Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Ein Gelände in Bremen-Hemelingen beflügelt die Fantasie der Stadtplaner

#106 von Lola , 11.04.2016 08:03

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...id,1352367.html

Zitat

Bremen
Coca-Cola-Gelände beflügelt Fantasie
11.04.2016 0 Kommentare

Ein zentrales Gelände im Bremer Stadtteil Hemelingen hat die Aufmerksamkeit von Stadtplanern und Stadtteilpolitkern auf sich gezogen. Es handelt sich um das Gelände, auf dem zurzeit noch die Getränkehersteller Coca-Cola und der Wursthersteller Könecke zu Hause sind. Während Könecke die Wurstherstellung dort vor einigen Jahren eingestellt hat und ins Bremer Umland abgewandert ist, wird beim Nachbarn Coca-Cola noch produziert. Doch der Getränke-Riese kündigte unlängst an, den Standort aufgeben zu wollen und sich ebenfalls in die Region hinein orientieren zu wollen.

Der Beitrag endet wie folgt:

Auch im Ortsamt und in Reihen der Bürgerschaftsabgeordneten wird das Gebiet als Goldstück betrachtet: Man habe ein Interesse, dass dort viel passiert, heißt es.
Zitat Ende

Das hat mich fast umgehauen, dass dieses Gebiet im Ortsamt und von den Bürgerschaftsabgeordneten als Goldstück betrachtet wird.

Hallo liebe Bürgerschaftsabgeordnete! Noch wird die Liegenschaft von Coca Cola bewirtschaftet!

Nur mal so als kleiner Hinweis: In Blumenthal wartet ein ein riesiges Gelände seit 2008 darauf endlich aus dem Koma geholt zu werden, bevor es in Agonie fällt.

Ein Sahnestück - direkt an der Weser gelegen- mit Gebäuden die eine Industriekultur verkörpern die es heute nicht mehr gibt, aber diesem Areal ein besonderes Flair vermittelt.
Die Stadt Bremen hat irgendwann einmal viel Geld aus Steuermitteln für den Erwerb gezahlt und offenbar geraten sie, liebe Bürgerschaftsabgeordnete nur in Ekstase und die Fantasie der Stadtplaner wird nur beflügelt wenn sich ein Areal in Bremen-Mitte und den angrenzenden Stadtteilen befindet?

Vielleicht sollte die Politik das Augenmerk auf die zur Verfügung stehenden Areale und Gebäude richten und nicht auf solche Liegenschaften die noch bewirtschaftet werden.
Die Zukunft wird nur an der Börse gehandelt um mit möglichst blumigen Aussagen Investoren zu beflügeln ihr Kapital anzulegen.

Politiker werden an der Realität gemessen.
Diese Tatsache sollten die Bürgerschaftsabgeordneten nicht vergessen.

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Herausforderung Vandalismus

#107 von Reinhard , 11.04.2016 12:34

Herausforderung Vandalismus



Noch nicht ganz vergessen sind die Hoffnungen, die sich in Blumenthal mit der Freigabe der Historischen Achse Mitte April 2015 auf dem BWK-Gelände verbunden haben. Damals konnte man an einen Aufbruch glauben, nachdem dort über mehrere Jahrzehnte hinweg eher ein Siechtum zu beobachten war. Das begann bereits in den letzten Jahren der Bremer Woll-Kämmerei, um sich nach deren Schließung zu beschleunigen. Bald hatte sich die Natur sogar Teile des Areals zurückerobert. Und das betraf nicht nur die Wege, sondern auch die Gebäude, auf denen Brombeeren und kleine Bäume wuchsen.

Blumenthal war damals stolz auf seine "Perle der Industriekultur" und die Möglichkeit, entlang den architektonischen Repräsentanten seiner Vergangenheit vom alten Zentrum bis an die Weser gehen zu können, ohne dabei durch Gestrüpp und Verbotsschilder oder die Eingangsschranke eines Großunternehmens gehindert zu werden. Durch die Arbeit des Fördervereins Kämmereimuseum unter seinem engagierten Vorsitzenden konnten sich sogar erstmals Interessierte die denkmalgeschützten Gebäude durch einen AudioGuide erläutern lassen.





