Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Heimatliche Chancen

#31 von Reinhard , 16.12.2013 15:16

Heimatliche Chancen

Obwohl die Sozialbehörde und die Blumenthaler Beiratsmehrheit für die George-Albrecht-Straße offenbar kein größeres Modellprojekt wollen, bieten sich ihnen jetzt aussichtsreiche Chancen. In diesem Fall droht nicht einmal die Gefahr, dass eine größere, vielleicht sogar internationale Öffentlichkeit nach den Gründen fragt, warum bisher praktisch nicht gegengesteuert wurde, obwohl hier spätestens seit 2004 Untersuchungen, die von senatorischen Behörden in Auftrag gegeben wurden, Handlungsbedarf gesehen haben.

Jetzt muss man sich nicht um EU-Mittel oder Gelder von Stiftungen bemühen, die sich für die Integration der Roma einsetzen lassen, sondern kann auf Angebote eingehen, die von Bremer Institutionen gemacht werden. So gibt es Initiativen zur Sprachförderung, zur Übernahme von Schulnebenkosten und zur Vermittlung von Lesehelfern.

Da sollte man dankbar zugreifen und aus diesen Angeboten rasch Hilfen machen, mit denen sich eine Wende zum Besseren beginnen lässt. Neben dem Schwerpunkt im Bildungsbereich gibt es dabei noch einen weiteren großen Vorteil. Man muss nicht bis Mai oder Juni nächsten Jahres warten, bis ein Quartierstreffpunkt eingeweiht ist.

Oder wollen etwa die Entscheidungsträger bei ihrem Bemühen um Entschleunigung auch hier erst die „weitere Entwicklung des flankierenden WiN-Gebietes abwarten“, wie es der Blumenthaler KO-Ausschuss erklärt hat.

Dabei kann sich jeder über diese Entwicklung informieren; denn sie wird ohne neue Maßnahmen so verlaufen, wie in den letzten Jahren: Die Sozialstruktur im Blumenthaler Zentrum unterscheidet sich mehr und mehr von der Bremens, da hier Quartiere entstehen, in denen vor allem sozial benachteiligte Problemgruppen leben.


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RE: Heimatliche Chancen

#32 von Lola , 16.12.2013 21:09

http://www.stern.de/panorama/integration...-da-659816.html

Der Artikel aus o.a. Link kommt von hier: http://www.blumenthal-zeitung.blogspot.d...lbrecht-str.htm

Zitat
Danach waren viele Wohnblöcke in Bremen-Nord vor allem Ende der neunziger Jahre begehrte Spekulationsobjekte, die u.a. an internationale Immobilien- und Hedgefonds verkauft wurden. Dabei waren die Käufer an preiswertem Wohnraum interessiert, für den die Mieten „verlässlich von Sozialamt oder Arbeitsagentur bezahlt wurden“. Die Hauptsache dabei war es, wie das Magazin Stern schrieb, dass an „pflegeleichte Menschen“ vermietet wurde, „die nicht wissen, wie man sich juristisch korrekt gegen eine kaputte Heizung oder Schimmel wehrt.“
Zitat Ende

Der Stern-Arttikel klärt auch auf, dass Fehler aus Unwissenheit und mangelnden Sprachkenntnissen passieren, und somit fatale Folgen auf das zukünftige Leben junger Einwanderer nach sich ziehen.


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Die EU und die Roma

#33 von Reinhard , 12.01.2014 10:47

Die EU und die Roma

In der aktuellen politischen Diskussion um die Roma, die möglicherweise die neue Freizügigkeit aus Bulgarien oder Rumänien nutzen, wird die EU-Kommission in Brüssel als eine Institution gesehen, die Deutschland dazu "zwingen“ will, Sozialleistungen an Zuwanderer zu zahlen, die dazu vermutlich gar nicht berechtigt sind.

Das ist jedoch nur eine Seite der EU. Daneben gibt es ein andere, auf der Steuergelder, die im europäischen Topf gelandet sind, auch für Maßnahmen verwendet werden können, die zugezogenen Roma zugute kommen.

Diese Fördermaßnahmen scheinen zwar nicht generell bekannt zu ein, wie man aus der hier diskutierten Entscheidung der Blumenthaler Koordinierungskommission (Posting 21) schließen kann. Danach sollen angeblich solche Mittel nicht in Deutschland abgerufen werden können.

Das sieht die Bremer Sozialbehörde glücklicherweise anders. So wird in dem jetzt vorgelegten „Bericht zur Quartiersentwicklung „Altes“ Zentrum Blumenthal“ gleich von zwei Förderprogrammen berichtet, die genutzt werden sollen. Geplant ist so ein Alphabetisierungs-/Grundbildungskurs, der mit ESF-Mitteln kofinanziert wird (S.4), und ein quartiersbezogenes Projekt im Bereich „Arbeit“, (S.4)

Vielleicht gelingt es der Sozialbehörde, auf diesem Weg an die europäischen Integrationsfördertöpfe noch weiter fündig zu werden, sodass es sogar zu einem Modellvorhaben Roma-Integration in Blumenthal kommt, das diesen Namen verdient und Blumenthal vielleicht sogar zu einem Synonym für eine anerkannte und erfolgreiche Roma-Politik macht.

Dieser Weg über ausgewählte und koordinierte Projekte, die auch mit Mitteln der EU oder von Stiftungen finanziert werden, dürfte nachhaltiger und erfolgreicher sein, als der bloße Versuch, „die Menschen aus ihren Wohnungen rauszuholen“, wie es nach einem Artikel im Weser-Kurier die Quartieirsmanagerin beabsichtigt.


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Warum nicht auch Blumenthal?

#34 von Reinhard , 01.02.2014 14:32

Warum nicht auch Blumenthal?

Gestern wurde Berlin anlässlich des Besuchs des EU-Sozialkommissar László Andors in den Medien einmütig gelobt. Dabei ging es nicht, wie es bei dieser Einleitung zu erwarten ist, um die große Politik der Bundesregierung, sondern um die des Landes bzw. der Stadt Berlin. Die entsprechende Presseerklärung ist mit „Berlin nutzt erfolgreich EU-Mittel für Roma-Projekte“ überschrieben. Dabei geht es um ein Modellprojekt mit drei zentralen Zielsetzungen:

- Zugang zu Bildung,
- Aufbau von Selbsthilfestrukturen und
- Stärkung der Roma-Communities.


Wenn man diese Berichte hört und sieht, kann man sich fragen, warum nicht Bremen oder Blumenthal mit ähnlichen Meldungen ein positives Image gewinnen können.

An den Bürgerinnen und Bürgern dürfte es sicherlich nicht liegen; denn hier hat sogar eine Bürgerin durch einen Bürgerantrag zu einem Modellprojekt Roma-Integration auf diese nicht zuletzt finanziellen Chancen auch für Blumenthal mit seinem sozialen Brennpunkt an der George-Albrecht-Straße hingewiesen. So viel bürgerliches Engagement findet man nicht in jedem Ort!

Wenn man allerdings verfolgt, was aus diesem Antrag und den bisherigen Reaktionen auf die heftige Mediendiskussion über den sozialen Brennpunkt George-Albrecht-Straße vor gut einem Jahr geworden ist, kann man zumindest ansatzweise erkennen, warum Blumenthal mit seiner Roma-Politik bisher keine positive Erwähnung gefunden hat.

Hier hat die Mehrheit der Beiratspolitiker es nicht einmal für sinnvoll gehalten, die Frage nach einem Modellprojekt Roma-Integration auch nur direkt an die Sozialbehörde weiterzuleiten. Stattdessen wollte man „Experten“ glauben, nach deren Auskunft Deutschland bzw. deutsche Städte keine entsprechenden Mittel bei der EU abrufen können.

Diesen falschen Glauben hat man offenbar in Berlin nicht geteilt, sondern sich tatsächlich sachkundig gemacht. Daher wurde dort ein Konzept entwickelt, nach dem gezielt Fördermittel beantragt und eingesetzt wurden Die Verwaltung hat in Berlin also nicht darauf gewartet, dass man ihr Spenden für einen sozialen Brennpunkt auf einem silbernen Tablett gereicht hat, sondern ist selbst aktiv geworden. Dadurch konnte sie das bekommen, was sie für ihr Programm benötigte, und hat nicht nur das zur Verfügung, was einzelne Sponsoren für gut und richtig erachtet haben.

Neben der unterschiedlichen Arbeitsbelastung kann man allerdings noch einen anderen Grund für die Ablehnung eines Roma-Projekts diskutieren. Vielleicht haben die Entscheidungsträger auch geglaubt, dass man mit einem Bolzplatz und Zahlungen an einige sozial benachteiligte Schulkinder bei Wählern mehr Popularität gewinnen kann als durch ein Projekt, das die Integration einer diskriminierten ethnischen Minderheit versucht.

Nur sollte man dann den Mut haben, diese Prioritätensetzung offenzulegen und die Verantwortung für eine fehlende Integration der Roma mit allen ihren Folgen zu übernehmen. Auch Parteien, die immer gern für eine Erziehung plädieren, die möglichst früh außerhalb der Familie professionell in Ganztagseinrichtungen erfolgt, können die Schuld für Sozialisationsdefizite von in Deutschland aufgewachsenen Kindern nicht ausschließlich bei den Eltern suchen. Die Belastung der Entwicklung Blumenthals durch eine Ghettobildung und wahrscheinlich weniger erfolgreiche Bildungs- und Berufskarrieren von Roma-Kindern, die in Blumenthal leben, sind ein Ergebnis dieser Politik, die wenig bis gar nichts unternimmt.

Nachdem ein WiN-Gebiet „Altes“ Zentrum Blumenthal etabliert wird, dürften einige betroffene Entscheidungsträger diese Einschätzung für falsch halten. Zeigt denn nicht dieses Projekt, wie intensiv man sich um die Situation nicht nur der Roma, sondern aller sozial benachteiligten Gruppen kümmert?

Das mag man auf den ersten Blick glauben. Sieht man jedoch genauer hin, kann man einen weiteren Grund finden, warum einige Projekte nicht von der Stelle zu kommen scheinen. Nach dem Bericht des Stadtplanungsbüros proloco stammt das Gros der vorgeschlagenen Maßnahmen aus einem Workshop am 6. Juni 2013, an dem „lokale Expert/innen und Vertreter/innen der Senatsressorts Soziales, Bau, Bildung, Inneres, Arbeit und Justiz“ teilgenommen haben (S. 36). Mit anderen Worten hat man also nur Anregungen gesammelt, die in den Bremer Behörden ohnehin bereits bekannt waren. Erfahrungen anderer Städte wie etwa die von Berlin oder wissenschaftliche Forschungsergebnisse sind also bestenfalls als Hörensagen eingeflossen. Es wurde somit nur das erneut zusammengetragen, was bereits zuvor die bisherige Tatenlosigkeit nicht beendet hatte. Man hat also nach dem Münchhausen-Prinzip gehandelt und sich am eigenen Schopf gepackt, um sich aus dem Sumpf zu ziehen .

Ein zielgerichtetes Informationsmanagement hätte hingegen sicherlich direkt die Erfahrungen anderer Städte und neue wissenschaftliche Zugänge einbezogen.

Immerhin ist man auch ohne eine spezielle akademische Beratung zu einem hochkomplexen Ergebnis für das flankierende WiN-Gebiet gelangt, das den sozialen Brennpunkt George-Albrecht-Straße einschließt. Allerdings dürfte dessen Verständnis den meisten Laien schwer fallen, wenn man ihnen erklärt, dass vorrangig ein Leitbild für Blumenthal von einem „Bündnis für Blumenthal“ entwickelt werden muss, bevor man durch gezielte Einzelmaßnahmen versuchen kann, beispielsweise den Anteil der Roma-Kinder zu erhöhen, die einen Kindergarten besuchen, oder die Zahl der Roma-Kinder zu senken, die nicht regelmäßig zur Schule gehen.

Im Alltagsleben verhalten sich zumindest die meisten Menschen anders. Wenn sie Kopfschmerzen haben, schlucken sie eine entsprechende Tablette und setzen nicht erst ein Gremium ein, das gründlich über den Begriff und die Ursachen von Kopfschmerzen diskutiert.

Auf Masochisten, die auf den zweiten Weg setzen und Kopfschmerzen ohne ein schnelles Hilfsmittel ertragen, reagieren die meisten Menschen daher bestenfalls mit Unverständnis.

