Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Tag der Vereine

#1 von Reinhard , 16.02.2014 10:15

„Tag der Vereine“ als Beispiel

In ihrer letzten Sitzung hat die Beiratsmehrheit einen Beschluss gefasst, der für die Politik dieses Gremiums nicht ganz untypisch sein dürfte. Auf „Anregung“ des Ortsamtsleiters wurden 4.000 € aus Globalmitteln für die Vorbereitung eines „Tages der Vereine“ bewilligt.

An dieser Entscheidung lasst sich einmal exemplarisch erkennen, was eine innovative von einer klassischen Verwaltung zu unterscheiden scheint. So wurde bei diesem Beschluss offenbar nicht nach der bürokratischen Devise „Genauigkeit geht vor Schnelligkeit“ verfahren, sondern eher ein Votum herbeigeführt, das zumindest nicht in allen seinen Aspekten und Auswirkungen rechtzeitig gründlich durchdacht ist. Trotzdem will man einen Auftrag an eine Eventagentur vergeben, sodass hier gezahlt werden muss, auch wenn man später wie bei der „Anschlusssause" von seinem unreflektierten Mehrheitsbeschluss wieder abrückt.

Wenn man den Berichten im Weser-Kurier und dem BLV folgt, hat der Beirat am Montag für die Planung eines „Tages der Vereine“ also die Vergabe eines entsprechenden Planungsauftrages an eine Eventagentur beschlossen, die dafür einen Betrag von 4.000 € erhält.

Diese Entscheidung wirft eine Reihe von Fragen auf. Einige sind eher juristischer Art. So haben die Beiratsmitglieder über einen Antrag abgestimmt, der gar nicht auf der zuvor veröffentlichten Tagesordnung zu finden ist. Auch hat man nicht beachtet, dass im Bremen Globalmittel einen Antrag von Vereinen voraussetzen. Davon ist jedoch weder in den Zeitungsberichten noch auf der Seite des Ortsamtes, wo die angenommenen Anträge aufgeführt werden, etwas zu finden.

Im Beirat scheinen auch keine Alternativen zu einem „Tag der Vereine“ als Stadtfest diskutiert worden zu sein. Offenbar hat der einleitenden Vortrag vom Eigentümer der Eventagentur dieses Vorhaben als alternativlos erscheinen lassen. Aber das ist ja eher typisch nicht nur für Blumenthal, sondern für Bremen insgesamt. Die von den Bürgern gewählten Vertreter dürfen zwischen nur einem Vorschlag „entscheiden“, den die Verwaltung ihnen als "alternativlos" vorlegt.

Auch von einer Beteiligung der vor allem betroffenen Vereine kann man nichts erfahren. Wäre es hier nicht notwendig gewesen, zunächst mit den Vereinen eine breite Diskussion zu führen, denn sie werden durch die Entscheidung keineswegs begünstigt, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. Tatsächlich findet nur eine Umverteilung der Globalmittel statt, indem jetzt von etwa 55.000 €, die Blumenthal zuletzt zugewiesen wurden, schon einmal 4.000 € an die Eventagentur fließen, während sie sonst den Vereinen für ihre Sachausgaben zur Verfügung ständen. So wurden im letzten Jahr die Mittel u.a. für die Neugestaltung von Schulhöfen, Sportgeräte und die Anschaffung von Hörbüchern in der Bibliothek gezahlt.

Darüber hinaus hat die Vergabe von Steuermitteln zweifellos auch eine politische Dimension, auf die vor allem die Blumenthaler Linke auf ihrer Webseite hinweist. Hier wird Geld für die Planung eines "Festivals" ausgegeben, während man gleichzeitig Kürzungen bei den Sozialausgaben bedauert. Tatsächlich scheint der Beiratsmehrheit also ein Fest wichtiger zu sein als etwa die Förderung der Altenarbeit.

Kritisch kann man diese Geldausgabe jedoch auch als Steuerzahler sehen. Gehört es zu den Aufgaben des Staates, kann man sich fragen, die Feste von Vereinen zu finanzieren? Wäre das nicht eine Aufgabe der Vereine selbst? Oder hat Blumenthal etwa inzwischen den Status des Alten Roms erreicht, wo die Politiker nach dem Motto „Brot und Spiele“ die proletarischen plebejischen Massen von Aufständen abhalten mussten?


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Erster Versuch

#2 von Reinhard , 18.02.2014 11:45

Erster Versuch

Die Idee eines „Tages der Vereine“ ist nicht neu. Das gilt auch für Blumenthal, worauf in der Beiratssitzung ein Vertreter der CDU hingewiesen hat. Allerdings hat der Beirat jetzt aus diesen Erfahrungen nichts gemacht, wie man es von einer nachhaltigen und konsistenten Politik erwarten sollte. Nach dem Bericht im BLV kann man höchstens eine Bemerkung der SPD-Fraktionsvorsitzenden als Auswertung der alten Erfahrungen interpretieren. Sie hat dabei von einem „Rumgelaber“ gesprochen, an dessen Stelle jetzt ein „professionell organisiertes Fest“ treten soll.

Wie kann ein „Festival der Vereine“, wie das Fest vor zwei Jahren genannt wurde, ein Gelaber sein? Das macht neugierig auf einen sachlichen Bericht über dieses Ereignis.

Das BLV hat seinen Artikel am 19.9.2012 mit „Blumenthaler mit Leib und Seele. Heinz Blecher stockt Stiftungskapital um über 9999 Euro auf“ überschrieben. Auf das Festival und die teilnehmenden Vereine wird dann erst im Text eingegangen. Noch weniger erfährt man über die Zahl der Besucher, denn während von 16 Vereinen gesprochen wird, erfährt man von den „Neugierigen“ nur, was sie machen konnten, aber nicht wie viele die Angebote genutzt haben.

Allerdings hat die Lokalpresse damals keineswegs die Organisation der Veranstaltung kritisiert, sondern von „den bewährten Händen von Blumenthals stellvertretender Ortsamtsleiterin“ gesprochen.

Einige Vereine haben vor zwei Jahren dieses "Festival“ als Werbeforum für ihre Ziele genutzt, so der Verein „Christlicher Bauernhof“, der später seine Ziele auch im Beirat vortagen durfte, sowie die „Nachwanderer.

Die Vereine konnten nach einem Zeitungsartikel insgesamt ein attraktives vielseitiges Programm anbieten, das vermutlich die Liebhaber von Männnergesangvereinen besonders angesprochen hat.

Trotzdem standen bei diesem „Festival der Vereine“, zu dem der Förderverein „Bürgerstiftung Blumenthal“ e.V. eingeladen hatte, die Sponsoren der Stiftung ganz im Vordergrund. So zeigt das große Foto zu diesem Artikel keine Präsentation der eingeladenen Vereine, sondern einen wichtigen Sponsor mit dem Ortsamtsleiter und Vorsitzenden des gastgebenden Vereins.

Das sieht fast so aus, als ob die Vereine und das Festival nur als Bühne für den gastgebenden Förderverein und seinen Vorsitzenden gedacht waren.

Wird das die Vereine für einen neuen Anlauf motivieren können?

Oder wird deswegen vor allem ein neuer Gastgeber benötigt, der mehr Vereine und teilnehmende Blumenthaler anspricht?


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Der Zweck des „Festivals der Vereine“

#3 von Reinhard , 21.02.2014 16:04

Der Zweck des „Festivals der Vereine“

Zwar soll in Blumenthal die Bürgerbeteiligung „gelebt werden“, wie das Ortsamt erklärt hat, jedoch scheint das nicht für die Vereine bei einem Festival der Vereine“ zu gelten. Oder man hat hier ein besonderes Verständnis von Beteiligung, indem man darunter versteht, dass die Vereine eine zugewiesene Rolle spielen können, aber nicht am Verfassen des Drehbuchs mitwirken dürfen. Das lässt sich zumindest dem veröffentlichten Protokoll der Mitgliederversammlung des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal vom 13. April 2012 im Hotel Union entnehmen.

Danach wurde das Konzept nicht mit den Blumenthaler Vereinen abgestimmt, sondern vielmehr mit einem einzelnen Unternehmen, von dem anscheinend aufgrund seiner „Mitbestimmungsrechte“ die Veranstaltung „abzuklären“ und „das Einverständnis“ einzuholen war.

Hat hier also dieses Unternehmen sich durch seine hohen Spenden zumindest ein Vetorecht erkauft?

