Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

RE: "Miteinander von Wohnen und Gewerbe"

#91 von Lola , 04.04.2014 09:34

http://www.weser-kurier.de/bremen_artike...rid,820669.html
Zitat

» Miteinander von Wohnen und Gewerbe
- 04.04.2014
Wie Bremen wachsen will: Stadtplaner wollen mit Mischgebieten Wandel der Quartiere ermöglichen Miteinander von Wohnen und Gewerbe
Von Frauke Fischer

Mit dem Flächennutzungsplan 2025 stellt Bremen die Weichen dafür, wie die Stadt der Zukunft aussehen soll. Die Siedlungsfläche ist begrenzt, die Ausdehnung auch, Innenentwicklung ist das erklärte neue Ziel der Stadtplaner. Denn: Wohnen braucht mehr Raum in Bremen. Auch dort, wo es bislang nicht vorgesehen war. Gewerbebereiche sollen sich deshalb mancherorts zu Mischgebieten wandeln. Nicht immer ohne Konflikt.
Zitat Ende

Vielleicht sollten sich die Planer beim Bausenator mal Gedanken über das BWK-Gelände machen und eine Umsiedlung der Müllverbrennungsanlage ins Auge fassen, auch wenn es Geld kostet.

Auf was wartet man in Bremen?

Lola  
Lola
Beiträge: 1.197
Registriert am: 24.01.2013


RE: "Miteinander von Wohnen und Gewerbe"

#92 von Lola , 09.04.2014 07:50

https://m.weser-kurier.de/articles/82417...firmen-anlocken

Zitat

Umbaupläne - 08.04.2014
BWK-Koloss soll kreative Firmen anlocken

Von Jürgen Theiner

Das frühere Sortiergebäude der Bremer Woll-Kämmerei soll zu einer Art Brutkasten für junges, kreatives Gewerbe umgestaltet werden. Die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) ist entschlossen, die wuchtige Immobilie mit neuem Leben zu füllen – jedenfalls dann, wenn eine präzise Kostenberechnung das Risiko tragbar erscheinen lässt. Bis Jahresende soll eine entsprechende Planung vorliegen.

Der Beitrag informiert weiter:
"Am Montagabend befasste sich nun der Blumenthaler Beirat hinter verschlossenen Türen mit dem Projekt. Nach Informationen dieser Zeitung ließen sich die Ortspolitiker von Vertretern der WFB vortragen, wie sich die Wirtschaftsförderung die Zukunft des nahezu leer stehenden Backstein-Kolosses vorstellt.

Wie zu hören ist, plant die WFB einen etappenweisen Umbau des Gebäudes, wobei zunächst ein direkt an die Nord-Süd-Achse angrenzender Bauabschnitt von rund 2700 Quadratmetern realisiert werden könnte. Die Etagen sollen dabei als größere, zusammenhängende Flächen in der Art sogenannter Lofts hergerichtet werden, die dann von den Nutzern individuell zu gestalten sind. Als mögliche Mieter hat die WFB insbesondere junge Unternehmen aus der Kreativwirtschaft im Auge. Also etwa Firmen und Existenzgründer aus Branchen wie Werbung, Filmproduktion oder Web-Dienstleistung.
Solche Akteure zieht es normalerweise nicht gerade an die Peripherie der Städte, darüber ist man sich sowohl bei der WFB als auch in der Ortspolitik im Klaren. „Stünde dieses Gebäude in der Überseestadt, wäre es uns längst aus den Händen gerissen worden“, sagte gestern ein Teilnehmer der Runde im Gespräch mit dieser Zeitung. Nach Blumenthal kann man Kreativwirtschaftler deshalb wohl nur dann locken, wenn man ihnen günstige Mieten in einem attraktiven Gebäude offeriert."
Zitat Ende

Wer mit solch negativen Gedanken über den Standort Blumenthal in Verhandlungen geht, dem ist wirklich nicht zu helfen.
Das BWK-Gelände ist etwas ganz besonderes, dass man in der Überseestadt nicht findet und man sollte aufhören, dieses Areal mit seinen Gebäuden permanent mit der Überseestadt zu vergleichen.
Die Überseestadt ist ein zugeschüttetes Hafenbecken!

Das BWK-Gelände hat ein ganz besonderes Flair und das muss man auch sehen wollen. Außerdem befindet es sich in direktem Anschluss an einen alten gewachsenen
Ortskern. Hier geht alles etwas beschaulicher zu und das ist in der heutigen Zeit schon eine Besonderheit. Vielleicht könnte man es auch mit Verläßlichkeit bezeichnen.
Wer ein solches Umfeld sucht, der würde sich in der Überseestadt nicht wohlfühlen und sich eher verloren vorkommen.

Vielleicht möchte die Müllverbrennungsanlage, die sich auf dem BWK-Areal befindet, sogar in die Überseestadt umziehen. Weiß man es
Vielleicht sollten die Kommunalpolitiker das einmal herausfinden.

Lola  
Lola
Beiträge: 1.197
Registriert am: 24.01.2013


Vorösterliches

#93 von Reinhard , 18.04.2014 17:55

Vorösterliches

Als vor nicht allzu langer Zeit der Bremer Bürgermeister und Kultursenator zu einem Ortstermin im alten Sortiergebäude auf dem BWK-Gelände gekommen ist, sahen viele Blumenthaler eine ihrer Hoffnungen schon fast erfüllt. Für sie war ein Kulturzentrum, wie es der Beirat beschlossen hatte, in greifbare Nähe gerückt. Immerhin hatten sich die einflussreichen Herren von Senat und Wirtschaftsfördergesellschaft WFB bei dem gewichtigen Termin mit dem vieldeutigen Satz „Alles ist möglich!“ und sogar einer ganz präzisen Zeitangabe verabschiedet.

Man wollte in den folgenden Tagen im Haushalt nach Mitteln suchen und anschließend in einer nichtöffentlichten Sitzung den Blumenthaler Beirat über das Ergebnis informieren.

Diese vorösterliche Suche führte offenbar zu einem Ergebnis, das auch bei einer richtigen Ostereiersuche eintreten kann.

Ein Unterschied besteht allerdings darin, dass interessierte Zuschauer in diesem Fall das Suchergebnis nicht mit eigenen eigenen Augen sehen können. Vielmehr müssen sie sich darauf verlassen, was Zeitungen ihnen über das berichten, was ein Ortsamtsleiter von einer Darstellung des Sachverhalts hinter verschlossenen Beiratstüren berichten darf. Man könnte auch von einem autorisierten Hörensagen sprechen.

Die Resultate ihrer Bemühungen haben die mit öffentlichen Steuergeldern bezahlten Geldsucher inzwischen i einer nichtöffentlichen Sitzung vorgetragen. Trotz dieser anscheinend notwendigen Geheimhaltung durfte die Öffentlichkeit inzwischen etwas erfahren; denn die Lokalpresse erhielt offenbar eine gefilterte Information über die vorösterliche Geldsuche und ihr überraschendes Ergebnis.

Danach ist man durchaus fündig geworden, wie man es während des Ortstermins erwartet hatte. Nur scheinen die erfolgreichen Sucher erkannt zu haben, dass man die Fundstücke für unterschiedliche Aufgaben einsetzen kann. Man kann sich also über glückliche Kinderaugen freuen, indem man den Erwartungen der Blumenthaler entspricht und ihnen ihr erhofftes Kulturzentrum ankündigt.

Aber man kann die gefundenen Mittel auch anders verwenden, indem man sich beispielsweise als Immobilienentwicklerin profilieren möchte. Diese Idee hat offenbar die WFB entwickelt und durchgesetzt, vermutlich um ihre tiefrote Bilanz bei der Vermarktung des BWK-Geländes zumindest auf dem Papier ein wenig freundlicher zu gestalten.

