Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

RE: RE:"Unwillige Behörde" Kommentar v. Christina Denker

#31 von Lola , 13.05.2014 09:32

In dem Kommentar geht es darum, dass erst ein gemeinnütziger Verein das Heft in die Hand nehmen mußte, damit überhaupt eine Anmietung der Räumlichkeiten für den Quartierstreff geschaffen wurde.

Der Kommentar endet mit folgenden Worten: " Die Sozialbehörde von Senatorin Anja Stahmann muss sich fragen lassen, ob sie in Blumenthal überhaupt helfen will".

Hierzu fiel mir folgender Beitrag wieder ein:
Roma und Mhallamiye an der George-Albrecht-Straße


Zitat vormerken

Trügerischer Hoffnungsfaktor Alter

#6 von Reinhard , 13.06.2013 08:44

Trügerischer Hoffnungsfaktor Alter

Wenn man einmal in den älteren Publikationen der Bau- und Umweltbehörde virtuell blättert, stößt man auf einen Evaluationsbericht zum WiN-Konzept aus dem Jahr 2004.

Diese Studie ist bereits bemerkenswert, da sie nicht wie ein bestelltes Gutachten aussieht, sondern sogar durchaus kritische Hinweise enthält. Das ist sicherlich im politischen Raum recht ungewöhnlich und hatte auch keine erkennbaren Auswirkungen auf die weiteren Entscheidungen in Bremen.

Das gilt – und das ist der hier interessierende Punkt - auch für die Hinweise, die dort vor knapp zehn Jahren dem Senator zum Gebiet an der George-Albrecht-Straße gegeben wurden.

Die Autoren sahen damals einen „Handlungsbedarf“ in diesem „problematischen Kleingebiet“, das unter insgesamt elf kleinräumigen Probleminseln aufgrund einer gewichteten sozialen Problematik auf Platz 1 rangierte (vgl. Tab. 8.6). Damals betrug hier der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund 61,7 %, während es über die Bezieher von Transferleistungen keine Daten gibt, da damals die Umstellung im Rahmen der Agenda-Politik erfolgte.

Inzwischen ist ein Jahrzehnt ins Land gegangen und die Sozialbehörde ist damit beschäftigt, erste Erhebungsdaten auszuwerten.

Da kann man leicht auf den Gedanken kommen, dass die Verwaltung hier auf den Faktor Zeit mit seinen vermeintlichen Folgen setzt. So ist der Anteil der über 65jährigen im größten Baublock des benachbarten WiN-Gebietes Lüssum-Bockhorn inzwischen auf 33,7 % gestiegen. Diese veränderte Altersstruktur kann schon ein Faktor sein, der sichtbare soziale Problem erheblich reduziert. Man denke nur an die Jugendkriminalität.

Nur sieht es an der George-Abrecht-Straße anders aus. Hier bekommen die Bewohner noch Kinder und der Baublock hat damit eine der jüngsten Bevölkerungen von ganz Bremen.

Wenn man die Statistik richtig liest, kann man daher nicht darauf setzen, dass das Alter der Bewohner die Problemlage quasi von selbst entschärft.

Es macht also keinen Sinn, wenn man sich mit der Datenauswertung, der Konzeptentwicklung und vor allem dem Einsatz von Maßnahmen weiterhin Zeit lässt.
Zitat Ende

http://edoc.vifapol.de/opus/volltexte/20...P_13_2007_1.pdf
Zitat
Zusammenfassung
In den Jahren der Großen Koalition spielte si
ch die Bremer Sozialpolitik unter schwie-
rigen Rahmenbedingungen ab. Bremen hatte
sich als Haushaltsnotlageland gegenüber
dem Bund – als Gegenleistung für 8,5 Mrd. Euro
Sanierungshilfen – zur Konsolidierung
der Haushalte bis Ende 2004 verpflichtet. Die
Sozialpolitik leistete erhebliche finanziel-
le Beiträge zur Sanierung des Landes und der
Stadt Bremen. Dies geschah nicht nur
durch Kürzungen von sozialen Leistungen, s
ondern in stärkerem Umfang durch eine
sozialpolitische Neuorientierung. Die Steuerung von Sozialleistungen nach fachlichen
Vorgaben, die Entwicklung neuer Leitbild
er, wie Aktivierung und Stärkung der Eigen-
verantwortung, sowie die Umsetzung neuer M
odelle und Prinzipien in der Sozialver-
waltung, erhielten großes Gewicht. Zugleich
wurde die Kindertagesbetreuung stärker
ausgebaut. Die Gleichstellung von Menschen
mit Behinderungen wurde verbessert und
die Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern erheblich ausgeweitet. Für die
Kinder- und Jugendförderung und für Stadtteile
mit besonderen sozialen Problemlagen
wurden neue Programme entwickelt, die zu
einer breiten Beteiligung der Betroffenen
führten. Die folgende Darstellung soll auf
zeigen, wie die Schwerpunkte der Sozialpoli-
tik in diesen Jahren neu bestimmt wurden.

auf Seite 40 - 3.2.8 Verstärkte Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern

http://www.politik.uni-mainz.de/cms/Date...13.11.07%29.pdf
Unter 2.2 die Großen Koalitionen in Bremen - von 1995 - 2005 SPD/CDU

2005 - 2007 -- Rot/Grün http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_B...3%BCrgermeister

http://de.wikipedia.org/wiki/Senat_B%C3%B6hrnsen_III
Im Senat Böhrnsen III ab 2011 wurde das Sozialresort von Bündnis90/Die Grünen geleitet.

Vorher, sowie in der Zeit der 10-jährigen "Großen Koalition" stellte die SPD den Sozialsenator/Senatorin.

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,467122.html
Zitat
Vorschlag für George-Albrecht-Straße - 05.01.2013 - 1 Kommentar
Gewoba soll Häuser kaufen
Von Christina Denker

Bremen-Nord. Blumenthal. Nach dem Willen der Blumenthaler SPD- und CDU-Fraktionen soll die Gewoba mit ihren Sanierungserfahrungen mithelfen, soziale und ethnische Probleme in der George-Albrecht-Straße und in der Mühlenstraße zu beseitigen. Dazu fordern die beiden Fraktionen den Senator für Umwelt, Bau und Verkehr in einem Dringlichkeitsantrag auf, die stadteigene Gesellschaft zu motivieren, im Bereich des Blumenthaler Zentrums aktiv zu werden. Konkret stellen sich die Stadtteilpolitiker einen Ankauf oder eine Ersteigerung von Wohnungen durch die Gewoba vor. Letztendlich erhoffen sich SPD und CDU davon eine stärkere kulturelle Mischung in der George-Albrecht-Straße.
Zitat Ende

Und" schwupps" landen wir wieder im Jahr 2004 am Anfang meines Postings: Trügerischer Hoffnungsfaktor Alter


Lola  
Lola
Beiträge: 1.197
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 13.05.2014 | Top

RE: RE..nur mal so..

#32 von Lola , 13.05.2014 11:31

...damit es komplett ist, die Liste der Senatoren für Bau, Umwelt und Verkehr:

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_U...oren_von_Bremen

2003 -2007 wurde der Senator von der CDU gestellt.

Lola  
Lola
Beiträge: 1.197
Registriert am: 24.01.2013


Hilfekonzept der Sozialsenatorin im Blumenthaler Beirat

#33 von Reinhard , 13.05.2014 17:22

Hilfekonzept der Sozialsenatorin im Blumenthaler Beirat

Die von Frau Denker in ihrem Kommentar im Weser-Kurier gestellte Frage an die Sozialsenatorin, ob die Sozialbehörde mit dem flankierenden WiN-Gebiet in Blumenthal „überhaupt helfen will“ wird am kommenden Montag auch im Blumenthaler Beirat angesprochen. Nach der vorläufigen Tagesordnung soll dort als Punkt 5 der Bürgerantrag „Aktuelle Probleme bei der Entwicklung des WiN-Gebietes "Altes Zentrum Blumenthal" behandelt werden.

Darin wird der Beirat u.a. gebeten, „bei der Sozialsenatorin nachzufragen, ob sie tatsächlich ein Projekt nach nur gut einem Jahr Laufzeit abbrechen will, wenn man von der Zeit ausgeht, in der mit einem Quartierszentrum die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit geschaffen wurden. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass aufgrund der zu engen zeitlichen Begrenzung ein langwieriger Entwicklungsprozess plötzlich abgebrochen wird, womit die investierten personellen und monetären Ressourcen praktisch entwertet werden.“

Außerdem wird für den Fall, dass die Sozialbehörde tatsächlich trotz der Anlaufprobleme, die größtenteils gerade diese senatorische Instanz zu verantworten hat, keine vernünftige Fortführung des Projektes in Aussicht stellt, der Beirat zusätzlich gebeten, „sich für eine ausreichende Verlängerung einzusetzen.“ Dazu wird vorgeschlagen, „eine Weiterführung … von einer Evaluation des erreichten Entwicklungsstandes abhängig“ zu machen „und auch auf eingeworbene EU- und Stiftungsmittel zurückzugreifen“.

Man kann also gespannt drauf warten, ob de Sozialbehörde ihr Hilfskonzept für das WiN- Gebiet und vor allem einen nachvollziehbaren Maßnahmenplan für seinen Erfolg darlegen kann.

Allerdings kann ein bisschen Geduld erforderlich sein, denn nach dem Bremer Landesgesetz muss eine schriftliche Antwort auf die Fragen erst nach sechs Wochen erfolgen.

Oder wird etwa der Beirat die Frage gar nicht weiterleiten wollen? Auch das soll schon vorgekommen sein

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Solidarität und moralische Verpflichtungen

#34 von Reinhard , 17.05.2014 12:36

Solidarität und moralische Verpflichtungen

Der Stadtteil Blumenthal steht mit seinen Problemen nicht allein, denn er kann solidarische Hilfe nutzen. Das hat sich nach den Medienberichten über den sozialen Brennpunkt „George-Albrecht-Straße“ Ende 2012 gezeigt. Damals wurden nicht nur die Bürgerschaftsfraktionen wach und haben einen Antrag über „Vernetzte Quartiersentwicklung im Umfeld der George-Albrecht-Straße!“ verabschiedet.

Danach haben sich in guter Bremer Tradition auch private Sponsoren gefunden, um Blumenthal auf den Gebieten, auf die sie ausgerichtet sind, finanziell mit gezielten Projekten unter die Arme zu greifen. Damit wollen sie dazu beitragen, die gravierende Problemsituation im alten Kern der ehemaligen Kreisstadt wenigstens zu entschärfen.

So führten die Berichte über die Vorfälle in und am Rande der George-Albrecht-Straße, die zunächst nur das Image Blumenthals zu belasten schienen, zu konkreten Angeboten von Werder Bremen und der Kindergeldstiftung.

Beim Fußballbundesligisten wurde ein Mitarbeiter der CSR-Marke „ WERDER BEWEGT – LEBENSLANG“ im Rahmen des SPIELRAUM-Projekts auf die Situation aufmerksam und sah eine fast ideale Verbindung; denn Werder Bremen will mit Bolzplätzen in sozial benachteiligten Stadtteilen „hautnah erlebbar machen, wie Fußball verbindet und auch Heranwachsenden, die „die aus unterschiedlichsten Gründen nicht den Weg in den Verein finden“ „Werte wie Fairness, Respekt und Toleranz“ vermitteln.

Ähnlich war es bei der Kindergeldstiftung, die mit ihrem Projekt „Bildungsbrücke“ „Kindern aus armen Familien dabei helfen“ will, „die Nebenkosten der Schulbildung zu tragen“.

Da es der Bremer Sozialbehörde erst sehr langsam gelungen ist, im „alten Blumenthaler Zentrum“, zu dem auch die George-Albrecht-Straße und ihre Umgebung gezählt werden, ein flankierendes WiN-Gebiet zu etablieren, sind die Entwicklungen der drei Projektstränge zunächst unkoordiniert erfolgt.

So erfährt man etwa auf der Seite des Blumenthaler Trägers, also der Bürgerstiftung, nichts von einer Vernetzung mit dem WiN-Projekt. Auch dürfte diese Institution vermutlich anders als die Träger der anderen Bolzplatz-Projekte selbst kaum über sozialpädagogische Kompetenz verfügen. Vielmehr scheinen die Intentionen in eine ganz andere Richtung zu gehen, wenn es als Erfolg herausgestellt wird, dass eine Schule und ein Sportverein Trainingseinheiten anbieten wollen.

Die ursprüngliche Absicht des Projektes SPIELRAUM, nach der „in sozial benachteiligten Stadtteilen der „typische Bolzplatz-Gedanke wieder zum Leben erweckt“ werden soll, indem „Kinder sich beim Fußball austoben statt zu Hause vorm Fernseher zu sitzen", scheint daher eher in den Hintergrund zu rücken.

Ähnlich offen ist die Entwicklung beim Projekt der Bildungsbrücke, das auch Familien ermutigen soll, „ihre Rechte einzufordern“, also nicht nur in einer sachgerechten Verteilung von Geldern besteht.

Damit scheinen die drei Projekte ein Eigenleben zu entwickeln, obwohl sie von ihren Ausgangspositionen her dieselben Zielsetzungen verfolgen: den Abbau der Konflikte im Umfeld der George-Albrecht-Straße und zwar nicht zuletzt durch Maßnahmen, die den dort lebenden Kindern und Jugendlichen bessere Integrationschancen eröffnen.

Glücklicherweise weist ein aktueller Bürgerantrag "Aktuelle Probleme bei der Entwicklung des WiN-Gebietes „Altes Zentrum Blumenthal“ auf diese ursprüngliche Zielsetzung hin und fragt nach der tatsächlichen Vernetzung dieser Ansätze, wie sie der Bürgerschaftsbeschluss entsprechend seinem Titel als wichtige Aufgabe für das WiN-Management in den Vordergrund gerückt hat. Hier sollte deutlich werden, wie die Teilprojekte aufeinander abgestimmt und welche besonderen Leistungen gerade aus einem Zusammenwirken zu erwarten sind.

Daneben sollte jedoch auch ein moralischer Aspekt nicht völlig vernachlässigt werden. Auch wenn die Sponsoren ihre Gelder fremden Trägen anvertraut haben, werden sie darauf achten, ob die Mittel auch in ihrem Sinne verwendet werden oder ob sich daraus Maßnahmen entwickeln, mit denen ganz andere Ziel verfolgt werden.

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Berechtigter Stolz auf das Erreichte?

#35 von Reinhard , 19.05.2014 10:56

Berechtigter Stolz auf das Erreichte?

Nach zahlreichen Vorankündigungen, die man seit dem Herbst letzten Jahres in einem monatlichen Turnus in der Presse lesen konnte, ist jetzt das eingetreten, womit Skeptiker vielleicht gar nicht mehr so schnell gerechnet haben. Der Bremer Sozialbehörde ist es gelungen, Räume für einen Quartierstreffpunkt in Blumenthal anzumieten. Das schien zunächst keine schwierige Aufgabe zu sein, da die Sozialpolitiker, die den Antrag „Vernetzte Quartiersentwicklung im Umfeld der George-Albrecht-Straße!“ formuliert haben, bereits angesichts der zahlreichen Leerstände an der Mühlenstraße konkrete Vorschläge vor Augen hatten, wie man aus ihren Kommentaren schließen konnte. Aber das war Ende 2012 und damals hatte sich die Sozialbehörde noch nicht mit der Sache beschäftigt.

Nachdem seitdem einiges Weserwasser zu Nordsee geflossen ist, hat jetzt nach einem Bericht im BLV von Mitte Mai 2014 (!) die Sozialsenatorin erklärt: „Ich bin froh, dass wir endlich die räumlichen Voraussetzungen schaffen konnten, damit sich in diesem sensiblen Quartier in Blumenthal ein ganz wichtiges Unterstützungsangebot entwickeln kann“.

Diese Entwicklung dürfte vor allem Zeit erfordern, wie ein Blick auf die älteren WiN-Gebiete zeigt. Für die Neue Vahr und Tenever, um nur zwei Beisiele zu nehmen, wurde keine zeitliche Begrenzung auf nur zwei Jahre wie in Blumenthal beschlossen, von denen ein Jahr mehr oder weniger für die Suche, Anmietung und Herrichtung eines Quartiersteffpunktes benötigt wurde. Dort wird bereits seit 1983 gefördert und in der Form des WiN-Programms seit 1998. In diesen Gebieten hat Bremen also einen sehr langen Atem, der in Blumenthal offenbar fehlt.

Daher kann man nun mit Spannung erwarten, wie die Sozialbehörde den Bürgerantrag "Aktuelle Probleme bei der Entwicklung des WiN-Gebietes „Altes Zentrum Blumenthal“ beantworten wird, der Fragen zu dieser problematischen Kurzfristigkeit der Maßnahme stellt. Schließlich besteht dadurch die Gefahr, dass die Maßnahmen gerade dann wieder abgebrochen werden müssen, wenn ein Vertrauensverhältnis zwischen den Bewohnern und der Quartiersmanagerin sowie den Mitarbeitern der beteiligten Projekte aufgebaut worden ist. Dadurch hätte man dann vermutlich Zeit und Geld völlig vergeblich investiert.

Jedoch besteht auch unabhängig vom Zeitaspekt kein Grund für ein Selbstlob der Sozialbehörde.

Um ein objektives Urteil über ihre Leistung fällen zu können, muss man sie an dem Antrag messen, den die Bürgerschaft Ende 2012 verabschiedet hat. Darin war weniger von einer Spielstraße oder einem Roma-Frühstück die Rede, sondern von Aufgaben, an die anscheinend inzwischen niemand mehr denkt.

Beschlossen wurden so von der Bürgerschaft:

- „städtebauliche Maßnahmen, um die soziale Situation des Quartiers zu verbessern. Dazu könnten beispielsweise Spielräume für Kinder, Sportangebote (Reaktivierung des Fußballplatzes) und Treffpunkte für Jugendliche und Begegnungsräume für Erwachsene gehören, etwa mittels Zwischennutzungen von Leerständen.“ Offenbar haben hier die Antragsteller durchaus Möglichkeiten im Quartier und nicht nur auf der Bahrsplate gesehen!

- die Stärkung des Sicherheitsgefühls „durch die Beseitigung von Angstorten“, also ein Konzept, das nicht gerade mit Patrouillen gleichzusetzen ist, wie sie jetzt gefordert werden,

- der Ausbau der U3-Kindertagesbetreuung in Blumenthal, um weitere Betreuungsplätze in unmittelbarer Nähe der George-Albrecht-Straße anzubieten,

- Sprach- und Integrationsmittlerinnen und -mittler als weitere Unterstützung der Bewohnerinnen und Bewohner einzusetzen,

- eine regelmäßige Sprechstunde des Kontaktpolizisten im Quartierstreffpunkt

- spezifische arbeitsmarkt- bzw. beschäftigungspolitische Maßnahmen und Bildungsangebote, die den Bewohnerinnen und Bewohnern eine bessere Erwerbsperspektive eröffnen,

- städtebauliche Maßnahmen, die die Wohn,- Sicherheits- und Lebensqualität in dem Quartier verbessern,

- eine Stabilisierung der ausländerrechtlichen Aufenthaltssituation von Bewohnerinnen und Bewohnern des Quartiers sowie

- halbjährliche Berichte der Deputation für Soziales, Kinder und Jugend, der Deputation für Inneres und Sport, der Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Energie sowie dem Ausschuss für Bürgerbeteiligung, bürgerschaftliches Engagement und Beiräte beginnend im Frühjahr 2013.

Es gibt also noch sehr viel zu tun, wenn der Senat nur dem entsprechen will, was die Bürgerschaft von ihm einstimmig gefordert hat.

Oder haben etwa die Beschlüsse der gewählten Vertreter keine Bedeutung für die Bremer Verwaltung?

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Stadtteilentwicklungplanung oder sozialpädagogische Kosmetik?

#36 von Reinhard , 19.05.2014 13:55

Stadtteilentwicklungplanung oder sozialpädagogische Kosmetik?


Die Autoren des Antrags „Vernetzte Quartiersentwicklung im Umfeld der George-Albrecht-Straße!“, die selbst in ihren Fraktionen anerkannte Sozialpolitiker sind, haben gesehen, dass die Situation an der George-Albrecht-Straße und im gesamten “Alten“ Zentrum von Blumenthal mehr erfordert als einige sozialpädagogische Eingriffe.

Sie werden deshalb vermutlich erstaunt fragen „Ist das wirklich alles?“, wenn sie lesen, welche Projekte jetzt mit WiN-Mitteln im „Alten Zentrum Blumenthal“ umgesetzt werden sollen. Das mögen durchaus Anfänge sein, mit denen man Kontakte zu den Bewohnern knüfen kann, nur darf man sie nicht als Ziele eines WiN-Projekts missverstehen.

Das haben vor allem die Gutachter von proloco sehr deutlich ausgesprochen, wenn sie ein breites "Bündnis für Blumenthal" und ein "Leitbild für Blumenthal", also wesentliche Bestandteile einer Stadtteilentwicklungsplanung, gefordert haben.

Damit dürften die Gutachter den Ball auf den Blumenthaler Beirat gespielt haben, der allerdings offenbar diesen Pass nicht gesehen haben will.

Dabei sollte die Möglichkeit, selbst gestützt auf ein Gutachten das Schicksal des eigenen Stadtteils selbst zu gestalten und es nicht mehr den Bürokraten in den Ämtern in Vegesack oder der Bremer Innenstadt zu überlassen, durchaus eine Chance verdient haben.

Wer kennt schließlich den Stadtteil besser als die Blumenthalernnen und Blumenthaler und vor allem wer kann die Entwicklungsziele besser formulieren als die Betroffenen, die später mit den Ergebnissen leben müssen?

Wenn man also nicht anderen die Schuld dafür geben will, wenn sich Blumenthal weniger erfreulich entwickelt, als man es gehofft hat, sollte man diese Gelegenheit nutzen.

Doch dazu wird ein „Ruck“, ein gemeinsamer Aufbruch der Mehrheitsfraktionen, nötig sein und nicht eine kleine Maßnahme hier und eine weitere kleine Maßnahme dort, wobei nicht einmal klar ist, ob sich diese Maßnahmen tatsächlich ergänzen und nicht vielleicht sogar gegenseitig stören.

Dabei bieten sich Blumenthal gerade jetzt ganz besonders günstige Chancen, wie man sie in einem eigentlich bebauten Stadtteil sonst kaum findet. Mit der Industriebrache auf dem ehemaligen Werksgelände der BWK und dem Areal des Tanklagers Farge können zwei große Flächen neu geplant werden. Dadurch lassen sich die Weichen für die weitere Entwicklung Blumenthals stellen. Man kann durch einen Gewerbe- und Wohnpark nahe dem alten Zentrum Blumenthal aufwerten und man kann durch ein NS-Denk- und Informationszentrum Bremen-Blumenthal, um nur ein mögliches Beispiel zu nennen, das hier im Forum vorgestellt wurde, mehr Aufmerksamkeit auf Blumenthal lenken. Das setzt allerdings viel Engagement voraus, da hier vermutlich sehr dicke Bretter zu bohren sind.

Nur was ist die Alternative? Man kann auf die Bröckchen warten, die vom Bremer Tisch fallen, also ein Naturschutzgebiet hier und eine kleine Gewerbeverlagerung dort.

Es wird daher heute Abend sehr spannend, wenn der Blumenthaler Beirat über den Bürgerantrag „ Aktuelle Probleme bei der Entwicklung des WiN-Gebietes „Altes Zentrum Blumenthal“entscheiden muss. Dabei geht es vor allem auch um die Frage, wie er die Empfehlung von proloco aufgreifen will, die die Entwicklung eines Leitbildes für Blumenthal fordert, das von einem breiten „Bündnis für Blumenthal“ erarbeitet werden soll. Ziel ist es dabei für die Gutachter, „die Perspektivlosigkeit“ zu mildern und „neue Perspektiven für das ehemalige Zentrum von Blumenthal und seine Bewohner/innen aufgrund der verschiedenen, sich räumlich und inhaltlich überlagernder Problemlagen“ zu eröffnen.

Wird der Beirat diese Chance sehen und ergreifen? Oder will man lieber weiterhin jahrelang über einen toten Marktplatz, arbeitslose Immobilienmanager, missglückte Algenzuchten und in Gemüsebeete verwandelte gepflegte Rasenflächen in intakten Wohngebieten streiten?

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Auch neugierig?

#37 von Reinhard , 20.05.2014 11:46

Auch neugierig?

In seiner Sitzung am Montag hat der Beirat den Bürgerantrag „Aktuelle Probleme bei der Entwicklung des WiN-Gebietes „Altes Zentrum Blumenthal“ angenommen, und zwar ohne die sonst fast üblichen Modifikationen wie zuletzt beim Thema „Rönnebeck-Anomalie“, das dadurch von der Seite des Ortsamtes verschwunden ist, obwohl es angeblich Teil eines Forschungsauftrages werden soll.

Das war jetzt offenbar ganz anders. Liegt es vielleicht daran, dass nicht nur die Antragstellerin und Leser dieses Forum auf die Antworten neugierig sind, sondern auch die Beiräte selbst?

Gerade bei den Fragen an den Beirat selbst ist das eine spannende Überlegung.

Wollen vielleicht demnächst die Fraktionen öffentlich vorstellen, welche Entwicklungsziele sie für Blumenthal verfolgen? Dann könnte man bei einer derartigen Veranstaltung auch gleich die interessierten Zuhörer zur Mitarbeit in einem breiten „Bündnis für Blumenthal“ einladen, das gemeinsam ein Leitbild für den Stadtteil erarbeitet.

Wäre das nicht sogar nach dem Ortsbeirätegesetz eine Aufgabe für das Ortsamt und seinen Leiter, wenn es heißt „Die Ortsämter haben im Rahmen des Stadtteilmanagements insbesondere die Aufgabe, Maßnahmen und Planungen im Beiratsbereich nach § 8 zusammenzuführen...“, wobei im § 8 ausdrücklich „Stadtteilkonzepte“ genannt werden?

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Hoffnungsschimmer

#38 von Reinhard , 27.06.2014 11:07

Hoffnungsschimmer


Nachdem Ende 2012 auch in Blumenthal vehement Maßnahmen für den sozialen Brennpunkt "George-Albrecht-Straße“ gefordert wurden, scheinen jetzt viele dem inzwischen gestarteten konkreten WiN-Projekt eher skeptisch gegenüber zu stehen. Ein Grund dürfte sein, dass dieses Projekt offenbar nur mit großer Mühe seine Kinderkrankheiten überwindet. Sichtbares Zeichen dafür ist die fast unendliche Geschichte, die die Medien von der Suche nach einem Quartierszentrum in diversen Fortsetzungsberichten schildern mussten.

Grundproblem ist jedoch – und das wurde hier im Forum bereits mehrfach angesprochen – das Fehlen eines überzeugenden Gesamtkonzepts, das auch zumindest von den wichtigsten Beteiligten und Betroffenen unterstützt wird.

Schwierigkeiten ergeben sich vor allem aus der Fixierung auf das hier wenig passende WiN-Modell und aus der schwer nachvollziehbaren Abgrenzung eines größeren Fördergebietes mit einer heterogenen Bevölkerungsstruktur.

Da die zuständigen Stellen in Bremen kein zielgenaues Programm für die Roma und Mhallami entwickeln wollten, wie man es in anderen Städten für sinnvoll hält, müssen sie jetzt einen Spagat leisten, auf den Frau Drieling in ihrem aktuellen Kommentar „Glückseligkeit für alle gibt es nicht“ im BLV hinweist. Man muss einerseits dafür sorgen, dass die ethnischen Minderheiten besser in das deutsche Bildungs- und Arbeitsleben integriert werden. Gleichzeit darf andererseits eine derartige herausgehobene Politik, die sich nur auf einen Teil der Einwohner bezieht, jedoch nicht die Spannungen zwischen verschiedenen sozialen Gruppen innerhalb des neuen WiN-Gebietes erhöhen. Man braucht daher, wie es Frau Drieling fordert, „WiN-Projekte, die sich an alle Bewohner und nicht nur an einzelne Bevölkerungsgruppen wenden.“

Für diese notwendige Neuausrichtung der ersten Vergabe von unkoordinierten Einzelmaßnahmen nach dem Windhundprinzip kann die kommende zweite Vergaberunde beim 2. Quartiersrat am 1. Juli sorgen. Ein exemplarischer Schritt kann dabei der vorgesehene Bericht des Ortsamtsleiters und Vorsitzenden des Trägervereins sowie eines Vertreters vom Streetwork Team Nord über den Bolzplatz auf der Bahrsplate leisten, der erstmals als Teil des WiN-Konzepts vorgestellt werden soll. Ein Bolzplatz, auf dem nach einem überzeugenden pädagogischen Nutzungskonzept Kinder und Jugendliche aller sozialen Gruppen kicken können, nimmt allein von seinem finanziellen Gewicht her eine ganz wesentliche Weichenstellung vor. Er ist eine Maßnahme, die den Forderungen von Frau Drieling in idealer Weise entspricht.

Vielleicht ist bis 1. Juli auch noch genügend Zeit, um die Funktion des Quartiersmanagements umfassender zu sehen und umzusetzen. Vermutlich wird es notwendig sein, nicht erneut nur die Ideen und Projekte anderer zu verabschieden und zu vernetzen. Gerade nach den ersten Erfahrungen erscheint ein erweiterter Zugang nötig. Man muss zunächst konkret bestimmen, welche Aufgaben notwendig sind und dann die entsprechenden Projekte initiieren. Dabei sollte sowohl auf spezielle Fördermaßnahmen für die Roma als auch auf multikulturell ausgerichtete Projekte für das gesamte WiN-Gebiet geachtet werden. In jedem Fall muss im Interesse der Betroffenen und auch der Entwicklung Blumenthals die Zielgenauigkeit der Projekte wichtiger sein als eine schnelle Mittelvergabe.

Wenn die noch zur Verfügung stehenden Mittel in diesem Sinne gezielt eingesetzt werden, dürfte es trotz der vertanen Zeit und der teilweise fragwürdigen bisherigen Maßnahmen noch Hoffnung für einen Erfolg des flankierenden WiN-Projekts geben.

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Vermüllung: ein typischer Bestandteil einer Kultur?

#39 von Reinhard , 02.07.2014 13:47

Vermüllung: ein typischer Bestandteil einer Kultur?

Bekanntlich sind die weltweiten Standards im Umweltschutz unterschiedlich, auch wenn die Staaten zumindest bei der Belastung des Atmosphäre mit Kohlendioxid nach verbindlichen Abkommen suchen.

Das sieht im Alltagsleben noch etwas anders aus, wenn man an die Gesetzen in Singapur denkt, wo es das achtlose Fortwerfen von Abfall wie Zigarettenkippen mit hohen Geldstrafen verfolgt wird, während man auf Urlaubsreisen in andere Teile Europas und der Welt häufig wilde Müllplätze, Bauruinen und Autowracks in der Landschaft sieht, ohne dass daran anscheinen jemand Anstoß nimmt und die Gemeinde erkennbar eingreift.

Es gibt also kulturellen Unterschiede bei den Einstellungen gegenüber einer kleinen und größeren Vermüllung der Umwelt.

Aber daneben muss man diese Problematik auch in einer ganz anderen sozialpsychologischen Perspektive, die häufig nur in einer extremen psychischen Störung bei den Messies gesehen wird, aber nicht als eine Reaktion auf individuelle Erfahrungen mit dem eigenen Wohnumfeld.

Vermüllung ist keine kulturspezifische Eigenart, sondern ein Verhalten, in dem sich eine Einstellung gegenüber dem Wohnumfeld ausdrückt, zu dem man keinen positiven Bezug empfindet. Es wird nicht als eine Erweiterung der eigenen Wohnung gesehen, ist also keine „Nestbeschmutzung“. Vielmehr wird bereits die engste Umgebung wie das Treppenhaus, das Grundstück und die ständig benutzte Straße eher als etwas Fremdes wahrgenmmen, zu dem man selbst keinen positiven Bezug hat.

Diese Art von Vermüllung ist daher kein Teil dr Roma-Kultur wie ihre Sprache, Religion, Feste, Musik und soziale Regeln, sondern ein Verhalten, dass sich auch in anderen Bereichen finden lässt wie etwa auf Schulhöfen, wo sich keine Romakinder aufhalten.

Ein konzeptionell gut entwickeltes WiN-Projekt kann daher viel bewegen, da es die Identität der ethnischen Gruppe berücksichtigt, ja, sogar stärkt, und auf dieser Grundlage zu einem neuen Bewusstsein der ethnischen Minderheit führt, die sich auch als Blumenthaler sieht.

Das mag eine mittel- bis längerfristge Perspektive sein. Aber es gibt in anderen WiN-Gebieten gute Beispiele, wie die sichtbare Vermüllung rasch behoben werden kann. So kennt man in Tenever das Projekt Picobello, das als größte Müllsammelaktion Bremens bezeichnet wird. Damit wurde in Tenever auch gleich eine allgemeine Verschönerungsaktion verknüpft, sodass zumindest die Beteiligten ein ganz neue Beziehung zu ihrem Wohngebiet gewonnen haben.

Man muss mit anderen Worten in einer Vermüllung nicht gleich eine kulturelle, ethnische oder gar genetische Eigenart sehen. „Vermüllen“ ist nicht zwangsläufig „für die einen ganz normal – sonst würden sie nichts vermüllen". Dieses Verhalten dürfte vielmehr in den meisten Fällen eine allgemeine menschliche Reaktion auf lokale Identifikationsprobleme sein. Eine unerwünschte Vermüllung lässt sich daher nicht durch eine Benennung von angeblich schuldigen Bewohnern, aber durch eine gute Integrationspolitik und zielgenaue Maßnahmen durchaus beseitigen.


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 02.07.2014 | Top

RE: Vermüllung: ein typischer Bestandteil einer Kultur?

#40 von Lola2 , 03.07.2014 06:46

...am Sonntag vor einer Woche haben wir einen Spaziergang an der Weser-Bahrsplate unternommen.

Die Papierkörbe in der Nähe des Fähranlegers waren bis oben hin voll Müll und der Rest lag daneben, es waren Flaschen, Essensreste oder Verpackungsmüll u.a. von Fast Food Ketten u.s.w.

Die Verteilung in der Umgebung wird dann vom Wind übernommen.

Wer nun den Müll achtlos liegengelassen hat, das war nicht erkennbar und er war auch keiner Bevölkerungsgruppe zuzuordnen.

Vielleicht sollte die Verwaltung einmal den Versuch anregen, dass gerade in diesem Bereich auf der Bahrsplate an zwei oder drei Stellen große Tonnen od. ausgediente Fässer aufgestellt werden, denn offensichtlich sind die Papierkörbe zu klein.

Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014


"Bolzplatz auf der Bahrsplate ist beinahe fertig"

#41 von Lola2 , 03.07.2014 07:12

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,889399.html

Zitat
Zweite Sitzung des Quartierrats: Offizielle Eröffnung ist am 12. Juli / Doku plant Sommerfest auf dem Schillerplatz - 03.07.2014
Bolzplatz auf der Bahrsplate ist beinahe fertig
Von Volker Kölling

Blumenthal. Schon der Ort für die zweite Sitzung des Blumenthaler Quartierrates zeigt, dass sich etwas tut im Stadtteil. Quartiermanagerin Carola Schulz begrüßt die rund zwanzig Bürger in der ehemaligen Augenarztpraxis an der Kapitän-Dallmann-Straße. Noch fehlen Möbel, aber die Hausnummer 18 dient ab sofort als neuer Quartiertreff. Schulleiter sitzen neben Jugendlichen, der Pastor neben der Streetworkerin – und so wird einhundert Minuten lang aufgelistet, was wer wo in Blumenthal gerade so vorhat.
Zitat Ende

Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014


Rätselhafte „Nebensächlichkeit“

#42 von Reinhard , 03.07.2014 12:00

Rätselhafte „Nebensächlichkeit“

Wie der Weser-Kurier heute für seine Leser, die es noch nicht bemerkt haben, besonders erwähnt, ist der Bolzplatz auf der Bahrsplate ein „Lieblingsprojekt von Ortsamtsleiter Peter Nowack“.

Darum ist sein Verhalten vor der zweiten Sitzung des Quartiersrates einigermaßen überraschend. Es wurde jedenfalls beobachtet, dass er zunächst einen Blick in die Räumlichkeit geworfen hat, um dann jedoch nicht teilzunehmen. So musste sein „geliebtes Fußballkind“ ohne seinen Beistand behandelt werden.

Dieses Verhalten kann verständlicherweise leicht zu Vermutungen und Gerüchten führen.

So soll ein Grund für seinen raschen Abschied möglicherweise das Fehlen von Journalisten sein, die sich etwas verspätet hatten.

Aber man kann sicherlich auch andere Vermutungen anstellen. Wollte er vielleicht nur erfahren, wer zu dem Treffen gekommen war, um dann einen auf der Tagesordnung vorgesehenen Bericht über „sein“ Projekt zu vermeiden. Immerhin hätte er mit erheblichen Rollenkonflikten zu kämpfen gehabt, da er sowohl die Erwartungen erfüllen muss, die an ihn als Ortsamtsleiter, Vorsitzenden des Projektträgers und engagierten Werder-Bremen-Fan gerichtet werden.

Da müsste er sich für das Gelingen des WiN-Konzepts insgesamt einsetzen, die eigenständigen Leistungen des Trägers herausstellen und auch wenigstens ein bisschen Werbung für seinen geliebten Fußballverein machen.

Wichtig wäre jedoch vor allem eine Abstimmung mit den anderen WiN-Projekten gewesen, auch wenn in der Sitzung „einhundert Minuten lang aufgelistet“ wurde, „was wer wo in Blumenthal gerade so vorhat“.

Hat da vielleicht vor allem die koordinierende Leistung eines innovativen Stadtteilmanagers gefehlt?


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 22.07.2014 | Top

RE: Ein wahres Feuerwerk an Aktivitäten in diesem Sommer in Blumenthal

#43 von Lola2 , 09.07.2014 08:06

Das 1. Blumenthaler Sommerfest findet am 25.Juli statt und dazu lädt das Quartiersmanagement ein.

18 Einrichtungen sind dabei und helfen mit, dass es für die Blumenthaler ein Erlebnis wird und ein solches Fest hilft ganz sicher Barrieren abzubauen.

Wetter im Juli? Natürlich schön!


Die Bolzplatz-Einweihung findet auch noch statt und zwar am 12.Juli 2014 um 11.00Uhr beginnt ein Sponsorentalk.

Kinder sind auch dabei, die anschließend ihre Aerobic-Künste zeigen, Brake-Dance-Tänzer und um 14.00 gibt es eine Schlagerparade mit dem KiTa-Chor Farge-Rekum. Die Rapper kommen auch und rappen "Geschichten des Lebens".






http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,893626.html

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,893920.html


Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014

zuletzt bearbeitet 09.07.2014 | Top

RE"Forderung: "Kita-Zentrum für Blumenthal"

#44 von Lola2 , 09.07.2014 08:14

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,893792.html

Zitat
Quartiermanagerin, Kindergarten-Leiterinnen und Politiker für zusätzliche Einrichtung - 08.07.2014
Forderung: Kita-Zentrum für Blumenthal
Von Christina Denker

Blumenthal. Nach dem Willen der Quartiermanagerin und der örtlichen Kita-Leitungen muss für Blumenthal ein neues Konzept zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren und Familien her. Die Rede ist von einem Familienzentrum. Jetzt haben sich die Frauen mit Vertretern aus Politik und Verwaltung an einen Tisch gesetzt. Sie fordern vom Senat endlich die Umsetzung eines Bürgerschaftsbeschlusses aus dem Jahr 2012.
Titat Ende

Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014


Vorsicht mit der "Ehre“!

#45 von Reinhard , 22.07.2014 12:07

Vorsicht mit der "Ehre“!

In Blumenthal hat der Überfall einer jugendlichen Clique oder Gang auf zwei Polizeifahrzeuge und eine Kneipe in Vegesack, über den der Weser-Kurier und das BLV mehrfach berichtet haben, für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt, da es gleich zwei wortgewandte und schreibaktive Augenzeugen aus Blumenthal gab: Frau Drieling vom BLV und Herrn Nowack vom Ortsamt.

Inzwischen hat die taz, eine Zeitung, die man politisch zwischen den Grünen und den Linken anordnen kann, diese Attacke, vor allem aber die verbalen Reaktionen des Blumenthaler Ortsamtsleiters aufgegriffen, der darauf über Facebook gekontert hat. Dabei geht es nicht zuletzt um die politische Einordnung des Chefs der Blumenthaler Verwaltung.

Rechtspopulist oder linker Sozialdemokrat?

Für viele dürfte die Frage, ob jemand ein „Rechtspopulist“ oder ein „linker Sozialdemokrat“ bzw. beides ist, wenn das denn möglich sein sollte, in Deutschland als eine rein sachliche Frage betrachten, ganz wie die nach dem korrekten Alter oder Gewicht.

Der Befragter würde dann prüfen, ob im Verhalten und in den Äußerungen der Persönlichkeit die möglicherweise an seiner wahren Zuordnung zweifelt, die jeweiligen Merkmale vorliegen. Das dürfte im ersten Fall die Verwendung von Floskeln sein, die eine harte Hand, die „Peitsche“ oder den „eisernen Besen“ vor allem gegen jugendliche Straftäter mit einem Migrationshintergrund fordern, damit sie „Disziplin üben“. Falls sich ein AfD-Politiker entsprechend äußern würde, dürfte er vermutlich nicht nur in der „Bildzeitung der Linksliberalen", sondern auch in Medien, die der Sozialdemokratie näher stehen, schnell in eine mehr oder weniger braune Ecke gedrängt werden.

Von „linken Sozialdemokraten“ wird man hingegen, wenn sie schon etwas älter sind, nicht unbedingt viel Begeisterung für eine von den Grünen propagierte multikulturelle Gesellschaft erwarten können, die sie selbst als soziale Bereicherung erleben. Eher sollte dafür die Vertretung von typischen Gewerkschaftsforderungen sorgen, in denen ein Schutz von Minderheitenrechten nicht gerade das Hauptanliegen ist. Diese Haltung schildert eine Anekdote, die zur Zeit der ersten rotgrünen Koalition von dem hessischen Ministerpräsidenten Börner erzählt wird. Danach stand dieser Vollblutgewerkschaftler den Demonstrationen gegen eine weitere Startbahn auf dem Frankfurter Flughafen, an denen auch sein Minister Joschka Fischer beteiligt war, sehr kritisch gegenüber. So hätte man nach seinen Worten diese „Probleme“ besser ohne Argumenten oder Kompromisse gelöst: „Ich bedauere, daß es mir mein hohes Staatsamt verbietet, den Kerlen selbst eins auf die Fresse zu hauen. Früher auf dem Bau hat man solche Dinge mit der Dachlatte erledigt.“

So sehen wichtige Fakten aus, sodass jeder entsprechend seinem Wissen eine Entscheidung treffen kann.

Eine Frage der Ehre

Im konkreten Fall wird jedoch nicht um eine zutreffende Charakterisierung gebeten, sondern bei Facebook eine eher benachbarte Frage gestellt: „Ist es eine Ehre, von der taz als „Rechtspopulist“ bezeichnet zu werden.

Den Fragesteller interessiert damit offenbar gar nicht die Wahrheit, sondern er macht daraus eine Frage der Ehre. Das ist ein Anliegen, das in unserer modernen Gesellschaft keine große Bedeutung mehr hat. Zwar kennt man noch Ehrendoktoren und Ehrenämter als besondere Auszeichnungen und das alte Strafgesetzbuch spricht bei Beleidigung, Verleumdung und übler Nachrede von „Straftaten gegen die Ehre“.

In dieser Gesetzessammlung aus der Kaiserzeit, als Deutschland noch weitgehend vom Adel und seinem Sittenkodex regiert wurde, rangieren diese Straftaten sogar vor Körperverletzungen, weil sie zumindest von der herrschenden Schicht als gravierender angesehen wurden.

Damals musste eine Frau und vor allem ein junges Mädchen seine Ehe bewahren, was konkret sehr medizinisch zu verstehen war. Umfassender war das Verständnis dann in der Wehrmacht und vor allem im Nationalsozialismus. Während für die militärische Verwendung die nicht völlig unkritische Zusammenfassung „Viel Feind, viel Ehr“ stehen kann, erfuhr der Begriff in der NS-Zeit eine deutliche Einengung. In der damaligen Ideologie sollte die Ehre als Leitbegriff des Wertesystems mit Treue und mit vor allem zum Führer gleichgesetzt werden.

Aber diese Zeit der Duelle und der ehrenvollen Jungfräulichkeit gibt es in Deutschland nicht mehr. Das mag nicht überall auf dem Globus so sein, wenn es möglicherweise in ländlichen Teilen Anatoliens oder bei einigen ethnischen Minderheiten noch ein traditionelles Wertesystem gibt.

Politische Auswirkungen

Wenn Politiker martialische Forderungen aufstellen, die praktisch Leerformeln sind, kann das konkrete Folgen haben. In Blumenthal wurde die harte Linie, der ein normaler Reisigbesen nicht ausreicht, bereits Ende 2012 in praktisch derselben Weise gefordert wie auch jetzt wieder. Das „Reinemachen“ ist jedoch nicht erfolgt, wenn man davon absieht, dass das Gebiet an der George-Albrecht-Straße weiterhin ein „Gefahrenort“ sein soll.

Diese sich ständig wiederholende Positionierung mag einem Politiker ein klares Profil geben, auch wenn es in übliche einfache Klischees nicht unbedingt passt.

Es behindert jedoch wirkliche Änderungen zum Besseren, die nicht mit markigen Sprüchen zu leisten sind. Sie erfordern eine differenzierte Analyse und damit einen kühlen Kopf, den man vermutlich nach einem auch persönlich bedrohlichen Überfall wie dem in Vegesack nicht gleich hat.

So dürfte ein pauschales Lob für die Polizeiführung nicht angebracht sein, wenn die Poilizei auf einem offensichtlich verabredeten Angriff Jugendlicher, wie ihn Radio Bremen mithilfe von Videoaufnahmen gezeigt hat, nicht vorbereitet ist. Da kann man sich nicht mit dem kriminellen Verhalten der Angreifer rechtfertigen, denn für die ganz „netten“ Kriminellen braucht man keine gut ausgerüstete Polizei.

Deshalb muss vielleicht nicht das Gesamtkonzept über den Haufen geworfen werden, aber es sollte schnell eine notwendige Ergänzung der eingeübten Reaktionsformen im engen polizeilichen Bereich erfolgen.

Zusätzlich ist Bandenkriminalität zweifellos eine gesellschaftspolitische Herausforderung, die eine entsprechende politische Antwort verlangt.

Unmittelbar ist jedoch das flankierende WiN-Gebiet „Altes Zentrum Blumenthal“ von einer Einstellung des Ortsamtsleiters betroffen, ohne den in Blumenthal in öffentlichen Bereich nur wenig möglich ist. Er hat jetzt erneut sein Haltung bestätigt, wie es sie vor nicht einmal zwei Jahren bereits gegenüber einer großen Zeitung vertreten hat: „Sagt ihnen (grammatikalisch sind damit „Politik und Behörden“ gemeint, zu denen man logischerweise auch einen Ortsamtsleiter rechen muss, assoziativ können es daher wohl auch Entscheidungsträger im Senat und seiner Verwaltung sein, denen eine „falsche“ Politik angekreidet wird), das Zuckerbrot ist alle. Ich habe die Nase voll davon, dass sich einige Großfamilien, meist Roma, fast alles vom Staat bezahlen lassen, aber die Straße als rechtsfreien Raum betrachten. Auch sie müssen Disziplin üben, Regeln und Gesetze einhalten. Wer es nicht tut, darf nicht länger verhätschelt werden.“

Ist es etwa eine auf einzelne Straftäter und „verhätschelte“ Flüchtlinge und Asylanten eingeengte Problemsicht, die sich einer konsequenten Integrationspolitik, die auch das Schicksal und die Kultur von Minderheiten würdigt, im Rahmen eines breiten „Bündnisses für Blumenthal“ verschließt?


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 22.07.2014 | Top

   

Bremens Umerziehungshaus in Rekum
Sozial benachteiligtes Blumenthal

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen