Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Geschärfter Blick

#16 von Reinhard , 16.10.2013 19:24

Geschärfter Blick

Als vor einem Monat dem Blumenthaler Beirat noch anscheinend der Mut fehlte, um sich einmal in der Senatskanzlei und der Sozialbehörde nach den Grundlagen der senatorischen Konzepte für die George-Albrecht-Straße zu erkundigen, wurde die Ampel auf Gelb geschaltet.

Der Beirat schloss sich damit der zögerlichen Haltung an, die von den Bremer Verwaltungsstellen vorexerziert worden war.

Daher konnte man nicht unbedingt mit einer sachgerechten Aufarbeitung der Situation am sozialen Brennpunkt „George-Albrecht-Straße“ rechnen; denn die Vorgehensweise der beteiligten senatorischen Behörden und der Politiker schien anfangs nicht unbedingt zielgenau zu sein und eine empirische Untersuchung brachte Informationen, die bereits bekannt waren und sehr nach Allgemeinplätzen aussahen, sodass man gern Näheres über die angewandte Untersuchungsmethode erfahren hätte.

Dieser alte Stil der bremischer Politikdarstellung in Blumenthal scheint sich jetzt geändert zu haben, wodurch eine sachkundige Diskussion der bisher gern verdrängten Problematik möglich wird.

Die Behörden verbarrikadieren sich nicht mehr hinter der Floskel, dass es sich um ein soziales und kein ethnisches Problem handelt, sondern haben mit der Einstellung einer Quartiersmanagerin Weichen gestellt, die zu einer Blumenthaler Problemlösung führen können.

Dazu zeichnet sich bereits eine veränderte Sicht der Situation ab, die sich aus dem Korsett der üblichen Bremer „Lösung“ befreit. Das scheint auch notwendig zu sein, da für dieses Mini-WiN-Gebiet am 31. Oktober 20.000 € an jährlichen Projektmitteln von der Deputation freigegeben werden sollen. Das ist wenig im Vergleich zu der üblicherweise 10-fachen Summe in klassischen WiN-Gebieten, so dass die Quartiersmanagerin auf „viele andere Töpfe“ hofft, „die wir ‚anzapfen‘ können“.

Diese Bewegung in der Problembeurteilung zeigt sich auch in der Darstellung in der Presse, wenn das BLV jetzt gezielt auf die besonderen Schwierigkeiten bei der Integration von Roma und Mhallamiye an der George-Albrecht-Straße eingeht.

Dieses größere Maß an Verständnis in der Mehrheitsgesellschaft dürfte ein guter Ausgangspunkt für eine neue Entwicklungsphase an diesem sozialen Brennpunkt Blumenthals sein.

Vielleicht hat sogar ein Bürgerantrag, der aus kaum nachvollziehbaren Gründen zurückgestellt wurde, ein kleines bisschen dazu beigetragen. Das wäre sicherlich sehr motivierend für die weitere Diskussion.

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Fragwürdige Informationströpfchen

#17 von Reinhard , 21.10.2013 14:12

Fragwürdige Informationströpfchen


Nachdem die Lokalpresse bisher von einer Einstellung einer Quartiersmanagerin für den Bereich der George-Albrecht-Straße vor allem aufgrund einer Pressemitteilung der Sozialsenatorin berichtet hatte, erschien gestern im Weser Report ein Artikel mit einigen weiteren Neuigkeiten. So erfahren wird, dass jetzt anscheinend ein „flankierendes WIN-Gebiet“ zwischen Fresenbergstraße, Landrat-Christians-Straße, Bahnhof und Mühlenstraße“ besteht, in dem 1.500 Einwohner leben. Allerdings soll sich erst Ende Oktober klären, ob dafür 20.000 Euro im Jahr aus dem Topf „Wohnen in Nachbarschaften“ der Sozialbehörde fließen.

Aus einem von der Politik einmal vorgeschlagenen „Min-Win-Gebiet“ ist also hinter Bremischen Verwaltungsmauern offenbar ein flankierendes WiN-Gebiet geworden, für das es zwar eine Quartiersmanagerin, aber kein Geld gibt. Die Experten der Sozialbehörde haben also offensichtlich einen ganz neuen Typ von WiN-Gebiet kreiert, für den es kaum Erfahrungen geben dürfte, da ihm der begehrte finanzielle Charme völlig fehlt.

Aber nicht nur dieser Aspekt eines WiN-Gebietes dürfte neu sein. Entsprechendes gilt auch für seine Entstehung, an der offenbar keine gewählten Gremien wie der Blumenthaler Beirat oder die Bürgerschaft beteiligt waren. Das neue WiN-Gebiet in Blumenthal scheint also hinter den intransparenten Mauern senatorischer Behörden entstanden zu sein, ohne dass es eine entsprechende Geburtsanzeige gegeben hat.

Gibt es dafür vielleicht Gründe, weil möglicherweise auch andere gern bei der Abgrenzung und der Ausstattung ihre Wünsche wenigstens vorgetragen hätten?

Waren vielleicht die Blumenthaler Beiräte daher so rücksichtsvoll, hinter den Verwaltungsmauern nicht nach möglichen Einzelheiten fragen zu wollen?

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Faktencheck zu Vorurteilen

#18 von Reinhard , 27.10.2013 18:07

Faktencheck zu Vorurteilen

Nicht jede Stadt versucht dem Roma-Problem möglichst auszuweichen. So wurde der Autor von „Arme Roma, böse Zigeuner“ beispielsweise nach Ahlen, Dortmund, Hamburg und Lünen zu Lesungen mit anschließenden Diskussionen eingeladen, um über die Lage der Roma zu informieren und sich dabei mit den gängigen Vorurteilen zu beschäftigen:




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zuletzt bearbeitet 27.10.2013 | Top

Ambivalenz

#19 von Reinhard , 09.11.2013 10:08

Ambivalenz

Eine Integration von Roma ist bekanntlich ein teilweise heikles soziales und ethnisches Problem. Das wird immer wieder deutlich, wenn man die Versuche beobachtet, durch die senatorische Behörden einer zielgerichteten Problemlösung an der George-Albrecht-Straße auszuweichen versuchen. Manches erinnert dabei an den Privatbereich, wo wir in der Regel keine Roma als Freunde habe, aber dennoch beteuern, keine Vorurteile gegenüber dieser diskriminierten Minderheit zu hegen. Wir sind so häufig innerlich gespalten bzw. ambivalent, da wir gegensätzliche Einstellungen gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe besitzen.

Das wird fast generell in Deutschland der Fall sein. Weniger verbreitet dürfte es hingegen sein, dass ein gewähltes politisches Gremium sich ähnlich ambivalent gegenüber einem Antrag verhält, der die ganz simple Frage beantwortet haben möchte, ob eine Behörde eine bestimmte Möglichkeit geprüft hat oder nicht.

Dabei geht es um einen vom 27. August datierten Bürgerantrag, der vor allem anfragt, ob „sich die Sozialbehörde mit der Frage beschäftigt“ hat, ob … aus verschiedenen Förderprogrammen der EU oder von privaten Stiftungen … Mittel eingeworben werden können, durch die eine Finanzierung eines Projektes zur Inklusion der Roma in Blumenthal unabhängig von der Bremer Haushaltslage möglich wird?“.

Diesen Antrag hat der Blumenthaler Beirat in seiner Sitzung am 9.9. „zurückgestellt, bis das Quartiersmanagement besetzt ist.“

Diese merkwürdige Bedingung, über deren Berechtigung hier im Thread bereits diskutiert wurde, ist seit Anfang Oktober erfüllt, sodass der Antrag damit logischerweise wieder auf der Agenda stehen müsste. Das ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr wird der Antrag auf der Internetseite des Ortsamtes nur wieder als „Aktueller Bürgerantrag“ geführt.

Angeblich soll er nicht behandelt werden können, weil die Quartiersmanagerin zur Zeit der Sitzung verhindert ist.

Diese Begründung ist jedoch, sollte sie denn zutreffen, sachlich nicht gerechtfertigt, da von einem Erscheinen der Quartiersmanagerin in der Beiratssitzung am 9.9. gar nicht die Rede war. Sehr gut denkbar wäre schließlich eine schriftliche Äußerung, wenn man denn konkrete wüsste, was die Quartiersmanagerin eigentlich beantworten soll, da sie bekanntlich mit der Vorbereitung des jetzt etablierten flankierenden WiN-Gebietes in Blumenthal gar nicht befasst war.

Will man von ihr etwa ganz allgemeine Aussagen über die Roma, um die eigene Unsicherheit und Ambivalenz in dieser Angelegenheit überspielen zu können?

Nur haben die Beiräte, die für diesen eigenartigen Beschluss vom 9.9. verantwortlich sind, offenbar die eindeutige Bremer Rechtslage übersehen. Im § 6 Bürger- und Jugendbeteiligung des Ortsbeirätegesetzes (OBG) heißt es : „Der Beirat berät die Anträge binnen sechs Wochen. Das Ortsamt teilt das Beratungsergebnis der Antragstellerin oder dem Antragsteller unverzüglich schriftlich mit.“

Dagegen wurde eindeutig verstoßen, da weder eine fristgerechte Beratung erfolgte noch die vorgesehene schriftliche Benachrichtigung der Antragstellerin.

Wer mag hierfür verantwortlich sein? Es werden wohl kaum die Roma sein, wenn Rechtsvorschriften vom Blumenthaler Beirat nicht eingehalten werden?

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Wer spät kommt…

#20 von Reinhard , 21.11.2013 17:42

Wer spät kommt…

Bekanntlich tut sich der Blumenthaler Beirat sehr schwer damit, einmal einem Bürgerantrag zu folgen und bei der Sozialbehörde nachzufragen, ob man sich dort um den Einsatz von Mitteln aus EU-Förderprogrammen oder von Stiftungen bemüht hat, „durch die eine Finanzierung eines Projektes zur Inklusion der Roma in Blumenthal unabhängig von der Bremer Haushaltslage möglich wird“.

Dabei ist das eine naheliegende Information, da es immer noch kein veröffentlichtes Handlungskonzept gibt und die Sozialbehörde offenbar bereits dafür gelobt werden will, dass es ihr innerhalb eines Jahres mit viel Hin und Her gelungen ist, ein flankierendes WiN-Gebiet mit einem kleinen Etat auf den Weg zu bekommen.

Während ein Nicht-Politiker nicht erkennen kann, warum der Beirat die einfache Frage nicht weiterleiten kann, die ihn aufgrund seiner Aufgaben auch interessieren sollte, lässt sich das Zögern der Sozialbehörde durchaus verstehen. Ursache können die Erfahrung aus den Bemühungen im WiN-Gebiet Grohner Düne sein, wo der Weser-Kurier bereits mehrfach auf „wachsende Zweifel“ hinweisen musste.

Ein Grund für die Kritik ist das sehr entschleunigte Verhalten der Sozialbehörde, der es gelungen ist, ein Konzept für die Integration der Volksgruppe der Mhallamiye zu entwickeln und deswegen einen Kulturmittler einzustellen, über den der Weser-Kurier schrieb, dass er lange Zeit nicht öffentlich vorgestellt wurde, da niemand „richtig wusste… , was er tun sollte.“

Nachdem die Sozialbehörde jetzt nach langem Vorlauf ein Projekt an den Start bekommen hat, scheinen sich die Probleme zumindest in Grohne von selbst zu lösen, da viele Mhallamiye „in jüngerer Zeit die Großsiedlung verlassen“ haben und „vor allem Sinti und Roma“ nachgerückt sind.

Ist etwa die sehr flexible Arbeit in Blumenthal, die bisher ohne eine Konzept auskommt, schon eine Folge dieser Erfahrungen mit den Folgen der eigenen Langsamkeit? Wartet man einfach bis die Roma Blumenthal verlassen und mit ihnen die Integrationsprobleme?

Man kann es fast glauben, wenn sich die Quartiersmanagerin gegenwärtig damit beschäftigt, wie sich bei den Blumenthalern ein „sehr negatives Selbstbild“ entwickelt hat.

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Premiere

#21 von Reinhard , 24.11.2013 11:00

Premiere

Manchmal kann man sogar bei der Behandlung von Bürgeranträgen in Blumenthal noch Überraschungen erleben. Ein ganz besonderes Ereignis dieser Art ist jetzt beim Antrag zur Roma-Integration eingetreten, der zuvor bereits durch eine merkwürdige Behandlung in der Beiratssitzung im September aufgefallen war, als man seine Erörterung an eine Bedingung knüpfte, und er später für kurze Zeit wieder den Status eines „Aktuellen Antrags“ auf der Internetseite des Ortsamtes erreicht hat.

Jetzt fand die Antragstellerin ein Schreiben aus dem Ortsamt in ihrem Briefkasten, das sich auf eben diesen Antrag beziehen soll. Normalerweise hätte ein solcher Brief keine Überraschung sein dürfen, da die Blumenthaler Bürgerin auch schon vorher die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung in Bremen genutzt hat.

Aber das war vor einer Petition, die sie kürzlich eingereicht hat, um auf den Abstand zwischen Theorie und Realität in diesem Bereich hinzuweisen und endlich die Auskünfte auf ihre Fragen in einer Form zu erhalten, wie sie das Gesetz vorsieht. Dabei standen fehlende schriftliche Benachrichtigungen, die das Gesetz vorschreibt, ganz oben auf ihrer Mängelliste.