Jetzt ist jedenfalls von einem Kulturzentrum, wie es der Blumenthlaer Beirat beschossen hatte, nicht mehr die Rede. Das wird schon in den Überschrifen der Artikel im Weser-Kurie deutlich. Hieß es hier es nach dem Ortstermin noch „Bremen plant BWK-Zentrum“, erwartet man jetzt ganz ohne Bezug zum Kulturzentrum: „BWK-Koloss soll kreative Firmen anlocken

Diese veränderte Sicht ist auch berechtigt, denn jetzt hat die WFB-Spitze hinter verschlossenen Türen mitgeteilt, dass man einen Umbau des Gebäudes plant, um „Etagen … als größere, zusammenhängende Flächen in der Art sogenannter Lofts“ herzurichten, „die dann vor allem „Firmen und Existenzgründer aus Branchen wie Werbung, Filmproduktion oder Web-Dienstleistung“ angeboten werden.

Die für das Blumenthaler Kulturzentrum vorgesehene Nutzungen hat man dabei offenbar völlig vergessen. So gibt es nicht einmal einen Hinweis für eine gemeinsame Nutzung von Parkplätzen für Autos oder Fahrräder.

Wenn man den Blumenthalern keine Enttäuschungen wünscht, kann man nur hoffen, dass die vorösterlichen Sucher in den nächsten Tagen noch einmal erfolgreich sein werden oder es ihnen wenigstens gelingt, vor der nächsten Bürgerschaftswahl geeignete Räume und finanzielle Mittel für ein Museum und andere kulturelle Einrichtungen zu finden.

Schließlich wäre es besser, diese Einrichtungen bereits bei der Umbauplanung zu berücksichtigen und sie nicht erst als Notnagel zu verwenden, wenn kein genügend großes Interesse für die Lofts in einem Industrie- und Gewerbegebiet besteht.

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Ausgebautes Breitband ohne Nutzer

#94 von Reinhard , 22.04.2014 15:08

Ausgebautes Breitband ohne Nutzer

Als „paradox“ bezeichnet der Weser-Kurier die Situation, die in den Gewerbegebieten in Bremen-Nord besteht, wie sie der Senat in einer Antwort auf eine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion zur Breitbandversorgung beschreibt. Danach kann der Senat durchaus eine „leistungsfähige Breitbandinfrastruktur“ auflisten, die für eine „erfolgreiche Vermarktung der Gewerbegebiete“ notwendig ist.

Die Kleine Anfrage ging also mit ihrem kritischen Unterton auf den ersten Blick ins Leere, denn für die nicht gerade überzeugende Ansiedlungspolitik des Bremer Senats in Bremen-Nord scheint keine mangelhafte Internetversorgung verantwortlich zu sein.

Man muss also an anderen Stellen den Sand im Getriebe suchen. Oder liegt es möglicherweise sogar an falschen Konzepten, deren Fehler auch die schnellste Internetverbindung nicht kompensieren kann? Das gilt etwa für den Science Park, der die beste Internetversorgung aufweist, und das „Gewerbegebiet Bremer Wollkämmerei“, wie es in der Antwort des Senats ohne jede Ergänzung bezeichnet wird.

Zumindest in diesem offiziellen Begriff findet man also weder etwas von einem Kulturzentrum, das den Blumenthalern fast versprochen ist, noch von Ateliers für Künstler, die aktuell geplant werden und demnächst im ehemaligen Sortiergebäude auf dem alten BWK-Gelände entstehen sollen.

Investoren scheinen dieses geplante Retortenbaby einer eierlegenden Wollmilchsau weder mit noch ohne Breitband zu lieben.

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Vielversprechende Entwicklung

#95 von Reinhard , 18.07.2014 10:02

Vielversprechende Entwicklung

Rathäuser haben immer eine ganz besondere Funktion für eine Stadt. Daher werden sie nicht nur an einem Standort errichtet, der vom gesamten Stadtgebiet aus gut erreichbar ist, sondern der sich auch als Ortsmittelpunkt anbietet. So findet man noch heute in vielen Städten – und Bremen macht da keine Ausnahme – die Kombination von Rathaus, Dom und Marktplatz.

Daher verdient eine kleine Nachricht aus dem Arbeitskreis Nord Beachtung, die aus dieser geheim tagende Runde in der letzten Beiratssitzung mitgeteilt werden durfte. So heißt es in dem bereits veröffentlichten Protokoll zu dieser Sitzung, das man auf der Webseite der Linken findet: „Es gebe Überlegungen, das Rathaus auf das BWK-Gelände zu verlagern, dann könne man im Rathaus eine Kita aufmachen.“

Das Blumenthaler Rathaus auf dem BWK-Gelände. Das ist eine Überlegung, die bisher noch nicht in den zahlreichen Vorschlägen für die dortige Bebauung aufgetaucht ist, auch nicht im letzten veröffentlichten Entwurf des B-Plans 1288.

Bei dieser kurzen Meldung fehlen jedoch die wichtigen Details. Will Bremen etwa die Blumenthaler Verwaltung nur in einem der geplanten Ateliers in der alten Sortierung unterbringen und dieses Gebäude dann Rathaus nennen? Oder will man tatsächlich den B-Plan entsprechend ändern und auf dem BWK-Gelände ein neues Zentrum mit Rathaus und Kultur-Treff schaffen?

In jedem Fall dürfte sich der „Bürgermeister“ bzw. Ortsamtsleiter oder Stadtteilmanager kaum über die Emissionen von Industriebetrieben freuen. Das sieht daher schon nach einem Umdenken in den zuständigen senatorischen Behörden aus, wenn man es denn gut mit seinen Blumenthaler Beamten meint...

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


RE: Vielversprechende Entwicklung?

#96 von Lola2 , 02.09.2014 07:38

http://www.weser-kurier.de/bremen_artike...rid,933081.html

Zitat
Industriegebäude auf Brinkmann-Gelände könnte zu einer Kulturzentrale in Woltmershausen werden - 02.09.2014
Speicher mit Aussicht
Von Sara Sundermann

Bremen. Vielerorts werden leer stehende Industriegebäude zu Kulturzentralen und urbanen Arbeitsorten. In Woltmershausen könnte künftig ein Tabakspeicher auf dem Gelände der Brinkmann-Fabriken von Kulturschaffenden und Existenzgründern genutzt werden. Die Münchner Immobiliengesellschaft, der das Gebäude gehört, ist interessiert, die Bremer Zwischenzeitzentrale hat ein Konzept erarbeitet.

Es heißt weiter:
Das Gebäude ist in gutem Zustand, Tabak könnte man hier gut lagern, da sind sich alle einig. Aber: „Es ist schwierig, ein Unternehmen zu finden, das so große Flächen nutzen will“, sagt Edith Nikolaus, die den Speicher verwaltet. Zudem sei das Gebäude für manche Interessenten unpraktisch, weil die vielen Stützpfeiler in den Lagerhallen beim Warentransport immer wieder umfahren werden müssten.

Zuletzt aber ist der Speicher IX sehr aufmerksam begutachtet worden: Mitarbeiter der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) haben sich das Gebäude angesehen. Sie würden den Speicher gerne umnutzen. „Wir würden das Gebäude entwickeln“, sagt Daniel Schnier von der ZZZ. Sie ist ein Pilotprojekt, das von mehreren Behörden gemeinsam getragen wird und auf die Belebung schlafender Orte und auf Beteiligung in der Stadt setzt. Derzeit will im Rahmen eines EU-Projekts unter anderem Rom von dem Bremer Projekt lernen.

Daniel Schnier spricht von einem „Riesen-Ratatouille“: Musik, Klubkultur, Büroräume, kleine Betriebe, Theatergruppen. Viele kleine Nutzer, die einen großen Speicher füllen – und nebenbei zu einer von der Stadt angestrebten Belebung von Woltmershausen beitragen könnten.

„Wir haben 800 Anfragen von Nutzern bekommen, die in Bremen nach Räumen suchen und ein Konzept formuliert haben“, sagt Schnier. „Wir könnten eine Speicheretage nur mit Bildhauern füllen.“ Unter den Raumsuchenden fänden sich Interessenten vom Süßwassergarnelenzüchter bis zum Bambusradbauer. Auch das Subkultur-Netzwerk Zuckerwerk, das seit 2012 auf Raumsuche ist und derzeit in der Überseestadt Unterschlupf gefunden hat, sei an dem Speicher interessiert, sagt Schnier.
Zitat Ende

Auf wen oder was wartet eine Stadt wie Bremen, damit Blumenthal nicht noch ins Koma verfällt?
An der Aufmerksamkeit oder mangelnder Bürgerbeteiligung kann es nicht liegen, oder?


Der Zeitungsartikel klärt darüber auf, dass es offenbar genügend Interessenten für alte Speicher und ausgediente Fabrikhallen gibt.

Das BWK-Gelände in Blumenthal, findet aber leider fast nie Erwähnung in der Presse außerhalb von Blumenthal ?
Warum eigentlicht nicht?
Es hätte durchaus vom Thema her gepasst.
Im Übrigen gibt es auf dem BWK-Gelände noch genügend Bauplätze, aber dafür muss natürlich erst einmal der B-Plan 1288 zur Verfügung stehen.

Auf dem BWK-Gelände wird viel gearbeitet, sogar am Wochenende, wie man sehen konnte. Im nächsten Jahr sollen die Erdarbeiten fertig sein.
An den aufgebauten Gerüsten sieht man, dass an den Speichern auch gearbeitet wird.

Was passiert wenn die EU-Mittel verbaut sind und die Erdarbeiten beendet sind?
Will man in Bremen erst dann anfangen zu planen um Zeit zu gewinnen, bis vielleicht wieder mehr "Geld in der Kasse" ist?

Beitrag Nr. 4 in diesem Thread veranschaulicht sehr gut, was man auch alles aus einem alten Industriegebiet machen kann.

Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014


RE: Vielversprechende Entwicklung?

#97 von Lola2 , 02.09.2014 08:34

..Berichtigung..

der Beitrag Nr. 4 befindet sich in folgendem Thread: Vorbilder für die Nutzung des BWK-Geländes?

Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014


Neues Argument

#98 von Reinhard , 11.09.2014 14:13

Neues Argument

Bisher wurden die Anlagen zur Müllverwertung auf dem ehemaligen BWK-Gelände im Hinblick auf mögliche gesundheitsgefährdende Emissionen kritisch gesehen.

Daher hat das Bremer Krebsregister für dieses Gebiet mehrfach Spezialuntersuchungen durchgeführt. Auch erinnert die aktuelle Diskussion der „rosa“ Wolke an eine bereits jahrelang geführte Auseinandersetzung zwischen den Unternehmen und den Bewohnern, die in der Nähe leben. Wie die jetzige Leugnung einer realen Verfärbung der Abgase belegt, hat das allerdings immer noch nicht zu einer sachlichen und offenen Informationspolitik geführt.

Wenn es jetzt bei der Ritterhuder Organo-Fluid GmbH Dr. Wolfgang Koczott, einem Entsorgungsbetrieb, der sich mit der Rückgewinnung von Lösemitteln und deren Mischung beschäftigt, zu einer gewaltigen Explosion mit erheblichen Schäden an den Gebäuden in der Umgebung gekommen ist, wird der Blick auf mögliche weitere Risiken gelenkt, die mit Entsorgungsbetrieben in der Nähe von Wohngebieten oder gar städtischen Zentren verbunden sind.

Zwar sind die Produktionen in Blumenthal und Ritterhude nicht identisch, aber bei der Aufbereitung von Abfällen und Reststoffen besteht immer die Gefahr, dass sie nicht nur aus dem bestehen, was erwartet wird.

Der Unfall in Ritterhude sollte daher ein weiterer Grund sein, um die geplante Bebauung des ehemaligen BWK-Geländes zu überdenken. Wahrscheinlich wird sich dabei herausstellen, dass eine Nutzung des BWK-Geländes auch für Wohnungen und eine gleichzeitige Verlagerung der Müllverwertung unter dem Strich für Bremen nicht nur finanziell lukrativ, sondern vor allem für die Blumenthaler sicherer ist.

Die Rechnung ist dabei ganz einfach: Durch eine Verlagerung der Müllverwerter steigt der Quadratmeterpreis, und zwar sehr deutlich, wenn man eine Wohnbebauung zulässt. Die Maßnahme, die die Sicherheit erhöht, würde sich also praktisch selbst finanzieren.


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 11.09.2014 | Top

Nur der Vergangenheit verhaftet?

#99 von Reinhard , 17.10.2014 12:43

Nur der Vergangenheit verhaftet?

In den letzen Tagen gab es wieder einmal einige Veröffentlichungen über die Diskrepanz zwischen der wirtschaftlichen Leistung Bremens und seiner prekären Finanzsituation. Danach – und das ist nicht unbedingt neu – weist das Bundesland Bremen nach Hamburg mit 43.085 Euro das zweithöchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner aller Bundesländer aus. Damit werden also innerhalb der Grenzen des kleinsten Bundelandes pro Kopf der Einwohner mehr Güter und Diestleistungen hergestellt und angeboten als in jedem Flächenland und auch der Bundeshauptstadt Berlin. Das sind sehr gute Voraussetzungen, die den Einwohnern eine hohe Lebensqualität und der Politik günstige Handlungsspielräume zu versprechen scheinen.

Gleichzeitig wird jedoch immer wieder auf die hohe Verschuldung Bremens hingewiesen, sodass inzwischen allein der Schuldendienst in Bremen mit 736 € pro Einwohner deutlich über dem bayerischen von nur 86 € liegt.

Pendler und Steuern

Eine wesentliche Erklärung hierfür sind die Erwerbspendler, deren Arbeitsleistung in Bremen Teil des Bruttoinlandsproduktes ist und deren Einkommensteuer entsprechend dem gültigen Aufteilungsschlüssel an den Wohnort fließt.

Unter finanziellen Gesichtspunkten ist es daher für Städte und Gemeinden wichtiger, viele Einkommensteuerzahler in ihren Grenzen wohnen zu haben als Gewerbebetriebe, die häufig nur geringe Erträge erwirtschaften und daher Gewerbesteuern zahlen.


Im Raum Bremen sind diese Verflechtungen zwischen dem Stadtstaat und seinem niedersächsischen Umland besonders intensiv, denn vier von zehn Arbeitsplätzen bieten hier einem Nicht-Bremern eine Beschäftigung. Allerdings gibt es neben diesem wichtigsten Aspekt der Pendlerbeziehungen auch die gegenläufige Tendenz. So pendelt knapp jeder fünfte Bremer in ein anderes Bundesland zur Arbeit.

Nach der aktuellen Analyse der Bremer Arbeitnehmerkammer ist die Zahl der Pendler, die in Bremen wohnen und im Umland arbeiten, sogar in den letzten Jahren besonders stark gestiegen.

Wohnen in Blumenthal, arbeiten in Schwanewede

Das Ausmaß dieser Pendlerzahlen zeigt sich auch im Bremer Norden sehr eindrucksvoll, denn hier erreicht die Gemeinde Schwanewede sogar mit 4. 129 fast die Zahl der Auspendler der großen südlichen Umlandgemeinden Stuhr und Weyhe. Ds sind schon hohe Werte, wenn man an die ca. 1.000 Arbeitsplätze denkt, die nach den optimistischen Zielen des Bremer Wirtschaftssenators einmal auf dem BWK-Gelände entstanden sen sollen!

Ohne einen Blick auf die Pendlerzahlen fordern bisher in Blumenthal die Parteien in ihren Programm vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen. Sie können sich offenbar keinen Stadtteil am Nordrand Bremens vorstellen, der sich vorrangig als attraktiver Wohnort versteht. Dabei bietet sich in einer räumlich eng verflochtenen Wirtschaft für Blumenthal auch eine Alternative zu der bisher vorgeschlagenen Strategie an, die bisher von den Politikern in Bremen und Blumenthal ohne großen Erfolg versprochen und angekündigt wurde.

Man kann die besonderen Qualitäten Blumenthals als Wohnort nutzen und ausbauen, da sie gegenüber einer Umlandgemeinde wie Schwaneweder erhebliche Vorteile bieten. Das gilt für die Nähe zur Weser und zu den Parks, vor allem jedoch die schnelle Erreichbarkeit der Bremer Innenstadt. Hier besitzt der Stadtteil erheblich mehr Wettbewerbschancen als beim Angebot an Flächen für Industrieansiedlungen. Das belegen die angekündigten 6.000 Arbeitsplätze für den Bremer Norden oder die immer wieder nach unten korrigierten Ziele für das als Industrie- und Gewerbegelände vorgesehene BWK-Areal. In vielen Bereichen lässt sich hier eine Umlandgemeinde wie Schwanewede nicht schlagen: die Grundstückspreise sind ohne Subventionen niedriger, das Angebot an Erweiterungsflächen ist besser und unerwünschte Auseinandersetzungen mit Anwohnern, die durch Emissionen oder Lieferantenverkehr belastet werden, kaum zu erwarten.

Der neue Trend, in Bremen zu wohnen und im Umland zu arbeiten, ist damit nicht nur eine Chance für die Finanzen Bremens, das dadurch seinen Anteil an den Einkommensteuern erhöht, sondern kann auch die Blumenthaler Kaufkraft stärken und für eine soziale Entwicklung sorgen, die nicht mehr in dem bisherigen Maße am Tropf von Transferzahlungen hängt.

Unter diesem Gesichtspunkt erscheint der B-Plan 1288 für das alte BWK-Gelände wie eine große finanz- und entwicklungspolitische Dummheit. Blumenthal hat ein großes Grundstück in einer idealen Lage für eine Wohnbebauung zu bieten, sodass man hier problemlos Wohnungen für 1.000 Einwohner und erheblich mehr bauen könnte. Stattdessen wollen sich die Entscheidungsträger in Blumenthal und Bremen auf ewige Nutzungskonflikten zwischen Dienstleistungen und industriellen Nutzungen einlassen, die auch noch den Wohnwert der angrenzenden Teile Blumenthals gefährden.

Und das alles offenbar nur, weil offenbar einige einflussreiche ältere alteingesessene Blumenthaler glauben, weiterhin industrielle Arbeitsplätze haben zu müssen, wie es früher einmal unter ganz anderen Rahmenbedingungen der Fall war. Eine Fixierung auf eine ohnehin nicht mehr zurückholbare Vergangenheit verhindert so den Weg in eine bessere Zukunft.

Blumenthal braucht schließlich zunächst einmal eine Wohnbevölkerung, die in erheblich höherem Maße einen Arbeitsplatz besitzt und nicht auf Transferzahlungen angewiesen ist, wie es gegenwärtig der Fall ist. Dabei ist es eher nebensächlich, ob die Einwohner irgendwo in Bremen oder einer Umlandgemeinde wie Schwanewede arbeiten.

Die wohl einmalige Chance Blumenthals kann schließlich jeder sehen: mit einer Wohnlage an der Weser in der Nähe eines Stadtbahnhaltestelle, einem großen Park und einem Einkaufszentrum kann eine Gemeinde wie Schwaneweder nicht konkurrieren, aber sehr wohl bei Industrie- und Gewerbegrundstücke in Autobahnnähe.

Das sind die einfachen Tatsachen von heute, die die Entscheidungsträger im Interesse der Bremer Finanzen und der sozialen Entwicklung Blumenthals möglichst schnell akzeptieren sollten.


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 17.10.2014 | Top

RE: Nur der Vergangenheit verhaftet?

#100 von fight4yrights , 17.10.2014 18:33

Und nur mal so am Rande:
Von den großen Firmen führt lediglich Nehlsen seine Lohnsteuer in Bremen ab.
Mercedes zahlt nach Sindelfingen, als Beispiel. Es mangelt an Firmenzentralen, die lieber in Hamburg oder London oder Brüssel oder sonst wo in der Welt sitzen.
Kraft Foods (jetzt Mondelez), Kellogs, sie alle hauen ab!
Arbeitsplätze der Zukunft sind nicht mehr in der Industrie zu finden - das geht in China oder Süd-Korea billiger - aber das verschläft die Politik auf der ganzen Linie.
Arbeiten und wohnen geht sehr wohl zusammen. Die Arbeitsplätze müssen nicht unbedingt im Umland liegen. Sie müssen nur wohnverträglich, d.h. nicht stinken, lärmen und gesundheits-
schädlich sein.
Nur leider haben das viele noch nicht begriffen oder sie setzen auf ein so wackeliges Projekt, wie die Jacobs University, bei der es fraglich ist, ob sie 2017 überhaupt noch eine Akkreditierung erhält.
Aber für die Blumenthaler ist es ausreichend, wenn man auf Facebook gegen die "Opposition" hetzt.

fight4yrights  
fight4yrights
Beiträge: 142
Registriert am: 26.01.2013


...alles bleibt wie es war oder ist?

#101 von Lola2 , 31.10.2014 16:30

http://www.weser-kurier.de/bremen/stadtt...rid,972257.html

Zitat
Blumenthal - 23.10.2014
Rohre für Fernwärme
Von WESER-KURIER

Blumenthal. Die Erschließungsarbeiten auf dem BWK-Gelände schreiten voran. Derzeit finden im südlichen Bereich die Pflasterarbeiten für die sogenannte historische Achse statt, die vom ehemaligen Pförtnergebäude der BWK aus die Landrat-Christians-Straße mit der Weser verbindet. Das Heizkraftwerk der HKW Blumenthal stellt für die Versorgung der bestehenden Gebäude zukünftig ein Wärmeangebot zur Verfügung. Die Brewa, die am Standort der ehemaligen BWK ein Wärmenetz für Dampf betreibt, verlegt momentan zusätzlich rund 1000 Meter isolierte Rohre für Heißwasser. Die Temperatur des Wassers, das dann ab November unterhalb der Straße zirkulieren soll, beträgt bis zu 90 Grad. Die umweltfreundliche Wärme werde zunächst an die Gebäude entlang der historischen Achse und später auch an Neuansiedlungen abgegeben. Brewa und HKW investieren nach Aussage von Brewa-Geschäftsführer Günter Timmer rund 350 000 Euro in das Projekt.
Zitat Ende

http://www.brewa.de/UserFiles/file/EFB_Z..._BREWA_2014.pdf
Zitat
Entsorgungsfachbetrieb für die abfallwirtschaftlichen Tätigkeiten
Lagern und Behandeln
zu führen.
Die Tätigkeiten und zugeordneten Abfallarten sind im Anhang Nr. CERT 306-01 näher beschrieben.
Der Anhang ist Bestandteil dieser Urkunde.

Abschluss der Erstzertifizierung : ... ..........................................19.08.2014
Datum der Erstzertifizierung.......:.................................................19.08.2014

Gültigkeit des Zertifikates bis........................................................18.02.2016.

Hamburg, den 21.08.2014
Zitat Ende

Leider ist dieses Zertifikat unvollständig weil die Anlagen, die als Bestandteil der Urkunde bezeichnet wurden, fehlen.
Aus den Anlagen sind die Tätigkeiten und Abfallarten ersichtlich!!!

Warum wurde dieses Zertifikat als "Erstzertifikat" bezeichnet?

Gab es für die Jahre 2012 - 2014 kein Zertifikat?

