Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

B-Plan 1288 (BWK-Gelände) in der Diskussion

#1 von Reinhard , 09.07.2013 09:48

Neue Impulse oder vertane Chancen für Blumenthal: die Planung des BWK-Geländes?

Nachdem Bremen inzwischen praktisch das gesamte alte BWK-Gelände gekauft hat, das noch nicht bebaut ist bzw. dessen unter Denkmalschutz stehende BKW-Gebäude neu genutzt werden müssen, ergibt sich für die Stadtplanung eine fast einmalige Chance. Man kann eine Fläche zwischen dem alten Blumenthaler Zentrum, Wätjens Park, der Weser und dem Blumenthal Center ohne große Rücksichten auf einzelne Immobilenbesitzer planen und diesen Plan sogar durch den Verkauf der Grundstücke realisieren.

Dadurch können die Planer und Politiker zwischen unterschiedlichen Optionen wählen, die die weitere Entwicklung Blumenthals in verschiedene Richtungen lenken werden. Wegen dieser erheblichen Auswirkungen sind von diesem Bebauungsplan 1288 nicht nur die unmittelbaren Anwohner des Gebietes betroffen, sondern die Blumenthaler insgesamt.

Der jetzt vorgelegte Entwurf sieht eine Kombination recht unterschiedlicher Elemente vor. Hierzu zählen der Erhalt der historischen Gebäudeachse der ehemaligen BWK, große Industrieflächen und ein Weserradweg vor. Wohnungen, wie man sie etwa vom Gelände der ehemaligen Nordwolle in Delmenhorst kennt, sind hingegen nicht vorgesehen.

Die Planer sehen in ihrem Entwurf einen „hoffentlich tragfähigen Kompromiss“ ( Weser Report vom 30.6.2013, S.2) , womit ihre Verbindung von möglicherweise konfligierenden Nutzungen gemeint sein dürfte, die von verschiedenen politischen Parteien und wirtschaftlichen Interessengruppen gefordert wurden. Dieses Nutzungspuzzle ist auf dem Papier gut darstellbar. Aber das sagt zwangsläufig nichts über die spätere Realität aus, die bereits in der Vergangenheit durch heftige Konflikte wegen der Emissionen der Sondermüllverbrennungsanlagen gekennzeichnet war.

Bei dieser Art von Kompromiss, der es vielen recht machen will, kann es zudem leicht passieren, dass die Möglichkeiten aus dem Blick geraten, die dieses Gelände für die weitere Entwicklung Blumenthals besitzen kann. Aus dieser übergeordneten Perspektive stellt sich eine Reihe von Fragen, die zu beantworten sind, wenn man nicht nach dem Motto „Das ist und bleibt ein Gewerbegebiet“ (Weser Report vom 30.6.2013, S.2) mögliche Chancen von vornherein übersehen will; denn zurzeit ist das Gelände kein Gewerbegebiet, sondern weitgehend eine Industriebrache mit einigen dringend sanierungsbedürftigen BWK-Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen.

Man muss daher im Hinblick auf die Zukunft Blumenthals u.a. fragen:

- Ist eine industrielle Nutzung tatsächlich die beste Option für das BWK-Gelände?

- Braucht Blumenthal vorrangig industrielle Arbeitsplätze auf dem BWK-Gelände oder sind hier Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich und Wohnungen besser für die Zukunft des Stadtteils?

- Lassen sich die denkmalgeschützten Gebäude der BWK ohne Konflikte mit einer Industrieansiedlung nutzen?

- Welche Auswirkungen hat ein Industriegebiet BWK auf die Entwicklung des Blumenthaler Stadtteilzentrums?

- Wird ein Industriegebiet zwischen Wätjens Park und Weser das Image Blumenthals als Arbeits- und Wohnstandort erhöhen?


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Industriegebiet auch ohne Kaje?

#2 von Reinhard , 11.07.2013 17:33

Industriegebiet auch ohne Kaje?

Vor allem wirtschaftliche Interessengruppen haben sich bisher immer für ein Industriegebiet auf dem ehemaligen BWK-Gelände stark gemacht. Dabei stand und steht immer ein Arbeitsplatzargument im Vordergrund, das angeblich eine Reindustrialisierung der jetzigen Brache verlangt.

Eine Weser-Kaje als entscheidendes Plus

Die Befürworter dieser inustriellen Nutzung haben dabei stets ein Argument in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen gestellt, duch das dieses Gelände mehr als alle anderen im Bremer Norden für eine industrielle Nutzung geeignet sein soll. So erklärte etwa die Handelskammer Anfang April 2011: „Das BWK-Gelände ist eine der wenigen verfügbaren Flächen in Bremen mit wasserseitiger Umschlagsmöglichkeit“ und ergänzte, der „besondere Standortvorteil am seeschifftiefen Wasser mache das BWK-Gelände insbesondere für Zulieferfirmen der Offshore-Windenergiebranche attraktiv“.

Die Offshore-Euphorie

Diese Idee einer Nutzung durch Unternehmen der Offshore-Windenergiebranche erhielt Ende 2011 und Anfang 2012 besonderen Auftrieb, als ihn sich die führende Partei in Blumenthal und Bremen, also die SPD, zu eigen machte. Damals sah man in dieser Industrie fast einen Heilsbringer für die zahlreichen Probleme des Bremer Nordens, wobei erstmals weniger abstrakt von einer Industrienansiedlung gesprochen werden musste, sondern sich jeder etwas darunter vorstellen konnte.

So überboten sich damals die SPD-Politiker in optimistischen Erklärungen. Danach sollte das BWK-Gelände „gerade Zulieferern von Komponenten für die Offshore-Branche über die Kaje direkte Umschlagmöglichkeiten“ bieten und man sah in der damaligen Initiative den „richtigen Schritt zur richtigen Zeit“. Auf diese Weise wollte man den „Bürgerinnen und Bürgern deutlich“ machen, „dass man alles tun wird, um in Blumenthal neue Impulse zu setzen.“ Schließlich war man davon überzeugt, dass die „Windenergie ein Zukunftsmarkt“ sei, „der viele Möglichkeiten biete und neue Arbeitsplätze schaffe, wie man besonders in Bremerhaven deutlich sehen könne“.

Dabei wurde der Blumenthaler Stadtteilmanager sogar im Februar 2012 im Hinblick auf die Kaje sehr konkret, da er gleich einen Teil der Fördermittel für das Wollkämmerei-Gelände „für die Kaje umwidmen und weitere Fördertöpfe anzapfen“ wollte. Schließlich war man vor gut einem Jahr noch überzeugt, dass „das Areal sich bestens für die Produktion und Verschiffung von Anlagen-Bauteilen“ eignet.

Allerdings konnte man bereits damals im Spiegel schon einen eher ernüchternden Artikel mit dem Titel „Viel Wind, wenig Arbeit“ lesen, indem darauf hingewiesen wurde, dass neue Arbeitsplätze in der Offshore-Industrie nicht zwangsläufig die Arbeitslosenquote senken, da den meisten Arbeitslosen die erforderlichen Qualifikationen fehlen. Das wurde übrigens am Beispiel Bremerhavens veranschaulicht.

Ende 2012 und vor allem im laufenden Jahr hat sich die Einschätzung der Offshore-Industrie dann völlig geändert. Titel wie „Offshore-Industrie darbt. Arbeitsagentur warnt vor tausendfachem Jobverlust“, „Flaute im Norden. Der Bau von Offshore-Windparks in der Nordsee stockt. Dadurch kommt die Zulieferindustrie an der Küste in Bedrängnis“ und „Tausende Jobs in Offshore-Branche in Gefahr“ häufen sich inzwischen in den Medien, da die Umsätze und Beschäftigung stark von einzelnen Projekten abhängig sind und es auch in diesem Bereich internationale Konkurrenz und Überproduktion wie in der Solarindustrie gibt.

Die Kaje im B-Plan 1288

Von der alten Euphorie ist im jetzt vorgelegten Entwurf keine Rede mehr, denn die Frage der Kaje wird sehr sachlich angegangen. So verweisen die Planer zunächst auf Voruntersuchungen, nach denen „die bisherige Kaje in ihrem jetzigen Zustand aufgrund unzureichender Standfestigkeit für den Wasserumschlag von Schiffen mit einem erhöhten Tiefgang nicht geeignet ist.“ Daher ist nach „einer Vorprüfung durch bremenports .. für die Ertüchtigung der Kaje die Errichtung einer Schwerlastplattform erforderlich.“

Generell wird die begrenzte Belastbarkeit der vorhandenen Kaje herausgestellt, die „ohne und mit Vorschüttung höchstens mit einer Nutzlast von 20 kN/m² belastet werden“ kann. Die Kaje wird damit für die Planer zu einem Rentabilitätsproblem, das später zu lösen wäre. So schreiben sie: „Die eventuelle Errichtung einer neuen Spundwand, die auch höhere Lasten aufnehmen könnte, wäre in Abhängigkeit von der zukünftigen Nutzungsnachfrage und einer Wirtschaftlichkeitsrechnung zu prüfen.“

Ein physikalisches Problem

Bei dieser grundsätzlichen Beurteilung der Kaje verdient die planerische Lösung besonderes Interesse. Wird man eine Brücke oder einen Tunnel vorgesehen haben, um Konflikte bei der Benutzung von Fuß- und Ragweg einerseits und den Verladeeinrichtungen auf der Kaje anderseits zu entschärfen? Ein Blick auf die Karte des B-Plans zeigt, dass die Planer die Grundaxiome der Physik nicht außer Kraft setzen konnten. Danach können bekanntlich zwei Körper nicht gleichzeitig an ein und demselben Platz sein. In diesem Fall findet man am Ufer den Fuß- und Radweg eingezeichnet und nicht an derselben Stelle gleichzeitig eine Kaje mit den erforderlichen Kränen usw. Damit ist hier eine klare Entscheidung getroffen, die durch die Verkehrserschließung des Gebietes bestätigt wird. Hier ist eine ringförmige zentrale Straße vorgesehen, die weder die Weser noch den Fuß- und Radweg tangiert. Zur Weser kann man nach dem Plan nur über den verkehrsberuhigten Bereich der historischen Achse gelangen. Eine Verschiffung von Gütern über die Weser ist also nicht vorgesehen.

