Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Das Beispiel Lackierzentrum Nord

#31 von Reinhard , 05.08.2013 16:20

Das Beispiel Lackierzentrum Nord

Gestern hat der Weser Report einen ausführlichen Artikel zur Eröffnung des Lackierzentrums Nord auf dem ehemaligen BWK-Gelände gebracht. Unter dem Titel “BWK-Gelände bekommt Farbe“ konnte der Leser ein Foto der modernen Halle sehen und sich über die Erfolge dieses Betriebes informieren. Dabei fehlen auch nicht die Erfolgswünsche der Kunden und Auftragnehmer des Lackierzentrums, die zu dessen Start an der Straße Marschgehren beigetragen haben.

Das sieht zunächst nach einem schnellen Erfolg für das Industrie- und Gewerbegebiet auf dem BWK-Gelände aus. Schaut man näher hin, können jedoch Zweifel kommen. So handelt es sich in diesem Fall um eine Betriebsverlagerung von einer Straße zur nächsten Nachbarstraße oder konkret von der Adresse „Zur Westpier 42“ zur neuen Anschrift „Marschgehren 7“. Das sind nach dem entsprechenden Berechnungsprogramm von google gerade 1,1 km.

In dem Artikel, der die guten Perspektiven des Lackierzentrums herausstellt, fehlen Hinweise auf neue Arbeitsplätze. Es waren und sind 12 Mitarbeiter. Von zusätzlichen Arbeitsplätzen für Blumenthal kann also kaum die Rede sein.

Aber wie sieht es mit Impulsen für moderne Dienstleistungsbetriebe aus, mit denen das Lackierzentrum zusammenarbeitet und die man üblicherweise in Städten und weniger auf dem platten Land findet. In diesem Fall stammen Grüße von einem FinanzService aus Schwanewede und einer Steuerberaterin aus Ritterhude.

Hintergrund dafür kann es sein, dass der Geschäftsführer laut Bundesanzeiger in Ritterhude-Stendorf wohnt.

Sind das etwa die ersten sichtbaren Folgen eines „modernen“ Gewerbegebietes in Blumenthal? Arbeitsplätze werden in Bremen um einige hundert Meter verlagert und die dort verdienten besonders guten Einkommen werden vor allem in den Umlandgemeinden ausgegeben und versteuert.

Aber glücklicherweise konnte wenigstens der Geschäftsführer auf dem BWK-Gelände noch keine Geruchsbelästigung feststellen, wie der Weser Report authentisch mit den Worten „Ich konnte noch nichts riechen“ berichtet.

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BWK-Gelände und Blumenthals Zukunft

#32 von Reinhard , 08.08.2013 10:55

BWK-Gelände und Blumenthals Zukunft

Zur kommenden Beiratssitzung am Montag liegt jetzt ein Bürgerantrag vor, der unter dem Titel „BWK-Gelände und Blumenthals Zukunft“ nach Untersuchungen der Baubehörde im Vorfeld der Erstellung des B-Plans 1288 fragt. So möchte die Antragstellerin erfahren, welche potenziellen Auswirkungen verschiedene Nutzungskonzepte auf Einwohner, Arbeitsplätze, Kaufkraft, Gebäude und Verkehr in Blumenthal haben werden.

Dabei geht es nicht zuletzt um die wesentlichen Auswirkungen des vorgesehenen Kompromissversuches zwischen Industriegebiet und Denkmalschutz, auf die anders als der § 2a BBauG fordert, in der Begründung des B-Plan 1288 nur sehr am Rande eingegangen wird.

Eine besondere Aktualität erhält dieser Bürgerantrag nicht nur durch das laufende Verfahren zum Bebauungsplan, sondern auch durch die Diskussion einer Lärmbelastung durch Güter- bzw. Lkw-Transporte in Blumenthal und die Leerstände von Gewerbeflächen im alten Blumenthaler Zentrum, so vor allem an der Mühlenstraße. Das sind Themen, die ebenfalls auf der Tagesordnung der Beiratssitzung stehen und einen unmittelbaren Bezug zum Bebauungsplan 1288 besitzen.

Daher wird in dem jetzt vom Ortsamt veröffentlichten Antrag auch ganz konkret nach weiteren Verkehrsbelastungen und Leerständen gefragt, die bei einer Realisierung des B-Plans 1288 in der vorliegenden Fassung erwartet werden müssen.

