 aus dem niedersächsischen Umland.
Das Abwasser wird fast vollständig in der Zentralklär-
anlage gereinigt. Etwa 1 % des Abwassers, vor allem
aus dem Überseehafengebiet, wird mechanisch-bio-
logisch in der kleinen Kläranlage Nord behandelt. Der
dort entstandene Rohschlamm wird zur Zentralklär-
anlage zum Ausfaulen verbracht. Betreiber der Klär-
anlagen ist die Bremerhavener Entsorgungsgesell-
schaft mbH (BEG).

....

In beiden Städten wird der Rohschlamm unter Ge-
winnung von Methangas in Faulbehältern stabilisiert.
Der ausgefaulte Klärschlamm wird überwiegend
bzw. vollständig an die Landwirtschaft als nährstoff-
haltiges Bodenverbesserungsmittel abgegeben. Aller-
dings wird die landwirtschaftliche Verwertung durch
die Rahmenbedingungen der Klärschlammverordnung
eingeschränkt. Weiter wurde in verschiedenen Un-
tersuchungen festgestellt, dass Klärschlamm neben
den Schwermetallen auch eine Vielzahl von organi-
schen Schadstoffen enthält, so dass zum Schutz von
Böden und Grundwasser im Zusammenhang mit ei-
ner Novelle der entsprechenden Verordnung erheb-
liche Einschränkungen der landwirtschaftlichen
Klärschlammnutzung diskutiert werden.
Ziel der Hansewasser Bremen ist es, Klärschlamm
künftig etwa hälftig energetisch und – soweit in Zu-
kunft rechtlich zulässig – landwirtschaftlich zu ver-
werten, der Bremerhavener Schlamm soll weiterhin
an die Landwirtschaft abgegeben werden. Sollte die
landwirtschaftliche Nutzung eines Tages untersagt werden,
so haben Mitverbrennungsversuche in den
beiden Abfallverbrennungsanlagen des Landes eine
alternative Möglichkeit aufgezeigt, so dass unter Ein-
rechnung der vertraglich gesicherten Möglichkeiten
der energetischen Verwertung auch für Klärschlamm
die Entsorgung langfristig gesichert ist. Allerdings
müssen für alle Verbrennungsverfahren noch Mög-
lichkeiten gefunden werden, den Hauptnährstoffträ-
ger Phosphor und auch den Stickstoff vor oder nach
der thermischen Behandlung zurückzugewinnen und
für die Pflanzenernährung nutzbar zu machen.
Zitat Ende


2005 wurden die Klärschlämme prozentual entsorgt bzw. wiederverwendet wie. oben aufgeführt.

2006 kamen die getrockneten Klärschlämme vollständig als Dünger in der Landwirtschaft zum Einsatz.

Gab es keine Schwermetalle oder sonstigen Schadstoffe?


+++++++++++++++++++++
Baggergut TBT verseucht

"7.2.2 Abfallrechtliche Einstufung
Bei den ausgebaggerten Stoffen ist zu unterscheiden
zwischen dem schlickigen, in der Regel schadstoffbe-
lasteten und als Abfall einzustufenden Baggergut und
dem im Normalfall unbelasteten Sand. Für Baggergut
aus Häfen gilt der Abfallschlüssel 17 05 06 BAGGER-
GUT. Aufgrund der früheren Bergbautätigkeit im Harz
ist das Hafensediment beider Häfen z. T. mit Schwer-
metallen, in Bremerhaven darüber hinaus vor allem
aufgrund des Werftenbetriebes stellenweise erheb-
lich mit Tributylzinn (TBT) belastet. In einigen Fällen
kann daher eine Einstufung nach dem Schlüssel 17 05
05 BAGGERGUT, DAS GEFÄHRLICHE STOFFE ENTHÄLT
erforderlich sein.
Das vom WSA in den Fahrrinnen aufgenommene Bag-
gergut wird in der Weser bzw. der Außenweser an ge-
nehmigten Stellen verklappt, das Material ist daher
kein Abfall. Dies gilt auch für die bis 1997 in der Au-
ßenweser verklappten Mengen aus den Seehäfen Bre-
merhavens. Bisher konnte auch durch die bremenports
dredging für das unbelastete sandige Baggergut stets
eine wasserrechtliche Erlaubnis für die Umlagerung
auf Klappstellen des WSA-Bremerhaven erwirkt wer-
den, im Einzelfall konnte sandiges Baggergut auch
für Geländeaufhöhungen genutzt werden.

