Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Bremens Umerziehungshaus in Rekum

#1 von Reinhard , 23.10.2014 13:24

Durch die Entscheidung der Bremer Sozialsenatorin, ein leerstehendes Haus an der Rekumer St. 12 in ein Umerziehungshaus für „unbegleitete minderjährigen Flüchtlinge“ (umF) umzunutzen, die in Bremen straffällig geworden sind, hat zu einer breiten Diskussion geführt.

Die verschiedenen Aspekte der senatorischen Entscheidung und ihrer Folgen, die zunächst in bestehenden Threads erörtert wurden, sollen daher unter dem neuen Titel zusammengefasst werden.

Damit möchte ich gleichzeitig alle Leser zu einer spannenden sachlichen und informativen Diskussion hier im Forum einladen.

Die vorangegangenen Postings zu dieser Thematik findet man hier:

Sozial benachteiligtes Blumenthal (2)

(Der Administrator)


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Der Pilatus von Blumenthal

#2 von Reinhard , 23.10.2014 13:30

Der Pilatus von Blumenthal

Innerhalb weniger Tage hat sich in Farge und Rekum und damit im gesamten Stadtteil Blumenthal einiges geändert. Den Ausgangspunkt bildete eine Geheimsitzung des Beirats am letzten Freitag, die kurzfristig einberufen wurde und die entgegen dem Ortsbeirätegesetz und der Geschäftsordnung des Beirats nicht öffentlich bekanntgemacht wurde.

Auf diese Weise wurden nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern ebenfalls die Vertreter der Medien ausgeschlossen. Auch wird es von diese Sitzung kein öffentlich einsehbares Protokoll geben, sodass geheim bleibt, welche Beiratsmitglieder überhaupt an diesem Termin außer der Reihe anwesend waren, wer was von der Sozialbehörde vorgetragen hat und welches Beiratsmitglied sich mit welchen Aussagen an der Diskussion beteiligt hat. Zudem darf damit von den Anwesenden nicht darüber berichtet werden, ob und wenn ja wie diese Geheimhaltung gerechtfertigt wurde. Es wird nicht einmal zu lesen sein, ob sich nicht vielleicht wenigstens ein Beiratsmitglied gegen diese Vorgehensweise ausgesprochen hat, die eher einer Verschwörung als eines bürgernahen Sitzung einer gewählten Vertretung ähnelt.

Das Informationsmonopol haben sich auf diese Weise die Sozialsenatorin und das Ortsamt gesichert. Beide haben mehr oder weniger transparent der Presse ihre Darstellungen übermittelt. So berichtete die Sozialsenatorin über das Ergebnis dieser Sitzung durch eine offizielle Pressemitteilung, die über die Senatspressestelle verbreitet wurde. Zusätzlich scheint es noch eine Presseinformation durch den Ortsamstleiter für die lokale Presse zu geben, die allerdings nicht vom Ortsamt veröffentlicht wurde. Man kann nur aufgrund von Presseberichten darauf schließen, die Informationen enthalten, die sich nicht in der Version der Sozialsenatorin finden lassen.

Bewertungen gab es anschließend vor allem über Facebook auf den Seiten des Ortsamtsleiters und der SPD-Beiratsfraktion. Darin hat Herr Nowack die geheime Sitzung als „Sternstunde für den Blumenthaler Beirat“ herausgestellt und behauptet, dass es „durch alle Fraktionen (ein) einhelliges Signal für das Projekt“ gab. Als Ergebnis der Geheimsitzung soll es zwar zu „keine Abstimmung“ gekommen sein, aber der Beirat soll erklärt haben, „dass er die Notwendigkeit akzeptiert und glaubt, dass das Konzept gelingen kann.“ Und von diesem Konzept war der Ortsamtsleiter „beeindruckt“.

Das alles scheint inzwischen nicht mehr passiert zu sein, wenn man die aktuellen Interviews des Ortsamtsleiters hört.



Dafür kann es eine einfache Erklärung geben. In Farge und Rekum hat sich eine Facebook-Gruppe „Rekumer Strasse 12 Nicht Mit Uns“ gebildet, die heute Morgen 2.401 Mitglieder zählte.

Das ist eine Größenordnung, die für Politiker offenbar eine kleine Denkrevolution auslösen kann. Der Wandel ist in diesem Fall besonders überraschend. Was vor wenigen Tagen noch als besondere Sternstunde bejubelt wurde, hat jetzt keinerlei Bedeutung mehr. Ja, man muss sich sogar fragen, warum die gesamte Geheimniskrämerei überhaupt erfolgte, denn jetzt erklärt der Ortsamtsleiter von den Kameras: „Eigentlich geht uns das gar nichts an“

Hat er sich also mit einer Beiratssitzung, die keinerlei Bedeutung hatte, nur eingemischt? Doch warum dann die Abschirmung der Öffentlichkeit und der Maulkorb für die Beiratsmitglieder, die offenbar an einer Farce teilgenommen haben.

Jetzt soll es so aussehen, also ob man die Entscheidung, in Rekum ein Umerziehungshaus für straffällig gewordene minderjährige Flüchtlinge einzurichten, als „eigentlich privaten Vorgang“ zu bewerten hat.

Doch ist diese neue Nutzung für das Haus an der Rekumer Straße wirklich mit der Anmietung eines Hauses durch einen privaten Mieter, der sich in diesem Fall „Akademie“ nennt, von einem privaten Vermieter identisch. Wenn das so wäre, müsste man sich fragen, ob der Beirat wirklich nichts Besseres zu tun hat, als sich in einer „Sternstunde“ mit solchen privaten Mietverhältnissen zu befassen.

Diese Argumentation, durch die jemand wie Pilatus seine Hände jetzt in Unschuld waschen will, enthält einen großen Fehler. Sie missachtet die Tatsache, dass hinter der Vermietung ein Verwaltungsakt einer Bremer Behörde steht, die damit den Vorschriften des Ortsbeirätegesetzes unterliegt.

Hier wird im § 5 Aufgaben der Beiräte festgelegt, dass die Stadtteile mit ihren Beiräten zwar nicht die Rechte von Städten besitzen, aber doch nicht ganz rechtlos sind. Danach müssen die fachlich zuständigen Senatorinnen und Senatoren, in diesem Fall also die Sozialsenatorin, „den Beirat frühzeitig in ihre Tätigkeit einbeziehen (§5 (2)), Auf dieser Grundlage berät und beschließt der Beirat dann über die örtlichen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse. (§5 (1). Das Ergebnis dieser Beratungen muss die zuständige Stelle, also hier die Sozialsenatorin, nach Maßgabe dieses Ortsgesetzes „berücksichtigen“ (§5 (2)). Falls dabei ein Dissens besteht, ist eine Vermittlung“ durch die Aufsichtsbehörde vorgesehen (§5 (4)).

Dieser Konflikt zwischen der Senatorin und der politischen Vertretung Blumentals ist nicht eingetreten, da sich der Beirat nach den ersten Pressemeldungen, die auf Quellen beruhen müssen, die nicht der Geheimhaltungsvorschrift unterlegen haben, für das Konzept der Senatorin ausgesprochen hat.

Die Mitwirkenden können sich jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen, denn sie haben sich für dieses Verfahren entscheiden.

- Sie wollten durch eine Geheimsitzung ein Ergebnis herbeiführen, das der Sozialsenatorin grünes Licht gab.

- Sie haben damit zunächst vollendete Tatsachen schaffen wollen, bevor es eine Information der Bürger gibt.

- Sie haben damit die sonst immer so in den Vordergrund gerückte Bürgerbeteiligung in dieser Frage durch eine Nacht- und-Nebel-Aktion völlig missachtet.

- Sie haben es sogar nicht einmal für nötig gehalten, diese Geheimhaltung auch nur zu begründen.

Nun sind sie offenbar nicht bereit, die Folgen ihres Handelns zu sehen. Dabei waren die durchaus vorhersehbar, wenn man wenigstens etwas mehr psychologisches und politisches Einfühlungsvermögen einsetzen würde.

Schließlich kann niemand glauben, dass die Ängste von Eltern um das Wohl ihrer Kinder dadurch geringer werden, dass man, ohne ein wirklich überzeugendes Konzept und ohne einen wirklich geeigneten Standort vorweisen zu können, nicht über eine geplante Maßnahme informiert, sondern ohne diese Informationen vollendete Tatsachen schaffen will.

Bei diesem Verhalten der beteiligten Instanzen muss man sich daher fragen, ob ein so großes Empathiedefizit überhaupt möglich ist oder nicht vielleicht politische Kalkulationen hinter dieser bürgerfeindlichen Vorgehensweise stecken.

Kann es vielleicht möglich sein, dass man vor den Wahlen im Mai eine Situation schaffen wollte, die in der taz wieder als Wüten eines "rassistischen" Mobs geschildert werden kann. Ein derartiger emotional aufgeladener Wahlkampf kann immerhin die eigene Anhängerschaft einiger Parteien leichter mobilisieren.

Diese Machtstrategie kann allerdings auch nach hinten los gehen, wenn der „Mob“ so groß ist, dass man die protestierenden Bürger nicht mehr geschlossen in die braune Ecke abdrängen kann.

Dann bleibt offenbar als Ausweg in einer aufgeheizten Atmosphäre der Versuch, wenigstens die eigenen Hände in Unschuld zu waschen, weil die „Sternstunde“ angeblich eigentlich völlig überflüssig war.