Allerdings beschränkt sich die Antragstellerin nicht nur auf die wahrscheinlichen Auswirkungen eines vorgesehenen Industrie- und Gewerbegebietes auf dem ehemaligen BWK-Gelände, sondern erkundigt sich auch gezielt nach den Entwicklungschancen für Blumenthal, wenn man stattdessen einen Wohn- und Gewerbepark vorsehen würde, wie das bei ähnlichen Industriebrachen in Augsburg, Delmenhorst und Hannover sehr erfolgreich geschehen ist.

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Heißes Eis

#33 von Reinhard , 09.08.2013 17:14

Heißes Eis

Die Planer des Bauamtes Bremen-Nord wollen, wie sie in einem Schreiben vom 2. August mitgeteilt haben, die hier angesprochene Stellungnahme „in die weiteren Planungen einbeziehen.“

Das wird nicht ganz einfach sein, da die Stellungnahme vor allem die Nutzungskonflikte herausstellt, die der Bebauungsplan zu überspielen versucht, da er sich als Kompromiss darstellen will, der den erklärten Wünschen der Bremer Wirtschaft und der Bremer Parteien von der CDU bis hin zu den Grünen entgegenkommt. Er will also – etwas überspitzt ausgedrückt – eine gehobene Gartenwirtschaft neben einer Sondermüllverbrennungsanlage oder Lackiererei realisieren oder im Städtebau ein Phänomen wie heißes Eis auf engstem Raum anbieten.

Dieser Versuch ist nicht nur im Extrem illusorisch. Das belegt die in anderen Postings bereits zitierte aktuelle Hamburger Studie zum Standortverhalten von Unternehmen. Dabei wurde u.a. die Frage gestellt: Was kommt für Ihr Unternehmen bei der Wahl eines neuen Betriebsstandorts nicht in Frage?

Unter den Unternehmen aus dem Produzierenden Gewerbe gab es dabei ein deutliches Ergebnis. Mit Abstand wollte kaum jemand die Kombination „Gute Lage, aber Einschränkungen der Bebaubarkeit (z. B. sensible Umfeldnutzungen)“. Auflagen, wie sie auch der B-Plan 1288 vorsieht, um seine „grünen“ Komponenten nicht völlig in einem Industrie- und Gewerbegebiet verschwinden zu sehen, wurden damit sogar deutlich negativer bewertet als hohe Grundstückspreise. Über 55 % der befragten Unternehmen lehnten jedenfalls einen derartigen Standort ab (S. 109).

Das ist ein Ergebnis, das auch Auswirkungen auf die Vermarktung der Gewerbegrundstücke auf dem BWK-Gelände und damit die weitere Entwicklung Blumenthals haben dürfte, wenn man nicht noch rechtzeitig den hier vorgesehenen faulen Kompromiss zu Fall bringt. Hier ist jedenfalls mit einem schleppenden Abverkauf der Grundstücke und weiter sinkenden Grundstückspreisen und Leerständen im alten Blumenthaler Zentrum zu rechnen.

Das wird die Bürgerin, die diese Fragen in ihrer Stellungsnahme angesprochen hat, dank der bekanntlich bürgerfreundlichen Bremer Verwaltung allerdings nur unter großen Mühen nachvollziehen können. Das Bauamt Bremen-Nord weigert sich jedenfalls, ihr das Ergebnis der Prüfung ihrer Stellungsnahme mitzuteilen. Stattdessen soll sie die Amtlichen Mitteilungen in der Lokalpresse täglich studieren, um zu lesen, wann und wo der nächste Entwurf eines B-Plans ausgelegt wird, um dann dort zu prüfen, ob die Planer tatsächlich ihre Anregungen und Bedenken berücksichtigt haben oder nicht.

Vermutlich wird sie dann nichts mehr von dem spannenden heißen Eis des Planungskompromisses finden, sondern nur noch langweiliges Wasser, das hoffentlich wenigstens nicht kontaminiert ist wie in anderen Teilen Blumenthals.

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Was ich nicht weiß, …

#34 von Reinhard , 13.08.2013 10:42

Was ich nicht weiß, …

In der Beiratssitzung gestern Abend haben einige – oder waren es zahlreiche ? – Beiratsmitglieder ihr Desinteresse am Antrag
„BWK-Gelände und Blumenthals Zukunft“ deutlich bekundet. Das wird dafür sorgen, dass dieser von Ihnen offensichtlich unerwünschte Text demnächst von der Seite des Ortsamtes verschwindet oder sich dort zumindest nicht mehr auffinden lässt.