Nur zog, wie man schon nach kurzer Zeit beobachten musste, die mit einem zweistelligen Millionenbetrag hergerichtete "Historische Achse" nicht nur interessierte Blumenthaler und ihre auswärtigen Gäste an, die diese "Perle der Industriekultur" besichtigen und dort Fotos schießen wollen. Es kamen auch kleine Gruppen, die hier Gelegenheiten für Tätigkeiten finden, die der Bebauungsplan nicht vorsieht. Vielmehr sind sie durch die Straßenverkehrsordnung und das Strafrecht verboten und können daher geahndet werden.

Das begann mit Schmierereien auf den neuen Straßenschildern, dann folgten jugendlichen Cliquen, die sich hier mit ihren Zweirädern treffen, aber auch mit Autos, um die neue, breite Achse als Rennpiste zu missbrauchen.

In den letzten Tagen erreichte der Vandalismus dann eine andere Qualität. Es begann mit einigen zerschlagenen Scheiben an einem der Speichergebäude, die aufgrund ihrer Giebelgestaltung ein sehr beliebtes Fotomotiv für die Backsteinarchitektur des gesamte Areals sind.

Noch erschreckender sind jedoch Beschädigungen und Schmierereien am gegenüberliegenden alten Sortiergebäude, das vor allem durch die dort veranstalteten Ausstellungen des Fördervereins Kämmereimuseum bekannt ist. Die engagierten Bewahrer des BWK-Erbes haben dort auch Teile ihrer Exponate deponiert, zu der u.a. eine vollständige Sammlung der Werkszeitung "Sir Charles", zahlreiche Geschäftsberichte der Bremer Woll-Kämmerei bis zurück zum Jahr 1899, aufgearbeitete Schwarz-Weiß-Filme aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und eine fast unübersehbare Zahl von Fotos zählen, die u.a.. zuletzt im Mittelpunkt der Ausstellungen "Die Bremer Woll-Kämmerei in der Zeit des Nationalsozialismus" und "Frauen auf der BWK" standen.

Dort wurden am letzten Samstag zerschlagene Kellerfenster von der Polizei im Rahmen einer Anzeige aufgenommen; ja, offenbar sind der oder die Täter sogar durch eine aufgebrochene Kellertür bis in das Gebäude gelangt.


(Foto: Peter Wieczorek)

Damit haben die Sachbeschädigungen auf dem BWK-Gelände eine neue Qualität erreicht, die, wie die Erfahrungen in vergleichbaren Gebieten zeigen, sich leicht verstärken können und damit ein Areal verwahrlosen lassen.

Für den Stadtteil, die Eigentümerin WFB und nicht zuletzt den Förderverein Kämmereimuseum stellt sich jetzt die Frage, welche Konsequenzen sie aus diesem Vandalismus ziehen wollen und müssen. Falls sie nichts unternehmen, muss man erwarten, dass sich die Täter bei einer weiteren "Mutprobe" noch tiefer im Gebäude vorwagen werden und es nicht bei Zerstörungen von Fenster- und Türenglas bewenden lassen. Bei dieser Vorgabe kann man die Räume kaum noch als sichere Depots für die vor allem ideellen Schätze des Fördervereins ansehen.

Problematisch ist ein derartiger Anstieg aller Formen des Vandalismus auch für die Entwicklung des Stadtteils Blumenthal. Das gilt zunächst einmal für die Akquirierung von Mietern und Käufern für die Immobilien. Hier droht eine sich gegenseitig aufschaukelnde Kette von unternehmerischem Desinteresse und weiterem Vandalismus, wodurch die erhoffte Entwicklung Blumenthals ausgebremst wird .

Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) wird sich schließlich die Gretchenfrage stellen müssen, ob sie, wie man es aus ihrem Verhalten schließen kann, Nutzungen vertreiben will, um die Gebäude leichter verfallen und abreißen zu können, oder ob sie an einer zügigen Entwicklung des alten BWK-Areals tatsächlich interessiert ist. Ein erstes Indiz kann es sein, wie sie bei der Reparatur der Schäden verfährt.

Falls nichts passiert, ist das praktisch eine Animation für weitere Sachbeschädigungen, die dann leicht auch die "Schätze" in anderen denkmalgeschützten Gebäuden treffen können.

Blumenthals "Perle der Industriekultur" würde damit zu einem kriminogenen Ort, der ein nur noch schwer korrigierbares Image erhält und damit sogar die zuletzt angedachte Aufwertung durch kulturelle Maßnahmen in Frage stellt.

Oder werden die Entscheidungsträger den Mut aufbringen und einen verfehlten Bebauungsplan revidieren, den weder die Bremer noch die Blumenthaler Verwaltung wirklich ernst zu nehmen scheinen.



(Foto: Peter Wieczorek)


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zuletzt bearbeitet 12.04.2016 | Top

"Junge Männer bei illegalem Autorennen erwischt"

#108 von Lola , 11.04.2016 19:40

https://weserreport.de/2016/04/11/polizei/11661/

Zitat

Blumenthal
Junge Männer bei illegalem Autorennen erwischt
Von Rike Fueller
Nachdem zwei 18 und 19 Jahre alte Männer sich am Freitagabend ein privates Autorennen in Bremen-Blumenthal lieferten, müssen sie nun mit empfindlichen Strafen rechnen.

Zeugen hatten gegen 23.55 Uhr die Polizei darüber informiert, dass sich in den Straßen An der Wollkämmerei und Marschgehren in Blumenthal zwei Pkw ein Rennen liefern würden. Als die Beamten eintrafen, konnten sie die beiden jungen Männer in den beschriebenen Fahrzeugen sitzend antreffen.

Auf ein verbotenes Autorennen angesprochen, gaben die beiden Betroffenen an, dass sich zwei andere Fahrzeuge ein Rennen geliefert hätten, die gerade vom Ort des Geschehens weggefahren seien. Allerdings war keinem der anrückenden Streifenwagen ein anderes Fahrzeug entgegen gekommen.

400 Euro Bußgeld und Fahrverbot

Gegen die beiden Männer wurde eine Ordnungswidrigkeiten-Anzeige wegen Teilnahme an einem nicht genehmigten Kraftfahrzeugrennen geschrieben. Das Bußgeld in diesem Fall beträgt 400 Euro, zudem erhält der Fahrzeugführer zwei Punkte im Verkehrszentralregister und bekommt einen Monat Fahrverbot.

Gegen die beiden jungen Raser wurde, ebenso wie für weitere, umstehende Fahrzeugführer, ein Platzverweis ausgesprochen, dem die Betroffenen auch nachkamen.
Zitat Ende

Rennwochenende in Oschersleben - für Jedermann

3-4 x im Jahr kann man auf der Rennstrecke in Oschersleben mit seinem eigenen Fahrzeug trainieren um Fahrsicherheit und Können zu erlangen. Außerdem kommen Rennsportbegeisterte schon durch das Flair des ganzen "Drumherum" des Rennzirkus, voll auf ihre Kosten und der Führerschein ist nicht in Gefahr.

Es ist ein Erlebnis und Feeling was Rennsportbegeisterte auf dem BWK-Gelände niemals haben werden. Das ist einfach nur "Brettern" und sonst gar nichts.



http://www.motorsportarena.com/termine#

http://www.jedermanntermine.de/termine/h...nnen-24h-rennen


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zuletzt bearbeitet 11.04.2016 | Top

Moto-Cross-Gelände fast vor der Haustür!

#109 von Lola , 12.04.2016 09:22

http://www.hoopepark.de/

Zitat

DER HOOPE PARK

Das Motodrom liegt direkt direkt an der A27 nahe Bremen und gehört zu den prädestiniertesten Off-Road-Geländestrecken in Deutschland. Wir bieten alle Schwierigkeitsgrade für den Motorrad und Geländewagen-Off-Road-Sport.