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"StadtTEIL-Fürst“ oder Erfüllungsgehilfe ?

#3 von Reinhard , 23.10.2014 13:32

"StadtTEIL-Fürst“ oder Erfüllungsgehilfe ?


Politiker können bei der Sicht der Realität sehr flexibel sein, wenn sie nicht das erreicht haben, was sie wollten. Das zeigt sich sehr eindrucksvoll bei dem neuen intensivpädagoischen Umerziehungshaus in Rekum. Sollte es sich hier bei der Zustimmung des Blumenthaler Beirats zunächst um eine „Sternstunde“ gehandelt haben, wurde daraus wenig später ein praktisch überflüssiges Treffen ohne rechtliche Bedeutung.

Ein derartiger Zeitvertreib kommt selbstverständlich weder bei den Bürgern noch bei den beteiligten Behörden gut an, die eine rasche Beiratssitzung gefordert haben. So hat sich jetzt die Bewertung dieser Geheimsitzung von Blumenthaler Beiratsmitgliedern erneut geändert. Der Blumenthaler „StadtTEIL-Fürst“, wie sich der Ortsamtsleiter nennen lassen will, hat danach der Sozialsenatorin einen Gefallen getan.

Wie er gegenüber dem Weser-Kurier erklärt hat, bekam er am „am Mittwoch vergangener Woche“ einen Anruf vom Sozialressort und hat, weil das offenbar innerhalb einer kurzen Frist von der Sozialsenatorin gewünscht wurde, „den Beirat zu einer Sondersitzung am Freitag eingeladen.“ Bei diesem Treffen soll „der Träger der Einrichtung“ klargemacht haben, „dass die Jugendlichen so schnell wie möglich ganztägig betreut werden müssten, damit die Erziehungsmaßnahmen fruchten.“

Offenbar haben also die Sozialbehörde und der Träger gepfiffen und der „StadtTEIL-Fürst“ mit „seinem“ Beirat haben vergessen, welche Aufgabe sie zu erfüllen haben. Von ihnen verlangt der Gesetzgeber nicht die unverzügliche Befolgung von senatorischer Anweisungen oder von kaum überzeugenden pädagogischen Empfehlungen eines geschäftstüchtigen Autodidakten, sondern die Vertretung der Interessen der Bürgerinnen und Bürger Blumenthals. Die können sicherlich nicht in dem Glauben bestehen, pädagogische Maßnahmen könnten nur erfolgreich sein, wenn sie möglichst gleich am nächsten Tag beginnen. Schnelligkeit ist zumindest nicht in jedem Fall ein guter Ratgeber. Vielmehr lässt sich mit diesem Argument leicht jede Diskussion um bessere Lösungen abwürgen.

Die beliebte Taktik der Sozialbehörde

Diese Vorgehensweise der Sozialbehörde in allen Fragen, die mit Asylsuchenden und Flüchtlingen verbunden sind, ist nicht neu. Obwohl jeder, der in die Medien schaut, darüber informiert ist, dass die Zahl der Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge seit geraumer Zeit steigt und damit auch die Zahl der damit verbundenen besonderen Problemfälle, scheint die Bremer Sozialbehörde die Entwicklung vielleicht auch zu beobachten. Sie hat jedoch bisher keinen Plan vorgelegt, der eine geregelte Aufnahme und sozialkohärente Verteilung innerhalb des Bremer Stadtgebietes vorsieht.

Entsprechendes gilt auch für eine Begleiterscheinung wie die Betreuung straffällig gewordener minderjähriger Flüchtlinge. Auch sie sind nicht ganz plötzlich in den letzten Tagen nach Bremen gekommen, sondern stellen ein Sicherheitsproblem dar, das langsam entstanden ist. Für sie hätte man sich ebenfalls rechtzeitig um eine überzeugende Lösung im Rahmen eines Flüchtlingsplans kümmern können.

Diese Hausaufgaben hat die Sozialbehörde jedoch zumindest nach ihrer Außendarstellung nicht gemacht. Vielmehr setzt sie darauf, Einzelmaßnahmen in verschiedenen Bremer Ortsteilen durchzudrücken, die meist bereits sozial benachteiligt sind. Dabei werden die Beiräte nach einem fast schon eingespielten Ritus mit einem Zeitargument, das die Behörde weitgehend selbst durch ihre Arbeitsweise erzeugt hat, unter Druck gesetzt.

So scheint es auch jetzt in Blumenthal gelaufen zu sein. Nur muss man sich fragen, ob man wirklich so willfährig handeln und eine Entscheidung in Blumenthal überstürzen soll, nur weil sich die Senatorin nicht an das OBG hält, das eine frühzeitige Information des Beirats vorsieht. Auch dürfte ein humanitäres Argument nicht greifen, denn die Jugendlichen müssen schließlich in Bremen nicht auf der Straße schlafen.

Juristischer Formfehler?

Zeitdruck ist bekanntlich nicht immer hilfreich. Er kann sogar zu gravierenden inhaltlichen und formalen Fehlern führen. Bei dem Beschluss über das Umerziehungshaus in Rekum stellt sich sogar die Frage, ob hier nicht ein rechtlicher Formfehler vorliegt.

Auch wenn es der StadtTEIL-Füst mit „seinem“ Beirat zumindest teilweise anders sieht, war entsprechend dem Bremer Ortsbeirätegesetz (OBG) eine Stellungnahme des Beirats nötig. Das hat nach den Worten des Ortamtsleiters auch die Sozialsenatorin so gesehen, da sie, wie er erklärt hat, das Ergebnis der Sitzung abgewartet hat, bevor der Mietvertrag für das Haus an der Rekumer Straße unterschrieben wurde. Sie hat sich also in dieser Teilfrage an das OBG gehalten.

Voraussetzung für diese erforderliche Bedingung ist eine entsprechende Zustimmung des Beirats. Hier müssen jedoch zwei Fragezeichen angebracht werden. So hat es nach der Auskunft des Ortsamtsleiters keine Abstimmung gegeben. Es ist also völlig offen, ob daher überhaupt ein Beschluss vorliegt.

Ja, man muss sich sogar fragen, ob tatsächlich einen Beiratsstzung stattgefunden hat, die formal korrekt einberufen wurde. Sowohl das Ortsbeirätegesetz als auch die Geschäftsordnung des Blumenthaler Beirats machen eine deutliche Vorgabe zur korrekten Einberufung. In der Geschäftsordnung lautet sie: „In geeigneter Weise ist gleichzeitig die Unterrichtung der Öffentlichkeit sicherzustellen“( §1 (2)).

Geheimsitzungen, wie es sie jetzt in Blumenthal gab, sind also vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Das besagt auch das OBG, wenn es dort heißt. „Die Sitzungen des Beirates sind öffentlich und finden in barrierefreien Räumen statt" (§ 14 (1)) und weiter zu möglichen geheimen Sitzungen: „Liegen zwingende Gründe vor, kann der Beirat in Einzelfällen abweichend beschließen.“

Da in keiner Beiratssitzung ein Ausschluss der Öffentlichkeit auf der Tagesordnung stand, hat danach am Freitag gar keine Beiratssitzung stattgefunden, die den rechtlichen Vorschriften genügt. Damit sollten möglche Ergebnisse dieses Geheimtreffens keine rechtliche Bedeutung haben.

Diesen rechtlichen Mangel dürfte auch kein noch so einflussreicher StadtTEIL-Fürst beheben können, der sich zum Erfüllungsgehilfen einer Behörde macht, die ihre Entscheidungen mithilfe eines selbst erzeugten Zeitdrucks durchpeitschen will.

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Bewältigte Vergangenheit?

#4 von Reinhard , 25.10.2014 09:34

Bewältigte Vergangenheit?

Wie so vieles hat auch die Unterbringung straffällig gewordener Jugendlicher an der Rekumer Str. 12 ihre zwei Seiten.

Die Ängste der Anwohner

Zum einen führt sie zu Ängsten vieler Eltern um ihre Kinder. Dabei wirkt sich besonders nachteilig aus, dass es bisher keine Aufklärung über die Jugendlichen und die Erziehungsmethoden gegeben hat, die die Sozialbehörde und die Akademie Lothar Kannenberg, wie sich der norddeutsche Ableger des Boxcamps aus dem hessischen Diemelstadt nennt, in den Stadtteil Blumenthal bringen. Die Geheimniskrämerei wie sie Sozialbehörde, Ortsamt und Beirat für richtig gehalten haben, musste hier zu einem noch größeren Misstrauen führen, ganz unabhängig von dem, was tatsächlich passiert. Ein schnelle Bürgerinformation wäre hier kein vorgeschriebenes Recht gewesen, sondern eine psychologische Notwendigkeit.

Die psychische Wirkung von Erziehungsdrill

Man muss daneben jedoch auch die Jugendlichen sehen, die als nordafrikanische Straßenkinder geschildert werden, die sich auch in Deutschland nicht an christliche, islamische oder staatliche Rechtsvorschriften gehalten haben, sondern offenbar weiter nach einem Gesetz der Straße leben.

Hier fällt ein pädagogischer Zugang sehr schwer, wie ebenfalls berichtet wurde. Trotzdem dürften diese Versuche nicht ohne Reaktion bleiben. Das belegen auch die vorliegenden Untersuchungsdaten aus dem hessischen Boxcamp. Nicht jeder Jugendliche scheint von den Methoden Kannenbergs begeistert zu sein, die die Blumenthaler SPD-Faktion mit „viel Sport bis zur Erschöpfung” kennzeichnet.