Wer ist für die Überprüfung dieser Genehmigungen verantwortlich?




http://www.ortsamt-blumenthal.bremen.de/...FA_20140911.pdf

Zitat
Dringlichkeitsanfrage:
„Notfall-­‐Szenario Eindampf-­‐ und Feuerungsanlage und hkw“
Bremen, 11.09.201
4
Der Beirat Blumenthal möge beschließen:
Der Beirat Blumenthal stellt nach der schweren Explosion eines Entsorgungsbetriebs für flüssige Abfälle in
Ritterhude
folgende Fragen an die Gewerbeaufsicht und den Senator für Bau, Umwelt und Verkehr.
1: Wann wurde zuletzt eine Evaluation der Brandschutz-­‐ und Sicherheitstechnik bei der Eindampf-­‐
und Feuerungsanlage (EFA) der BREWA wte GmbH und dem hkw der hkw Blumenthal GmbH
vorgenommen?
2: Gibt es jeweils ein Notfall-­‐Szenario in Abstimmung mit Feuerwehr Bremen und wie sieht dieses
aus? Wenn ja, wann erfolgte die letzte Evaluierung.
3: Welche Abfallschlüssel werden derzeit in der EFA verwertet, welche Fraktionen wurden 2013
verarbeitet (Aufstellung)
4: Bei welchen Abfallschlüssen besteht bei der Verwertung sowohl in EFA als auch im hkw
Explosionsgefahr?
5: Gibt es Optionen, die Auslastung der EFA nach dem Unfall in Ritterhude zu steigern.
Wenn, ja um wieviel Prozent?
6: Welche besonders überwachungsbedürftigen Stoffe (Sondermüll) werden dem hkw bei der
Verbrennung beigemischt?
7: Auf der Unternehmenswebsite
www.brewa.de
wird die hkw Blumenthal GmbH als
Entsorgungsfachbetrieb nach BFUB CERT durch die Umweltprüfgesellschaft mbH zertifiziert. Das
Zertifikat ist am 18.11.2012 abgelaufen. Wurde es erneuert? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja,
wann wurde es evaluiert?

Gabriele Kröger-Schurr Eike Schurr
Fraktionsvorsitzende Bündnis90/DIE GRÜNEN Stellv. Fraktionsvorsitzender
Stadtteilgruppe Blumenthal Beirat Blumenthal

www.gruene-bremen-nord.de
Zitat Ende

http://www.ortsamt-blumenthal.bremen.de/...2009%202014.pdf
Zitat

Bündnis 90 /
Die Grünen: Dringlichkeitsanfrage „Notfall-Szenario Eindampf und Feuerungsanlage und hkw“
Über die Dringlichkeit wird abgestimmt.
Ergebnis: 3 Ja
-
Stimmen, 6 Nein
-
Stimmen, 2 Enthaltungen.
Die Dringlichkeit ist damit abgelehnt.
Der Antrag wird in der nächsten Sitzung behandelt
Zitat Ende

Sehr sportliche Abstimmung...................wenn man bedenkt, was am 10.9.2014 in Ritterhude geschehen ist......................!

http://www.n-tv.de/panorama/Chemiefabrik...le13585861.html


Lola2  
Lola2
Beiträge: 956
Registriert am: 29.06.2014

zuletzt bearbeitet 31.10.2014 | Top

Die andere Seite der BWK-Immobilien

#102 von Reinhard , 19.04.2015 13:54

Die andere Seite der BWK-Immobilien

Am Dienstag letzter Woche konnte nach über einem Jahrzehnt Vorlaufzeit, in der Bremen bereits Eigentümer großer Teile des BWK-Areals war, die "Historische Achse" auf dem BWK-Gelände für die Öffentlichkeit freigegeben werden. Seitdem können die Blumenthalerinnen und Blumenthaler sowie ihre Gäste erstmals von der Eingangspforte bis zum Weserufer barrierefrei über das früher verschlossene Werksgelände gehen oder fahren. Damit wurde eine "Perle der Industriekultur" sichtbar, wie auch die Offiziellen jetzt das Ensemble aus verkehrsberuhigter Straße und denkmalgeschützten Gebäuden nennen.

Das ist nach einer Abtrennung von über 130 Jahren eine ganz neue Erfahrung für Bumenthal. Daher scheint es auch gerechtfertigt, wenn nicht zuletzt aufgrund ihrer Umgestaltung durch eine aufwendigen Pflasterung die ehemalige "Nicolaus-H.-Schilling-Straße" in "An der Wollkämmerei" umbenannt wurde.

Gebäude im Schatten

Vom BWK-Gelände gehen damit aktuell der Glanz einer provisorisch polierten Perle und die Hoffnungen für eine weitere Nutzung und Belebung des gesamten ehemaligen Werksgeländes der Bremer Woll-Kämmerei aus.

Man sieht diesen Teil mit der "Historischen Achse" daher im "Lichte", während man andere Teile vielleicht zwar wahrnimmt, aber auch leicht übersieht, weil sie eher "im Dunkeln" sind, wie es Bertold Brecht ausgedrückt hat.

Neben den jetzt an der "Historischen Achse" herausgestellten denkmalgeschützten Gebäuden mit ihrer eindruckvollen Backsteinarchitektur gibt es noch einen zweiten Bereich auf dem ehemaligen Betriebsgelände, an dem sich Werksanlagen der BWK konzentrieren. Dabei handelt es sich sogar um besonders alte Gebäude, da sie aus den Jahren 1885 bis 1889 stammen.

Konkret handelt es sich vor allem um die sogenannten Arkadengebäude, in denen früher ein Dampfkessel stand und Nadeln der Kämmerei repariert wurden.




Pläne und Ankündigungen

Diese Gebäude, die sich an der Landrat-Christians-Straße und damit einer Schnittstelle zwischen dem alten Zentrum Blumenthals und dem BWK-Gelände befinden, besitzen ein besonderes städtebauliches Potenzial. Wenn man sie durchlässiger werden lässt, sinkt die fußläufige Entfernung etwa zwischen dem Marktplatz und den wichtigsten Gebäuden wie der Sortierung an der "Historischen Achse" deutlich.

Diese städtebauliche Anbindung und Integration hat jedoch nicht nur einen zeitlichen Aspekt. Daneben haben bereits 1982 die Bremer Städteplaner eine psychische Barrierewirkung gesehen; denn die BWK stellte sich damals baulich als abgeschirmte Trutzburg gegenüber ihrer Standortgemeinde dar.

Daher wurde, wie der Weser-Kurier am 26.3.1982 berichtet hat, ein ein bis sechs Meter breiter Geländestreifen von der BWK gekauft, um die alten Gebäude durch Arkaden zu "unterbauen". Nach dem Umbau sollte man dann unter den Arkaden "flanieren" konnte.

An dieses denkwürdige Ereignis samt Zeitungsbericht hat der Weser-Kurier genau zwanzig Jahre später in einer Notiz nochmals erinnert.

Allerdings scheint dieser Gedenkbericht die einzige Wirkung des Umbaus für Blumenthal gewesen zu sein. Zwar hat man im Stadtbild ein neues Architekturelement in Form der Arkaden erhalten, aber sie haben aus diesem Teil der Landrat-Christians-Straße keine Flaniermeile gemacht, auf der man sich etwa bei Regenwetter gern die Auslagen von Geschäften ansieht oder einen Kaffee trinkt. Die Arkaden haben in Blumenthal keine Belebung und Aufwertung eines Teilraumes gebracht, wie man das etwa von den bekannten Alsterarkaden in Hamburg kennt. Dazu scheinen weder die räumlichen noch die ökonomischen Rahmenbedingungen gestimmt zu haben. Es ist daher zwar eine architektonische Auflockerung einer tristen alten BWK-Mauer gelungen, durch die allerdings nur ein wenig einladender, eher düsterer Tunnel entstanden ist.





Auch eine Skulptur, die hier aufgestellt wurde, konnte diesen Bereich nicht als beliebten Blickfang gestalten, da eine gemeinsame Gestaltung durch Stadt und BWK fehlte.

Neue Bewegung kam mit dem Verkauf der letzten BWK-Gebäude an Bremen in die Planung und Nutzungsdiskussion, als die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) einen Auftrag für einen Umbau der Gebäude erteilte. Dazu wurde 2009 vom Architekten Philipp Romeiser ein als Gutachten bezeichneter Entwurf vorgelegt, der weiterhin auf dessen Webseite zur Verfügung steht.



Dabei war an Praxen, Büros und Gastronomie gedacht und nicht zuletzt einen Durchgang zum BWK-Gelände. Die Entwicklung dieses Projektes wollte noch Ende 2012 die WFB in Eigenregie übernehmen, wobei "rund 600 000 Euro in eine behutsame Umgestaltung der Fassade und einen variablen Innenausbau" investiert werden sollten. Auf diese Weise wollte man die Arkadenhäuser zu einer "architektonischen Visitenkarte des BWK-Geländes" entwickeln. Das sollte alles einschließlich Vermietung bis "bis zum Sommer 2014" passieren.

Diese zumindest zeitlich nicht eingehaltene Weichenstellung wurde dann Anfang dieses Jahres ohne Begründung überraschend geändert. Jetzt meldete die WFB einen Verkauf der Gebäude an den Immobilienfachmann Olaf Mosel bzw. seine M-Projekt.

Offen bliebt dabei, ob der neue Eigentümer den Romeiser-Entwurf realisieren will; denn er hat vor allem einen positiven Ausblick gegeben, wie ihn sicherlich die WFB nicht gerade ungern gehört hat: „Ich habe das Gefühl, dass sich da etwas Positives anbahnt“.

Entsprechende Erfolge wurde sogar für die ganz nahe Zukunft angekündigt, denn nach den Vorstellungen von Herrn Mosel "könnten schon in der zweiten Jahreshälfte die ersten Mieter einziehen".

Auf der verbalen Ebene sind die Projektierer also bereits sehr weit fortgeschritten. Weniger erfreulich sieht es in der Realität und sogar der Virtualität aus; denn man kann weder reale Umbauarbeiten beobachten noch auf der Webseite des Vorhabens nähere Angaben finden.

Damit entspricht das Auf und Ab von Ankündigungen, Änderungen und neuen Ankündigungen für die Arkadenhäuser den Entwicklungen in anderen Teilen des BWK-Geländes.

Nutzungskonflikte ganz real

Daneben kann das Schicksal der Arkadenhäuser jedoch auch einen Blick auf andere Teile des BWK-Geländes lenken, der dieser "Perle der Industriekultur" dann droht, wenn man sie aus den Augen verliert.

Nicht allein durch die Konzentration der Aufmerksamkeit auf die "Historische Achse" haben die Arkadengebäude und auch ihre Umgebung an Interesse eingebüßt. So hat man sich bisher nicht einmal die Mühe gemacht, um der Straße zwischen diesen Gebäuden und der gegenüberliegenden Lagerhalle einen Namen zu geben.

Offensichtlich hat das bisher niemand für nötig gehalten, da die Gebäude gegenwärtig nicht gerade frequentiert sind. Das aktuelle Bild aus Mauern und Straße macht jedoch deutlich, wie sich eine enge räumliche Lage verschiedener Nutzungen auswirken kann. Wenn man den Straßenraum betrachtet, wird kaum jemand glauben, dass sich beispielsweise Gastronomie und Lagerhaltung sinnvoll ergänzen. Und das gilt nicht nur hier, sondern auch an anderen Stellen des BWK-Geländes, wo de Fassaden teilweise erheblich schöner und die vorgesehenen Gewerbebetriebe deutlich störender sind.


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 19.04.2015 | Top

Nur Vergesslichkeit?

#103 von Reinhard , 22.04.2015 16:20

Nur Vergesslichkeit?

In ihren Wahlkampfprogrammen und -aussagen machen die Parteien in Blumenthal auch die weitere Entwicklung des BWK-Gelände zum Thema. Unterschiede lassen sich dabei allerdings nur mit etwas Mühe und nicht für alle Parteien und Wählervereinigungen finden. Das gilt etwa für die Bürger in Wut und die FDP, die insgesamt eher wie Feuer und Wasser gegenüberstehen. Beide stimmen in dieser Frage jedoch weitgehend überein, indem sie beide eine rasche Ansiedlung von Gründern, Zukunftgewerbe oder von jungen Unternehmen wollen. Dabei wird allerdings weder im FDP-Flyer noch im Wahlvideo der Wutbürger mit Herrn Balz ein spezieller Weg zu diesem Ziel aufgezeigt. Es scheint sich eher um die allgemeine Forderung von Oppositionsparteien zu handeln, die sich in der Richtung kaum von der Regierungspolitik unterscheiden, jedoch ein zu geringes Tempo kritisieren.

Bei einigen anderen Parteien liegen ausgearbeitete Programme für Blumenthal bisher noch gar nicht vor. So kann man nicht erfahren, ob die CDU mit der im letzten Entwurf des Bebauungsplans 1288 vorgesehen „Lösung“ der von ihr immer weider geforderten Kaje zufrieden ist. Generell wird jedoch von "hervorragenden Entwicklungschancen“ gespochen.

Und auch bei den Grünen kann man noch nicht lesen, ob sie sich inzwischen mit den Sondermüllanlagen auf dem Gelände abgefunden haben, gegen die früher ihre Mitglieder eine Bürgerinitiative gegründet und vor Gericht gezogen sind.

Konkretere Aussagen, die man als programmatisch bezeichnen kann, findet man daher nur bei der SPD und der Linken. Im sozialdemokratischen Bremen-Nord-Programm heißt es so: „Für das im Besitz der Stadtgemeinde befindliche BWK-Gelände muss die Entwicklung von Betrieben zur Schaffung neuer Arbeitsplätze weiter ausgebaut werden.“ (S. 9)

Der SPD geht es also einerseits um die Erhöhung der Zahl dr Arbeitsplätze, ohne dass man dabei den Wirtschaftszweig oder das Betriebsalter festlegt.

Unabhängig davon will man andererseits „die Errichtung eines neuen kulturellen Ortes auf dem Gelände der BWK in und um das Sortiergebäude“ unterstützen.(S. 11)

Offenbar sehen die Sozialdemokraten jetzt im Jahr 2015 keinen möglichen Konflikt mehr zwischen einem Kulturzentrum und seiner Umgebung, wenn sich dort in der Nachbarschaft stinkende und lärmende Industrie befindet, wie es der SPD-Wirtschaftssenator früher einmal angekündigt hat. Das scheint jetzt auch für die Müllverbrennung zu gelten.

Dazu hatte man vor vier Jahren noch eine andre Meinung, als das Programm eine Beseitigung versprach: „Langfristig müssen alle Schritte unternommen werden, um den Bereich von Müllbeseitigungsanlagen frei zu machen.“ (S. 10).

Offenbar haben sich die Sozialdemokraten in dieser Frage also ganz im Schlepptau einiger Industriegewerkschaften von ökologischem Ballast befreit und halten die Müllverbrennung in der Nähe eines Stadtteilzentrums, das sie sanieren und aufwerten wollen, für die normalste Sache von der Welt.

Oder hat man den alten Satz im neuen Programm vielleicht nur vergessen?

Man wird das alte Programm doch nicht etwa deswegen im Internet gelöscht haben!

Deutlich mehr hat die Linke zum BWK-Gelände und seiner zukünftigen Entwicklung zu sagen: Sie wünscht sich „ein lebendiges Miteinander von Handwerk, Kunst und Kultur“. Dabei kann man sich dort die Arbeit von Handwerkern und Künstlern vorstellen, „die nach dem Vorbild der alten Manufakturen gemeinsam Produkte herstellen“.

Die Linke will also keine Arbeitsplätze um jeden Preis, sondern Beschäftgungsmöglichkeiten, die zu dieser „Perle der Industriekultur“ passen, wie der Blumenthaler Ortsamtsleter das BWK-Gelände seit der Öffnung der Historischen Achse bezeichnet. So soll es zwar weiterhin keine Wohnungen geben, aber „kleinteiliges umweltreundlches Gewerbe.“

Im Hinblick auf die Müllverbrennugsanlagen setzt sich die Linke aktuell nicht für deren Verlagerung ein, wie es noch das SPD-Programm von 2011 vorsah, sondern für „engmaschige“ Kontrollen.

