Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Nicht nur Fußball ist ein Mannschaftsspiel!

#16 von Reinhard , 23.07.2014 08:43

Nicht nur Fußball ist ein Mannschaftsspiel!

Jedem Fußballfan ist klar, dass Fußball ein Mannschaftsspiel ist. Daran können auch die ganz besonderen Leistungen eines Neuer, Müller, Lahm oder Götze nichts ändern, auch wenn sie zum „man of the match“ gewählt werden und ihr Beitrag zum Sieg überdurchschnittlich ist.

Das gilt jedoch nicht nur aufgrund der Regeln für das Fußballspiel selbst, sondern auch für so Fußball-affine Tätigkeiten wie die Planung, den Bau und den Betrieb eines Bolzplatzes.

Auch hier verlangen die Gesetze und nicht zuletzt der gesunde Menschenverstand ein Teamspiel. Auf diese Weise soll die beste Lösung unter vielen anderen, die man zunächst ebenso prüft, gefunden werden, die auch nicht die Anwohner und die Umwelt in unverträglicher Weise schädigt.

Das ist der ganz übliche Weg. Wenn man aufgrund eines Amts ein besonderes Renommee besitzt kann man es allerdings möglicherweise auch anders versuchen und eine Köpenickade wagen. So lässt sich dann vielleicht sogar an einem besonders schönen Fleck seines geliebten Heimatortes einen Bolzplatz Deluxe errichten, den man sogar ständig von seiner Wohnung aus im Auge haben kann.

Können nicht nur auf diese Weise überhaupt eigene Kindheitsträume und Lieblingsprojekte wahr werden?

Zwar gehört die Forderung nach Sportplätzen für Jugendliche, die damit von einer ominösen Straße geholt werden, ebenso wie die nach mehr Anerkennung für Krankenschwestern und Pflegekräften in Altenheimen zu den wichtigsten Bestandteilen von Politikerreden, die sich mit sozialen Fragen beschäftigen. Doch wie sieht es in der Wirklichkeit aus, wenn man alle mitreden lässt?

Da muss man den Eigentümer finden und mit ihm eine Nutzung seines Grundstücks vereinbaren. Das kostet meist erst Verhandlungsgeschick und Zeit. Häufig will der Eigentümer dann auch noch bei der Nutzung mitreden oder eine symbolische Pacht.

Dann können sogar die Anwohner und Umweltschützer ihre Bedenken vorbringen. Auf der Bahrsplate kommen häufig die Vertretungen der KZ-Opfer hinzu. Das alles wird zu endlosen Diskussionen über Lärm, Amphibien und deutsche Geschichte führen, ohne dass sich auch nur ein Bagger in Bewegung setzen kann.

Und schließlich eine Erörterung in der Bürgerstiftung, im Beirat, in den Medien und in der Öffentlichkeit! Da wird dann noch von Minderheitsvertreten der Standort oder eine Luxusausführung in frage gestellt! Dabei handelt es sich doch bei einem Kunstrasenplatz in einer Grünanlage an der Weser um eine sehr vorzeigbare Lösung, die allen Sponsoren sehr gut gefallen hat.

Was hätte es da gebracht, wenn man die Jugendlichen im gesamten Stadtteil zwischen Rekum und Lüssum einbezogen hätte, auch noch die Schulen und Fußballvereine oder gar die Quartiersmanagerin, die die Bewohner im Bereich der George-Albrecht-Straße vertreten muss?

Die hätten sich doch vermutlich nur um das schöne Geld gestritten und es dann so aufgeteilt, dass der grüne Stadtrand an der Weser nichts bekommen hätte, sondern irgendwelche Altanlagen ausgebaut und ergänzt worden wären. Hätte man so der Presse, dem Fernsehen und den Sponsoren ein wirklich ansehnliches Ergebnis präsentieren können?

Wenn man alles das bedenkt, kann man doch wohl nur zu einem Ergebnis kommen: Blumenthal müsste noch lange auf einen so schönen Bolzplatz warten, wenn man das alles berücksichtigt hätte.

Das hat glücklicherweise der Ortsbeirat gesehen, der dem Projekt mit keiner Anfrage Steine in den Weg gelegt hat. Dafür sollte ihm Dank gebühren.

Falls jetzt in einer Zeitung, die bekanntlich vor keiner persönlichen Verunglimpfung zurückschreckt, von einem Schwarzbau (1) die Rede ist, so muss man solche Vorwürfe wie ein gestandenes Mannsbild, wie ein Macher, der sich mit allen seinen Kräften für seine Vorstellungen einsetzt, durchstehen. Wie sagte doch schon ein langjähriger Bundeskanzler: „Die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter!

Das sind Überlegungen, die vielleicht jetzt in Bumenthal angestellt werden könnten.

Da das politische Bolzplatz-Spiel noch läuft, wird man die Reaktionen der übergangenen (Mit-)spieler und vor allem des Schiedsrichters abwarten müssen.

Die wirkliche Entscheidung wird jedoch auch hier auf dem Platz fallen: werden die Kinder und Jugendlichen den Bolzplatz intensiv nutzen (können) oder wird er als ein teurer Flop in die Ortsgeschichte eingehen, auch wenn er nicht als Schwarzbau abgerissen werden muss?


1) Anmerkung: Eine Darstellung des Genehmigungsverfahrens, wie es sich augenblicklich darstellt, findet man im Weser-Kurier.


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Blumenthaler Eigentumserwerb

#17 von Reinhard , 23.07.2014 11:16

Blumenthaler Eigentumserwerb

Nach der Lektüre des Aufmachers im heutigen BLV kann man sich nur wundern, wenn man ein Zitat des OAL liest: „Dieser Platz ist Eigentum des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal e.V., weil wir für alles haftbar sind, was da passiert. Wir mussten sogar eine Haftpflichtversicherung abschließen,...“

Kann ein Nutzer eines Grundstücks dadurch Eigentümer werden, dass er für die Gefahren, die mit einer Nutzung verbunden sein können, eine Haftpflichtversicherung abschließt?

Eine extrem bizarre Argumentation, wenn man sich mit dem Eigentumsrecht beschäftigt! Man muss sich daher fragen, wie man zu dieser Auffassung gelangen kann. Ein Nutzer erklärt sich zum Eigentümer, ohne eine stichhaltige Form der Eigentumsübertragung nennen zu können.

Wie würde man einen solchen Vorgang bezeichnen, wenn es nicht um ein öffentliches Grundstück für einen ansehnlichen Bolzplatz ginge, der Blumenthal offenbar dank eines tüchtigen OAL geschenkt wurde?

Nur ist der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal e.V. ein Verein und nicht die öffentliche Hand. Folglich können, falls man dieser Blumenthaler Rechtsauffassung folgen sollte, jetzt nicht mehr alle Bürger durch ihre gewählten Vertreter über die Fläche entscheiden, sondern nur noch die Mitglieder des Fördervereins.

Offenbar ist der Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal den Bolzplatz errichtet hat, gar nicht gefragt worden, sodass die Nutzungsbedingungen völlig unklar sind. Das gilt etwa für die Nutzungsdauer.

Jetzt muss ein solcher Gestattungsvertrag nachgeholt werden. Damit dürften, wenn es nicht um einen Bolzplatz und einen OAL gehen würde, schwierige Verhandlungen anstehen, da niemand einen Eigentümer dazu zwingen kann, einen Bolzplatz auf seinem Grund und Boden vermutlich unbefristet zu dulden. Dabei dürfte es nicht unbedingt hilfreich sein, wenn aus der Nutzung auch gleich noch ein Eigentumsrecht abgeleitet wird.

Zumindest für Außenstehende sehen Verhandlungs- und Planungsgeschick anders aus.


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Reaktion

#18 von Reinhard , 24.07.2014 13:17

Reaktion

Der Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal hat auf die offene Frage reagiert, ob es sich beim Bolzplatz auf der Bahrsplate um einen „Schwarzbau“ handelt. Auf der Webseite findet man jetzt die Genehmigung des Vorhabens durch das Bauamt Bremen-Nord vom 26.2.2014.

Die vermutlich besonders interessanten Anlagen wie die Bau- und Betriebsbeschreibung sowie das schalltechnische Gutachten fehlen allerdings.

Auch den Zeitpunkt, an dem der Antrag gestellt wurde, sucht man vergeblich. Fest steht jedoch, dass die ersten Spatenstiche am 11. Dezember vor der Genehmigung erfolgten.

Aber glücklicherweise wird sich ja kein deutscher Baubeamter bei seiner Entscheidung durch eine derartige Vorwegnahme seine Entscheidung beeinflussen lassen.

Oder?

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Vorsicht in Bremen-Nord!

#19 von Reinhard , 25.07.2014 09:14

Vorsicht in Bremen-Nord!


Grundstücksbesitzer in Bremen-Nord müssen offenbar sehr sorgfältig über ihr Eigentum wachen. Sonst kann es passieren, dass ihr Grundstück beispielsweise mit einem Bolzplatz bebaut wird, ohne dass sie dazu selbst eine Baugenehmigung beantragt haben. Ja, nicht einmal eine Erlaubnis, die sie einem anderen Bauherrn erteilt haben, ist erforderlich. Es reicht anscheinend, wenn es einen Antragsteller gibt, der dem Bauamt bekannt ist.

Diese Schlussfolgerung muss man vermutlich aus der Genehmigungspraxis beim Bauamt Bremen-Nord ziehen, das dem Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal eine Baugenehmigung für einen Bolzplatz erteilt hat, ohne dass es dafür eine Einwilligung des Eigentümers gibt. Eine solche "Nebensächlichkeit" wird dort offensichtlich nicht geprüft.

Da kann man nur hoffen, dass es nicht zu viele Nachahmer gibt, die die Grundstücke ihrer Nachbarn umnutzen möchten!


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Datenschutz für Vereinsvorsitzende

#20 von Reinhard , 25.07.2014 10:38

Datenschutz für Vereinsvorsitzende

Die Datenschutzbeauftragte Bremens bietet allen Interessierten einen raschen Überblick über die gesetzlichen Regelungen beim Einsatz von Videokameras, mit denen sich beispielsweise Eigentümer vor Vandalismus schützen wollen.

Wer also den Einsatz von Videokameras nicht für sein „gutes“ Recht hält, sondern das geltende Recht und die Rechte seiner fotografierten Mitmenschen berücksichtigen will, kann sich dort sachkundig machen.

So erfährt man, dass ein bloßer Hinweis auf eine vorgenommen Videoüberwachung, die mit „Bürgerstiftung Blumenthal“ ergänzt wird, nicht empfehlenswert ist. Es sollte vielmehr auch die Anschrift der verantwortlichen Stelle genannt werden. Das wäre im aktuellen Fall kaum eine „Bürgerstiftung Blumenthal“, die bisher keine Rechtspersönlichkeit hat, da ihr das dazu notwendige Kleingeld fehlt, sondern der Förderverein Bürgerstiftung Bumenthal.

Auch muss man bei der Lektüre dieser Bremer Info-Seite zur Kenntnis nehmen, dass es nicht egal ist, ob eine Videoaufzeichnung nach 24 oder 48 Stunden oder länger gelöscht wird. Die Datenschutzbeauftragte schreibt hier: „Die Löschung sollte nach einem zeitlichen Ablauf automatisch erfolgen, das heißt in der Regel nach 24 bis spätestens 72 Stunden.“

Das sind Vorschriften, die für private, öffentlich zugängliche Räume wie z. B. Kaufhäuser gelten. Bei der Videoüberwachung des Bolzplatzes auf der Bahrsplate, der sich in einer öffentlichen Grünanlage befindet, dürfte es sich jedoch um einen öffentliche Platz handeln, der öffentlich zugänglich ist. Das bedeutet, dass dieser Bolzplatz „nur von der Polizei unter besonderen gesetzlichen Voraussetzungen im Polizeirecht videoüberwacht werden (zum Beispiel § 29 Bremisches Polizeigesetz)“ darf.

Vereinsvorsitzende können sich also auf den Bremer Webseiten sehr bequem über die Regelung von Videoüberwachungen informieren. Da dürften es nur Ortsamtsleiter noch leichter haben.

Der Weg ist also vorhanden, benötigt wird vor allem der Wille.

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Videokontrolle ja, pädagogisches Konzept ?

#21 von Reinhard , 29.07.2014 09:50

Videokontrolle ja, pädagogisches Konzept ?

Bisher hat sich vor allem die Lokalpresse in Blumenthal mit dem Bolzplatz auf der Bahrsplate beschäftigt. Dabei kamen zunächst offenbar die Informationen vom Vorstand des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal und ließen sich mit der Kernaussage eines Kurzvideos zusammenfassen: Ein kleiner Schritt für den Blumenthaler Ortsamtsleiter, ein großer Schritt für den Stadtteil. Wie Teppich!"

Anschließend folgten dann kritische Artikel zur Videokontrolle und der Genehmigung für den Bau des Deluxe -Bolzplatzes auf der Bahrsplate.

Diese Informationsbasis ist jetzt größer geworden, da Bremens Imageträger Werder den Jahresbericht 2013 zum Spielraum-Konzept vorgelegt hat.

Bei der Lektüre kann man schnell feststellen, dass sich Werder keine Gedanken über die optimale Ausstattung eines Bolzplatzes, die Genehmigungsvorschriften und eine spätere Eigentumssicherung macht, also die Fragen, die in Blumenthal so deutlich im Vordergrund stehen.

Vielmehr hat der Ankersponsor des Bolzplatzes auf der Bahrsplate klare pädagogische Vorstellungen in seinem Spielraum-Konzept entwickelt. Dazu heißt es einleitend: „SPIELRAUM bedeutet .., dass sich die Teilnehmer mit Ihrem Platz identifizieren und ihn pflegen. Dazu gehört es unter anderem, eigene Regeln zur Nutzung des Platzes aufzustellen. Es gilt zu lernen, wie man mit Materialien umgeht, welche Regeln einzuhalten sind und wie Fair-Play praktiziert wird. Alle diese Dinge werden in Gesprächen gemeinsam festgelegt.“

Das Konzept ist also nicht vorrangig auf den Bau eines Kunstrasenplatzes in einer schönen Grünfläche am Weserufer abgestellt. Hingegen beschäftigt man sich damit, die jungen Fußballspielerinnen und Fußballspieler in alle organisatorischen Fragen und notwendigen Arbeiten einzubeziehen.

Dieses Beteiligungskonzept gilt auch für das Verhalten beim Bolzen, für das ein Regelkatalog entwickelt wurde, in dem wichtige Themenbereiche fest verankert sind. Dazu zählen u.a. die Inklusion aller Interessierten, die Behandlung der Gegner als Partner, das Kümmern um verletzte Gegnerinnen oder Gegner sowie die Freude auf das Spiel, nicht den Sieg.

Warum nur hat man in Blumenthal bisher so wenig von diesem pädagogischen Konzept gehört und gelesen? Wenn man darauf auch ein Gewicht wie auf den Werder-Trainer legen würde, könnte man sicherlich den Bolzplatz als ein Angebot betrachten, das sehr gut in das WiN-Konzept passt.

Es wäre sogar pädagogisch erheblich besser begründet und ausgearbeitet als einige der bisher beschossenen WiN-Projekte.

Man könnte es daher in Blumenthal als wichtigen Ansporn nutzen, da es nicht von einem videoüberwachten, verschlossenen Bolzplatz deluxe ausgeht, an dessen Gestaltung und Organisation die Nutzerinnen und Nutzer nicht beteiligt waren und sind.

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Finanzielles „Meisterstück“

#22 von Reinhard , 31.07.2014 09:33

Finanzielles „Meisterstück“

Das „Meisterstück“ des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal kann nicht nur die Herzen von Fußballern höher schlagen lassen. Es ist auch ein kleines Finanzierungswunder, das allen Hoffnung gibt, die voller Angst auf die abgeblich leeren Kassen des kleinsten Bundeslandes blicken.

Obwohl die Kosten für den Bolzplatz im Laufe der Berichterstattung seit dem ersten Spatenstich im Herbst letzten Jahres angestiegen sind, musste sich der Förderverein nicht mit den Problemen herumschlagen, wie man sie von der Elbphilharmonie in Hamburg und dem Flughafen BER in Berlin kennt.

Schließlich ist in Bremen alles etwas anders. Dort waren Ende 2013 von der Stiftung Wohnliche Stadt, die sich aus Gewinnen der Bremer Spielbank finanziert, 20.000 € zugesagt worden, was damals die Finanzierung des Bolzplatzprojektes sicherstellte.

Mitte Juli kam dann eine zunächst negativ klingende Meldung: Es herrschte Flaute bei der Spielbank und die zum Jahresende 2013 gestellten Förderanträge mussten abschlägig beschieden werden.

Allerdings wurden die Auswirkungen diese Entscheidung im Rathaus überprüft. Dabei sollten Projekte, die eine „herausragende Bedeutung für Bremen und Bremerhaven haben“ trotzdem Geld erhalten, und zwar aus „Haushaltsmitteln des Landes“.

Zu diesen unverzichtbaren Projekten gehörte auch die Maßnahme „Spielraum Blumenthal: Bau eines Bolzplatzes“. Das spricht nicht zuletzt für die politische Bedeutung, die der Senat dem Bolzplatz in Blumenthal zubilligt. Noch bemerkenswerter ist jedoch eine weitere „Kleinigkeit“.

Während es zunächst eine Förderung in Höhe von 20.000 € geben sollte, wurde diese Summ jetzt, nachdem das nicht vorhandene Geld der Spielbank durch die angeblich nicht vorhandenen Finanzmittel des Landes ersetzt werden mussten, auf 32.000 € aufgestockt. Das ist eine Steigerung um immerhin 60%.

Diese wunderbare Art der Geldvermehrung, die an biblische Wunder erinnert, dürfte sicherlich reichen, um noch weitere Überwachungsmaßnahmen zu finanzieren, die das Kleinod auf der Bahrsplate sichern sollen.

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Bolzplatzaristokraten

#23 von Reinhard , 01.08.2014 07:28

Bolzplatzaristokraten


Ein „Meisterstück“, wie der Vorsitzende des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal den Bolzplatz auf der Bahrsplate selbstbewusst nennt, hat nicht nur Kritiker, die an der Videoüberwachung oder dem Genehmigungsverfahren etwas auszusetzen haben.

Wer schon immer gern einmal bei einem richtigen Werder-Trainer seine fußballerischen Qualitäten unter Beweis stellen wollte, dürfte jetzt wunschlos glücklich sein. Schließlich ist er ohne eigene Anstrengungen in ein fußballerisches Schlaraffenland gelangt und konnte damit eine wichtige Lebenserfahrung gewinnen. Wenn man zur richtigen Gruppe gehört, bekommt man das, was man will, auch ohne große Anstrengung.

Beim neuen Bolzplatz ist alles auf dem höchsten technischen Stand und diese vielen kleinen Aufgaben, die sonst häufig vom Fußballspielen abhalten können, entfallen in diesem Bolzparadies. Niemand muss den Rasen mähen, sich mit pädagogischen Diskussionen herumquälen oder über Belegungszeiten streiten. Das ist alles geregelt. Es gibt nur noch eins: Fußball. Fußball. Fußball.

Und das sogar mit einem richtigen Trainer von Werder, sodass ein Tipp an die Scouts des Vereins nicht unmöglich ist. Man kann also leicht entdeckt werden und zu einem Fußballidol aufsteigen mit allem, was dazu gehört, also hohes Einkommen, klasse Auto und tolle Frau.

Wenn man dann noch in der Nähe der Bahrsplate wohnt, sind mit dem Spielraum-Konzept wirklich Kinder- und Jugendträume wahr geworden.

Da war es wirklich gut, dass niemand einen Rotstift ansetzen konnte, sondern Mittel aus verschiedenen Töpfen gebündelt wurden. Ein ausgebauter alter Platz hier und eine Renovierung dort hätten doch nur Mittel verplempert und niemals zu so einem Schmuckstück wie jetzt auf der Bahrsplate geführt

Man kann doch wirklich in Blumenthal glücklich sein, wenn man Fußball spielen will und in der Nähe der Bahrsplate lebt. Da muss man dem Vereinsvorsitzenden, der auch hier wohnt, wirklich dankbar sein! Hat er nicht diese toten Stiftungsgelder, die für soziale Brennpunkte eingesetzt werden sollten, für den Bau dieses ansehnlichen Bolzplatzes kombiniert, der wenigstens einige Jugendliche, die auf der Schattenseite standen, einmal auf der Sonnenseite bolzen lässt.

Wer diesen coolen Bolzplatz sieht, wird kaum über Politikermeinungen zur sozialen Gerechtigkeit grübeln. Wenigstens einmal sollte auch das Beste für Blumenthal gerade gut genug sein.

Und wenn jemand von einer ungleichen Behandlung der Einwohner im gesamten Stadtbezirk sprechen sollte, muss man den fragen: Liegt es etwa am Vorsitzenden des Fördervereins, wenn nicht jeder gern Fußball spielt oder in der Nähe der Bahrsplate wohnt? Das kann man ihm doch nun wirklich nicht vorwerfen, auch wenn sonst alle seine Leistungen schlechtgeredet werden.

Warum sollen nicht wenigstens einmal die fußballbegeisterten Jugendlichen an der Bahrsplate begünstigt werden und nicht immer nur die Kinder der Reichen und Schönen?


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zuletzt bearbeitet 01.08.2014 | Top

"Kein Problem mit der Kamera"

#24 von Lola2 , 07.08.2014 07:10

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,915140.html

Zitat
Jugendliche von der Bahrsplate kritisieren Negativdebatte - 07.08.2014
„Kein Problem mit der Kamera“
Von Klaus Grunewald

Blumenthal. Seit vier Wochen gibt es den Bolzplatz auf der Bahrsplate. Doch während sich Kinder und Jugendliche rundum begeistert zeigen, hat sich die öffentliche Debatte über die Videoüberwachung der Anlage zu einem kommunalpolitischen Schwelbrand entwickelt. Derweil laufen die Ermittlungen der Datenschützer.
„Die Diskussion geht in die falsche Richtung“, sagt Ahmet Erkek. Der 19-Jährige gehört zum Team Spielraum, das den Spielbetrieb auf dem neuen Kunstrasenplatz organisiert. Alles laufe bestens, wenn da nur nicht die ständigen negativen Debatten wären, ärgern sich Erkek und seine Mitstreiter. Damit sprechen sie ein Thema an, das die gesellschaftliche Bedeutung der Anlage aus ihrer Sicht leider in den Hintergrund dränge. Tatsächlich ist das Projekt „Spielraum“, vor allem finanziert von Werder Bremen und einem internationalen Sportausstatter, mit dem Integrationspreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgezeichnet worden.
Zitat Ende

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Richtige Richtung?

#25 von Reinhard , 07.08.2014 09:41

Richtige Richtung?


Es ist schön, wenn jemand weiß, wo die „richtige“ Richtung ist. Nur sollte er dabei immer beachten, dass es sich dabei nicht ausschließlich um das handelt, was zu seinem eigenen Vorteil ist.

Durch den Artikel „Kein Problem mit der Kamera“ im Weser-Kurier haben jetzt die „Bolzplatzaristokraten“, also die jungen Kicker, die nur „Fußball. Fußball. Fußball“ wollen, wie es auf der Einladung zur Bolzplatzeröffnung auf der Bahrsplate hieß, ein Gesicht bekommen. Das ist, ohne dass man dabei zu viele Vorurteile besitzen muss, sogar ein sechsfaches Gesicht mit Migrationshintergrund. Daher kann man sich sogar fragen, ob es in diesem Fall für Integration oder eher für eine Parallelgesellschaft steht.

Doch das sind eher nebensächliche Fragen. Die zentrale Aussage der Jugendlichen, die sich nach ihrer Aussage aus eigenem Antrieb mit der Presse zusammengesetzt haben, ist eine andere. Sie erklären, der Bolzplatz auf der Bahrsplate könne nur ein positives Projekt sein, weil Werder Bremen und sein Ausrüster Nike für ihr SPIELRAUM-Konzept mit einem Integrationspreis ausgezeichnet worden sind.

Damit scheinen die Fußballfans einen möglichen Unterschied zwischen Theorie und Realität nicht sehen zu können oder zu wollen. Der ist jedoch unschwer erkennbar:

- Das Werder-Konzept sieht keine Bolzplätze deluxe vor, sondern einfache Plätze, für die die Sponsorensumme des Vereins ausgereicht hätte. Hier wurde die Summe jedoch zugunsten der Fußballfans, die sich auf der Bahrsplate treffen, auf das Dreifache erhöht. Sie können sich daher als „Bolzplatzaristokraten“ in Bremen fühlen und diesen Traumstatus mit allen Mitteln verteidigen wollen.

- Das Werder-Konzept kennt keine Videoüberwachung, die in einem Rechtsstaat nach dem Gesetz und nicht nach der Meinung einiger Bolzplatzfans zu beurteilen ist.

- Das Werder-Konzept sieht nicht vor, dass mit dem Grundstückseigentümer keine ausreichenden Vereinbarungen getroffen werden.


Doch was empfiehlt das Sprichwort? "Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul" Und das schon gar nicht, wenn es sich um ein teures Rennpferd handelt.

Ohnehin ist ein differenziertes Denken nicht nur ein Problem für die Jugendlichen, wenn Vereinsvorsitzende glauben, bereits korrekt zu handeln, weil sie dazu verpflichtet sind.

Wenn das so wäre, sähe die Welt vermutlich ganz anders aus.

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RE: "Kein Problem mit der Kamera"

#26 von fight4yrights , 07.08.2014 09:42

Hier werden fußballbegeisterte Jugendliche instrumentalisiert, die von fundamentalen Bürgerrechten offenbar keine Ahnung haben.
Gegen eine Videoüberwachung die vorher öffentlich gemacht wird und nicht hinterher / durch Zufall bekannt wird, ist überhaupt nichts einzuwenden.
Heimliche Aufzeichnungen (woher weiß der Antragsteller im Beirat Blumenthal eigentlich von der Existenz der Kamera???) und fragwürdige Datenspeicherung sind nicht akzeptabel.

Vielleicht gehen ja die Videobilder der Fußballspielenden an die "Hähnchentruppe" Werder. So mancher Fußballstar ist ja durch Zufall entdeckt worden.
LG
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geschrieben, bevor ich deinen Beitrag lesen konnte, Reinhard


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zuletzt bearbeitet 07.08.2014 | Top

Blumenthaler Standortentscheidungen

#27 von Reinhard , 13.08.2014 08:33

Blumenthaler Standortentscheidungen

Sind wirklich immer die anderen schuld? Vielleicht, weil sie von Neid zerfressen sind und den Blumenthalern nicht einen Bolzplatz deluxe gönnen, wie es bei der Diskussion um die Videoüberwachung des Bolzplatzes auf der Bahrsplate anklingt?

Oder haben vielleicht sogar die Entscheidungsträger selbst einen Fehler gemacht, als sie einige absehbare Folgen ihres Handelns nicht bedacht haben? War nicht der Standort auf der Bahrsplate schon immer zappenduster, sodass ein anderer Standort für einen Bolzplatz in Blumenthal sicherer gewesen?

Hätte man sich vielleicht besser anders entscheiden sollen? Also möglicherweise wenige Geld in die Luxusausführung des Bolzplatzes stecken dürfen und dafür Geld für eine Standort- und Rechtsberatung übrig gehabt.

Das sind Fragen, die sich Menschen stellen, die auch schon einmal über ihr Handeln nachdenken. Aber das sind zweifellos nicht alle.

Alle treffen jedoch täglich Entscheidungen und einige haben Positionen inne, in denen sie sogar das Leben anderer mitbestimmen, die Entwicklung eines ganzes Ortes oder in einigen Fällen sogar noch mehr bestimmen, wie gerade bei den aktuellen politischen Krisen deutlich wird.

Es macht also Sinn, sich einmal mit dem Weg näher zu beschäftigen, auf dem wir selbst und andere zu Entscheidungen gelangen

Man kann sich so entscheiden, wie man es schon immer getan hat oder es nach einem Bauchgefühl machen. Nicht selten hat auch jemand eine Idee, die ihn nicht mehr loslässt, sodass er für Alternativen kaum noch offen ist, sondern nur noch nach weiteren mehr oder weniger schlechten Gründen für seine Entscheidung sucht.

In Blumenthal gibt es hierfür zwei fast ideale Beispiele. Das eine ist der Wunsch mächtiger Lobbyisten auf dem BWK-Gelände unbedingt eine Kaje zu bauen obwohl dafür nicht einmal die BWK in ihren letzten Jahrzehnten eine Verwendung hatte und inzwischen die Logistik noch stärker auf den Versand mit Containern ausgerichtet ist, die in Seehäfen wie Bremerhaven oder dem ebenfalls von Bremen geförderten Wilhelmshaven ihren Weg in die Welt antreten.

Das andere Beispiel ist der Bolzplatz. Hier wurde bisher nirgends die Öffentlichkeit darüber informiert, warum es offenbar nur diesen „richtigen“ Standort ohne Strom und Wasser gibt, also ohne Beleuchtung, aber auch ohne sanitäre Anlagen wie Duschen und Toiletten.

Dabei werden jetzt sogar Gründe genannt, die dagegen sprechen, wenn es in einem Interview bei Radio Bremen heißt: „Hier ist nachts niemand. Der Park ist nicht beleuchtet. Der Beirat Blumenthal hat ganz oft schon den Antrag gestellt und Geld eingefordert, dass dieser Park erschlossen wird, dass man hier Strom und Wasser hinpacken kann und dass es hier auch hell wird. Nachts sind das hier Angsträume...“

So haben alle die bösen Neider leichtes Spiel, weil Bremen das gewünschte Geld verweigert hat. Diese Knauser haben also offenbar den HSV-Fans, die die Werder-Raute demolieren wollen, Metalldieben, die sich am Zaun zu schaffen machen, und jugendlichen Gewalttätern ihr kriminelles Handwerk sehr erleichtert. Von dem üblichen Vandalismus ganz zu schweigen.

Hätte man das etwa bei der Standortwahl berücksichtigen müssen? Das wäre sicherlich mehr als notwendig gewesen, da alles vorhersehbar war. Aber offenbar musste es unbedingt eine Luxusspielfläche mit Plumpsklo an eben dieser Stelle sein, für deren bekannte Nachteile jetzt trotzdem andere verantwortlich sein sollen.

Da könnte man jedoch ebenso gut in der Weser nach Goldklumpen suchen, und sich, wenn man sie „überraschenderweise“ nicht findet, bei der Natur oder beim lieben Gott beschweren.

Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, um zu geeigneten Standorten zu gelangen. Man spricht dabei von rationalen, also „vernünftigen“, Entscheidungen.

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Doch kein Meisterstück?

#28 von Reinhard , 23.08.2014 11:02

Doch kein Meisterstück?

Es ist noch nicht lange her. Als in der letzten Adventszeit ein erster Spatenstich für den Bolzplatz auf der Bahrsplate mit anschließend signierten Spaten erfolgte, war die Euphorie beim Förderverein Bürgerstiftung Blumenthal wirklich groß, die er auf der Seite der real nicht existenten Bürgerstfitung Blumenthl ausdrückte. „Unser Meisterstück nähert sich der Realisierung“, hieß es dort am 19. 12. 2013.

Dieser ungetrübte Freude mit dem Bolzplatz deluxe für die 10- bis 14-jährigen, die in der Nähe der Bahrsplate leben, scheint jetzt nicht mehr vorhanden zu sein. Vielleicht nicht ganz unverständlich, weil damals noch die Baugenehmigung ausstand und auch ein Überlassungsvertrag vom Bausenator angemahnt werden musste. Von dem Ärger mit dem Datenschutz ganz zu schweigen.

Jedoch sind das ja nur die Dinge in einem modernen Staat, mit denen sich jeder Bürger herumschlagen muss, sodass man nicht unbedingt der Meinung sein muss, dass ein Verwaltungsbeamter über solchen Vorschriften steht.

Aber das sind natürlich nur Vermutungen. Tatsache ist hingegen, dass der Vereinsvorsitzende, der im Dezember voller Stolz von einem Meisterwerk gesprochen hat, sich daran anscheinend nicht mehr erinnert.

Und nicht nur das! Aus seiner Erinnerungslücke machte er gleich einen Vorwurf gegen andere. So schrieb er auf seiner Facebookseite: „Spannend ist, dass von unserer Seite niemand jemals von einem "Meisterstück" gesprochen hat. Aber das ist den Bloggern egal. Hauptsache Behauptungen aufstellen...“

Das musste natürlich richtiggestellt werden. Zwar kann sich jeder irren, nur sollte er dann wenigstens aus seinen Fehlern nicht noch Kritik gegen andere ableiten. Sonst sieht es leicht so aus, als ob es gar nicht um Tatsachen, sondern um eine unsachliche Polemik geht.

Den wahren, aber angeblich vergessenen Sachverhalt kann man bisher unter http://www.buergerstiftung-blumenthal.de/page/2 aufrufen.

Das hat inzwischen auch der Vereinsvorsitzende des Fördervereins als Tatsache eingeräumt. Die weitere Reaktion steht jedoch noch aus, denn es ging schließlich vor allem um die zusätzliche Behauptung über die „Blogger“. Daher gab es hierzu den Vorschlag: „Ich würde mich freuen, wenn im Hinblick auf eine faire Diskussion für diese falsche Tatsachenbehauptung und die daraus gezogene Schlussfolgerung eine Entschuldigung erfolgt.

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Bolzplätze und soziale Gerechtigkeit

#29 von Reinhard , 09.09.2014 20:04

Bolzplätze und soziale Gerechtigkeit

Das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit bezieht sich nicht nur auf auf eine gleiche Bezahlung von Männern und Frauen oder die Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen den „Reichen“ und den „Armen“.

Es lässt sich auch auf die infrastrukturelle Ausstattung, also etwa die Verteilung von Arztpraxen oder Kindergärten, innerhalb einer Stadt anwenden. Dann sprechen die Fachleute in der Regel von sozialen Disparitäten.

Dieses Prinzip besitzt sogar, wenn man von gleichwertigen Lebensverhältnissen in den Bundesländern spricht, Verfassungsrang (Art. 72 Abs. 2 GG)

Soweit muss man jedoch nicht gehen, wenn man einmal den Standort des Bolzplatzes auf der Bahrsplate im Hinblick auf die innerörtliche Verteilungsgerechtigkeit hin untersucht.

Nimmt man als Indikator für eine soziale Benachteiligung eines Quartiers den Anteil der Bewohner, die auf Transferzahlungen angewiesen sind, so gehören die guten Wohnstandorte in den beiden an die Bahrsplate angrenzenden Baublöcke 53 1103 und 531104 kaum zu den sozial benachteiligten Teilen Blumenthals, da der Anteil der Hartz IV-Empfänger 10% beträgt. Relativ gering ist hier außerdem die Zahl der potenziellen Benutzer des Bolzplatzes, denn der Anteil der unter 18-jährigen liegt hier zwischen 4 % und 13 % in den beiden Blöcken.

Ganz anders sind diese Zahlen für den Baublock an der George-Albrecht-Straße, dessen soziale Probleme erst den Blick des Sponsors Werder Bremen auf Blumenthal gelenkt haben. Hier beziehen 43,7 % der Einwohner Hartz IV, obwohl Asylsuchende wie viele Roma nicht anspruchsberechtigt sind, und der Anteil der unter 18-jährigen ist mit fast 34 % ebenfalls um das Vierfache höher.

Im Hinblick auf den Abbau sozialer Disparitäten oder das vielbeschworene Prinzip der sozialen Gerechtigkeit ist der Standort des Bolzplatzes auf der Bahrsplate also keineswegs ein „Meisterstück“.

Das wird sicherlich im Laufe der Zeit auch den Vielen nicht verborgen bleiben, die dort nicht bolzen.

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Recht statt juristischer Spielchen

#30 von Reinhard , 27.09.2014 15:02

Recht statt juristischer Spielchen

Wie das BLV Mitte der Woche berichtet hat, ist etwas eingetreten, was nach den juristischen Spielchen in der Beiratssitzung nicht unbedingt zu erwarten war. Dort hatten die Grünen zunächst die Vorstandmitglieder des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal für befangen erklärt, um die Mehrheitsverhältnisse zu ihren Gunsten zu verändern, da es sich um Mitglieder der SPD- und CDU-Fraktion handelt. Das hatte die SPD mit einem ähnlichen Antrag gegen die beiden grünen Beiratsmiglieder gekontert, um dadurch den Beirat beschlussunfähig zu machen.

Grundlage für dieses Machtspiel soll der § 20 des Bremer Ortsbeirätegesetzes sein. Danach gilt ein Mitwirkungsverbot, wenn die Entscheidung einem Beiratsmitglied „einen unmittelbaren Vor- oder Nachteil bringen kann.“ Wie das im vorliegenden Fall einer Strafanzeige gegen unbekannt bei der Videoüberwachung eintreten kann, ist schwer erkennbar, vor allem wenn man an die jetzt getroffene Regelung denkt. Das gilt vor allem für die beiden grünen Beiratsmitglieder, die mit der Entscheidung zur Videoüberwachung nichts zu tun hatten, da keiner Mitglied im Vorstand des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal ist.

Hatte man nach diesem Scharmützel mit langwierigen juristischen Disputen gerechnet, wurde man jetzt mit der Nachricht von einer Einigung zwischen dem Vorsitzenden des Fördervereins und der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (LfDI) überrascht, denn auch ohne den so hart umkämpften Bürgerantrag wurden dessen Fragen nicht nur indirekt beantwortet, sondern vermutlich sogar inhaltlich im gewünschten Sinne entschieden. So wird jetzt keine öffentliche Fläche mehr von der Wohnung des Ortsamtsleiters aus videoüberwacht. Nur die Meinung des Beirats zur zunächst durchgeführten Videoüberwachung muss man aus den Vorgängen um die teilweise haarspalterischen juristischen Spielchen vor und während der Beiratssitzung ableiten, was sicherlich nicht schwer fällt.

Immerhin hat so das Persönlichkeitsrecht aller Bürger über die eigene Rechtsinterpretation eines einzelnen Bürgers gesiegt, auch wenn das der Vorsitzende des Fördervereins Bürgerstiftung anders zu sehen scheint.

Aber in dieser Hinsicht hätte bekanntlich eine transparentere Politik des Fördervereins dem politischen Klima und dem Ansehen Blumenthals sehr helfen können. Man hätte nur als Team planen und entscheiden müssen, wie es ohnehin bei einem Verein die Regel sein sollte. Dann hätte sicherlich jemand gewusst, dass nur bestehende Organisationen einen Bolzplatz bauen können und man für den Bau auch eine Absprache mit dem Grundstückseigentümer benötigt.

Die juristischen Machtspielchen sind durch den Versuch entstanden, unbedingt ein „Meisterstück“ mit einem falschen Vater wie ein über allen simplen irdischen Regeln stehendes Himmelsgeschenk einem bolzfreudigen Publikum präsentieren zu wollen.


Reinhard  
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zuletzt bearbeitet 27.09.2014 | Top

   

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Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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