Oder anders ausgedrückt: Der Plan bestätigt eine Aussage des Sprechers der Blumenthaler CDU-Fraktion: "Eine fünf Meter breite Promenade würde keinen Platz für die Verladung von Gütern lassen."

Grundsätzliches, Mögliches und Nachrangiges

In der Erläuterung wird diese physikalische Eindeutigkeit relativiert, denn Worte sind bekanntlich nicht immer so eindeutig wie Pläne, auf denen sich an derselben Stelle nur eine Nutzung einzeichnen lässt. Hier hilft den Planern vor allem das Wort „grundsätzlich“. So heißt es, dass „grundsätzlich die Möglichkeit einer Nutzung der Kaje durch Binnenschiffe und Küstenmotorschiffe sowie die Be- und Entladung weiterhin zugelassen“ wird und „eine hafenwirtschaftliche Nutzung der Seeschiffskaje für Umschlagsnutzungen grundsätzlich möglich ist.“

Wie diese Möglichkeit jedoch Realität werden kann, bleibt offen.

In der Einwohnerversammlung wurde zur Entschärfung dieses Nutzungskonflikts das Wort „nachrangig“ gewählt. Danach ist, wie der Weser Report titelte, „Anleger nachrangig“, ohne dabei diese Aussage näher zu präzisieren. Mag damit nun „unwichtig“ oder „darauffolgend“ gemeint sein, wenn man auf die üblichen Synonyme schaut, also vielleicht eine mögliche Berücksichtigung in einem späteren revidierten Bebauungsplan?

Fehlende Konsequenzen

Ein Industriegebiet ohne Kaje, wie es die Planer vorschlagen, kann zwangsläufig nicht ohne Konsequenzen bleiben, wenn man den bisherigen Begründungen für eine industrielle Nutzung der jetzigen Brache auf dem BWK-Gelände folgt. Das ist ganz unabhängig davon, für wie wichtig man diese ominöse Kaimauer hält.

Die Kaje sollte das BWK-Gelände zwischen Wätjens Park, Weser und Blumenthaler Zentrum zu einem einzigartigen Industriestandort machen. Diese Bedingung ist jetzt nicht mehr vorgesehen und damit fällt die gesamte Argumentationskette in sich zusammen. Das Gelände hat gegenüber anderen Flächen nicht mehr den Vorteil eines unmittelbaren Zugangs zur Weser. Es wird zu einem ganz normalen Gewerbegebiet, das nicht einmal mehr ein strittiges Alleinstellungsmerkmal gegenüber den anderen im Bremer Norden und in ganz Bremen besitzt.

Damit stellt sich die Frage seiner Nutzung neu; denn es kann nicht mehr von einem fast sachlichen Zwang zur industriellen Nutzung gesprochen werden, wie es die Wirtschaftsverbände und einige Parteien bisher getan haben. Vielmehr können und müssen andere Bewertungsgesichtspunkte in den Mittelpunkt rücken wie beispielsweise die Auswirkungen auf die Entwicklung des Blumenthaler Zentrums.

Vermutlich braucht es nur etwas Zeit, bevor die Entscheidungsträger diese neue Situation realisieren und nicht Chancen für Blumenthal vertun, weil sie noch immer sentimental an alte Zeiten denken und von einem blühenden Industriegebiet mit einer Kaje träumen.

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RE: Industriegebiet auch ohne Kaje?

#3 von Lola , 12.07.2013 06:48

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,613732.html

Zitat

Wirtschaftsförderung will Sortierung umbauen - 12.07.2013
Neue Jobs auf dem BWK-Gelände
Von Jürgen Theiner

Blumenthal: Bei Bremens Wirtschaftsförderern steigt die Zuversicht, aus dem BWK-Gelände wieder einen Aktivposten für Blumenthal machen zu können. Beflügelt wird sie durch zwei bevorstehende Neuansiedlungen, die insgesamt rund 130 Jobs auf das Areal bringen.
Zitat Ende

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RE: Industriegebiet auch ohne Kaje?