Die Blumenthaler Wählerinnen und Wähler können damit am 10. Mai auch über die Zukunft dieses Filetstücks auf dem Nordbremer Immobilienmarkt und die passende Ergänzung der Perlenkette abstimmen, die sie in Form der denkmalgeschützten Gebäude an der Historischen Achse nach Jahrzehnten betrachten können.

Dabei geht es um die Frage, ob Arbeitsplätze über alles gehen oder eine gezielte Auswahl einer Gewerbemischung angestrebt wird, die zum Immobilienerbe aus der BWK-Zeit und zur Nähe um alten Zentrums Blumenthal passt.


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 22.04.2015 | Top

... denn sie wissen nicht, was sie tun.

#104 von Reinhard , 04.04.2016 11:26

... denn sie wissen nicht, was sie tun.

Die Entwicklung des Orts- und Stadtteils Blumenthal hängt bekanntlich allein aufgrund der Größe und Lage von der Zukunft des BWK-Geländes ab. Das zeigt sich immer dann, wenn sich die Planer, Politiker und Bürger mit einem Verkehrskonzept für den Blumenthaler Marktplatz oder die weitere Entwicklung Alt Blumenthals beschäftigen. Gerade die bestehende Ungewissheit schafft dabei weder eine tragfähige Grundlage für Investitionen auf dem Gelände selbst noch in seiner näheren Umgebung.

Die Gefahren einer Ankündigungspolitik

Einen zentralen Beitrag zu dieser Ungewissheit leisten die Ankündigungen verschiedener Bremer Behörden, die jeweils für die nahe Zukunft neue Arbeitsplätze durch kurz vor einem Abschluss stehende Verhandlungen mit Investoren versprechen, von denen man dann meist später nichts mehr hört oder liest. Man kann so fast glauben, dass es diese Verhandlungen gar nicht gegeben hat. Aber das muss natürlich nicht so sein. Ein Fakt sind jedoch die immer wieder enttäuschten Erwartungen, die das Verhalten rationaler Investoren und die Stimmung der Blumenthalerinnen und Blumenthaler gegenüber ihren Politikern in dieser Frage nachhaltig prägen: sie glauben ihnen nicht mehr und werden sich entsprechend verhalten.

Bremer Desinteresse an der Entwicklung Blumenthals?

Alles das sind keine unbegründeten Behauptungen, sondern Aussagen, die sich an den letzten zwei bis drei Wochen wieder konzentriert bestätigt haben. An einer Reihe von Einzelaussagen lässt sich sehr leicht erkennen, dass sich die Bremer Politik kaum für das BWK-Gelände interessiert und sich daher auch nicht für seine Entwicklung engagiert. Das gilt zweifellos vor allem für eine Planung, die dieses Gelände nicht ausschließlich als eine beliebig manövrierbare Gewerbefläche im Land Bremen sieht, sondern als ein gestaltbares Angebot, das aufgrund seiner Lage und der denkmalgeschützten Bausubstanz Impulse für die Zukunft Blumenthals geben kann.

Die Meinung des Bürgermeisters

Der kleine exemplarische Ausschnitt aus der aktuellen Geschichte über den Blick der Bremer Politik und Verwaltung auf das BWK-Gelände kann mit einem Interview beginnen, das drei Journalisten der Norddeutschen mit Bürgermeister Sieling Mitte März geführt haben. Darin hat er - wahrscheinlich nicht zur Überraschung unbefangener Städteplaner und anderer Leser, aber ketzerisch für jeden, der sich mit den Bremer Tabus in dieser bisherigen planerischen Glaubensfrage für die Bremer Politik, Verwaltung und Wirtschaftslobby beschäftigt hat und die Festlegungen aus der Vergangenheit nicht völlig vergessen hat.

Nach diesem Gespräch gibt es für den jetzigen Bürgermeister auf dem BWK-Gelände "sicher Bereiche, die sich nur für Industriebetriebe eignen. Ich fände es aber wünschenswert, wenn man hier eine kluge Mischung aus Industrie, Dienstleistungen, Kultur und Wohnen hinbekommt."

Eine architektonische Perle zwischen restriktionsarmen Industrieansiedlungen und Logistkflächen

Am 23. März hat dann der neue Präses der Handelskammer Bremen in der Wochenzeitung BLV in seiner Position als Bremer Wirtschaftsverteter ebenfalls neue Akzente gesetzt. Er tritt an der Blumenthaler "Perle der Industriekultur" für eine Bauleitplanung ein, die "den Rahmen für möglichst restiktionsarme Industrie- und Gewerbeansiedlungen ..." setzt. Daher soll "auf dem inzwischen gut erschlossenen BWK-Gelände .. die Flächenvermarktungsleistung gesteigert werden, um die Zahl der Unternehmen und Beschäftigten zu erhöhen." Ganz konkret weicht er von dem Versuch ab, das Gebiet mit der "Historischen Achse" als ein Gewerbegebiet ganz besonderen Typs zu verkaufen bzw. zu vermieten. So sollten für den Wirtschaftslobbyisten "BWK- und Vulkan-Gelände .. im Rahmen einer Clusterstrategie zusammen als Industrie- und Logistikzentrum an der Weser betrachtet und gefördert werden".

Dabei fällt auf, dass jetzt kein Wort mehr darüber verloren wird, dass der angeblich einmalige Vorteil des Geländes in einer Kaje liegen soll, die bisher immer von den Wirtschafslobbyisten und der CDU als zentraler Grund für eine industrielle Nutzung ins Feld geführt wurde. Das scheint jetzt keine Rolle mehr zu spielen, sodass man sich fragen muss, warum die Bebauungsplaner sich eine schildaesk klingende Kompromisslösung ausdenken mussten, um diesen früheren Forderungen zu entspreche.

Jetzt wirft eine entwertende Nutzung der "Historischen Achse" als Industrie- und Logisitkzenrum ähnliche Fragen auf. Auch hier geht es den "Bremern" offensichtlich nicht um die Qualität dieses Geländes im Hinblick auf die Entwicklung des Stadtteils, denn ein Logistik-Unternehmen benötigt viel Fläche für möglichst wenig Geld, wobei es sich für die architektonische Qualität seiner Lagergebäude und die Dichte der Arbeitsplätze auf der zur Verfügung stehenden begrenzte Fläche kaum interessiert, die für die Beschäftigungssituation Blumenthals nicht unerheblich ist. Andere Städte sind zumindest an Arbeitsplätzen mit einem hohen Flächenverbrauch in der Nähe ihres Zentrums nicht gerade stark interessiert, denn ihnen ist diese Lage für eine logistische Nutzung einfach zu wertvoll.

"Korrekturen" durch Bausenator und Bauamtsleiter

Um hier einiges zurechtzurücken, fand offenbar eine Begehung des Geländes durch den Bremer Bau- und Umweltsenator sowie den Leiter des Bauamtes Bremen-Nord statt, also dier für die Bebauungsplanug zuständgen Entscheidungsträger. Darüber wurde in der Norddeutschen berichtet, ohne allerdings auf den Anlass und eine mögliche Einladung an den Journalisten einzugehen.

Die Spinnerei-Fantasie

Allerdings wird nicht jeder, der den Artikel liest, von einem erfolgreichen Versuch für die Korrektur von Fehlern sprechen. Das begann damit, dass die Planungsexperten ein Spinnereigebäude vorfanden, das es dort nie gegeben hat; denn die Bremer Woll-Kämmerei war eine Wollwäscherei und -kämmerei, während ihre Endprodukte, die Kammzüge, nicht bei der BWK versponnen wurden, sondern dieser Weiterverarbeitung bei anderen Unternemen wie z.B. der Augsburger Kammgarnspinnerei erfolgte. Darin unterschied sich die BWK von der Nordwolle in Delmenhorst, die ein anderes Geschäftsmodell verfolgt hat, da die Lahusens ein breites Wollkonglomerat aufbauen wolletn. DiE BWK hat sich hingegen als Dienstleister für den Wollhandel und die Abnehmer von Kammzügen positioniert. Und da wäre es wenig vorteilhaft gewesen, selbst den eigenen Kunden Konkurrenz zu machen.

