Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Bewegung

#61 von Reinhard , 01.10.2013 18:33

Bewegung

Durch den Antrag der Grünen kommt im Blumenthaler Beirat wieder Bewegung in die Behandlung des Bebauungsplans 1288, den einige offensichtlich gern möglichst still und heimlich durchwinken würden, damit seine Probleme nicht offen diskutiert werden.

Das gilt sowohl für die Nutzungskonflikte, die sich aufgrund der politische Vorgaben planerisch nicht lösen lassen, und die Auswirkungen auf die weitere Entwicklung Blumenthals als auch für die Beeinträchtigung des Wasserschutzgebietes, die in diesem Antrag angesprochen wird.

Jetzt werden sich die beiden großen Fraktionen im Blumenthal entscheiden müssen, ob ihnen die mehr als fragwürdige Industriestrategie mit oder ohne Kaje weiterhin über alles geht.

Oder sollten sie jetzt vielleicht sogar erkennen, dass bessere Informationen des Bauamtes gar nicht so überflüssig sind, wie es in der Ablehnung des hier erörterten Bürgerantrags erklärt wurde?

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. übrigens....

#62 von Lola , 01.10.2013 21:58

..die Smileys waren nur Ausdruck meiner Freude über die Einigkeit der Parteien.( siehe Beitrag Nr. 60)

Nun schauen wir mal wie es weitergeht in Blumenthal, ob es da bezüglich des B-Plan 1288 auch eine Einigkeit geben wird, denn die Blumenthaler haben wirklich besseres verdient.


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Blick über den Tellerrand

#63 von Reinhard , 29.10.2013 22:14

Blick über den Tellerrand

Probleme mit alten Industrieflächen und mit der Entwicklung sozial benachteiligter Stadtteile gibt es nicht nur in Blumenthal. Politik und Planung können darauf jedoch sehr unterschiedlich reagieren.

Das gilt beispielsweise für den Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, dessen Industrialisierung wie in Blumenthal mit der Gründung einer Wollkämmerei begonnen hat. Nur greift man dort nicht zur Ausweisung von Industrie- und Gewerbeflächen, sondern setzt völlig andere Akzente. Blumenthaler werden sich vermutlich sehr wundern, wenn sie sich einmal anschauen, was alles außerhalb der engen Bremer Politikwelt möglich ist.

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Hoffen auf Vergesslichkeit?

#64 von Reinhard , 08.11.2013 10:12

Hoffen auf Vergesslichkeit?

Wieder einmal wurde Blumenthal ein florierendes Wirtschaftsareal auf der Fläche der ehemaligen BWK versprochen. Das soll jetzt gelingen, „weil das Planungsrecht lange Zeit fehlte“.

Da passt es auch sehr schön ins Bild, wenn der Blumenthaler Beirat in seiner kommenden Sitzung, die der OAL bekanntlich aufgrund einer Wette mit Pappnase „moderieren“ will, anscheinend ohne Debatte rasch eine „Bestätigung des Beschlusses des Ausschusses für Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Umwelt vom 11. April 2013“ zum hier diskutierten Bebauungsplan für das BWK-Gelände durchwinken will, bevor er sich einem wichtigen Thema zuwendet, und zwar einer Veränderung des Auszahlungsrhythmus für die Sitzungsgelder.

Zwar soll jetzt angeblich wegen dieses Bebauungsplans an der Nicolaus-H-Schilling-Str. und umzu alles anders sein. Nur konnte auch bisher kein interessiertes Unternehmen namentlich genannt werden, dass an einem fehlenden B-Plan Anstoß genommen hätte und daher von einer Ansiedlung Abstand genommen hat.

Vielmehr wurde das Areal schon seit über einem Jahrzehnt intensiv beworben. Zunächst hat sich die noch aktive BWK auf Teilflächen, die sie nicht mehr benötigte, um Fremdfirmen bemüht. Anschließend hat Bremen sogar nach dem Ende der Kammzugproduktion mit eigenen Planungen gewartet, da der neue Eigentümer, der australische Finanzkonzern Elders, einen großen Industriebetrieb für das Gesamtareal präsentieren wollte. Aber dieses lange Warten hat bekanntlich nicht geholfen.

Da muss man schon fast verbissen an seinen starren Kurs einer Industrieansiedlung glauben, wenn man jetzt eine andere Entwicklung erwartet. Zumal gleichzeitig festgestellt wurde, dass im Gewerbegebiet Farge-Ost „niemand an einer wirklichen Weiterentwicklung des Areals interessiert sei“ und es dort „ausreichend Brachflächen gebe.“

In dieser Situation muss man sich fragen, warum der Blumenthaler Beirat wirklich ein weiteres Industrie- und Gewerbegebiet will, das aufgrund seiner falschen Konzipierung lange Zeit weitgehend Brachland bleiben wird.

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Menetekel

#65 von Reinhard , 12.11.2013 10:13

Menetekel

Manchmal treffen Ereignisse zufällig zusammen und verdeutlichen dadurch einen inneren Zusammenhang.

Das dürfte gestern der Fall gewesen sein, als der Blumenthaler Beirat dem Tagesordnungspunkt 8 b zugestimmt hat. Dabei handelt es sich um die „Bestätigung des Beschlusses des Ausschusses für Bau, Verkehr, Stadtentwicklung und Umwelt vom 11. April 2013 zum Bebauungsplan 1288“.

Mehr als dieser Termin lässt sich über diesen alten Beschluss nicht erfahren, da sich beim Ortsamt kein Protokoll einer Bauausschussitzung vom 11. April dieses Jahres abrufen lässt. Wenn man nach sich an den veröffentlichten Daten orientiert, hat an diesem Tag nicht einmal eine Sitzung stattgefunden.

Auch ein Blick auf die vorliegende Begründung zum B-Plan 1288 kann hier nicht aufklären, da sie als Bearbeitungsstand den 8. Mai 2013 nennt.

Offenbar wurde hier also hinter verschlossenen Türen etwas abgesegnet, von dem die Öffentlichkeit nicht einmal wissen soll, worum es sich handelt.

Die besondere Form der Bremer und Blumenthaler Bürgerinformation war jedoch gestern nicht das nationale Nachrichtenthema, sondern ein geplanter Abbau der „Überförderung“ der Windkraft. Das wird zwangsläufig nicht ohne Rückwirkungen auf die Hersteller von Windkraftanlagen bleiben. So ist der Kurs des Herstellers Nordex gleich um 16,4 % gefallen.

Und auch Blumenthal ist davon betroffen, zumindest wenn man den Befürwortern der Beiratsentscheidung glaubt. Als Offshore-Anlagen noch eine politische Mode darstellten und Bremen eine Förderung auf der Luneplate in Bremerhaven beschloss, sahen SPD-Politiker vom wirtschaftspolitischen Fraktionssprecher über den Nordbremer Vorsitzenden bis hin zum Blumenthaler Ortsamtsleiter im BWK-Gelände in Blumenthal einen weiteren wichtigen Standort für die Windkraftindustrie.

Man sah hier Stärken des Standortes, „der für diese industrielle Nutzung hervorragend geeignet ist“ und warf der politischen Konkurrenz gleich Ideenlosigkeit vor, da sie die Chancen nicht gesehen hätte, mit dem „Fokus auf der Windenergiebranche“ auf dem BWK-Gelände „zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen“.

Damit hat man sich offenbar geirrt. Offen bleibt nur, wann die Bremer Wirtschaftsförderung daraus die Konsequenzen zieht und erkennt, dass man zwar mit Steuergeldern Industrieflächen aufkaufen kann, aber damit noch keine zukunftssicheren Arbeitsplätze geschaffen hat.

Vermutlich wird jedoch am kommenden Freitag der Bürgermeister nicht auf nebensächliche wirtschaftliche Entwicklungen eingehen oder einzelne Meldungen gar als Menetekel sehen, sondern die großartigen Leistungen der Bremer Wirtschaftsförderung schildern, durch die Blumenthal dank einer Industriebrache auf dem BWK-Gelände eine blühende Zukunft erleben wird. Schließlich kann man nicht erwarten, dass diese Spatenstichreden immer wieder umgeschrieben werden.