Das scheint jetzt in Blumenthal anders zu sein. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass in diesem Fall die Menschen, die sich mit sozialen „Kopfschmerzen“ herumschlagen müssen, und diejenigen, die zunächst nach einem Leitbild für Blumenthal suchen wollen, nicht identisch sind.


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Nur eine Beute für die Sozialindustrie?

#35 von Reinhard , 05.03.2014 19:29

Nur eine Beute für die Sozialindustrie?

Am Donnerstag letzter Woche hat in Blumenthal eine Premiere stattgefunden, über die heute nach Berichten im Weser-Kurier und im Weser Report auch im BLV ein Artikel erschienen ist. Dabei ging es nicht zuletzt um Geld. Das waren zwar nicht unbedingt beträchtliche Summen, wenn man etwa an die Kosten für die Sanierung und den Rückbau des Tanklagers Farge denkt. Aber wie die Erfahrung zeigt, können auch kleinere Summe durchaus ihre Wirkungen haben. Man denke etwa an die Zocker in Spielhallen und vor PC-Monitoren, den Ansturm auf de Wühltische im Ausverkauf oder die Schnäppchenjagd, wenn ein Discounter das Kilo Kaffee einige Cent billiger anbietet als sein Konkurrent.

Quartiersrat statt Quartiersvollversammlung

In Blumenthal ging es um die Konstituierung eines Quartiersrats, zu dem entsprechend dem WiN-Konzept alle Interessierten eingeladen waren. Dazu kamen, wenn man der Presse vertraut, etwa 30 Personen, die vor allem aufgrund ihres Amtes anwesend waren. Daneben soll es jedoch auch Teilnehmer ohne einen derartigen Hintergrund gegeben haben, die sich also aus ganz privaten Gründen für de Entwicklung ihres Quartiers interessieren und möglicherweise an seiner weiteren Entwicklung aktiv beteiligen wollen. Hierzu gehen die Schätzungen leicht auseinander. So ist von zwei bis einer Handvoll Privatpersonen die Rede, wobei es ganz konkret heute im BLV eindeutig heißt, dass aus der George-Albrecht-Straße niemand teilgenommen hat.

Das Wohnquartier, dessen Probleme zu der Ausweisung eines flankierenden WiN-Gebietes und damit der Sitzung im DOKU geführt hatten, war also direkt gar nicht vertreten. Vielmehr wollten andere über dieses Gebiet entscheiden.

Dieser zentrale Unterschied gegenüber den klassischen Bremer WiN-Gebieten wie der Neuen Vahr und Tenever wurde wenigstens in der Bezeichnung teilweise zum Ausdruck gebracht. Es wurde nicht zu einer WiN-Vollversammlung oder einem WiN-Forum eingeladen, sondern zu einem Quartiersrat. Darunter kann man dann das verstehen, was hier am Donnerstag tatsächlich zusammengetreten ist: eine Fortsetzung des Arbeitskreises und des Workshops, in denen sich vor allem Bremer Sozialexperten bereits im vorigen Jahr damit beschäftigt haben, was sie mit ihren Organisationen in einem WiN-Gebiet Altes Zentrum Blumenthal machen können.

Der ganz besondere Reiz des Geldes

Bei diesen Vorgaben war es dann nicht unbedingt eine Überraschung, wenn nach den üblichen Präliminarien die Füße der Expertinnen schon kräftig scharten, so als ob jemand endlich zum Futtertrog wollte. Deshalb wurde kurzerhand der Tagesordnungspunkt „Vorstellung und Beschluss von WIN-Projekten“ vorgezogen. Warum sollte man schließlich über die Situation des Gebietes oder gar ein Konzept diskutieren, welche Schwerpunkte gesetzt werden müssten? Hatte man nicht aus der Schublade wirklich gute Projekte geholt, die viel Gutes wem auch immer verschaffen konnten?

WiN ohne Nachbarschaft

Bei den vielen guten Absichten war es fast schon selbstverständlich, dass man nicht nur die städtebaulichen und sozialpolitischen Ziele des WiN-Programms fast vergaß, sondern auch das, wofür die Abkürzung steht. Sie bedeutet „Wohnen in Nachbarschaften“. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass aus einem Quartier, aus einer Nachbarschaft heraus, neue Entwicklungen initiiert werden sollen, damit eine soziale Benachteiligung abgebaut wird.

Warum soll man jedoch auf diesen Gedanken der räumlichen Nähe achten, wenn man selbst beruflich ganz anders verortet ist, aber über eine tolle Idee verfügt? Zwar wurde von der Sozialbehörde schon der Bereich der George-Albrecht-Straße auf ein Gebiet ausgeweitet, das als Altes Zentrum Blumenthal bezeichnet wird. Aber weshalb soll man bei dieser Abgrenzung stoppen, wenn es in einer Großstadt Verkehrsmittel gibt und einige Bewohner sich ohnehin nicht immer in ihrer Nachbarschaft aufhalten? Wieso können dann nicht auch Projekte gefördert werden, die faktisch in Woltmershausen, in Farge oder in Lüssum stattfinden?

Personelle statt sachliche Vernetzung

Dank der scharf bis auf den Cent kalkulierten Projekte konnten unter diesen innovativen Bedingungen rasch knapp 9.000 € ausgegeben werden, und zwar ohne dass auch nur einem Projekt eine Überarbeitung auferlegt wurde. Es gab Konsens. Lag es daran, dass zuvor ein geeigneter Proporz zwischen staatlichen und den beiden großen kirchlichen Trägern der sozialen Arbeit gefunden worden war? Ja, man sogar mit zwei Familienhilfeträgern ganz unbeschrieben Blättern eine Chance eingeräumt hatte?

Wie sieht es jedoch neben dieser vorzüglichen personell-organisatorischen mit der sachlichen Vernetzung aus? Der Bolzplatz auf der Bahrsplate, der sich bei den Fußballprojekten angeboten hätte, wurde zwar von einem Teilnehmer angesprochen, jedoch von einer Antragstellerin abgeschmettert, wenn man der Darstellung in der Presse folgt. Ja, und die Bildungsbrücke wurde nicht einmal angesprochen.

Das sieht nach viel personeller und organisatorischer Abgrenzung aus, wobei man Konflikte vermeidet, indem jedem sein Claim zugestanden wird.