Hier hat sich jetzt also etwas getan. Nur kann man bekanntlich im Nachhinein die Vergangenheit nicht mehr korrigieren. Aber das wurde in diesem amtlichen Schreiben auch gar nicht versucht, da man eine Erklärung oder gar Entschuldigung für den Verstoß gegen das Bremer Beirätegesetz vergeblich sucht.

Stattdessen beginnt das Schreiben:

„..zusammen mit der Quartiersmanagerin Fr. Carola Schulz hat der Koordinierungsausschuss des Beirates Blumenthal über Ihren o.a. Bürgerantrag beraten.
Im Ergebnis kam der Ausschuss zu dem Schluss, Ihren Antrag nicht erneut in einer Beiratssitzung zu erörtern.


Während also der Bremer Gesetzgeber nur von einer Beratung im Beirat ausgeht, wurden hier mit dem Koordinierungsausschuss und einer Quartiersmanagerin Instanzen einbezogen, die das Beirätegesetz in diesem Zusammenhang gar nicht kennt.

Nachdem die Entscheidungsstruktur auf diese Weise schon erheblich verkompliziert wurde, versucht das Schreiben anschließend Antworten auf Fragen zu geben, die die Antragstellerin gar nicht aufgeworfen hat. Hier scheint bei dem einen oder anderen Gremium oder vielleicht auch nur einem Beteiligten die Fantasie kräftig ins Kraut geschossen zu sein, denn in dem Antrag wird weder ein „spezielles Modell für die Roma-Integration“ „empfohlen“ noch gibt es eine „zweite Frage zur von der EU erklärten Roma-Dekade“. Alles das scheinen mögliche Lesefrüchte eines oder der Beteiligten zu sein; nur stehen sie nicht im Antrag und haben daher für dessen Behandlung keinerlei Bedeutung.

Im Text wird hierzu geschrieben:

Während der Diskussion stellte sich heraus, dass die von Ihnen vorgeschlagene Entwicklung eines speziellen Modells für die Roma-Integration bereits mit den Mitteln für das flankierende WIN-Gebiet als Möglichkeit gegeben ist. Bereits jetzt gibt es einen starken Fokus auf die angesprochene Bevölkerungsgruppe.
Frau Schulz gibt jedoch auch zu bedenken, dass ein Quartier aus verschiedenen Gruppen besteht und Integration immer wechselseitig passieren sollte.

Zu Ihrer zweiten Frage zur von der EU erklärten Roma-Dekade erläuterte Frau Schulz, dass die dort genannte Fördermittel darauf abzielen, in den Heimatländern Wohnumfeldverbesserungen zu schaffen und dass es sich nicht um Gelder handelt, die in Deutschland abrufbar seien.
Die Zielsetzungen der EU überschneiden sich zudem mit den hiesigen WiN-Projekten, was deren Aufgaben und Projekte angehen.


Auf diese Weise kann man damit einiges über die Denkstrukturen der Mitglieder des Koordinierungsausschusses und die Einschätzungen der Quartiersmanagerin erfahren, nur eben nicht zum eigentlichen Antrag. Aber vermutlich ging es ohnehin nur darum, einige wie eine Begründung erscheinende Sätze für folgendes Ergebnis zu formulieren:

“Die Ausschussmitglieder würden von daher gerne weitere Entwicklung des flankierenden WiN-Gebietes abwarten, begrüßen aber sehr Ihr Engagement für den Stadtteil.“

Bürgerbeteiligung scheint ein sehr hartes Brot zu sein, und zwar vor allem dann, wenn gewählte Repräsentanten Bürgern wichtige Informationen verweigern.

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Antrag bleibt Antrag

#22 von Reinhard , 25.11.2013 09:22

Antrag bleibt Antrag


Die Kreativität, mit der der Roma-Antrag in der Koordinierungskomission oder an einer anderen Stelle gelesen wurde, hat in der schriftlichen Antwort zu einem Konvolut von Anmerkungen geführt, die der Antragstellerin offenbar eine Kompetenz für das Thema absprechen sollen. Zudem haben sie zumindest noch eine weitere wichtige Funktion. Man will Zeit gewinnen, wenn bei dem geschilderten komplexen Zusammenhang die „weitere Entwicklung des flankierenden WiN-Gebietes“ abgewartet werden soll.

Damit werden viele Aspekte angesprochen, die man lange diskutieren könnte, wenn man das allein Wichtige vergessen wollte, um das es hier geht: eine Reaktion des Beirats auf den tatsächlich gestellten Antrag.

Darauf hat auch die Blumenthaler Bürgerin in einer Antwort an das Ortsamt hingewiesen:

...
Ihr Schreiben v. 19.11.2013 habe ich erhalten.

Nach der Lektüre ist mir allerdings nicht klar, ob es sich tatsächlich, wie Sie angegeben, auf meinen „Bürgerantrag Modellvorhaben Roma-Integration in Blumenthal“ bezieht. Meine Zweifel beruhen einerseits auf dem Abstand zwischen der Einreichung meines Antrags vom 27.8. und der Datierung Ihres Schreibens vom 19.11.2013 dieses Jahres. Damit liegen 12 Wochen zwischen beiden Terminen, während §6 (4) des Bremer Ortsgesetzes über Beiräte und Ortsämter unmissverständlich festlegt, dass „Anträge binnen 6 Wochen“ beraten und das Ortsamt das Beratungsergebnis der Antragstellerin oder dem Antragsteller unverzüglich schriftlich mitteilt. Diese zwingende rechtliche Vorgabe wurde hier also nicht erfüllt. Auch gibt es dafür weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung.

Andererseits scheint sich das, was Sie „Beratungsergebnis“ des „Koordinierungsausschusses des Beirates Blumenthal“ nennen, ohnehin nicht auf meinen Antrag vom August beziehen.

Falls Sie einen Blick auf die beiden Sätze des Antrags werfen, werden Sie feststellen, dass durch meinen Antrag erfragt werden sollte, ob sich der Lenkungskreis Zentrumsentwicklung Blumenthal bzw. die Sozialbehörde mit der Möglichkeit beschäftigt haben, „für die besondere soziale und ethnische Problemsituation im Bereich der George-Albrecht-Straße alternativ zum üblichen WiN-Programm ein spezielles Modell für die Roma-Integration zu entwickeln“ und dafür auch eine mögliche Einwerbung von Mitteln geprüft haben, um die „Finanzierung eines Projektes zur Inklusion der Roma in Blumenthal unabhängig von der Bremer Haushaltslage“ zu ermöglichen. Meine Fragen bezogen sich also ausschließlich auf das Verhalten von zwei eindeutig benannten Bremer Institutionen.


Nicht gefragt war hingegen, welche Meinung eine erst zum 1.Oktober 2013 eingestellte Quartiersmanagerin zu diversen Fragen der EU-Roma-Politik und von Bremer WiN-Gebieten hat. Das sind sicherlich auch spannende Themen, die sich gut diskutieren lassen, nur war danach nicht gefragt. Für mich steht daher die vom Gesetzgeber geforderte unverzügliche schriftliche Nachricht zu meinem Bürgerantrag weiterhin aus....

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Selbstüberschätzung?

#23 von Reinhard , 26.11.2013 09:01

Selbstüberschätzung?

Die Anmerkungen, die das Schreiben des Ortsamtes zu Fragen macht, die gar nicht gestellt wurden, ermöglicht einen Blick in die Psyche der Autoren, die sich an dieser besonderen Art von Textverständnis versucht haben. Bedauerlich ist dabei nur, dass nicht auch gleich die Fragen geliefert wurden, auf die sich die Hinweise beziehen sollen.

Das gilt etwa für die angebliche „zweite Frage zur von der EU erklärten Roma-Dekade“. Das klingt so, als habe sich die Antragstellerin über die Roma-Dekade nicht bei wikipedia, sondern beim Blumenthaler Beirat informieren wollen.

Wenn sich der Blumenthaler Koordinierungsausschuss diese umfassende Sachkompetenz zubilligt, wie der Antwortversuch nahelegt, ist das sicherlich ein gutes Zeichen dafür, dass sich dieses Gremium selbst nicht unterschätzt. Allerdings dürfte es kaum fraglich sein, dass der Gesetzgeber das Instrument der Bürgeranträge nicht für derartige Auskünfte geschaffen hat. Man hätte daher, falls es eine entsprechende Frage tatsächlich gegeben hätte, eher den Ratschlag erwarten müssen, doch wegen dieser Frage in einem Lexikon nachzusehen.

Offenbar scheint diese erstaunliche Wissenskompetenz im Bereich des Koordinierungsausschusses bzw. vermutlich seiner Mehrheit sogar ansteckend zu sein. Das kann man zumindest vermuten, wenn eine Quartiersmanagerin, die sich, sofern man den bisherigen Berichten der Lokalpresse vertraut, bestenfalls erst seit ihrer Einstellung am 1. Oktober mit Fragen der Roma beschäftigt, als Sachverständige angeführt wird, deren Aussage man offenbar ohne jede Quellenangabe glauben soll.

Da wird doch wohl keine kognitive Verzerrung vorliegen, wie es die Psychologen nennen!

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Textverständnis

#24 von Reinhard , 27.11.2013 09:12

Textverständnis

Die klare Einschätzung der Bearbeitung des Bürgerantrags zur Roma-Integration hat offenbar zu einer raschen Reaktion durch das Blumenthaler Ortsamt geführt. Für die Antagstellerin liegt danach „die vom Gesetzgeber geforderte unverzügliche schriftliche Nachricht“ zum Bürgerantrag nicht vor, weil zu spät ein Schreiben eingegangen ist, dass sich offensichtlich auf einen ganz anderen Bürgerantrag bezieht.

Dieses Urteil kann der Ortmamleiter nicht nachvollziehen, wobei er einen Auszug aus dem Protokoll der Beiratssitzung vom 9.9. 2013 als Beleg anführt. Dort heißt es „Im KO wurde der Vorschlag gemacht, den Bürgerantrag zurückzustellen, bis das Quartiersmanagement besetzt ist. Dem Vorschlag wird zugestimmt und der Bürgerantrag damit vertagt.

Das ist zunächst ein Zitat, auf das ohne irgendeine Form von Erläuterung der anschließende Satz „Wir haben also gegen keinerlei Fristen verstoßen“ folgt. Logischer wäre es hier sicherlich gewesen, wenn man zumindest das „also“ gestrichen hätte, denn diese Aussage trifft in keiner Weise zu.

So kann man das jetzige Schreiben als Information über eine Behandlung im Beirat sehen. In diesem Fall hätte die Benachrichtigung unmittelbar nach einer Fist von sechs Wochen erfolgen müssen. Davon kann jetzt nach 12 Wochen jedoch nicht mehr die Rede sein. Es wurde also gegen die Fristvorgabe verstoßen.

Man kann jedoch auch den Begriff der Behandlung eines Antrags inhaltlich verstehen, was sogar der Blumenthaler Beirat selbst gemacht hat, wenn er von einer "Vertagung" spricht. Danach wurde der Antrag also am 9.9. gar nicht behandelt und auch jetzt nicht durch den Koordnierungsausschuss, da das Beirätegesetz diese geheim tagende Institution gar nicht kennt. Bei dieser Interpretation, die den Charme juristischer Präzision besitzt, wurde der Antrag also de facto bisher gar nicht öffentlich im Beirat behandelt, wie es das Gesetz vorsieht, womit die Frist entsprechend missachtet wurde.

Soll die Basta-Formulierung „Wir haben ..gegen keinerlei Fristen verstoßen“ etwa über diese deutlichen Fehler hinwegtäuschen?

Noch chaotischer wird es, wenn im zweiten Absatz der Antwortmail nicht mehr zwischen dem Beirat als Organ, das im Beirätegesetz vorgesehen ist, und dem in Blumenthal so beliebten Koordinierungsausschuss unterschieden wird. So heißt es :

Zur Inhaltlichen Betrachtung steht es Ihnen frei, dem zu widersprechen, was der Beirat nach der Diskussion mit der Quartiersmanagerin entschieden hat. Hierbei handelt es sich um eine Entscheidung des wichtigsten Beiratsgremiums nach der öffentlichen Sitzung – und diese Entscheidung wurde einstimmig getroffen.

Hier wird somit behauptet, dass ein Gremium wie der Koordinierungsausschuss mit Mehrheit darüber entscheiden kann, wie der Text eines Antrags korrekt lautet und zu verstehen ist. Vielleicht wird ihm dann bald noch zugetraut, dass er auch andere Sachfragen objektiv beantworten kann wie etwa die Lösung von Rechenaufgaben. Allerdings besteht dann die Gefahr entsprechender Witze in anderen Gegenden Deutschlands, wenn man fragt, wie viel 2 + 2 ist und dann im PISA-Notstandsgebiet Bremen mit ungefähr drei geantwortet wird.

Solche Abstimmungen mögen zwar nützlich sein, wenn man die Mehrheit auf seiner Seite weiß, nur können sie Weiß nicht in Schwarz verwandeln und umgekehrt. Hier bleibt auch einem Ortsamtsleiter nichts anderes übrig, als mithilfe einer sorgfältigen Textanalyse nachzuweisen, dass sein Textverständnis korrekt ist. Das wurde jedoch in dieser Mail nicht einmal versucht.

Bei dieser Form der Informationsverweigerung, gegen die man anscheinend nach der Rechtsauffassung des Ortsamtes einen „Widerspruch“ einlegen kann, brauchen Antragsteller offenbar einen starken Durchhaltewillen, um dann nach langer Zeit die inhaltleeren Worthülsen der Verwaltung als angebliche Antwort zu erhalten.

Allerdings kann diese Wartezeit offenbar immer noch kürzer sein als die bei der Veröffentlichung der Ergebnisse einer Befragung in Blumenthal und des integrierten Handlungskonzepts für das flankierende WiN-Gebiet Blumenthal, die schon lange überfällig sind, obwohl sie logischerweise die Grundlage für die Arbeit einer Quartiersmanagerin sein sollten.

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Wer anderen eine Grube graben will…

#25 von Reinhard , 27.11.2013 13:49

Wer anderen eine Grube graben will…

Nach der Lesart der „wichtigsten“ politischen Gremien Blumenthals sollen die im Antrag "genannten Fördermittel" in Wirklichkeit "darauf abzielen, in den Heimatländern Wohnumfeldverbesserungen zu schaffen und .. es sich nicht um Gelder handel(n), die in Deutschland abrufbar sind.“ Mit anderen Worten werden also der Antragstellerin fehlende oder falsche Kenntnisse unterstellt werden, die erst durch ein Blumenthaler Beiratsorgan dank seiner guten Vernetzung mit der Sozialbehörde korrigiert werden müssen, um gar keine falschen Erwartungen in Blumenthal aufkommen zu lassen. So kann sich dann jeder Blumenthaler weiter auf seine gute Blumenthaler Politik verlassen, die ihn vor einem gefährlichen Gang auf Irrwegen bewahrt.

Wenn dieses Ziel erfüllt ist, sollte es sich beinahe von selbst verstehen, dass auch in diesem Fall nicht auf den genauen Wortlaut im Antrag geachtet werden muss, denn dort wird keineswegs so eingeschränkt gefragt, „ob im Rahmen der von der EU erklärten „Roma-Dekade“ aus verschiedenen Förderprogrammen der EU oder von privaten Stiftungen (z.B. Freudenberg Stiftung, Open Society Foundations) Mittel eingeworben werden können.“ Es wird also nach einer Förderung aus EU-Töpfen gefragt und nicht von einem solches Programm gesprochen, das speziell für Blumenthal bzw. Nicht-Heimatländer ausgeschrieben ist.

Erfreulicherweise glauben nicht alle politischen Gremien in allen Bundesländern derartigen Meinungen funktionaler Experten ohne jegliche Quellenangabe; denn sonst hätte das Bundesland Berlin in der Pressenachricht zum aktuellen Fortschrittsbericht der EU keine lobende Erwähnung für seinen regionalen Aktionsplan zur Einbeziehung ausländischer Roma erhalten. In diesen Plan sind das Modellprojekt „Maßnahmen zur Stärkung der Roma-Community in Berlin“, das durch Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanziert wird, und ein durch den Europäischen Sozialfonds und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziertes XENOS-Projekt eingebaut, das sich an Roma und Asylsuchende/ Geduldete richtet, denen es eine berufliche Orientierung in Kombination mit Maßnahmen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung geben will.

Mit der offensichtlich falschen Auskunft durch den Koordinierungsausschuss, für die erst eine recht lange Zeit ausstehende Information aus der sicherlich stark vernetzten Sozialbehörde abgewartet musste, hat sich damit eine weitere Behandlung des ursprünglichen Antrags praktisch erledigt. Diese Behörde kann sich mit den angesprochenen Möglichkeiten gar nicht befasst haben, da sie sonst über die Situation besser informiert gewesen wäre. Dasselbe dürfte für den Lenkungskreis gelten, der anscheinend vorsichtshalber in den Antwortmails erst gar nicht erwähnt wird.

Und dabei könnten sich ein stärkeres Interesse und Engagement hier durchaus für die Roma und vor allem auch für Blumenthal auszahlen; denn die Überschrift der EU-Pressemeldung vom 26.6.2013 lautet: „Kommission ruft Mitgliedstaaten zu stärkeren Bemühungen um Integration auf“

Im Antrag ging es schließlich um zusätzliche Mittel für die Lösung eines komplexen Problems und nicht wie ebenfalls in der Antwortmail anklingt um eine Überschneidung von Zielen des EU-Roma-Dekade mit denen von WiN-Projekten. Eine derartige Belehrung über Integrationsaufgaben mag zwar in das Programm einer Obrigkeitsverwaltung passen, die glaubt, ihre unwissenden Bürgerinnen und Bürger auch über Selbstverständlichkeiten aufklären zu müssen. Es ist führt jedoch in keiner Weise zu einer besseren Integrationspolitik in Blumenthal.

Ohnehin schient die reale Situation an der George-Albrecht-Straße in der gesamten Ausschusssitzung eine bestenfalls sehr untergeordnete Rolle gespielt zu haben, da nur von angeblichen Schwächen des Antrags die Rede ist.

Vielleicht hätte man besser daran getan, sich kompetent zu informieren und dann an die sachliche Arbeit zu machen. Dann wären dem Beirat Sackgassen und Peinlichkeiten erspart geblieben.

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RE: Wer anderen eine Grube graben will…

#26 von Gast , 27.11.2013 20:45

Wenn ein Antrag am 27.08. eingereicht wird und am 09.09. behandelt wird, und der Antragstellerin dann in der Sitzung mitgeteilt wird, dass man eine Entscheidung über den Umgang auf den Zeitpunkt nach dem Amtsantritt der Quartiersmanagerin vertagt, ist die gesetzlich vorgeschriebene Sechs-Wochen-Frist eingehalten. Das Gesetz schreibt nicht vor, dass der Beirat einem Antrag innerhalb der Frist zustimmen muss - oder dass es ein Beratungsergebnis geben muss. Insofern ist Ihr hier mehrfach geäußerter Vorwurf schlicht falsch und erst wird auch nicht dadurch richtig, wenn man das Falsche dauernd wiederholt.
Ob die Bewertung des Beirats richtig ist, kann jeder für sich selbst bewerten. Der Koordinierungsausschuss, der übrigens in § 23 Absatz 4 Satz 4des Beirätegesetzes ausdrücklich erwähnt ist - hat nach Expertenanhörung eine entsprechende Entscheidung gefällt. Niemand im Beirat hält sich nach meiner Einschätzung für unfehlbar.
Trotzdem hat der Beirat das Recht, dass seine Entscheidungen mit Respekt behandelt werden. Das erwarten wir auch von Menschen, die in Blogs unter Pseudonym ihre wahre Identität verbergen und aus Schreiben zitieren, die nicht öffentlich sind.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Nowack


RE:http://de.wikipedia.org/wiki/Ceccano

#27 von Lola , 28.11.2013 07:13

Aus Urlaubsgründen v. 5.9.2013 - 16.9.2013

habe ich an der Beiratssitzung am 9.9.2013 als Zuschauerin nicht teilgenommen.

Am 9.9.2013 befand ich mich exakt ....http://de.wikipedia.org/wiki/Ceccano

in Ceccano/Italien.

Lola...im wirklichen Leben heiße ich Brigitte Kohl , aber das habe ich irgendwo in diesem Forum schon einmal geschrieben.