Aller Erfahrung nach lässt sich die gewünschte Empathie der Jugendlichen, die ein Mitgefühl mit angegriffenen und beraubten Mitmenschen entwickeln sollen, nur erreichen, wenn man ihre Menschenwürde und Menschenrechte respektiert. Das ist nicht nur eine Vorgabe der Humanität und des Grundgesetzes, sondern auch eine pädagogische Notwendigkeit. Andernfalls muss man einem großen Anteil von entwürdigten Jugendlichen mit einer eher feindseligen Einstellung gegenüber ihrer Umwelt rechnen, auch wenn sie sie vielleicht nach außen nicht zeigen. In diesem Fall müssen auch die Nachbarn voller nicht ganz unberechtigter Angst neben den so behandelten jungen Menschen leben.

OAL: „Die Stadt hat die Besten geholt“

Es ist daher wichtig, was die "Akademie Lothar Kannenberg" tatsächlich mit den Jugendlichen macht. Da es bisher keine öffentliche Diskussion ihrer Methoden in Blumenthal gab, lässt sich nicht feststellen, ob sie heute auf andere Methoden als vor einigen Jahren zurückgreift. Damals haben ihre Praktiken eine kritische Öffentlichkeit beunruhigt, da für viele Erzieher, Sozialpädagogen und Sozialtherapeuten eine rote Linie überschritten war.

Das gilt vor allem für die Frage, was die "Respektpädagogen" machen, wenn ein Jugendlicher ihren Anweisungen nicht folgt und keine Begeisterung für Liegestützen, 10 km Langläufe oder andere vergleichbare Erziehungsmaßnahmen zeigt. In öffentlichen Diskussionen gab es darauf bisher offenbar nur ausweichende Antworten.

Allerdings hat Herr Kannenberg vor allem in den Jahren 2007-8 und früher, als sein Erziehungscamp von der hessischen Landesregierung unter Roland Koch besonders gefördert wurde und dadurch auch im Fokus der Medien stand, einiges berichtet. So sollen damals in dem „Drillcamp” für „Schwererziehbare”, wie man damals diese Klientengruppe nannte, Kollektivstrafen an der Tagesordnung gewesen sein. Wie z.B. Herr Kannenberg zitiert wurde, bekamen alle kein Frühstück, „wenn einer keine Lust hat aufzustehen” (Frankfurter Allgemeine vom 29.8.04). Eine andere Kollektivstrafe waren Liegestütze (Frankfurter Allgemeine vom 29.8.04).

Der gewichtige Teil der Bestrafung dürfte die anschließende „Behandlung” des Ungehorsamen durch die bestrafte Gruppe gewesen sein, über die nichts berichtet wurde, da die "Respekttrainer" dann anscheinend frei hatten.

Beispiele weiterer „gelegentlicher” Strafmaßnahmen waren „Liegestütze in einem Tümpel, indem sich sonst die Wildschweine suhlen“ (Hamburger Abendblatt vom 8.9.04) sowie das Wälzen im Misthaufen. (ZDF vom 23.3.2005)

Der bekannte Kriminologe und sozialdemokratische Politiker Christian Pfeiffer warnte daher vor „selbsternannten Gurus, die glauben, in harter körperlicher Ertüchtigung den Stein der Weisen gefunden zu haben“. Aufgrund der fehlenden Erfolgsnachweise empfahl er, das Geld nicht für „zweifelhafte Erziehungscamps”, sondern für „gute Schulen“ auszugeben.

Keine Klarheit über die heutigen Erziehungspraktiken der "Respekttrainer"

Aufgrund der Blitzaktion vor einer Woche konnte sich kein Blumenthaler Beiratsmitglied darüber informieren, ob Herr Kannenberg inzwischen therapeutische und pädagogische Fähigkeiten erworben hat, die ihn von offensichtlichen Verletzungen der Menschenwürde abhalten. Sein Verhalten dürfte schließlich sonst bei vielen Jugendlichen nicht zur Hilfsbereitschaft gegenüber Nachbarn führen, sondern eine Menschenverachtung noch verstärken, wie man sie beim Islamischen Staat (IS) beobachten muss.


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RE: Bewältigte Vergangenheit?

#5 von fight4yrights , 26.10.2014 03:43

In diesem Zusammenhang sei folgendes lesenswert:

Angst macht böse

Joachim Bauer "Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt", Karl Blessing-Verlag, München 2011, 288 Seiten

Der Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt die Gewalttätigkeit von Menschen als Reaktion auf Bedrohungen durch die Außenwelt. Dem Hochkapitalismus und seiner Kultur der Ausgrenzung sagt er nach, dass er Gewaltausbrüche einzelner Individuen fördere.

Der Mensch ist nicht von Natur aus aggressiv. Nicht im Kampf gegeneinander, sondern im alltäglichen Miteinander erreichten unsere Vorfahren ihre Ziele. Die Aggression gegen Mitmenschen war und ist die Ausnahme.

Sorgfältig und ohne Polemik legt der Psychologe und Neurowissenschaftler Joachim Bauer dar, warum es den von Sigmund Freud propagierten Aggressionstrieb in der Natur des Menschen nicht gibt. Aggression ist kein Instinkt, den uns die Evolution durch Selektion hinterlassen hat und der immer wieder aus uns herausbricht. Aggression und Gewalt sind vielmehr ebenso wie Angst und Flucht Reaktionen auf Bedrohungen durch die Außenwelt.

Jede Verletzung oder Demütigung hinterlässt in uns ihre Spuren, besonders dann wenn sie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen bedroht. Und wenn dann irgendwann eine Schmerzgrenze überschritten wird, reagieren viele Menschen mit Aggression gegen Sachen oder Mitmenschen. Dabei richtet sich diese Reaktion keineswegs immer gegen die Ursache des Schmerzes, sondern kann zeitversetzt Unbeteiligte treffen und eine Spirale der Gewalt in Gang setzen. So kommt es immer wieder zu Szenen unerklärlicher Brutalität.

Im zweiten Teil seines Buches erweitert Joachim Bauer diese Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft zu einer gesellschaftlichen Theorie. Darin bezeichnet er unsere "zivilisierte" Welt als Ursache zunehmender Aggressionsausbrüche. Er spricht sogar von einem beginnenden "Zeitalter der Gewalt".

Nicht die Biologie - wie Sigmund Freud, Konrad Lorenz oder Richard Dawkins - sieht er als Quelle der Gewalt, sondern die Kultur. Das Anlegen von Vorräten, der Streit um begrenzte Ressourcen, die Verteidigung von Besitz und die Entstehung großer menschlicher Ansammlungen erforderten Moralsysteme, die das Zusammenleben erleichterten, aber auch die Abgrenzung nach außen förderten.

Vor allem den "Raubtierkapitalismus" sieht Joachim Bauer als Ursache von zunehmender Gewalt im Kleinen wie im Großen. Das Streben nach Gewinn führt zur sozialen Spaltung und zur schmerzhaft erlebten Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Auch hier wird eine Schmerzgrenze überschritten, was zur Entwicklung von Gewalt führt.

Während Joachim Bauer die Psychologie der Aggression überzeugend darlegt, bleibt sein Ausflug in die Politik bruchstückhaft. Er stellt wichtige Fragen und fordert gegenseitigen Respekt und Gerechtigkeit als Grundlage des Zusammenlebens. Wie das politisch umgesetzt werden kann, verrät sein Modell von der Schmerzgrenze aber nicht.

Das Buch "Schmerzgrenze" besticht durch seine klare Sprache und seinen wohlüberlegten Aufbau. Immer wieder bietet es Anknüpfungspunkte zu alltäglichen Situationen. Nicht ohne Fachwörter, aber mit leicht verständlichen Erklärungen navigiert es durch aktuelle Diskussionen in Psychologie und Neurowissenschaften.

"Schmerzgrenze" ist dennoch keine leichte Lektüre. Joachim Bauer zwingt seine Leser zum Mitdenken. 50 Seiten Fußnoten und 40 Seiten Register bieten viele Möglichkeiten, die Angaben zu überprüfen und sich aus Originalquellen weiter zu informieren.

Besprochen von Michael Lange

Joachim Bauer: Schmerzgrenze – Vom Ursprung alltäglicher und globaler Gewalt
Karl Blessing-Verlag, München 2011
288 Seiten, 18,95 Euro


Und Konzepte wie "Sport bis zur Erschöpfung" in einer Umgebung, in der selbst "Straßenkinder aus Algerien und Marokko" spüren, dass sie unerwünscht sind sowie ein Konzept "Umerziehungsheim" wird diese Jugendliche mit Sicherheit nicht auf den gewünschten "Pfad der Tugend" bringen.

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„Brutstätte für noch mehr Gewalt?“

#6 von Reinhard , 26.10.2014 23:50

„Brutstätte für noch mehr Gewalt?“

Das sozialpädagogische Forschungsprojekt „Evaluation des Trainingscamps Lothar Kannenberg“ an der Universität Kassel, das nach dem Tode von Prof. Galuske von Prof. Schrödter betreut und von dem Dipl.-Soz.päd. Andreas Böhle bearbeitet wurde, hat inzwischen weitere Ergebnisse veröffentlicht. Daneben hat es auch Reaktionen auf die ersten Ergebnisse über das Boxcamp in Diemelstadt-Rhoden gegeben.