#4 von Reinhard , 12.07.2013 10:51

Anscheinend lassen sich also auf dem ehemaligen BWK-Gelände Arbeitsplätze ohne eine Kaje und außerhalb des industriellen Bereichs schaffen; denn in dem Artikel wird von einem Stahlhandel und einem Anbieter von Ingenieurdienstleistungen gesprochen. Diese Meldung dürfte damit zumindest teilweise gut in das Konzept der Autoren des Bebauungsplans passen. Man kann daher hoffen, dass die Verträge nicht nur jetzt während des Auslegefrist des B-Plans 1288 angekündigt, sondern auch später tatsächlich unterschrieben werden.

Nur scheint es sich nach dem Bericht nicht um zusätzliche Arbeitsplätze zu handeln, sodass es durchaus möglich sein kann, dass hier durch niedrige Immobilienpreise nur Arbeitsplätze verlagert werden. Das könnte dann ein teurer „Erfolg“ sein.

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RE: Industriegebiet auch ohne Kaje?

#5 von Klueverbaum , 12.07.2013 12:11

Ist denn eigentlich schon die Diskussion um das Wasserschutzgebiet im Hinblick auf das BWK-Gelände entschieden? Angeblich soll doch dieses bzw. die geplante Ausdehnung desselben ein großes Hindernis für die Ansiedlung von Firmen sein.
Im Hinblick auf die Tanklagerproblematik wäre es ein Schlag ins GEsicht der Menschen, die ja alle auf Trinkwasser angewiesen sind, wenn das BWK-Gelände aus dem Wasserschutz herausgenommen würde - die Trinkwasserbrunnen sind nur wenige hundert Meter entfernt.

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RE: BWK-Gelände - Wasserschutzgebiet?

#6 von Lola , 12.07.2013 16:33

..oho.. da bin ich aber mal gespannt wie der Umweltsenator sich entscheidet, denn in der Presse habe ich noch nichts gelesen, dass es da eine Entscheidung gegeben hat.

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Planungshilfe Urlaubszeit

#7 von Reinhard , 13.07.2013 13:34

Planungshilfe Urlaubszeit

Wie die Diskussion der Kaje im B-Plan 1288 und der Hinweis auf das Wasserschutzgebiet zeigen, dürfte dieser Plan ganz unumstritten sein, auch wenn ein Vertreter der Beiratsmehrheit auf der Einwohnerversammlung zum B-Plan nur einen generellen Wusch kannte: „Wir brauchen Arbeitsplätze in Blumenthal!“

So gibt es bekanntlich nicht nur Anhänger eines Industriegebietes mit Kaje, sondern auch Vertreter abweichender Positionen. Dazu zählte zumindest noch Mitte 2010 auch die SPD-Vorsitzende von Blumenthal, die damals erklärte: „Wir haben eine Wohnnutzung nie ausgeschlossen“. Vertreter der Grünen und der Linken haben sich zudem eher für eine Nutzung wie auf dem Gebiet der Nordwolle in Delmenhorst, wobei hier noch „eine sexy Lage am Fluss“ als Standortvorteil hinzukommt, bzw. eine kleingewerbliche Nutzung ausgesprochen.

Auch dürfte es fraglich sein, ob die Kaje-Verfechter sich mit der Idee anfreunden können, dass „Lasten mit einem Kran über
Wanderweg und Spundwand hinweg transportiert werden.“ Immerhin fehlt zu dieser Idee bisher noch die Anschlussstraße für die Weiterbeförderung.

Sollten derartige mögliche Kontroversen etwa der Grund dafür sein, dass die frühzeitige Bürgerbeteiligung in der Urlaubszeit erfolgt, während sich zahlreiche Blumenthaler nicht vorrangig mit der Zukunft ihres Orts- und Stadtteils beschäftigen?

Aber Einwohner, die ihre Vorstellungen dennoch einbringen wollen, um ein gute Lösung für Blumenthal zu erreichen, können das machen, auch wenn die Verwaltung dazu nur sehr zurückhaltend die notwendigen Informationen anbietet; denn auf der Webseite des zuständigen Bauamts Bremen Nord fehlen die Angaben über die notwendigen Fristen, die zu beachten sind.

So können Bürger gemäß § 3 (2) BBauG noch bis zum 24. Juli Stellungnahmen zu den im Ortsamt Blumenthal und im Bauamt Bremen-Nord ausgelegten Unterlagen abgeben. Dabei handelt es sich um den Bebauungsplan, die Begründung zu diesem B-Plan sowie einen Kurzbericht „Fledermäuse“ und ein Schallschutzgutachten.

Jetzt ist damit die Zeit, in der sich Bürger rechtzeitig innerhalb des Planungsverfahrens zu Wort melden können, wenn sie sich nicht später hilflos über industrielle Belastungen ärgern wollen. Bekanntermaßen wird es dann nämlich heißen: „Dann hätten Sie eine Stellungnahme abgeben müssen, als der B-Plan ausgelegt war.“

Und das ist jetzt.