Das könnte bedeuten, dass dann niemand mehr erfahren kann, was diese Beiräte an dem Antrag gestört hat. Der immer wieder von einem Beiratsmitglied vorgetragene Vorwurf, dass es sich um alte Kamellen handelt, was er auch bereits von einigen Fragen zum Tanklager Farge behauptet hat, dürfte zumindest in diesem Fall ganz und gar nicht zutreffen, denn die Fragen bezogen sich auf den Bebauungsplan 1288. Für den liegt, wenn man den Angaben der Bremer Bauverwaltung vertrauen darf, erst ein Aufstellungsbeschluss vom 10. Mai 2012 vor, was zur Ausarbeitung, der ersten Einwohnerversammlung und der Auslegung ab dem 25. Juni dieses Jahres geführt hat. Der Bürgerantrag erfolgte also in der Sprache der Juristen unverzüglich.

Die Fragen des Antrags waren also brandaktuell, da sie sich weder früher stellen ließen noch beantwortet werden konnten, weil es damals noch gar keinen B-Plan 1288 gab.

Das Zeitargument scheint damit nicht zuzutreffen. Was kann dann dazu geführt haben, dass man diese Fragen und Antworten nicht wollte?

Dazu hier zunächst einmal die Einleitung des Antrags, die auf die Bedeutung der Entscheidung für die weitere Entwicklung Blumenthals hinweist und mögliche Alternativen aufführt:

"BWK-Gelände und Blumenthals Zukunft

Die potenziellen Auswirkungen verschiedener Nutzungskonzepte auf Einwohner, Arbeitsplätze, Kaufkraft, Gebäude und Verkehr in Blumenthal


Sehr geehrte Damen und Herren im Beirat,

mit dem Bebauungsplan 1288 werden voraussichtlich entscheidende Weichen für die Entwicklung des Bremer Orts- und Stadtteils Blumenthal in den nächsten Jahrzehnten gestellt. Wegen dieser erheblichen städtebaulichen Bedeutung sollten die Entscheidungen auf einer ausreichenden Informationsbasis getroffen werden, damit nicht später von voraussehbaren unbeabsichtigten Fehlplanungen gesprochen werden muss.

Eine wichtige Voraussetzung für eine rationale Entscheidung ist die Prüfung verschiedener Handlungsoptionen im Hinblick auf ihre erwartbaren Auswirkungen. Neben dem im B-Plan 1288 angestrebten Kompromiss von Industriegebiet und Denkmalschutz ist vor allem ein Vergleich mit einer Nutzung interessant, wie sie für ehemalige Wollkämmereiflächen in Hannover-Döhren und Delmenhorst bzw. für das Textilviertel in Augsburg realisiert wurde. Dort haben die Politiker und Planer vorrangig auf eine Nutzung durch Wohnungen und diverse Dienstleistungseinrichtungen gesetzt. Eine weitere Option für das BWK-Gelände wäre ein Industriegebiet, das sich auf eine Weserkaje hin orientiert."

Haben vielleicht die Beiräte mit einer negativen Haltung gegenüber dem Bürgerantrag nur diese Zeilen gelesen, die den Antrag in einen größeren Rahmen einordnen, und dabei völlig übersehen, dass es konkret um den Bebauungsplan 1288 und nichts anderes geht?

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RE: Was ich nicht weiß, …

#35 von Reinhard , 14.08.2013 10:37

Nachdem die unerwünschten Fragen nicht mehr auf der Internetseite des Ortsamtes zu finden sind, haben sie vermutlich einen ganz besonderen Reiz gewonnen, wie wir aus unserer Kindheit wissen. Man – das ist in diesem Fall die Beiratsmehrheit – möchte sie nicht gestellt und nicht beantwortet haben. Die Fragen sind also möglicherweise wie damals den Eltern und anderen Erwachsenen unbequem. Das heißt aber nicht, wie uns unser späteres Leben gezeigt hat, dass sie tatsächlich unwichtig sind. Möglicherweise trifft sogar das Gegenteil zu.