Die Wahrheiten eines "Respekttrainers"

Mitte Mai 2010 hatte Herr Kannenberg in einem Interview der Süddeutschen Zeitung noch von einer extrem niedrigen Rückfallquote in seinem Boxcamp berichtet. Danach befanden sich von allen Teilnehmern der Erziehungseinrichtung, die es damals seit drei Jahren gab, „noch 80 Prozent in weiteren Maßnahmen, also in Langzeitheimen, bei Pflegeeltern, in der Schule und so weiter, während „nur 20 Prozent... wieder rückfällig geworden“ waren und zum Zeitpunkt des Interviews „im Knast“ saßen. Das war für ihn „ein superguter Wert“. Da ihm einige diese Zahlen nicht glaubten, kündigte an, die Quote „in diesem Jahr in einer Langzeitstudie wissenschaftlich belegen (zu) lassen.“

Diese Ergebnisse lagen im Mai 2012 vor. Sie zeigten eine deutliche Fehleinschätzung, denn die Rückfallquote war tatsächlich dreimal so hoch wie von Herrn Kannenberg behauptet und lag damit keineswegs günstiger als die anderer Maßnahmen. Der durch das Eigenlob des "Respekttrainers" aufgebaute besondere Nimbus der hessischen Einrichtung war damit dahin; denn nach den Daten der 95 Absolventen und 72 Abbrecher wurden 59,1 % der Absolventen und 75,4 % der Abbrechern rückfällig.

Diese wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse haben Herrn Kannenberg jedoch bei seiner aktuellen Markterschließung nicht davon abgehalten, mit seinen Wunschzahlen für sein Konzept zu werben. So schrieb die Magdeburger "Volksstimme" am 30.01.2014: „Die Rückfallquote beträgt laut Kannenbergs eigener Einschätzung nur 20 Prozent, im normalen Jugendstrafvollzug liegt sie bei knapp 80 Prozent.“

Sehr viel Respekt scheint der „Respekttrainer“ also vor wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, Zeitungslesern und politischen Entscheidungsträgern nicht zu haben.

Fragwürdige Kollektivstrafen

Die Kasseler Pädagogen haben sich jedoch nicht nur mit statistischen Quoten, sondern auch mit dem pädagogischen Konzept des Autodidakten Lothar Kannenberg beschäftigt, so auch mit fragwürdigen Methoden wie der Kollektivstrafe.

Wenn einzelne oder mehrere Jugendliche im Camp gegen die Regeln verstoßen, soll sie nach dem Kannenbergschen Konzept die Gruppe dazu anzuhalten, das Fehlverhalten einzustellen. Geschieht das nicht, muss die gesamte Gruppe sportliche Straftrainings absolvieren.

Diese Kollektivstrafen sind für den Projekleiter Prof. Schrödter „kontraproduktiv und ethisch nicht legitim“. Der Grund ist die Erwartung, dass die Strafe für alle hinter dem Rücken eines „Respekttrainers“ dazu führt, „dass die Jugendlichen, die den Ärger verursachen, von der Gruppe massiv unter Druck gesetzt würden und dabei auch Gewalt angewendet werde. Für Prof. Schrödter hat diese Strafe damit die „nicht beabsichtigte Folge“, dass „das Ziel des Camps - nämlich gewalttätiges Verhalten zu unterbinden -" unterlaufen wird.

Respekt vom dem physisch Stärkeren oder Achtung vor jedem Mitmenschen?

Die von den "Respekttrainern" auch an der Rekumer Straße eingesetzten Erziehungsmethoden sind nicht nur nach abstrakten moralischen Kriterien zu beurteilen. Sie haben auch eine ganz konkrete und aktuelle Bedeutung sowohl für die betroffenen Jugendlichen als auch die Anwohner des Umerziehungshauses.
Wenn Herr Kannenberg nicht nur die Rückfallquote seiner Klienten erheblich unterschätzt, wie die von ihm mitfinanzierten Studie belegt hat, sondern auch ihre psychische Verfassung nach dem 6-monatigen Drill, kann das zu ganz erheblichen Problemen führen.

Das beginnt bei der Art von Respekt, den er vermitteln will. Bei ihm scheint damit zunächst einmal die Erfahrung gemeint zu sein, die jeder beim Boxen machen kann. In diesem Sport lernt man nicht nur, dass es erlaubt sein kann, „anderen Menschen einen Schaden zuzufügen“, sondern auch die Bedeutung des Straßenkindern nicht unbekannten Rechts des Stärken. Damit wird gegen das allgemein anerkanntes moralische Verbot, „anderen Personen absichtlich einen Schaden zuzufügen“(Böhle/ Schrödter, 2014) bewusst verstoßen

So setzt sich der "Respekttrainer" durch, indem er als Boxprofi den unfolgsamen Jugendlichen in einem Boxkampf eine blutige Nase schlägt. Der als Berufsboxer ausgemusterte Herrn Kannenberg schildert derartige „erzieherische“ Körperverletzungen folgendermaßen: „...da musste ich auch schon zwei Mal ein bisschen härter hinhauen damit er dann irgendwann mal auf die Leber gekriegt hat und in die Knie gegangen ist, so um dann doch wieder zu zeigen hier du bist nicht stärker als ich, das hat er irgendwie gebraucht und ab da lief es richtig gut mit uns, wir brauchten nie eh irgendwie jetzt wir hatten dann ein anderes Verhältnis, er hat das akzeptiert was ich gesagt hab“.

Respekt bedeutet danach die Unterordnung unter den Stärkeren, hat also nichts mit einer generellen Achtung vor anderen Menschen, die auch schwächer sein können, zu tun.

Es ist schon erstaunlich, dass eine grüne Bremer Sozialsenatorin und ein sozialdemokratischer Blumenthaler Ortsamtsleiter sich für dieses Konzept entschieden haben, das man eher als extremes Beispiel einer Schwarzen Pädagogik in einer vergangenen Zeit vermuten würde.

Gefährliche Folgen von Erziehungsdrill

Es besteht daher eine Gefahr, auf die Herbert Prantl in der Süddeutschen Zeitung bereits vor einigen Jahren aufmerksam gemacht hat, als das Kannenbergsche Boxcamp im hessischen Wahlkampf der CDU im Jahr 2008 eine wichtige Rolle spielte. Für ihn wären „Drillcamps für Jugendliche, von denen Koch und Co. jetzt schwadronieren, ..Brutstätten für noch mehr Gewalt“.


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zuletzt bearbeitet 04.11.2014 | Top

Private und öffentliche Geschäfte

#7 von Reinhard , 28.10.2014 09:11

Private und öffentliche Geschäfte

Nach der Pressemitteilung der Sozialsenatorin ist der für das Umerziehungshaus in Rekum „verantwortliche Jugendhilfeträger „Makarenko Schiffahrt GmbH“ mit dem Partner „Akademie Lothar Kannenberg“ .. in ganz Deutschland aktiv und bietet unter anderem seit den frühen 90er Jahren intensivpädagogische Maßnahmen auf Schiffen“ an, „um Jugendlichen Struktur und Halt zu geben“.

„Wir probieren ein Projekt für Bremen, dass in anderen Ländern erfolgreich war“ (Peter Nowack (1))

Damit werden zwei beteiligte Gesellschaften genannt, für die gleichzeitig zwei Leistungsnachweise herausgestellt werden: der erste lautet: „ist in ganz Deutschland aktiv“ und der zweite. „bietet unter anderem seit den frühen 90er Jahren intensivpädagogische Maßnahmen auf Schiffen“ an.

Wenn man sich näher über die beiden Gesellschaften und ihr Management informieren will, lassen sich fundierte historischen Erfahrungen bei intensivpädagogischen Maßnahmen nur sehr mühsam auffinden.

In personeller Sicht stehen hinter der „Akademie“, die für das Umerziehungshaus an der Rekumer Str. einen Vertrag mit Bremen abgeschlossen hat, drei Personen, die offenbar erstmals seit dem diesjährigen Frühjahr zusammenarbeiten. Dabei handelt es sich neben Herrn Kannenberg als Geschäftsführer um die Herren Herbert Becker und Dirk Precht, die vor allem mit der Wildfang GmbH, einer multinational ausgerichteten Kette ganz klassischer Kinderheime, erfolgreich sind.

Dieses zumindest betriebswirtschaftliche Aushängeschild wird allerdings weder von Herrn Kannenberg noch der Sozialsenatorin erwähnt, da offenbar keinen Zusammenhang zu den geplanten Aktivitäten der „Akademie“ gesehen wird.

Durch die Löschung der Makarenko Schiffahrt GmbH im Handelsregister in Stralsund und die Neueintragung in das Handelsregister Walsrode wurde hier zumindest juristisch die kontinuierliche Geschichte des bisher betriebswirtschaflich wenig erfolgreichen Unternehmens unterbrochen. Das gilt vor allem jedoch auch - und das dürfte für die Beurteilung der Pressemitteilung der Sozialsenatorin wichtiger sein – in personeller Hinsicht. Herr Pechtl, der über lange Jahre der einzige Geschäftsführer der Makarenko Schiffahrt GmbH war, ist nach der Neugründung kein Geschäftsführer mehr. Für einen Wissenstransfer aus der Vergangenheit in die aktuelle Betreuung straffällig gewordener Jugendlicher fehlt also die notwendige personelle Kontinuität.

Mit der Neugründung hat sich auch die Tätigkeit geändert; denn unter dem Geschäftsführer Lothar Kannenberg wurde jetzt auch die „Betreibung von pädagogischen Einrichtungen an Land“ in die Satzung aufgenommen.

Da die Makarenko Schiffahrt seit 2011 keinen Jahresabschluss mehr veröffentlicht hat und über keine Webseite verfügt, muss man annehmen, dass sie aktuell nur noch als Träger für die „Akademie Lothar Kannenberg“ fungiert. Ob sie daher "auf Schiffen" "seit den frühen 90er Jahren" intensivpädagogische Maßnahmen anbietet, muss jeder Leser selbst einschätzen.

Personeller Kern und Entwickler des Erziehungskonzepts der „Akademie“ ist in jedem Fall Lothar Kannenberg, dessen aktuelle Aktivitäten daher einen näheren Blick erfordern.

Wie man auf der Webseite des Erziehungscamps in Diemelstadt-Rhoden erfahren kann, hat er sich dort Anfang Oktober verabschiedet, auch wenn er in der Gegend weiterhin wohn will. Das Camp wird jetzt vom Trägerverein „durchboxen e.V.“ betrieben. Die aktuellen erzieherischen Aktivitäten von Herrn Kannenberg "in ganz Deutschland" sind also sehr überschaubar, da man außerhalb von Rekum wenig finden kann.

"Wir haben uns intensiv informiert bevor wir uns entschieden haben." (Peter Nowack (1))

Mit der Umbenennung seiner Erziehungseinrichtung in „Akademie“ und die Wahl eines Standortes in Norddeutschland scheint er einen Neubeginn starten zu wollen. Wobei dieser Versuch nicht in allen Bereichen besonders neu ausfällt, da er seine alten wenig erfolgreichen Erziehungsmaßnahmen aus Hessen weiterhin als „Das Konzept“ vorstellt.

Neu ist allerdings die Firmierung, denn jetzt ist nicht mehr von einem Boxcamp oder einem Erziehungscamp die Rede, sondern die im April gegründet Einrichtung heißt jetzt „Akademie Lothar Kannenberg“. Da Worte bekanntlich nicht nur Schall und Rauch sind, sondern jeder Hörer und Leser mit ihnen auch psychische Eindrücke verbindet, bekommen die Aktivitäten damit bereits ein verändertes Image. Dabei hilft der rechtlich nicht geschützte Begriff „Akademie“, da in ihm immer etwas vom Adjektiv „akademisch“ mitklingt, also ein Adjektiv, "das sich auf alles bezieht, was mit Hochschulen in Zusammenhang steht". Damit kann sich also ein ehemaliger gelernter Fleischer, Boxer und selbst ernannter „Respekttrainer“ in die Nähe einer akademischen Institution rücken.

Wie die Geschichte des Hautmanns von Köpenicks lehrt, hat so etwas durchaus Wirkung.

Die Marktchancen dieser neuen „Akademie“ mit ihrem nicht mehr so im Fokus stehenden „Respekttrainer“ hat bisher neben Bremen auch in der Nähe Magdeburgs ihre Marktchancen getestet. Dort bemüht sich die „Akademie“ um den Sportpark Glinde in dem sehr keinen Ortsteil Glinde der Stadt Barby.

"Das Konzept erscheint schlüssig und erfolgversprechend". (Peter Nowack (1))

Offenbar ist die Akademie bei der Standortwahl inzwischen wenig wählerisch, wenn man einmal die Lage der Erziehungscamps in Diemelstadt-Rhoden, des Sportparks Glinde in Barby-Glinde und des Umerziehungshauses in Rekum vergleicht.

Nicht das Konzept scheint das wirklich Neue in Bremen zu sein, sondern die erstmalige Wahl eines Hauses mitten in einem Wohngebiet.

Haben das vielleicht weder die Sozialsenatorin noch der begeisterte Blumenthaler Ortsamtsleiter bemerkt?

Oder geht der Standort gar nicht auf die „Akademie“ zurück, sondern auf einen Stadtteilmanager, der bereits vor einigen Monaten mehr Asylsuchende in die Nähe der George-Albrecht-Straße holen wollte?

xxxxxxxx

(1) Anmerkung: Die Zitate des Blumenthaler Ortsamtsleiters stammen aus öffentlich zugänglichen Facebook-Beiträgen. Private Mails, bei denen auch für Personen des öffentlichen Lebens eingeschränkte Persönlichkeitsrechte gelten, wurden nicht verwendet!


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Endlich eine sachliche Aufklärung für die Blumenthaler Bürgerinnen und Bürger?

#8 von Reinhard , 29.10.2014 14:37

Endlich eine sachliche Aufklärung für die Blumenthaler Bürgerinnen und Bürger?

Wie die Geheimsitzung von Beiratsmitgliedern am 17.10. gezeigt hat, schreiben die Ortsamtsleitung und die jetzige Spitze der größten Fraktion Transparenz und Bürgerinformation sehr klein.

Hier versucht daher die Linke durch gezielte Beiratsanträge die Hintergründe aktueller Sachverhalte aufzuklären, die möglicherweise negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Stadtteils besitzen. Das galt und gilt zuletzt

- für die Arbeit der „Kümmerer” bei der vorgesehenen Beseitigung von Immobilienleerständen an der Mühlenstraße,

- für eventuelle Belastungen der Anwohner durch den Ausstoß von rosa Wolken an der Sondermüllverbrennungsanlage auf dem BWK-Gelände und

- für die teilweise ungeklärte Arbeit einer Bürgerstiftung Blumenthal und des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal, der u.a. einen Kooperationsvertrag mit dem GdF Suez-Kraftwerk in Farge abgeschlossen hat, dessen Inhalt der Öffentlichkeit nicht bekannt ist, obwohl damit Rahmenbedingungen für die Blumenthaler Politik verbunden sein können.

Auch wenn eine Beiratsmehrheit die Fragen nicht beantwortet haben wollte, konnte auf diese Weise die Öffentlichkeit auf diese Problemfelder verstärkt aufmerksam gemacht werden. Auch gab es Reaktionen über die Medien, sodass manche Aspekte heute nicht mehr ganz so im Dunkeln liegen wie das noch vor den Anträgen der Linken der Fall war.

Ein aktueller Antrag (1) will auch bei der Entscheidung Bremens für das Umerziehungshaus an der Rekumer Straße 12 mehr Klarheit in den tatsächlichen Ablauf des senatorischen Entscheidungsprozesses bringen. So fragt die Linke jetzt die Senatorin für Soziales nach den Gründen für die Wahl des Trägers und des Konzepts, aber auch die Wahl des Standortes „in einem gutbürgerlichen Wohngebiet” mit „einer Durchgangsstraße und bester Anbindung an den ÖPNV” und dem ausgeübten extremen Zeitdruck.

Das sind zweifellos Fragen, auf die viele Blumenthalerinnen und Blumenthaler einschließlich der User des Forum gern eine Antwort hätten.

Ebenso spannend und informativ dürfte es jedoch sein, ob auch eine Beiratsmehrheit diesen Wunsch teilen wird.

Haben die Ereignisse der letzten Tage vielleicht zu einem Umdenken einiger Beiratsmitglieder geführt, sodass es jetzt neue Mehrheitsverhältnisse bei solchen in Blumenthal notwendigen Aufklärungsanträgen gibt?

Wird jetzt eine Mehrheit für Bürgeraufklärung und damit gegen Geheimniskrämerei und Verfilzungen zwischen Politik und Verwaltung stimmen?

xxxxxxxxxxxxxxx

(1) Anmerkung: Inzwischen hat die Linke den Fragenkatalog ihres Antrags erweitert.

(Der Administrator)


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RE: Endlich eine sachliche Aufklärung für die Blumenthaler Bürgerinnen und Bürger?

#9 von Gast , 29.10.2014 16:26

Es ist schon sehr merkwürdig, dass sich Bürger erst dann in die lokale Politik einmischen, wenn sie selber betroffen sind.
Wie sagte, glaube ich, FDR als Präsident der USA:
Frag nicht, was der Staat für dich tuen kann. Frag dich, was du für den Staat tuen kannst.
Viel zu wenige fragen sich das in Blumenthal und wenn, dann ist es oft destruktives Genörgele und Gejammere und öffentlich vorgetragener Fremdenhass. Nur noch peinlich!

Ich bezweifle, dass die motzenden Rekumer sich in einem "transparenten" Verfahren anders verhalten hätten. Und wenn das Haus privat vermietet worden ist, dann ist die Nutzung eben so, wie privat beschlossen.

Das Geplänkel zwischen den Parteien ist vorgezogener Wahlkampf und populistischer Stimmenfang.
Und der Herr Nowak, der wird's schon richten.....


RE: Endlich eine sachliche Aufklärung für die Blumenthaler Bürgerinnen und Bürger?

#10 von Reinhard , 29.10.2014 17:20

Zitat
Und der Herr Nowak, der wird's schon richten.....



Hallo lieber Gast,

das ist eine Einschätzung, über die wir gern diskutieren können.