Bei diesen Eigeninteressen der Anbieter auf dem Markt für soziale Wohltaten kann nur leicht das Ziel eines WiN-Gebietes aus den Augen verloren werden, wenn ein Quartiersrat sich als die Fortsetzung eines Workshops versteht. Dort wurden offenbar die Wünsche angemeldet, deren Erfüllung man sich jetzt genehmigt hat.

Ein großer Lichtblick

So bleibt nach diesem erstem ersten Quartiersrat, der sicherlich nicht als eine Sternstunde in die Geschichte des Bremer WiN-Konzepts eingehen wird, eigentlich nur ein Lichtblick: Es sind noch 11.000 € übrig, über die zielführender entschieden werden kann.

Hier bleibt die offene Frage, warum nicht auch gleich diese Mittel aufgeteilt wurden. Waren es etwa Skrupel? Oder war es einfach die Tatsache, dass die anwesenden Institutionen im Grunde gar nicht wissen, wie sie die Probleme der Menschen, die in den Quartieren an und um die George-Albrecht-Straße leben, angehen sollen?

Hat sich diese Situation vielleicht schon auf dem Workshop abgezeichnet, sodass der Blumenthaler Beirat versucht hat, den Antrag zur Roma-Integration auf die lange Bank zu schieben, damit nicht diese Konzept- und Ratlosigkeit sichtbar wird, wenn man sich um Mittel aus anderen Töpfen bemüht. Stiftungen und die EU hätten sicherlich bei den Anträgen genauer hingeschaut als die Teilnehmer im DOKU. Da hätte es sich nicht gut gemacht, wenn man später in Griechenland gelesen hätte, dass man in Deutschland im Freien nicht Fußball spielen kann, weil den jugendlichen Kickern „die Demotivation im Falle schlechten Wetters nicht zuzumuten“ ist.

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Sozialpädagogische Konzeptionslosigkeit

#36 von Reinhard , 06.03.2014 19:13

Sozialpädagogische Konzeptionslosigkeit

Auch wenn man bei der Sitzung des Quartiersrates den Eindruck gewinnen konnte, dass bei einigen Sozialmanagerinnen die Aufteilung vorhandener Mittel ihre ganz zentrale Aufgabe ist, kann man im WiN-Konzept noch andere Aspekte entdecken, die zumindest in den Anfängen des städtebaulichen und sozialpolitischen WiN-Programms eine Rolle gespielt haben.

Grundideen des WiN-Konzepts

Damals wollte man in unwirtlichen neuen Stadtteilen die Wohnqualität für die Bewohner verbessern. Später hat man dann vor allem versucht, die Bewohner, die vor allem durch die Folgen der Globalisierung an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt wurden, wieder stärker zu integrieren. Dabei wurde ein großes Gewicht auf die Bildung und vor allem die der Kinder und Jugendlichen gelegt, damit sich in den heute sozial benachteiligten Quartieren keine ausgegrenzten Biographien „vererben“.

So war – ganz kurz umrissen – das Programm, mit dem „Wohnen in Nachbarschaften“ angetreten ist und sich - wie zumindest seine energischen Befürworter behaupten – zu einem in Fachkreisen anerkannten Modell für die Entwicklung sozial benachteiligter Stadtteile etablieren konnte.

Zielführende Maßnahmen

Diese Zielsetzung setzt zwangsläufig voraus, dass soziale Interventionen sich an den Vorgaben orientieren müssen, die das WiN-Konzept erfordert. Wenn man also an Depressionen leidet, sollte man als Therapie nicht nur einen Tagesausflug in einen Freizeitpark unternehmen oder Vitamintabletten schlucken.

Das ist sicherlich bei sozialen Prozessen etwas komplizierter, nur ändert das nichts an einer grundlegenden Tatsache: Wenn man Mittel oder eben WiN-Projekte nicht auf ihre vermutliche Wirkung hin auswählt, wird man nicht das erreichen können, was das WiN-Konzept fordert.

Und dieses Konzept will nicht die Zahlungen nach Hartz IV oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz durch zusätzliche Naturalleistungen aufstocken. Es ist nicht vorgesehen, auf diese Weise Kurse, für die man in der VHS Geld zahlen muss, oder ein gutes Frühstück zu finanzieren, weil das sicherlich alles schöne Dinge sind, die das Leben angenehmer machen können. Das ist hier ganz und gar nicht die Frage. Nur sollte das dann ein Thema sein, wenn über die Höhe dieser Transferzahlungen diskutiert wird.

Innerhalb eines WiN-Gebietes sind daher keine menschenfreundlichen Nettigkeiten gefragt, sondern sozialpädagogische Kompetenzen; denn hier geht es ausschließlich darum, geeignete Projekte zu entwickeln und umzusetzen, die die Betroffenen dabei unterstützen, aus ihrer segregierten Lage herauszukommen und sich wieder dank ihrer eigenen Kräfte in das Leben zu integrieren.

Damit ist der Maßstab relativ klar, mit dem die Projekte gemessen werden müssen, über deren Finanzierung man sich so schnell einigen konnte.

Beschlossene Projekte auf dem Prüfstand

Wie sieht es jedoch aus, wenn man hier eine Prüfung durchführt?

Da sich die genauen Projektunterlagen, wie es bei WiN-Projekten sonst üblich ist, zumindest bisher nicht veröffentlicht sind, muss man sich auf kritische Anmerkungen beschränken. Dabei gelangt man allerdings zu vielen Fragen, da der Zusammenhang zwischen den Projekten und dem WiN-Konzept in fast keinem Fall wirklich auf der Hand liegt, auch wenn es sich immer um Absichten handelt, hinter denen sicherlich gute Absichten stecken.

Projekte unter Zeitdruck

Dabei ist vor allem zu bedenken, dass die Förderung in diesem flankierende WiN-Gebiet praktisch nur noch 18 Monate erfolgen soll, sodass langfristige Projekte, die in einem sozialen Brennpunkt wirklich etwas ändern können, kaum möglich erscheinen. Aber dennoch muss man deswegen nicht nur Events anbieten, die kurz aufleuchten lassen, was mit Geld alles möglich wäre. Man könnte die begrenze Zeit daher auch so nutzen, dass man sich auf Projekte konzentriert, die zu einer Eigendynamik im Quartier führen.

Events oder Anstöße für nachhaltige Entwicklungen

Geht man die Liste der sieben Projekte durch, haben diese praktisch alle einen Eventcharakter, da sich eine nachhaltige Entwicklung für das Gebiet nicht erkennen lässt. Ein gutes Beispiel ist dabei das gern herangezogene Leitprojekt einer zeitweisen Spielstraße, auf das auch der größte Anteil der Mittel entfällt. Einen Spielstraßenversuch hat es bereits gegeben, ohne dass sich davon noch eine Wirkung erkennen lässt. Das gilt sogar für den Geschäftsbericht des Trägers ,wo dieser Versuch nicht einmal auftaucht. Das ist auch bei den weiteren Perspektiven nicht überraschend, denn eine dauernde Ausweisung der George-Albrecht-Straße als Wohnbereich oder Spielstraße dürfte nicht zu erwarten sein. Daher wäre es erheblich sinnvoller, mit den Eltern und den Eigentümern Spielmöglichkeiten auf den Grundstücken zu planen und zu realisieren, wie das auch in anderen WiN-Gebieten mit Erfolg geschehen ist. Oder ist der jetzige Versuch nur als Appetitanreger gedacht, um die Trägergesellschaft später mit weiteren Aufträgen zu versorgen.

Sehr ungewöhnlich ist es, wenn eine bekannte lokale Künstlerin ein Projekt in Anlehnung an Marc Chagall durchführen soll, der in seiner Kunst vor allem die Bereiche „Bibel“ und „Zirkus“ thematisiert hat. Hier fragt man sich, ob es nicht Themenfelder gibt, die einen deutlich engeren Bezug zum Leben der Jugendlichen im WiN-Gebiet besitzen.

Zumindest auf den ersten Blick kann es auch nicht überzeugen, wenn ein sicherlich sehr sinnvolles Angebot zur schulischen Nachhilfe in Farge von einem Mathematiker durchgeführt werden soll. Warum soll man für diese Stunden zunächst längere Strecken fahren müssen, während gleichzeitig ein Quartierstreff aufgebaut wird? Und warum muss es ein Mathematiker sein, wenn meist die deutsche Sprache das große schulische Problem darstellt?

Entsprechende fragende Anmerkungen kann man auch zum pädagogischen Hintergrund eines Frühstücksangebots, eines Fußballturniers in einer Soccer-Halle machen und zu einem Gesprächskreis für Roma-Frauen machen. Nur fehlen auch hier bisher eben die notwendigen Details für eine Beurteilung.

Man kann also gespannt darauf warten, dass hier endlich mehr Transparenz geschaffen wird und das WiN-Gebiet „Altes Zentrum Blumenthal“ nicht nur als Baustelle auf der Webseite „Soziale Stadt Bremen“ erscheint, und zwar mit allen üblichen Unterlagen einschließlich der Projektanträge.

Oder wird das erst dann geschehen, wenn man sich in ein paar Monaten mit der Geschichte dieses Blumenthaler Versuchs beschäftigen will?


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Fehlstart

#37 von Reinhard , 08.03.2014 10:11

Fehlstart

Am Montag wird die Quartiersmanagerin ihre Präsentation des neuen Blumenthaler WiN-Gebietes nachholen. Dabei dürfte sie die aktuelle Situation in charmanter Weise beschreiben, sodass die Beiratsmitglieder und anderen Teilnehmer einen mehr oder weniger positiven Eindruck erhalten; denn hier wird endlich einmal etwas gemacht. Die Zeit der „Schläfrigkeit“, wie sie im letzten August einmal im Weser-Kurier bezeichnet wurde, scheint in Blumenthal zu Ende zu sein.

Diesen Eindruck könnte man mit möglichen Gefühlen vergleichen, wenn man eine Bahnfahrt ins Blaue unternommen hat und sich über alles das freut, was man sehen und erleben konnte. Auch dann wird man sich über eine sympathische Zugmanagerin freuen, die für die angenehmen Stunden gesorgt hat.

Dabei kann dann vergessen werden, dass es andere gibt, die den Fahrplan entworfen und die Weichen gestellt haben. Müsste man daher einen Teil des Danks weitergeben?

Sicherlich dann, wenn sie die Bahnfahrt so arrangiert haben, dass der Zug zumindest in die Richtung gefahren ist, in die er hätte fahren müssen. Das ist im konkreten Fall mehr als fraglich, wenn man genauer betrachtet, was im ersten Viertel der Laufzeit für das flankierende WiN-Gebiet in Blumenthal beschlossen ist und hier schon angesprochen wurde.

Bei einer Reise kommt es üblicherweise vor allem auf ein Erreichen des Ziels innerhalb einer vorgesehenen Zeit an. Das gilt sowohl für eine Bahnfahrt als auch die Entwicklung eines sozial benachteiligten Gebiets.

Vergleicht man die bisher beschlossenen WiN-Projekte mit dem WiN-Konzept und den Vorgaben, die Ende 2012 die Bürgerschaft verabschiedet hat, muss man zweifellos von einem Fehlstart in Blumenthal sprechen; denn sogar zwischen dem von proloco ausgearbeiteten Ansatz für ein Handlungskonzept und diesen ersten Beschlüssen besteht eine Kluft. Man kann daher kaum einen Zusammenhang zwischen diesen erklärten Zielsetzungen und den sieben Projekten erkennen.

Das wird an drei Teilaspekten mehr als deutlich.

Raumbezug des WiN-Gebietes

Nach vielem Hin und Her hat sich die Sozialbehörde dafür entschieden, weder den Ortsteil Blumenthal noch das Quartier „George-Abrecht-Straße“ als WiN-Gebiet auszuweisen. Vielmehr wurde ein Bereich „Altes Zentrum Blumenthal“ abgegrenzt, in dem sich u.a. auch die Einflüsse des Blumenthal Centers und die fehlende Nutzung des ehemaligen BWK-Geländes negativ auswirken.

Die jetzt beschlossenen Projekte beziehen sich jedoch zu einem geringen Teil ausschließlich auf den Bereich de George-Albrecht-Straße (Spielstraße, Roma-Frauen) oder sind räumlich breit gestreut.

Für den überwiegenden Teil des WiN-Gebietes mit seinen knapp 1.600 Einwohnern (S. 30) wird hingegen gezielt nichts getan. Dabei bestehen hier neben den städtebaulichen auch zahlreiche soziale Problemlagen, wie die teilweise hohe Zuwanderung von Ausländern und Hartz IV-Empfängern andeutet.

Bisher fehlt damit ein überzeugendes Maßnahmenangebot für das Gesamtgebiet, sodass die angeblich so notwendige Gebietsabgrenzung faktisch keine Rolle spielt.

Fehlende Aktivierungsprojekte

Neben dem von proloco herausgearbeiteten Raumbezug lässt sich an den beschlossenen Projekten nicht erkennen, wieso sie den Anforderungen genügen, die das beschlossene vom Handlungskonzept herausstellt. Als Ziel wird dabei eine Verbesserung der „tatsächlichen Situation der Bewohner/innen und des Gebietes“ genannt, „um die Rahmenbedingungen für eine Identifizierung der Bewohner/innen mit dem Wohngebiet zu verbessern“, das „Wir-Gefühls“ zu stärken und Abgrenzungen abzubauen. Um das zu erreichen, sehen die Konzeptautoren nur einen Weg: die Bewohner/innen sollen aktiviert und an „Ideen und Konzeptentwicklung sowie an der Umsetzung“ beteiligt werden. (S. 43)

Da es jetzt nicht einmal ein einziges Projekt gibt, das alle erwachsenen Bewohner des Gebietes in dieser Hinsicht anspricht, wird die Zielsetzung des WiN-Programms völlig verfehlt. Das dürfte sich auch nur schwer korrigieren lassen, da eine Aktivierung vermutlich einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte und inzwischen bereits ein Viertel der vorgesehenen Förderzeit verstrichen ist.

Übergangene städtebauliche Diskussion

Ähnlich übergangen wird bisher von den zuständigen Stellen das zentrale Analyseergebnis, das proloco in seinem Gutachten herausstellt. Danach sollte in diesem flankierenden WiN-Gebiet die „Perspektivlosigkeit“ gemildert werden. Hierzu hat proloco ein „Zusammenwirken verschiedener Akteursgruppen“ vorgeschlagen, die gemeinsam ein „Leitbild Blumenthal“ erarbeiten sollen. Auch dieser Vorschlag scheint inzwischen völlig in Vergessenheit geraten zu sein, da er von keiner Institution aufgegriffen wurde.

Stattdessen hat man Projekte verabschiedet, die keineswegs mittel- und längerfristig bessere Perspektiven eröffnen, sondern vor allem auf einen kurzfristigen Effekt nicht zuletzt für de Medien ausgerichtet sind. Wenn man jedoch eine tatsächliche Verbesserung der Situation im WiN-Gebiet will, wird man eine gemeinsame Erarbeitung und Umsetzung eines Entwicklungskonzepts nicht vermeiden können.

Wichtige Beiratsaufgabe

Alles das sind Fragen, die sich nicht vorrangig an die Quartiersmanagerin richten. Es wäre daher notwendig, die tatsächlich Verantwortlichen dieser offensichtlichen Misere in den Beirat einzuladen. Das ist bisher nicht geschehen, denn es wurde nicht einmal das proloco-Konzept mit seinen zahlreichen Anregungen für die Entwicklung Blumenthals zur Diskussion gestellt. Stattdessen hat das Sozialressort nur Zahlen vor allem aus der amtlichen Statistik vorgetragen, von denen viele Beiratsmitglieder erklärt haben, dass sie ihnen bereits bekannt seien.

Hier scheint der Beirat daher leicht zu einem politischen Gremium zu werden, das nicht die Entwicklung Blumenthals aktiv begleitet und lenkt, sondern sich mit mehr oder weniger interessanten Zustandsbeschreibungen abspeisen lässt.

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Preiswerte Patentlösung?

#38 von Reinhard , 09.03.2014 08:50

Preiswerte Patentlösung?

Möglicherweise sind alle diese Überlegungen sogar völlig überflüssig. Eine Lösung der Probleme, an deren Lösung sich de Bildungs- und Sozialexperten in vielen deutschen Städten schon die Zähne ausgebissen haben, kann sogar ganz ohne einen zusätzlichen finanziellen Einsatz erfolgen.

Man muss nur den richtigen Weg kennen, der allerdings fast an Wunder denken lässt. Über dieses bisher kaum bekannte Geheimnis informiert gerade die Bremer Sozialsenatorin mit einer Pressemeldung. Dabei geht es vorrangig um eine Lesung von Nicoleta Craita Ten’o.







Die ganz besondere Info findet man hier in einer Verlagsmitteilung, die ebenfalls von der Senatspressestelle verbreitet wird. Darin heißt es: "Sie hat nie einen Sprachkurs besucht, die deutsche Sprache, wie auch eine Reihe anderer Sprachen über den Fernseher und die Lektüre gelernt … Umso bemerkenswerter ist es, welche poetische Sprachkraft, welche Bildlichkeit sie ... in ihrem Roman entwickelt."

Sollte das wirklich ein pädagogisches Modell sein: Spracherwerb nicht mehr durch teure Kurse, sondern durch den Fernseher?

Wahrscheinlich wären weniger Werbesprache und Wundergläubigkeit und stattdessen eine sorgfältige Planung nachhaltiger Maßnahmen eine bessere Grundlage für erfolgreiche Sprachkurse in Quartieren mit vielen Migrantinnen und Migranten.

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Wo bleibt die notwendige Unterstützung durch Bremen?

#39 von Reinhard , 11.03.2014 10:17

Wo bleibt die notwendige Unterstützung durch Bremen?

In ihrem Sachstandsbericht hat die Quartiersmanagerin vor dem Blumenthaler Beirat über ihre ersten sechs Arbeitsmonate für das flankierende WiN-Gebiet informiert.

Dabei ging es nicht nur um die Verteilung der ersten Gelder, sondern vor allem auch um die konkreten Bemühungen um eine Beteiligung der Bewohner, die allerdings einen langen Atem erfordern dürften. Aber das war wohl absehbar, weshalb die Begrenzung des Gesamtprojektes auf zwei Jahre nicht nachvollziehbar ist, zumal sie nicht einmal von einer Evaluation des Erreichten und vermutlich notwendiger Anschlussmaßnahmen abhängig gemacht wurde.

Sehr erfreulich sind die Versuche der Quartiersmanagerin um eine Vernetzung mit einem Arbeitskreis zur U-3-Versorgung, da hier einer der wichtigsten Zugänge für eine bessere Inklusion bzw. Integration der Migranten liegen dürfte.

Gänzlich unverständlich bleibt hingegen die fehlende Unterstützung durch die beteiligten Bremer Behörden. So musste die Anmietung eines Quartierstreffpunktes in einem Gebiet mit zahlreichen Leerständen, die immer wieder beklagt wurden, scheitern,weil die Vorgaben von Immobilien Bremen bei allen Objekten nicht erfüllbar waren.

Wäre es nicht eine Aufgabe der Bremer Sozialpolitiker, die Ende 2012 das Projekt auf den Weg gebracht haben und dabei bereits Standorte für einen Quartierstreffpunkt vor Augen hatten, hier einmal für Druck zu sorgen, wenn das die Sozialbehörde unterlässt?

Ein Treffpunkt innerhalb des Gebietes, der den Anforderungen des WiN-Konzepts genügt, ist schließlich eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit.


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zuletzt bearbeitet 11.03.2014 | Top

Gut-, Vorurteils- und Klugmenschen

#40 von Reinhard , 13.03.2014 17:34

Gut-, Vorurteils- und Klugmenschen

Eine Entscheidung des Bremer Innensenators hat zu einer ungewöhnlichen kritischen Reaktion der Blumenthaler Beiratsmehrheit geführt. Man legt Wert darauf nicht nur einen, sondern zwei „Gefahrenorte“ innerhalb der Grenzen des eigenen Stadtteils zu haben. Deshalb hat der Beirat einen entsprechen Antrag des Beiratsvorsitzenden verabschiedet und eine Blumenthaler Bürgerschaftsabgeordnete will sich dafür auch unmittelbar in Bremen stak machen.

Das ist zumindest auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Reaktion, da der Ortsamtsleiter und der Beirat bisher immer eine Politik verfolgt haben, nach der in Blumenthal auf Schwachstellen möglichst wenig aufmerksam gemacht werden soll, weil das dem Image dieses ohnehin gebeutelten Stadtteils nicht gerade zuträglich ist.

Doch warum geht es in diesem Fall? Bremen kennt wie auch andere deutsche Stadtstaaten in seinem Polizeirecht Gebiete, in denen „die sich dort aufhaltenden Personen auch ohne Vorliegen weiterer Verdachtsmomente überprüft und deren Identität festgestellt werden darf.“ Daher werden diese Areale jetzt in Bremen korrekter nicht mehr als „Gefahrenorte“, sondern als „Kontrollorte“ bezeichnet. Mit dieser neuen Bezeichnung soll der falsche Eindruck vermieden werden, als bestünde an diesen Orten eine ständige Gefahr für alle, die sich dort aufhalten. Vielmehr handelt es sich vor allem um Orte, die gerne etwa für illegale Drogengeschäfte genutzt würden. So lautet die offizielle Erklärung.

Die besonderen Rechte der Polizei an den Kontrollorten werden damit begründet, dass an diesen Örtlichkeiten „Straftaten von erheblicher Bedeutung verabredet, vorbereitet oder verübt werden oder sich dort Straftäter verbergen und diese Maßnahme zur Verhütung von Straftaten geboten erscheint (§ 11 Absatz 1, Nr. 2 Bremisches Polizeigesetz).

Die tatsächliche polizeiliche Bedeutung dieser rechtlichen Möglichkeiten ist dabei umstritten. So gibt es wie der Senat auf eine Anfrage der Linken erklärte, „keine Statistik über durchgeführte "Eingriffsmaßnahmen" und in Hamburg hat man die Gefahrengebiete aufgelöst. In Berlin schließlich hält man die „kriminalitätsbelasteten Orte“ geheim.

Und das hat einen einfachen Grund. In der Bundeshauptstadt sieht man eine wichtige Auswirkung, wenn polizeiliche Problemgebiete in der Öffentlichkeit thematisiert werden: Nach den Worten des dortigen Polizeisprechers will man so verhindern, „dass bestimmte Teile der Stadt stigmatisiert werden.“ Auch sollen Straftäter nicht im Voraus mit Kontrollen rechnen können.

Das sind Argumente, die jetzt in Blumenthal dadurch „entkräftet werden sollen, dass die Stigmatisierungswirkung als „Gutmenschendiskussion“ entwertet wird; denn laut wikipedia wird dieser Begriff verwendet, „um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren.“ Gerade in Bezug auf die Berliner Innenbehörde ist das eine bizarre Verbindung, da der dortige CDU-Innensenator eher als Hardliner gilt.

Die Blumenthaler Haltung erinnert an ein Schnellschussargument oder Vorausurteil; denn es wird ja sicherlich kein Vorurteil sein.

Sind das noch generelle kriminalistische Überlegungen, wird diese Sicht durch gewählte Gremien in Blumenthal besonders brisant, da hier gleichzeitig ein WiN-Projekt gestartet wurde, das u.a. die Stigmatisierung der Bewohner dieses sozialen Brennpunktes abbauen soll. Auch wird ein spezielles WiN-Projekt vorbereitet, um die George-Albrecht-Straße zeitweise mit öffentlichen Mitteln in eine Spielstraße zu verwandeln.

Diese kontraproduktive Schleuderpolitik, bei der man gleichzeitig eine Diskriminierung ab- und aufbauen will, sieht nicht gerade wie eine kluge Politik aus, durch die man gemeinsam die Belastungen eines Beinahe-Ghettos abbauen will.


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Hip-Hop für Roma-Jugendliche

#41 von Reinhard , 25.03.2014 14:28

Hip-Hop für Roma-Jugendliche

Es müssen nicht nur Roma-Frauengruppen und Spielstraßen für Roma-Kinder sein! Einen unkonventionellen Weg, um vor allem männliche Roma-Jugendliche anzusprechen, geht in Hamburg-Billstedt der ehemalige Basketballprofi Samer Ismailat. Er bietet als Streetworker einen Hip-Hop-Kursus an, sodass die Jugendlichen durch den Sprechgesang ihrer Wut Ausdruck verleihen können, ohne dadurch kriminell zu werden.

Dabei dürfte Samer Ismailat ein Glücksfall für dieses Projekt sein, da er selbst den Bürgerkrieg im Libanon und das Leben als Flüchtling erlitten hat und er anschließend durch den Sport wieder ein Selbstbewusstsein aufbauen konnte.

Diese eigenen Erfahrungen sind der Ausgangspunkt für sein Sozialprojekt. Die Jugendlichen leben in der Angst, jederzeit von der Polizei abgeholt und abgeschoben werden zu können. In dieser Situation vermittelt ihnen der Streetworker dann eine andere Sicht auf ihre bisher als abweisend wahrgenommene Umwelt, denn der ehemalige Basketballprofi erscheint als Instanz, die sich für sie interessiert, die ihnen etwas zutraut und die sich um sie kümmert.

Ihre Gefühlswelt drückt sich dann nach den Worten des Streetworkers im Rap aus: "Hier können sie ihre Ängste, ihre Wut, den Hass und die Verzweiflung, aber auch ihre Wünsche, Träume, Hoffnungen zum Ausdruck bringen".

Auch wenn es nicht überall einen Samer Ismailat gibt, kann man dort bei dem pädagogischen Ansatz des Basketballprofis ansetzen. Der Hip-Hop-Kursus knüpft an die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen an und will ihr deformiertes Selbstbewusstsein durch einen sprachlichen und musikalischen Ausdruck ihrer Emotionen neu aufbauen und stärken, wie am Montag ein Bericht in der ZDF-Drehscheibe zeigte.


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Offen angesprochen

#42 von Reinhard , 04.06.2014 17:41

Offen angesprochen

Eine räumliche Konzentration einer Roma-Bevölkerung, wie sie im Bereich der George-Albrecht-Str. über den Wohnungsmarkt herbeigeführt wurde, ist für jede Stadt eine erhebliche soziale und psychische Herausforderung. Die Integration dieser Gruppe ist bekanntlich besonders schwierig, da es sich um eine Ethnie handelt, die ihre Kultur bewahren möchte, die teilweise leicht in Konflikt zur deutschen Schulpflicht sowie zum Familien- und Eherecht gerät.

Auf die besonderen Schwierigkeiten aufgrund der Einstellungen der deutschen Bevölkerung gegenüber dieser Minderheit weist eine aktuelle Studie der Uni Leipzig hin, die sich vorrangig mit rechtsextremen Haltungen beschäftigt.

Das zentrale Ergebnis sind dabei die Aussagen, dass die Ausländerfeindlichkeit und die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen insgesamt abgenommen haben.

Trotzdem werden jedoch einzelne Gruppen von Migrantinnen und Migranten höher stigmatisiert. Sie scheinen ein willkommener Blitzableiter für ein latent vorhandenes Potenzial von Frustrationen. So ziehen Sinti und Roma „bei mehr als der Hälfte der Deutschen Ressentiments auf sich“. Insgesamt lösen sie „mehr negative Urteile aus als bisher.“ Konkret sind „über 55 Prozent überzeugt, dass diese Menschen zur Kriminalität neigen“ und „47 Prozent wollen gar, dass sie ganz aus den Innenstädten verbannt werden.“

Die Roma-Politik im Blumenthaler WiN-Gebiet, wie sie durch die Quartiersmanagerin und die Leiterinnen der Projekteams verkörpert wird, steht daher vor einer doppelten Aufgabe: Sie muss nicht nur Maßnahmen zur Integration der Roma entwickeln, sondern auch die übrigen Einwohner davon überzeugen, dass diese Integrationsmaßnahmen auch in ihrem Sinne sinnvoll sind.

Dabei wird sie auch die Unterstützung der Blumenthaler Parteien benötigen, die kaum für eine Politik des Nichtstuns eintreten dürften, die mit großer Sicherheit dazu führt, dass die Kriminalitätsvorurteile sich immer wieder und Jahr für Jahr zu bestätigen scheinen, weil die Jugendlichen aus der Roma-Ethnie keine legale Möglichkeit für sich sehen, die von der Werbung angepriesenen Must-haves zu bekommen.


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"Spielplatz für drei Stunden"

#43 von Lola2 , 03.07.2014 07:02

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,889352.html

so lautet die Überschrift eines Berichtes in der Ausgabe v.3.Juli 2014 "Die Norddeutsche"

..ein schönes Bild mit einem fröhlich hüpfendem kleinen Mädchen. Genau dieses kleine Mädchen habe ich auch schon so fröhlich spielen gesehen, eben an einem Spielnachmittag in der George Albrecht Straße, trotz Nieselregen.


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RE: "Spielplatz für drei Stunden"

#44 von Reinhard , 03.07.2014 08:54

Das wird doch wohl keine ganz junge Animierdame sein ?

Der Artikel kann übrigens hier abgerufen werden.


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Blumenthal und der Antiziganismus

#45 von Reinhard , 04.09.2014 09:55

Blumenthal und der Antiziganismus


Gestern wurde von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, die sich mit den sozialen Vorurteilen der deutschen Wohnbevölkerung gegenüber den Sinti und Roma beschäftigen. Für die Chefin der Behörde, die den Auftrag zu den Befragung erteilt hat, sind de Ergebnisse „dramatisch“, da sich in Deutschland besonders viele soziale Voruteile gegen die Sinti und Roma (Antiziganismus) richten.

So wird keiner Bevölkeunsgrue weniger Sympathe entgegengebracht als den Roma uund Sinti,

denkt die Hälfte der Bevlkerung, dass Sinti und Roma durch ihr eigenes Verhalen Feindseligkeit hervorrufen und

fände es jeder dritte Deutsche als „sehr oder eher unangenehm“ wenn er Sinti und Roma als Nachbarn hätte.

Das sind Daten, die vermutlich auch die Situation in Blumenthal beschreiben und damit für das WiN-Projekt an der George-Albrecht-Straße und umzu eine Rolle spielen. Der Austausch der Bevölkerung in den Quartieren, die an die George-Albrecht-Straße angrenzen, belegt zumindest die Aussage über das Nachbarschaftsverhalten.

Die Studie schlägt hier vor, etwas gegen eine „fatale Mischung“ aus "Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung“ zu unternehmen.

Das ist ein Ansatz, den man in den bisher genehmigten WiN-Projekten in Blumenthal kaum findet. Die Ergebnisse dieser Studie könnten daher ein guter Grund sein, um beispielsweise durch gemeinsame Aktivitäten und Veranstaltungen verstärkt Distanz und Unwissen abzubauen.

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Kurden - eine Minderheit in Deutschland?
" Soziale Brennpunkte im Bremer Norden"

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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