Aber wie uns die Presse informiert, kann es jetzt wenigstens nach der Schließung des Unternehmens dort trotzdem eine "Spinnerei" gegeben haben.

Die gewichtigen Folgen eines "Summentons"

Aber diese visuelle Störung ist nicht die einzige Ungereimtheit bei diesem medialen Werbeauftritt der verantwortlichen Planer Bremens auf dem BWK-Gelände. Dazu zählt auch das bisherige Nutzungstabu, das der Bürgermeister eine Woche zuvor gebrochen hatte. Hier wurde jedoch die Ablehnung von Wohnungen erneuert, jedoch die Begründung geändert, da die Besucher auf der weitgehenden Freifläche offenbar nicht durch eine bunten Wolke oder Lärm gestört werden.

Aber gibt ja noch Leitungen des Heizkraftwerks, die streckenweise oberirdisch über das Gelände verlaufen. Diese verursachen Geräusche in einer Lautstärke, die für den Baumamtsleiter "in einem Wohngebiet nicht zulässig sind". Dieses neue Argument konnte der Presse auch gleich hörbar vorgeführt werden, in dem der Bauamtschef unter einer Leitung stehen blieb. Dort höre der Journalist ein "Summenton", den der Planugsfachmann mit „Nichts zu machen.“ kommentierte. Dabei blieb ungeklärt, ob diese angebliche Lämbelastung für das gesamt Areal zutrifft, also die Abgrenzung eines Wohnbereichs nicht möglich ist, und ob nicht eine Verlegung der Rohe unter die Erde, die höhere Grundstückspreise für die Wohnnutzung erlaubt, für Bremen sogar finanziell vorteilhaft wäre. Bei anderen Leitungen wie den umstrittenen Stromtrassen geht das zumindest.

Die Geschichte vom vermissten Supermarkt

Trotz aller positiven Veränderungen auf dem jetzt frei geräumten Gelände, vermisste der Bausenator jedoch in einem Vergleich mit der mehr geliebten Überseestadt etwas auf dem BWK-Gelände, das für ihn "ein bisschen so" ist, "wie die Überseestadt mal angefangen hat." Auch dort gab es, wie der Senator erklärte "zunächst viel freie Fläche. Auch dort hat es gedauert, bis das erste Restaurant, der erste Kulturbetrieb, der erste Supermarkt eröffnet wurden. Und auch dort kommt man der Weser nahe wie in Blumenthal".

Nur wird es auf dem BWK-Gelände sicherlich weiterhin die Nähe zur Weser geben, aber keinen Supermarkt, solange der von Herrn Lohse politisch zu verantwortendeBebauungsplans 1288 nicht geändert wird. Darin wird schließlich in der "Begründung" festgelegt. "In den Industrie- und Gewerbegebieten des Plangebietes sind Einzelhandelsbetriebe ausgeschlossen. Inhaltlich wird dazu auf die in der Nachbarschaft bestehenden Flächen im Blumenthal-Center und am Marktplatz verwiesen.

Über die Aussichten eines Supermarktes könnte sich der zuständige Bausenator daher in dem Text seiner Mitarbeiter folgendermaßen aufklären lassen: "Zur Sicherung dieses zentralen Versorgungsbereichs und aufgrund der bestehenden Einzelhandelsangebote in fußläufiger Nähe sollen in den Industrie- und Gewerbegebieten von untergeordneten Ausnahmen abgesehen keine Einzelhandelsbetriebe zugelassen werden. Diese Regelung entspricht der Zielsetzung des kommunalen Zentren- und Nahversorgungskonzept der Freien Hansestadt Bremen."

Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013


Hier irrt auch der OAL!

#105 von Reinhard , 10.04.2016 12:50

Hier irrt auch der OAL!

Offenbar kennen sich die verantwortlichen Bremer Planer und Politiker nicht mit dem aus, was sie aus dem Filetstück zwischen Wätjens Park, Weser und Alt Blumenthal wirklich machen wollen. Es scheint einfach zu abseits zu liegen, wenn jemand in der schmucken Bremer Altstadt sein Büro hat und nicht in sozial benachteiligten Wohnbieten leben.

Wenn man jedoch den gestrigen Artikel der Norddeutschen über die Sitzung des Blumenthaler Kulturausschusses liest, scheint dieses Unwissen nicht nur für die Entscheidungsträger zu gelten, die man aus der Sicht des Blumnenthaler Ortsamtes vermutlich gern als "Ortsfremde" bezeichnen würde.

Treffen die Zitate der Autorin zu, hat der Ortsamtsleiter erklärt, dass ein "Restaurant .. allerdings nicht für das BWK-Gelände vorgesehen" sei. Das hat er dann noch mit den Worten begründet, die seine eigene Beteiligung an dieser angeblichen Entscheidungen ausdrücken soll: „Wir wollten da keine großen Spielhallen oder ähnliches“.

Nur achtet der Bebauungsplan 1288 hier erheblich mehr auf eine geeignete Nutzung für die denkmalgeschützten Gebäude und die Aufenthaltsqualität an der Historischen Achse als ein Stadtteilmanager, der anderen gern Unkentnisse vorwirft.

Wer den etwas längeren Begründungstext mit seinen 41 Seiten oder einen der im Blog und hier im Forum bisher schon vorliegenden Diskussionsbeiträge liest, hat es nicht schwer, diese Behauptungen aus dem Munde des OAL als falsch zu erkennen. Das ist sogar ohne große Lesemühe möglich, wenn man denn das Konzept des Bauamtes für die merkwürdige Mischung von Industriegebiet und Kreativbereich nicht verstanden oder vergessen hat.

Hier hilft schnell eine Suchmaschine, die in der pdf-Datei des Bebauungsplans gleich dreimal den Begriff "Gastronomie" findet:

Dort heißt es unter der Überschrift "Ziele der Planung":

- ..."Erhaltung der bauhistorisch wertvollen und somit identitätsstiftenden Gebäude entlang der historischen Achse durch Nachnutzung mit gemischten Nutzungen (z.B. für klein-flächiges Gewerbe, Büronutzung, Gastronomie, kulturelle Zwecke, Dienstleistungen)(S. 4)

Unter "Zwecke und Erfordernis der Planaufstellung" wird auf Nutzungsmöglichkeiten gerade für die denkmalgeschützten Gebäude eingegangen

- "Die historischen Verwaltungs- und Produktionsgebäude haben ein Potenzial zur Nutzung als Büro- und Atelierfläche für z.B. Künstler, Designer, Ingenieure und Architekten oder auch für die Gastronomie." (S. 5)

Diese Aussagen zur Gastronmie werden in der Zusamemnfassung "Gewerbe- und Industriegebiete" erneut bestätigt:

- "Es ist eine Nutzungsmischung von z.B. produzierenden und verarbeitenden Gewerbebetrieben, Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen sowie auch von Gastronomie möglich." (S. 7)

Bei diesem Kenntnisstand der verantwortlichen Entscheidungsträger wird sich kaum jemand über eklatante Fehlplanungen in Bremen wundern, zumal über die fachliche Qualität der Planung noch gar nichts ausgesagt ist. Da wird sich niemand wundern, wenn sich ein ehrlicher und selbstkritischer Städtebauer in seinen Memoiren später einmal fragen wird, wie konnte ich das nur machen. Aber bisher ist Wendelin Seebacher für den verdichteten Städtebau in Tenever mit seinem als Buchtitel verwendeten Bekenntnis "...das tun wir nicht wieder" hierfür (noch) eine Ausnahme.


Reinhard  
Reinhard
Beiträge: 1.139
Registriert am: 24.01.2013

zuletzt bearbeitet 10.04.2016 | Top

   

Vorbilder für die Nutzung des BWK-Geländes?
Auf dem Weg zum BWK-Museum

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen