Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Sozial benachteiligtes Blumenthal

#1 von Reinhard , 20.09.2013 11:52

Sozial benachteiligte Blumenthaler Ortsteile

Im Zuge der Wahlberichterstattung hat das statistische Landesamt die Anteilswerte der Empfängerinnen und Empfänger von SGB II-Leistungen für das Jahr 2012 veröffentlicht.

Dieser Strukturindikator spielt bei der Beurteilung benachteiligter Quartiere, die eine besondere städtebauliche Förderung etwa im Rahmen des Bremer WiN-Projekts erhalten, eine sehr gewichtige Rolle.

Da zwei Blumenthaler Ortsteile bereits im Jahr 2011 überdurchschnittlich hohe Werte besaßen, verdienen diese aktuellen Zahlen Beachtung, da sie im politischem Raum durchaus gewichtige Argumente darstellen können, wenn es um die Verteilung von notwendigen Fördermitteln geht.

Wie bereits 2011 gehört auch 2012 der Ortsteil Blumenthal weiterhin zu den zwölf besonders benachteiligten Bremer Ortsteilen, auch wenn hier der Anteil der Hartz IV-Empfänger ganz geringfügig von 25,4 % auf 25,2 % gesunken ist. Damit hat sich die schlechte Situation Blumenthals bestätigt, das weiterhin einen deutlich höheren und damit problematischeren Wert besitzt als bereits ausgewiesene WiN-Gebiete wie u.a. Grohn, Hemelingen, Neue Vahr Südwest und Oslebshausen.

Dabei müssen die Blumenthaler Werte sogar noch um den Anteil der Empfänger von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz korrigiert werden, wenn man den Anteil der Empfänger von Transferzahlungen als Beurteilungsgrundlage verwenden will.

In dem WiN-Gebiet Lüssum-Bockhorn hat sich hingegen noch weniger verändert als im Ortsteil Blumenthal, denn hier sank der SGB-Indikator von 24,6 % auf 24,5 %, blieb also praktisch ebenfalls gleich.

Deutlicher waren hingegen die Veränderungen in Farge und Rönnebeck, wo es innerhalb nur eines Jahres zu deutlich höheren Werten gekommen ist, denn hier stiegen die Anteile, die sich im Bremer Durchschnitt kaum verändert haben, um einen ganzen Prozentpunkt und mehr. Im Einzelnen waren das in Farge ein Anstieg von 11,4 % auf 13,2 % und in Rönnebeck von 14,3 % auf 15,3 %.

Da in Rekum der Wert von 8,8% auf 8,2 % fiel, kann man für die Tanklagerorte Farge und Rönnebeck an die dort im Zuge der Grundwasserkontamination gefallenen Immobilienpreise als Erklärung denken, indem der preiswerter gewordene Wohnraum zu Zuzügen von Transferleistungsempfängern geführt hat.

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Gerechtigkeit

#2 von Reinhard , 21.09.2013 19:52

Gerechtigkeit

In der aktuellen politischen Diskussion spielt die soziale Gerechtigkeit eine ganz zentrale Rolle. Das ist nicht unbedingt überraschend, da jeder von uns gerecht behandelt werden möchte.

Diese subjektiven Wünsche machen den Begriff vermutlich in der Praxis besonders schwierig, da die vielen Vorstellungen von Gerechtigkeit nicht unbedingt deckungsgleich sind, wenn es etwa darum geht, wie gerechte Löhne in China und Deutschland aussehen sollen oder welche Relation zwischen dem Einkommen eines Spitzenfußballers und dem eines Krankenpflegers „gerecht“ ist.

Aber diese Fragen sollen hier nur am Rande interessieren; denn neben der individuellen Gerechtigkeit gibt es vermutlich auch so etwas wie eine Quartiersgerechtigkeit, denn auch das Wohnen wird nicht in jeder Umgebung als gleichermaßen gut und damit gerecht empfunden.

Um diese möglichen Ungerechtigkeiten abzubauen, hat Bremen sein WiN-Programm, das durch einen ganzen Katalog von Fördermaßnahmen gleichwertige Lebensverhältnisse auch in den sogenannten sozial benachteiligten Vierteln herstellen will.

Damit wird ein vom Ansatz her durchaus überzeugendes Konzept verfolgt. Nur führt die Ausweisung der Gebiete und damit der Einsatz der finanziellen Gießkanne in der Praxis zu Entscheidungen, die sich nicht leicht nachvollziehen lassen. In den senatorischen Behörden wurden zu diesem Zweck Indizes gebildet, die niemand durchschauen kann, sodass sogar der Landesrechnungshof im Bereich des Bildungssenatorin das Handtuch geworfen und eine durchschaubare Berechnung verlangt hat. Gerechtigkeit soll damit in diesen Fällen durch ein undurchsichtiges Zahlengestrüpp erzielt erden, was dann zumindest von den negativ Betroffenen als ungerecht empfunden wird.

Wenn man statt der Methoden der Bau- und Sozialbehörde ganz einfache Indikatoren heranzieht, kommt man schnell zu dem Schluss, dass es neben sozial benachteiligten Ortsteilen auch von der Bremer Politik benachteiligte bereits sozial benachteiligte Gebiete gibt.

Das gilt, wenn man den Anteil der Empfänger von Transferzahlungen benutzt, der üblicherweise als ganz wichtige Messgröße gilt, beispielsweise für den Ortsteil Blumenthal. Der müsste daher, wenn korrekt nach objektiven Zahlen entschieden würde, ebenso wie Lüssum zum Kreis der Bremer WiN-Gebiete zählen. Damit würden bereits fast 70% der Einwohner des Stadtteils Blumenthal in sozial benachteiligten Gebieten leben.

Doch damit nicht genug! Durch den Tanklagerskandal sind inzwischen die Ortsteile Farge und Rönnebeck ökologisch benachteiligte Gebiete. Dabei kann, wie die aktuellen Daten für 2012 zeigen, sogar über den Wohnungsmarkt leicht aus einem ökologisch ein sozial benachteiligtes Gebiet werden. Bezogen auf die gesamte Einwohnerzahl des Stadtteils sind damit weitere 20 % der Bevölkerung negativ betroffen.

Insgesamt bleibt damit Rekum als einziger „grüner“ Ortsteil, der ökologisch und sozial so unbelastet ist, wie man das für die Vororte von Großstädten üblicherweise erwartet. In Blumenthal triftt diese eigentliche Selbstverständlichkeit jedoch insgesamt nur für 7 % der Bevölkerung zu.

Damit hat Blumenthal ein erhebliches Gerechtigkeitsdefizit, um das sich die Lokalpolitiker allerdings nur wenig kümmern, sondern es offenbar lieber den senatorischen Behörden überlassen. Die scheinen die Probleme jedoch lieber zu verdrängen als zu lösen, wie der „rasche“ Maßnahmeneinsatz an der George-Albrecht-Str. zeigt.

Offensichtlich reicht es nicht, nach Gerechtigkeit zu rufen. Die Blumenthaler müssen dafür offensichtlich auch etwas mehr tun. Das gilt nicht zuletzt für ihre politischen Vertreter, die sich bisher bei der Beseitigung sowohl der sozialen als auch der ökologischen Schieflagen nicht gerade in den Vordergrund drängten. Ein erheblich deutlicheres gemeinsames Eintreten für die Interessen Blumenthals wäre hier vermutlich nötig, damit die Blumenthaler Situation überhaupt wahrgenommen wird.

Bei der notwendigen Auswahl der Maßnahmen sollte man nicht vergessen, was vor allem die WiN-Gebiete nach voran gebracht hat. Das waren nicht die weichen Maßnahmen, sondern die Beseitigung von Bausünden. Auch hier kann der Blumenthaler Beirat ein Wörtchen mitreden, wenn er denn seine Chancen nutzt.

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Einmalige Chancen

#3 von Reinhard , 23.09.2013 09:48

Einmalige Chancen

Die Daten für die sozialen und ökologischen Belastungen in Blumenthal sind alarmierend, wenn nicht einmal jeder zehnte Blumenthaler in einem Ortsteilen lebt, der nicht von diesen Probleme betroffen ist. Das dürfte die Wohnerwartungen vieler Einwohner enttäuscht haben, die sich ein Häuschen oder eine Wohnung am nördlichen Stadtrand gesucht haben. Das Leben im Grünen stellt man sich schließlich ganz anders vor.

Wenn man die Situation jedoch näher betrachtet, besitzt Blumenthal gleichzeitig zwei große Chancen, wie sie in dieser Form in Städten sehr, sehr selten sind. Der Stadtteil verfügt nicht nur über Probleme, sondern auch über zwei große Flächen, die für eine neue Beplanung zur Verfügung stehen. Diese sind zwar kein völliges unbelastetes Neuland, aber doch Freiflächen, deren Nutzung dazu beitragen kann, die Defizite abzubauen, wenn man ihre Entwicklung vor allem unter diesem Gesichtspunkt angeht.

Das ist allerdings gegenwärtig nicht der Fall. Vielmehr haben es die Bremer Politiker und Planer geschafft, diese Flächen in einem Zustand zu halten, der die positive Entwicklung Blumenthals besonders stark bremst. So soll auf der Industriebrache der ehemaligen Wollkämmerei nach und nach ein Industrie- und Gewerbegebiet entstehen, das noch lange Zeit abschreckende Freiflächen aufweisen wird und auch bei einer erfolgreich abgeschlossenen Bebauung die Wohnqualität in den angrenzenden Wohngebieten des Ortsteils Blumenthals nicht gerade erhöhen wird.

Eine ähnliche ungewisse Hängepartie besteht beim Areal des Tanklagers Farge, wo völlig offen ist, wie diese Fläche demnächst genutzt wird. Es herrscht eine Ungewissheit, die die Immobilienpreise verfallen lässt und auch in größerer Entfernung zum Tanklager und seiner Kontaminationsfahne die Zuzüge und die Investitionen auf dem Wohnungsmarkt verhindern dürfte.

Das wird sich erst ändern, wenn nach einer Bestandsaufnahme der gesamten Kontaminationen auf dem Areal über eine neue Nutzung entschieden worden ist.

Dabei könnten in beiden Fällen geeignete neue Nutzungskonzepte die Weichen für eine bessere Entwicklung Blumenthals stellen, wie hier im Blog und Forum im Einzelnen dargestellt ist.

Nach den bisherigen Erfahrungen wird es dazu allerdings notwendig sein, dass sich die Blumenthalerinnen und Blumenthaler nicht auf die Entscheidungen verlassen, die in Bremen getroffen werden oder dort auf sich warten lassen. Vielmehr muss die Blumenthaler Beiratsmehrheit als Vertreterin Blumenthals mehr auf die schlechte Situation aufmerksam machen und auf eine Entwicklung der beiden großen Freiflächen drängen, die aus dem Problemgebiet Blumenthals wieder einen aufstrebenden Stadtteil am Rande Bremens machen.


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Dreigeteiltes Blumenthal

#4 von Reinhard , 23.09.2013 15:58

Dreigeteiltes Blumenthal

Die analytische Gliederung Blumenthals in einen WiN-Bereich aus Lüssum-Bockhorn und dem Ortsteil Blumethal, dem bisher die Förderung aus dem Bremer Programm „Wohnen in Nachbarschaften (WiN)“ verwehrt wird, den beiden von der Tanklager-Kontaminationsfahne betroffenen Ortsteilen Farge und Rönnebeck sowie der (fast) heilen Welt in Rekum lässt sich sogar sehr deutlich im gestrigen Wahlergebnis finden. Sie ist also nicht von außen herangetragen worden, sondern beschreibt sehr genau die Blumenthaler Realität.

Betrachtet man die Höhe der Wahlbeteiligung, die immer auch etwas über die Einstellung gegenüber dem politischen System mit seinen Wahlen besagt, so liegt nur Rekum über dem Bremer Durchschnitt. Farge und Rönnebeck erreichen hingegen nicht ganz die Höhe der Bremer Wahlbeteiligung von knapp 70 %, die in Blumenthal und Lüssum sogar um fast 10 Prozentpunkte unterschritten wird.

In diesen beiden Ortsteilen war die „Partei“ der Nichtwähler also stärker als die „richtige“ Partei mit den meisten Stimmen, denn die SPD erzielte nur 40,9 % in Lüssum und 38,5 % in Blumenthal.

Blumenthal müsste also nicht nur nach der Höhe des Anteils der Empfänger von Transferleistungen, sondern auch aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung ein WiN-Gebiet sein.

Nur scheint der stumme Protest allein nicht zu einer Anpassung der politischen Entscheidungen an den objektiv vorhandenen Sachverhalt zu führen.

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RE: Einmalige Chancen

#5 von Lola , 23.09.2013 18:19

..vielleicht will die Politik den "stummen Protest" nicht als solchen zur Kenntnis nehmen, sondern ordnet ihn in die Sparte der "an Politik Desinteressierten" ein, oder?

Schaun mer mal.