Auch für mich weist eine Reihe von Fakten wie die niedrige Wahlbeteiligung und die geringe Zahl von Ehrenamtlichen und Freiwilligen etwa im Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal auf eine ziemlich apathische Haltung bei zahlreichen Bürgern hin. Nur wird sie nicht vom Himmel gefallen sein, sondern auch durch die Haltung des politischen Establishments in Blumenthal beeinflusst sein.

Hier gibt es, wie zahlreiche Beiträge hier im Forum zeigen, viel Geheimniskrämerei, viel Verfilzung und viele abgewürgte Bürgeranträge. Das fördert nicht gerade die Motivation "normaler" Bürger für ein stärkeres öffentliches Engagement.

Die Folge ist dann die beschriebene Haltung: einige ziehen sich ganz aus dem öffentlichen Leben zurück, andere vertrauen auf einen großen Zampano, der ohnehin fast alles so regelt, wie es ihm gefällt.

Da muss man sich nicht wundern, wenn es als Folge einer Demotivierung von oben keinen Aufbruch mit neuen Ideen, sondern "destruktives Genörgele und Gejammere" gibt.


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Es geht nicht um Ausländerfeindlichkeit!

#11 von Reinhard , 30.10.2014 11:24

Es geht nicht um Ausländerfeindlichkeit!

Die erst im März gegründete „Akademie Lothar Kannenberg” hat sich sowohl in Bremen als auch in der Region Magdeburg um die Errichtung einer Jugendhilfeinrichtung für straffällig gewordene Jugendliche bemüht.

Dabei geht es in Sachsen-Anhalt allerdings nicht um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, sondern vor allem um deutsche Jugendliche.

Beide Projekte weisen damit gleichzeitig Ähnlichkeiten und Unterschiede auf, sodass die Reaktionen der Anwohner und der Verwaltung in Barby von besonderem Interesse für die Beurteilung der Situation in Rekum sein können. Dabei stehen immer schnell die Fragen im Raum, ob die Einwohner in Farge und Rekum besonders „ausländerfeindlich” sind und ob die Verwaltung in Bremen und Blumenthal wirklich so bürgernah handelt, wie sie sich selbst gern sieht.

Ganz einfachen Fakten geben hier klare Antworten. Im Ortsteil Glinde der Stadt Barby wird die Bürgerbeteiligung ganz groß geschrieben. Als das Vorhaben von Herrn Kannenberg dort bekannt wurde, „herrschte ein gerüttelt Maß Verunsicherung bei den Glinder Einwohnern”. Deshalb erschienen relativ viele Bürger zur Sitzung des Ortschaftsrates, der mit dem Beirat in Blumenthal vergleichbar ist. Abweichend von der dortigen Gemeindeordnung, die anders als das Beirätegesetz in Bremen keine Bürgerfragen zulässt, durften die Bürger ihre Fragen zu der Thematik im Ortschaftsrat stellen.

Aufgrund der erkennbaren Bürgerinteressen hat der Ortschaftsrat Glinde anschließend zwei Bürgerversammlungen mit Herrn Kannenberg einberufen und eine Bürgerbefragung durchgeführt. Dabei haben im April von 242 berechtigten Bürgern 232 ihre Stimme abgegeben. Das Resultat war eindeutig; denn bei der extrem hohen Wahlbeteiligung von 95,9 % haben knapp 70 % gegen einen Verkauf an die „Akademie” gestimmt. Der Ortschaftsrat empfahl daher dem Stadtrat die Ablehnung des Projekts. Dort wird eine endgültige Entscheidung in diesem Herbst erwartet.

Für das Umerziehungshaus in Rekum lassen sich durch diese Behandlung in Glinde und Barby zwei Schlussfolgerungen ziehen. Zum einen hat die Ablehnung von Einrichtungen für straffällige Jugendliche in der Nachbarschaft nichts mit einer "Ausländerfeindlichkeit” oder "rassistischem Konsens" zu tun und zum anderen kann die Vertretung eines Stadtteils sehr wohl die erkennbaren Interessen der Bürger vertreten. Dabei kann sie sogar, wie es in Glinde der Ortschaftsrat gemacht hat, die gesetzlichen Vorschriften zugunsten von mehr Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung „interpretieren”. Sie muss es nur wollen.


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Es muss nicht immer Boxen sein

#12 von Reinhard , 31.10.2014 09:33

Es muss nicht immer Boxen sein

Das Kannenberg-Konzept, Sport bis zum Umfallen zu betreiben, lässt sich leicht regionalen Gegebenheiten anpassen. In dem Bundesland, dessen damaliger Ministerpräsident ein Box-Fan war, lag es für einen Boxer wie Herrn Kannenberg zweifellos nahe, diese Sportart in den Mittelpunkt seiner erzieherischen Maßnahmen zu stellen. Auch bietet, worauf die Untersuchungen an der Uni Kassel hinweisen, keine andere Sportart die "erwünschte" Möglichkeit, "andere regelförmig .. mit möglichst harten Schlägen...zu verletzen".

Aber das muss nicht so bleiben, wenn man das Konzept auch in Regionen vermarkten will, in denen der Boxsport nur auf ein geringeres Interesse stößt. Das gilt etwa für die Region Magdeburg, wo der dortige SC inzwischen weniger für Fußball als für Handball steht. Daher hat dann auch „die Akademie Kannenberg bereits signalisiert, dass sie mit dem Glinder Handball zusammenarbeiten möchte.” Damit wurde „Befürchtungen” entgegen gewirkt, „dass ein Verkauf der Halle das Ende des Handballsports in Glinde bedeuten könnte”.

In Blumenthal wurde hingegen bei der Standortwahl gleich auf den Fußballplatz ganz in der Nähe der Rekumer Str. 12 hingewiesen.

Haben die Promoter des Projekts dabei an die noch nicht ganz verblasste Strahlkraft von Werder gedacht?

Oder war es vielleicht das „Meisterstück” auf der Bahrsplate, von dem sie auf viel Wohlwollen gerade für ein „Fußball-Projekt” am Rande Blumenthals bei der lokalen Verwaltung geschlossen haben?

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Hoffentlich gut versichert!

#13 von Reinhard , 31.10.2014 10:32

Hoffentlich gut versichert!

Wie das Ortsamt und anscheinend auch die Sozialsenatorin den Blumenthalern erklären wollen, haben sie rechtlich gesehen mit der „Akademie Lothar Kannenberg” an der Rekumer Str. nichts zu tun.

Mit dieser Behauptung wollen sie sich offensichtlich aus der Schusslinie nehmen, werfen damit jedoch gleichzeitig eine andere Frage auf. Wenn keine Behörde hinter dem Projekt steht, muss die „Akademie” selbst haften, wenn durch ihre Arbeit ein Schaden entstehen sollte.

In solchen Fällen ist ein Blick auf die Rechtsform der beteiligten Gesellschaften immer wichtig. Dabei stößt man bei der „Akademie” und ihrem Träger jedoch kaum auf große finanzielle Potenz.

Die entsprechenden Angaben beim Impressum sind wenig eindeutig und klar. Danach werden die „Akademie Lothar Kannenberg“ und die „Makarenko Schiffahrt GmbH“ als Einheit gesehen. Ein Erklärung hierfür kann es sein, dass die „Akademie“ selbst keinen eigenen Rechtsstatus besitzt.

Daraus resultiert ein entsprechend größeres Gewicht für den Träger „Makarenko Schiffahrt GmbH“, mit dem daher vermutlich Bremen die Verträge abgeschlossen hat, wie die Pressemitteilung der Sozialsenatorin nahelegt.

Auf der aktuellen Seite der „Akademie“ findet man zu dieser Gesellschaft – ganz wie es vorgeschrieben ist – Angaben zur Eintragung in das Handelsregister. Sie lauten: „Amtsgericht Stralsund HRB 5962“.

Danach wäre also nicht die Neugründung, sondern die gelöschte Gesellschaft, die nach dem letzten veröffentlichten Jahresabschluss von 2011 kein Eigenkapital mehr besaß, die verantwortliche und damit auch haftende Gesellschaft.

Wenn Bremen also nichts mehr mit der Umerziehung der Jugendlichen an der Rekumer Str. zu tun haben will, kann man nur hoffen, dass die Sozialsenatorin wenigstens auf gute Versicherungen für alle denkbaren Risiken geachtete hat.


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zuletzt bearbeitet 01.11.2014 | Top

Rekumer „Erziehungserfolge“ ganz ohne Maßnahmen

#14 von Reinhard , 01.11.2014 08:50

Rekumer „Erziehungserfolge“ ganz ohne Maßnahmen


Die Biografien der Kids, wie sie der Blumenthaler Ortsamtsleiter nennt, die an der Rekumer Straße 12 leben sollen, sind öffentlich kaum bekannt. Nur beispielhafte Auszüge, die den einzelnen Betroffenen ein Gesicht geben und dadurch Sympathie für die flinken Burschen Hosam, Ayoub, Omar und Yossa wecken sollen, sind erst jetzt in der Presse aufgetaucht.

Das soll selbstverständlich kein Vorwurf gegen irgendeine Behörde sein, von der eine Verletzung wichtiger Persönlichkeitsrechte gefordert wird. Nur darf das auch nicht bedeuten, dass diesem ganz konkreten Kreis, der dem Respekttrainer Lothar Kannenberg persönlich bekannt sind, fast widersprüchliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Sie schienen mit anderen Worten für die Behörden, die mehr wissen als die Bürger, so zu sein, wie man sie gerade braucht, um sein jeweiliges Ziel zu erreichen.