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RE: Planungshilfe Urlaubszeit

#8 von Lola , 13.07.2013 15:01

Es wäre sehr schön wenn sich möglichst viele Bürger mit dem Plan" B-1288 Gewerbegebiet BWK" beschäftigen, denn es geht um "unsereren" Stadtteil und vor allem darum, dass der Wert "unserer" Immobilien nicht noch weiter sinkt.
................................... Rönnebeck mit ./. 29% ist alarmierend! ..........................................

Ein Rad-und Wanderweg an der Weser ist doch eine gute Sache, aber durch reines Gewerbegebiet?
Auch Mischgewerbegebiete Wohnen und Arbeiten bieten Firmen Platz die " neue zusätzliche"Arbeitsplätze
schaffen. Auch der Umzug eines Unternehmens das seine Leute mitbringt schafft keine Arbeitsplätze, sondern da findet lediglich eine Verlagerung statt.

Quelle: http://www.immobilienscout24.de/wohnen/b...immobilien.html
Immobilien in Rönnebeck (Bremen)

In Rönnebeck befinden sich zur Zeit 26 Immobilienangebote. Die durchschnittliche Kaltmiete für Wohnungen in Rönnebeck beträgt 5,40 Euro/m² (+6% zum Vorjahr). Immobilien zum Kauf hingegen besitzen einen durchschnittlichen Kaufpreis von 800,00 Euro/m² (-29% zum Vorjahr). In Rönnebeck befinden sich derzeit 5 Mietobjekte (keine Mietwohnungen und keine Häuser zur Miete) und 21 Kaufobjekte (11 Eigentumswohnungen und 10 Häuser zum Kauf).

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Seismograph Immobilienpreise

#9 von Reinhard , 14.07.2013 10:08

Seismograph Immobilienpreise

Nach den Zahlen von Immobilienscout24 sind nicht nur die Immobilienpreise in Rönnebeck, sondern auch in Blumenthal gesunken. Hier hat man einen durchschnittlichen Kaufpreisverlust von 6 % gegenüber dem Vorjahr errechnet.

Allerdings muss auch dieser Wert nicht überraschen, obwohl bei den niedrigen Zinsen „Betongold“ eine aktuell sehr beliebte Anlageform ist.

Nur wer will ein Grundstück, ein Haus oder eine Wohnung in einem Ortsteil kaufen, dessen Entwicklung eher ungewiss ist? Hier finden wir einen „rechtsfreien Raum“ oder eine „No-go-Area“ im Bereich der George-Albrecht-Straße und ein weitgehend verwaistes Ortszentrum.

Zudem droht nach dem jetzt vorgelegten Bebauungsplan für weitere Jahre eine sich nur langsam füllende Industriebrache, von der die Anwohner weitere Emissionen befürchten dürften. Die letzten Störungen durch die Sondermüllverbrennung sind schließlich noch nicht vergessen. Und hat nicht der Wirtschaftssenator zukünftigen Einwohnern hier Betriebe angekündigt, die „rauchen und stinken“?


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zuletzt bearbeitet 14.07.2013 | Top

RE: Seismograph Immobilienpreise

#10 von Lola , 14.07.2013 13:55

http://www.bremenports.de/unternehmen/un...nal-bremerhaven

Zitat
Um Bremerhaven zum führenden europäischen Zentrum der Produktion und Logistik von Windenergieanlagen zu machen, hat der Senat im Januar 2010 den Bau einer zusätzlichen Offshore-Plattform beschlossen.
..weiter heißt es im Beitrag:
Bis 2016 soll der Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) am Weserufer realisiert werden. Von der Suche nach einem Betreiber über die technische Bauplanung und die Genehmigungsplanung bis hin zur Konzeption und Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen ist bremenports federführend in das Projekt eingebunden. Die geschätzten Gesamtkosten für die Infrastruktur liegen bei 180 Millionen Euro und werden vom Land Bremen getragen. Der Zuschlag für den Betreiber soll bis zum Frühjahr 2014 erteilt werden.
Zitat Ende

...da wird man doch in Blumenthal nicht damit rechnen, dass der Senat seine eigenen Beschlüsse kippt?
Allein die Platzkapazitäten würden hier doch überhaupt nicht passen!

Noch ein Beispiel aus Bremerhaven:
http://www.lloydwerft.com/de/tochtergesellschaften.html

Vielleicht sollten die Befürworter von "rauchenden und stinkenden Gewerbegebieten" mal über den Tellerrand schauen dass man auch anders Arbeitsplätze schaffen kann.

Wer im Jahr 2012 noch auf Offshore-Energie für Blumenthal gesetzt hat, der hat irgendwie nicht mitbekommen, dass da im Jahr 2010 etwas an ihm vorbeigerauscht ist.

Ich hoffe sehr, dass die Menschen in Blumenthal mit den dazugehörenden Stadtteilen aufpassen, dass man diese Region nicht noch schlechter behandelt, als man es bisher schon getan hat. Vielleicht stehe ich als Rönnebeckerin mit meiner Meinung nicht alleine da.

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RE: Seismograph Immobilienpreise

#11 von Lola , 14.07.2013 16:56

http://www.nabu-bremerhaven.de/themen/of...al-bremerhaven/
Zitat
"Es ist wieder mal ein Stück aus dem Bremer Tollhaus: Während Fachleute warnen, plant der Senat unbeirrt weiter. Diese Regierung hat aus Spacepark und Co rein gar nichts gelernt", schimpft NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann. So sei die Notwendigkeit der 25.000 Quadratmeter großen Plattform mitten im letzten Weserwatt gar nicht nachgewiesen. Selbst die Gutachter errechnen, dass es im Grundszenario zu "negativen fiskalischen Effekten" kommt, übersetzt heißt das "Steuerverschwendung". Die Prognosen begründen sich letztlich auf ein paar nebulöse Wünsche und Absichten von befragten, aber nicht genannten Firmen. "Natürlich ist es richtig, die betroffenen Firmen zu fragen, aber auf deren reine Wunschvorstellungen kann man doch nicht ernsthaft einen derartig großen Eingriff planen", findet der NABU. Viel zu groß und optimistisch seien die Annahmen von 160 verladenen Windkraftanlagen im Jahr.
Zitat Ende

..vielleicht sollten die Verantwortlichen sich genau überlegen, was für Gewerbe sich auf dem BWK-Gelände ansiedeln sollte, bevor man "rauchenden und stinkenden Betrieben" das BWK-Gelände überläßt, nicht dass es dann zu "negativen fiskalischen Effekten" kommt. Der o.a. NABU-Beitrag erklärt den Begriff sehr eindrucksvoll.

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RE: Seismograph Immobilienpreise

#12 von Lola , 14.07.2013 23:32

Vielleicht sollten die Politiker in Blumenthal tatsächlich nicht mehr irgendwelchen Träumen von Großindustrie hinterherlaufen, sondern Fingerspitzengefühl für ein zukünftiges Gewerbegebiet entwickeln, dass Blumenthal
aufwertet und Wohngebiet und Gewerbegebiet zu einer Einheit zusammenwachsen läßt.

Mit Weitblick, Klugheit und Loyalität den Bürgern gegenüber kann es Politik ,Wirtschaft und Planern gelingen
interessanten Betrieben zeigen, dass es sich lohnt Blumenthal als Standort zu wählen.


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zuletzt bearbeitet 14.07.2013 | Top

Das Arbeitsplatzargument auf dem Prüfstand

#13 von Reinhard , 15.07.2013 09:21

Das Arbeitsplatzargument auf dem Prüfstand

Als Begründung für die zukünftige Nutzung des ehemaligen BWK-Geländes fällt immer wieder ein Argument, von dem viele annehmen, dass es weitere Überlegungen und Nachfragen überflüssig macht. „Blumenthal braucht Arbeitsplätze“ heißt es schlicht und einfach. Damit wird gleichzeitig unterstellt, dass es sich dabei um industrielle Arbeitsplätze handeln muss und die Ausweisung von Industrieflächen in einem Bebauungsplan für das ehemalige BWK-Gelände erfordert.

Notwendiges und Hinreichendes

Diese Argumentskette ist derart verkürzt, dass man sie vom Ergebnis her nur als falsch bezeichnen kann. Um das zu erkennen, muss man nicht einmal ein ausgebildeter Logiker sein, der sich mit den Unterschieden von notwendigen und hinreichenden Bedingungen beschäftigt.

So wird niemand in Abrede stellen, dass Arbeitsplätze eine mehr oder weniger große Fläche verlagen, wobei die bei landwirtschaftlichen und industriellen üblicherweise größer ist als die bei Dienstleistungen.

Nur schafft eine ausgewiesene und erschlossen Fläche nicht allein durch ihre Existenz bereits Arbeitsplätze. Dazu sind bekanntlich Unternehmen erforderlich, die auf dieser Fläche für Beschäftigung sorgen wollen und können. Dabei kann deren Standortentscheidung durch Eingriffe des Staates "erleichtert" werden.

Die Kosten von Arbeitsplätzen

So gewährt die öffentliche Hand den Unternehmen fr die Schaffung von Arbeitsplätzen nicht selten günstige Konditionen. Im Fall des BWK-Geländes, das sich inzwischen im Eigentum Bremens befindet, können das vor allem die Grundstückspreise sein, über die man so wenig erfährt und über die kaum gesprochen wird. Auf diese Weise sollen die 3.000 Arbeitplätze der Offshore-Industrie in Bremerhaven beispielsweise mit 80 Mio. € subventioniert worden sein. Der Staat nimmt also viel Geld in die Hand, das er auch für andere Zwecke ausgeben könnte, wenn er die Standortwahl der Unternehmen nicht beeinflussen würde.

Solche Vergünstigen können leicht zu Mitnahmeeffekte führen, indem sich Unternehmen ihre ohnehin bestehenden Standortverlagerungen aus Steuermitteln verbilligen lassen.

Wenn man in einer Argumentationskette nur die Arbeitsplätze auf einer Gewerbefläche zählt, kann man also leicht das machen, was in früheren, nicht-emanzipierten Zeiten Milchmädchenrechnung genannt wurde.

Neue Arbeitsplätze und Arbeitslosigkeit

Wenn trotz dieser Einschränkungen tatsächlich unter dem Strich zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, ist damit noch keineswegs ein deutlicher Abbau der Zahl der Arbeitslosen und Hartz IV-Bezieher verbunden; denn für die Arbeitsplätze sind in der heutigen automatisierten Industrie spezielle Qualifikationen erforderlich, über die nicht jeder Arbeitssuchende verfügt. Neue Arbeitsplätze senken also nicht zwangsläufig die Zahl der Arbeitslosen im Verhältnis 1 zu 1.

Der Reiz von Wohnungen für Einpendler

Wegen dieser Probleme bei der staatlichen Arbeitplatzförderung kommt ein Bericht der Freien Hansestadt Bremen zur Umsetzung des Sanierungsprogramms 2012 / 2016 zu einem interessanten Ergebnis. Dabei setzt man bei der Zahl der täglichen Arbeitspendler nach Bremen an, die sich in den letzten Jahren erhöht hat. So wohnten im Jahre 2011 etwa vier von zehn in Bremen Beschäftigten (42,2 Prozent) außerhalb der Landesgrenzen. Das sind etwa sieben Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

In der Arbeitsplatzdiskussion muss daher auch beachtet werden, wo die Beschäftigten wohnen. So heißt es in dem Senatsbericht: „Im derzeitigen System der bundesstaatlichen Finanzverteilung besteht für das Land das wirksamste Instrument zur Sicherung bzw. zur Verbesserung der steuerabhängigen Einnahmen Bremens in der Stabilisierung bzw. im Ausbau der Einwohnerzahlen innerhalb der Landesgrenzen.“
Für Bremen und damit auch für Blumenthal können daher nicht Arbeitsplätze das A und O der Politik sein. Genauso wichtig ist, wie in der Vorlage festgestellt wird, eine „zielorientierte Wohnungsbaupolitik“.

Blumenthal kann also nicht nur durch Arbeitsplätze auf dem ehemaligen BWK-Gelände gewinnen, sondern auch durch Wohnungen, in denen Menschen leben, die ohne ein entsprechendes attraktives Angebot vielleicht nach Schwanewede ziehen würden. Und umgekehrt profitiert Blumenthal kaum, wenn die Inhaber neuer, von Bremen subventionierter Arbeitsplätze in Schwanewede wohnen.

Man darf also nicht nur Arbeitsplätze auf einem Areal zählen, sondern muss sich ein paar weitere Gedanken machen, wenn man über das Für und Wider einer Industrieansiedlung auf dem BWK-Gelände und die Nutzung der Entwicklungspotenziale Blumenthals diskutieren will.

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Basta-Forderungen

#14 von Reinhard , 16.07.2013 12:32

Basta-Forderungen

Hinter den Forderungen nach einem Industriegebiet auf dem ehemaligen BWK-Gelände steht vor allem die Bremer Handelskammer, die durch ihren Präses wiederholt zu diesem Thema Stellung bezogen hat.

Dessen Unternehmen hat als Motto eine Erkenntnis von Henry Ford: „Ein Geheimnis des Erfolgs ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen.“

Das ist sicherlich ein guter Grund, um sich einmal näher mit dem Standpunkt der Handelskammer zum BWK-Gelände zu beschäftigen.

Eine wichtige Grundlage der Argumentation ist eine im März 2011 veröffentliche „Strukturanalyse Bremen-Nord“, die den Untertitel „Strukturmaßnahmen zur Sicherung und zum Ausbau von Arbeitsplätzen in Bremen-Nord“ trägt und die „Positionen der Handelskammer Bremen“ wiedergibt.

Hier weist bereits die Eingrenzung auf die „Sicherung und den Ausbau von Arbeitsplätzen“ auf eine verkürzte Sichtweise hin, wenn man von der Gesamtentwicklung Blumenthals und damit seiner Lebensqualität ausgeht. Dazu gehören zweifellos auch Arbeitsplätze, nur müssen die nicht zwangsläufig, wie die große Zahl der Pendler ins Bremer Umland beweist, in Blumenthal sein.

Diese verengte Heransgehensweise kann auch eine tautologische Aussage wie „der Mangel an wohnortnahen Arbeitsplätzen verursacht die arbeitsmarktbedingte Abwanderung von Haushalten..“ nicht entkräften; denn sie besagt nichts über andere Abwanderungsgründe wie etwa Belastungen der Umwelt, die nicht zuletzt von Industriebetrieben ausgehen können. (Strukturanalyse, S. 11)

Die Handelskammer ist jedoch nicht nur auf wohnortnahe Arbeitsplätze fixiert, sondern auf industrielle, was fast zwangsläufig zu Nutzungskonflikten führt, wie die langen Querelen wegen der Emissionen der Sondermüllverbrennung auf dem BWK-Gelände beweisen.