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RE: Einmalige Chancen

#6 von Lola , 25.09.2013 07:56

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...rid,670571.html
Zitat
Studie: Kräftige Kursgewinne führen zu mehr Reichtum - 25.09.2013
Vermögen wachsen weltweit deutlich
Von Norbert Pfeifer

Bremen · Frankfurt. Vor allem dank der Kursfeuerwerke an den Weltbörsen haben die Menschen rund um den Globus ein Rekordvermögen angehäuft. Weiteres Ergebnis einer gestern vorgestellten Studie: Die Schere zwischen Arm und Reich in Europa geht weiter auseinander.

es heißt in dem Bericht weiter:
Der deutsche Arbeitsmarkt sei dagegen robust, die Einkommen entwickelten sich besser als andernorts, und die Deutschen seien die Sparmeister Europas. Holzhausen: „Deutschland ist recht gut durch die Krise gekommen.“ Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, sagte zu den Zahlen: „Geht diese Schere zwischen Nord und Süd weiter auf, kann dies den Zusammenhalt in Europa untergraben.“
Über die Vermögensverteilung innerhalb der untersuchten Staaten sagt der Report nichts. Frühere Studien haben jedoch belegt, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland beim Vermögen auseinandergeht.
Zitat Ende

Auf jeden Fall sollte man den Kommentar "zum Reichtumsbericht" mit der Überschrift

"Vermögensvernichtung"

gleich danach lesen.

Der Kommentar endet mit folgendem Satz:
Über Rettungsschirme ist in Deutschland viel diskutiert worden, vielleicht ist es Zeit für einen Rettungsschirm für Sparer.

Hier ein Beispiel:
http://www.n-tv.de/wirtschaft/IVG-fluech...le11203961.html
http://www.focus.de/finanzen/news/untern...id_1076894.html

http://www.wallstreet-online.de/diskussi...neuster_beitrag
Einschätzungen und Meinungen von Usern, Kleinanlegern u.s.w.

http://www.wallstreet-online.de/nachrich...aeft-an-tanquid

Tanklager Farge: allgemein

Der Vertrag mit TanQuid als Betreiber ist im Mai ausgelaufen und nun ist es wieder "militärisches Gebiet"
und die Bundeswehr ist Betreiber des Tanklagers im Stillstand.

In den Ortsteilen Rönnebeck und Farge hat neben den gesundheitlichen Gefahren für die Menschen durch das Umweltdesaster, eine Vermögensvernichtung in Form von Immobilienwertverlust begonnen.

Immobilienwerte dienen zum größten Teil der Altersversorgung, so wurde es von der Politik immer wieder empfohlen.

Eigentümer des Tanklagers ist die Bundeswehr und somit in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass eine Sanierung des Erdreichs und Grundwassers auf Hochtouren laufen sollte.

Wo bleibt der Rettungsschirm für die Bürger?

Wahrscheinlich wird zur Verteilerstelle in Blumenthal der "rosaroten Brillen" eine weitere Stelle für Regenschirme eingerichtet, denn auch ein Regenschirm kann retten.


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Blumenthal - ein WiN-Gebiet?

#7 von Reinhard , 03.10.2013 13:46

Blumenthal müsste also nicht nur nach der Höhe des Anteils der Empfänger von Transferleistungen, sondern auch aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung ein WiN-Gebiet sein.

Eine niedrige Wahlbeteiligung ist ein typisches Merkmal für die Bremer WiN-Gebiete ist. Dieser Zusammenhang resultiert allein schon aus der Konzentration von Wahlberechtigten in diesen Quartieren, die als Empfängern von Transferleistungen – also vor allem Hartz IV - , Arbeitslose und als Ausländer unterdurchschnittlich häufig wählen. Hinzu kommt, dass in diesen sozial benachteiligten Gebieten auch die Kontakte zu Nachbarn und Bekannten nicht unbedingt die Motivation für einen Urnengangs erhöhen. Vielmehr treffen hier Nichtwähler auf viel Verständnis in ihrem privaten Umfeld, wie es in der Studie „Gespaltene Demokratie“ der Bertelsmann Stiftung heißt, die kurz vor der Bundestagswahl veröffentlicht wurde.

Wendet man dieses Verhaltensmerkmal der Wahlberechtigten einmal auf den Ortsteil Blumenthal an, liegt hier die Wahlbeteiligung mit 60,6 % zwar leicht über dem Durchschnitt der ausgewiesenen WiN-Gebiete (59 %), aber die negative Entwicklung entspricht mit –2,8 Prozentpunkten genau dem Trend in diesem Bremer Sozialraumtyp.

Blumenthal muss damit also nicht mit Tenever, der Neuen Vahr, Gröpelingen oder Ohlenhof auf eine Stufe der negativen Extreme gestellt werden. Gleichwohl sollte man nicht übersehen: Es gibt mit Grohn, Huckelriede, Kirchhuchting, Mittelshuchting und Woltmarshausen ausgewiesene und geförderte WiN-Gebiete, die nach diesem Kriterium deutlich weniger benachteiligt sind als Blumenthal.

Blumenthal darf also nicht vergessen, auf seine Situation aufmerksam zu machen, wenn es nicht leer ausgehen will.

Da die finanziellen Mittel knapp sind, sollte man sich rechtzeitig um eine effektive Verwendung Gedanken machen. Der Einsatz von Immobilienmanagern an der Mühlenstraße dürfte dafür kein leuchtendes Vorbild sein.

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RE: Blumenthal - ein WiN-Gebiet?

#8 von Lola , 05.10.2013 06:59

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...rid,678082.html

Zitat
Sozialarbeiterin Carola Schulz soll Konzept für Blumenthal entwickeln / Büro erst einmal im Doku - 05.10.2013
Neue Quartiersmanagerin im Dienst
Von Sylvia Wörmke

Blumenthal.

Blumenthal hat nun endlich eine Quartiersmanagerin. Es handelt sich um die 37-jährige Sozialarbeiterin Carola Schulz, die zuletzt im Stadtteil Osterholz-Tenever im Projekt Wohnen in Nachbarschaften/Soziale Stadt und davor als Referentin für die Jugendbildungsstätte Lidice Haus tätig gewesen ist. „Ich freue mich, dass wir mit Frau Schulz eine erfahrene Quartiersmanagerin gefunden haben, die über vielfältige Erfahrungen verfügt“, kommentiert Sozialsenatorin Anja Stahmann die Neueinstellung zum 1. Oktober.
Zitat Ende


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Ausschüsse und konkrete Maßnahmen

#9 von Reinhard , 09.10.2013 12:59

Ausschüsse und konkrete Maßnahmen

Trotz einiger Erfahrungen in Blumenthal muss die Entwicklung eines benachteiligten Stadtteils nicht mit den Sitzungen von Lenkungs- und Arbeitskreisen oder sonstigen Ausschüssen enden. Wie Hamburg gerade in Wilhelmsburg zeigt, kann man auch zu vielversprechenden Schlussfolgerungen kommen.

Dabei ähnelt der Hamburger Stadtteil sogar teilweise Blumenthal. Das gilt für die Lage an bzw. in einem Fluss und eine inzwischen geschlossene Wollkämmerei als wichtiger Arbeitgeber. Aktuell zeigen die Daten zur Bundestagswahl am 22. September in beiden Fällen Sozialstrukturen an, die für ein Bremer WiN-Quartier typisch sind. So betrug die Wahlbeteiligung in Wilhelmsburg nur 57,1 %, und die SPD lag unter den Parteien deutlich vorn mit 40,6 % der gültigen Stimmen.

In diesem Jahr kann man hier sehen, wie die Hamburger die Situation in solchen Vierteln in den Griff bekommen und verbessern wollen. So hat man eine große Verwaltungseinheit, und zwar die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) nach Wilhelmsburg verlegt.

Außerdem werden in diesem Stadtteil mit einem Negativimage zwei überregionale Veranstaltungen durchgeführt, und zwar die Internationale Gartenschau (igs) und die Internationale Bauausstellung (IBA)

Zur Eröffnung sah deshalb der Hamburger Bürgermeister in der Elbinsel Wilhelmsburg „den Nabel der Welt“, ohne das für eine „Übertreibung zu halten“.

Vermutlich wird man lange suchen müssen, um einen Anlass zu finden, an dem Bremen sich in ähnlicher Weise für die Entwicklung Blumenthals stark gemacht hat.

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Wenn zwei SenatorInnen „verbessert“ sagen…

#10 von Reinhard , 31.10.2013 09:30

Wenn zwei SenatorInnen „verbessert“ sagen…

sollte man einigen „Vorbildern“ folgen und der Sache auf den Grund gehen. Hat nicht Lenin erklärt, dass Vertauen zwar gut, Kontrolle jedoch besser sei und wird diese Maxime nicht inzwischen sogar von der NSA angewandt, wenn sie die Regierungschefs befreundeter Länder überwacht?

Solche Praktiken sollen hier natürlich nicht eingesetzt werden, sondern es soll nur ein Blick auf das Kleingedruckte geworfen werden, das eilige Leser in statistischen Untersuchen gern weniger beachten.

Als bemerkenswertes Ergebnis des jetzt veröffentlichten Monitorings Soziale Stadt 2013 haben der Bausenator und die Sozialsenatorin den jeweiligen Deputationen einen Bericht vorgelegt, der für die George-Albrecht-Straße eine Wende zum Besseren anzeigen soll. Diese Aussage wurde auch von der Lokalpresse übernommen, wo es heißt: „Der Index der George-Albrecht-Straße, die schon bei der Untersuchung 2010 mit der Priorität 3 versehen wurde, hat sich indes von 324,2 auf 241,5 verbessert.“

Das ist allein von der Wirkung der Zahlen her ein Ergebnis, zu dem man anscheinend der Bremer Politik nur gratulieren kann.

Wie sieht es jedoch aus, wenn man sich die Entstehung der Zahlen näher ansieht?

In den Index gehen, wie der Monitroung-Bericht erläutert, die drei einzelnen Leitindikatoren „Einkommensarmut“, „Migrationshintergrund“ und „Sprachstand“ für jeden Baublock ein.

Zu dem üblichweise als besonders wichtig angenommenden Bereich „Einkommenarmut“ erfolgt anschließend eine Präzisierung. So werden hier erfasst:

• ALG II – BezieherInnen (15 bis unter 65-jährige erwerbsfähige Hilfebedürftige)
• BezieherInnen von Sozialgeld (hilfebedürftige nichterwerbsfähige Personen, die mit einer/einem erwerbsfähigen ALG II – Bezieherin bzw. Bezieher in einer Bedarfsgemeinschaft leben; z.B. Kinder und ältere Personen)
• Bezieherinnen von Sozialgeld für anerkannte Mehrbedarfe zum ALG II (z.B. werdende Mütter)

Bezogen auf die George-Albrecht-Straße mit den zahlreichen Geduldeten bedeutet dies, dass die Bezieher von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz gar nicht eingeschlossen sind. Auch zum Merkmal „Sprachstand“ erfährt man nicht, wie Kinder gezählt werden, die an dem entsprechenden Test gar nicht teilnehmen.

Man muss hier folglich von systematisch positiv verzerrten Werten für den Index ausgehen.

Wie bei der Definition der „Einkommensarmut“ muss man sich auch bei der Indexbildung und damit seiner Aussagequalität die Definition näher ansehen. Danach gehen nicht die unmittelbar gemessenen Werte wie der Anteil der Hartz IV-Bezieher in die Rechnung ein, sondern die Relation zum Bremer Durchschnitt. Dieses Verfahren mag zwar „sehr plausibel" und "leicht nachzuvollziehen“ sein, aber es führt wegen dieser Bildung relativer Werte dazu, dass „die Ergebnisse .. nicht direkt mit denen in den vorherigen Monitoring-Berichten vergleichbar“ sind, wie es in einer Fußnote heißt.

Obwohl also die Einkommensarmut im Baublock „George-Albrecht-Straße“ deutlich zu niedrig erfasst wird und der Gesamtindex nur eine Relation zur Entwicklung in Bremen insgesamt angibt, wird in der Deputationsvorlage behauptet:… „das Gebiet George-Albrecht-Straße hat sich …im Index im Vergleich zu 2010 verbessert“.

Das ist zwar wortwörtlich korrekt, nur ist dieser Vergleich nach den Worten der Autoren unzulässig. Zudem darf man den Index nicht für die Realität halten, auch wenn das durch die Indexbildung nahegelegt wird. Setzt man hier vielleicht auf eilige Leser, die den Hinweis auf den Index für bedeutungslos halten?

Während sich nach diesen Zahlen, die die senatorischen Statistiker ausgetüftelt haben, die Situation offenbar deutlich verbessert hat, wurde gerade jetzt, nachdem zuvor in ähnlichen Untersuchungen vielfach ohne irgendeine politische Reaktion auf die Problemsituation hingewiesen wurde, eine Quartiersmanagerin eingestellt, ein kleines Budget für zwei Jahre „gefunden“ und sogar ein Teil Blumenthals zum flankierendes WiN-Gebiet erklärt.

Das sieht sehr nach einem Widerspruch aus. Oder liegt es nur daran, dass die SenatorInnen nach einer Maxime handeln, die dem früheren britischen Premierminister Sir Winston Churchill zugeschrieben wird. Der soll angeblich nur den Statistiken geglaubt haben, die er selbst gefälscht hatte.

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Noch immer kein Büro für Quartiersmanagerin?!

#11 von Lola , 15.01.2014 21:31

http://www.berliner-mieterverein.de/maga...0401/040131.htm
Zitat
April 2001 - Hintergrund
Aktiengesellschaften
Die neuen Immobilienkraken

Ob Kiel, Frankfurt, Wilhelmshaven oder Berlin, ob landeseigen oder bundeseigen, ob in Frankreich oder Österreich: Die Privatisierung des öffentlich kontrollierten Wohnungsbestandes schreitet voran. Es mehren sich sogar Indizien, dass die große Welle erst noch bevorsteht: Das Kauf- und Verkaufskarussell folgt einem bundesweiten Trend zum Ausverkauf ehemals sozial gebundener Wohnungsbestände und Unternehmen. Als Aktiengesellschaften organisierte Immobilienunternehmen rüsten sich, die "verborgenen Schätze" zu heben. Ihre Begehrlichkeiten decken sich in fataler Weise mit den Finanznöten der Gemeinden und dem Paradigmenwechsel in der Wohnungspolitik: Weg von der sozialen Wohnungsversorgung - hin zur privaten Wohnungswirtschaft.

Die vorgesehene Vermögensaktivierung heißt nichts anderes als eine Freigabe von bislang gebundenem und politisch kontrolliertem Vermögen zur ungehinderten Verwertung am Kapital- und Immobilienmarkt. "Eine Revolution steht bevor", meint Ralf Schönball im "Tagesspiegel", und ausgelöst hat sie die rot-grüne Bundesregierung mit ihrer Steuerpolitik.
Zitat Ende

Der o.a. Bericht ist zwar schon etliche Jahre alt, aber befinden sich die Wohnungen in der George-Albrecht-Str. nicht in privater Hand?

Die Norddeutsche 13.1.2014 - Beitrag "Suche nach einem Treffpunkt - Noch kein Büro für das zweijährige Win-Programm in Blumenthal"
Der Beitrag klärt auf, dass die Menschen in den ehemaligen Häusern der BWK, in der George-Albrecht-Str. ihr Quartier kaum verlassen und deshalb geht Beiratssprecher Peter Geis (SPD) davon aus, dass der Treffpunkt im Quartier angesiedelt sein muss.
"Erschwert wird dieser Wunsch jedoch dadurch , dass es dort direkt keine öffentlichen Immobilien gibt, die für einen Treffpunkt genutzt werden könnten. Dies habe die zuständige Instanz für alle städtischen Häuser und Grundstücke , Immobilien Bremen (IB), bereits durchblicken lassen, berichtet Quartiersmanagerin Schulz.

Folglich ist Carola Schulz auf einen Privaten Vermieter angewiesen."

Warum ist die Quartiersmanagerin immer noch auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten?

Das Quartier George-Albrecht-Str. befindet sich lt. Zeitungsbericht nicht in öffentlicher Hand, oder habe ich das vielleicht nicht richtig verstanden?

Wo liegt also das Problem, für die Quartiersmanagerin e n d l i c h geeignete Räumlichkeiten direkt im Quartier George-Albrecht-Straße zu finden?



(Der angesprochene Artikel in der Nordddeutschen lässt sich inzwischen hier aufrufen. (Admistrator))


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RE: Noch immer kein Büro für Quartiersmanagerin?!

#12 von Lola , 18.01.2014 18:53

Fresenbergstr. 61 /Ecke George-Albrechtstr. - Leerstand Fabrik-oder Lagerhalle; davor befindet sich ein Haus, das m.M. nach schon seit längerer Zeit leersteht.

Möglicherweise sind ja alle Wohnungen in der George-Albrecht-Str. zu 100% vermietet, sodass Fr. Schulz vielleicht bei dem Eigentümer der o.a. Adresse einmal anfragen könnte.

Der Ortsamtsleiter wird ihr sicherlich behilflich sein können.

Vielleicht gibt es ja auch User in diesem Forum die für Fr. Schulz einen "brandheißen" Tipp haben, wo noch Leerstände zu verzeichnen sind, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur George-Albrecht-Str. zu finden sind. Nicht dass die zwei Jahre plötzlich rum sind und die Quartiersmanagerin ist immer noch auf der Suche.


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Was ist die hier die Nachricht?

#13 von Reinhard , 01.03.2014 11:41

Was ist die hier die Nachricht?

Heute berichtet der Weser-Kurier von einer Kurdin, die „vor rund 20 Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen“ ist.

Der Artikel beschäftigt sich anhand dieser Mutter von sechs Kindern mit dem Angebot an Deutsch-Kursen im Bremer Norden, die aus EU-Mitteln finanziert werden, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer „nur ihren Kopf mitbringen“ müssen, während sie „Materialien und Stifte“ gestellt bekommen.

So erfreulich es sicherlich ist, dass die Kurdin seit einem Jahr Deutsch lernen will, muss man sich fragen, warum sie das nicht schon in den 19 Jahren vorher gemacht hat. Das hätte sicherlich ihr und ihren Kindern viele Probleme erspart.

Sollte die Sozialbehörde nicht einmal Maßnahmen überlegen und einsetzen, die diese lange Aufenthaltszeit ohne eine sprachliche Integration verkürzen können. Das ist zumindest die wichtige politische Botschaft, die man aus der Schilderung des Einzelschicksals ziehen muss.

Vielleicht könnte man auf diese Weise sogar verhindern, dass sich soziale Benachteiligungen überhaupt erst verfestigen.

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Ist auch der Bremer Norden eine „Demokratie der Besserverdienenden“ ?

#14 von Reinhard , 14.05.2014 08:27

Ist auch der Bremer Norden eine „Demokratie der Besserverdienenden“ ?


Zwar kann man Wahlergebnisse trotz aller Sonntagsfragen nur schwer für ein kleines Bundesland wie Bremen oder einzelne Ortsteile prognostizieren. Aber es lassen sich bereits im Vorfeld einer Wahl spannende Fragen stellen, die gezielte Blicke auf das spätere Wahlergebnis erlauben.

Ein sehr aktuelles Thema ist die Wahlbeteiligung, zu der eine Studie der BertelsmannStiiftung erschienen ist, die in einem speziellen Stadtbeitrag auf Bremen eingeht und dort für de Ortsteile Daten aus der Meinungsforschung anbietet.

Danach besteht in Bremen ein enger Zusammenhang zwischen der Schulbildung und der Wahlbeteiligung, die sich beispielsweise für Bremen-Nord an den Anteilen der „Haushalte mit (Fach-)abitur“ und der .„Haushalte ohne Schulabschluss“ ablesen lässt.

Man kann daher nach möglichen Auswirkungen auf eine erwartbare Wahlbeteiligung an der Europawahl suchen, wie es in einem neuen Blog-Artikel "Wieder wie die letzte Wahl? Bremen und sein nördliche Spitze vor der Europawahl 2014" versucht wird, oder sogar über eine „Demokratie der „Besserverdienenden“ philosophieren, wie es die BertelsmannStiftungin in ihrer Studie "Prekäre Wahlen.Milieus und soziale Selektivität derWahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2013" macht.

Dazu bietet sich eine Europawahl noch dazu im Bremer Norden mit seinen Problemquartieren ganz besonders an.

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Fehlende Identifikation

#15 von Reinhard , 22.07.2014 11:31

Fehlende Identifikation


Die im Blog-Artikel "Schwindet nur das politische Engagement für Europa? Weiterhin sinkende Wahlbeteiligung in Blumenthal" zur extrem niedrigen und weiterhin sinkenden Wahlbeteiligung in Blumenthal vertretene These über ein geringes bürgerschaftliches Engagement wird u. a durch den Erfurter Politikwissenschaftler Andreas Anter bestätigt.

Er erläuterte die teilweise geringe Wahlbeteiligung in Thüringen gegenüber der Ostthüringer Zeitung folgendermaßen:

„In vielen ländlichen Gebieten lässt sie zu wünschen übrig, da dort oft das bürgerschaftliche Engagement nicht sehr ausgeprägt ist. Andererseits hat eine Stadt wie Erfurt eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als viele westdeutsche Kommunen. Das Gleiche gilt für Dresden oder Leipzig - also überall dort, wo sich Leute mit ihrer Stadt identifizieren.“

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Blumenthals WiN-Gebiet
Asylanten wollen nicht nach Bremen Nord

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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