Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Schluss mit der Mülleimer-Politik!

#16 von Reinhard , 18.07.2013 10:26

Schluss mit der Mülleimer-Politik!

Nach einer Befragung, deren Ergebnisse vor Kurzem dem Blumenthaler Beirat vorgestellt wurde, sehen viele Bürger ihren Stadtteil als „Abfalleimer der Stadt Bremen" benutzt.

Gründe für dieses niederschmetternde Urteil dürften neben den Umweltbelastungen durch die Brewa und das Tanklager Farge die sozialen Problemlagen an der George-Albrecht-Straße sein, wo nicht zuletzt durch die Flüchtlingsbetreuung der Sozialbehörde ein Ghetto von Kriegsflüchtlingen „entstanden“ ist, in dem vor allem Roma aus dem Kosovo und arabisch sprechende Mhallamiye aus dem Libanon relativ konzentriert leben.

Das sind Belastungen aus der Vergangenheit. Jetzt steht mit dem Bebaungsplan 1288 für das ehemalige BWK-Gelände die Zukunft Blumenthals auf der Agenda. Dazu hat die Baubehörde einen Entwurf vorgelegt, der eine Kombination von Industrie- und Gewerbegebiet vorsieht, wobei nach der Baunutzungsverordnung „Industriegebiete .. ausschließlich der Unterbringung von Gewerbebetrieben, ... dienen, „die in anderen Baugebieten unzulässig sind.“

Durch diese Flächennutzung soll angeblich ein Impuls für die Entwicklung Blumenthals ausgelöst werden. Das erklären zumindest die Autoren des Bebauungsplans.

Andere Bremer sind gegenüber derartigen Ankündigungen der Bremer Baubehörde als gebrannte Kinder skeptisch. Sie denken an das Konzept „Urbanität durch Dichte“ in Tenever, die steinerne Düne in Grohne und die bewohnte Lärmschutzwand in Oslebshausen, also Projekte, die einst als zukunftsträchtige Lösungen städtebaulicher Probleme gefeiert wurden.

In diesem Jahr hat hierzu ein beteiligter Stadtplaner ein Buch mit dem nüchternen Titel „das tun wir nicht wieder" veröffentlicht, das die nicht zuletzt finanziellen Hintergründe dieser Fehlplanungen aufdeckt. Das dürfte für den Autor das schmerzliche Eingestehen eines Irrtums sein, während die Bewohner sich mit den Folgen der Experimente herumschlagen müssen. In dem Buch heißt es u.a.: „Auf Wiesen und Feldern wurde ohne Rechtsgrundlage ein Monster-Stadtteil aus Beton gebaut und alle machten mit: Ortsamt, Beirat, Parteien und Senat.“

Wenn man aus dieser Erfahrung lernen will, darf man sich also nicht ausschließlich auf die Entscheidungen der Fachleute und politischen Gremien verlassen, sondern muss sich selbst ein unabhängiges Urteil bilden.

Das dürfte auch für den B-Plan 1288 gelten; denn hier soll der ungewöhnliche Versuch unternommen werden, das Image eines Orts- und Stadtteils durch ein zentrumsnahes Industriegebiet zu verbessern, während andere Städte kaum Mühen scheuen, um Industriebetriebe an den Stadtrand zu verlagern.

Das mag in diesem Fall, wenn man es vom Bremer Rathaus aus betrachtet, ähnlich sein. Nur gilt das auch aus die Blumenthaler Perspektive?


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RE: Schluss mit der Mülleimer-Politik!

#17 von Lola , 19.07.2013 08:28

http://www.weser-kurier.de/start/fotos/b...alid,21901.html

Einblicke in den neuen Schuppen Eins

Bremen. Nach fast sechs Jahren der Planungs- und Umbauphase ist der Schuppen Eins fast fertig. Er beherbergt nun moderne Wohnlofts, Bürogebäude und eine Flaniermeile, die Automobilfreunde anlocken soll.
Zitat Ende
.. bitte die Fotostrecke mal anklicken.. :-)

Zitat
http://www.weser-kurier.de/bremen/wirtsc...rid,618127.html
Bremer Überseestadt - 18.07.2013
Schuppen Eins bald fertig
Von Alexandra Knief

Bremen. Nach fast sechs Jahren der Planungs- und Umbauphase gehen die Arbeiten am Schuppen Eins in der Überseestadt in die letzte Runde. Der westliche, weserabwärts gelegene Teil des ehemaligen Hafenschuppens, der jahrzehntelang zur kurzfristigen Lagerung und als Umschlagplatz von Gütern aller Art genutzt wurde, beherbergt nun moderne Wohnlofts, Bürogebäude und eine Flaniermeile, die vordergründlich Automobilfreunde anlocken soll.
Zitat Ende

Weser - Kurier Ausgabe 19.7.2013 - Seite 11 -
da heißt es:
"Viele der neuen Händler sind bereits eingezogen. So auch Frank Sommer, Geschäftsführer der Firma Retrocars Bremen.
Vor einigen Tagen ist das Unternehmen aus Bremen-Nord in den Schuppen Eins gezogen."

........................................

......und in Blumenthal will man aus dem BWK-Gelände einen Industriestandort machen!
...ein Sammler aus Bremen-Nord ist schon mit einem Teil seiner Schmuckstücke in das niedersächsische Umland abgewandert, nachdem er vergeblich nach diversen Versuchen auf den Rückruf des Sachbearbeiters der Wirtschaftsförderungsgesellschaft gewartet hat, die wohl für die Planung der Gebäude/Grundstücke zuständig ist.
Eine kurze Absage, das kein Interesse besteht wäre schon netter gewesen, weil man ja etwas ganz anderes offenbar mit dem BWK-Gelände vorhat, nämlich einen Industriestandort daraus zu machen.

Wann wacht man hier in Blumenthal endlich auf und wehrt sich dagegen, dass über Blumenthal der Mülleimer gestülpt wird?

Glaubt man in Blumenthal wirklich, dass für diese Form von Gewerbegebiet wie im Überseehafen keine Arbeitsplätze geschaffen wurden?
Glaubt man wirklich nur ein Industriestandort ist das "Allheilmittel" für Blumenthal um Arbeitsplätze zu schaffen?

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Mit dem falschen Zug an ein schöngeredetes Ziel

#18 von Reinhard , 19.07.2013 16:34

Mit dem falschen Zug an ein schöngeredetes Ziel

Um die Zukunft des ehemaligen BWK-Geländes wird mit recht harten Bandagen gekämpft, obwohl die Auseinandersetzung relativ einseitig ist. Die organisierten Interessen wollen dort ein Industriegebiet sehen, bei dessen Durchsetzung man den Eindruck haben kann, dass hier das angeblich hehre Ziel wenn nicht alle, so doch sehr viele Mittel rechtfertigt.

Eine einflussreiche Organisation, die hinter dem Industriekonzept steht, ist der augenblickliche Eigentümer, die Bremer Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH (WFB), die seit dem 1. Juni 2009 im Auftrag der Freien Hansestadt Bremen für die Entwicklung, Stärkung und Vermarktung des Wirtschafts-, Messe- und Veranstaltungsstandortes Bremen zuständig und damit an die Stelle der Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG) getreten ist.

Wie bereits der Name dieser Gesellschaft besagt, handelt es sich also nicht um eine Organisation, die sich mit der Entwicklung Bremens oder der Stadtteilentwicklung Blumenthals zu beschäftigen hat. Ihr vorrangiges Ziel ist es, mit ihren Dienstleistungen und Angeboten zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen in Bremen beizutragen und der bremischen Wirtschaft gute Rahmenbedingungen für den unternehmerischen Erfolg zu bieten.

Im Kern geht es damit um die Vermarktung von Geschäftsimmobilien, die im Besitz Bremens sind.

Vermutlich wurden daher bereits mit dem Aufkauf des BWK-Geländes durch diese Gesellschaft die Weichen für die Zukunft gestellt. Wäre der Verkauf über die GEWOBA gelaufen, würde vermutlich jetzt ausschließlich über eine Wohnbauung diskutiert. Für die Entwicklung von „Mischgebieten“ oder Flächen, deren Verwendung noch völlig offen ist, gibt es hingegen keinen staatlichen Bremer Nutzungsspezialisten. Das dürfte erklären, warum früher in Bremen Großwohnanlagen ohne Arbeitsplätze gebaut wurden und jetzt aus einer Industriebrache nahe des Blumenthaler Zentrums ein Gewerbegebiet ohne Wohnungen entstehen soll.

Es werden daher bei städtebaulichen Konzeptionen allein aus organisatorischen Gründen Alternativen mehr oder weniger ausgeblendet, was für die Stadtentwicklung nicht unbedingt positiv ist. Aber es steht eben niemand zu Verfügung, der eine Planung mit dieser Richtung auf den Weg bringen kann.

So ist die WFB allein aus Eigeninteresse schon dazu gezwungen, durch ein mehr oder weniger gekonntes Marketing positive Ergebnisse in ihrem begrenzten Arbeitsgebiet zufinden, damit niemand nach anderen Lösungen ruft.

Der Arbeitsplatzschwund

Zentrales Erfolgskriterium dieses Industriekonzepts ist die Zahl der erwartbaren Arbeitslätze. Dazu hat die Wirtschaftsbehörde im September 2012 noch eine Zahl von 1.700 angegeben . Diese Prognose dürfte für eine gute Stimmung bei der weiteren Planung gesorgt haben. Daher wird es vermutlich nicht mehr als so gravierend wahrgenommen, wenn man diese Zahl nicht einmal ein Jahr später sehr deutlich nach unten korrigiert hat. So halten jetzt die WFB und „Fachleute des Wirtschaftssenators eine Zahl von 1000 Arbeitsplätzen auf dem BWK-Gelände für möglich.“

Und auch dies ist eine Prognose, über deren Zuverlässigkeit nichts berichtet wird. Die Einschränkung „möglich“ spricht jedenfalls nicht für eine besonders feste Überzeugung.