Die schweren Problemfälle von Innen- und Sozialbehörde

Bevor in der Nacht-und-Nebel-Aktion am 17. Oktober der Rekumer Standort einer überraschten Öffentlichkeit in Blumenthal mitgeteilt wurde, hatten die Bremer Behörden bereits seit einiger Zeit recht unbefangen über das Problem krimineller umF berichtet.

So schrieb die HAZ aus Hannover am 2.10. über Informationen aus den Senatsressorts Soziales, Inneres und Justiz, die eine intensivpädagogische Betreuung straffällig gewordenen Jugendlichen rund um die Uhr vorsahen. Zu diesem Zweck hieß es damals, würden „derzeit .. mehrere Standorte auf ihre Eignung überprüft.“

Die senatorischen Behörden konnten sogar einiges über die Jugendlichen mitteilen. Danach hatten die Polizei und die Staatsanwaltschaft eine Liste von 16 jugendlichen Flüchtlingen erarbeitet, die „wiederholt durch schwerere Straftaten wie Körperverletzungen und Raubdelikte aufgefallen“ seien. Das besondere Problem sah die Sprecherin der Innenressort darin, dass sich diese Gruppe einer pädagogischen Betreuung entziehe und „auch in den jeweiligen Unterkünften Angst“ verbreite.

Sogar die taz verniedlichte in ihrer Ausgabe vom folgenden Tag die Problemlage nicht, wobei sie sich vermutlich auf dieselbe Quelle wie die HAZ bezog. Dabei zitierte sie den Innenstaatsrat, nach dessen Worten „seit Mai zu beobachten“ sei, „dass eine Gruppe von etwa 15 Jugendlichen strafrechtlich „richtig auffällig“ sei, mit bislang bis zu 40 tatverdächtigen Handlungen pro Person. Hinzu käme eine Gruppe von rund 30 „mehrfach auffälligen“ Jugendlichen.“

Besondere Aktualität und damit erheblichen Handlungsdruck für die Behörden erhielt der Aufenthalt der kriminellen umF in Bremen durch den Tod eines 16-jährigen Algeriers, der an Stichverletzungen starb, die ihm von einem anderen jugendlichen Flüchtling zugefügt worden waren.

Deswegen wollten die Behörden diese Jugendlichen nicht mehr an ihren bevorzugten Aufenthaltsorten im Hauptbahnhof und an der Discomeile, zumal es dort besonders viele Straftaten wie „Diebstähle und Einbrüche, aber auch Körperverletzungen und gemeinschaftlich begangene Raubüberfälle“ durch minderjährige Flüchtlinge gegeben hatte.

Erste Reaktionen der Behörden

Die Behörden haben damals jedoch nicht nur über ihre Absichten, sondern auch über konkrete Maßnahme berichtet. So hatte das Justizressort mit „konsequenten Anklagen“ auf die hohe Straftatsdichte reagiert; denn drei Jugendliche befanden sich damals in Untersuchungshaft. Bei dieser „eindrucksvollen Umgebung“ sprach der Justizstaatsrat von einer „tauglichen Abschreckungsmaßnahme, die bereits Wirkung zeige: Die Inhaftierten verhielten sich „unauffällig“, was in starkem Kontrast zu der sonst von ihnen gegenüber der Polizei gezeigten „Respektlosigkeit“ stehe.“

Das vorgesehene Heimkonzept

Als Problemlösung wurde Anfang Oktober ein spezielles Konzept vorgestellt, das sehr an das der „Akademie Lothar Kannenberg“ erinnert. So soll in diesem geplanten Heim, mit dessen Bezug in „etwa einem halben Jahr“ gerechnet wurde, „intensiver Sport“ seine Wirkung zeigen. Zum skizzierten Konzept gehören weiterhin Selbstversorgung, eine reizarme Umgebung, Fernsehfreiheit, Sprach- und „lebenspraktischer“ Unterricht sowie strenge Waffen- und Drogenkontrollen. Nach sechs bis 12 Monaten sollen dann nach der Einschätzung der Behördenvertreter die Jugendlichen ausreichend „stabilisiert“ sein, um in Regeleinrichtungen zu wechseln.

Trotz dieser deutlichen Anklänge an das Kannenberg-Konzept war angeblich Anfang Oktober noch keine Entscheidung gefallen. Vielmehr sollten damals noch mehrere Standorte auf ihre Eignung geprüft und ein Träger per Ausschreibung gefunden werden. Auch wurde von einer „Übergangslösung an einem ungenannten Ort“ berichtet, die „bereits den Betrieb“ aufgenommen hatte. Es gab mit anderen Worten zahlreiche Hinweise, die jetzt im Nachhinein Fragen aufwerfen, wenn man an das Hauruck-Verfahren in Rekum denkt.

Halb so schlimm!

Diese Darstellung von Jugendlichen, die innerhalb einiger Wochen 30 bis 40 strafrechtlich relevante Delikte begangen haben, zu denen weniger Ladendiebstähle oder Beleidigungen, sondern Raub, Körperverletzungen und in einem Fall die Tötung eines anderen Jugendlichen gehören, sogar in der links-alternativen tageszeitung, zeichnet von den Jugendlichen, die in Rekum untergebracht werden sollen, ein Bild, das an kriminelle jugendliche Serientäter in amerikanischen Filmen erinnert.

Daher lag vermutlich die Bezeichnung als psychische „Monster“ nicht weit, auch wenn man immer zugleich an die Sozialisationsgeschichte der Betroffenen denken sollte, die nicht in sozial abgesicherten intakten Familien aufgewachsen sein dürften, sondern weitgehend durch die Umwelt zu dem gemacht worden sein dürften, was sie heute sind.

Die Rekumer Verwandlung

Wer in Flüchtlingsunterkünften eine Bedrohung war und aus dem Hauptbahnhof und von der Discomeile wegen dort begangener Körperverletzungen und Raubüberfälle verbannt werden sollte, hat sich offenbar durch die Reise in Bremens Norden deutlich gewandelt. Dort sind die kriminellen umF als „Früchtchen“ und Jugendliche angekommen, die „keine Gewaltverbrecher“ sind. Es sind eben typische Straßenkinder mit einer schwierigen Kindheit und keine Mörder, sondern Täter, die nur mal hier und da eine Körperverletzung oder einen Raub begangen haben, weil sie Geld brauchten, das sie nicht als staatliche Transferleistung erhalten haben.

Nur warum wurde dann trotz dieser Banalisierung der Delikte das Drillkonzept von Herrn Kannenberg gewählt, der auch noch Erfolge verspricht, wo andere Heimerzieher lieber abwinken? Zwar wirbt seine „Akademie“ weiterhin mit dem hessischen Box-Konzept, nur ist in Rekum jetzt sogar statt von 10-km- Langläufen von Nachbarschaftshilfe die Rede. So läuft „die pädagogische Arbeit“ „über Beziehungsarbeit und das Herstellen persönlicher Bindungen“.

Die sonst von Herrn Kannenberg eher verachtete „Kuschelpädgogik“ scheint sogar die Heimatmosphäre an der Rekumer Str. 12 zu prägen, wie sie jetzt den Medien vorgeführt wird.

Danach beginnt der Tag nicht mit dem Wecken durch eine Trillerpfeife. Vielmehr soll entsprechend der nordafrikanischen Kultur der Umerziehungsalltag nicht bereits von 6 Uhr beginnen und der boxende Respekttrainer sieht sich als notwendige Vaterfigur, der die Jugendlichen „an die Hand nimmt.“ Dazu gehört dann ein Tagesablauf der aus drei Mahlzeiten, einer einstündigen Mittagspause, dem Putzen des Hauses, danach „vielleicht“ joggen, duschen und Gruppenarbeit besteht. Durch Gespräche soll auch „Platz für den Glauben geschaffen werden.

Durch die Dolmetscherin kommt, wie der Weser-Kurier geschildert hat, Ausgelassenheit und Spaß an die Rekumer Str., wenn es dort „ein großes Schnattern“ gibt, bei dem auch „sicher viel Blödsinn dabei“ ist.

Und hinter den Kulissen

Aber das ist offenbar nur eine Inszenierung für die Jugendlichen und die Presse. In einem Interview für NordReporter erklärte Herr Kannenberg ganz unmissverständlich zu den Sanktionen bei seiner Arbeit : „Wer hier nicht mitmacht, der verlässt das Land“



Sollte das etwa die neue Politik des rotgrünen Senats gegenüber straffällig gewordenen jugendlichen Flüchtlingen sein?

Oder ist es nur eine Lüge, durch die ein Respekttrainer Achtung vor der Wahrheit entwickeln und eine enge „väterliche“ Beziehung zu seinen Klienten aufbauen will?

Dabei sollte er doch mitbekommen haben, dass die Jugendlichen sicherlich ganz genau wissen, warum sie bisher trotz ihres Verhaltens nicht aus Bremen abgeschoben wurden. Schließlich werden sie nicht nur dem Märchen von den Stadtmusikanten vertraut haben, als sie sich nach Bremen aufmachten, um etwas Besseres als den Tod zu finden.


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Makarenko: Ein verführerischer Name für einen rot-grünen Senat?