7.2.3 Aufkommen und Verbleib
Nach einem Maximum des Aufkommens an Baggergut
aus der Hafengruppe Bremen-Stadt von ca. 650.000
Mg in 1986 sind die auf der Deponie Bremen-Seehau-
sen zu entsorgenden Mengen auf 50.000 Mg/a bis
100.000 Mg/a gesunken.
Das Baggergut wurde in früheren Jahren auf Spülfel-
der gepumpt. Aufgrund des großen Flächenverbrauchs
hierfür, aber auch wegen der festgestellten Schadstoff-
belastungen im feinkörnigen Baggergut, wird seit 1994
das „Konzept der Integrierten Baggergutentsorgung
Bremen-Seehausen“ umgesetzt. Es beinhaltet die Ver-
bringung des Baggergutes in Entwässerungsfelder und
seine Entwässerung innerhalb eines Jahres auf eine
stichfeste, einbaufähige Masse. Diese wird auf der Bag-
gergutdeponie Seehausen abgelagert, die als Mono-
deponie der Klasse I gemäß der Deponieverordnung
eingestuft wurde.
Im August 1997 wurde aufgrund der TBT-Belastung
des Bremerhavener Hafenschlicks und der damit ver-
bundenen Schädigung der marinen Umwelt die Ver-
klappung von schlickigem Baggergut in die Nordsee
von den zuständigen niedersächsischen Behörden un-
tersagt. 1998 wurden daher in Bremerhaven keine
Baggerungen durchgeführt. Das Aufkommen an be-
lastetem schlickigen Baggergut in der Hafengruppe
Bremerhaven schwankt seit 2000 zwischen 100.000
Mg und 125.000 Mg. 1999 und 2000 wurden Teil-
mengen auf eine Versuchsdeponie (Luneort) verbracht.

Seit dem Jahr 2001 wird das gesamte schadstoffhal-
tige Baggergut aus der Hafengruppe Bremerhaven
mit Schuten nach Bremen-Seehausen transportiert
und dort zusammen mit dem Material aus der Hafen-
gruppe Bremen-Stadt entsorgt. Abbildung 7-3 zeigt
die bisherige Entwicklung.
7.2.4 Abfallvermeidung und Abfallverwertung
Baggergut aus Häfen lässt sich nicht vermeiden, soll
der Hafenbetrieb aufrecht erhalten werden. Jedoch
wurden zur Reduzierung des Schlickanfalls in den ver-
gangenen Jahren verschiedene, vor allem bauliche
Maßnahmen (z.B. Freilaufkanal in Bremerhaven), um-
gesetzt, die dazu geführt haben, dass sich die Sedi-
mentationsmengen in den Überseehäfen in Bremer-
haven gegenüber den Vorjahren nahezu halbiert ha-
ben. Darüber hinaus kommt in Bremerhaven seit 1994
ein Wasserinjektionsgerät zum Einsatz, welches die
Sedimentation in den Schleusenvorhäfen verhindert.
In Bremen wurde der Überseehafen verfüllt, so dass
dort kein Baggergut mehr anfällt. Weiterhin verklappt
bzw. als Bausand genutzt wird sauberer Sand aus den
Liegewannen der stromparallelen Hafenanlagen in
Bremerhaven.
Verwertungsmöglichkeiten gibt es für das in Bremen-
Seehausen entwässerte Material. Ein Anteil kann ent-
sprechend den Vorgaben der Deponieverwertungsver-
ordnung zum Bau von Basis- und Oberflächenabdich-
tung der Deponie verwendet werden, bis zu 30 % der
Menge wurden in den letzten Jahren hierzu genutzt.

Für Teilmengen könnten sich auch andere Verwer-
tungswege entwickeln. 2006 bot sich die Möglichkeit,
rund 68.000 Mg für genehmigte Verfüllmaßnahmen
in Nordrhein-Westfalen zu verwenden. Überlegt wird
derzeit auch, größere Mengen als Oberflächenabdich-
tung für die Blocklanddeponie einzusetzen. Auch für
bereits abgelagerte Mengen finden sich Einsatzmög-
lichkeiten. So wurden in den Jahren 2001 und 2002
insgesamt rund 60.000 Mg der Deponie Seehausen
wieder entnommen und zur Abdeckung einer Altlast
genutzt.
In der Vergangenheit untersuchte technische
Verfahren zur Reinigung bzw. Verwertung von stark
TBT-belastetem Material haben sich nicht als reali-
sierbar erwiesen.




Wo wurde eine Altlast-Deponie mit dem TBT verseuchten Baggergut abgedeckt?

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"Die Polychlorierten Biphenyle (PCB) zählen zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Chlorverbindungen, welche

#21 von Lola , 06.07.2016 09:20

http://www.zdf.de/frontal-21/themen-der-...6-44240648.html Übersicht der Sendung

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/v...im-Grubenwasser
Zitat
Gift im Grubenwasser – Gefahr durch geflutete Bergwerke
Die Stollen in den Steinkohlebergwerken an Ruhr und Saar sind mit PCB verseucht. Die Polychlorierten Biphenyle (PCB) zählen zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Chlorverbindungen, welche durch die Stockholmer Konvention vom 22. Mai 2001 weltweit verboten wurden.
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Gift im Grubenwasser

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PCB-Gefahr durch geflutete Bergwerke

ARTIKEL

PCB sind hochgiftig, stehen in Verdacht, krebserregend zu sein und haben sich bereits in der Atmosphäre, den Gewässern und im Boden ausgebreitet.
Nach dem Ende des Bergbaus an der Saar im Jahr 2012 und dem bevorstehenden Ende im Ruhrgebiet 2018 müsste dringend etwas gegen die Altlast unternommen werden. Doch der Kohlekonzern RAG will die Stollen seiner Bergwerke in Nordrhein-Westfalen und Saarland weiter fluten, obwohl unklar ist, wie viel PCB noch unter Tage lagert. Sicher ist: Es gelangt über das abgeleitete Grubenwasser in die Flüsse, ohne Genehmigung.