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Feiertag einer großen Koalition

#66 von Reinhard , 15.11.2013 21:31

Feiertag einer großen Koalition

Heute klopft sich die große Blumenthaler Koalition auf die Schultern. Sie feiert den „ersten Spatenstich für die Erweiterung der Erschließung im Gewerbegebiet BWK.“ Ein etwas merkwürdiger Anlass, wenn man bereits vorher auf dem Gelände an verschiedenen Stellen gearbeitet und sogar – wohl in ökologischem Tatendrang – einige Bäume gepflanzt hat.

Aber Symbolik stand sicherlich auf der politischen Tagesordnung, nachdem die Stadt das Grundstück aus Gründen der Strukturverbesserung vor einem Jahrzehnt erworben hatte.

Jetzt verspricht hier ein Politiker „Arbeitspläzte zu schaffen“, statt einen „Blick auf grüne Wiesen“ zu werfen, der kurz vor seinem Amtsantritt, also vor gut drei Jahren im BLV festgestellt hatte: „Ich wüsste nicht, welcher Industriebetrieb kommen will... Ein Umzug innerhalb von Bremen Nord würde keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen. Was dann bleibt, ist … eine kleinteilige Entwicklung mit Büros und kleinem Gewerbe, natürlich auch Wohnungen.“

Auf einem derartigen Filetstück zwischen Park Aue und Weser dürfte es weniger um einen Blick auf „grüne Wiesen“, sondern um eine subventionierte Industriebrache gehen, die noch über Jahre die Entwicklung Blumenthals bremst.

Aber auf der Titanic soll man auch sehr lange gefeuert und getanzt haben…


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Ohne Bürgermeister

#67 von Reinhard , 15.11.2013 22:09

Ohne Bürgermeister

Die Wirtschaftsförderungsexperten, die heute „Glauben“ gefordert haben, damit das BWK-Gelände keine langjährige Industriebrache bleibt, mussten auf den angeblich angekündigten Bremer Bürgermeister verzichten. So blieben anscheinend die ganz Unbeirrten unter sich. Wollte der Bürgermeister etwa nicht zu diesem Kreis gezählt werden?

Oder hat er in anderen Städten alte Industrieflächen gesehen, aus denen mehr gemacht wurde als ein Gemisch von „alt“ und „neu“ mit viel Logistik, die kaum Arbeitsplätze pro Fläche bringt, und für die man jahrzehntelang auf einen Kick hofft?

Und hier kann man den feierlichen Akt mit den denkwürdigen Worten des Glaubens nacherleben:


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RE: ..wie war denn die Meinung im Jahr 2010..

#68 von Lola , 16.11.2013 08:25

http://www.das-blv.de/elkat/100505/index.php


Ich sehe es so, dass seine damalige und durchaus kritische Meinung zur BWK-Bebauung aus der Sichtweise des Bürgers geäußert wurde.

(auf Seite 3 - Gericht entschied für Nowack)


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Publikumsbeschimpfung?

#69 von Reinhard , 16.11.2013 18:00

Publikumsbeschimpfung?

Für ein Jubelfest, das am Anfang einer besseren Entwicklung für Blumenthal steht, wurde gestern wenig Aufbruchstimmung vermittelt. Eher konnte man schon bereits vorab eine Suche nach Sündenböcken feststellen, wenn nicht alles so laufen wird, wie es angekündigt und versprochen wurde.

Schuld sollen dann die Blumenthaler selbst sein, da sie teilweise den „Kopf unter dem Arm tragen“ und nicht „mit dem Abitur geboren“ werden. Das ist schon harter Tobak, wenn derartige Beurteilungen von einem ehemaligen PR-Berater und einem Gewerkschaftsvertreter erhoben werden.

Zum Glück war das Publikum, dem man einen mangelnden Intellekt ankreidete, um dieses Projekt in seiner ganzen Größe zu erkennen, kaum vertreten.

Ohnehin dürfte vielen, die nicht über die Weitsicht der Bremer Industriepolitiker verfügen, unklar sein, welcher Zusammenhang zwischen einer Industrieansiedlungspolitik und dem Wunsch besteht, möglichst die Zeit vor dem Untergang der BWK wieder auferstehen zu lassen. Das müssten doch eigentlich treue Weggenossen sein.

Und wie steht es mit der Entscheidung der Politiker über die Nutzung des BWK-Geländes? Hat nicht Bremen selbst für diese verengte Planung gesorgt, als man eine nicht-industrielle Nutzung von Anfang an nicht einmal als reale Chance für Blumenthal geprüft hat? Wie kann man da jetzt andere für mangelhafte Begeisterung oder ein mögliches Scheitern eines vermutlich verfehlten Konzepts verantwortlich machen, das die Wirtschaftssenatoren der CDU und SPD zumindest seit der Jahrtausendwende durchgeboxt haben?

Sie haben schließlich bis heute verhindert, dass die Öffentlichkeit ihren Kopf benutzen konnte, um sachgerecht zwischen verschiedenen Optionen zu wählen, also etwa einem Industriegebiet, einem Wohn- und Gewerbepark, wie man ihn beispielsweise auf dem Nordwolle-Areal in Delmenhorst findet, oder dem jetzt vorgesehenen Kompromiss mit seinen vielfältigen Nutzungskonflikten und ohne einen Blickfang oder ein Identifikationsobjekt.

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Sandkastenspiele

#70 von Reinhard , 18.11.2013 16:23

Sandkastenspiele

Bei „Sandkastenspielen“, wie der Weser-Kurier den Spatenstich vor der Fliegerhalle auf dem BWK-Gelände nennt, muss man sicherlich besondere Beurteilungskriterien anlegen. So wird kein Realist in diesen Fällen die Exaktheit eines peniblen Buchhalters oder eines empirischen Forschers erwarten. Naheliegend sind eher kindliche Übertreibungen und Erzählungen, in denen die Guten und die Bösen herausgestellt werden, ohne dass es als Lüge empfunden wird, wenn die Bösen gleich noch „mit Bockfuß, Ziegenbart, Flügeln und einem Schwanz“ beschrieben werden.

Es muss daher nicht überraschen, wenn hier aus einem Teilschritt während der bisherigen Erschließungsarbeiten seit 2003/4 ein feierlicher symbolischer „erster“ Spatenstich wird, dem spätestens im Frühjahr der nächste symbolische erste Spatenstich folgen soll.

Auch bei den angeblichen Plänen der „Bösen“ musste man sich fast zwangsläufig im vorgegeben Rahmen bewegen. Und da lassen sich Wiesen durch etwas Gras auf einzelnen Sandflächen sehr schön darstellen. Nur wie sollte man dort ein Wasserschutzgebiet kennzeichnen?

Deshalb wird sicherlich jeder Zuhörer Verständnis dafür habe, wenn die angeblichen Gegner des Projektes nicht für den Schutz des Trinkwassers eintreten, sondern einen Blick auf Wiesen fordern.

Ein bisschen Freiheit und Fantasie muss schließlich sein, wenn man sich schon bei den Nutzungsmöglichkeiten frühzeitig enge Grenzen gesetzt hat.

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Zugzwang

#71 von Reinhard , 21.11.2013 15:24

Zugzwang

Offenbar ist auch dem Blumenthaler Ortsamtsleiter und den SPD-Beiratsmitgliedern nicht verborgen geblieben, dass beim symbolischen Spatenstich auf dem BWK-Gelände nicht so sehr eine leuchtende Zukunft Blumenthals zu erkennen war, sondern eigentlich nur die Schuhe der beiden Erdarbeiter geglänzt haben, wie sich auf dem offiziellen Foto dieses Ereignisses zweifelsfrei feststellen lässt.

Sie haben sich jedenfalls offenbar anschließend zusammengesetzt und rasch einen Antrag für die Dezember-Sitzung des Beirats formuliert, auf den das BLV unter der Überschrift „Kultur-Treffpunkt statt Symbolpolitik“ aufmerksam macht. Darin geht es um einen „Kultur-Treffpunkt“ im ehemaligen Sortiergebäude der Bremer Wollkämmerei AG, wo die Sozialdemokraten eine „dauerhafte Heimat“ für das ehrenamtlich geführte Kämmereimuseum sowie Platz für Ateliers, für Theater und Musik sowie die Stadtbibliothek finden wollen, die dort mit dem Kämmereimuseum einen außerschulischen Lernort errichten soll.

Das ist sicherlich eine Einrichtung, die ein Stadtteil von der Größe Blumenthals dringend braucht. Interessant sind jedoch einige Teilaspekte dieses Antrags, die möglicherweise einen Blick in die tatsächliche psychologische Befindlichkeit der Antragsteller erlauben.

Offenbar haben auch sie inzwischen festgestellt, dass es mit dem BWK-Gelände nicht gerade rund läuft. Daher könnte dieser Vorstoß jetzt vor allem die Situation der Front der Fans des Konzepts unter Zugzwang bringen, das eine benachbarte Mischung von Kunst und qualmende Industrie vorsieht. Nachdem Bremen vor einem Jahrzehnt bereits den größten Teil des Areal gekauft hat, um dort angeblich rasch vor allem für un- und angelernte Arbeitskräfte Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, darf man jetzt sicherlich erwarten, dass endlich geliefert wird und auch das Konzept der Nutzungsmischung aufgeht.

Gerade das will die SPD offenbar den Bremer Entscheidungsträgern abverlangen, indem sie mit einem eigenen Engagement ein klares Bekenntnis zu ihren immer wieder bekräftigten verbalen Beteuerungen ablegen. Auch das ist sicherlich ein geschickter Zug, wenn man an die intellektuellen Legitimationszwänge denkt, unter denen die Verfechter des B-Plans 1288 stehen, auch wenn sie in den politischen Gremien bisher noch satte Mehrheiten erhalten. Auf diese Absicht weist in dem SPD-Antrag eine freundliche Empfehlung hin: „Das Erleben dieses Gebäudes führt dazu, dass die Bewohner Blumenthals und der Region die historische Architektur und die neuzeitliche Entwicklung der BWK wahrnehmen können und die historische Achse belebt wird.“

Aber damit nicht genug. Auch der Bürgermeister, der beim symbolischen Spatenstich und damit einem erneuten klaren Bekenntnis zum Projekt vermisst wurde, bekommt eine Arbeit, durch die er seine Loyalität gegenüber dem B-Plan 1288 unter Beweis stellen kann. An ihn wird sogar die eigentliche Aufforderung gerichtet, „einen Wettbewerb auszuschreiben, in dem Ideen für die Gestaltung und Nutzung des Gebäudes entwickelt werden sollen.“

Und auch das ist noch nicht alles. Dieser Wettbewerb soll sogar noch über das in Bremen Übliche hinausgehen und sich sogar auf „die Finanzierung von Umbaumaßnahmen und den Betrieb des Treffpunktes“ beziehen.

Da wird Bremen jetzt also Farbe bekennen müssen.

Oder will die Blumenthaler Beiratsfraktion damit sogar einen Schwenk vorbereiten; denn einen Kultur-Treffpunkt findet man in „normalen“ Städten und Stadtteilen im Zentrum und nicht in einem Industrie- und Gewerbegebiet?

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Dankbarkeit wofür?

#72 von Reinhard , 23.11.2013 15:51

Dankbarkeit wofür?

Um den feierlichen Rahmen eines symbolischen Spatenstiches nicht zu stören, wurde fast zwangsläufig auf die Darstellung von Argumenten verzichtet und die Entscheidiung auf eine Wahl zwischen „Arbeitsplätzen“ und „grüner Wiese“ reduziert. Eine derartige Formel, die man nicht einmal als grobe Vereinfachung bezeichnen kann, setzt sicherlich die Macht über die Mikrophone voraus, da sie in einem Diskussionskreis kaum unwidersprochen bliebe.

Zu diesem fundamentalen Votum für die „gute“ Lösung, passt ein moralischer Appell an die Dankbarkeit der Blumenthaler gegenüber Bremen, das angeblich „viel Geld in das Projekt gesteckt“ hat.

Auch hier scheinen es die Projekt-Fans bei ihrer sprachlichen Formulierung nicht so genau genommen zu haben, da „rund zwölf Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung investiert“ werden, „um nach dem Ende der BWK die Voraussetzungen für die Ansiedlung weiterer Unternehmen auf dem Gelände zu schaffen.“

Hier will ein Senator also nicht, wie es sonst üblich ist, Dank für eine Umverteilung aus den Taschen der lokalen Steuerzahler erhalten, sondern sogar für Mittel aller europäischen Steuerzahler.

Bedenklicher als dieser trotzdem gewünschte Dank ist jedoch das Projekt selbst, für das auf diese Weise eine Unterstützung eingefordert wird.

Wenn man nach den von der Bremer Wirtschaftsbehörde selbst veröffentlichen Zahlen geht, sollten jedenfalls alle Warnlichter eingeschaltete werden. Der Grund ist einfach: Die aktuelle Arbeitsplatzerwartung von „langfristig möglichen“ 1.000 Arbeitsplätzen liegt deutlich unter dem Wert eines 2002 ermittelten Worst Case-Szenarios. Damals sollte noch für 1.050 im ungünstigsten Fall eine „Wirtschaftlichkeit“ des Ankaufs der BWK-Fläche bestehen. Der erwartete Wert ist also schlechter als dieser „schlechteste Fall“.

Damit rechnen jetzt offenbar nicht einmal mehr die Vertreter der Wirtschaftsbehörde mit einer ökonomisch sinnvollen Planung, wobei sich die nicht veröffentliche Kalkulation ohnehin nicht überprüfen lässt.

Es scheint sich auf dem BWK-Gelände also weniger um eine Entscheidung zwischen „Arbeitsplätzen“ und „grüner Wiese“ zu handeln als um die zwischen finanziellen Verlusten und einer Industreibrache auf der einen oder einer alternativen Nutzung, die wie ein Wohn- und Gewerbepark tatsächlich Impulse für Blumenthal auslösen kann, auf der anderen Seite.

Offenbar sucht man jetzt also dankbare Sündenböcke, die einen Teil der sich abzeichnenden Fehlentscheidung tragen helfen.

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Ein Blick hinter "Freitagsreden"

#73 von Reinhard , 24.11.2013 15:40

Ein Blick hinter "Freitagsreden"

Wenn man nicht leichtgläubig und wohl auch naiv der These von einer Wahl zwischen "Arbeitsplätzen" und "Grüner Wiese" folgt, wie sie anlässlich des symbolischen Spatenstichs vorgetragen wurde, kann man zu ganz anderen Ergebnissen gelangen. Dabei gibt es sogar eine kleine Zugabe: Die Informationen lassen sich belegen und stellen beide Positionen dar, sie versuchen also dass, wozu sich eine Blumenthaler Behörde, die alle Blumenthalerinnen und Blumenthaler zu vertreten hat, offenbar nicht durchringen kann.

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Bremische Stadtentwicklungspolitik

#74 von Reinhard , 29.11.2013 10:50

Bremische Stadtentwicklungspolitik

Wenn eine Stadt ein Entwicklungskonzept verwirklichen will, steht sie üblicherweise vor der Schwierigkeit, dass sie nur innerhalb eines begrenzten Rahmens Entscheidungen fällen kann, die zu gewünschten Änderungen führen. Die Stadtstruktur liegt in der Form der vorhandenen Gebäude und Straßen bereits fest und die einzelnen Einwohner wollen sich nicht unbedingt vorschreiben lassen, wo sie wohnen und arbeiten sollen, damit ein Leitbild Realität wird.

Wenn also eine Stadt wie Bremen bis zum Jahre 2020 „den Abstand zwischen den zehn ärmsten und den zehn reichsten Stadtteilen verringern" will, wird das nicht durch Appelle gelingen, mit denen wohlhabende Haushalte dazu bewegt werden, aus einem bürgerlichen Stadtquartier in ein WiN-Gebiet umzuziehen.

Aber es gibt auch Entscheidungen, durch die eine Bau- und Umweltbehörde tatsäclich etwas bewegen kann. Diese Möglichkeiten demonstriert gegenwärtig Hamburg mit dem Umzug der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) aus der Innenstadt in den benachteiligten Stadtteil Wilhlemsburg.

Dort hat man also eine Chance für einen Stadtumbau gesehen und genutzt.

Ein Blick auf Bremen zeigt, dass es hier diese Möglichkeit ebenfalls gegeben hat; denn, wie der Weser-Kurier berichtet, muss der Senator für Bau, Umwelt und Verkehr seinen bisherigen Sitz im Lloydhof am Ansgarikirchhof verlassen, weil dort in den nächsten Jahren ein Einkaufszentrum entsteht.

In der Weserstadt wurde allerdings eine andere Entscheidung als in Hamburg getroffen, und zwar zugunsten einer weiteren Konzentration der Arbeitsplätze auf das Zentrum mit allen Folgen für die dortige Verkehrssituation.

Während also denkmalgeschützte Gebäude auf dem BWK-Gelände mit öffentlichen Mitteln vor dem Verfall gerettet werden, aber leer stehen, mietet die für die Stadtentwicklung zuständige Behörde Büroflächen am Bahnhof.

Hätte man in das eigene Leitbild für Bremen umsetzen wollen, hätte man in Blumenthal sogar gleichzeitig soziale Disparitäten abbauen, kostenträchtige Leerstände beseitigen und einem Stadtteil im Norden wichtige Impulse geben können.

Hier werden ja wohl nicht die Industrie- und Gewerbeflächen den Mitarbeitern der Bau- und Umweltbehörde die Lust auf Blumenthal genommen haben.

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RE: Bremische Stadtentwicklungspolitik

#75 von Lola , 29.11.2013 19:22

http://www.bauumwelt.bremen.de/detail.ph...en213.c.3539.de
Zitat
Projektliste
Neues Hulsberg-Viertel
Lagepaln des Neuen Hulsbergviertels
Lageplan: Architekt Lorenzen

In der Östlichen Vorstadt auf dem heutigen Grundstück des Klinikums Bremen-Mitte wird durch den Umbau des Klinikums Anfang 2016 eine knapp 14 ha große Fläche frei. Diese Fläche soll zu einem neuen städtischen Quartier umgebaut werden. Zurzeit ist das Verfahren, was möglicherweise über zehn Jahren laufen wird, in der Planungsphase. Nachdem von April 2011 bis Juni 2012 in einem breit angelegtem Bürgerbeteiligungsverfahren Ideen, Wünsche und Forderungen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft erarbeitet und dokumentiert wurden, waren in der zweiten Jahreshälfte 2012 drei Planungsteams am Zuge: In einem Gutachterverfahren erarbeiteten sie städtebauliche Entwürfe für das Neue Hulsberg-Viertel. Eine hochkarätig besetzte Jury empfahl in ihrer Sitzung am 12. Januar 2013, dass der Entwurf des Teams Carsten Lorenzen Architekten/relais Landschaftsarchitekten/ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung weiterbearbeitet werden sollte.
Zitat Ende

Das ist schon erstaunlich : . "Nachdem von April 2011 bis Juni 2012 in einem breit angelegtem Bürgerbeteiligungsverfahren Ideen, Wünsche und Forderungen gemeinsam mit der Zivilgesellschaft erarbeitet und dokumentiert wurden, waren in der zweiten Jahreshälfte 2012 drei Planungsteams am Zuge"

Jetzt kann man natürlich rätseln warum den Bürgern für den B-Plan 1288 BWK-Gelände nur eine Frist von 1 Monat eingeräumt wurde um Ideen, Wünsche oder auch Forderungen einzubringen.
War man vielleicht in Eile?
Stand man unter Zeitdruck?
Oder wollte man eigentlich gar keine Bürgerbeteiligung?


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Vorbilder für die Nutzung des BWK-Geländes?
Auf dem Weg zum BWK-Museum

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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