Vielleicht hält man die Angabe jetzt auch nicht mehr für so wichtig, nachdem man das Projekt mit einem höheren Wert auf den Weg gebracht hat und sich jetzt realistischeren Werten nähern kann, damit man später seine Reputation nicht völlig verliert.

Das planungsrechtliche Chamäleon Berne

Innerhalb kurzer Zeit haben sich jedoch nicht nur die Arbeitsplatzperspektiven auf dem BWK-Gelände sehr deutlich geändert. Dasselbe gilt auch für die Begründung der Flächennutzung, wo sogar eine ehemalige Aussage über die Gemeinde Berne in ihr völliges Gegenteil verkehrt wurde.

Vor dem Beginn der konkreten Planungen, die zu dem jetzt ausgelegten Planentwurf geführt haben, wurde im März 2011 von offizieller Bremer Seite kategorisch erklärt: „Wohnungsbau im Weserbereich ist aufgrund der Emissionssituation (unmittelbare Nähe zur HKW, zum Gewerbegebiet Bremer Vulkan sowie zu den gewerblichen Nutzungen auf der anderen Seite der Weser) planungsrechtlich nicht zulässig." Daraus zog man den unumstößlich scheinenden Schluss: „Die Flächen sollen deshalb als Gewerbegebiet ausgewiesen werden.“

Das sieht nach dem ausgelegten B-Plan jetzt ganz anders aus; denn die Autoren räumen ein, dass bisher kein Bebauungsplan mit einer Zonierung für das Plangebiet existiert, und sehen auch für eine kleine Parzelle des Geländes ein Mischgebiet vor, wo also eine Wohnnutzung durchaus zulässig ist.

Überraschenderweise wird jetzt nicht mehr von „gewerbliche Nutzungen auf der anderen Seite der Weser“ gesprochen, sondern von einer "rd. 400 m entfernten gegenüberliegende Wohnbebauung der Gemeinde Berne“, für die „man von einer, zumindest "akustischen", Nachbarschaft“ sprechen muss, „da nur die Weser und keine andere, weniger störempfindliche Nutzung dazwischen liegt.“

Innerhalb von zwei Jahren hat sich somit eine angebliche gewerbliche Nutzung in Berne, die auf dem BWK-Gelände eine Wohnbebauung ausschließen soll, in eine dortige Wohnbebauung verwandelt, auf die man in Blumenthal Rücksicht nehmen muss.

Offensichtlich soll hier also der jeweilige Zweck die Mittel heiligen. Oder anders ausgedrückt: Wenn man schon in den Industriezug eingestiegen ist, weil es keine Verbindung mit dem Ziel „Offene Stadtteilentwicklung Blumenthal“ gab, so will man diese Entscheidung wenigstens rechtfertigen, auch wenn das nur mit fragwürdigen Argumenten möglich ist.

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Wirklicher Impuls

#19 von Reinhard , 20.07.2013 09:40

Wirklicher Impuls

Wie durch städtebauliche Maßnahmen auf einer rund 30 Hektar großen Fläche wirkliche Impulse für einen benachteiligten Stadtteil ausgelöst werden können, zeigen augenblicklich die IBA Hamburg und die Internationale Gartenschau (igs) in Wilhelmsburg. Dieser Stadtteil wurde noch vor einem Jahrzehnt vom Spiegel als „Alptraum von Stadtplanung“ und „ein soziales Verbrechen im Hinterhof Hamburgs“ bezeichnet. „Dieser Balkan des Nordens“ gilt weiterhin als „gesellschaftlicher Schmelztiegel und Problemfeld mit mannigfachen Konflikten“. So haben hier über 70% der Jugendlichen einen Migrationshintergrund.

Der jetzt realisierte Plan entstand in einem internationalen Wettbewerb. Er sieht nicht „nur ansprechende Freiräume mit Promenaden und Wasserflächen sondern auch anspruchsvolle Gebäude mit ganz unterschiedlichen Nutzungen“ vor. „Neben Wohn- und Veranstaltungsgebäuden tragen unter anderem Sportstätten, ein Ärztehaus und ein Seniorenzentrum zu einer lebendigen Mischung bei. Gleich nebenan entsteht ein wichtiger Behördenstandort Hamburgs.“

So kann es also aussehen, wenn sich ein hanseatischer Stadtstaat wirklich um die Entwicklung eines Problemstadtteils bemüht. Da geht es nicht um Kajen und die Verhinderung einer Wohnbebauung, sondern um neue Ideen und auch die Bereitschaft, gegebenenfalls Behörden und öffentliche Einrichtungen zu verlegen.