Während in Nordrhein-Westfalen der grüne Umweltminister Johannes Remmel noch protestiert und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sogar Strafanzeige gegen die RAG eingereicht hat, bekam der Konzern im Saarland grünes Licht für ein umstrittenes Projekt: Obwohl kurz zuvor noch Fragen zwischen Behörden ungeklärt waren und es Widerstand aus einer oberen Behörde gab, brachte das zuständige Bergamt im Saarland die Genehmigung zur Anhebung des Grubenwassers in der RAG-Schachtanlage Duhamel in Ensdorf auf den Weg. In die Entscheidungen und in die RAG-Strategie eingebunden war auch Heiko Maas (SPD), der damalige saarländische Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Energie. Heute wertet er als Bundesjustizminister die Entscheidung als rechtlich klar und unproblematisch. Doch der Biochemiker und Wasserexperte Harald Friedrich spricht angesichts der rund 12.000 Tonnen PCB unter Tage bereits von "einem der größten Umweltskandale, die diese Republik gesehen hat.“
Frontal21 über die Flutung der Kohlebergwerke, die Gefahren der hochgiftigen PCB und Politiker, die wegschauen.
Zitat Ende
(Bitte das Video von Frontal21 abrufen)

https://de.wikipedia.org/wiki/Polychlorierte_Biphenyle
Zitat
Polychlorierte Biphenyle (PCB) (polychlorierte Diphenyle, Polychlorbiphenyl, Chlordiphenyl, engl. chlorinated diphenyls) sind giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindungen, die bis in die 1980er Jahre vor allem in Transformatoren, elektrischen Kondensatoren, in Hydraulikanlagen als Hydraulikflüssigkeit sowie als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet wurden. PCB zählen inzwischen zu den zwölf als dreckiges Dutzend bekannten organischen Giftstoffen, welche durch die Stockholmer Konvention vom 22. Mai 2001 weltweit verboten wurden. PCB haben sich überall auf der Erde ausgebreitet, sie sind in der Atmosphäre, den Gewässern und im Boden allgegenwärtig nachweisbar.

Herstellung
Die erste Synthese von polychlorierten Biphenylen wurde im Jahr 1881 beschrieben, ab 1929 erfolgte deren großtechnische Herstellung.[1] Bei der industriellen Synthese zur Herstellung von polychlorierten Biphenylen wird Biphenyl mit Eisen bzw. Eisen(III)-chlorid als Katalysator mit Chlor zur Reaktion gebracht. Je nach Reaktionsbedingungen bilden sich unterschiedlich stark chlorierte Biphenyle. Der bei der Substitutionsreaktion entstandene Chlorwasserstoff wird mit Natronlauge neutralisiert. Das Gemisch von polychlorierten Biphenylen wird anschließend destillativ gereinigt bzw. aufgetrennt. Handelsprodukte kamen als Askarele beispielsweise unter dem Namen Aroclor (Monsanto) zum Einsatz. Der Chlorgehalt lag hierbei zwischen 21 % (Aroclor 1221) und 68 % (Aroclor 1268).[2]

[b]In Deutschland wurde die Produktion von polychlorierten Biphenylen im Jahr 1983 eingestellt.[1][/b]


Eigenschaften

PCB besitzen ein Biphenyl-Grundgerüst (zwei über eine Einfachbindung verknüpfte Benzolringe) an dem ein oder mehrere Wasserstoff- durch Chloratome ersetzt sind. Die allgemeine Summenformel lautet somit C12H10−xClx.

PCB sind in reiner Form fast geruchlose Flüssigkeiten oder Feststoffe, technische Produkte können gelblich sein. Polychlorierte Biphenyle sind thermisch und chemisch stabil, schwer entflammbar, elektrisch nicht leitend und superhydrophob. Sie haben eine relativ hohe Dichte von 1,4 g/ml. Der biologische Abbau findet bei hochchlorierten PCB unter anaeroben Bedingungen statt, indem die Chloratome als Elektronenakzeptoren benutzt werden, eine sogenannte Chloratmung. Gering chlorierte PCB können aerob oder anaerob abgebaut werden. Da PCB-abbauende Organismen mangels Stickstoff nicht allein von PCB leben können und in den meisten Fällen wichtige Nährstoffe auch woanders gefunden werden können, werden PCB biologisch kaum abgebaut. Ihr Abbau bringt den Bakterien keinen Vorteil, und es gibt nur wenige Stämme, welche die Gene für die entsprechenden Enzyme aufweisen.[3]

Nach einer Massenvergiftung mit PCB-kontaminierten Lebensmitteln 1968 in Japan (Yushō-Krankheit) wurden Herstellung und Anwendung von PCB 1978 zuerst in offenen Systemen und 1989 generell verboten. Seit Ende der Übergangsfrist 1999 müssen PCB-Altlasten gemeldet und als Sondermüll entsorgt werden. In Deutschland findet dies z. B. in der Untertagedeponie Herfa-Neurode statt.

PCB-belastet sein können alte Kondensatoren, u. a. in Leuchtstofflampen-Leuchten, Waschmaschinen, Wäscheschleudern und anderen älteren Geräten mit Kondensatormotor, in industriellen Anlagen zur Blindstromkompensation und in den früher im Haushalt zum Betrieb von Röhrengeräten üblichen magnetischen Spannungskonstanthaltern.
Typischer PCB-haltiger Kondensator von einem Kondensatormotor (Wäscheschleuder, DDR, Baujahr ca. 1979)

In Kondensatoren wurden früher PCB und PCB-haltige Isolieröle (Chlordiphenyl, Askarele) eingesetzt. Ausschlaggebend für den Einsatz statt anderen Isolierölen waren die hervorragenden Isoliereigenschaften, die Langzeitstabilität und die Unbrennbarkeit. Die Kondensatoren waren hermetisch dichte Bauformen aus Metall mit Glas- oder Keramikdurchführungen. Demnach sollten sie, wenn sie unzerstört, trocken und sicher gelagert sind, ungefährlich sein. Die Kondensatoren können bei mechanischer Zerstörung und durch Zersetzungsprozesse undicht werden und die Umgebung kontaminieren.

Gebäude-Fugendichtungsmassen können auch die Ursache von PCB-Belastungen in Raumluft und schließlich in Personen sein. Betroffen sind hier vor allem in den Jahren 1955–1975 errichtete Beton-Skelett-Bauten.[4]

Chlordiphenyl riecht gegenüber anderen Isolierölen bereits in kleinsten Mengen intensiv fruchtig und kann bereits bei Hautkontakt vom Körper aufgenommen werden. Chlordiphenyl-haltige Kondensatoren wurden in der DDR ab einem bestimmten Zeitpunkt als solche gekennzeichnet (Aufdruck „Chlordiphenyl“).
Zitat Ende

Dieses umfangreiche Thema kann man mit dem Wikipedia-Link aufrufen und dort vollständig lesen.









http://www.umweltanalytik.com/lexikon/ing3.htm
Im Beitrag 1 wurde von @fight4yrights dieser Thread begonnen mit "TBT"

Zitat
TBT - Tributylzinnverbindungen

TBT ist die Abkürzung für Tributylzinn, eine der giftigsten Chemikalien, die der Mensch bewusst in die Umwelt ausbringt. Die organische Zinnverbindung wird als Biozid bei der Herstellung von Unterwasser-Schiffsanstrichen eingesetzt. Diese nicht faulenden Farben Antifoulingfarben verhindern den Bewuchs der Schiffe durch Muscheln, Seepocken und Algen, indem die Lebewesen beim Kontakt mit der giftigen Farbe abgetötet werden. Das aus den Anstrichen freigesetzte, schwer abbaubare TBT belastet heute viele Flüsse und Meere. Durch seine Wirkung als Umwelthormon sterben in weiten Meeresgebieten Muscheln und Meeresschnecken aus; es reichert sich in der Nahrungskette an und gefährdet auch Fische, Wale und schließlich den Menschen.

In Deutschland werden jährlich mehrere tausend Tonnen des Giftstoffes für Schiffsanstriche hergestellt. Das Gift gelangt nahezu vollständig in die Umwelt.
Chemische Organozinnverbindungen gelten allesamt als giftig. Die bekannteste Substanz ist Tributylzinn. TBT gilt nach Aussagen von Wissenschaftlern und der Hersteller selbst als eines der giftigsten chemischen Produkte, die Menschen jemals bewusst in die Umwelt eingebracht haben.
Zitat Ende
Hierzu bitte den Beitrag 1 lesen!

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RE: "Die Polychlorierten Biphenyle (PCB) zählen zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Chlorverbindungen, welche

#22 von Lola , 06.07.2016 20:32

https://de.wikipedia.org/wiki/Askarele

Zitat
Askarele (engl. askarels) sind Gemische polychlorierter Biphenyle (PCB) oder Gemische von PCB mit polychlorierten Benzolen, die als Elektroisolierflüssigkeiten eingesetzt wurden.[1] Aufgrund ihrer Umweltschädlichkeit werden sie heute nicht mehr benutzt.

Herstellung und Eigenschaften

Polychlorierte Biphenyle werden hergestellt, indem Biphenyl chargenweise solange chloriert wird, bis der gewünschte Chlorgehalt im Endprodukt erreicht ist.[2] Die daraus hergestellten Askarele sind chemisch sehr beständig. Sie sind nicht brennbar und zeichnen sich durch ihre hohen Siedepunkte und eine niedrige elektrische Leitfähigkeit aus. Je nach Zusammensetzung variiert ihr Aussehen von leichtgefärbten Flüssigkeiten bis hin zu gelben oder schwarzen, wachsartigen Massen.[3]

Verwendung
Askarele fanden aufgrund ihrer geringen elektrischen Leitfähigkeit und ihrer Nichtbrennbarkeit seit den 1930er-Jahren als Elektroisolierflüssigkeiten in Kondensatoren und Hochspannungstransformatoren eine breite Verwendung: Nahezu alle zwischen 1930 und 1980 gefertigten Metallpapier- und Ölpapierkondensatoren enthielten Askarele als Dielektrikum.[4][5] Askarele wurden u.a. unter den Handelsnamen Apirolio, Aroclor, Asbestol, Clophen, Chorextol, Chorinol, Diaclor, Dykanol, Elemex, Elaol, Eucarel, Fenclor, Hydrocor, Hyvol, Inerteen, Kaneclor, Montar, NoFlamol, Phenochlor, Pydraul, Pyralene, Pyroclor und Sorol vermarktet.[5] Bei der Beurteilung der Auswirkungen der Askarele auf die menschliche Gesundheit werden die toxikologischen Eigenschaften der polychlorierten Biphenyle als Maßstab herangezogen.

Ersatzstoffe
Als Ersatzstoffe werden Mineralöle, synthetische Ester und Silikonöle (sogenannte Transformatorenöle) eingesetzt, die eine ausreichende chemische Stabilität und elektrische Isolierfähigkeit besitzen.
Zitat Ende

Askarele ....Das Gemisch von polychlorierten Biphenylen wird anschließend destillativ gereinigt bzw. aufgetrennt.

Handelsprodukte kamen als Askarele beispielsweise unter dem Namen Aroclor (Monsanto) zum Einsatz.


Der Chlorgehalt lag hierbei zwischen 21 % (Aroclor 1221) und 68 % (Aroclor 1268).[2]

In Deutschland wurde die Produktion von polychlorierten Biphenylen im Jahr 1983 eingestellt.[1]


ABB ist der größte Hersteller von Transformatoren.

http://www.elektrotechnik.vogel.de/thyss...erung-a-315103/

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RE: "Die Polychlorierten Biphenyle (PCB) zählen zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bekannten organischen Chlorverbindungen, welche

#23 von Lola , 06.07.2016 20:55

https://netzfrauen.org/2016/05/27/monsan...ionen-e-an-pcb/

Zitat


27. Mai 2016
0 Kommentare

Monsanto muss 41 Millionen € an PCB Geschädigte zahlen! – St. Louis jury orders Monsanto to pay $46.5 million in latest PCB lawsuit

Die Verhandlung fand am 28. April 2016 statt. Die drei Kläger sind Teil von fast 100 Rechtsstreitigkeiten, in die Monsanto verwickelt ist. Unter den Klägern sind auch die Familienangehörigen der Verstorbenen, die durch PCB Lymphdrüsenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphom) bekommen hatten. Nach nur eineinhalb Monaten steht fest, dass Monsanto und seine drei Firmen zahlen müssen, und zwar 41 Millionen €.
Zitat Ende

Bitte lesen Sie den kompletten Beitrag der Netzfrauen.

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" Weser stärker belastet als gedacht "

#24 von Lola , 02.08.2016 06:32

http://www.radiobremen.de/nachrichten/ge...t/weser132.html
1. August 2016, 16:15 Uhr
Zitat

Schadstoffe im Fluss
Weser stärker belastet als gedacht

Die Weser ist offenbar stärker mit Schadstoffen belastet als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Grund sind kleinste Plastikteilchen, sogenanntes Mikroplastik.

"Diese Plastikteilchen saugen Umweltgifte wie zum Beispiel PCB auf, wie ein Schwamm", sagte die Leiterin der Untersuchung, Gesine Witt zu Radio Bremen. "Die Belastung mit PCB ist in der Weser ohnehin hoch, durch diesen Effekt steigt sie noch zusätzlich", so Witt weiter. PCB gilt als krebserregend. Mikroplastik ist in vielen Kosmetikartikeln, wie Zahnpasta enthalten.

Es entsteht aber auch, wenn normaler Plastikmüll in Gewässer gelangt und mit der Zeit kleingerieben wird. Durch diese Partikel können die Schadstoffe laut Untersuchung über Fische auch leichter in die Nahrungskette gelangen und auch dem Menschen gefährlich werden. Sechs Wochen lang haben die Wissenschaftler auf Elbe, Weser und Trave Proben im Schlick genommen. In der Weser war die Belastung zischen Bremen und Bremerhaven am höchsten.
Zitat Ende

"WERSER" - dat is Weser up Plattdütsch
Die Weser ist tatsächlich in Not. Der 1.Beitrag im Thread beginnt mit den Worten .....
...An Werra und Weser ist der Zweite Weltkrieg bis heute nicht beendet – dabei geht es um Schadstoffe!


..

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"Zeitbombe im Trinkwasser"

#25 von Lola , 07.09.2016 21:41

https://netzfrauen.org/2016/02/19/krebsg...-biogasanlagen/

Zitat
Deutschland gehört zu den größten Trinkwasserverschmutzern in der EU. Die Nitrat-Grenzwerte sind bei über der Hälfte aller deutschen Messstellen erhöht und Brüssel warnt massiv vor den Krebsgefahren durch Nitrat. Nitrit selbst ist giftig und an der Bildung der krebserregenden Nitrosamine beteiligt. Chemisch ist die Umwandlung von Nitrat zu Nitrit eine Reduktion, die von der Nitratreduktase durchgeführt wird, einem in vielen Bakterien und Pilzen vorkommendem Enzym. Ablagerung von Nitrit in den kleinsten Gefäßen, den Kapillaren, können Durchblutungsstörungen verursachen.

Kot und Urin aus der Massentierhaltung gefährden unser Wasser, denn diese Gülle wird auf die Felder gekippt und sickert ins Grundwasser. Die Zahlen sind dramatisch: Der Nitrat-Grenzwert wird in der Hälfte aller Messstellen in Deutschland nicht mehr eingehalten. Dabei kann der Stoff beim Menschen Krebs auslösen.
Zitat Ende

https://de.wikipedia.org/wiki/Nitrate

Zitat
Nitrate sind die Salze und Ester der Salpetersäure (HNO3). Die Salze haben die allgemeine Zusammensetzung MINO3 (MI: einwertiges Kation). Einige der Salze werden mit dem historischen Trivialnamen Salpeter bezeichnet. Das planare Anion NO3− trägt eine negative Ladung. Die Ester der Salpetersäure werden auch Salpetersäureester genannt und haben die allgemeine Struktur R–O–NO2 (R: organischer Rest). Einige Salpetersäureester werden fälschlicherweise als Nitroverbindung bezeichnet, so z. B. Glycerintrinitrat als Nitroglyzerin. Nitroverbindungen (R–NO2) haben jedoch im Gegensatz zu Nitraten eine C-N-Bindung.

In der Mineralogie bilden die Nitrate je nach verwendeter Mineralsystematik zusammen mit den Carbonaten bzw. mit den Carbonaten und Boraten eine eigene Klasse. In der mittlerweile veralteten 8. Auflage der Strunz'schen und der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Mineralsystematik nach Dana werden Carbonate, Nitrate und Borate in einer Klasse zusammengefasst, in der modernen und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendeten 9. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz dagegen nur die Carbonate und Nitrate.

Vorkommen
Der Stickstoffkreislauf

Nitrate sind in der Biosphäre und Hydrosphäre allgegenwärtig. Abbauwürdige Mengen von Nitraten finden sich hauptsächlich in Form von Natriumnitrat. Der Hauptfundort dieses Salzes ist Chile, daher auch der Trivialname Chilesalpeter. Weitere natürliche Vorkommen gibt es in Ägypten, Kleinasien, Kolumbien und Kalifornien. Nitrate der häufigen Alkali- und Erdalkalimetalle kommen in natürlicher Form als Chile-, Kalk- oder Kalisalpeter vor.
Bildung und Abbau von Nitraten
→ Hauptartikel: Stickstoffkreislauf

Im Boden und in Gewässern werden Nitrate durch bakterielle Nitrifikation gebildet. Bei der Zersetzung insbesondere eiweißhaltiger Stoffe werden primär Ammonium­verbindungen freigesetzt. Die Oxidation durch Bakterien der Gattung Nitrosomonas führt zu Nitrit, welches durch Bakterien der Gattung Nitrobacter zum Nitrat weiteroxidiert wird. Bei einem Mangel an Sauerstoff führt hingegen die bakterielle Denitrifikation von Nitrat zu elementarem Stickstoff. Diese Umsetzungen werden z. B. in Kläranlagen systematisch zur Beseitigung der Stickstoffverbindungen ausgenutzt.

Verwendung

Nitrat wirkt als effizienter Sauerstoffspender. Deshalb ist Kaliumnitrat Bestandteil des Schwarzpulvers (Sprengsalpeter). Es werden gegebenenfalls auch Nitrate anderer Kationen verwendet, wenn farbige Lichteffekte in der Pyrotechnik gewünscht werden.

Als Lebensmittelzusatzstoff wird Natriumnitrat (E 251) und Kaliumnitrat (E 252) als Konservierungsmittel z. B. zum Pökeln von Fleisch- und Wurstwaren verwendet, da es die Bildung anaerober Keime hemmt.

Nitrate finden auch Verwendung in der Medizin, unter anderem zur Herstellung des Medikaments Isosorbidmononitrat zur Gefäßerweiterung.
Düngung

Nitrate werden von Pflanzen als Nährstoffe verwertet und in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt. Sie können direkt von pflanzlichen Organismen als Stickstoffquelle aufgenommen und verwertet werden.
Kalksalpeter mit 14,4 % Nitratstickstoff

In der Landwirtschaft werden Nitrate als Dünger, auch in Form von Gülle (allg. Wirtschaftsdünger) eingesetzt. Diese Wirtschaftsdünger enthalten Stickstoff zum Teil als Nitrat (Calciumnitrat in Blaukorn) und zum Teil als Ammonium­verbindungen (Ammoniumnitrat, Ammoniumphosphat), oft aber auch in Form von organischen Stickstoffverbindungen (Proteine, Amine, Harnstoff). Durch Nitrifikation entsteht im Boden unter Mitwirkung von Bakterien aus Ammoniumionen (NH4+) über die Zwischenstufe Nitrit das Nitrat. Der organisch gebundene Stickstoff kann im Boden mineralisiert werden (Freisetzung von Ammoniumverbindungen und letztlich auch Nitrat) oder in den Bodenhumusvorrat eingehen, aus dem er erst allmählich wieder mineralisiert wird (i. d. R. 1 bis 3 % Mineralisierungsrate pro Jahr).

Insbesondere als Folge der Güllewirtschaft, (in untergeordneten Mengen auch durch übermäßige Düngung z. B. beim Anbau verschiedener Gemüsearten oder in privaten Hausgärten sowie durch undichte Abwasserleitungen) haben die Nitratgehalte der Grundwässer in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Gesetzliche Regelungen über Art, Menge und Zeitpunkt der Düngung sowie entsprechende Weiterbildungs- und Sanierungsmaßnahmen sollen zu einer allmählichen, allerdings stark verzögerten, Sanierung des Grundwassers führen.
Zitat Ende

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"Nitrat sickert tiefer und tiefer"

#26 von Lola , 12.09.2016 10:35

http://www.weser-kurier.de/region_artike...id,1455425.html

Zitat
Trinkwasserversorger schlägt Alarm

Nitrat sickert tiefer und tiefer
Silke Looden 12.09.2016 0 Kommentare

Die Nitratbelastung des Grundwassers steigt. Doch die neue Düngeverordnung lässt weiter auf sich warten. Nun schlägt der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband Alarm.

Der Beitrag klärt weiter auf:
"Anders als in Ostfriesland gebe es dort keine Lehmschicht, die das Grundwasser vor zuviel Dünger schütze. Meister kann nicht verstehen, dass die Politik angesichts der alarmierenden Werte nicht handelt. „Je nach den Bodenverhältnissen, kann es wenige Jahre oder mehrere Jahrzehnte dauern, bis Nitrate, die nicht durch Pflanzen oder im Boden abgebaut werden, das tiefere Grundwasser erreichen“, prognostiziert Meister."+-

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"Mit Silikon gegen Muschelbefall"

#27 von Lola , 25.11.2016 08:49

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...id,1502489.html

Das Thema des 1. Beitrags in diesem Thread, befasst sich mit TBT (Biozide)

Zitat

Experten suchen nach giftfreiem Schiffsanstrich / Biozide gefährden Fischbestände
Mit Silikon gegen Muschel-Befall
Volker Kölling 25.11.2016 0 Kommentare

Otterndorf. Bis heute gibt es keinen giftfreien Schiffsanstrich, der Bewuchs in warmem Salzwasser vollkommen verhindert.
Diese Feststellung taucht beim Antifouling-Gipfel in Otterndorf bei fast allen Dozenten auf. Aber auch das zeigt die Veranstaltung des Maritimen Clusters Norddeutschland: Zurzeit läuft die Forschung auf Hochtouren, um der Schifffahrt und auch Jachteignern Lösungen anzubieten. Wasserfahrzeuge sollen in zehn Jahren nicht mehr als ständige Umweltbelaster unterwegs sein.

Ganze Fischbestände bestehen nur noch aus Weibchen, Aale schaffen ihre Wanderungen nicht mehr, Wasserschnecken machen Geschlechtsumwandlungen durch, Eierschalen werden immer dünner. Professor Joseph Hölscher kann eine lange Liste der Folgewirkungen von sogenannten Bioziden im Wasser aufzählen. Und die lösen sich aus den Schiffsanstrichen auch noch heute permanent und gewollt ab, um Biobewuchs zu vermeiden. Das zinnhaltige TBT ist inzwischen lange international geächtet, aber selbst dazu findet Hölschers Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz bei den jährlichen Messungen an zehn von vierzig Messstellen noch deutliche Spuren. „Dazu bekommen wir aber inzwischen auch immer wieder neue gefährliche Substanzen in die Gewässer hinein. Wir müssen wirklich aufpassen.“
Zitat Ende

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Klärschlämme und Baggergut

#28 von Lola , 25.11.2016 09:04

Der Beitrag 20 befaßt sich mit Klärschlämmen und Baggergut..

und der Broschüre vom Umweltamt

Abfallwirtschaftsplan 2007 für das Land Bremen

http://194.95.255.173/buisy05/de/detail....en179.c.3596.de

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"Ableitungen gefährlicher Stoffe in die Weser"

#29 von Lola , 17.12.2016 20:21

"WERSER" - dat is Weser up Plattdütsch
Beitrag 2

Zitat

1.11
Sonstige anthropogene Belastungen
Bei Untersuchungen im Rahmen der Richtlinie 76/464/EWG (Ableitung gefährlicher Stoffe in
Oberflächengewässer) an der Messstation Hemelingen wurden Qualitätsziel-Überschreitun-
gen bei den Stoffen Uran und Zink festgestellt. Beide Stoffe stammen wahrscheinlich aus dem
Bergbau im Harz und werden aus Niedersachsen nach Bremen eingetragen.

Messungen der Stoffen Dibutylzinn und Kupfer ergaben sowohl in Farge als auch in Hemelingen Überschreitungen des halben Qualitätsziels.

Weiterhin kommt es durch die Schifffahrt und durch Baggerarbeiten zu einer Belastung. Das
schlickhaltige Baggergut aus der Hafenunterhaltung der bremischen Häfen (Bremen-Stadt und Bremerhaven) wird auf Grund der TBT-Belastung seit 1997 nicht mehr im Wurster Arm in Bre-
merhaven umgelagert sondern im Rahmen der Integrierten Baggergutentsorgung landfest auf
der Baggergutdeponie Bremen-Seehausen untergebracht. Jährlich müssen aus den bremischen
Häfen insgesamt ca. 310 000 m³ feinkörniges Material an Land entsorgt werden

Zitat Ende

https://www.analytik-news.de/Presse/2008/687.html
12.12.2008
Umweltgift Dibutylzinn schwächt das menschliche Immunsystem

Zitat
Ein internationales Forschungsteam der Universität Basel und der Universität von Kalifornien, San Diego, belegt in einer Studie die Toxizität der Chemikalie Dibutylzinn auf unser Immunsystem. Das Umweltgift stört die Regulation von Genen des Immunsystems, indem es die Aktivierung eines für den Entzündungsprozess wichtigen Rezeptors hemmt. Dibutylzinn kann durch Trinkwasser von PVC-Leitungen, wie sie in Ländern außerhalb Europas teilweise verwendet wurden, und durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten in den menschlichen Körper gelangen.

Tributylzinn (TBT) und Dibutylzinn (DBT) sind weitverbreitete, hochtoxische Chemikalien, die zum Beispiel in der Fischerei, im Segel- und Motorbootsport und in der Schifffahrtindustrie als Antifaulmittel in den Anstrichfarben für den Außenschutz der Boote eingesetzt werden. DBT wird in geringem Umfang in der Verarbeitung von Polyvinylchlorid (PVC) verwendet. In Europa enthalten aufgrund der bestehenden Lebensmittelgesetzgebung PVC-Produkte für die Trinkwasserversorgung kein DBT. DBT ist mit TBT verwandt, einer bekannten Umweltchemikalie, die kürzlich von der "International Maritime Organisation" der Vereinigten Nationen wegen schwerwiegenden toxischen Wirkungen verboten wurde. Für DBT, das ebenfalls sehr toxisch ist, besteht bisher kein Verbot.

DBT ist toxischer als TBT

Gemäß den Leitern der in der Wissenschaftszeitschrift "PLoS ONE" veröffentlichten Studie, Prof. Alex Odermatt von der Universität Basel und Prof. Michael Baker von der Universität von Kalifornien (San Diego School of Medicine), wird TBT im Körper zu DBT umgewandelt. Der Mensch nimmt TBT und DBT hauptsächlich durch den Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten zu sich. Da DBT langsam abgebaut wird, bleibt es lange in der Umwelt aktiv. Es scheint, dass seine toxischen Wirkungen schneller und ausgeprägter sind als diejenigen von TBT.

Zitat Ende

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"Hafenflair und Zank um die Weser"

#30 von Lola , 17.12.2016 20:33

"WERSER" - dat is Weser up Plattdütsch (3)
Beitrag 37

...Wirtschaftsfaktor Weser ...

Die Verantwortlichen sollten vielleicht einmal daran denken, dass auch ein Fluss nicht ohne Folgen ausgebeutet werden darf, sodass er am Ende völlig ohne Leben ist.

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Wasserschutzgebiet
IVG: ..was war vor 20 Jahren? - 1993

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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