#15 von Reinhard , 02.11.2014 10:01

Makarenko: Ein verführerischer Name für einen rot-grünen Senat?

Da es bisher immer noch keine Information zur Entscheidung der Sozialsenatorin gibt, die sie zu Anmietung des Hauses Rekumer Str 12 bewogen hat, um dort für straffällige jugendliche Flüchtlinge ein Art Umerziehung von der „Akademie Lothar Kannenberg“ durchführen zu lassen, ist man weiterhin auf Vermutugen über die Hintergründe angewiesen.

Eine Spur kann über die Makarenko Schiffahrt GmbH laufen, die in der Pressemitteilung der Sozialsenatorin besonders herausgestellt wird, da sie angeblich „in ganz Deutschland aktiv“ ist und „unter anderem seit den frühen 90er Jahren intensivpädagogische Maßnahmen auf Schiffen“ anbietet, „um Jugendlichen Struktur und Halt zu geben“. Jetzt fungiert sie nach ihrer Neueintragung in das Handelsregister beim Amtsgericht Walsrode als Trägerin der Maßnahme, da sie eine anerkannte Jugendhilfe-Einrichtung sein soll.

Diese Gesellschaft hat seit ihrer Gründung Anfang der 1990-er Jahre zumindest ein mobiles juristisches Leben geführt, da ihr Sitz von Lohme auf Rügen über Steinberg und Arnis im Kreis Schleswig jetzt vermutlich ganz zufällig nach Bothel in die Nähe Bremens gewandert ist. Dort domiziliert man gemeinsam mit der Wildfang GmbH, die eine Kette von klassischen Kinderheimen betreibt, am Flachshofweg.

Während sich das juristische Leben in der Vergangenheit noch in ganz groben Zügen rekonstruieren lässt, gilt das nicht für die wirtschaftliche und speziell die sozialpädagogische Geschichte.

Das Schicksal der Annemarie

Hier reduziert sich die belegte Historie auf den Kauf der „Annemarie“ im Jahr 1992. Dabei handelte es sich um ein Küstenmotorschiff, das im August 1991 außer Dienst gestellt und zum Abbruch vorgesehen worden war. Es folgten jedoch keine sozialpädagogisch betreuten Schiffsturns, wie man man vielleicht erwartet hätte.Zwar war in Arnis an der Schlei ein Umbau zum Chartersegler geplant, tatsächlich ausgeführt wurden jedoch bis 1996 einen Verkürzung des Rumpfs und ein Abbruch der Masten.

Im Mai 2004 wurde die Annemarie nach Sassnitz überführt, um dort von der Wildfang GmbH, die damals noch ihren Sitz in Lohme auf Rügen hatte, eingesetzt zu werden. Vier Jahre später fand dann die Verbindung der Annemarie mit dem Firmengeflecht Makarenko/ Wildfang ein Ende; denn das Schiff wurde Mitte August 2008 nach Rendsburg überführt, wo sie von der gemeinnützigen Organisation Europäische Jugendhanse e.V. als neuem Eigner fertiggestellt werden sollte.

Über einen erfolgreichen Abschluss dieser Arbeiten gibt es keine Meldung. Es wird nur berichtet, dass über die Jugendhanse, also weder über die Makarenko Schiffahrt noch die Wildfang GmbH, "seit 2008 ca. 30 Jugendliche ihre Tagesfreizeit oder einen Teil davon auf der Annemarie im Rahmen von Kriseninterventionen, Kurzzeit- oder Langzeitprojekten verbrachten.



Danach verlieren sich die gesicherten Spuren der Annemarie in den Weiten der Weltmeere, auch wenn einige Schifffahrtsbegeisterte, wie der inzwischen verstorbene Peter Schliefke sie unter der Flagge Dominicas bzw. in Nassau auf den Bahamas gesehen und fotografiert haben wollen.




Umerziehung Schwererziehbarer zu „neuen“ kommunistischen Menschen

Da die Makarenko Schiffahrt GmbH selbst keine Spuren ihrer sozialpädagogischen Aktivitäten hinterlassen hat, kann man sich nur an dem gewählten Namen orientieren, der vermutlich der Öffentlichkeit einen Hinweis auf das beabsichtigte Konzept geben sollte.

Der Namensgeber Anton Semjonowitsch Makarenko, der 1888 in Bilopillja in der heutigen Ukraine geboren wurde und 1937 Golizyno bei Moskau gestorben ist, gilt als der bedeutendste sowjetische Pädagoge.

Arbeitspädgogik für straffällig gewordene Kinder

Bekannt wurde er nach der Revolution und dem anschließenden Bürgerkrieg durch den Aufbau eines Arbeitsheims für straffällig gewordene Kinder und Jugendliche. In diesen Jahren sollen auf dem Gebiet der Sowjetunion etwa acht Millionen Kinder eltern- und obdachlos geworden sein, um die sich weder eine Familie noch der Staat kümmerten.

Für sie entwickelte Makarenko in der „Gorki-Kolonie“ exemplarisch ein Konzept, durch das die Jugendlichen trotz der miserablen Rahmenbedingungen in die neue Gesellschaft eingegliedert werden sollen. Der Alltag der Schüler bestand daher nicht ausschließlich aus Schule und Freizeit. Einen großen Teil nahm auch die Arbeit ein, da sich auf diese Weise die Kolonie größtenteils finanzieren musste und sogar einen Teil der Einnahmen an den Staat abführte. Die Kinder und Jugendlichen arbeiteten in der Landwirtschaft und produzierten zudem elektrische Apparate und Fototechnik.

Für Makarenko diente diese Form der Kinderarbeit nicht nur dem Überleben der Schüler und des Staates, sondern stärkte zugleich das Selbstbewusstsein der Jugendlichen. Sie sahen sich nicht mehr als ungeliebt und nutzlos an, da sie ihre notwendige Stellung im Produktionsprozess und damit ihre Bedeutung für die "Gorki-Kolonie" erkannten.

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Disziplinierung durch das Kollektiv

Um die Disziplin aufrechtzuerhalten, setzte Makarenko auf ein hierarchisches System, das von den Schülern selbst durchgesetzt wurde. So hatte jeder Neuling zunächst keine persönlichen Freiheiten. Er wurde vielmehr durch ein persönlich für ihn verantwortliches Vollmitglied der Kommune betreut. Die Vollmitgliedschaft wurde jedoch nicht auf Dauer erworben; denn jeder konnte bei einem Fehlverhalten durch einen Kollektivbeschluss wieder auf den rechtlosen Status des Neuankömmlings zurückgestuft werden.

Die wichtigen Entscheidungen in der "Gorki-Kolonie" traf die Komsomol-Gruppe, deren Mitgliedschaft man sich durch Wohlverhalten und besondere Leistungen verdienen musste. Makarenko hielt sich selbst bei den kollektiv gefällten Urteilen zurück und griff nur mäßigend ein, wenn es ihm notwendig erschien.

Die abendliche Freizeit verbrachten die Lehrer und die Jugendlichen gemeinsam mit Spielen, Lesungen, Theateraufführungen und Gesprächen. Daneben gehörten jedoch auch militärische Elemente zur Pädagogik Makarenkos wie Fahnenappelle, Marschieren nach Musik und Einheitskleidung, was nicht nur die Jugendlichen faszinierte, sondern auch die Führung von Partei und Staat.

Ausbildung für den Geheimdienst

1927 übernahm Makarenko auf Drängen des sowjetischen Geheimdienstes die Arbeitskommune „Felix Dserschinski“, die benannt nach dem berüchtigten Gründer der sowjetischen Geheimpolizei benannte war, da für ihn die Abschreckungswirkung wichtiger war als Wahrheitsfindung. Diese Kolonie entwickelte sich zu einer Kaderschmiede für den Geheimdienst. Offenbar eigneten sich die Absolventen mit ihren in der Arbeitskommune erworbenen Fähigkeiten und Einstellungen besonders gut für diese Aufgaben. .

Kannenberg und Makarenko

Die organisatorische Verbindung der Namen Kannenberg und Makarenko ist nicht ohne Brisanz, da sie vermutlich nur entstanden ist, weil die neue „Akademie Lothar Kannenberg“ einen anerkannten Jugendhilfeträger benötigte, der eine gewisse Erfahrung vorweisen konnte, auch wenn dabei in Bremen vermutlich keine besonders hohen Maßstäbe angelegt wurden.

Die gesellschaftspolitischen Leitbilder und damit sicherlich auch die pädagogischen Ziele dürften zumindest nicht identisch sein, auch wenn es bei einer Vorliebe für autoritäre und hierarchische Strukturen durchaus Überschneidungen geben kann. Jedoch dürften sonst zwischen einem treuen KPdSU-Mitglied während der Stalinzeit und einem Respekttrainer, der von einem ehemaligen Ministerpräsidenten und Vorstandsvorsitzenden eines großen Baukonzerns sehr geschätzt wird, Welten liegen.

Aber muss man immer so tief nachforschen? Hat die Senatorin nicht vielleicht gerade mit der Kombination eine fast ideale Auswahl getroffen: mit dem Namen „Makarenko“ gewinnt sie die Linken aller Fraktionen und mit dem Namen „Kannenberg“ die CDU und andere konservative Wähler, die bei kriminellen Jugendlichen mit einem eisernen Besen kehren wollen.


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"Lüssumer Heide: Anwohner fühlen sich dort nicht mehr wohl"
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