So forderte die Handelskammer in einer Presseerklärung vom 4. April 2011 „in der Gewerbeflächenpolitik hafennahe Areale für industrielle Nutzungen mit wasserseitigen Umschlagsmöglichkeiten planungsrechtlich zu sichern.“ Aus diesem Glaubenssatz wird dann eine ganze Batterie von Fordrungen für das BWK-Gelände abgeleitet: „Die erforderliche integrierte Hafen- und Industriepolitik, die die Chancen des logistischen Knotenpunktes Bremen aus der Globalisierung nutzt, muss auch Leitlinie für die Neustrukturierung des BWK-Geländes sein.“

Konkrete Beispiele für diese Chancen werden jedoch nicht aufgezeigt. Es bleibt also eine rein theoretische Position, die den Nachteil hat, dass im Fall der BWK der „logistische Knotenpunkt Bremen“ deren Ende im Zuge der Globalisierung nicht verhindern konnte, ja, dieses Unternehmen die „wasserseitigen Umschlagmöglichkeiten“ in den letzten Jahrzehnten seines Bestehens gar nicht genutzt hat, da ein Umschlag am eigenen Weserkai unökonomisch war.

Die Idee vom logistischen Knotenpunkt Bremen mit wasserseitigen Umschlagmöglichkeiten in Blumenthal scheint damit keine reale Basis zu haben. Das dürfte auch das Fehlen von Begründungen für Einzelforderungen der Handelskammer erklären.

Danach ist es aus „Sicht der Handelskammer unabdingbar“, dass hier planungsrechtlich weiterhin industrielle Nutzungen
zulässig bleiben, „sollte“ eine Ausweisung als Industriegebiet … auf jeden Fall für einen breiten Streifen entlang der Weser … erfolgen, „muss“ der besondere Standortvorteil am seeschifftiefen Wasser genutzt werden, „sollte“ eine Straßenverbindung unmittelbar am Wasser mit Brücke über die Blumenthaler Aue zumindest planerisch vorgesehen werden und dann zusammenfassend „muss“ das BWK-Gelände als zukunftsfähiger Industriestandort am seeschifftiefen Wasser entwickelt werden. (Strukturanalyse, S.12)

Bei derartig vielen Glaubenssätzen, die mit ihrem „müssen“ und „sollen“ fast religiösen Züge besitzen, passt es gut ins Bild, wenn der Handelskammerpräses in einer Pressemitteilung vom 9. Februar 2011 von der SPD ein „deutliches Bekenntnis“ zum Industriestandort Bremen-Nord gefordert hat, wobei es mit beliebigen Standorten für industrielle Arbeitsplätzen nicht getan ist, sondern von den Rechtgläubigen „Anschluss an das seeschifftiefe Wasser“ verlangt wird.

Versteht man damit die Position der Handelskammer richtig, wenn sie sich kaum für die Gesamtentwicklung Blumenthals interessiert, sondern auf ein Dogma von einem Industriegebiet mit Kaje auf dem ehemaligen BWK-Gelände fixiert ist?

Da kann es gefährlich sein, wenn die Politiker und Planer dieser eingeengten Sichtweise einer starken Lobbyinstitution folgen und dadurch die Gesamtentwicklung Blumenthals aus den Augen verlieren. Das Geheimnis des Erfolges, wie ihn Henry Ford erwartet, würde dann im Erkennen dieser verkürzten Argumentation durch die Handelskammer bestehen.

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Sekt und Selters

#15 von Reinhard , 17.07.2013 08:13

Sekt und Selters

Unterschiede bei der Beurteilung einer Sache lassen sich häufig ganz einfach erklären. Nicht selten sind sie allein darauf zurückzuführen, dass die Beteiligten eine Situation aus ganz verschiedenen Lebenszusammenhängen heraus betrachten. Der eine kann eben Champagner genießen, während sich der andere mit Wasser oder Billig-Bier begnügen muss. Das sollte auch hier der Fall sein.

Wer an der Mühlenstraße oder an der Landrat-Christians-Straße in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, wird sicherlich durch ein Industriegebiet auf dem ehemaligen BWK-Gelände ganz anders betroffen sein als jemand, der hinter hohen Hecken an einer Wohnstraße im Grünen residiert.

Der eine ist möglichen Emissionen mehr oder weniger ausgeliefert, während sie der andere aus großer Distanz als mögliche Kollateralschäden einer möglicherweise falschen Entscheidung verharmlosen kann.

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Vorbilder für die Nutzung des BWK-Geländes?
Auf dem Weg zum BWK-Museum

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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