Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Mikrobiologische Sanierung

#1 von Reinhard , 14.10.2014 13:06

Mikrobiologische Sanierung

Bei einem Blick in die Unterlagen auf der Tanklager-Webseite der Umweltbehörde und speziell den Arbeitsablaufplan fällt auf, dass hier nichts über den natürlichen Abbau von aromatisierten Kohlenwasserstoffen, also auch von BTEX, zu finden ist. Das gilt auch für mikrobiologische Sanierungsverfahren, in denen bei dem sogenannten In-situ-Verfahren der Stoffwechsel der Mikroben durch die Zuführung von Sauerstoff und einer Nährlösung beschleunigt wird, ohne dass man den Boden zuvor ausheben und in Bioreaktoren oder Mieten bringen muss, wie das beim Ex-situ-Verfahren der Fall ist.

Der vom Eigentümer vorgelegte Plan setzt vor allem auf Förderbrunnen, deren Anzahl auf bis zu 11 aufgestockt werden soll. Dabei ist ein Betrieb bis zum Jahr 2034 vorgesehen. Es wird also noch eine große Menge Leichtphase erwartet, die sich auf diese Weise entfernen lässt.

Ergänzend ist eine „Grundwasserreinigungsanlage“ vorgesehen, für die es 2015 und 2016 „Vorversuche“ geben soll, bevor diese Anlage im Jahr 2016 errichtet und dann bis zum Jahr 2036 betrieben werden soll.

Über die Methode, nach der diese Anlage arbeitet, ihre Leistungsfähigkeit, ihre Kosten und vor allem bereits bewährte Referenzanlagen erfährt man nichts. Man kann daher befürchten, dass hier ein Praxistest mit recht ungewissem Ausgang für ein innovatives Verfahren versucht wird, für den man einen öffentlichen Vergleich mit anderen Verfahren scheut.

Generell ist hier ohnehin festzuhalten, dass beim Tanklager Frage ein Sanierungsplan aufgestellt werden soll, ohne dass vorher wichtige Arbeiten erledigt wurden, wie sie sonst üblich sind. Und das gilt nicht nur für die Auswahl des besten Verfahrens zur Grundwasserreinigung.

Unter den Dekontaminationsverfahren sollte auch die mikrobiologische Sanierung nach dem In-situ-Verfahren nicht übergangen werden, sondern vielmehr fair geprüft werden.

Diese fast natürliche Methode ist keineswegs neu und unerprobt. Nachdem diese Verfahren vor allem wegen der begrenzten Deponiekapazitäten für kontaminierte Böden bereits in den 1980-er und 1990-er Jahren erforscht wurden, als 1991 auch ein gut lesbares „Handbuch Mikrobioligische Bodenrenigung“ erschienen ist, gibt es inzwischen eine Reihe von Unternehmen, die es unter verschiedenen Markennamen anbieten

Dabei wird dieses Verfahren in der Regel als Enhanced Natural Attenuation bezeichnet. Seine Vorteile sind die relativ niedrigen Kosten. Als Nachteil wird gesehen, dass die Dekontamination „Monate bis Jahre“ dauert. Aber das dürfte in Farge und Rönnebeck nicht unbedingt zu großen Enttäuschungen führen.

Es sollte daher an der Zeit sein, dass bei de Sanierungsplanung mit offenen Karten gespielt wird, da es nicht um universitären Forschungen, sondern um die Gesundheit und das Eigentum der Anwohner geht. Da sollte das Verfahren richtig sein, das in einem transparenten und nachvollziehbaren Vergleich mit anderen am besten abschneidet. Eine Geheimniskrämerei mit einer ominösen „Grundwasserreinigungsanlage“, deren Versuchstyp man bei der Tanklagerbesichtigung nur aus der Ferne erblicken durfte, sollte daher eine Ende haben.


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 14.10.2014 | Top

"Mikroben reinigen das Grundwasser"

#2 von Lola2 , 18.11.2014 08:20

http://www.weser-kurier.de/bremen_artike...rid,992351.html

...so lautet die Überschrift in der heutigen Ausgabe vom Weser Kurier auf Seite 11...

Zitat
Schadstoffe in Hemelingen und Sebaldsbrück werden entfernt/ Kosten von mehr als drei Millionen Euro

Seit mehr als zehn Jahren sollen Anwohner rund um die Sebaldsbrücker Heerstraße das Grundwasser weder zum Gießen noch für Planschbecken nutzen. In einem 100 Hektar großen Gebiet ist das Grundwasser verunreinigt. Nun setzt die Umweltbehörde zur weiteren Reinigung von Boden und Grundwasser auf ein neues Verfahren.

....der Beitrag klärt weiter auf..

Jetzt setzt man auf ein neues Verfahren: Mikroben sollen die restlichen Schadstoffe verarbeiten und unterirdisch unschädlich machen. Mit der Reinigung beauftragt wurde nach einer Ausschreibung die Firma Züblin Umwelttechnik.
Bereits seit Anfang Oktober wird als Vorbereitung für die Mikroben-Reinigung das Grundwasser durch sogenannte Zirkulationsbrunnen zum Kreisen gebracht. In diesen Wasserkreislauf wird nun Sirup eingespeist, mit dem man Mikroben füttert, damit sie sich vermehren. Größere Schadstoffnester im Boden werden zuvor mit Chemikalien bekämpft.

Verantwortlich für den Großteil der Sc hadstoffe sind Firmen, von denen die meisten heute nicht mehr existieren. Doch die sogenannten LHKW-Schadstoffe steht für "leic htflü chtige chlorierte Kohlenwasserstoffe".
Zitat Ende

Erklärungen zu LHKW: http://de.wikipedia.org/wiki/LCKW
Zitat
LCKW ist die Abkürzung für Leichtflüchtige Chlorierte Kohlenwasserstoffe (oder: Leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe). Es handelt sich um Derivate von Methan, Ethan und Ethen, bei denen bis zu vier Wasserstoff-Atome durch Chlor-Atome substituiert sind. LCKW sind weniger eine Stoffgruppe im streng chemischen Sinne, es ist vielmehr ein Begriff aus den Umweltwissenschaften, unter dem Substanzen zusammengefasst werden, die eine vergleichbare anwendungstechnische Bedeutung haben bzw. hatten (Lösungsmittel u. a.), die ein ähnliches Verhalten in der Umwelt zeigen (z. B. vergleichsweise hohe Flüchtigkeit) und die gemeinsam analysiert werden können (z. B. Dampfraum-Gaschromatographie).

Verwendung, Produktion, Bildung

Für leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe gibt/gab es zwei Hauptanwendungsgebiete: Sie sind Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion (Chlormethan, 1,2-Dichlorethan, Chlorethen) und dienen/dienten als Lösungs- bzw. Reinigungsmittel (Dichlormethan, 1,1,1-Trichlorethan, Trichlorethen, Tetrachlorethen). Die Weltproduktionsmengen lagen in den 1980er Jahren bei über 1000 kt/a, in Deutschland bei 150 kt/a. Die Produktionsmengen sind rückläufig. Für einzelne LCKW sind in der FCKW-Halon-Verbots-Verordnung bzw. in der Chemikalienverbotsverordnung Verbote, Produktionsreduktion oder Ausstiegszeiten festgelegt.

Einzelne LCKW können auch unbeabsichtigt bei Verbrennungsprozessen, z. B. von PVC, entstehen oder wurden als natürliche Stoffwechselprodukte mariner Algen, von Seetang und terrestrischer Pilze nachgewiesen. Trichlormethan kann sich bei der Trinkwasserchlorung in Gegenwart von Huminsäuren bilden. Chlorethen und die drei Isomere des Dichlorethens können im Untergrund von Tri- und Tetrachlorethen-Schadensfällen durch reduktive mikrobielle Dechlorierung entstehen.

LCKW als Umweltschadstoffe

Die als Lösungs- und Reinigungsmittel verwendeten LCKW verdunsteten bis weit in die 1980er Jahre überwiegend in die Atmosphäre. Aufgrund ihrer langen Lebensdauer sind LCKW noch heute ubiquitär in der Atmosphäre nachweisbar. Große Mengen von LCKW gelangten in der Vergangenheit durch Unachtsamkeit, unsachgemäßen Umgang, Ablagerung LCKW-haltiger Abfälle (z. B. Schleif-, Galvanik- und Ölschlämme) oder durch Unfälle in den Untergrund. LCKW-Schadensfälle bilden eine eigene Kategorie innerhalb der Altlasten.
Zitat Ende

[b]Es geht doch, die Sanierung mit Hilfe durch Mikroben!
Es stellt sich aber wiederum die Frage , warum nicht beim Tanklager-Farge?
Sind die Lagerlisten über Chemikalien, die im Tanklager-Farge bis zur Schließung dort umgeschlagen und gelagert wurden, nicht doch unerläßlich
?[/b]

Der heutige WK-Bericht klärt auch darüber auf, dass die Umweltbehörde ermittelte Verursacher, auch wenn sie dort nicht mehr ansässig sind, an den
Sanierungskosten beteiligt.
Nachdem man die Schadensverursacher durch Recherchen ausfindig machen kann, sollte das für das Tanklager-Farge nicht gelten?
Auch wenn immer wieder gesagt wird, dass der Bund der Eigentümer vom Tanklager-Farge ist, müssen die Kosten letztendlich vom Steuerzahler
aufgebracht werden, oder?