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[b]Warum den Strukturwandel (weiter) verschlafen?[/b]

#20 von Reinhard , 22.07.2013 17:26

Warum den Strukturwandel (weiter) verschlafen?

Wenn man die Aussagen zur Kaje liest, wie sie von der Bremer Handelskammer formuliert wurden, sieht das auf den ersten nach einer theoretisch interessanten Option aus, die im Prinzip einen Standortvorteil bedeuten kann.

Der Schritt von der Theorie in die Praxis verändert dann jedoch die Beurteilung schlagartig, wenn man sich mit der realen Bedeutung dieser Kaimauer an der Weser in den letzten Jahrzehnten befasst.

Dann müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Bremer Woll-Kämmerei ihre Wollankünfte bereits 1973 auf Containerbetrieb umgestellt hat, sodass der Transport von den Nordseehäfen per Bahn oder Lkw nach Blumenthal erfolgte. Dafür sprachen damals Kostengesichtspunkte.

Als später im Zuge der Globalisierung die BWK Arbeitsplätze abbauen musste und Teile des riesigen Betriebsgeländes nicht mehr benötigte, wurden Flächen verkauft. Dabei konnte jedoch niemand mit einem Hinweis auf dieses angeblich so vorteilhafte logistisches Angebot gelockt werden. Vielmehr wurde vor allem das Blumenthal Center gebaut, während andere Grundstücke bei der Bremer WFB geparkt werden mussten, damit die BWK zu Liquidität kam.

Dieses deutliche Desinteresse muss nicht einmal überraschen, wenn man die industrielle Welt von 1973 mit der heutigen in Deutschland vergleicht. Damals stand die Mauer in Berlin noch und China hatte sich für die Weltwirtschaft noch nicht geöffnet und zum industriellen Produktionsbetrieb für die gesamte Welt mit einschneidenden Folgen für die alten Industriestandorte entwickelt.

Hier wurde dadurch eine einschneidende Umstellung erforderlich, die sich exemplarisch am Claim des Reifenherstellers Continental ablesen lässt, der sich in diesen Jahrzehnten zu einem auch im Bereich der Fahrzeugelektronik führenden Automobilzulieferer entwickelt hat. Der lautet nicht mehr „made in Germany“, sondern „engineered in Germany“.

Das steht für die Verlagerung manueller Arbeiten aus Deutschland. Die Schließung der BWK war eben nicht nur typisch für die Textilindustrie, sondern ist Teil einer veränderten globalen Arbeitsteilung. In Deutschland werden immer weniger Produkte hergestellt, sondern stattdessen Waren entwickelt und auf Märkten weltweit vertrieben. Das erfordert kaum noch den Transport von Massengütern per Schiff.

Wenn man diesen Trend nicht verschlafen will, muss man sich an die Spitze dieser Entwicklung setzen und nicht alten Zeiten nachtrauern, in denen Bremen mit seinen Kajen punkten konnte.

Hier heißt es im wirtschaftlichen Wettbewerb mehr denn je: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

Wer damit auf eine Kaje und Arbeitsplätze mit Rauch und Gestank in einem städtebaulichen „Abfalleimer“ setzt, will so offensichtlich mit Niedriglohnländern konkurrieren. Die Folgen zeigt das Schicksal der BWK.


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Fauler Kompromiss mit gefährlichen Folgen

#21 von Reinhard , 23.07.2013 14:58

Fauler Kompromiss mit gefährlichen Folgen

Inzwischen wurde eine Stellungnahme zum B-Plan 1288 eingereicht, die vor allem auf die Nutzungskonflikte des Kompromissvorschlags der Baubehörde hinweist. So werden die Belastungen für die aufwendig restaurierte historische Achse herausgestellt, die mit der benachbarten industriellen Nutzung verbunden sind.

Daher scheinen auch wünschenswerte Ergänzungen dieses zentralen städtebaulichen Elements auf dem alten BWK-Gelände kaum möglich zu sein. Das gilt sowohl für eine Marina mit Gastronomie am Schnittpunkt der Achse mit dem Fuß- und Radweg am Weserufer als auch für einen Platz, dessen Möblierung mit dem aus dem Blumenthaler Zentrum vertriebenen BWK-Widder und einer Brunnenanlage an die Historie des Areals erinnert.

Aus anderen Gründen dürften ebenfalls nur begrenzte Realisierungschancen für die vorgeschlagenen Ausgabestellen für Industrieschutzhelme und eine Lichtzeichenanlage gelten, durch die trotz des Weserfuß- und Radweges die Verwendung einer Kaje dank eines Krans möglich sein soll, der Lasten über den Weg hinwegheben kann.

Da die Nutzung der industriell und gewerblich verwertbaren Flächen unter den gestalterischen Auflagen und ein Dienstleistungsangebot in den denkmalgeschützten alten BWK-Gebäuden unter Emissionen der benachbarten Industrie- und Gewerbebetriebe leiden werden, ist nur mit einer weiterhin schleppenden Vermarktung des Gebietes zu rechnen.

Von dieser zentrumsnahen problematischen Industriebrache können daher, so konstatiert die Stellungsnahme, keine raschen positiven Impulse für die weitere Entwicklung Blumenthals erwartet werden.

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Verkehrsbelastung in Theorie und Praxis

#22 von Reinhard , 29.07.2013 12:25

Verkehrsbelastung in Theorie und Praxis

Die Autoren des B-Plans 1288 haben für den Werksverkehr auf dem BWK-Gelände und für die Verbindung zum überörtlichen Straßennetz eine klare Lösung vorgesehen: Die Transporte sollen über eine ringförmige Erschließungsstraße sowie die Straßen „Marschgehren“ und „Wohldstraße“ direkt zur Autobahn erfolgen.

Wie jetzt die Diskussion um den Wegfall von Abstellflächen der Firma Egerland auf dem BWK-Gelände zeigt, ist das eine sehr theoretische Annahme über das Verhalten zukünftiger Verkehrsteilnehmer. In einem Antrag an den Blumenthaler Beirat weist die SPD daraufhin, dass das nicht immer der kürzeste Weg ist. Das gilt zumindest für Ziele im Gewerbegebiet Weser-Geest in Schwanewede-Neuenkirchen. Hier rechnen die Sozialdemokraten mit einer stärken Beanspruchung der Rönnebecker, Dillener, Farger und Rekumer Straße. Und diese Gefahren für die Lebensqualität der Bewohner sehen sie bereits einem einzigen Unternehmen.

Wie wird es dann bei einem Areal aussehen, in dem zukünftig zig Betriebe ihre Ein- und Verkäufe abwickeln müssen?

Offensichtlich sind diese praktischen Folgen einer Industrie- und Gewerbeansiedlung auf dem BWK-Gelände bisher kaum beachtet worden. Oder verweisen die Befürworter einer Weserkaje auf einen prinzipiell möglichen Wasserweg, um von Belastungen an und auf den Straßen in Blumenthal abzulenken?

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Bremer Aschenputtel-Prinzip

#23 von Reinhard , 30.07.2013 13:32

Bremer Aschenputtel-Prinzip

Nach der Begründung zum BEBAUUNGSPLAN 1288 wird durch das geplante Industrie- und Gewerbegebiet u.a. die „
Neuansiedlung von zukunftssicheren Gewerbebetrieben“ angestrebt und generell von einem intendierten „modernen Gewerbegebiet“ gesprochen.

Für diese Ziele fehlen jedoch empirische Belege. Man kann, wenn man sich allein auf diese Aussagen verlässt, also entweder glauben, dass industrielle Arbeitsplätze für eine gute Zukunft Blumenthals sorgen können oder es eben lassen.

Diese extreme Ungewissheit muss jedoch nicht sein; denn Bremens große Konkurrentin an der Elbe hat im vorigen Jahr eine „Spezifikation und Typologie der Gewerbeflächennachfrage bis 2025 in Hamburg“ in Auftrag gegeben, die sich vor allem auch mit der erwarteten Entwicklung der einzelnen Wirtschaftszweige beschäftigt.

Danach kann von besonders sicheren industriellen Arbeitsplätzen keine Rede, denn sie werden auch in den kommenden Jahren den anderen Sektoren hinterherhinken. (S. 55) Oder kurz als Zitat: „Für den Bereich Industrie setzt sich der kontinuierliche Rückgang der Erwerbstätigenzahl seit 2001 fort.

So wird in Hamburg für die Industrie gerade in den Jahren ab 2015 ein deutlicher Rückgang der Arbeitplätze von 6% vor allem aufgrund der steigenden Produktivität und weiterer Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland erwartet, während Teile des Dienstleistungssektors weiterhin deutlich um 7% und mehr wachsen sollen.

Dadurch wird der Anteil der Beschäftigten in der Industrie von 11,0% (2010) auf 9,5% (2025) schrumpfen. Gleichzeitig erwarten die Autoren der Hamburger Studie in dieser Zeit für „Kreditinstitute und Versicherungen (ohne Sozialversicherung); Grundstücks- und Wohnungswesen“ einen Anstieg von 27,4% auf 35,2% der Beschäftigten.

Mit einem Industriegebiet auf dem ehemaligen BWK-Gelände erhält damit Blumenthal eindeutig besonders schlechte Entwicklungschancen auf dem Arbeitsmarkt. Man kann den Eindruck bekommen, dass die Entscheidungsträger in Bremen die Guten (Sektoren) in der Kernstadt und der verhätschelten Überseestadt konzentrieren wollen und die Schlechten mit ihren zusätzlichen Umweltbelastungen einem Stadtteil wie Blumenthal weit im Norden wohlwollend zu überlassen gedenken.


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RE: Sekt und Selters

#24 von Lola , 30.07.2013 14:13

oder Aschenputtel-Prinzip

..ich wohne in Rönnebeck und werde genau aufpassen, dass man uns hier nicht mehr "mit Kohlensäure versetztes Weserwasser" zukommen läßt und den Sekt allein trinkt.
Wo immer ich die Möglichkeit habe berechtigte Kritik anzubringen, werde ich davon Gebrauch machen und ich hoffe andere Bürger verteidigen auch dieses Recht, damit endlich Schluss ist über Blumenthal die Müllkübel zu entleeren.

Den Wertverlust bei Immobilien habe ich immer im Hinterkopf:

Haus kaufen in Rönnebeck (Bremen)
In Rönnebeck werden derzeit 11 Häuser zum Kauf angeboten. Bei einem aktuell durchschnittlichen Kaufpreis von 800,00 Euro/m² für Häuser zum Kauf in Rönnebeck beträgt die Kaufpreisentwicklung -29% im Vergleich zum Vorjahr. Bei derzeit insgesamt 21 angebotenen Kaufimmobilien beträgt der Anteil an Häusern 52% vom Gesamtangebot.
Quelle:
http://www.immobilienscout24.de/wohnen/b...aus-kaufen.html

..nur mal so ganz nebenbei....jeder mündige Bürger ist auch ein Wähler und die Wähler sind nicht mehr ganz so vergesslich!


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Träume von industriellen Arbeitsplätzen

#25 von Reinhard , 31.07.2013 17:22

Träume von industriellen Arbeitsplätzen

Zahlreiche Nutzungskonflikte auf dem BWK-Gelände, wie es nach den Vorstellungen der Planer einmal aussehen soll, resultieren aus der Forderung, dort industrielle Arbeitsplätze zu schaffen, um damit die hohe Arbeitslosigkeit in Blumenthal zu senken.

Das ist zweifellos eine gute Absicht. Nur stellt sich eben die Frage, ob dieses Ziel nicht nur ein frommer Wunsch bleiben wird, sondern auch realistisch ist.

Die aktuelle Hamburger Standortstudie liefert hierzu eine Reihe aktueller Fakten. Danach ist nicht nur mit einem Rückgang der industriellen Arbeitsplätze in den nächsten Jahren zu rechnen, was bereits erkennen lässt, dass eine Industrieansiedlung bestenfalls ein suboptimaler Weg zum Abbau der Arbeitslosigkeit ist.

Andere Fakten müssen sogar noch zusätzlich sehr ernüchternd wirken. So sind bei rückläufigen Einwohnerzahlen in Deutschland und Europa große Erweiterungsinvestitionen wie bei Porsche in Leipzig (2002) oder beim Mercedes-Benz-Werk in Sebaldsbrück (1978) die absoluten Ausnahmefälle. In der Regel sieht es ganz aus; denn insgesamt kommen 80 % bis 90 % der Nachfrage nach Gewerbeflächen aus der Bestandsentwicklung beziehungsweise einem Umkreis von „nur“ ca. 30 Kilometern. Es handelt sich also vor allem um Verlagerungen und führt nur selten zu neuen zusätzlichen Arbeitsplätzen. Allein der insgesamt rückläufige Trend der Industriebeschäftigung in Deutschland lässt ohnehin keine andere Tendenz erwarten.

Auch können nur Wunder rasch zu einem modernen Gewerbegebiet in Blumenthal führen; denn in der Praxis sind die Kauftransaktionen auf dem Markt für Bauplätze mit gewerblicher Nutzung „eher gering“. (S. 66 ) So erfolgen in Bremen 1,1 bis 2 Kauffälle pro 10.000 Einwohner. Angesichts der Größe des BKW-Geländes von 33,5 ha und einer durchschnittlichen Grundstücksgröße je Kauffall von 0,62 ha in Deutschland könnte man also leicht einen Zeitraum von 30 Jahren errechnen, bis es dort keine Industriebrache mehr gibt.

Aber das sind nur Durchschnitte und einiges ist auch bereits in der Hand von Unternehmen, sodass der Verkauf nicht zwangsläufig eine Aufgabe für eine ganze Generation von Verkäufern sein muss.

Realistisch betrachtet kann dieses Konzept der Bebauung des BWK-Geländes damit jedoch weder zu einem deutlichen Abbau der Blumenthaler Arbeitslosenquote noch zu Impulsen für die Entwicklung des Stadtteils insgesamt führen, da für mehr als ein Jahrzehnt in der Nähe des Zentrums weiterhin mit einer großen Industriebrache zu rechnen ist.

Die Folgen lassen sich leicht ausmalen; denn eine derartige Nachbarschaft ist weder für Bewohner noch für die Anbieter von Dienstleistungen attraktiv.

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Flugsaurier gesucht?

#26 von Lola , 02.08.2013 20:42

..das steht im Antrag der SPD für die nächste Beiratsitzung:

Zitat
Der Beirat Blumenthal fordert den Senator für Umwel
t, Bau und Verkehr auf, ein
Durchfahrtverbot – auch nachts – für Fahrzeuge mit ei
nem zulässigen Gesamtgewicht von
mehr als 7,49 t für die Rönnebecker Straße, Dillener S
traße, Farger Straße und Rekumer
Straße durch Rönnebeck und Farge-Rekum sowie die Lüssumer
Straße und Schwaneweder
Straße durch Lüssum-Bockhorn zu veranlassen.
Die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft werden geb
eten, bei der Suche nach
Alternativen zu helfen.
Zitat Ende

..jetzt bin ich aber mal gespannt wie meine Nachbarn Spedition Stahl und Henze mit ihren Trucks zur Fähre nach Farge kommen!

Entweder über Bremen um auf die andere Weserseite zu kommen oder sie müssen Richtung Bremerhaven fahren und den Wesertunnel nehmen, ja oder einen Flugsaurier auftreiben, oder ? :-)


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..vielleicht sollte man den Antrag auf Durchfahrtsverbot nochmal prüfen?

#27 von Lola , 03.08.2013 04:05

http://www.weser-kurier.de/region/zeitun...rid,622261.html

Zitat
Nutzung des Weser-Geest-Gewerbeparks durch Egerland: Blumenthaler SPD befürchtet mehr Lkw-Verkehr - 25.07.2013
Durchfahrverbot für Lastwagen gefordert
Von Ulf Buschmann

Die Blumenthaler SPD fordert ein Durchfahrverbot für Lastwagen von mehr als 7,49 Tonnen. Dieses soll auch nachts gelten, und zwar für die Rönnebecker Straße, die Dillener Straße, die Farger Straße und die Rekumer Straße. So steht es in einem Antrag für die kommende Beiratssitzung. Hintergrund ist die Nutzung des Gewerbeparks Weser-Geest durch Egerland.

Im letzten Absatz heißt es:
Befürwortet wird das beispielsweise von Ortsbürgermeisterin Annette von Wilcke-Brumund (SPD). In Richtung ihrer Blumenthaler Genossen fragt sie sich, warum sie erst jetzt wach werden. Von Wilcke-Brumund verweist darauf, dass das Unternehmen Egerland den Gewerbepark bereits vor einigen Jahren als Lagerfläche genutzt habe.
Zitat Ende


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Gewerbepark Weser-Geest

#28 von Lola , 03.08.2013 04:56

http://www.gewerbepark-weser-geest.de/index/index.html
Zitat
Alles da, was Sie brauchen.

Egal, ob Sie für Ihr Unternehmen ein Büro, Speditionshallen, Werkstätten oder großzügige Lagerflächen suchen:

Im Weser-Geest Gewerbepark finden Sie eine lebendige Infrastruktur, Natur vor der Tür und viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, zu expandieren oder ganz neu zu starten.

Auch Künstler und andere Kreative finden hier einen Raum, der außergewöhnlich und inspirierend ist.

Übrigens: Der Weser-Geest Gewerbepark ist ein Ort mit Geschichte: Bis April 2004 war hier die Schwaneweder Weser-Geest-Kaserne beheimatet.

Heute können wir auf die sehr gute Substanz der ehemaligen Bundeswehrgebäude zurückgreifen.

Zusammen mit der Gemeinde Schwanewede und dem Landkreis Osterholz haben wir hier einen modernen Gewerbepark entwickelt. Sie möchten dabei sein? Wir freuen uns auf Sie!
Zitat Ende


http://www.niw.de/uploads/pdf/publikatio...Schwanewede.pdf
in der Zusammenfassung kann man folgendes lesen:
Zitat

Diekmann & Mosebach
VII
Stärken-Schwächen-Analyse der Gemeinde Schwanewede (Kurzfassung)

Entscheidendes Merkmal der räumlichen Lage der Gemeinde Schwanewede
(19.500 Einwohner) ist die Nähe zum überregional bedeutsamen Wirtschafts-
standort Bremen. Sowohl die Potenziale der Wirtschafts- als auch der Bevölke-
rungsentwicklung der Gemeinde Schwanewede werden maßgeblich durch die
Lage im suburbanen Raum der Halb-Millionen-Stadt beeinflusst. Aufgrund der
unmittelbaren Nachbarschaft bildet Schwanewede v.a. mit den eher entwicklungs-
schwachen Stadtteilen in Bremen-Nord einen engen Verflechtungsraum.
Zitat Ende

Vielleicht sollte es den Politikern in Blumenthal zu denken geben wie ein Planungsbüro
die Stadtteile Bremen-Nord sieht: "mit den eher entwicklungsschwachen Stadtteilen.."

Vielleicht sollten auch Politiker nicht als erstes z.B.den Durchgangsverkehr sperren wollen, sondern möglicherweise erst einmal im Beirat diskutieren wie man die wirtschaftliche Zukunft eines Stadtteils plant und ob es nicht besser ist hier geeignete Fachleute zu Rate ziehen, bevor Maßnahmen beschlossen werden, die man im Nachhinein kaum noch ändern kann, so dass es am Ende nur eine "Schlimmverbesserung" wird?