Im HOOPE PARK werden sportliche Angebote, Aktionen, Firmen-Events und eine Gastronomie in idealer Weise miteinander verbunden.

Neben der top präparierten Cross-Strecke und Enduro-Strecke steht für die ganz kleinen auch ein kleiner Spielplatz zur Verfügung.
Zitat Ende


Auch die Cross-Fahrer sollten sich in Hoope ihre Fahrkünste aneignen, was wesentlich effizienter ist, als das Blumenthaler BWK-Gelände. Zudem liegt dieses bekannte Gelände in unmittelbarer Nähe zu Bremen-Nord und Schwanewede.


Sollten die Fahrkünste nicht ausreichen, dann können die Geländefahrer dort die richtigen Leute kennenlernen, die ihnen in Sachen Fahrverhalten Tipps geben.

Zum BWK-Gelände verirren sich die wirklichen Könner des Moto-Cross-Sport nie.

Entweder richtig machen oder einfach ganz sein lassen.

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Werden kriminogene Orte politisch gemacht?

#110 von Reinhard , 12.04.2016 16:51

Werden kriminogene Orte politisch gemacht?


Eine einfache Erklärung für ein drohendes Abgleiten der attraktiv hergerichteten „Historischen Achse“ zu einem weiteren Blumenthaler Problemgebiet könnte es zwar prinzipiell sein, dass die Auto-Fans, die Sprayer und die Freunde zerschlagener Glasscheiben keine Alternative für ihre aktuellen Lebensfreuden auf de BWK-Gelände sehen. Sie werden dann sicherlich hier dankbar lesen, dass in einer mehr oder weniger großen Entfernung für bessere Angebote geworben wird.

Nur hatte offenbar bisher noch keine Stadt damit einen großen Erfolg, in solchen Fällen Hinweistafeln für erlaubte Alternativen aufzustellen.

Vielmehr hat man sich in der Kriminologie und Kriminalistik mit der Bedeutung kriminogener Orte beschäftigt und sich gefragt, wie man sie im Rahmen des Städtebaus und damit vor allem der Bebauungsplanung vermeiden kann.

Die zeitliche Häufung delinquenten Verhaltens

Wenn man einerseits die exakte Zeitangabe in dem Polizeibericht über die beiden junge Männer im Alter zwischen 18 und 19 Jahre liest, die bei einem illegalen Autorennen erwischt wurden, betrachtet – es soll gegen 23.55 Uhr - und andererseits die Beobachtung der zerschlagenen Fensterscheiben und das Eindringens in das Sortiergebäude am Samstagvormittag heranzieht, scheint es innerhalb weniger Stunden gleich zu zwei Formen delinquenten Verhaltens auf dem BWK-Gelände gekommen zu sein. Das trift zumindest zu, falls die Polizei in Verbindung mit der Anzeige aufmerksam Streife über das Gelände gefahren ist, denn dann müssten die Sachbeschädigungen in den frühen Morgenstunden des Samstags erfolgt sein.

Prinzipiell kann man solchen Vandalismus, wie der SPD-Fraktionsvorsitzende im Beirat angemerkt hat, zwar durch eine Belebung des Sortiergebäudes zwar vermutlich nicht völlig verhindern, aber wenigstens erheblich reduzieren. Dabei muss jedoch angesichts der Uhrzeit gefragt werden, ob das allein durch eine „kulturelle Nutzung und die Einrichtung eines Treffpunkts“ geschehen kann. Üblicherweise finden zumindest in der angesprochenen Zeit keine entsprechenden gut besuchten Veranstaltungen statt.

Das kann und soll selbstverständlich kein Argument gegen ein Kulturzentrum mit einem BWK-Museum sein. Die Frage ist jedoch, ob das allein ausreicht und vor allem wie dabei die Zeitperspektive vom Beschluss bis zur späteren Einweihung aussieht.

Nach den sorgfältigen Beobachtungen des Vorsitzenden des Fördervereins Kämmereimuseum von Anfang November 2015 begann „sich die Straße (jeden Abend) zu einem begehrten Treffpunkt für Jugendliche zu entwickeln – mit und ohne Motorräder-“. Das war und ist selbstverständlich völlig legal und zeigt, wie andere soziale Gruppen als die gewünschten Kreativunternehmen relativ rasch Nutzungsmöglichkeiten für das Prestigeprojekt entdeckt haben.

Zeitlich parallel hierzu kam es ein halbes Jahr nach der Eröffnung der „Historischen Achse“ zu ersten Sachbeschädigungen. Dabei war neben den Schriftzügen der Straßennamen auch ein Schild des Phone Guides zu den denkmalgeschützten Gebäuden betroffen.


(Foto: Detlef Gorn)

Diese Entwicklung scheint am letzten Wochenende zumindest zu einer zeitlichen Kumulation geführt zu haben, die nichts Gutes für die Zukunft verspricht.

Der Beiratsbeschluss vom 21.3.2016

Auf diese Dimension geht der erst am 21. März im Beirat beschossen „Gemeinsame Antrag der Fraktionen (ohne BIW)“ ein, in dem der Innensenator „eindringlich“ gebeten wird, „die Polizeipräsenz im Ortsteil Blumenthal umgehend zu erhöhen und ein Sicherheits- und Präventionskonzept gegen Raub und Einbruch im Blumenthaler Zentrum zu erarbeiten.“

Erst in der Begründung wird dann noch von „auffälligen Autostunts auf der historischen Meile (BWK)“ gesprochen, die „nun eine umgehende Reaktion der Innenbehörde erfordern“.

Dieser Antrag soll offenbar auch Teil der Polarisierungsstrategie der Beiratsmehrheit sein und die Wählervereinigung „Bürger in Wut“ (BIW) ausgrenzen, die bekanntlich von einem Polizeibeamten gegründet wurde, der als zentralen Programmpunkt schon seit Langem eine Erhöhung der Zahl der Polizeibeamten vertritt, um die in Bremen insgesamt bedenkliche Sicherheitssituation zu verbessern.

Dieser hilflos und aktionistisch klingende Rundumschlag, der sich wieder einmal umfassende Hilfe von einer Bremer Behörde zu versprechen scheint, erwähnt die Tendenz zum Vandalismus auf dem BWK-Gelände nicht einmal.

Damit werden insgesamt Deliktgruppen angesprochen, die man unter dem Gesichtspunkt kriminogener Orte und damit eines effizienten Polizeieinsatzes deutlich differenzieren muss.

Zum einen handelt es sich zum Straftaten, die gezielt die Einkommenssituation der Täter verbessern sollen. Das bekannteste und typische Beispiel hierfür ist die Gruppe „Los Arabs“, die in einem Interview mit Radio Bremen freimütig erklärte, dass ihre Mitglieder durch ihre Straftaten erheblich mehr verdienen können als durch legale Arbeit.




Fuck The Police

Neben diesen Straftaten, für die ein möglichst geeigneter Tatort gesucht wird, kommt es zum anderen auch zu delinquentem Verhalten vor allem männlicher Jugendlicher und junger Erwachsener, die damit kein materielles oder sexuelles Ziel verbinden. Daher finden diese Vorfälle auch an ganz anderen Orten statt.

Wie der oder die Sprayer „Twos Best Crew" es ausgedrückt haben, wollen sie mit ihren Taten etwas ganz anderes, was sich nicht so konkret beschreiben lässt wie der Diebstahl eines Smartphones oder eines Portemonnaies. Die Absicht lautet „Fuck the police“.

Mit diesem Gangster-Rap wird weltweit das Lebensgefühl und Gesellschaftsverständnis von Teilen einer Generation ausgedrückt, die von sich glaubt, nicht dazuzugehören, sondern ausgegrenzt zu werden, wie der Songtext zum youtube-Video von N.W.A. verdeutlicht.



