Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Widder-Skulptur "Sir Charles"

#1 von Reinhard , 21.08.2013 14:10

Blumenthaler Widder-Krieg?

Über Kunst kann und soll man bekanntlich nicht streiten, wenn es um eine Frage des Geschmacks geht. Aber es kann auch andere Anlässe geben, wie sich jetzt in Blumenthal zeigt.

Nachdem der Vorsitzende des BWK-Museumsvereins in einem Beiratsantrag auf die drohende Heimatlosigkeit des BWK-Maskottchens „Sir Charles“ hingewiesen hatte, die mit der Neugestaltung des Busbahnhofs droht, gibt es jetzt verschiedene Vorschläge für eine neue Heimat. So hatte der Museumsverein auf den angestammten ersten Standort des Widders vor der ehemaligen kaufmännischen Verwaltung der BWK hingewiesen. Auch wurde ein Standort an einem Platz an der historischen Achse auf dem BWK-Gelände zur Diskussion gestellt, falls man sich zu einer entsprechenden Aufwertung dieses Areals entschließen würde.

Jetzt hat, wie das BLV berichtet, der Förderverein Wätjens Park einen besitzergreifenden Standortwunsch geäußert. Die Skulptur soll danach in Wätjens Park „gehören“.

Um die Standortfrage zu entscheiden hat daher der Vorsitzende des BWK-Museumsvereins eine Bürgerbefragung als „sauberste Lösung“ dieses Streits vorgeschlagen.

Droht damit jetzt in Blumenthal ein Widder-Krieg, bei dem sich die Anhänger von zwei Fördervereinen mehr oder weniger unversöhnlich gegenüberstehen?

Oder findet man noch Sachargumente, um eine derartige Auseinandersetzung um die Skulptur eines unbekannten Künstler zu vermeiden, die sicherlich in der Öffentlichkeit leicht als Provinzposse wahrgenommen werden kann?

Wenn der Widder den Blumenthalerinnen und Blumenthalern von der Woll-Kämmerei geschenkt worden ist, sollte er möglichst sichtbar aufgestellt werden. Zwar kann man sicherlich verstehen, dass der Förderverein Wätjens Park gern die Grünanlagen durch Skulpturen aufwerten möchte. Die Verbindung zur Arbeit der BWK ist jedoch historisch gesehen sehr dünn, sodass sich hier vermutlich andere Kunstwerke besser eigenen sollten.

So will der Förderverein Wätjens Park nach seinem eigenen Selbstverständnis ein kulturhistorisches Denkmal bewahren, „das heute noch Auskunft geben kann über die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts, über das Leben und Wollen der großen Reeder und Kaufleute Bremens, des Hauses D. H. Wätjen & Co.“.

Ein Blick auf das Denkmal von Sir Charles nennt hingegen das Jahr „1932“, also ein Jahr, das niemand zum 19. Jahrhundert rechnet.


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Indiskrete Frage

#2 von Reinhard , 26.08.2013 10:15

Indiskrete Frage

Nachdem am letzten Samstag wieder einmal „Tee im Park“ im Roseliusgarten stattgefunden hat, wo Besucherinnen in leichten Sommerkleidern und mit bezaubernden Hüten vor der Wätjen-Büste im Gartentempel Aufnahmeanträge für den Förderverein Wätjens Park unterschrieben haben sollen, will der Vorstand hier angeblich das Denkmal von Sir Charles vermisst haben. Er hat es jedenfalls als Bereicherung für diesen Park gefordert, und die aktuell ausgefüllten Aufnahmenanträge können schon eine Folge dieses Wunsches sein.

Da drängt sich die Frage auf, wie eine Widderskulptur in dieses Ambiente von dezenter Musik, Damen mit Hüten und Feen, die als Musen in diesem Park des 19. Jahrhunderts leben sollen, passen kann?

Arkadische Landschaften mit Schafen, Hirten und amourösen Abenteuern hat die Literatur in Schäferromanen des Barock geschildert. Doch das war zwei Jahrhunderte früher. Es kann also nicht der Grund sein.

Das gleiche gilt für die Welt der Industrie und der Wollverarbeitung mit ihren nüchternen Rentabilitätskalkulationen, in der es keine Feen und Elfen gab, aber Sir Charles entstanden ist.

Was kann aber dann den Wunsch einer illustren Gartengesellschaft unter Damenhüten nach einem Merinoschafbock ausgelöst haben?

War es vielleicht seine pure Männlichkeit?

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The race is on

#3 von Reinhard , 26.08.2013 14:53

The race is on

Wie man hört, hat sich das BLV einen Weg ausgedacht, um den Streit über das begehrte Denkmal von Sir Charles zu lösen. Wäre das BLV kein Anzeigenblatt, würde man darin eine gute Idee sehen, um die Auflage des Blattes zu steigern; denn das BLV spielt in diesem Fall eine ganz zentrale Rolle. So verspricht das vom BLV organisierte Verfahren vor allem Spannung und damit ein erhöhtes Leserinteresse am redaktionellen Teil.

Was ist konkret geplant? In der Ausgabe am kommenden Mittwoch sollen die Vorsitzenden der beiden Fördervereine, also des BWK-Museums und von Wätjens Park, deren Standortvorstellungen sich kontrovers gegenüberstehen, jeweils Argumente für ihre Positionen vortragen. Anschließend dürfen dann die Leser postalisch, per Mail oder auf Facebook über einen zukünftigen Standort für die Widder-Plastik abstimmen.

Auf diese Weise kann das BLV gleich zweimal zumindest die Aufmerksamkeit aller Interessierten auf sich lenken: zunächst am kommenden Mittwoch, wenn die Argumente vorgetragen werden, und dann eine Woche später, wenn das Abstimmungsergebnis veröffentlicht wird.

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Ausbürgerung?

#4 von Reinhard , 27.08.2013 10:17

Ausbürgerung?

Über die Welt der Feen und Elfen weiß die Webseite von „Tee im Park“ Erstaunliches zu berichten. So sollen sich diese Fabelwesen von Musen zu äußerst kritischen Musikliebhaberinnen entwickelt haben.

Das mag Sir Charles möglicherweise nicht weiter stören, wenn er demnächst ihre Bekanntschaft machen soll, wie es der Förderverein Wätjens Park anstrebt.

Für eine andere Eigenschaft dürfte das hingegen ganz und gar nicht gelten. So sollen die Feen von „Festivitäten im Raum Bremen-Vegesack und Umgebung angezogen“ werden.

Diese lokalpatriotischen „Ortskenntnisse“ mögen vielleicht bei einer Webseite aus Vegesack erklärbar sein. Nur dürfte das einem Maskottchen der BWK kaum gefallen, da der Widder bekanntlich für den Bremer Stadtteil steht, der durch die Bremer Woll-Kämmerei erst groß geworden ist.

Auch wenn nicht jeder an Feen und ihre begrenzten Aufenthaltsräume glauben mag, wird durch diese Zuordnung auf einen ganz sachlichen Tatbestand aufmerksam gemacht. Wätjens Park liegt ganz am Rand von Blumenthal, sodass ein dortiger Standort leicht wie eine Abschiebung oder Ausbürgerung aussehen kann. Ein Ort, der stolz auf seine Industriegeschichte ist, wird deren Symbol daher an einem zentralen, belebten Platz aufstellen, wo es gut sichtbar ist und damit dokumentieren: Sir Charles, die BWK und Blumenthal gehören zusammen!

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Symbol für die industrielle Vergangenheit Blumenthals oder ergänzendes Schmuckelement?

#5 von Reinhard , 28.08.2013 10:10

Symbol für die industrielle Vergangenheit Blumenthals oder ergänzendes Schmuckelement?

In seinem heutigen Gastkommentar werden wir durch den Vorsitzenden des Fördervereins Wätjens Park in eine irreale Gartenidylle entführt, in der die Tatsachen unserer Realität keine Bedeutung zu haben scheinen.

In diesem Park mit Feen und Elfen können zweifellos auch steinerne Widder innere Monologe führen. Nur müssen sie deswegen auch die Unwahrheit sagen? Wie kann eine Skulptur, die sich gar nicht hinter Gittern befindet, wie ihre menschliche Stimme behauptet, befreit werden wollen? Wie kann sie sich durch einen Landschaftsgarten an ihre Heimat in Australien oder Neuseeland erinnert fühlen, wenn die Schafe dort derartige englische Parklandschaften gar nicht kennen, sondern in riesigen Herden in Trockengebieten leben? Die hier geschilderte Schafidylle ist damit eine ähnliches Fantasieprodukt wie die Elfen.

Diese Gedankenwelt setzt sich dann in den Erinnerungen an einige BWK-Direktoren fort. Hier fehlt jeder Hinweis darauf, dass diese Herren die Plastik dem Ort Blumenthal als Geschenk gemacht haben, sie also anscheinend gar nicht daran dachten, den Widder in Wätjens Garten aufzustellen. Aber auch hier kann man natürlich lange sinnieren, ohne dass nur ein Wort über harte Fakten wie die zeitliche Einordnung der Plastik und oder die Mitarbeiter der BWK verloren wird, die mindestens genau so für dieses Unternehmen stehen wie einer von sieben Gründern, einer von zahlreichen Aktionären oder einer von vielen Direktoren.

So bleibt als hartes Faktum hinter diesen gefühlvollen Abschweifungen nur ein hartes Faktum: der Förderverein Wätjens Park will die Skulptur als „ergänzendes Schmuckelement“.

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Kein Verlierer

#6 von Reinhard , 30.08.2013 17:50

Kein Verlierer

Bei den Mitglieder der beiden beteiligten Fördervereine dürfte inzwischen die Spannung gestiegen sein, da die ersten Stimmen beim BLV eingegangen sind. Die Stimmung wird also fast ein Vorgriff auf das sein, was wir am 22. September erwarten können. Allerdings gibt es einen gewichtigen Unterschied zwischen beiden Stimmabgaben. Bei der Bundestagswahl schließen die Wahllokale pünktlich um 18 Uhr, während im BLV-Artikel kein Ende für die Facebook-Eintragungen, Mails und Postkarten angegeben wurde. Man kann also erwarten, dass schon am kommenden Mittwoch in der nächsten Ausgabe ein Ergebnis veröffentlicht werden soll. Im Prinzip wurden allerdings spätere Voten nicht ausgeschlossen.

Dieses juristische Problem hat jedoch einen psychischen Vorteil für den Verein, dessen Position dann weniger Stimmen erhalten hat. Er kann sich damit trösten, dass seine Anhänger nur etwas mehr Zeit brauchten, um ihre Entscheidung zu treffen.

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Die Würfel sind klar gefallen

#7 von Reinhard , 04.09.2013 11:00

Die Würfel sind klar gefallen

“Sir Charles“ gehört zur BWK. So haben es auch die Teilnehmer an der vom BLV organisierten Abstimmung über seinen zukünftigen Standort gesehen. Das Ergebnis war mit 96% so überwältigend deutlich, das es die Gremien nicht leicht übergehen können, die für die endgültige Entscheidung zuständig sind. Es sollte daher auch nicht zu einem juristischen Problem werden, dass das Denkmal mit der Skulptur bekanntlich Blumenthal geschenkt wurde, der Umzug jetzt aber praktisch von Bremen umgesetzt werden muss.