Lola  
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RE: Wer anderen eine Grube graben will…

#28 von Reinhard , 28.11.2013 16:12

Hallo Herr Nowack,

als Administrator möchte ich Sie als Gast sehr herzlich im Forum „Blumenthal: Probleme und Chancen“ begrüßen. Ich hoffe, dass auf diese Weise, wie ich es vor ein paar Tagen in einer Einladung gepostet habe, Missverständnisse gegenüber verschiedenen Formen der Bürgerbeteiligung abgebaut und damit leichter gemeinsam in einer offenen Diskussion nach guten Entscheidungen für Blumenthal gesucht werden kann.

Jedoch geht es in Ihrem Posting um einige sehr konkrete Aussagen, die eine sachliche und faire Erörterung verlangen, was ich im Folgenden versuchen möchte.

Gesetzliche Terminvorgaben für die Behandlung von Bürgeranträgen

Die von Ihnen als „Wiederholung von Falschem“ wahrgenommenen Hinweise auf den Text des Beirätegesetzes sind darauf zurückzuführen, dass Sie nicht bereit sind, die beiden Aussagen in § 6 (4) im Zusammenhang zu lesen. Danach soll „unverzüglich“ nach der Behandlung eines Antrags, die innerhalb von sechs Wochen zu erfolgen hat, der Antragsteller schriftlich benachrichtigt werden. Daraus läst sich unschwer ableiten, dass diese vorgeschriebene Mitteilung nach ihrer Ausfertigung und ihrem Versand spätestens nach sieben Wochen beim Antragsteller angekommen sein sollte.

Das war bei diesem Antrag nicht der Fall; denn eine schriftliche Nachricht erfolgte erst, nachdem die Antragstellerin in einer Petition an das entsprechende Gremium der Bürgerschaft u.a. auf diesen Tatbestand hingewiesen hatte.

Damit war allerdings die vom Gesetzgeber festgelegte Frist bereits deutlich überschritten.

Nach dem Gesetzestext sind die von Ihnen jetzt aufgeführten weiteren Hinweise bedeutungslos. Gerade Ihr nachgewiesener Fehler bei einer angeblich stattgefundenen mündlichen Information zeigt, wie recht der Gesetzgeber mit seiner geforderten Schriftlichkeit der Mitteilung hat.

Beteiligung des Koordinierungsausschusses

Ein Verfahren, in das eine derart starke Beteiligung des Koordinierungsausschusses, die Hinzuziehung von Expertenwissen und die Erfüllung eine Bedingung eingebaut sind, die eine rechtzeitige Behandlung und nicht Vertagung eines Antrags praktisch unmöglich macht, hat der Gesetzgeber offenbar nicht für möglich gehalten und daher nicht als besonderen Regelungsfall vorgesehen. Vielmehr wird erwartet, dass der Beirat seine Entscheidung generell innerhalb des vorgegeben Rahmens trifft. Das ist offenbar vom Koordinierungsausschuss und vom Beirat nicht beachtet worden.

Als der Koordinierungsausschuss und später der Beirat diese Entscheidung treffen wollten, wäre eine Absprache mit der Antragstellerin, in deren Recht eingegriffen wird, spätestens notwendig gewesen, als sich eine Nichteinhaltung der vorgeschrieben Rechte abzeichnete. Das ist jedoch unterblieben.

Beim aktuellen Stand der Behandlung des Antrags ist Ihr Hinweis auf § 23 Absatz 4 Satz 4 des Beirätegesetzes irrelevant, da an dieser Stelle nur generell von der Bildung von Ausschüssen die Rede ist, was niemand bestritten hat. Zu beachten ist vielmehr, dass das Beirätegesetz eine Entscheidung von Ausschüssen über Bürgeranträge nicht kennt und auch entsprechend der Blumenthaler Satzung der Hauptausschuss eingegangene Bürgeranträge nur „berät.“ (vgl. § 12 (9)) Das kann jedoch entsprechend dem Beirätegesetz nicht bedeuten, dass damit eine Erörterung in einer Beiratssitzung gar nicht erfolgen soll; denn die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Behandlung im Beirat beinhaltet eine öffentliche Diskussion und eine zumindest formal korrekte Entscheidung, was durch das von Ihnen dargestellte Verfahren im Koordinierungsausschuss nicht gewährleistet ist, wie sehr eindrucksvoll der Verweis auf das sogenannte Expertenwissen beweist.

Respekt und respect

Wenn man sich bei wikipedia nach dem Begriff „Respekt“ erkundigt, fällt vor allem sein weites Bedeutungsfeld auf, sodass ich nicht genau weiß, welche Art von „Respekt“ Sie meinen und erwarten. Wenn ich meine Haltung gegenüber politischen Entscheidungen und Entscheidungsträgern in dieser diffusen Begrifflichkeit, die ich praktisch nicht verwende, beschreiben sollte, könnte ich es mit dem englischen Wort „respect“ versuchen, wie man es aus den Fußballstadien Europas kennt. Damit ist vor allem eine wechselseitige Achtung gemeint, „die jeder Mensch jedem anderen menschlichen Wesen entgegenbringen soll.“

Dieser Grundsatz wurde nach meinem Urteil in meinen Postings nicht verletzt, da sie sich stets auf konkrete Entscheidungen bezogen haben und in ihnen keine generelle Verachtung einer Person ausgedrückt wurde.

In diesem konkreten Fall muss man sich jedoch fragen, welche Auswirkungen einige Beschlüsse auf das Ansehen eines Entscheidungsgremiums fast zwangsläufig haben.

Bei der Behandlung des Roma-Antrag ist es schließlich zu kaum nachvollziehbaren Festlegungen gekommen:

1. wurde ein Bürgerantrag völlig entstellt, ohne dass Sie in Ihren Antworten an die Antragstellerin und jetzt in ihrem Posting auch nur mit einem einzigen Wort darauf eingegangen sind. Hierdurch wurde schließlich die völlig unnötige Kette der folgenden Terminprobleme und geglaubten falschen Expertenaussagen eingeleitet.

2. hat der Koordinierungsausschuss offenbar die Rechte der Antragstellerin, die zu beachten sind, in seine Überlegungen nicht einbezogen und damit eine Einhaltung der rechtlichen Vorgaben praktisch unmöglich gemacht.

3. will der Koordinierungsausschuss, der auch nach der Blumenthaler Satzung nur Bürgeranträge „beraten“ kann, einen Beschluss präjudiziert haben, in den eine offensichtlich falsche Expertenauskunft eingeflossen ist.

Man kann daher leicht den Eindruck gewinnen, dass dieses schwer nachvollziehbare Verfahren nicht vorrangig den Antrag einer mündigen Bürgerin fair behandeln wollte, sondern zumindest nebenher auch beabsichtigt hat, sich selbst als besonders sorgfältig, die Antragstellerin hingegen als relativ inkompetent darzustellen. Das ist jetzt offensichtlich misslungen, worüber die Beteiligten logischerweise nicht sehr erfreut sind und sich wie ganz normale psychische Persönlichkeiten äußern.

Wenn es hier nicht um politische Gremien, sondern um eine Fußballmannschaft gehen würde, müsste man wohl von einer Häufung rabenschwarzer Tage sprechen, was sicherlich nichts an der Achtung gegenüber den Spielern ändert, aber auch nicht gerade dazu führt, dass man ihre Aufstellung für das nächste Spiel empfiehlt.

Anonymität und Transparenz

Wie in der Politik gibt es auch bei Internetforen Regeln, nach denen hier keine Geheimhaltung, sondern offene Diskussionen unter Pseudonymen üblich sind. Dabei kann allerdings bei der überschaubaren Zahl aktiver Mitglieder in diesem Blumenthal-Forum praktisch gar nicht von einem Verbergen der wahren Identität die Rede sein.

Das sieht hingegen bei politischen Gremium wie dem Nord-Bremer Lenkungsausschuss und dem Blumenthaler Koordinierungsausschuss ganz anders aus, wo die Öffentlichkeit nicht einmal unter Aliasnamen erfährt, was in diesen Gremien verhandelt wird und wie man zu welchen Entscheidungen gekommen ist. Dabei geht es dort um das Schicksal der Bürger und die Angelegenheiten von Wählern. Das hat aus meiner Sicht für eine Demokratie erheblich mehr Gewicht als die Konventionen in Internetforen oder Blogs, wo sich sicherlich nicht alle Diskussionsteilnehmer auf Wunsch von Verwaltungsbeamten outen müssen, die die eine Form der Geheimhaltung für gut, die andere hingegen offenbar für bedenklich halten.

Öffentlich und privat

Der Hinweis auf Zitate aus nicht öffentlichen Schreiben kann leicht falsche Eindrücke erzeugen, was sicherlich von Ihnen, Herr Nowack, nicht beabsichtigt ist, wie ich hoffe. In diesem Fall handelt es sich nicht um ausgespähte oder erschlichene Unterlagen. Vielmehr habe ich zuvor das Einverständnis der betroffenen Antragstellerin eingeholt, an die diese offiziellen Schreiben einer staatlichen Instanz gerichtet waren. Es handelt sich also keineswegs um private Mails. Zudem habe ich nur die Passagen verwendet, die sich unmittelbar auf den Sachverhalt beziehen. So fehlen etwa alle Sätze, in denen es um eine dritte Person geht.

Die Veröffentlichung dieser Teile halte ich für legitim, da sich nur auf diese Weise Licht in einen Vorgang bringen lässt, der wegen der Verlagerung der eigentlichen Behandlung in den Koordinierungsausschuss entgegen den Vorgaben des Beirätegesetzes sonst geheim bleiben würde, da über die Ausschusssitzungen anders als etwa in Vegesack nicht einmal ein Protokoll veröffentlicht wird.

Eine Kritik an diesem Gang in die Öffentlichkeit mag aus Ihrer Position zwar verständlich sein, wäre jedoch mit Sicherheit kein Gewinn im Hinblick auf ein transparentes Verwaltungshandeln gewesen. Schließlich muss sich ein Bürger in einem demokratischen Staat auch gegen Entscheidungen wehren können, die er für falsch hält. Dazu stellen bei der sehr eingeschränkten Öffentlichkeit der Entscheidungswege im Blumenthaler Beirat die Zitate die einzige verfügbare Grundlage dar. Bei meinem Demokratieverständnis war daher diese Veröffentlichung geboten.

Dass in einer modernen innovativen Verwaltung dazu eine andere Position bezogen wird, kann ich nicht nachvollziehen, da sich zumindest außerhalb von Blumenthal eine innovative Verwaltung und eine Bürgerbeteiligung nicht ausschließen, sondern ergänzen, weil „dialogorientierte Verfahren der Bürgerbeteiligung .. dazu beitragen“ können, „die Beteiligungswünsche der Bürger in konstruktive Bahnen zu lenken und so letztlich die Handlungsunfähigkeit von Politik und Verwaltung zu erhalten.“

In diesem Sinne dialogorientierter Verfahren würde ich mich freuen, wenn wir diesen offenen Internetdialog fortsetzen könnten, da auch in anderen Fragen nicht immer die Rechte mündiger Bürger geachtet worden sind. Das gilt etwa für die Reduktion der Positionen in der Entwicklung des ehemaligen Werksgeländes der BWK auf den Gegensatz „Hier Arbeitsplätze – dort grüne Wiese“; denn in allen veröffentlichten Aussagen zur Entwicklung dieses Geländes lässt sich keine Forderung nach einer „grünen Wiese“ finden. Da frage ich mich schon, ob es das, was Sie offenbar Respekt nennen, nicht auch auf der Seite einer Mehrheit gegenüber einer Minderheit geben muss. Für mich würde diese Form der Achtung beim Bemühen um eine korrekte Darstellung der Position der Gegenseite beginnen.


Reinhard  
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Jahresbilanz

#29 von Reinhard , 04.12.2013 11:38

Jahresbilanz

Die Diskussion um die Art, wie in Blumenthal Bürgeranträge mit einer Roma-Thematik abgehandelt werden, sollte nicht von dem eigentlichen Problem ablenken.

Das hat eine längere Vorgeschichte und eine präzise datierbare Maßnahmengeschichte, die vor fast genau einem Jahr begonnen hat.

Damals hatte Deutschlands Massenblatt am 31. Oktober seine Leser mit einem Bericht über „Die George-Albrecht-Straße mit Bremens schlimmster Horror-Siedlung“ aufgeschreckt, nachdem in diesem Blumenthaler Quartier zuvor 20 Streifenwagenbesatzungen eine Massenschlägerei beenden mussten und von „Raubüberfällen, Bedrohungen, Diebstählen, Drogenhandel und Gewalt“ berichtet wurde. So war eine 89-jährige Rentnerin von einem jugendlichen Intensivtäter fast tot geprügelt worden.

Als Antwort hatte man in Blumenthal nicht nur statt Zuckerbrot die Peitsche „vor allem gegen einige Großfamilien, meist Roma, gefordert, die sich fast alles vom Staat bezahlen lassen, aber die Straße als rechtsfreien Raum betrachten“, sondern von den Fraktionen der Bremer Regierungsparteien war am 6.12. ein Dringlichkeitsantrag „Vernetzte Quartiersentwicklung im Umfeld der George-Albrecht-Straße!“ in die Bürgerschaft eingebracht worden. Dieser Antrag wurde gleich am 11.12. einstimmig von der Bremischen Bürgerschaft beschlossen, und am 18.12. hat der Senat die Verwaltung mit der Umsetzung des Beschlusses beauftragt.

Die Politiker haben, nachdem die Medien die Situation aufgegriffen hatten, also sehr schnell entschieden, während sie die zuvor seit Jahren berichteten Warnhinweise anscheinend übersehen hatten.

Bei der Bearbeitung durch die senatorischen Behörden kann dann kaum noch von Schnelligkeit die Rede sein. Auch muss man sich fragen, ob dafür die Gründlichkeit der einzige Grund gewesen sein mag.

Wenn man die Situation aus heutiger Sicht betrachtet, kann man vielmehr den Eindruck gewinnen, dass die Verwaltung nach Prinzipien vorgegangen ist, die zumindest bei der Behandlung medizinischer oder psychischer Probleme ungewohnt sind, und das nicht, weil es sich um ein anderes Fachgebiet, sondern offenbar um eine andere Form von Logik handelt.

Während üblicherweise zunächst eine Diagnose erfolgt, die als Grundlage für einen Therapieplan notwendig ist, hat die Sozialbehörde hier zunächst einmal – wenn man im weitgehend medizinischen Bild bleiben will - eine Physiotherapeutin eingestellt. Dadurch kann man vermutlich wenig falsch machen und der Arbeit der Sozialbehörde ein mediales Gesicht geben.

Auch ist es schließlich möglich, dass es demnächst, wenn das neue WiN-Gebiet einmal auf dem Internetportal der Bremer Fördergebiete aufgeführt sein wird, ein Integriertes Handlungskonzept (IHK) geben wird, das genau die Quartiersmanagerin benötigt, die man bereits zuvor mit großer Weitsicht eingestellt hat.

Dann werden sicherlich auch die Kritiker erkennen, wie sinnvoll und effektiv die Verwaltung bisher gearbeitet hat. Es sei denn, sie werden durch störende Fragen zu ethnischen Besonderheiten an dieser klaren Sicht gehindert.

Reinhard  
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Vernetzungen

#30 von Reinhard , 07.12.2013 17:20

Vernetzungen

Nach dem symbolischen Spatenstich auf dem BWK-Gelände im letzten Monat wird Blumenthal jetzt am 11. Dezember einen weiteren „ersten Spatenstich“ erleben. Es tut sich also etwas und die Jahresbilanz im Bereich von George-Albrecht-Straße und ehemaligem Blumenthaler Zentrum kann sich ändern. Das dürfte zumindest der Schluss sein, den man aus dieser Häufung von Aktivitäten ziehen wird. In diesem Fall steht sogar das Thema der Bewegung ganz im Vordergrund, denn der erste Spatenstich auf der Bahrsplate ist der Baubeginn für „ein 32 mal 18 Meter großes Minispielfeld“, wie der Weser-Kurier schreibt und Teil des Programms „Werder bewegt“ von Bremens Fußballbundsligaclub. Für die Grünweißen handelt es sich dabei um ein Projekt, mit dem sie im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit ihre unternehmerische Sozialverantwortung belegen wollen.

Dieses Projekt „Spielraum Bahrsplate“ soll insgesamt 100.000 € kosten, von denen die Bürgerstiftung selbst als Initiator 7.500 € aufbringen will, wie auf der letzten Hauptversammlung erklärt wurde. Erheblich mehr kommt von der Spardaka-Stiftung mit 30.000 €, dem DFB mit 25.000 €, Werder Bremen mit 5.000 € sowie ganz aktuell 20.000 € aus dem Programm „Impulse für lebenswerte Städte", wobei es sich um einen Finanztopf handelt, der bereits 2001 in der SPD-CDU-Koalition geschaffen wurde und über den auf Vorschlag des Wirtschaftssenators entschieden wird. Zuvor waren noch Anträge an das Programm Stopp der Jugendgewalt (10.000 €) und die Bremer Sozialbehörde (7.500 €) genannt worden.

Damit ist also eine vernetzte Finanzierung gelungen, bei der sogar die kleineren Sponsoren wie die Bürgerstiftung und Werder nicht im Schatten stehen müssen.

Und diese Arbeit an dem Projekt „Spielraum Bahrsplate“ war nicht einmal, nachdem man vermutlich nicht nur Teile vernetzt, sondern auch Seilschaften gebildet hatte, mit der schwierige Finanzierung beendet. Vielmehr konnten sogar ganz praktische Nägel mit Köpfen gemacht werden; denn es wurde sogar bereits im Voraus jemand gefunden, der sich um den Bolzplatz kümmern darf. So konnte der Vorsitzende der Bürgerstiftung bzw. des Fördervereins bereits auf der Jahreshauptversammlung vom 9.8.2013 mitteilen, dass der „Platz .. vom Quartiermanagement Blumenthal Zentrum betrieben“ wird.

Das war damals sicherlich nicht nur eine große organisatorische, sondern auch prognostische Leistung, da eine Quartiermanagerin erst zum 1. Oktober 2013 eingestellt wurde, sodass man sie Anfang August schlecht befragt haben konnte. Auch sucht man einen entsprechenden Hinweis im Beschluss der Bürgerschaft zur „Vernetzten Quartiersentwicklung im Umfeld der George-Albrecht-Straße!“ vergeblich.

Damit hat die Quartiersmanagerin schon einmal eine ganz praktische Aufgabe. Zusätzlich wird sie sich mit Koordinierungsproblemen beschäftigen müssen, da Werder Bremen sein Angebot nicht als Ergänzung, sondern als „Alternative zur klassischen Jugendsozialarbeit“ versteht.

Jetzt kann man gespannt darauf warten, wie in einem integrieren Handlungskonzept die Vernetzung eines Bolzplatzes, der Teil eines CSR-Progamms von Werder Bremen ist, mit einem Erzählcafé gelingen wird, das von der Quartiersmanagerin als Maßnahme genannt wurde. Das dürfte zumindest ein sehr weit gespanntes Netz verlangen, das deswegen vielleicht sogar noch den einen oder anderen Angehörigen einer ethnischen Minderheit einschließen kann. Das hängt allerdings vermutlich davon ab, wie sich das Werder-Konzept in die Überlegungen der klassischen Sozialarbeit einbauen lässt.

Dieses Modellprojekt mit einem Bolzplatz als hartem infrastrukturellen Kern wird sicherlich als besondere Erweiterung des Bremer-WiN-Konzepts noch viel Aufmerksamkeit auf sich lenken, wenn es erst in ein Gesamtkonzept integriert sein wird, das sich nicht darauf reduziert, durch Fußball „den Bewegungsdrang von Kindern und Jugendlichen in gewaltfreie Erfolgserlebnisse zu kanalisieren“.

Aber es kann natürlich auch noch weitere überraschende attraktive Einzelprojekte geben, die später zu vernetzen sind. Oder wird man sogar Bewohner suchen, die zu den tollen Chancen passen, die sich durch ein PR-Programm der Grünweißen ergeben?

Reinhard  
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