Das sieht ganz so aus und erklärt vermutlich auch die Rede, die ein leitender Vertreter dieses internationalen Großkonzerns auf dem Festival halten durfte und die jetzt möglicherweise im Beirat als „Rumgelaber“ bezeichnet wurde. Allerdings passte dieser Programmmpunkt durchaus in das Festival; denn es sollte gar kein Fest aller Vereine sein. Vielmehr wurde es laut Protokoll veranstaltet, „um die Bürgerstiftung den Blumenthaler Bürgern vorzustellen.“

Die Vereine wurden also eingeladen, um für diese Absicht mehr Aufmerksamkeit und Besucher zu gewinnen.

Für diese Leistung für den Bürgerstiftungsverein wurde ihnen die Möglichkeit versprochen, „sich dort zu präsentieren und entsprechende Netzwerke aufzubauen“. Damit keine Missverständnisse aufkommen konnten, vermerkt das Protokoll bei diesem Hinweis jedoch nochmals: „Sinn dieser Veranstaltung ist es, die Bürgerstiftung Blumenthal der Öffentlichkeit vorzustellen.“

War die Zielsetzung der Veranstaltung rasch geklärt, konnten sich die Experten auf die Details der Durchführung konzentrieren, die offenbar für so wichtig gehalten wurden, dass sie im Protokoll festgehalten wurden. So wurde angeregt, „zwei bis drei Monate vor dem geplanten Termin mit der Organisation zu beginnen“ und vom Betreiber des Veranstaltungsortes darüber „informiert zu werden, welche Flächen für die Veranstaltung genutzt werden können.“

Auch wurde vorgeschlagen, die Mitglieder des Bürgervereins anzuschreiben, um festzustellen, ob sie sich in die "Vorbereitungen der Organisation einbringen“ wollten und „dabei auf jeden Fall .. in dem Schreiben um eine Rückäußerung“ zu bitten.

Weiterhin sollte „für die Vereine eine zentrale Meldestelle für den Rücklauf eingerichtet werden“. Es gab also zunächst viele sicherlich nicht selbstverständliche überzeugende Vorschläge, bevor einer der aktiven Planer abschließend mitteilte, dass er aus familiären Gründen ab Juni 2012 dem Förderverein zeitlich weniger zur Verfügung stehen wird.“

Die Attraktivität der Veranstaltung für potenzielle Besucher scheint hingegen kein Thema gewesen zu sein; denn es wird darüber im Protokoll kein Wort verloren.

Aber muss wegen dieses wenig überzeugenden "Workshops“ zur Vorbereitung eines „Festivals der Vereine“ in einer Mitgliederversammlung des Bürgerstiftungsvereins jetzt ein Konzept für einen neuen Versuch durch eine Eventagentur erarbeitet werden? Vielleicht hätte man es zunächst mit den vereinten Kompetenzen der Blumenthaler Vereine und speziell ihrer Vorstandsmitglieder für Öffentlichkeitsarbeit versuchen sollen.


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Welchen Preis hat ein Konzept?

#4 von Reinhard , 23.02.2014 16:39

Welchen Preis hat ein Konzept?

Nachdem sich die Bürgerstiftung inzwischen im Jahr 2012 durch das Festival vorstellen und durch Beteiligungen am Bolzplatz auf der Bahrsplate und der Bildungsbrücke profilieren konnte, soll das jetzt geplante Fest der Vereine offenbar eine andere Ausrichtung erhalten. Allerdings haben die Journalisten, die über die Beiratssitzung berichtet haben, darüber wenig bis nichts in Erfahrung gebracht. So heißt es nur lapidar zum Beiratsbeschluss: "H&W weserevents wird beauftragt, „ein Konzept zu erarbeiten.“

Bei diesem nicht gerade präzise gefassten Auftrag kann man nur hoffen, dass daraus ein Vertrag wird, der so ausformuliert ist, dass sich auch feststellen lässt, ob er tatsächlich erfüllt wurde oder nicht. Der Begriff des Konzepts ist schließlich nicht sehr präzise.

Problematisch ist dabei in diesem Fall vor allem die Art der Bezahlung, wenn man sie mit den Modalitäten etwa von Handwerksbetrieben vergleicht. Wer sich ein neues Badezimmer oder einen Kamin anlegen lässt, erhält Kostenvoranschläge incl. „Konzept“, die indirekt über einen möglichen späteren Auftrag bezahlt werden. Das ermöglicht eine faire Auswahl durch den Kunden, der nur dann zahlen muss, wenn er das Konzept tatsächlich verwenden will.

Hier trägt die Eventagentur hingegen praktisch kein Risiko. Man sollte daher im vorliegenden Fall wenigstens festlegen, welche Teilaufgaben das Konzept enthalten muss. Als Grundlage kann dafür ein „Tag der Vereine“dienen, wie er beispielsweise in der brandenburgischen Stadt Zossen bereits zum 10. Mal veranstaltet wurde. Diese lange Tradition spricht für ein Konzept, das bei den Einwohner angekommen ist. Davon kann man sich auch durch ein Video überzeugen.




Dieser Erfolg ist in Brandenburg jedoch nicht auf das überzeugende Konzept einer Eventagentur zurückzuführen, wie man auf der Internetseite des Festes erfahren kann, denn in Zossen ist alles mehr oder weniger selbstgestrickt. Dennoch werden die teilnehmenden Vereine mit allen notwendigen Informationen versorgt, so mit Merkblättern für die Verköstigung und Sonderveranstaltungen sowie einem Informationsblatt für Spenden und Sponsoren. Auch werden Anmelde- und Sponseringformulare sowie Vordrucke für die Anmeldung eines vorübergehenden Gaststättengewerbes zur Verfügung gestellt.

Wer macht aber in Zossen die Arbeit und wie erfolgt dort die Finanzierung?. In Brandenburg wendet man sich mit folgenden Aussagen an mögliche Sponsoren:

„Die Stadt Zossen ist aus organisatorischen Gründen Träger des Festes, Sie stellt uns, dem ehrenamtlich arbeitenden Organisationsteam, die notwendige Infrastruktur zur Durchführung des Festes zur Verfügung und unterstützt uns durch ihre Mitarbeit.

Finanziert wird das Fest ausschließlich durch Standgebühren der gewerblichen Anbieter (Catering) und Spenden/Sponsoring der ortsansässigen Wirtschaft
.“

Offenbar erfordert ein „Fest der Vereine“, das bei einem breiten Publikum ankommt, also keineswegs die Einschaltung einer Eventagentur, ja, an eine zunächst erforderliche externe Erarbeitung eines Konzepts scheint niemand zu denken.

Man kann daher mit Spannung erwarten, was die Bremer Eventagentur abliefern wird. Kann es ein Vorschlag sein, den man in Zossen bisher nicht gekannt, aber auch nicht vermisst hat?


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Es geht auch anders

#5 von Reinhard , 15.04.2014 09:56

Es geht auch anders

Wie Stadtteilfeste ganz ohne Planungskosten, die aus öffentlichen Globalmitteln finanziert werden müssen, vorbereitet werden können, zeigen einige Bürger in Burg, wie heute der Weser-Kurier berichtet.

Dort hat sich speziell für die Organisation eines „1. Burger Brückenfestes“ eine „Burg-Grambker Bürgerinitiative“ gebildet. Inzwischen haben die Initiatoren bereits eine Reihe von Vereinen und Institutionen für ihre Überlegungen und damit auch für ein Mitmachen bei der Veranstaltung begeistert.

Schließlich soll hier nicht nur ein schönes Fest gefeiert werden, sondern man verfolgt auch eine integrative Zielsetzung. Die bietet sich bei einem Brückenfest natürlich besonders an, wenn „das Fest .. auch deutlich machen (soll), dass die Ortsteile Burg und Grambke lebendig sind und zusammenhalten.“

So will man „mit der sichtbaren Solidarität in Form des Festes“ die Entwicklung in Burg-Gramke voranbringen.“

Zieht man aus der Arbeit dieser kreativen Bürgerinitiative einmal Schlussfolgerungen für den geplante Blumenthaler „Tag der Vereine“, werden die Möglichkeiten deutlich, die ein Stadtteilfest haben kann, wenn sich Bürger engagieren und ihre Ideen für die Entwicklung ihrer Heimat umsetzen können.

Dabei werden sie vom Ortsamt in Burglesum offenbar nicht nur mit ankündigten Möglichkeiten wie etwa bei dem Projekt „Essbares Blumenthal“, sondern mit tatkräftiger Mithilfe unterstützt.

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