Bei dieser generell ablehnenden Haltung gegenüber der Gesellschaft und vor allem der Polizei, die für das abgelehnte „Richtige“ steht, kann man nicht mit schnellen Lösungen rechnen, sondern mit ständigen neuen Attacken, die durch entsprechende ungenutzte und verwahrlost scheinende Umgebungen ohne soziale Kontrolle angeregt und ausgelöst werden können.

Dabei muss man die von den Jugendlichen gesehene Kampfsituation vor Augen haben, in der Polizeiaktionen zu Gegenreaktionen führen. Dazu tragen nicht zuletzt auch Gruppeneffekte bei, weil sich ein Gruppenführer hervortun muss und neue Gruppenmitglieder erst nach Mutproben aufgenommen werden.

Man wird also sehen müssen, in welchem Ausmaß Polizeistreifen zu einem Erfolg führen, wenn sie auch als weitere Herausforderungen in einem Kampf gegen die staatliche Autorität interpretiert werden können.

Das alles ist an der Historischen Achse in Blumenthal möglich, weil hier bei der Planung der wichtige Zeitfaktor völlig vernachlässigt wurde. Das ist zwar im Rahmen der Bebauungsplanung durchaus korrekt, nur erstrecken sich derartige Planungen in der Regel nicht über derart lange Zeiträume, in denen zunächst bereits in aufwendige Pflasterungen und die grobe Herrichtung der Fassaden denkmalgeschützter Gebäude Geld investiert wird, bevor auch nur ein klares Nutzungskonzept vorhanden ist, wie das etwa für neue Einkaufszentren üblich ist.

In diesem Fall wäre es sicherlich erheblich sinnvoller gewesen, sich weniger mit dem Bestand an Fledermäusen zu beschäftigen, wie es das Recht verlangt, als darauf zu achten, dass zwischen der Planung und ihrer Umsetzung keine Zeiträume entstehen, in denen sich illegale Nutzungen und Vandalismus ausbreiten und verfestigen können.

Man kann also nur erneut das wiederholen, was in diesem Thread schon seit Monaten vertreten wird: Die Bebauung des BWK-Geländes darf sich nicht an überholten Vorgaben aus der Vergangenheit ausrichten wollen, sondern muss das Blumenthaler Filetstück möglichst schnell so nutzen, wie es im Interesse einer positiven Entwicklung des Stadtteils notwendig ist.


(Foto: Peter Wieczorek)

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RE: Werden kriminogene Orte politisch gemacht?

#111 von Lola , 13.04.2016 08:51

http://www.weser-kurier.de/region/die-no...id,1353481.html

Zitat
BWK-SORTIERGEBÄUDE
WFB lässt Fenster vernageln
Albrecht-Joachim Bahr 13.04.2016 0 Kommentare

Dieser Tage haben Unbekannte an vier Fenstern des Sortiergebäudes 43 der ehemaligen Woll-Kämmerei die Scheiben eingeschlagen (wir berichteten). Das hat nicht nur die Polizei auf den Plan gebracht, auch der Vorsitzende des Fördervereins BWK-Museums, Detlef Gorn, verurteilt den Vandalismus. Die Sprecherin der Wirtschaftsförderung, Juliane Scholz, zeigte Unverständnis für den Vorfall. Aber: „Das Gebäude wird seit Jahren regelmäßig von einem Sicherheitsdienst gecheckt.“ Da die Sortiererei langfristig umgebaut werden soll, wird man die Scheiben jetzt allerdings nicht ersetzen. Dafür würden die Fenster mit Holzplatten abgedichtet, sodass niemand mehr auf diesem Weg ins Innere des Gebäudes gelangen könne.
Zitat Ende

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Ohne Verständnis keine Lösung!

#112 von Reinhard , 14.04.2016 09:10

Ohne Verständnis keine Lösung!

Wenn man den Zeitungsartikel "WFB lässt Fenster vernageln" zu den Sachbeschädigungen am Sortiergebäude auf dem BWK-Gelände liest, kann man wieder einmal über das Verhalten des Immobilieneigentümers Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) überrascht sein.