Das kann auch für den ersten Teil der „gelöschten“ Fragen gelten. Darin heißt es :

„Der Beirat möge daher Antworten der Bremer Bauverwaltung auf folgende Fragen einholen:

1. Zukünftige Entwicklung Blumenthals und seiner benachbarten Ortsteile

Hat die Bauverwaltung die voraussichtlichen Auswirkungen verschiedener Nutzungen auf dem BWK-Gelände im Hinblick auf die Einwohner- und Kaufkraftentwicklung im Ortsteil Blumenthal und in den angrenzenden Ortsteilen geprüft? Wurde dabei auch ein Mischgebiet mit Wohnungen und Dienstleistungsangeboten als Alternative zum B-Plan 1288 untersucht?

Wenn ja, zu welchen Ergebnissen ist man gelangt; wenn nein, warum hat man eine derartige Vergleichsuntersuchung unterlassen?“


An Antworten auf diese Fragen ist die Mehrheit der Blumenthaler Beiratsmitglieder nicht interessiert, obwohl sie gewählt wurde, um sich für eine positive Entwicklung ihres Orts- und Stadtteils einzusetzen.

Einerseits beklagt sie jedoch den Niedergang Blumenthals und das praktisch nicht mehr funktionsfähige Ortszentrum; anderseits will sie nicht erfahren, was im Detail der Bebauungsplan 1288 voraussichtlich für die weitere Einwohner- und Kaufkraftentwicklung bedeutet und wie sich möglicherweise Änderungen vorteilhaft auswirken können.

Aber kann man ohne derartige Zahlen und Fakten verantwortungsvoll über Blumenthal entscheiden?

Ein Haltung, wie die der legendären Affen, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, bringt Blumenthal sicherlich voran.


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RE: Was ich nicht weiß, …

#36 von Reinhard , 15.08.2013 17:22

Die unterschiedlichen Auswirkungen verschiedener Nutzungskonzepte lassen sich besonders gut an der voraussichtlichen Zukunft des alten Blumenthaler Zentrums verfolgen. Gerade hier würde man harte Zahlen benötigen, um feststellen zu können, ob es bei einem Industrie- und Gewerbegebiet auf dem ehemaligen BWK-Gelände nicht sinnlos ist, den Geschäftsleuten am Marktplatz weitere Versprechungen zu machen und Geld für Gutachten und Wettbewerbe zu Vitalisierung dieses Gebietes auszugeben. Ein Industriegebiet mit angrenzenden sozialen Brennpunkten wie dem Wohnquartier an der George-Albrecht-Straße kann schließlich kein Zentrum mit den nötigen Besuchern, Gästen und Kunden versorgen.

Aber die Mehrheit der Blumenthaler Beiräte will auch in dieser Frage keine Klarheit und hat eine Weiterleitung des zweiten Teils des Bürgerantrags abgelehnt.


„2. Stärkung des Blumenthaler Zentrums durch zusätzliche Konsumenten und die Schließung funktionaler Defizite

Wurde ermittelt, wie sich der B-Plan 1288 vermutlich auf die weitere Entwicklung des Blumenthaler Zentrums auswirken wird? Das gilt sowohl für die Änderungen der dortigen Konsumenten- und Passantenzahlen als auch die Vermietung der leerstehenden Flächen. Hat man dabei die Möglichkeiten zum Abbau von bestehenden Funktionsdefiziten im Zentrum durch Kompensationen auf dem ehemaligen BWK-Gelände geprüft? Bietet der B-Plan 1288 im Hinblick auf die Zentrumsentwicklung Vorteile gegenüber einem ausgewiesenen Mischgebiet mit Wohnungen und Dienstleistungsangeboten?“


Mit weiteren Details zur "kompetenten" Planungsdiskussion über das Blumenthaler Zentrum und die vermutlichen Folgen des B-Plans 1288 beschäftigt sich ein neuer Blog-Artikel unter dem Titel „Vom toten Raum zum City-Treff oder zum Industrieappendix: der Blumenthals Marktplatz“.

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..die Befürworter einer Umschlagskaje mit Industriegebieauf dem BWK-Gelände sollten vielleicht den Blick nach Norden richten...

#37 von Lola , 16.08.2013 08:44

ob Blumenthal wirklich eine Umschlagskaje und ein Industriegebiet braucht?

Weser Kurier Ausgabe 16.August 2013 - Seite 23 - Wirtschaft

Überschrift: Bundespräsident beim Seeschifffahrtstag
Das Foto mit Kommentar zeigt "Gähnende Leere: Bundespräsident Joachim Gauck mit dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) im Jade-Weser-Port."

Zitat
Wilhelmshaven (wk)
Die Weltwirtschaft bleibe auf unsicherem Kurs, sagte Gauck gestern beim Deutschen Seeschifffahrtstag in Wilhelmshaven. Unausgewogenes, verantwortungsloses Handeln und Wirtschaften auf Pump hätten zu großen Verwerfungen geführt, die bislang nicht ausreichend korrigiert worden seien. Immer häufiger sei von Währungs-und Handelskriegen die Rede."All das macht mir Sorge", sagte Gauck.
Zitat Ende

http://de.wikipedia.org/wiki/JadeWeserPort


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Was ich nicht weiß, …

#38 von Reinhard , 16.08.2013 16:39

Wenn Beiratsmitglieder sich nicht für harte Fakten über die Zukunft ihres Ortes interessieren, kann das für ihre Wähler befremdlich klingen. Beinahe schizophren wird es jedoch dann, wenn diese Politiker einerseits vor dem Verkehr warnen, den ein einiges Unternehmen verursacht, anderseits jedoch offensichtlich der Verkehrsbelastung völlig gleichgültig gegenüberstehen, die von einer Vielzahl von Unternehmen verursacht wird.

Das gilt jedenfalls für die Blumenthaler SPD-Fraktion, die etwas gegen die Lkw-Transporte der Firma Egerland, die vom alten BWK-Gelände ausgehen, unternehmen will. Über die wahrscheinlich deutlich stärkere Verkehrsbelastung, die mit der Realisierung eines Industrie- und Gewerbegebietes auf der jetzigen weitgehenden Industriebrache verbunden sein wird, will sie sich hingegen nicht einmal informieren.

Diese wichtigen Daten sollte der dritte Fragenkomplexes des Bürgerantrages liefern:

„3. Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung in Blumenthal und den angrenzenden Ortsteilen

Gibt es Schätzungen der zukünftigen Verkehrsbelastung in Blumenthal und in den angrenzenden Ortsteilen, falls der B-Plan 1288 bzw. ein Industriegebiet mit Kaje realisiert wird? Ist dann mit einer höheren Lkw-Belastung in Blumenthal zu rechnen als jetzt bei der teilweisen Verlagerung der Firma Egerland? Kann bei einer Nutzung des Areals als Wohn- und Gewerbepark mit einer geringeren Verkehrsbelastung vor allem durch Lkws gerechnet werden?“


Will hier vielleicht die Beiratsmehrheit warten, bis die Betriebe im neuen Industrie- und Gewerbegebiet angesiedelt sind und ihre Transporte aufnehmen?
Will sie wie viele Gegner von Stuttgart 21 erst schlafen und dann, wenn die abgesegneten Pläne ungesetzt werden, gegen unerwünschten Lärm demonstrieren?
Oder will sie einfach nur zuwarten, weil die Belastungen frühestens in der nächsten Legislaturperiode zu erwarten sind?

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RE: Was ich nicht weiß, …

#39 von Reinhard , 17.08.2013 10:03

Wenn man den vierten und letzten Fragenkomplex des Bürgerantrags liest, wird man sich fragen, ob es möglicherweise zwei Versionen des Bebauungsplans 1288 gibt. Die SPD-Fraktion im Blumenthaler Beirat wollte diesen Antrag mit der Begründung nicht an die Bremer Bauverwaltung weiterleiten, weil die Fragen im Plan bereits beantwortet seien. Diese „Wahrheit“ lässt sich in diesem Fall besonders leicht und objektiv überprüfen, da in diesem Teil der finanzielle Aspekt angesprochen ist.

Man kann also in der „Begründung zum BEBAUUNGSPLAN 1288“ nach dem Wort „Euro“ suchen, um festzustellen, ob die von der SPD-Fraktion vertretene Aussage zutreffend ist.

Das Ergebnis ist eindeutig. Ganz gleich ob man es mit „Euro“ oder „€“, versucht, gibt es die Antwort „Zu suchender Text wurde nicht gefunden“.

Die Begründung der Ablehnung ist also falsch. Man wird und muss sich daher überlegen, warum die Beiratsmehrheit die folgenden Fragen zur Werthaltigkeit des BWK-Geländes nicht gestellt und beantwortet haben wollte.

„4. Werthaltigkeit des BWK-Geländes aufgrund verschiedener Nutzungskonzepte

Hat die Bauverwaltung die finanziellen Folgen unterschiedlicher Nutzungen bei einem Verkauf der Grundstücke geprüft? Ist beabsichtigt, die Industrieflächen gegebenenfalls unter dem Marktpreis zu veräußern, um eine möglichst rasche Bebauung der Flächen zu erreichen?
Wurde ermittelt, ob beim Verkauf oder der Vermietung der denkmalgeschützten Gebäude eine Nutzungs- und damit Wertminderung eintritt, weil in der unmittelbaren Nachbarschaft industrielle Nutzungen vorgesehen sind?
Könnte Bremen beim Verkauf der Flächen und Gebäude höhere Erlöse erzielen, wenn statt industrieller Nutzungen Wohnungen errichtet würden? Entgehen Bremen und damit dem Bremer Steuerzahler Einnahmen, weil sich der B-Plan auf eine industriell-gewerbliche Nutzung festgelegt hat?
Ließen sich durch höhere Verkaufspreise bei Wohnbaugrundstücken mögliche Kosten für eine Umsiedlung vorhandener störender Emittenten wie der Brewa auf dem ehemaligen BWK-Gelände kompensieren?

Für Ihre freundliche Unterstützung bei meiner Suche nach kompetenten Antworten, die sicherlich auch für andere Blumenthalerinnen und Blumenthaler interessant sind, dankt Ihnen im Voraus“


Diese erhoffte Unterstützung des Beirats hat es nicht gegeben. Die Beiratsmehrheit will die Blumenthalerinnen und Blumenthaler damit nicht über die Auswirkungen unterschiedlicher Alternativen einer Bebauung des alten BWK-Geländes informieren und aufklären.

Aber warum will sie es nicht? Sind die Fragen wirklich so abwegig, wie es die Mehrheit gern glaubhaft machen möchte?

Oder hat man etwas zu verbergen?

Das wird doch nicht die Wahrheit über die Folgen des vorliegenden Plans mit seinen diversen Nutzungskonflikten sein!

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Kein Aprilscherz im August

#40 von Reinhard , 18.08.2013 08:07

Kein Aprilscherz im August

In der Beiratssitzung am letzten Montag konnte man den Eindruck gewinnen, dass es zu dem B-Plan 1288 eigentlich unter allen Blumenthalerinnen und Blumenthalern, die sich ein bisschen für ihren Ort interessieren und etwas Verstand besitzen, nur eine Meinung geben kann und dass daher alle Fragen oder gar Zweifel von Unkenntnis und fehlendem Sachverstand zeugen. Für eine Mehrheit scheint dieser Bebauungsplan einfach alternativlos zu sein.

Daher muss es überraschen, wenn man ein wenig in älteren Ausgaben des BLV blättert und dort zur BWK-Bebauung lesen kann: „Mancher träumt da von industriellen Arbeitsplätzen. Ich wüsste nicht, welcher Industriebetrieb kommen will. Ein Umzug innerhalb von Bremen-Nord würde keine zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen. Was dann bleibt, ist die Idee, eine kleinteilige Entwicklung mit Büros und kleinem Gewerbe, natürlich auch Wohnungen.

Diese Sätze wird in diesem Thread niemand für ungewöhnlich halten, sondern nur für eine Wiederholung anderer Postings. Das gilt aber nur solange, bis man erfährt, von wem das Zitat stammt. Genau diese Meinung hat nach einem Zeitungsbericht der jetzige Ortsamsleiter, Herr Jörg-Peter Nowack, in einem Gespräch mit dem BLV geäußert, als im Mai 2010 nach einem Gerichtsurteil für ihn der Weg ins Amt des Ortsamsleiters frei geworden war.

Da fragt man sich, was den Meinungswandel ausgelöst hat. War es der Verstand, den Gott angeblich denen gibt, die ein Amt erhalten?

Oder muss man eher nach einer anderen Erklärung suchen, weil die Ämter gar nicht von Gott vergeben werden, wie einige Skeptiker meinen?

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RE: Kein Aprilscherz im August

#41 von Lola , 18.08.2013 08:58

..ich habe den BLV-Bericht 3 x gelesen und mußte mir die Augen reiben weil ich es nicht glauben konnte, was ich gelesen habe. Es war so als ob er mit der Bürgerin, die den Bürgerantrag gestellt hat, an einem Tisch gesessen hat um einige Fragen auszuarbeiten.....

Diese damals geäußerte Meinung wirkt auf mich als Leserin des Artikels bodenständig, sympathisch und zeigt einen Menschen der die Zukunft Blumenthals genau im Fokus hatte.

Wer oder was hat den völligen Richtungswechsel bewirkt?


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Erfolg?

#42 von Reinhard , 19.08.2013 09:00

Erfolg?

Wie am Sonntag u.a. der Weser Report gemeldet hat, produzieren ab Anfang 2014 120 Mitarbeiter der Kuka AG Montageanlagen für die Automobilbranche nicht mehr an der Uhthoffstraße , sondern in größeren und moderneren Räumen im Industriepark Aumund. Es handelt sich also um eine Verlagerung innerhalb Vegesacks, bei der von zusätzlichen Arbeitsplätze keine Rede ist.

Für den Bremer Wirtschaftssenator war das Richtfest jetzt ein Anlass, um von seiner Hoffnung zu sprechen, „dass sich auch auf dem Ex-BWK-Gelände ähnlich erfolgreich Firmen ansiedeln.“ Dabei sah er es als Erfolg an, dass „auf dem Vulkan-Gelände … heute genauso viele Menschen in Lohn und Brot wie zuletzt auf der Vegesacker Traditionswerft.“

Ein Erfolg, wie er ihn definiert, scheint also in einer „erfolgreichen“ Verlagerung zu bestehen. Von einem Effekt für den Arbeitsmarkt und damit eine Senkung der Arbeitslosigkeit ist hingegen gar nicht mehr die Rede.

Was aber würde eine Übertragung dieses „Erfolges“ auf das ehemalige BWK-Gelände bedeuten? Würde es auch hier gefeiert, wenn z.B. die Brewa oder das HKW in neue und größere Gebäude umzögen?

Und wie sieht es mit den Grundstückspreisen aus, die aus der Sicht von Unternehmen ein ganz entscheidender Faktor für die Standortwahl sind? Machen Bremen bzw. die WFB hier bei der Vermarktung Zugeständnisse?

Immerhin hat Bremen das BWK-Gelände nicht unbedingt zu einem Discountpreis erworben, weil mit dem Kauf Auflagen für die BWK verbunden waren. Es handelte sich praktisch um einen Deal, bei dem der Verkäufer einen guten Preis erhielt, dafür jedoch den Erhalt von Arbeitsplätzen garantieren sollte.

Dieser „Tauschhandel“ war dann für die Mitarbeiter nicht gerade erfolgreich, da auch die Liquiditätsspritze die Schließung in Blumenthal nicht verhindern konnte.

Da stellt sich jetzt die Frage, zu wessen Lasten der hohe Einkaufspreis gehen soll. Ein Käufer wird sicherlich eher ein Entgegenkommen des Verkäufers erwarten, der immer und immer wieder seinen „Erfolg“ erklärt und sich damit selbst unter Druck setzt. Vermutlich werden es daher die Bremerinnen und Bremer sein, die an einem finanziellen Verlustgeschäft beteiligt werden, das man anschließend als Ansiedlungserfolg mit x Arbeitsplätzen feiert.

Da können die Beteiligten kaum Transparenz brauchen. Ist das vielleicht auch ein Grund dafür, warum niemand etwas über die finanziellen Auswirkungen des B-Plans 1288 erfahren soll?


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Erfolg?

#43 von Lola , 20.08.2013 08:05

..vielleicht gibt es ja den einen oder anderen Bürger in Blumenthal der sich ebenfalls die Frage stellt, zu wessen Lasten der hohe Einkaufspreis geht. Eine Verlagerung von Firmen innerhalb des Stadtteils wäre nun wirklich kein Erfolg, zumal die Verwaltung ja schon auf der richtigen und vernünftigen Linie war, wie man dem Interview im BLV entnehmen konnte.

Ich habe mal ein wenig über den Wirtschaftssenator gegoogelt und es war erfreulich zu lesen, dass er bei Amtsantritt in seiner Rede neben Bremen und Bremerhaven auch Bremen-Nord in Bezug auf Wirtschaft einbezogen hat. http://www.senatspressestelle.bremen.de/...il.php?id=29322

Am 24.2.2010 wurde der Bremerhavener Martin Günthner Wirtschaftssenator in Bremen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_G%C3%BCnthner

Möglicherweise hatte er eine andere Vorstellung davon, wie die Wirtschaft in Blumenthal zukünftig zu funktionieren hat, als z.B. die Blumenthaler Verwaltung. Wir konnten die damalige Meinung des OAL vom Mai 2010 in Form eines Interviews im BLV lesen, wie er die wirtschaftliche Entwicklung Blumenthals in Zukunft sieht.
http://www.das-blv.de/elkat/100505/index.php

Die Realität kann jeder sehen, wenn er/sie es denn auch sehen will, oder?

Schaun wir mal was die Zukunft bringt.


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Hellseherisch?

#44 von Reinhard , 20.08.2013 14:13

Hellseherisch?


Als Mitte 2010 durch den sogenannten Masterplan Blumenthal die Weichen für den hier diskutierten B-Plan 1288 gestellt wurden, gab es nicht nur Zustimmung für die Planung eines Industrie- und Gewerbegeländes.

Damals meldete sich am 2.6.2010 im BLV Klaus Wolschner, der damals als freier Mitarbeiter für das BLV interviewte und schrieb, mit einem Kommentar „Kein Impuls für BWK“ zu Wort. Und das hat durchaus Gewicht, denn zumindest unter seinen Kollegen wird dieser Jornalist als intimer Kenner der Bremer Politikszene geschätzt.

Für ihn löste der Masterplan keine positiven Erwartungen aus, da Bremen einfach das Geld fehlt, um die notwendigen Infrastrukturinvestitionen etwa in den Weserradweg vorzunehmen.

Auch machte er auf die Nutzungskonflikte aufmerksam, wenn er schrieb: „Solange es keine Entscheidung darüber gibt, dass nur wohnunverträgliches Gewerbe dort angesiedelt werden kann, wird kein Architekt dort sein Büro einrichten und kein Dienstleister Geld investieren.“

Impulse hätten für ihn die Stadtplaner nur auslösen können, wenn sie es erlauben würden, „wenigsten in einer Zone bis zum Wasser hinunter auch Wohnbebauung zuzulassen und vorzusehen“.

Ist das nun nur eine „vertane Chance“ und Schnee von gestern, wie die Blumenthaler Beiräte zu glauben scheinen.

Herr Wolschner meinte nein, als er im Jahr 2010 schrieb: „Das Thema „BWK-Gelände“ wird spätestens in fünf Jahren wieder auf die Tagesordnung kommen.“

Möglicherweise ist es allerdings besser, wenn das früher geschieht, und zwar noch im jetzigen B-Plan-Verfahren.

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RE: Hellseherisch?

#45 von Lola , 20.08.2013 15:23

..ich würde einfach mal ganz locker sagen: Gesunder Menschenverstand!
Vielen Dank für den Kommentar von Herrn Wolschner.

In der gleichen Ausgabe des BLV auf Seite 3 kann man ein Interview mit der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Ursula Arnold-Cramer zum Thema BWK-Gelände lesen.

Als Überschrift steht da: "Wohnnutzung nie ausgeschlossen"
Die Ideen und Vorstellungen von Frau Arnold-Cramer zeugen ebenso davon, dass sie die Zukunft Blumenthals im Focus hatte und ganz genaue Vorstellungen davon hatte, was für den Ortsteil gut ist.

Vielleicht lesen wir ja irgendwann noch einmal etwas von den Kritikern und Ideengebern von damals.
Wäre schon sehr schön für den Ortsteil und den hier lebenden Menschen, denn das BWK-Gelände mit den historischen Gebäuden sollte einen passenden Rahmen erhalten und Menschen auf der ganzen Welt leben und arbeiten nun einmal gern am Wasser und darum sollte "lärmende, stinkende und rauchende Industrie" nicht die Plätze bekommen die Lebensqualität bedeuten.

Am Anfang steht immer noch der Mensch- das Leben - und Wasser..............


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Vorbilder für die Nutzung des BWK-Geländes?
Auf dem Weg zum BWK-Museum

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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