Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Die heikle Z-Frage

#16 von Reinhard , 09.01.2014 10:46

Die heikle Z-Frage

Die Autoren der Bestandsanalyse und des Handlungskonzepts für das flankierende WiN-Gebiet „Altes“ Zentrum Blumenthal haben sich ihre Aufgabe nicht gerade einfach gemacht. Das gilt zwar nicht unbedingt für die Bestandsaufnahme, die auf einer Auswertung der amtlichen Statistik, Einzelgesprächen mit lokalen Expert/innen sowie auf einem Gespräch mit vier Bewohner/innen der George-Albrecht-Straße beruht, die als Roma aus dem Kosovo stammen (S. 31)

Auch das Handlungskonzept, bei dessen Darstellung immer wieder auf einen Workshop am 6.6. 2013 hingewiesen wird, an dem 35 Vertreter/innen vor allem aus dem Bildungs-, Polizei- und Sozialbereich im Bremer Norden teilgenommen haben, ist mit dieser Feststellung nicht gemeint.

Schwierige Themen greift die Studie vielmehr auf, wenn sie auf die weitere Entwicklung Blumenthals eingeht. Dabei ist nicht allerdings nicht immer klar, ob der Orts- oder der gleichnamige Stadtteil gemeint ist.

Auch wenn der Stadtteil mit den weiteren Ortsteilen Farge, Lüssum, Rekum und Rönnebeck deutlich mehr als der Ortsteil Blumenthal allein ausmacht, ist die Unterscheidung für die Autoren offenbar zweitrangig, wenn sie beispielsweise von der „Verhinderung eines „Abgleiten“ des Stadtteils/ Ortsteils“ (S. 33) sprechen.

Diese Gleichsetzung dürfte vor allem für die Frage eines Stadtteilzentrums gelten, wie es beispielsweise im Bremer Zentrenkonzept vorgesehen ist. Hier fordern die Gutachter jetzt jedoch offenbar eine Änderung, wenn sie für das alte Zentrum fordern: „Das Bild „Zentrum“ (muss) abgelegt oder zumindest neu definiert werden“.

Da hier das alte „Zentrum“ kein Zentrum im herkömmlichen Sinne mehr sein soll, man sich jedoch über ein „neues“ Zentrum ausschweigt, hätte ein Bremer Stadtteil mit 30.000 Einwohnern danach gar kein Zentrum mehr.

Oder will man in dem Blumenthal Center, das so zentral am Weserufer liegt, sodass die Hälfte des üblichen Einzugsbereichs im Wasser und auf der schwer erreichbaren niedersächsischen Uferseite liegt, das Blumenthaler Zentrum sehen?

Ob ein Einkaufszentrum aus SB-Warenhaus, Baumarkt und einigen weiteren Geschäften, das vom Baustil stark an die viel geschmähten Einzelhandelsgelegenheiten auf der grünen Wiese erinnert, jedoch das Blumenthaler Image und die Verbundenheit der Blumenthaler mit „ihrem“ Zentrum fördern kann, ist eine andere Frage. Zumindest die Schwaneweder dürften das kaum für möglich halten, da sie an einen anderen Typ von Zentrum gewöhnt sind.

Damit zeigt sich, dass die Idee der senatorischen Behörden, sich nicht auf auf die vielleicht auch ethnischen Probleme der Bewohner der George-Albrecht-Straße zu konzentrieren, sondern aus diesem sehr speziellen Aufgabenbereich lieber ein vertrautes WiN-Gebiet mit vielfältigen Problemen zu machen, auch ihre Pferdefüße hat. Man kann sich dadurch vielleicht an klaren Stellungnahmen zur Roma-Problematik vorbeilavieren, begibt sich jedoch in ein städtebauliches Minenfeld; denn die Frage eines Blumenthaler Zentrums lässt sich weder von der Nutzung des BWK-Geländes noch von einer immer wieder ins Auge gefassten Erweiterung des Blumenthal Centers trennen.

Hier werden auch die Planer irgendwann erkennen müssen, dass sich in unmittelbarer Nähe eines Industrie- und Gewerbegebiets und eines Diskount-Einkaufszentrums kein attraktives Stadtteilzentrum entwickeln kann.

Wenn man die Bewohnerstrukturen betrachtet, scheinen das die Blumenthaler durchaus zu sehen; denn das beklagte Abgleiten der Wohnquartiere findet hier bereit seit Langem statt.

Das hätten auch die Sozialbehörde und proloco feststellen können, wenn sie ihre Zeitreihendaten systematisch ausgewertet und nicht nur die nördliche und südliche Umgebung der George-Albrecht-Straße einerseits und die östlichen und westliche Baublöcke andererseits zusammengefasst hätten. Diese willkürliche Aggregation macht zudem misstrauisch, da für die Wohnortwahl vor allem einzelne Lagemerkmale wie die Nähe zu Parks und Flüssen eine Rolle spielen. Wieso gerade die Himmelsrichtungen entscheidend sein sollen, wenn dabei Norden und Süden bzw. Osten und Westen zusammengefasst sind, bleibt hingegen das Geheimnis der proloco-Forscher.


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RE: Die heikle Z-Frage

#17 von Klueverbaum , 09.01.2014 11:43

Also es wurde schon vor vielen Jahren vom damaligen Beiratssprecher Wolfgang Dettmer gesagt,dass das Zentrum von Blumenthal nun unten beim Marktkauf sei.Dem hat der Beirat damals nicht widersprochen und die Frage aus dem Publikum,ob das Blumenthaler Zentrum denn nun ein Parkplatz sein soll,ignoriert.
Dann ist das wohl so.

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#18 von Reinhard , 17.01.2014 18:00

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Manchmal erweisen sich Aufgaben, die anfangs leicht und unproblematisch erscheinen, als schwierig und kaum lösbar.

Zu diesen unterschätzten Herausforderungen scheint die Anmietung eine Quartierstreffpunktes im neuen WiN-Gebiet im Blumenthaler Zentrum zu zählen.

Als hier vor einem Jahr der Antrag „Vernetzte Quartiersentwicklung im Umfeld der George-Albrecht-Straße“ von der Bürgerschaft beschlossen wurde, schien der Quartierstreffpunkt kaum ein Problem zu sein. Die Initiatoren wollten „einen Quartierstreffpunkt im Umfeld der George-Albrecht-Straße einrichten, der den Bewohnerinnen und Bewohnern als Anlauf- und Austauschstelle dient, Beratungsleistungen bietet, nach Möglichkeit Raum für soziale Projekte und (Bildungs-)Angebote schafft sowie Sitz des Quartiersmanagements ist“.

Diese Vorgabe wurde Anfang März 2013 in einer Vorlage für die Sitzung der Sozialdeputation weiter konkretisiert. Damals hielten es die Mitglieder der eingesetzten senatorischen Arbeitsgruppe „für sinnvoll, dass der Treffpunkt im unmittelbaren Umfeld, aber nicht direkt in der George-Albrecht-Str. eingerichtet wird“. Noch präziser formulierten sie im folgenden Satz: "Dazu bietet sich die Mühlenstr. an. Dort gibt es mehrere leerstehende Ladengeschäfte, die grundsätzlich zur Nutzung in Frage kämen. Das Ortsamt und die „Kümmerer“ für die städtebauliche Zentrumsentwicklung in Blumenthal wurden gebeten, Hinweise auf geeignete Immobilien zu geben und Kontakte zu den Vermietern herzustellen.

Danach schien alles seinen geregelten Gang zu nehmen, auch wenn später statt der Mühlenstraße noch die Kapitän-Dallmann-Straße ins Gespräch gebracht wurde. Das änderte an der Sachlage wenig; denn es gibt an beiden Straßen Leerstände, so dass die Sozialbehörde bzw. die Quartiersmanagerin vor allem die Qual einer guten Auswahl zu haben schien.

Dieses Entscheidungsproblem erwies sich jedoch offenbar als besonders kompliziert, da weder der senatorische Arbeitskreis noch die Quartiersmanagerin die erforderlichen Räumlichkeiten anmieteten, obwohl die anschließend notwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten mit etwa einem halben Jahr veranschlagt werden. Der „richtige“ Arbeitsbeginn der Quartiersmanagerin verzögert sich also, obwohl man ihr nur einen Vertrag über zwei Jahre gegeben hat.

Jetzt scheint sich diese Wartesituation gravierend verändert zu haben, wenn die Sozialbehörde offenbar keine Räume anmieten will, die sich nicht im Besitz Bremens befinden, ja, man will offenbar sogar einen Standort außerhalb des WiN-Gebietes wählen, wenn man dadurch Mietzahlungen an einen privaten Eigentümer sparen kann. So soll sich die Suche, wie es in einem Artikel des Weser-Kuriers heißt, auf „direkt öffentliche Immobilien“ beschränken.

Diese in Bremen nicht immer angewandte Sparsamkeit muss überraschen, da sie den bisherigen Aussagen der senatorischen Behörden völlig widerspricht und auch für WiN-Gebiete keineswegs typisch ist. Ein klare Linie ist jedenfalls in dem Handeln der Sozialbehörde und des zuständigen senatorischen Arbeitskreises nicht zu erkennen.

Vielleicht hätten die Sozialexperten doch zunächst ein Konzept entwickeln lassen sollen, bevor sie einen Quartierstreffpunkt, eine Quartiersmanagerin und begrenzte Mittel von jeweils 20.000 € für zwei Jahre im Rahmen eines WiN-Projektes gefordert und beschlossen haben.

Dann hätten sie frühzeitig gesehen, dass man für verschiedene Aufgaben wie die Unterstützung von integrativen Veranstaltungen oder die Bildungsförderung von Roma-Familien ganz unterschiedliche Mittel benötigt. Das gilt sowohl für die Lage und Größe der benötigten Räumlichkeiten und die Qualifikationen einer Quartiersmanagerin als auch die erforderlichen Gelder. Die Förderung eines Tanz-, Back- oder Töpferkurses kostet schließlich weniger als die Einstellung eines Bildungsberaters, der Kontakte zu den Roma aufbauen und diese von den Vorteilen eines Kindergartens und Schulbesuchs überzeugen kann.

Bei der rechtzeitigen Entwicklung eines Konzepts hätte man vermutlich auch festgestellt, dass es räumlich geballte soziale Problemlagen geben kann, die sich nicht dadurch aus der Welt schaffen lassen, dass man die Buchstaben WiN draufklebt.

Hier könnten die unmittelbar Betroffenen aber auch Blumenthal sicherlich mehr gewinnen, wenn man zumindest ergänzend zur WiN-Ausweisung noch gezielt ein Modellprojekt für die Roma auf den Weg bringen würde. Vor allem könnte man dann auch extern die Mittel beantragen, die man tatsächlich benötigt, um nachhaltig etwas bewegen zu können.


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RE: Professionalität

#19 von Reinhard , 20.01.2014 10:26

Potemkinsches WiN-Gebiet

Das neue WiN-Gebiet im Blumenthaler Zentrum ist bekanntlich kein „normales“, sondern ein „flankierendes“ WiN-Gebiet. Damit soll ein Quartier bezeichnet werden, in dem eine „weitere Negativentwicklung“ verhindert werden soll. „Flankierend“ steht damit für eine unterstützende Wirkung des Programms.

Um diesen Effekt zu erreichen, verfügt das Blumenthaler WiN-Gebiets inzwischen über ein attraktives und sympathisches Gesicht. Dafür sorgt die im letzten Oktober eingestellte Quartiersmanagerin.

Wenn man die zahlreichen Zeitungsartikel über die Quartiersmanagerin und ihre vielfältigen Ideen gelesen und sich von dem Porträtfoto losgerissen hat, stellen sich Fragen, die sich mit den Hintergründen und vor allem den überhaupt erreichbaren realen Erfolgsmöglichkeiten des Projekts beschäftigen.

Im Hinblick auf die flankierende Zielsetzung sind bereits die Startbedingungen fragwürdig. So wird die Dauer des Projektes nicht, wie es dem Monitoring-Konzept entsprechen würde, von dem Erreichen der ausgewählten Indikatoren abhängig gemacht, die ein sozial benachteiligtes Gebiet ausweisen. Vielmehr wird bereits vorab ein Zeitraum von zwei Jahren festgelegt, ohne dass man ein Wort über die eingetretenen Verbesserungen verliert.

Geht es also vielleicht gar nicht um einen tatsächlichen Erfolg, sondern nur darum, dass zwei Jahre lang etwas versucht wird?

Auch andere Indizien sprechen für diese These. So wurde eine Quartiersmanagerin, deren Stelle bereits im Dezember 2012 von der Bürgerschaft beschlossen wurde, erst im Oktober 2013 eingestellt.

Noch langsamer kommt die Einrichtung eines damals ebenfalls beschlossenen Quartierstreffpunkts voran. Trotz der vielen Leerstände etwa an der Mühlenstraße konnten bisher noch keine Räumlichkeiten ausgewählt und angemietet werden. Da diese Gebäude bisher nicht als Quartierstreffpunkte gebaut und genutzt wurden, sind anschließend wahrscheinlich noch Handwerkerarbeiten nötig, damit die Räume den speziellen Anforderungen genügen. Das wird zusätzliche Zeit erfordern, bevor der Treffpunkt seine Aufgaben erfüllen kann.

Auch bei den Finanzen spielt offenbar das Ziel der WiN-Maßnahme keine Rolle, denn es wurden ohne eine inhaltliche Begründung 20.000 € festgesetzt, während klassische WiN-Gebiete durchaus mehr als 100.000 € pro Jahr und ohne feste zeitliche Begrenzung erhalten.

Bisher wurde damit wenig getan, um tatsächlich eine negative soziale Entwicklung in dem Blumenthaler WN-Gebiet zu verhindern.

Kann man jedoch für die Zukunft mehr erwarten?

Grundlage für eine Beurteilung muss das von proloco erstellte „Handlungskonzept“ sein. In diesem Gutachten wird ein Vielzahl von Maßnahmen angesprochen, die in einem Workshop genannt wurden. Dabei fehlen jedoch weitgehend inhaltliche Konkretisierungen, wenn etwa nur das Ziel „Verringerung der Kriminalität im Gebiet“ oder „Schaffung positiver Anlässe für die Berichterstattung aus/über die George-Albrecht-Straße“ genannt werden (S. 40)

Daher sollen die weiteren notwendigen inhaltlichen Schritte erst später erfolgen. So will man als „nächste Arbeitsschritte zur Bewohneraktivierung und -beteiligung“ die Entwicklung und Umsetzung kleiner, konkreter, schnell umsetzbarer Angebote sowie die „Konzeptentwicklung zur Bewohneraktivierung und -beteiligung unter besonderer Berücksichtigung der interkulturellen Fragestellungen“. Es liegt somit ein großer Berg von kaum geordneten und schon gar nicht in konkrete Teilmaßnahmen umgesetzten und bewerteten Ideen vor, deren Abarbeitung innerhalb der vorgegeben Zeit - realistisch betrachtet - nicht möglich sein dürfte.

Aber damit nicht genug. Da das Fördergebiet über das Quartier an der George-Albrecht-Straße ausgedehnt werden sollte, haben die Gutachter festgestellt, dass die Entwicklung des alten Blumenthaler Zentrums von der gesamten Entwicklung Blumenthals abhängt. Daher soll noch ein „Bündnis für Blumenthal“ ein Leitbild für Blumenthal (S. 41) entwickeln, also eine weitere Aufgabe in Angriff genommen werden, die sich, wie die Erfahrung zeigt, kaum zeitlich terminieren lässt. Das bereits vorliegende Blumenthal-Konzept von 2007 mit seiner bisher wenig eindrucksvollen Karriere kann dabei nicht gerade als Ermutigung wirken.

Bei diesen Vorgaben muss es nicht überraschen, dass die Gutachter keinen Zeitplan für die Realisierung ihres Konzepts vorlegen, wie das in den Integrierten Handlungskonzepten regulärer WiN-Gebiete durchaus üblich ist.

Hatte man vielleicht selbst Schwierigkeiten, die unkonkreten und teilweise noch nicht festgelegten Maßnahmen auf einem Terminplan unterzubringen, der nicht einmal zwei Jahre umfassen dar? Nicht zuletzt für das „Bündnis für Blumenthal“ dürfte das besonders schwierig sein, da es sich hierbei eher um eine unendliche Geschichte handeln dürfte.

Was soll ein Beobachter aus dieser Vorgehensweise der Sozialbehörde schließen? Ein engagierter Einsatz in einem sozial benachteiligten Gebiet, in dem man wirklich etwas bewegen will, dürfte anders aussehen. Da hätte man erst die Ziele definiert und anschließend innerhalb eines realistischen Zeitplans nach zentralen, erfolgversprechenden Maßnahmen gesucht.

Jetzt hat man hingegen eine attraktive personale Fassade zu bieten, hinter der man auf einen Berg von Anregungen und Fragezeichen stößt. Das erinnert an die berühmten potemkinschen Dörfer in Russland, die Besuchern durch schöne Fassaden wohlhabende Orte vortäuschen sollten, während man es praktisch nur mit Filmkulissen zu tun hatte.

Vielleicht sollte man das WiN-Gebiet in Blumenthal im Hinblick auf die tatsächlichen Ziele daher nicht als flankierendes, sondern als potemkinsches WiN-Gebiet bezeichnen.

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RE: Professionalität

#20 von Lola , 04.02.2014 20:33

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,770623.html

Wo soll denn die Kaufkraft herkommen?

Jeder Unternehmer, der z.B. einen Elektronikmarkt dort eröffnen möchte wird sich doch Infos besorgen, ob der Standort überhaupt über genügend Kaufkraft verfügt
und dazu kann er sich die Zahlen vom Statistischen Landesamt besorgen, die sich übrigens auch jeder Kommunalpolitiker sowie auch die Verwaltung besorgen kann.

Hier kann man das übrigens auch lesen

http://www.blumenthal-zeitung.blogspot.d...al-zentrum.html

Man kann sich drehen und wenden wie man will in Blumenthal, ein ganz dicker Brocken ist immer noch....
http://www.senatspressestelle.bremen.de/...en146.c.9581.de

Auch wenn keiner der Beiratspolitiker darüber spricht, dürfte es ein großes Problem sein wenn eine "Abfallverbrennungsanlage" im Ortskern ansässig ist.
Auch wenn lt. Senatspressestelle:
"Durch Messungen und Sachverständigengutachten wurde belegt, dass die durch die Maßnahmen entstehenden Zusatzbelastungen bei allen in Frage kommenden Schadstoffen als minimal einzustufen sind. Der Vorwurf, die Genehmigung der Änderung führe zu Gesundheitsschädigungen ist daher unhaltbar."

Ich füge noch einen Link hinzu
http://www.blumenthal-zeitung.blogspot.de/

Zitat
Einige Probleme im Bereich der Wohnqualität werden besonders deutlich, wenn man Bremen-Nord mit einigen Umlandgemeinden Bremens vergleicht, die in Niedersachsen liegen.

Allerdings darf Bremen-Nord nicht als Einheit gesehen werden, da es aus einem Mosaik unterschiedlicher Sozialräume besteht, die nur teilweise deutliche Problembelastungen aufweisen, die sich unter anderem auch im Wahlverhalten niederschlagen. Dabei handelt es sich um sehr harte ökologische und soziale Belastungen, sodass sie sich nicht durch eine bloße Marketing- oder Imagekampagne beseitigen lassen.

Umweltbelastungen resultieren vor allem aus dem Tanklager Farge, den Müllbeseitigungsanlagen auf dem Gelände der ehemaligen Bremer Wollkämmerei in Blumenthal sowie dem Kraftwerk Farge. Dabei werden objektive Beeinträchtigungen sogar durch die mangelhafte Informationspolitik durch die städtischen Verwaltung psychologisch verstärkt, die die vielfältigen Sorgen und Befürchtungen der betroffenen Bewohner nicht ernt zu nehmen scheint.
Zitat Ende


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zuletzt bearbeitet 04.02.2014 | Top

Nur Spielstraße und Frauenkreis ?

#21 von Reinhard , 08.02.2014 18:41

Nur Spielstraße und Frauenkreis ?

Nach dem heutigen Artikel im Weser-Kurier zum neuen WiN-Gebiet wird man besonders gespannt auf die Blumenthaler Beiratssitzung am kommenden Montag warten.

Das dürte zumindst für alle Leserinnen und Leser gelten, die sich dafür interessieren, wie die Experten der Bremer Sozialbehörde ein soziales Ghetto, das bereits zu deutlichen Veränderungen der angrenzenden Wohngebiete geführt hat, entschärfen wollen.

Der Bericht „Erster Bewohnerworkshop für das Blumenthaler Kerngebiet. Die Anwohner entscheiden“ verrät darüber zumindest nicht zu viel. So erfährt man weder etwas über die Zahl der Teilnehmer noch über geplante Schwerpunkte; denn viele Ideen und der Wunsch, „etwas zu bewegen“ sind bekanntlich noch kein Programm, das man rasch mit guten Erfolgsaussichten umsetzen kann.

So sieht vieles nach guten Absichten von sozialpädagogischen Fachleuten aus, ohne dass die tatsächlich Betroffenen dazu wirklich etwas gesagt haben oder sagen konnten.

Es bleibt also offen, ob sie vor allem auf eine „temporäre Spielstraße“ und eine „Frauengruppe“ warten.

Oder gibt es möglicherweise Beispiele aus anderen Städten, die den Erfolg gerade dieser Maßnahmen für die Integration asylsuchender Roma belegen?

Vielleicht wäre es auch zweckmäßig, die Bevölkerungsstatistik korrekt zu lesen, denn dann würde man feststellen, dass keineswegs 30 % der 1.500 Einwohner im Gesamtgebiet unter 18 Jahre alt sind, sondern dieser Wert ausschließlich für den Bereich an der George-Albrecht-Straße gilt (vgl. Bestandsanalyse und Handlungskonzept, S. 17). In anderen Quartieren liegt der Wert teilweise sogar unter 15 %. Das WiN-Gebiet, wie es abgegrenzt wurde, ist eben recht heterogen, was einheitliche Maßnahmen, die sich auf konkrete soziale Probleme beziehen, sehr schwer macht.

Man kann daher nur hoffen, dass die Beiratsmitglieder am Montag einmal das fragwürdige Konzept der Sozialbehörde hinterfragen, damit es nicht als politische Alibiveranstaltung endet, sondern wirklich dem Image Blumenthals und nicht zuletzt der Lebenssituation der betroffenen Einwohner hilft.

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RE: Bremen ja, aber ohne Bremische Probleme

#22 von Lola , 09.02.2014 10:12

http://www.blumenthal-zeitung.blogspot.d...dgemeinden.html

Ich möchte nur noch einmal den Bericht aus o.a. Link den Lesern des Forums in Erinnerung bringen.


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Geheimnisse der Sozialbehörde

#23 von Reinhard , 10.02.2014 11:08

Geheimnisse der Sozialbehörde

Heute Abend erhalten die Blumenthaler Beiratsmitglieder erstmals die Möglichkeit, sich näher über das flankierende WiN-Gebiet im Blumenthaler Zentrum zu informieren.

Damit können sie wenigstens Fragen stellen, nachdem sie bisher kaum eine Mitsprache hatten. Vielmehr wurde die Entscheidung über das WiN-Gebiet praktisch als eine angeblich „alternativlose“ Vorlage in der Sozialdeputation legitimiert.

Dabei wirft dieser Beschluss eine Reihe von Fragen auf, die in der Öffentlichkeit beantwortet werden sollten; denn die Geheimnisse, die die Sozialbehörde bei der Etablierung dieses neuen WiN-Gebietes für sich behalten hat, sind für Außenstehende wenig nachvollziehbar.

Das beginnt gleich mit den Rahmenbedingungen:

1. Warum wird nicht ein gezieltes Programm für das Quartier an der George-Albrecht-Straße oder für ein WiN-Gebiet im gesamten Ortsteil Bluumenthal entwickelt?

Im ersten Fall könnte man Maßnahmen für Einwohner mit sehr ähnlichen Problemlagen einsetzen, was den Erfolg politischer Interventionen üblicherweise erleichtert. Im zweiten Fall würden auch die Wohngebiete im Ortsteil Blumenthal erfasst, in denen ebenfalls überdurchschnittlich viele sozial benachteiligte Einwohner leben.

2. Wie kann die Sozialbehörde bereits vor einer sorgfältigen Analyse und der Entwicklung eines Handlungskonzepts die gesamte Maßnahme auf zwei Jahre und einen Mitteleinsatz von jeweils 20.000 € begrenzen? Besitzt sie hellseherische Fähigkeiten, denn flankierende WiN-Gebiete sollen entsprechend ihrer Definition ein soziales Absinken verhindern, was sich an einigen Sozialindikatoren festmachen lässt? Diese sind jedoch den Statistikern bisher nicht als Prognsosedaten bekannt, die bereits die Wirksamkeit der noch auszuführenden WiN-Maßnahmen einbeziehen.

Auch zu den bisher erwähnten Maßnahmen sind Nachfragen notwendig:

3. Wie soll der Bolzplatz auf das Bahrsplate in das WiN-Programm integriert werden? Hier zu berücksichtigen, dass die Förderung durch Werder Bremen aufgrund der Diskussion des sozialen Brennpunktes an der George-Abrecht-Straße erfolgt ist. Zumindest in moralischer Hinsicht dürfte also die Verpflichtung bestehen, dass diese Einzelmaßnahme auch den Kindern und Jugendlichen zugute kommt, die im sozialen Brennpunkt aufwachsen müssen.

4. Ist für die beiden bisher einzigen ausdrücklich erwähnten Projekten einer zeitweiligen Spielstraße und einer Frauengruppe tatsächlich die Ausweisung eines WiN-Gebietes erforderlich, zumal es für die Spielstraße einen speziellen Träger gibt? Frauengruppen entstehen sogar in Städten, die kein WiN-Programm kennen. Hier übernehmen beispielsweise die Volkshochschulen diese Aufgaben. Zudem sollte man im Rahmen der expliziten Genderpolitik in Bremen prüfen, ob die aktive Gleichstellungspolitik nicht auch die staatlich geförderte Gründung einer Männergruppe erfordert.

Völlig offen bleibt auch, wie durch diese Maßnahmen die Probleme abgebaut werden können, die überhaupt erst den Anstoß zu den jetzigen Maßnahmen gegeben haben. Dabei ging es um die Jugendbande Los Arabs, die sogar im Fernsehen für ihren kriminellen Lebensstil geworben hat. Hier ist es das Geheimnis der Sozialbehörde, wie Angebote für Kinder und Frauen gerade dieses zentrale Ausgangsproblem beseitigen können.

Ganz unklar ist auch, wie ernst die allgemeinen Zielsetzungen im proloco-Entwurf zu nehmen sind:

5. Soll tatsächlich im Rahmen des WiN-Projektes ein „Bündnis für Blumenthal“ ein Leitbild für den Orts- bzw. Stadtteil Blumenthal entwickelt werden? Welche Beteiligung ist dabei für den Beirat vorgesehen und was verspricht man sich von einem weiteren Zielkonzept, nachdem bereits ein „Stadtteilkonzept Blumenthal“ vorliegt.


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RE: Geheimnisse der Sozialbehörde

#24 von Reinhard , 15.02.2014 09:45

Auch wenn es in der Beiratssitzung noch keine Diskussion gab, da Frau Schulz erkrankt war, bleiben die Fragen aktuell. Ja, man kann sogar behaupten, dass sie allein aus zeitlichen Gründen noch an Bedeutung gewinnen, da nach dem schleppenden Start des Blumenthaler-WiN-Projekts schnell ein beträchtlicher Teil des vorgesehenen Zeitraums vertan ist.

Durch die neuen Eigentumsverhältnisse an der Nordenholz-Immobilie können sich die Infrastrukturangebote im WiN-Gebiet ändern. Das dürfte nicht ohne Rückwirkungen auf die Maßnahmen im WiN-Gebiet bleiben. Die können von einer sehr engen Kooperation mit dem neuen Eigentümer und Pächter, indem möglicherweise sogar der Qartierstreffpunkt im Nordenholz-Gebäude untergebracht wird, über eine gemeinsame Organisation von Veranstaltungen bis hin zu einem eher getrennten Weg reichen. Da wird man sicherlich gern Näheres erfahren wollen.

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Exklusion statt Inklusion?

#25 von Reinhard , 24.02.2014 10:57

Exklusion statt Inklusion?

Die Umsetzung des WiN-Gebietes Altes Zentrum Blumenthal wird jetzt offenbar mit schnellen Schritten vorangebracht, denn am 27. Februar findet zwischen zwischen 16 und 18 Uhr der erste Blumenthaler Quartiersrat im DOKU, Heidbleek 10, statt. An diesem Entscheidungsgremium, das nicht zuletzt über die Verteilung der 20.000 € beschließen kann, die dem WiN-Gebiet zur Verfügung gestellt werden, können „alle Bürgerinnen und Bürger teilnehmen“.

Die offene Frage dürfte hier sein, wer tatsächlich erscheinen und damit entscheiden wird. Vor einigen Wochen wurde noch diskutiert, dass allein ein Versammlungsort außerhalb des Gebietes, wie es für WiN-Projekte ohnehin völlig untypisch ist, vermutlich einige Gruppen von der Teilnahme abhalten kann. Das scheint jetzt keine Rolle mehr zu spielen. Oder ist dieser Effekt, der einige besonders benachteiligte Bewohner praktisch ausschließt, gar gewünscht?

Wenn man auf die Roma-Politik in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover sieht, kann man eine positive Antwort auf diese Frage zumindest nicht ausschließen. Dort hat man gerade einen Eltern-Kind-Treff eröffnet, der neben Alphabetisierungskursen ein „Baby- und ein „Näh-Café“ anbietet. Gleichzeitig sollen sich “geschulte Integrationslotsen, Migrationsberater und Streetworker darum kümmern, überhaupt erst einmal diejenigen zu erreichen, für die das Angebot gedacht ist.

Danach rechnet man also in Hannover nicht damit, dass Roma von sich aus zu einem WiN-Forum gehen würden. Wenn ohne ihre Beteiligung dort finanzielle Weichen gestellt werden, führt das kaum zu der von der EU-Romapolitik angestreben Integration oder Inklusion. Es findet vielmehr eher das Gegenteils statt: eine weitere Ausgrenzung oder Exklusion.

Das mag zwar manchen Vorurteilen entsprechen. Wenn man jedoch eine nachhaltige Lösung der Problematik will, wird man dem Präsidenten der Region Hannover zustimmen müssen. Für ihn ist der Abbau von Vorurteilen und Ressentiments auf beiden Seiten „oft nicht einfach“ und „ein langer Weg, „aber er muss gegangen werden“.

Wann wird das auch die Bremer Sozialbehörde erkennen und entsprechende Maßnahmen einsetzen?


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RE: Exklusion statt Inklusion?

#26 von Klueverbaum , 28.02.2014 23:35

Wie man hörte, war ausser den üblichen Verdächtigen (Politiker von CDU, Linken und Piraten, Ortsamtsleiter (SPD), Vertreter von Antragstellern wie Freizeitheim, Spieleverein und Schule Lehmhorster Strasse, anderen Institutionen etc.) eigentlich keiner da, vielleicht zwei bis drei interessierte Bürger. MigrantInnen nur als Anbieter von Maßnahmen, kein(e) einzige(r) Betroffene(r) aus der George-Albrecht-Straße und nur zwei oder drei, die überhaupt in dem betroffenen Gebiet wohnen.

Da wurde wieder über den Kopf der Betroffenen hinweg geplant und Gelder bewilligt. Man darf gespannt sein, ob es Erfolgskontrollen gibt.

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Auch Rot-Grün kann zielbezogene Bewohnerarbeit

#27 von Reinhard , 25.03.2014 10:26

Auch Rot-Grün kann zielbezogene Bewohnerarbeit

Sozial benachteiligte Gebiete kennt fast jede deutsche Stadt. Das gilt sogar für eine Metropole wie München, die kaum unter den Auswirkungen der Globalisierung zu leiden hat.

Dort scheint man heute noch nach Prinzipien bei der quartierbezogenen Bewohnerarbeit vorzugehen, die auch anfangs das Bremer WiN-Konzept geleitet haben. So steht dort eindeutig die Aktivierung zur Selbsthilfe und Selbstorganisation im Vordergrund. (vgl. München sozial) Um das zu erreichen, wird ein Nachbarschaftstreff „in den ersten drei Jahren von einer hauptamtlichen Fachkraft geleitet“. (S.29)

Dadurch sollen „tragfähige Nachbarschaften, ein attraktives Wohnumfeld und sozial ausgewogene Wohnquartiere geschaffen, erhalten bzw. wiederhergestellt werden.“

Anschließend ist nicht gleich Schluss. Vielmehr erfolgt eine Überprüfung der Ergebnisse der Aktivierungsphase und, falls es nötig ist, wird die Projektbegleitung mit einem reduzierten Stundenumfang durch Fachkräfte fortgesetzt, bis „die Nachbarschaftstreffs von Bewohnerinnen und Bewohnern selbst organisiert“ werden.

Und auch für die Mietkosten hat man häufig eine günstige Lösung gefunden, zu der die Profiteure der kommunalen Maßnahmen beitragen; denn „Wohnungsunternehmen.. (stellen) Räumlichkeiten teilweise kostenfrei oder zu einer geringeren Miete“ bereit.

Vielleicht wäre das auch eine Lösung für Blumenthal, wo es bekanntlich auch Grundeigentümer im WiN-Gebiet gibt.

Der Hinweis auf das Beispiel des Rot-Grün regierten München dürfte allerdings noch wichtiger sein, wenn man an die Bewohnerarbeit als zentrale Zielsetzung denkt, bei der nicht im ersten Schritt Gelder an Organisationen außerhalb des Gebietes verteilt werden und die Stelle der Quartiersmanagerin ganz unabhängig von der Entwicklung im WiN-Gebiet bereits vorab sehr kurzfristig begrenzt ist.

Wenn die Bremer Entscheidungsträger nicht die Erfahrungen anderer Städte nutzen wollen, hätten sie sich auch über die frühen WiN-Projekte informieren können.

Als es noch nicht die „politischen“ flankierenden WiN-Gebiete gab, dienten auch in Bremen die Aktivierung der Bewohner und die Evaluation der Maßnahmen noch als wichtige Entscheidungsgrundlagen.


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„Verfrühstückte“ WiN-Mittel

#28 von Reinhard , 27.03.2014 11:57

„Verfrühstückte“ WiN-Mittel


Ohne Frage verhilft ein reichhaltiges Frühstück vielen Menschen zu einem guten Start in den Tag. Es ist daher zweifellose wichtig, wenn Schulen wie die OS Lehmhorster Straße in Lüssum nicht nur ernährungsgwssennschaftlich gesundes, sondern vor allem auch politisch korrektes Essen anbieten. So können die Schülerinnen und Schüler zwischen einem „Norm“, einem „Veg“ und einem „Mosl“ Gericht wählen, wobei das „normale“ Menü international ausgerichtet ist; denn auf dem Speisezettel dieser Woche findet man keine Schmorbraten, Schnitzel oder Bratwürste, sondern Spaghetti Bolognese und Balkaneintopf mit Fladenbrot. Als Nachtisch dürfen sich die Beschulten - oder wie der korrekte Oberbegriff für Schülerinnen und Schüler heißen mag - auf eine „Göttinnenspeise mit Vanillesoße“ freuen.

Bei einer derartigen Kulturrevolution in der Küche ist es nicht verwunderlich, wenn von den Errungenschaften des mehrfach korrekten Speiseplans möglichst jeder profitieren soll. Deshalb wurde in der OS Lehmhorster Straße offenbar nach einer Möglichkeit gesucht, um möglichst jedem Beschulten wenigstens morgens ein Frühstück anbieten zu können. Als Ergebnis wurde, wie das BLV berichtet, das Projekt „Gesundes Frühstück“ „initiiert, das „über WiN-Mittel finanziert wird. Nach dieser Darstellung geht es also um das Schulfrühstück und nicht die Entwicklung eines konkreten WiN-Gebietes, dessen finanziellen Ressourcen nur als willkommene Finanzierungsquelle dienen.

Bei diesen emanzipatorischen und ernährungswissenschaftlichen Überlegungen war dann offenbar einfach keine Zeit mehr für eine intensivere Beschäftigung mit dem Bremer WiN-Konzept.

So können aus WiN-Mitteln 30 Schülerinnen und Schüler ab Mai 204 ein Jahr lang ein Schulfrühstück erhalten, wobei nichts über die Auswahl der Begünstigten gesagt wird. Dabei dürfte man jedoch vermutlich einen Wohnsitz im WiN-Gebiet aus „pädagogischen“ Gründen nicht zum einzigen Kriterium machen.

Über die Frage, ob sich dadurch etwas im WiN-Gebiet bewegen lässt, ja, dort die Bewohner zu möglicherweise einer gesunden Lebensweise angehalten werden, hat sich offenbar niemand größere Gedanken gemacht. Man kann daher den Eindruck gewinnen, dass die bewilligten Mitel für das flankierende WiN-Gebiet „Altes Zentrum Blumenthal“ zum einen räumlich umlenkt werden in den Ortteil Lüssum, in dem diese Schule nun einmal liegt und der selbst auch als WiN-Gebiets ausgewiesen ist. Da würde es zumindest naheliegen, einen entsprechenden Antag auch für die Schüler aus Lüssum zu stellen, damit sich keine Schülerinnen und Schüler aufgrund ihres Wohnsitzes diskriminiert fühlen müssen.

Die Mittel werden zum anderen jedoch auch für ein sachlich ganz anderes Projekt eingesetzt: ein kostenloses gesundes Schulfrühstück in einer Ganztagsschule, wodurch vor allem die bestehenden Sätze von Transferzahlungen durch Naturalien aufgestockt werden. Das mag ein durchaus sinnvolles Vorhaben sein, nur sollte man es dann nicht in einer Mogelpackung verstecken und damit dem neuen sozial benachteiligten Gebiet Mittel entziehen. Wenn man die Hartz IV-Sätze für zu niedrig hält und für ein kostenloses Schulfrühstück eintritt, sollte man für entsprechende Änderungen und Finanzierungen politisch werben.

Ein rascher Zugriff auf Mittel, die für andere Zwecke gedacht sind und für die andere Antragsteller noch keine Pläne in de Schublade hatten, führt hingegen zu neuen Ungerechtigkeiten bei der Verteilung. Auch hilft diese räumliche und sachliche Umverteilung der Entwicklung des WiN-Gebietes „Altes Zentrum Blumenthal“ in keiner Weise. Es behindert sie vielmehr.


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zuletzt bearbeitet 27.03.2014 | Top

Nachzuholende Hausaufgaben

#29 von Reinhard , 05.05.2014 11:47

Nachzuholende Hausaufgaben

Bisher hat sich der Blumenthaler Beirat zwar über eine sehr begrenzte empirische Erhebung zur aktuellen Situation im Bereich der George-Albrecht-Straße und über die ersten Tätigkeiten der Quartiersmanagerin informieren lassen. Eine Diskussion des gesamten Konzepts steht jedoch noch aus. Das dürften nicht zuletzt die Mitarbeiter des Planungsbüros proloco bedauern, die in ihrem „Handlungskonzept“ für das „Quartier Flethestraße/ Fresenbergstraße/ Lüder-Clüver-Straße/ Kapitän-Dallmann-Straße“ eine starke Beteiligung des Stadtteils Blumenthal und damit seines Beirats für nötig gehalten haben.

Diese wichtige Diskussion hat der Beirat bisher kaum geführt.Vielmehr hat er eher für Irritationen gesorgt, wenn die George-Albrecht-Straße einerseits zeitweise in eine Spielstraße umgewandelt wird, während Vertreter der großen Beiratsfraktionen dort andererseits Polizeipatrouillen mit und ohne Hund fordern.

Eine Reihe dieser Aspekte, die noch kein deutliches Engagement des Stadtteils für das WiN-Konzept erkennen lassen, spricht ein neuer Bürgerantrag "Aktuelle Probleme bei der Entwicklung des WiN-Gebietes „Altes Zentrum Blumenthal“ an, der ab heute auf der Webseite des Ortsamtes abgerufen werden kann. Darin werden einige Fragen gestellt, deren Beantwortung mehr Klarheit in die weitere Entwicklung bringen kann und gleichzeitig der Quartiersmanagerin bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit sichern soll.

Reinhard  
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RE:"Quartierstreff gefunden"

#30 von Lola , 13.05.2014 07:53

https://m.weser-kurier.de/articles/84937...streff-gefunden
Zitat
Bremen
Siebenmonatige Suche nach geeigneter Immobilie - 13.05.2014
Räume für Quartierstreff gefunden

Von Christina Denker

Blumenthal. Für den Quartierstreffpunkt in der Nähe der George-Albrecht-Straße sind nun, nach über sieben Monaten Suche, Räumlichkeiten gefunden worden: In einer ehemaligen Arztpraxis in der Kapitän-Dallmann-Straße 18 soll das neue Herz des Quartiers schlagen. Nun sind auch Projektideen von Bürgerseite gefragt.


Möglich macht das allerdings nicht die bremische Verwaltung, die einen entsprechenden Bürgerschaftsbeschluss umsetzen soll, sondern der Förderverein der Bürgerstiftung Blumenthal: Weil die stadteigene Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen (IB) hohe Ansprüche an die Ausstattung der von der Stadt Bremen angemieteten Gebäude stellt, hat Quartiersmanagerin Carola Schulz nun die Bürgerstiftung gebeten, als Träger zu fungieren und Räume der leer stehenden Arztpraxis zu mieten.

Ein entsprechender Mietvertrag läuft über drei Jahre und wurde jetzt unterzeichnet. Nach Schätzung von Carola Schulz wird der Treffpunkt seine Türen vermutlich im Juni öffnen. Eile ist geboten, denn der Vertrag der Quartiersmanagerin läuft in nicht mal anderthalb Jahren schon wieder aus. Die Laufzeit des Mietvertrages wird allerdings als Indiz dafür gesehen, dass an eine Verlängerung gedacht wird
Zitat Ende

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Sozial benachteiligtes Blumenthal

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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