Kraftwerk Farge (Quelle: wikipedia)

Warum fallen in Bremen Bauprojekte gerne teurer aus als geplant?

#1 von Lola , 22.06.2013 07:19

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...rid,599680.html

Zitat
Endabrechnung liegt vor: Umbau deutlich teurer als geplant / Stadt bleibt auf Kosten für Mängel bisher sitzen - 22.06.2013
Schlechtes Image für Stadthaus und Tunnel
Von Patricia Brandt

In Bremen fallen Bauprojekte gerne teurer aus als geplant. Dass die Stadt auf den Mehrkosten sitzen bleibt, selbst wenn andere für den Pfusch am Bau verantwortlich sein sollen, zeigt das Beispiel Vegesacker Stadthaus nebst Tunnelbauwerk. Höchstens ein Gerichtsbeschluss könnte das Geld, mindestens eine halbe Million Euro, zurück in die Stadtkasse bringen.
Zitat Ende

Vielleicht sollte Bremen mal die Vergabe von Aufträgen ändern, damit der ohnehin schwer gebeutelte Haushalt
nicht noch mehr belastet wird.
Könnte es sich nicht allgemein um "hausgemachte Probleme" handeln, dass Bremen so "klamm" ist?
Wie verfährt man denn bei der Vergabe von Aufträgen?
Bekommt immer derjenige den Auftrag, der am billigsten ist?

Vielleicht sollte Bremen mal zu Festpreisen Aufträge vergeben, dann muß genau gerechnet werden.
Der Planer, Architekt oder Bauunternehmer muss auch bei einer Kostenschätzung rechnen, dann kann er doch gleich richtig rechnen und Festpreise abgeben und wenn das ein Unternehmen nicht will, dann kann man es eben bei der Auftragsvergabe nicht berücksichtigen. Ist doch logisch, oder?

Welcher private Bauherr plant einen Bau ob Haus, Garage , Lagerhalle u.s.w. nach einer Kostenschätzung?
Der Finanzierungsplan gerät doch bei einer wesentlich höheren Endabrechnung aus den Fugen und warum wird bei Auftragsvergabe nicht auch gleich die Frage der Mängelbeseitigung festgehalten?
Warum muss Bremen auf diesen Kosten sitzen bleiben?
Warum muss Bremen immer das Risiko tragen?

Eine Ware über den Preis zu verkaufen ist absolut keine Kunst! Das lernt man schon im 1.Lehrjahr.

http://www.kreiszeitung.de/lokales/breme...ck-2511416.html

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RE: Warum fallen in Bremen Bauprojekte gerne teurer aus als geplant?

#2 von Lola , 02.09.2013 00:08

Es ist ein Projekt, dessen Entstehung über 40 Jahre zurückliegt.
Man hat folgendes gemacht:
" Dabei wurden die Planungskosten wider besseren Wissens halbiert, um eine Baugenehmigung für das Vorhaben zu bekommen, und die eigentlich geplante Wohnungszahl kurzerhand unter dem Schlagwort: "Urbane Verdichtung" fast verdoppelt."
Beim Lesen über Tenever fiel mir der Artikel aus der Norddeutschen wieder ein.



http://www.blumenthal-zeitung.blogspot.de/
Zitat
Das Beispiel Tenever

Ist die Neue Vahr vor allem wegen ihrer Größe und der praktischen Realisierung einschlägiger städtebaulicher Konzepte ein gutes Beispiel für die Geschichte und praktische Prüfung einer „großen“ Idee, wurde durch zwei ganz andere Aspekte der Blick der interessierten Öffentlichkeit auf Tenever gelenkt. Hier haben vor allem zwei handelnde Personen für eine breite Diskussion gesorgt.

So hat mit Wendelin Seebacher ein beteiligter Stadtplaner mit seinem Buch „"…das tun wir nicht wieder" eine schonungslos kritische Abrechnung mit diesem einstigen Demonstrativbauvorhaben vorgelegt. Danach ist dieses „Klein Manhattan“, wie Tenever bereits während der Bauzeit genannt wurde, ein Musterbeispiel für die "Unwirtlichkeit" profitorientierten Städtebaus.

So hat man auf Wiesen und Feldern am Bremer Stadtrand ohne Rechtsgrundlage einen Monster-Stadtteil aus Beton gebaut, an dessen Entstehen alle beteiligt waren und mitgemacht haben: das Ortsamt, der Beirat, die Parteien und der Senat. Dabei wurden die Planungskosten wider besseren Wissens halbiert, um eine Baugenehmigung für das Vorhaben zu bekommen, und die eigentlich geplante Wohnungszahl kurzerhand unter dem Schlagwort: "Urbane Verdichtung" fast verdoppelt.

Damit führten ein Realitätsverlust und Größenwahn vieler Beteiligter zur Entstehung eines sozialen Ghettos und städtebaulichen Torsos direkt an der Autobahn, das ohne ausreichende Kindergärten und Schulen, vor allem aber ohne ein Stadtteilzentrum entstand.

Erst der im August 2000 vom Bremer Senat beschlossene kostspielige Rückbau und Abriss ganzer Wohnblöcke in einem der größten Sanierungsprojekte Deutschlands und der Anschluss an das öffentliche Verkehrsnetz führte 40 Jahre später zu einer Verbesserung der Situation. So wurden 2003 und 2004 über 60 % der Wohnungen von der Gewoba aus Zwangsversteigerungen erworben. Im Mai 2004 startete dann der Abriss von ca. 950 Wohnungen und begann gleichzeitig die Sanierung der übrigen Wohnungen. Dabei blieben nur circa 65 Prozent der Wohnungen erhalten und wurden aufwändig saniert.

Die seither durchgeführten Stadtumbau-, Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen kosteten etwa 72 Millionen Euro und wurden von der Stadt Bremen und durch das Bund-Länder-Programm "Stadtumbau West" finanziert. (Tenever 2011) Im Ergebnis waren 2012 dann nahezu alle Wohnungen vermietet.
Zitat Ende


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RE: Warum fallen in Bremen Bauprojekte gerne teurer aus als geplant?

#3 von Klueverbaum , 02.09.2013 11:38

Ja, warum ist das so? Beispiele aus Bremen-Nords jüngster Vergangenheit:

- Der Aussichtsturm an der Gläsernen Werft, von dem man nichts sehen kann - war der nicht auch doppelt so teuer wie geplant?

- Der Tunnel zum Stadthaus - Verdoppelung der Kosten

- Schule an der Lehmhorster Straße - warten wir mal ab.....

Aber nicht nur bei Bauvorhaben ist das so:

- Bremer Bootsbau Vegesack - geplant mit riesigen Touristenströmen, es wurde überlegt wie man die zu erwartenden Reisebusse über die Schulkenstraße manövriert - Pleite.

- Spicarium geplant mit 30000 Besuchern jährlich, damit es sich rechnet, und weil natürlich so irre viele Touristen nach Vegesack gekommen - bis jetzt sind noch nichtmal 10000 Besucher pro Jahr da gewesen - Pleite zunächst abgewendet durch Finanzspritzen.

Die Liste kann man sicherlich endlos fortsetzen.

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RE: Warum fallen in Bremen Bauprojekte gerne teurer aus als geplant?

#4 von Lola , 02.09.2013 17:24

http://www.leuwer-bremen.de/veranstaltun...ngen/index.html
Zitat
inladung zur Buchpräsentation mit Wendelin Seebacher

…. das tun wir nicht wieder!
Osterholz-Tenever – Geschichte eines Bremer Demonstrativbauvorhabens

TENEVER ! Vorzeigeobjekt ? Bausünde ?

Osterholz – im späten 12. Jahrhundert Besiedelung und Trockenlegung der Sumpfflächen.
Neuland ! Bald Bremen unterstellt – trotzdem behielt der Stadtteil seinen ländlichen Charakter.

In den 70er Jahren entstand dann TENEVER – auch „Klein-Manhatten“ genannt !
Das Demonstrativbauvorhaben OT ist ein Musterbeispiel für die „Unwirtlichkeit“ profitorientierten Städtebaus.
Wendelin Seebacher, seinerzeit als Stadtplaner dabei, macht auf der Grundlage von Dokumenten, Protokollen und Befragungen durchschaubar, wie man mit Argumenten
die Zukunft schön redete, den Beton in den Himmel wachsen ließ und ein neuer Stadtteil
entstand. Jahre später musste alles mit hohem Aufwand zurückgebaut werden.
Zitat Ende

"…. das tun wir nicht wieder!"

Das glaube ich ganz sicher, dass man einen solchen Stadtteil nicht mehr bauen wird!
Aber wie ist das mit der Vorgehensweise? Hat man da wirklich etwas dazu gelernt? Hat man aus seinen Fehlern gelernt? Kann man diese Vorgehensweise einfach ganz locker "Fehler" nennen?


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"Viele Projekte werden unnötig teurer als geplant"

#5 von Lola , 22.09.2013 08:47

http://www.weser-kurier.de/startseite_ar...rid,668187.html

Zitat
Europäischer Rechnungshof: Viele Projekte werden unnötig teurer als geplant - 22.09.2013
Verschwendung im Straßenbau
Von Norbert Holst

Berlin. Deutschlands Straßen und Brücken sind marode. Auch, weil das Geld für dringend notwendige Reparaturen fehlt. Dabei ließe sich bei den Verkehrsprojekten eine Menge Geld sparen. Das jedenfalls rechnet der Europäische Rechnungshof in einer Studie vor.
Zitat Ende

Auf Seite 2 hat der Autor noch einen Kommentar verfasst, der wie folgt endet:
"..Und vielleicht zeigt sich ja auch die Reformkommission Bau bei der Beschäftigung mit Großprojekten mutig. Seit April trifft sich dieser Expertenkreis, um Kostenwahrheit, Transparenz und Termintreue zu stärken und künftig peinlichen Pannen-Projekte zu verhindern.
Neue Wege sind jetzt gefragt."

..da ist also wirklich "Daumendrücken" für die Reformkommission angesagt.


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RE: "Viele Projekte werden unnötig teurer als geplant"

#6 von Lola , 22.09.2013 08:58

http://www.bundestag.de/presse/hib/2013_09/2013_462/03.html

Zitat


Navigationspfad: Startseite > Presse > Aktuelle Meldungen (hib) > September 2013 > Im Bundestag notiert:

Reformkommission Bau von Großprojekten
Im Bundestag notiert: Reformkommission Bau von Großprojekten
Verkehr und Bau/Kleine Anfrage - 19.09.2013
Berlin: (hib/MIK) Die „Reformkommission Bau von Großprojekten“ und die Interessen der Bauindustrie sind Thema einer Kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke (17/14750). Die Abgeordneten kritisieren dabei, dass die Mehrheit der 36 Kommissionsmitglieder „direkt oder indirekt“ am Bau von Großprojekten beteiligt sei. Deshalb soll die Bundesregierung unter anderem mitteilen, ob sie erwogen hat, auch Vertreter der Umweltverbände oder Personen in die Reformkommission zu berufen, die Großprojekten kritisch gegenüberstehen. Auskunft soll die Regierung auch geben, welche Verträge es mit den Mitgliedern gibt.

Zitat Ende

...nachdem ich den Artikel im WK gelesen habe, dachte ich das ist ein guter Weg. Dann habe ich gegoogelt und frage mich nun allerdings wer von den Kommissionsmitgliedern die direkt oder indirekt an Großbauten beteiligt sind, wird denn als Kritiker auftreten können? Die würden dann ja ihre eigene Arbeit in Frage stellen.
Wo sind da die neuen Wege?
Ich kann sie leider nicht erkennen.

Vielleicht machen sich ja noch ein paar User hierzu Gedanken.


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