Offenbar ist man bei diesen staatlichen Vermögensverwaltern so stark auf die Entwicklung und die Vermarktung des Areals an der Historischen Achse konzentriert, dass man Zusammenhänge, wie sie überall auf der Welt in Sanierungsvierteln auftreten, nicht zur Kenntnis nehmen oder gar in ihren Zusammenhängen beurteilen kann.

Sicherlich sind Sachbeschädigungen oder Vandalismus unverständlich, wie es die WFB-Sprecherin ausgedrückt hat, wenn man glaubt, zerbrochene Glasscheiben müssten wie bei einem Diebstahl mit einem Gewahrsamswechsel verbunden sein.

Aber das ist, wie jede Erfahrung lehrt und auch hier erläutert wurde, ein Fehler. Abgelegene, tote Viertel begünstigen als kriminogene Orte Vandalismus jeder Art, und damit gibt es zwei Gruppen von Verantwortlichen: die ausführenden Täter und die Entscheidungsträger und Eigentümer, die diese Gelegenheiten geschaffen haben und denen es nicht gelingt, in einer angemessenen Zeit ein eher verfallendes oder auch kurzfristig herausgeputztes, aber funktionsloses Areal in ein Wachstumsgebiet zu verwandeln.

Daher klingt es jetzt hilflos, wenn die WFB an eine Verhinderung dieser Probleme glaubt, wenn sie das Gebäude " seit Jahren regelmäßig von einem Sicherheitsdienst checken" lässt.

Noch bedenklicher sind jedoch die Schadensbearbeitung und vor allem deren Begründung. Danach sollen die eingeschlagenen Kellerfenster jetzt durch "Holzplatten abgedichtet" werden, damit "niemand mehr auf diesem Weg ins Innere des Gebäudes gelangen kann".

Das klingt zunächst plausibel, wenn man einen Schutz vor Diebstahl denkt. Nur darum ging es am Wochenende nach den polizeilichen Ermittlungen gar nicht. Wenn vielmehr eine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen aus Subkulturen mit der Polizei und dem Staat im Vordergrund steht, werden die Holzplatten eher als weitere Herausforderungen gesehen werden. Und zudem gibt es nicht nur am ehemaligen Sortiergebäude Scheiben, die sich einschlagen lassen...

Problematischer für Blumenthal ist jedoch ein ganz anderes Unverständnis der WFB. Nachdem bisher immer Termine für eine zukünftige Nutzung des Sortiergebäudes angekündigt, wenn auch nicht eingehalten wurden, heißt es jetzt lapidar: Die Sortiererei soll langfristig umgebaut werden.

Was mag das bedeuten, wenn jetzt nicht einmal mehr eine Jahresangabe erfolgt? Und welche Ausmaße wird der Vandalismus auf dem BWK-Gelände annehmen, bis diese "Langfristigkeit" sich ihrem Ende neigen wird?


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zuletzt bearbeitet 14.04.2016 | Top

RE: Ohne Verständnis keine Lösung

#113 von Lola , 14.04.2016 10:31

Die zerstörten Souterrain-Fenster im Sortiergebäude sowie am eingezäunten Gebäude an der "Historischen Achse"wurden gestern, am 13.April 2016 fachgerecht mit wasserfesten Holzplatten verschlossen.

Ich appelliere nochmals an die verantwortlichen Kommunalpolitiker und setze auf Herrn Bensch, der das Problem aus Blumenthal vielleicht in die Bürgerschaft tragen kann, damit hier endlich etwas geschieht um den Jugendlichen eine Perspektive zu geben.

Ohne Verständnis für die perspektivlose Lage der Jugendlichen gibt es keine Lösung.

Die Familien leben hier teilweise schon 15 Jahre und länger und die Jugendlichen aus der 2. Generation lehnen sich auf und geben die Wertschätzung die sie bekommen und die sie täglich erfahren, einfach zurück.


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zuletzt bearbeitet 14.04.2016 | Top

   

Vorbilder für die Nutzung des BWK-Geländes?
Auf dem Weg zum BWK-Museum

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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