In einem Beitrag in diesem Thread steht:

"Wer nicht mit der Zeit geht,
der geht mit der Zeit"


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RE: Gewerbepark Neuenkirchen/ Rader Heide

#29 von Lola , 03.08.2013 06:13

..auch dieser Gewerbepark kann sich sehen lassen. Ein interessanter Gewerbemix!
Ein Gewerbepark wie man ihn überall vor den Toren und Außenbezirken von Städten sehen kann.

...aber eben kein Vergleich mit dem BWK-Gelände, das eingerahmt ist von der Weser, von dem gewachsenen und leider wirtschaftlich völlig verwaisten Ortskern Blumenthal, einem wunderschönen historischen Wätjens Park und auf dem Gelände befindlichen historischen Backsteingebäuden.

Leider befindet sich aber auch dieses "Heizkraftwerk" auf dem Gelände(http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/...Hash=b86d908da9)

"Stinkende und rauchende Firmen" gibt es in den beiden Gewerbestandorten in Neuenkirchen/Schwanewede jedenfalls nicht und in einem Ort wie Blumenthal, darf ein solches Unternehmen schon gar nicht ansässig sein. Hier ist eine politische Regelung gefordert, wenn man endlich die Weichen für Blumenthal auf "Zukunft" stellen will.

Das Areal im Gewerbepark Weser-Geest wurde übrigens im Jahr 2007/2008 schon als Lagerplatz für Autos benutzt. Es ist nicht erst neuerdings so. Das nur mal so ganz nebenbei.

Vielleicht sollten die Blumenthaler Politiker mal über den Tellerrand schauen was bei den Nachbarn so läuft.
Vorschläge was andere Städte mit einem Gebiet vergleichbar mit der BWK gemacht haben, gibt es in diesem Forum und im Blog.
Quellenangaben mit Bildmaterial wurde ebenfalls eingefügt.


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zuletzt bearbeitet 03.08.2013 | Top

Augenöffner?

#30 von Reinhard , 03.08.2013 11:55

Augenöffner?

Die Kontroverse über die Verlagerung kommt möglicherweise in richtigen Augenblick, wenn sie einmal nicht nur im Hinblick auf die Sperrung der „richtigen“ Straßen bezieht, wie es die Blumenthaler und Rönnebecker SPD mit ihren diversen Anträgen und Antragsentwürfen für den Beirat machen.

Dort sollten zunächst im alten Fraktionsantrag und im Antrag des Ortsvereins Rönnebeck die Rönnebecker, Dillener Straße, Farger und die Rekumer Straße, während am 1.8. in den aktualisierten Antrag noch die Lüssumer und die Schwaneweder
Straße durch Lüssum-Bockhorn einbezogen wurden.

In der Begründung wird dabei befürchtet, „dass die Autotransporte über den kürzesten Weg nach Schwanewede geleitet werden“ und man gelangt zu dem Vorschlag, das Tanklager Farge, das bekanntlich bisher immer als kontaminiert gegolten hat und dessen Nutzung sich rechtlich ausschließlich auf seine militärische Verwendung stützt, quasi als Joker für eine Konfliktlösung einzusetzen. Das würde vermutlich dessen Image bei den Anwohnern der aufgelisteten Straße verbessern und die Anwohner des Tanklagers mit ihren Problemen allein lassen.

Der Verweis auf das Tanklager Frage, der gesundheitlich, ökologisch und planungsrechtlich außerordentlich bedenklich ist, legt jedoch gleichzeitig eine Erkenntnis offen, die man bisher in Blumenthal bei allen Beratungen zur Bebauung des BWK-Geländes angeblich nicht hatte. Blumenthal braucht ein Industrie- und Gewerbegebiet nicht zwischen der Weser und den Kernen der Ortsteile, sondern weiter außerhalb in der Nähe der Autobahnen und Bundesstraßen. Andere Standorte führen allein von der Lage her zwangsläufig zu Verkehrsbelastungen in bestehenden Wohngebieten. Wie aber die SPD-Fraktion in ihrem Antrag betont, sieht sie es als ihre „Pflicht“ an, „die an den Straßen liegenden Einrichtungen für alte Menschen, Kitas und Schulen vor Gefährdungen zu schützen.“

Man kann daher nur hoffen, dass die Beiratsmitglieder jetzt nicht nur über einzelne Straßen diskutieren, sondern auch das Ausgangsproblem sehen: ein Standort an der Weser führt zu einem Werksverkehr, der nicht immer auf direktem Weg zur nächsten Autobahnauffahrt erfolgt, sondern auch andere Straßen benutzen wird, um Zeit und Treibstoff zu sparen.


Reinhard  
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zuletzt bearbeitet 16.09.2013 | Top

   

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Auf dem Weg zum BWK-Museum

Burg Blomendal (Quelle: wikipedia)
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