Die Höhe des Votum ist ein wirklich hilfreiches Signal. Daher ist es nur schade, dass sich die Beteiligung sehr in Grenzen hielt. Möglicherweise hat das aber sogar an diesem Abstimmungsergebnis gelegen. Nicht jeder nimmt gern eine kleine Mühe auf sich, wenn er das Ergebnis ohnehin für sicher hält. Das zeigen immer wieder auch politische Wahlen, wenn die Beteiligung immer dann besonders hoch schnellt, wenn es auf des Messers Schneide zu stehen scheint. Und davon konnte in diesem Fall ja wirklich keine Rede sein.

Auf derselben Seite liefert das BLV sogar noch weiteres Argument gegen eine Aussiedlung von Sir Charles in Wätjens Park, da dort, wie das häufig an wenig belebten Orten der Fall ist, die Gefahr des Vandalismus droht. Da dürfte die Widder-Skulptur vor dem BWK-Eingang an einer belebten Straße besser geschützt sein.

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Ein kleiner oder ein erster Schritt?

#8 von Reinhard , 02.09.2015 11:26

Ein kleiner oder ein erster Schritt?

Wenn man einen Blick auf die Anträge wirft, die am kommenden Montag auf der Tagesordnung des Blumenthaler Beirat stehen, scheint die Wahl vom 15. Mai nicht ohne Auswirkungen geblieben zu sein. Das zeigt sich allerdings weniger bei den Verlierern, also den Bremer Koalitionsparteien, die jeweils ca. sieben Prozentpunkte ihrer Wähler von 2011 einbüßten.

Bemerkenswert ist jetzt einerseits die politische Arbeit der Bürger in Wut, von der ihre zahlreichen Kritker eine Fixierung auf eine rigide Antiflüchtlingspolitik erwartet haben dürften. Jetzt stellen sie hingegen einen sachlich gut begründeteten Antrag zur Disc-Golf-Anlage. Darin setzen sie sich für eine räumlich bessere Verteilung von Sport- und Freizeiteirichtungen im Stadtteil aus, die sich ihrer Meinung nicht ausschließlich auf die Bahrsplate konzentrieren müssen, zumal hier nicht unbedingt die zukünftigen Nutzer wohnen. Wie schon bei dem Bolzplatz des Fördervereins Bürgerstiftung Blumenthal scheint auch in diesem Fall die Nähe zur Wohnung des Ortsamtsleiter der wichtigste Standortfaktor zu sein. Mit anderen Worten schaffen es die Wutbürger mit ihrem Gegenvorschlag daher, hier einmal für mehr Transparenz und eine fundierte Erörterung des besten Standorts zu sorgen.

Ähnlich spannend kann der Impuls werden, den eine neu gegründete “Initiative Alt-Blumenthal” in die lokalpolitische Diskussion durch einen Bürgerantrag einbringt. Wie bereits in der Presse berichtet wurde, geht es dabei um eine Verlegung des Standorts von "Sir Charles", also der Widderskulptur der Bremer Woll-Kämmerei. Sie soll nach dem Vorschlag der Initiative auf der “höchsten Erhebung der öffentlichen Grünfläche im Eingangsbereich der ehemaligen Woll-Kämmerei” aufgestellt werden, wobei man den Schafbock “mit Blick in Richtung Ständer-Kreuzung ausgerichten” möchte.

Das sind sehr präzise Vorgaben, die als „Sofortmaßnahme“ „im Rahmen des Entwicklungskonzeptes für das Zentrum Blumenthal erfolgen“ sollen.

Man kann den Antrag gleichzeitig als einen erster Schritt bei einem größeren Engagement der Blumenthaler für ihren Stadtteil sehen. Falls man an den vorhandenen Problemberg denkt, muss man hoffen, dass diesem kleinen Schritt weitere und auch größere folgen werden. Auch wenn der legendäre Sir Charles für die Vermehrung der Merinoschafe viel geleistet haben mag, kann ein besserer Blick auf seine Statue allein noch kein „Entwicklungskonzept“ in Gang setzen. Hier werden weitere Schritte erforderlich sein, wie sie nicht zuletzt hinter der Eingangspforte zum BWK-Gelände warten.

Aber fast alle bedeutenden Maßnahmen beginnen bekanntlich mit einem kleinen ersten Schritt.


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zuletzt bearbeitet 11.02.2016 | Top

Stadtentwicklung oder „Einlagerung“?

#9 von Reinhard , 11.02.2016 13:46

Stadtentwicklung oder „Einlagerung“?

Sogar Skulpturen, bei denen es sich um Kopien handelt und über deren künstlerischen Wert Experten zu unterschiedlichen Urteilen kommen können, besitzen häufig eine ganz wichtige Eigenschaft. Das ist ihr symbolischer Wert.

Zu diesen Plastiken gehört in Blumenthal zweifellos die Statue des Zuchtwidders „Sir Charles“. Sie erinnert an die große Zeit der deutschen Wollkämmereien, die sich rasch nach ihr Gründung zu einem Verbund zusammengeschlossen haben und Plastiken eines Widders als symbolische Verkörperung dieser Verbindung auf den jeweiligen Werksgelände aufstellten. Brüder von Sir Charles findet man daher heute in Hannover-Döhren an einer Straßenkreuzung in einem Wohngebiet, das auf dem alten Werksgelände der dortigen Kämmerei entstanden ist, und exponiert auf einer Außenwand der Nordwolle in Delmenhorst.

Die an der Weser „Sir Charles“ genannte Statue selbst kam erst relativ spät in Blumenthal an, fand jedoch nicht zuletzt unter den Mitarbeitern Sympathien, da die Fruchtbarkeit der Schafe die daraus resultierende gute Versorgung der Arbeitsplätze mit Rohwolle und Einkommen symbolisierte. Daher lag es nahe, die seit 1986 erscheinende Werkszeitung, die zunächst vom Management und vom Betriebsrat gemeinsam herausgegeben wurde, nach diesem Widder zu benennen, dessen Namen man offenbar kollektiv im Unternehmen gefunden hat.

Eine Plastik der Blumenthalerinnen und Blumenthaler

Offenbar hat das BWK-Management zumindest seit das Wollgeschäft nicht mehr so rund lief, in der Statue weniger den großen Symbolwert, sondern eher einen Kostenfaktor gesehen. So kann man zumindest auch eine großzügige Geste des Vorstands interpretieren. Als aufgrund einer Untersuchung des Zustandes der Plastik eine Restaurierung dringend erforderlich war, schenkte die BWK den in die Jahre gekommenen „Sir Charles" den Bürgerinnen und Bürgern Blumenthals. Der Schafbock wurde damit zum gemeinsamen Eigentum aller Blumenthaler und erhielt dadurch eine weitere symbolische Bedeutung. Nach dem erfolgreichen Besuch eines Jungbrunnens für Statuen wählte man daher einen neuen Standort, und zwar am Ständer, also einem Verkehrsknotenpunkt am Ortseingang nach Blumenthal.

Hier wurde er von Frau Jelkmann-Groß, die sich als Vorsitzende des Blumenthaler Bürgervereins um die Runderneuerung des Blumenthaler Maskottchens gekümmert hatte, am 8. Juni 2001 enthüllt, wo er seitdem steht.

Der Beiratsbeschluss vom 12.8.2013

Dieser Logenplatz wurde dann jedoch nicht nur durch die Wachstumskräfte der Natur zu einem Schattenplatz, sondern auch durch die Planungen zum Ständer-Bereich zu einem unsicheren Platz, ja, man musste sogar befürchten, dass das „Allerschlimmste“ eintreten könnte, „wenn die „Steinstatue“ bei den Umbaumaßnahmen zerdeppert“ würde.

Um das zu verhindern, machte sich vor allem der Förderverein Kämmereimuseum Gedanken über einen sicheren und vor allem auch geeigneten neuen Standort für die Skulptur mit ihren zahlreichen symbolischen Bezügen zu Blumenthal, seinen Menschen und seiner Wirtschaftsgeschichte.

Aus diesen Überlegungen entstand im Juli 2013 ein Bürgerantrag, über den der Blumenthaler Beirat am 12.August 2013 entschieden hat. Der Förderverein hat in dem Antrag, der nach einer Teamsitzung von allen Anwesenden und ehemaligen BWK-Beschäftigten der BWK-Eingangsbereich „favorisiert“ wurde, wo früher einmal der gusseiserne Brunnen stand, der später in Wätjens Park versetzt wurde.

Zur Absicherung des Vorschlags hatten die Vereinsmitglieder bereits die Eigentumsverhältnisse des vorgesehenen Standorts geprüft und festgestellt, dass es sich um eine öffentliche Immobilie handelt.

Die konkrete Bitte, über die der Beirat zu entscheiden hatte, bestand daher darin, dem „Bürgerantrag zuzustimmen und die entsprechenden Schritte einzuleiten“

Dem haben die Beiratsmitglieder „einstimmig“ entsprochen. Im Protokoll heißt es dazu in einer eher unpräzisen Formulierung, die keinen ganz eindeutigen Bezug zum Antrag besitzt: „Herr Nowack erklärt, für einen neuen Standort gebe es mehrere, sich im Prüfverfahren befindliche Optionen. Der Antrag wird einstimmig unterstützt.“

Nach einer Fotomontage von Herrn Gorn, dem Vorsitzenden des Fördervereins Kämmereimuseum, könnten Blumenthal und das BWK-Gelände mit der Historischen Achse daher eine attraktive neue Platzgestaltung erhalten, wie sie das folgende Bild zeigt.





Ein zweiter Beiratsbeschluss vom 7. September 2015

Nach der Gründung der Initiative Alt Blumenthal wurde dieser Antrag im Sommer 2015 erneut gestellt. Dabei haben die Autoren die Eignung des Standortes noch weiter abgeschert, indem sie u.a. auf

- das Fehlen von Bäumen und Büschen hinwiesen, die einen freien Blick auf die Statue beeinträchtigen könnten, und
- eine mögliche Aufwertung der Skulptur durch einen Lichtstrahler sowie
- eine problemlose notwendige turnusmäßige Säuberung und Oberflächenkosmetik nannten .

Zudem wurde mitgeteilt, dass sowohl der FV Wätjens Park als auch der FV Kämmereimuseum diesen Antrag unterstützen, nachdem es zwei Jahre zuvor noch ein kleines Gerangel um die Statue gegeben hatte.

Sogar wichtige organisatorische Arbeiten waren vor der Antragstellung geklärt worden, wodurch die Belastungen der Verwaltung reduziert wurden. So erklärten die Antragsteller: "Die Umsetzung und Finanzierung soll als „Sofortmaßnahme“ im Rahmen des Entwicklungskonzeptes für das Zentrum Blumenthal erfolgen. Die Eigentumsfrage und Bauantragsnotwendigkeit klärt vorab Herr Rainer Imholze vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr; die Umsetzungsmaßnahme verantwortet Detlef Gorn vom FV Kämmereimuseum (hier: Ausschreibung, Vergabe, Abnahme)."

Abschließend wurde auch in diesem zweiten Umzugsantrag der Beirat gebeten, dem Bürgerantrag zuzustimmen. Bevor der Beirat in seiner ersten Septembersitzung 2015 mit 17-Ja-Stimmen erneut einen einstimmigen Beschluss fasste, erklärte der Ortsamtsleiter bereits die offenbar vorab geklärte Abwicklung der Finanzierung, bei der das Geld des Bau- und Umweltsenator an den Förderverein Kämmereimusum fließen sollte, "damit dieser die Umsetzung durchführt."

Jetzt tritt der in den beiden Bürgeranträgen geregelte Fall eines notwendigen Zwangsumzugs von "Sir Charles" ein, wie z.B. das BLV am 3.2.2016 berichtet hat, und damit musste nach den beiden vorliegenden Beiratsentscheidungen von 2013 und 2015 verfahren werden. Sir Charles würde als Blickfang an den Eingang zum BWK-Gelände und zur Historischen Achse umgesetzt werden. Man durfte also erwarten, dass dadurch nicht nur symbolische Bezüge deutlich werden, sondern die Skulptur gleichzeitig das Ensemble der denkmalgeschützten Gebäude ergänzt und und dieser historisch so bedeutsame Ortsteil ästhetisch weiter aufwertet.

Sir Charles' neue symbolische Bedeutung

All das sollte keine großen Kopfschmerzen und Arbeiten verlangen, da der Beirat entsprechend dem ersten Bürgerantrag bereits 2013 beschlossen hatte, „mit den hierfür notwendigen Planungsarbeiten .. rechtzeitig“ zu beginnen, „damit die sichere Umsiedlung vor Baubeginn beendet ist.“

In einer intakten Demokratie sollten damit klare Verhältnisse über die Aufgaben der Legislative, also des Beirates, und der Exekutive, also der Bremer Behörden, bestehen, wenn die Verwaltung einen entsprechen Auftrag erhält.

Nur scheint es in Blumenthal und Bremen eine andere politische Welt zu geben, in der die Bürokratie herrscht.

In der letzten Beiratsitzung wurden die Beiratsmtitglieder und damit die Öffentlichkeit offizielle über ein völlig abweichende Entwicklung informiert, die bereits einige Tage zuvor im BLV angekündigt wurde.

So teilte der Ortsamtsleiter, der nach dem Ortsbeiratsgesetz für die Umsetzung der Beiratsbeschlüsse verantwortlich ist, mit, dass "Sir Charles" jetzt nicht - wie vom Beirat mehrfach beschlossen - an den vorgesehenen neuen Standort umzieht, sondern „eingelagert“ werden soll.

Obwohl damit gegen die Beschlüsse eines gewählten Gremiums des Stadtteils Blumenthal verstoßen wird, hat es, folgt man den Presseberichten und einem bereits vorliegenden Protokoll, keine Reaktionen der damit übergangenen Beiratsmitglieder gegeben. Die haben offenbar protestlos hingenommen, dass sich die Verwaltung in eindeutiger Weise über eine Entscheidung der von den Bürgern gewählten Beiratsmitgliedern hinwegsetzt; ja, es wird offenbar nicht einmal für nötig gehalten, dieses fragwürdige Verhalten zu erläutern und zu begründen.

Die Diskussion um die Statue „Sir Charles“ zeigt damit eine offensichtliche Machtlosigkeit des Blumenthaler Beirats, aber auch gleichzeitig eine resignativ erscheinende Duldung dieser Behördenanmaßung.

Und noch etwas wird deutlich, auch wenn der als Zuchtbock gerühmte "Sir Charles" keine weiteren Wunderkräfte besaß. Die Ergänzung der historischen Achse durch die Statue wäre ein Symbol für eine kleinen Schritt einer nachhaltigen positiven Entwicklung es BWK-Geländes gewesen. Dafür haben sich jedoch weder Bremen noch das Blumenthaler Ortsamt und der Beirat erkennbar eingesetzt. Die Statue im Eigentum der Blumenthalerinnen und Blumenthaler soll also keinen Aufbruch anzeigen und einleiten dürfen, wie es die Mitglieder der Initiative Alt Blumenthal gehofft haben.

Haben die an dieser destruktiven Entscheidung beteiligten Stellen etwa trotz aller ihrer ständig wiederholten gegenteiligen Ankündigungen resigniert und wollen Blumenthal nicht mehr auf seiner historischen Grundlage zukunftsfähig entwickeln, sondern den Stadtteil stattdessen auf unbestimmte Zeit „einlagern“?


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