Gewinne für die Lobbyisten und Kosten für das dumme Volk?



Nachdem im Zeitungsbericht auch erwähnt wurde, dass man die Firma Züblin nach einer Ausschreibung beauftragt hat, würde mich interessieren ob HPC AG auch nach einem solchen Ausschreibungsverfahren beauftragt wurde?


Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014

zuletzt bearbeitet 18.11.2014 | Top

Den Hafen von Offenbach hat man auch gereinigt....

#3 von Lola2 , 23.02.2015 14:39

http://www.offenbach.de/stepone/data/pdf...ersanierung.pdf

Zitat
Der Hafen Offenbach war über lange Jahre hinweg ein
wichtiger Lagerort für Stoffe wie Benzin, Diesel und Mineralöl,
die für die Industrie und private Verbraucher der Stadt Offen-
bach am Main und des Umlands benötigt wurden. Durch die
Art des Umgangs der ehemaligen Mieter des Grundstücks mit
diesen Stoffen kam es zu Verunreinigungen des Bodens und des
Grundwassers mit Mineralölkohlenwasserstoffen, Benzol, Toluol
und anderen chemischen Verbindungen.
In der Grundwassersanierungsanlage wird das schadstoffbe-
lastete Wasser aufgenommen und gereinigt. Auf diese Weise
werden die Verunreinigungen im Hafengebiet nach und nach
saniert.
DIE GRUNDWASSERSANIERUNG
Im Verlauf der Bebauung werden bis zu 1,8 Mio. Tonnen Boden
ausgetauscht, um das Grundstück von den Altlasten im Boden zu
befreien.
Die Grundwassersanierung, deren finanzielles Investitionsvolumen
bei geschätzten 11,2 Mio. EUR liegt, wird zu 90 % vom Land
Hessen gefördert. Die restlichen 10 % werden von der Grund-
stückseigentümerin, der Stadtwerke Offenbach Holding GmbH,
getragen. Die Genehmigung der Grundwassersanierungsanlage
erfolgte durch das Regierungspräsidium Darmstadt.
Eine wichtige Investition in die Qualität des Wassers im Hafen
Offenbach.

DER WEG ZU SAUBEREM WASSER
Schema der Grundwassersanierung
(lat. sedimentum – Bodensatz) wie Schweb- und Trübstoffe in
einem Kiesbett zurückzuhalten. Leichtflüchtige Schadstoffe wie
BTEX (Benzol, Toluol, Xylol) werden über einen Aktivkohle-
filter absorbiert (lat. absorbere – auffangen). In einem letzten
Reinigungsschritt werden die noch verbliebenen Schadstoffe
(PAK und MKW) in Wasseraktivkohlefiltern adsorbiert (lat. ad-
sorbere – anlagern) und damit aus dem Grundwasser entfernt.
Am Ende fließt sauberes Grundwasser dem Hafenbecken zu.
Zur Sicherstellung der Reinigung werden regelmäßig Proben
genommen und auf die relevanten Schadstoffparameter hin
untersucht.

(Die Zeichnungen kann man mit dem Link aufrufen.)

Aus sechs Förderbrunnen wird vom Hafengebiet das verun-
reinigte Grundwasser über elektronisch gesteuerte Pumpen und
Rohrleitungen der Grundwassersanierungsanlage zugeführt. Das
Grundwasser durchläuft nacheinander eine Reihe von Reinigungs-
stufen:
Durch die Zugabe von Wasserstoffperoxid (H2O2), Flockungs-mittel (FeCI3) und Natronlauge (NaOH) werden zunächst
Schadstoffe wie Eisen, Mangan und Arsen aus dem Wasser ge-
löst und ein bestimmter, für den Reinigungsprozess notwendiger
pH-Wert des Wassers wird hergestellt
.
Das vorgereinigte Wasser
wird dann über mehrere Filter geführt, um sedimentierbare Teile

Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014


   

Tanklager-Arbeitskreis mit Bürgerbeteiligung
Gesamtmodell der Kontamination

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen